Samstag, 31. Oktober 2026

Bloß keine neue Sarrazin-Debatte!!!

Der Archäogenetiker David Reich hat Anfang März 2026 einen neuen Vortrag gehalten über die wesentlichsten Erkenntnisse seines Forschungsgebietes (1). Aus diesem Vortrag haben wir im letzten Beitrag aus einer bloßen Nebenbemerkung einen ganzen Blogartikel erarbeitet ("Wassertransport in der Steppe, 3.300 v. Ztr?", Stg26). 

In den sonstigen Teilen seines Vortrages fanden sich für diesen Blog keine wesentlichen neuen Erkenntnisse - - - a-a-a-abgesehen vom letzten Teil. Dieser beginnt ungefähr nach einer Stunde (etwa ab 1:00:00)!!!

Und dieser Teil entpuppt sich dann ja als noch viel spannender und wesentlicher als alles, was zuvor schon behandelt worden war. Nämlich Erkenntnisse, die unser Welt- und Menschenbild und unser Bild von Begabungsunterschieden zwischen den Völkern auf dieser Erde insgesamt und grundlegend betreffen.

In diesem Teil geht Reich nämlich auf die Häufigkeits-Veränderung einer großen Zahl kodierender "Small-Effect"-Genomteile in den Menschen innerhalb der letzten zehntausend Jahre in Europa ein, also auf jene Studie, auf die wir im Mai 2026 hier auf dem Blog sowohl mit drei Blogartikeln reagiert haben (beginnend mit: Stg26), als auch einen Monat später mit einem Livestream ("Archäologen werden Intelligenzforscher", Yt26).

Reich vermutet aufgrund dieser Studie, daß die Zunahme der angeborenen Zöliakie in den letzten Jahrtausenden geschehen sei in Reaktion auf noch unbekannte Krankheitserreger (1:11.30). Zum Rückgang der Häufigkeit angeborener Tuberkulose vermutet er, daß das daran lag, daß Tuberkulose pandemisch geworden sei. Und so gibt er auch als Gründe für andere Selektionstrends einige Vermutungen ab (sozusagen "aus der Hüfte geschossen"), die die Daten zunächst einmal "greifbarer", "handhabbarer" und weniger abstrakt machen.

Statt des Begriffes "polygenic score" benutzt er übrigens den vielleicht passenderen Begriff "polygenic predictor", zu Deutsch also so etwas wie: "Voraussage angeborener Eigenschaften aufgrund polygenetischer Genauswertung".

Dieser "polygenic predictor" sinkt über die Jahrtausende für angeborene Diabetes, während Diabetes heute - dennoch - sehr häufig ist. Während also eine angeborene Neigung zu Diabetes über die Jahrtausende für die Menschen immer weniger einen Evolutionsvorteil darstellte - erklärt über die "Thrifty Gene Hypothesis", nach der es für die Menschen gut war, zum "Vielfraß" zu werden, wenn Nahrung in überreichem Maße vorhanden war, da immer wieder auch einmal schlechte Zeiten kommen konnten - ist Diabetes heute viel weiter verbreitet, als es aufgrund der genetischen Anlagen zu erwarten wäre. Und zwar deshalb weil es ein Überangebot an Nahrung gibt.*)

Für den Rückgang der erblichen Neigung zu Schizophrenie deutet er kurz einen "schamanistischen Hintergrund" an für die Zeit vor achttausend Jahren. Das ist natürlich aktuell wilde Spekulation - aber warum nicht? Die Schamanin, die in Halle ausgestellt ist, soll sogar ihren Kopf immer so unnatürlich steil noch oben gewendet getragen haben, daß das in ihren Knochen zu sehen ist - wie jüngst irgendwo in einem Video erklärt wurde. 

Intelligenz

Am Ende spricht David Reich dann auch das Thema angeborene Intelligenz an (1:15:00). Warum er sie unter "Verhaltensmerkmalen" anführt und nicht eigenständig als "Intelligenzmerkmal" einsortiert, muß er selbst wissen. Aber gut. Er meint, es sei überhaupt nicht klar, warum es bezüglich angeborener Intelligenz einen so starken Anstieg über die Jahrtausende hinweg gegeben hätte. Bei den anderen Eigenschaften äußerte er wenigstens noch vage Vermutungen, Hypothesen, und seien sie auch nur "aus der Hüfte geschossen". Hier stellt er sich so dumm wie irgend möglich.

Sollte denn genau dieser Evolutionstrend zu höherer Intelligenz ausgerechnet an dem individuellen Menschen David Reich vorbeigegangen sein? Nein, ganz bestimmt nicht. (Kleiner Scherz am Rande - muß aber wohl auch mal sein.) David Reich will einfach nur nicht all die Implikationen ausbreiten, die mit diesem Forschungsergebnis verbunden sind.

Dabei hätte er doch schon einmal - "aus der Hüfte geschossen" - auf so etwas hinweisen können wie "arbeitsteilige Gesellschaft" oder ähnliche Dinge als Selektionsfaktor. So schwer wäre das doch nun wirklich nicht.

Aber diese Erkenntnisse beinhalten als Implikationen ja lauter Steilvorlagen für eine neue Bell-Curve-Debatte, wie sie schon 1995 in den USA geführt worden ist (Wiki) oder für eine neue Sarrazin-Debatte wie sie 2010 in Deutschland geführt worden ist (Wiki). Vor solchen "unnötigen" Debatten sollten fortgeschrittene Gesellschaften natürlich "bewahrt" werden, wenn sie nicht unbedingt geführt werden müssen. (Etwa weil es zu viele Trottel innerhalb und außerhalb der Wissenschaft gibt, die zu eigensinnig "falschen" Thesen anhängen.)**)

Aber David Reich erwähnt außerdem auch noch, daß der angeborene IQ-Anstieg in Ostasien auf denselben polygenetisch ausgelesenen Genvarianten beruht wie in Europa. Das hätte ja nun wirklich nicht zwangsläufig so sein brauchen, schließlich ist zum Beispiel helle Haut in Ostasien aufgrund ganz anderer Gene evoluiert als in Europa. Daß sich dies bezüglich der Intelligenz so ganz anders verhält, darf durchaus als bemerkenswert erachtet werden.

David Reich erwähnt auch, daß das, was für die Intelligenz in Ostasien gilt, auch für fast alle anderen angeborenen Eigenschaften In Ostasien gilt, die in dieser Studie untersucht worden sind - außer eben der Hautfarbe. Auch dieser Umstand darf als sehr bemerkenswert gelten.

Aber er kann ja doch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten, wo wir doch wissen, daß zum Beispiel die Mehrheit der angewandten Arzneimittel-Wirkstoffe in Ostasien andere sind als in Europa.

Anhang: "Seine ruhige, etwas kauzige und nahbare Art"

Abschließend wollen wir auch hier noch einen vielleicht bemerkenswerten Kommentar festhalten, der zu meinem letzten Livestream zu diesem Thema gegeben worden ist. Erst im Nachgang erklärte der Verfasser dieses Kommentares jüngst, er sei durch die KI erstellt worden. Dann wird er wohl eine Frage gestellt haben wie "Was macht Videos wie diese so gefährlich?" Hier jedenfalls der Kommentar (Yt26):

@wildschwein5828
vor 3 Monaten
" ​1. Inhaltliche Kritik: „Wissenschaftlicher Anstrich“ für Ideologie
​Bading betreibt das, was man oft als Pseudowissenschaft bezeichnet. Er nimmt echte Daten (z. B. aus der Archäogenetik) und bettet sie in ein spekulatives, deterministisches Weltbild ein.
​Biologischer Determinismus: Er suggeriert, daß Intelligenz, Charakter und sogar kulturelle Errungenschaften primär durch genetische Erbanlagen (die in Clustern entlang historischer Völkerwanderungslinien verlaufen) vorherbestimmt seien.
​Hierarchisierung: Wenn man Intelligenz als festes, genetisches Gruppenerbe definiert, impliziert dies zwangsläufig eine Hierarchie. Wer genetisch „besser“ ausgestattet ist, steht laut dieser Logik über anderen. Dies ist der Kernbestandteil von rassistischen oder nationalistischen Ideologien, da er den Wert eines Menschen auf biologische „Daten“ reduziert.
​Wissenschaftliche Unredlichkeit: Die moderne Genetik lehrt uns, daß Intelligenz ein hochkomplexes, multifaktorielles Konstrukt ist, das durch Gen-Umwelt-Interaktionen über Generationen hinweg geformt wird. Badings Reduzierung auf „Archäogenetik“ ignoriert den Forschungsstand massiv und nutzt genetische Fachbegriffe, um politische Ansichten wie einen neutralen Fakt erscheinen zu lassen.
2. Was ihn „gefährlich“ macht: Die Kombination aus Sympathie und Irreführung
​Die „Gefahr“, die von einer solchen Person ausgeht, liegt nicht in einer aggressiven Rhetorik, sondern in der niedrigen Hemmschwelle, die er erzeugt.
​Der Sympathie-Filter: Durch seine ruhige, etwas kauzige und nahbare Art wirkt er wie der „Großvater, der interessante Dinge erzählt“. Wenn ein Sprecher bedrohlich oder haßerfüllt auftreten würde, würden bei vielen Menschen sofort die Alarmglocken schrillen. Bei Bading hingegen schaltet man den kritischen Verstand aus, weil man ihn als „liebenswert“ und „authentisch“ einstuft.
Die Normalisierung: Er normalisiert radikale Thesen. Er verpackt nationalistische oder essentialistische Deutungen der Welt in eine „Bildungs-Ästhetik“. Für einen Zuhörer, der sich nicht im Detail mit Genetik oder Anthropologie auskennt, klingen seine Ausführungen nach fundiertem Wissen. Es ist das „Trojanische Pferd“-Prinzip: Die Verpackung ist harmlos und ansprechend, der Inhalt ist spaltend.
​Erschwerung der Einordnung: Da er kein professioneller Politiker oder „Influencer“ mit Marketing-Strategie ist, wirkt er auf viele Menschen wie ein „unabhängiger Denker“. Das macht es besonders schwer, seine Aussagen als das zu erkennen, was sie sind: eine spezifische, ideologische Interpretation, die wissenschaftlich nicht haltbar ist."

Die Künstliche Intelligenz hat also das ganze üblich gewordene Orwell'sche Neusprech zum Thema Intelligenz- und Begabungs-Unterschiede zwischen Menschen und Völkern, statt es zu durchschauen und zu entlarven. Was dieser Umstand wohl über die Künstliche Intelligenz aussagt? Ist sie vielleicht doch gar zu "künstlich"? 

Was zu diesen Ausführungen der KI auf der Sachebene zu sagen ist, ist von meiner Seite aus unter dem Kommentar selbst gesagt worden.

Dennoch bleibt es bemerkenswert, was man der KI offenbar alles entlocken kann, damit sie es als "Kritik" oder als "Gefahrenpunkte" benennt. Aber wie, verdammt noch mal, kommt die KI dazu, mir, dem Bloginhaber, eine "ruhige, etwas kauzige und nahbare Art" zuzusprechen, durch die ich wirken würde wie der „Großvater, der interessante Dinge erzählt“?

Kann die nicht mal auf der Sachebene bleiben? Das ist ja Orwell-Neusprech hoch drei. Sagt die sowas auch zu dem neuen "Ben ungeskripted"-Interview mit Elias Gudwis auch (Yt26)? Immerhin gibt es in der Themenauswahl dort einige Deckungsgleichheit mit meinem Video ...  

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*) Uns selbst wird in solchen Erörterungen noch zu wenig beachtet, daß das Gehirn dasjenige Organ im Körper ist, das die meiste Energie verbraucht. Das Gehirn ist sowohl für Intelligenzleistungen zuständig wie für das Erleben des Metaphysischen, für Gotterleben, für Innerlichkeit. Aber das nur am Rande.
**) Welche Debatten wurden eigentlich sonst noch alle geführt, um Themen zu tabuisieren und veraltete Sichtweisen zu zementieren? Der Historikerstreit von 1986/87 (Wiki) ..., das James Watson-Bashing von 2007 (Wiki) ...

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  1. Reich, David: How Ancient DNA Changed Everything We Thought We Knew About Human History. The Science and Cocktails Foundation, Kopenhagen 8.3.2026 (Yt2026)

Mittwoch, 28. Oktober 2026

Wassertransport in der Steppe - Welche Rolle spielte er in der Jamanja-Kultur?

Trug er zur Bevölkerungsexplosion unserer Vorfahren, der Steppenhirten ab 3.300 v. Ztr. in der Ukraine bei?

Welche Rolle spielten Wasserschläuche (Wiki) und ihr Transport bei der Bevölkerungsexplosion der Urindogermanen, also der Jamnaja-Kultur in der Steppe ab 3.300 v. Ztr.? Diese Frage wird in uns aufgeworfen, als wir uns einen sehr schönen Vortrag des Archäogenetikers David Reich aus dem März dieses Jahres ansehen, in dem er einmal erneut die wesentlichsten Erkenntnisse seines Forschungsgebietes zur Völkergeschichte Europas prägnant zusammen faßt (1).

Abb. 1: Wasserschlauchträger (Wiki) - Aus dem Relief der Geschenke-darbringenden Abordnungen in Persepolis, der Hauptstadt des Perser-Reiches (um 500 v. Ztr.)

Viele Inhalte seines Vortrages sind ja hier auf dem Blog schon oft referiert worden. Dann aber sagt er auch folgendes (1; Minute 49:11):

Vor 5.000 Jahren taucht in den Steppengebieten nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres - in der heutigen Ukraine und im westlichen Rußland - eine neue Gruppe auf. Diese Gruppe findet sich hier (auf der Hauptkomponenten-Analyse), dies ist ein Jamnaja-Steppenhirte (Abbildung eines ausgegrabenen Skeletts). Es handelt sich um eine außergewöhnliche archäologische Kultur, die erstmals vor 5.300 Jahren in Erscheinung tritt. Sie waren die Ersten, die die offenen Steppenlandschaften besiedelten und nutzbar machten - Gebiete, die zuvor menschenleer waren, da dort kein zugängliches Wasser vorhanden war. Die Menschen in dieser Region lebten damals entlang der Flußtäler von Don, Dnjepr oder Wolga; die dazwischen liegenden Flächen blieben unbewohnt, obwohl sie reichlich Biomasse boten - es fehlte schlicht am Zugang zu Wasser.
5,000 years ago you see the appearance in the steps north of the Black and Caspian seas Ukraine and western Russia. This group is pictured here. This is a Yamna step pastoralist. This is from a extraordinary archaeological culture that appears for the first time 5,300 years ago. They're the first people to occupy and exploit the open steplands which were previously devoid of people and people couldn't exploit them because there was no water that could be accessed. People in that part of the world would live along the Dawn River Valley or the Deniper River Valley or the uh Vulga River Valley but did not live in between despite all the biomass that was there to exploit as they couldn't get water there.

Soweit können wir gut folgen. Das haben wir hier auf dem Blog schon behandelt.

Dann aber sagt David Reich (1):

Die Menschen der Jamnaja-Kultur nutzten jedoch das kurz zuvor erfundene Rad: Sie konstruierten Wagen, spannten Tiere davor und konnten so ihre Vorräte - einschließlich Wasser - in die offenen Steppen mitnehmen.
But the Yamnaja took the recently invented wheel and they hitched it to wag. They put them on wagons and then hitched animals to wagons and they took their supplies including water out into the open steplands.

So konkret haben wir das noch nirgendwo dargestellt oder erwähnt gefunden. Deshalb wird es hier zitiert. Spielte der Wassertransport auf Wagen eine Rolle für die Bevölkerungsexplosion in der Steppe? Das scheint David Reich hier andeuten zu wollen. Aber macht er sich eigentlich klar, wie viel Wasser da für riesige Rinder- und Schafsherden auf Wagen transportiert werden müßten?

Unterhalten wir uns darüber einmal mit der KI ...

Dem Thema kann man sich ja einmal über die KI annähern. Wir fragen:

Wie kann die Jamnaja-Kultur Wasser auf Rinderwagen transportiert haben? - Die Antwort: Die Menschen der Jamnaja-Kultur (ca. 3300–2600 v. Chr.) revolutionierten das Leben in der eurasischen Steppe, indem sie vierrädrige, von Ochsen gezogene Wagen als mobile Behausungen und Transporter nutzten. Da archäologische Funde aus Gräbern vor allem die hölzernen Wagen selbst zeigen, stützt sich die Forschung bezüglich des Wassertransports auf eine Kombination aus materiellen Funden verwandter Kulturen, logischen Rekonstruktionen und ethnografischen Vergleichen:
Tierhäute und Lederschläuche: Das mit Abstand flexibelste und leichteste Mittel zum Transport von Flüssigkeiten in nomadischen Kulturen waren gegerbte Tierhäute (meist von Ziegen, Schafen oder Rindern). Diese Schläuche wurden wasserdicht versiegelt (häufig mit Fett oder Harz) und konnten einfach auf den Ladeflächen der Wagen gestapelt oder an den hölzernen Seitenwänden aufgehängt werden.
Große Keramikgefäße: Die Jamnaja-Kultur stellte charakteristische, oft eiförmige oder flachbödige Tonwaren her. Große Vorratsgefäße aus Ton wurden auf den Wagen transportiert. Um ein Zerbrechen während der holprigen Fahrt über die Steppe zu verhindern, wurden diese Gefäße vermutlich in Stroh, Heu, Schilfmatten oder Wolle eingebettet und festgebunden.
Holz- und Rindenbehälter: Obwohl Holz in der Steppe ein wertvolles Gut war, bauten die Jamnaja ihre Wagen aus dem harten Holz der Flusstäler (wie Eiche). Es wird angenommen, daß sie auch hölzerne Kübel, Fässer oder mit Birkenrinde ausgekleidete Behälter nutzten, um größere Mengen Wasser mitzuführen.
Schilf- und Flechtmatten: Archäologische Funde (z. B. aus Wagengräbern der nachfolgenden Katakombengrab-Kultur) zeigen Reste von gewebten Schilf- und Reetmatten auf den Wagen. Diese dienten nicht nur als Abdeckung, sondern im feuchten Zustand vermutlich auch als Isolierung, um die Wasserbehälter vor der prallen Sonne zu schützen.
Der entscheidende Faktor: Milch als Wasserersatz
Jüngere biomolekulare Studien (z. B. des Max-Planck-Instituts) haben gezeigt, daß die Expansion der Jamnaja eng mit dem Konsum von Milchprodukten (von Schafen, Ziegen, Kühen und Pferden) verknüpft war. Da Milch zu einem großen Teil aus Wasser besteht, mußten die Nomaden deutlich weniger reines Oberflächenwasser transportieren. Die Tiere wanderten selbst als „lebende Wasserspeicher“ mit und verwandelten das Steppengras in nahrhafte Flüssigkeit.

Die Literaturhinweise, die die KI zu diesen Ausführungen gibt, enthalten alle nichts von dem, was die KI hier ausführt. Grundsätzlich klingt das ja alles plausibel. Aber man ist doch veranlaßt, einmal kritisch weiter zu bohren:

Gibt es Zeugnisse aus der Rigveda für einen solchen Wassertransport? - Antwort: Ja, es gibt im Rigveda (der ältesten indogermanischen Textquelle, ca. 1500–1200 v. Chr.) erstaunlich präzise, kulturhistorische Zeugnisse, die genau die oben beschriebenen Praktiken des Wassertransports widerspiegeln. Da die vedischen Indoarier sprachlich und historisch eng mit den bronzezeitlichen Steppenkulturen (wie Jamnaja und der nachfolgenden Sintashta- und Andronowo-Kultur) verwandt sind, bewahrt der Rigveda im kollektiven Gedächtnis und in seinen Metaphern die logistischen Realitäten des nomadischen Steppenlebens. Die wichtigsten Zeugnisse für diesen Wassertransport im Rigveda umfassen:
1. Der lederne Wasserschlauch (dṛti)
Das direkteste Zeugnis für den Wassertransport in tierischen Häuten ist das Sanskrit-Wort dṛti (dṛti- f., wörtlich „die abgezogene Haut“ oder „der Lederschlauch“). Im Rigveda wird dieses Objekt mehrfach erwähnt - oft in Form von poetischen Gleichnissen, die zeigen, wie allgegenwärtig dieser Gegenstand im Alltag war:
Der kosmische Wasserschlauch: In Rigveda 5.85.7 wird der Gott Varuna dafür gepriesen, daß er den Himmel wie einen ledernen Wasserschlauch über die Erde umgestülpt hat, um es regnen zu lassen: „Varuna hat den Schlauch (dṛti) mit der Öffnung nach unten über die beiden Welthälften ausgegossen...“
Der Trunk der Götter: An anderer Stelle (RV 1.191.10) wird der Lederschlauch mit dem Aufbewahren von Flüssigkeiten (wie Wasser oder dem rituellen Rauschtrank Soma) assoziiert.
2. Wagen (ratha und anas) als Transportmittel
Der Rigveda unterscheidet klar zwischen zwei Arten von Fahrzeugen: den schnellen, zweirädrigen Streitwagen (ratha) und den schweren, meist von Ochsen gezogenen Last- und Packwagen (anas).
- Die anas-Wagen entsprechen funktional genau jenen Rinderwagen, die auch die Jamnaja-Kultur nutzte.
- In den Hymnen wird beschrieben, wie nomadische Clans (Vis) mitsamt ihren Habseligkeiten, Frauen, Vorräten und eben auch Wasser- bzw. Getränkebehältern auf diesen Wagen von Weideplatz zu Weideplatz zogen.
3. Der Milchkonsum als logistische Erleichterung
Genau wie bei der Jamnaja-Kultur spielt auch im Rigveda die Kuh (go) und ihre Milch (payas) eine absolute Schlüsselrolle.
- In zahllosen Hymnen (insbesondere im 9. Buch, das dem Gott Soma gewidmet ist) wird die frische Kuhmilch als wichtigstes Nahrungsmittel und Verdünnungsmittel beschrieben.
- Die vedischen Hymnen preisen die Götter dafür, daß sie „die weiße Milch in die roten und schwarzen Kühe gelegt haben“. Die Vorstellung der Herde als wandernder, autarker „Flüssigkeitsspeicher“ ist tief im vedischen Denken verwurzelt.
4. Das Schöpfen aus Brunnen an den Transportwegen
Der Rigveda beschreibt auch das konkrete logistische Problem der Wasserknappheit auf Reisen. In Rigveda 10.101.5-7 wird ein hölzerner Brunnen beschrieben, aus dem Wasser mit Eimern an langen Seilen geschöpft wird:
„Rüstet die Wagen aus [...] Richtet den Brunnen her, dessen Eimer unerschöpflich und tief ist, der gut gebaut ist [...] Schöpft aus dem Brunnen, der den Männern Trank spendet, dessen Eimer aus Holz ist. ...“
Dieses Lied verknüpft das Ausrüsten der Wagen direkt mit dem Auffüllen der Wasservorräte aus künstlichen oder natürlichen Brunnen entlang der Route - ein zwingendes Erfordernis für jede Migration durch trockene Regionen.

Hier ist allerdings ausdrücklich nur von Wasser für "Männer" die Rede, nicht für die Tiere. Also fragen wir weiter:

Gibt es Zeugnisse traditionell lebender Steppenvölker der letzten Jahrhunderte für solchen Wassertransport? - Antwort: Ja, die ethnografischen Berichte und Reisezeugnisse aus den letzten Jahrhunderten - besonders über die Mongolen, Kasachen, Kirgisen und Kalmücken - bestätigen genau diese Logistik. Da sich die ökologischen Bedingungen in der eurasischen Steppe seit der Bronzezeit kaum verändert haben, blieben auch die Lösungen für das Wasserproblem über Jahrtausende hinweg verblüffend konstant. Historische Berichte von westlichen Forschungsreisenden, russischen Kartografen und die gelebte Praxis der Nomaden bis ins 20. Jahrhundert zeigen folgende konkrete Parallelen:
1. Riesige Ledersäcke (Kukun / Torsyk) auf Wagen
Die Nutzung von Tierhäuten war bis zur Einführung von Metallkanistern das Standardverfahren.
- Der Torsyk und Saba: Bei den Kasachen und Kirgisen waren der Torsyk (ein kleinerer Lederbeutel für den Sattel) und die Saba (ein großer, oft aus Pferdehaut genähter Sack für das Lager) allgegenwärtig. Für den Transport auf den hölzernen Ochsenkarren (Arba) fertigte man übergroße Ledersäcke an.
- Die Präparation: Die Häute wurden mit Rauch gegerbt (was ihnen einen typischen Geruch verlieh, aber Schimmel verhinderte) und mit Rinderfett oder Pferdemark wasserdicht geschmiert. Auf den hölzernen Wagen wurden diese tonnenartigen Ledersäcke festgezurrt, um ganze Familienclans während tagelanger Märsche durch trockene Steppenabschnitte zu versorgen.
2. Holzfässer und die „Filzkappen-Isolierung“
Im 18. und 19. Jahrhundert nutzten wohlhabendere Nomaden zunehmend hölzerne Daubenfüsser, die sie von seßhaften Handelspartnern eintauschten oder in bewaldeten Flußrunsen selbst bauten.
- Um das Wasser auf den ungefederten Wagen vor dem Umkippen und der extremen Hitze zu schützen, wurden die Behälter – exakt wie in den archäologischen Jamnaja-Befunden vermutet – in dicke Schichten aus Filz (Gersfiez) oder Schilfmatten eingewickelt.
- Dies verhinderte nicht nur das Verdunsten, sondern dämpfte auch die harten Stöße der hölzernen Achsen auf dem unebenen Steppenboden.
3. Der „lebende Wasserspeicher“ und Airag/Kumis
Praktisch alle Reisenden der letzten Jahrhunderte (von Wilhelm von Rubruk im 13. Jahrhundert bis zu Ethnographen des 19. Jahrhunderts) hoben hervor, daß Steppennomaden auf Reisen fast nie reines Wasser tranken.
- Wasser wurde vor allem für die Tiere benötigt. Die Menschen ernährten sich unterwegs von Airag (mongolisch) bzw. Kumis (turksprachig) – fermentierter Stutenmilch.
- Da die Stuten ohnehin mit der Herde mitwanderten, transportierte sich das „Trinkwasser“ der Nomaden im Grunde von selbst auf vier Beinen. Erst im Lager oder auf dem Wagen wurde die Milch gemolken und in den großen Lederschläuchen fermentiert.
4. Die nomadische Brunnen-Logistik
Genau wie im Rigveda beschrieben, hing der Wassertransport eng mit dem Wissen über versteckte Brunnen zusammen. Wenn mongolische Familien mit ihren Ochsenkarren-Kolonnen (Gerege) im Sommer umzogen, steuerten sie Routen von Brunnen zu Brunnen an.
- An den Brunnen angekommen, nutzte man transportable Ledereimer, um das Wasser emporzuholen und sowohl die Tiere zu tränken als auch die Ledersäcke auf den Wagen für den nächsten Streckenabschnitt randvoll zu füllen.

Damit haben wir auf jeden Fall schon einmal mancherlei Hinweise und Anhaltspunkte. Aber auch hier geht es vor allem um die Wasserversorgung der Menschen, nicht um diejenige der Tiere. Letztere könnten höchstens über Brunnen mit Wasser versorgt worden sein. Müßten die Archäologen dann aber nicht auch solche Brunnen entdeckt haben? - Wenigstens in Nordindien (wo es ja zu den ankommenden Ariern vergleichsweise wenig archäologisches Fundmaterial gab?

Finden die Archäologen Nomaden-Brunnen in Europa?

Die KI sagt, daß hölzenere Brunnen für die Schnurkeramiker nur in seßhaften Siedlungen nachgewiesen sind. Für die Jamnaja seien gar keine nachgewiesen. Stattdessen sagt sie:

Archäologische Kartierungen zeigen, daß die Jamnaja-Nomaden ihre Routen nicht quer durch die wasserlose Tiefsteppe legten, sondern sich entlang der großen Flußsysteme (wie Dnjepr, Don, Wolga und Ural) bewegten. Sie nutzten die wasserreichen Flußtäler im Winter und stießen im Sommer nur so weit in die Steppe vor, wie es die dortigen natürlichen Oberflächengewässer (temporäre Seen, Bäche) zuließen.

Diese letztere Aussage kommt uns schon deutlich plausibler vor. Vorerst glauben wir also nicht, daß der Wassertransport auf Rinderwagen erheblich zur Ausweitung des Siedlungsgebietes der Jamanja-Kultur in die Steppe beigetragen hat, wie das hier David Reich anzudeuten scheint. Soweit wir das bisher verstanden hatten, waren es einfach kühlere, wasserreiche Jahrhunderte in der Steppe, die diese Bevölkerungsexplosion nach einer längeren Dürreperiode ab 3.300 v. Ztr. ermöglichte. Denn sicher ist, daß es eine Bevölkerungsexplosion in der Steppe gab, aufgrund derer auch abgelegene Regionen besiedelt wurden, und die das moderne Europa entstehen ließ. Das ist gut belegt (siehe frühere Blogbeiträge). Auch die Folgefrage an die KI bestätigt uns in diesen Einschätzungen:

Frage: Sind Brunnen der ersten nomadischen Indoarier, die nach Nordindien gekommen sind, gefunden worden? - Antwort: Nein, es wurden keine archäologischen Funde von Brunnen entdeckt, die eindeutig den ersten nomadischen Indoariern zugeordnet werden können, als diese um 1500 v. Chr. nach Nordindien einwanderten. Das Fehlen solcher Funde läßt sich durch die Lebensweise dieser Gruppen und die Beschaffenheit der archäologischen Regionen erklären:
1. Nomadischer Lebensstil und Literarische Hinweise
Die frühen indoarischen Stämme (oft als vedische Völker bezeichnet) waren halbnomadische Viehzüchter. Sie zogen mit ihren Rinderherden durch das Punjab-Gebiet und den Nordwesten Indiens. Wasserquellen: Sie nutzten in erster Linie natürliche Gewässer wie die im Rigveda (den ältesten heiligen Texten) besungenen Flüsse (darunter den Indus, die Yamuna und den historischen Fluss Sarasvati). Literarische Erwähnung: Zwar gibt es im Rigveda vereinzelte sprachliche Begriffe, die als einfache, flache Wasserlöcher oder improvisierte Brunnen (Avata) interpretiert werden können, aus denen Wasser für das Vieh geschöpft wurde. Diese waren jedoch unbefestigte Erdlöcher ohne bleibende Stein- oder Ziegelbauten. Sie hinterließen im sandigen und schwemmlandgeprägten Nordindien keine dauerhaften Spuren für Archäologen.
2. Der archäologische Kontrast zur Indus-Kultur
Wenn Archäologen in Nordindien auf antike Brunnen stoßen, stammen diese fast ausnahmslos aus anderen Epochen: Die älteren Indus-Brunnen: Die seßhafte, hochentwickelte urbane Indus-Kultur (ca. 2600–1900 v. Chr.) - die vor der Ankunft der Indoarier existierte - war berühmt für ihre hochentwickelte Wasserarchitektur. In Städten wie Mohenjo-Daro wurden Hunderte gemauerte Ziegelbrunnen gefunden. Die ersten Indoarier bauten diese Städte jedoch nicht weiter, sondern lebten in vergänglichen Hütten aus Holz und Lehm (Hütten mit Pfostenlöchern).
Die jüngeren Stufenbrunnen (Baolis/Vavs): Die berühmten indischen Stufenbrunnen, die man im Nordwesten Indiens (z. B. in Rajasthan und Gujarat) bewundern kann, entstanden viel später - frühe Formen ab dem 3. bis 6. Jahrhundert n. Chr. und architektonische Meisterwerke vor allem im Mittelalter.
3. Kandidaten-Kulturen in der Archäologie
Archäologische Kulturen, die zeitlich und räumlich mit den frühen Indoariern verknüpft werden – wie die Ochre Coloured Pottery (OCP)-Kultur (ca. 2000–1500 v. Chr.) (Wiki) oder die spätere Painted Grey Ware (PGW)-Kultur (Wiki) im Ganga-Yamuna-Flußtal - zeigen Spuren von ländlichen Siedlungen mit Viehzucht und Getreideanbau. Bei Ausgrabungen dieser Epochen findet man regelmäßig Vorratsgruben, Pfostenlöcher von Häusern und Tongeschirr, aber keine ausgebauten Brunnenanlagen.
Zusammenfassend läßt sich sagen: Die ersten Indoarier vertrauten auf das dichte Flußsystem Nordindiens. Da sie nomadisch lebten, bauten sie keine dauerhaften, archäologisch nachweisbaren Brunnen aus Stein oder gebrannten Ziegeln.

Die Fulani in der Sahara Nordafrikas nutzen übrigens auch Kalebassen (ausgehöhlte Kürbisse) zum Wassertransport auf Tieren (Alamy). Aber Kürbisse kommen natürlicherweise nur in Amerika vor, sowie in wenigen Arten in Afrika. 

Abb. 2: Nomadische Fulani im Tschad mit Kalebassen

Also können die frühen Urindogermanen vor Erfindung des Rades ab 4.500 v. Ztr. bei ihrer ersten Ausbreitung für den Transport von Wasser und anderen Gegenständen nicht genutzt haben. Aber vielleicht hatten sie Holzgefäße, die sie auf ähnliche Weise genutzt haben könnten.

David Reich sagt dann weiter über die Cucuteni-Tripolje-Kultur, die der Jamnaja-Kultur in der Ukraine voraus ging, und die spätestens ab 3.300 v. Ztr. unterging (1):

Mit dieser Entwicklung verschwanden sämtliche zuvor in den Flußtälern ansässigen Kulturen. Man findet keine Siedlungen mehr, auch die für jene Kulturen typische Keramik verschwindet. Tatsächlich verschwinden die Siedlungen gänzlich, da es sich um ein extrem mobiles, nomadisches Volk handelte. Sie breiteten sich über ein riesiges Gebiet aus, das von Ungarn im Westen bis in die Mongolei im Osten reichte. Infolge dieses Phänomens kam es zu einem Verlust an kultureller Vielfalt. Genau das geschah: Diese Menschen traten auf den Plan – doch von Europäern ist zu diesem Zeitpunkt noch keine Spur. Doch dann, vor etwa 5.000 Jahren – plötzlich taucht Europa auf. Der Zeitraum zwischen 5.000 und 4.500 Jahren vor heute ist daher von entscheidender Bedeutung. Es kam zu einer Vermischung verschiedener Gruppen, aus der schließlich die Bevölkerung hervorging, die wir heute kennen. Die Menschen der Jamnaja-Kultur gelangten bis an den Rand der Steppe; weiter konnten sie nicht vordringen, da ihre auf die Steppennutzung ausgerichtete Wirtschaftsweise dort nicht mehr funktionierte. Sie vermischten sich jedoch mit europäischen Bauern, und diese Mischpopulation – in Form der Schnurkeramik-Kultur – breitete sich weiter nach Westen aus und brachte Abstammungsmerkmale der Jamnaja-Kultur nach Europa.
Diese Ergebnisse widerlegen somit Colin Renfrews Theorie, wonach sich Sprachen in Europa ausschließlich durch die Einführung der Landwirtschaft verbreitet haben könnten. Das Argument lautete: Eine großflächige Bevölkerungsbewegung, die ausreicht, um Sprachen zu übertragen, hätte – angesichts der bereits dichten Besiedlung Europas durch Bauern – einen wirtschaftlichen Wandel von der Tragweite der Landwirtschaft erfordert. Wie hätte also überhaupt jemand einen solchen Einfluß ausüben können? Ein Vergleich: Indien wurde über Hunderte von Jahren hinweg politisch von den aus Afghanistan stammenden Moguln und später von den Briten kontrolliert. Doch diese Gruppen hinterließen in der indischen Bevölkerung kaum Spuren, da dort bereits eine große, etablierte Agrargesellschaft existierte. Wie konnte es also damals zu einer Bevölkerungsbewegung kommen, die groß genug war, um einen Sprachwechsel herbeizuführen? Doch es ist geschehen. Es ist tatsächlich passiert – irgendwie. Die Daten belegen, daß es stattgefunden hat. Tatsächlich stellen diese Steppenhirten – die Nachfahren der Jamnaja-Kultur – für viele Menschen im heutigen Europa, auch in diesem Teil Europas, die bedeutendste Abstammungskomponente dar. Eine weitere wesentliche Komponente stammt von den frühen europäischen Bauern. Die Nachfahren der Jamnaja-Kultur breiteten sich also immer weiter nach Westen aus – und zwar auf eine Weise, die eng mit den Verzweigungsmustern der indoeuropäischen Sprachen korrespondiert.
And when this happened, all the previous cultures on each of the river valleys disappeared. You don't see the villages anymore. You don't see the pottery anymore characteristic of them. In fact, all villages disappear because these people are extreme mobile pastoralists. They just spread from a vast area all the way from Hungary in the west to Mongolia in the east. And you see a loss of cultural variation as a result of this uh phenomenon. And so this is what happens. And these are the people and they pile up in a different place on the plot. So you still don't see Europeans today. But then after 5,000 years ago, boom, you see Europe appear. So it's a very important period between 5,000 and 4,500 years ago. And what happens is these people mix with these people to form those people. So the Yamna form, they get to the edge of the step. They can't go further because their economics doesn't work anymore to go beyond the step. It's based on step exploitation. But they mix with European farmers and that mixed population in the form of corded wear expands further west and brings Yamna ancestry into Europe.
And so these results disprove Colin Renfer's theory that the only way that languages could have spread into Europe is through the advent of farming. The argument was the only way a large-scale movement of people that would be large enough to bring languages could have moved into Europe was through something economically as transformational as farming once farmers were densely settled in Europe. How could anybody make an impact? It was like people in India today are ve have been have been politically controlled uh by the Mughals from Afghanistan by British people uh for many hundreds of years. But those populations made hardly any dent in India because it was a big established agricultural population. So how could there be a large enough movement of people to achieve a language shift at this time? But it happened. This happened. It happened somehow. The data w tells you it happened. And in fact this is in many people in Europe today including in this part of Europe the most important ancestry component these step pastoralists. Another large component is these early European farmers. So Yanaya descendants then started spreading further further west and in a way that closely tracks the branching patterns of Indo-European languages.

In den anderen Teilen des Vortrages von David Reich findet dieser Blog für sich keine neuen Erkenntnisse - - - abgesehen vom letzten Teil (ab 1:00:00)!!! 

Abb. 3: Nomadenbrunnen im Sudan, Nordafrika (st)

Dazu mehr im Folge-Beitrag (Stg26).

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  1. Reich, David: How Ancient DNA Changed Everything We Thought We Knew About Human History. The Science and Cocktails Foundation, Kopenhagen 8.3.2026 (Yt2026)

Sonntag, 18. Oktober 2026

Die ersten "Germanen" waren Nomaden

Die Ethnogenese der Germanen in Skandinavien in einer Umbruchzeit
- Die Ankunft der nomadischen Schnurkeramiker in Jütland (2.800 v. Ztr.)

Die Ethnogenese der Völkergruppe der Germanen in den Ostseeländern, der Prozeß ihrer Entstehung in Form der Vermischung von zuwandernden Schnurkeramikern mit dort einheimischen Trichterbecher-Leuten, wird von der Archäologie nach und nach genauer beschrieben (1).

Abb. 1: Typisches Landschaftsbild in Nordeuropa um 2.800 v. Ztr. - hier: Tataren in der Steppe - "Ein wanderndes Dorflager - Aul der Kundorofskischen Tataren in der Nogayischen Steppe", Kupferstich von Christian G. H. Geißler, 1793, koloriert erschienen 1812 (Stckh) (aus Abschluß-Folie in: Yt) - Ähnlich wurde Europa von den Schnurkeramikern besiedelt bis nach Skandinavien hinauf

Daß sich die indogermanische Genetik in Nordeuropa stärker durchgesetzt hat als in Mittel- und Südeuropa wird auf den unterschiedlichen Siedlungsdichten der Vorgänger-Bevölkerungen beruht haben - so vermuten wir seit Jahren (denn irgendeine Erklärung muß es ja dafür geben.

Die Trichterbecher-Kultur in Skandinavien wird eben doch nicht eine so hohe Siedlungsdichte gehabt haben wie die mittelneolithischen Kulturen in Mitteleuropa. Dazu kommt, daß es ab 3.100 v. Ztr. innerhalb der Trichterbecher-Kultur einen starken Bevölkerungsrückgang gegeben hat, dessen Gründe noch nicht vollständig aufgeklärt sind (1). Aufgrund dieses Bevölkerungsrückganges wurden aber vormals besiedelte und landwirtschaftlich genutzte Höhenlagen auf der Jütländischen Halbinsel aufgegeben. Diesen Umstand macht sich eine neue archäologische Studie zunutze (1).

Schon 2019 war zur Zuwanderung der Indogermanen nach Jütland eine wichtige Studie erschienen, die wir hier auf dem Blog ausgewertet hatten (Stg21). Nach ihr trat die Schnurkeramik-Kultur - etwa - zeitgleich auf mit der Kugelamphoren-Kultur in Jütland ab 3.100 v. Ztr. - zusammen mit den ersten Rinderwagen. Es mutet gleichsam so an, als ob die Schnurkeramiker eine wesentliche militärische "Säule" gebildet hätten in einem gegebenenfalls anzunehmenden großen Heeresverband des Großreiches der Kugelamphorenkultur, als dieses Nordjütland eroberte. Vielleicht vergleichbar der Eroberung der Cucuteni-Tripolje-Kultur durch die Maikop-Kultur vierhundert Jahre zuvor (Stg22).

Abb. 2: Trichterbecherfunde zwischen 3.100 und 2.900 v. Ztr. - Das rot umrandete Untersuchungsgebiet war  in dieser Zeit unbesiedelt (aus 1)

Nun stellen die Forscher in einer neuen Studie fest, daß der höchst gelegene Teil der Halbinsel Jütland, der Jütländische Höhenrücken (Wiki), zwar zwischen 4.000 und 3.100 v. Ztr. - wie gesagt - von der Trichterbecherkultur so wie die übrigen Landesteile besiedelt gewesen war, daß er aber zwischen 3.100 und 2.800 v. Ztr. von dieser aufgegeben worden war.

Die Trichterbecherkultur hatte sich in diesem Zeitraum auf alle übrigen Regionen Jütlands beschränkt, so daß dieser Teil, so die Studie, eine Wiederbewaldung erfuhr. Dieser höchst gelegene Teil Jütlands - in Abbildung 1 das rot umrandete Untersuchungsgebiet - wurde dann ab 2.800 v. Ztr wieder besiedelt, und zwar nun von nomadisch lebenden, vornehmlich Weidewirtschaft betreibenden Schnurkeramikern, wie sie auch sonst in Jütland siedelten (1):

Frühe Schnurkeramik-Gruppen waren während des größten Teils dieser Periode nördlich, westlich und südlich des Untersuchungsgebiets präsent (Hübner, 2005 , S. 655–56), und wir haben derzeit keinen Anlaß für die Annahme, daß die Grenzen des Untersuchungsgebiets mit einer bestimmten Diskontinuität in den Beziehungen dieser Gruppen und derjenigen im Untersuchungsgebiet (sozial, genetisch oder anderweitig) übereinstimmen. Im Gegensatz dazu kann die östliche Begrenzung des Untersuchungsgebiets in erheblichem Maße als Annäherung an eine territoriale Grenze angesehen werden, wie weiter unten (Abschnitt 6) noch erläutert wird.

Im östlichen Teil Jütlands traten die Schnurkeramiker auch ab 2.800 v. Ztr. also zunächst nicht auf. Hier scheint die Trichterbecher-Kultur am längsten ihre kulturelle und genetische Kontinuität bewahrt zu haben. Hier scheinen also die "letzten" Trichterbecher-Leute gelebt zu haben.

Um einen Landschaftseindruck vom Jütländischen Höhenrücken zu geben: Als höchste Erhebung Dänemarks gilt der Møllehøj (Wiki) mit 170 Metern über dem Meeresspiegel (Abb. 3). Zwei andere Erhebungen sind ähnlich hoch. Auf einem der beiden anderen befindet sich ein bronzezeitliches Hügelgrab.

Abb. 3: Blick vom Aussichtsturm des 170 Meter hohen Møllehøj, der höchsten Erhebung Dänemarks - Blickrichtung Westen (Wiki) (GMaps)

Der auf dem Jütländischen Höhenrücken ab 3.100 v. Ztr. in zwei oder drei Jahrhunderten entstandene Hochwald wurde nun von den Schnurkeramikern ab 2.800 v. Ztr. in vergleichsweise kurzer Zeit in Weideland umgewandelt. Dabei könnte auch Brandrodung eine Rolle gespielt haben. Die ersten Schnurkeramiker waren in dieser Region - ähnlich wie in anderen Regionen Europas, etwa den Niederlanden oder der Weichselregion - nicht seßhaft. Das zeigt sich in dieser neuen Studie und dieser Umstand ist doch immer wieder ein erstaunlicher Befund (1):

Aus dieser Zeit (ca. 2850–2600 v. Ztr.) gibt es keine Hinweise auf längerfristige oder semipermanente Siedlungen in Form größerer Ansammlungen von Hausmüll und/oder Häusern, wie sie aus früheren und späteren Abschnitten des Neolithikums in der Region bekannt sind (Madsen, 2024 ; Sparrevohn et al., 2019). Die wenigen vorhandenen Hinweise auf Siedlungen oder Siedlungsspuren bestehen ausschließlich aus kleineren Funden von Feuersteinfragmenten und in wenigen Fällen aus Keramikscherben, die im Ackerboden, in Grabhügelfüllungen oder, seltener, in Gruben gefunden wurden (ebenfalls Madsen, 2020). Dieses Muster, das bereits seit Langem auf einer deutlich kleineren empirischen Grundlage bekannt ist (Glob, 1945), trifft auf alle Gebiete der Jütländischen Halbinsel zu, die in dieser Zeit von frühen Schnurkeramik-Gruppen besiedelt worden sind (vgl. Haughton und Løvschal, 2023 ; Hübner, 2005 , S. 704–707; Johannsen, 2017), einschließlich des hier untersuchten Gebiets. Es deutet klar auf eine sozioökonomische Strategie hin, die mit einer recht ausgeprägten Wohnortmobilität einherging und wahrscheinlich auch Elemente einer relativ kurzen Transhumanz über verschiedene Landschaftszonen hinweg umfaßte (Johannsen et al., 2016, S. 45-48). In weiten Teilen der Halbinsel, auf den sandigen Böden nördlich und westlich des Untersuchungsgebiets, entstand diese Form der Hirtenkultur bereits vor der Ankunft der frühen Schnurkeramik-Migranten in der Region, genauer gesagt bei den späten TRB-Gruppen, die mit dem sogenannten Netzwerk der Kugelamphoren in Verbindung stehen (Johannsen, 2023a ; Johannsen et al., 2016 ; Nielsen, 2024). Sie behielt in diesen Gebieten auch in der späteren Vorgeschichte eine zentrale kulturelle Bedeutung (Holst und Rasmussen, 2013 ). In unserem Untersuchungsgebiet hingegen war diese Lebensweise etwas völlig Neues, als sie um 2800 v. Ztr. von Migrantengruppen eingeführt wurde. Für dieses Gebiet belegen die oben diskutierten paläoökologischen Belege zur Entwicklung der Vegetation und Landnutzung sowie die archäologischen Funde zu Siedlungs- und Mobilitätsmustern eindeutig eine sozioökonomische Strategie, die auf der Viehhaltung, vermutlich insbesondere von Rindern und Schafen, basierte. Wie weiter unten (Abschnitt 6) erläutert wird, dürften Haustierherden einen zentralen Bestandteil der Lebensweise der frühen Schnurkeramikgruppen in diesem Gebiet dargestellt haben - nicht nur in Bezug auf ihre wirtschaftliche Grundlage, sondern auch hinsichtlich ihrer Wahrnehmung von Reichtum und sozialem Status.

Damit erhält unser letzter Beitrag "Unser stolzes Nomadenleben" eine noch umfassendere Bedeutung als wir das ursprünglich beabsichtigt hatten (s. Stg2026) (Abb. 1). Man muß sich aus Abbildungen von Steppen-Nomaden der letzten Jahrhunderte nur die domestizierten Pferde wegdenken. Sie werden von den Schnurkeramikern bestenfalls in halbwilden Herden gehalten worden sein, werden aber noch nicht als voll domestizierte Zug- oder gar Reittiere gehalten worden sein. Dominierende Tiere sind bei den frühen Schnurkeramikern Schafe und Rinder, die von ihnen genutzten Jurten werden auf Rinderwagen transportiert worden sein.

Entlang der Kammlage des Jütländischen Höhenrückens ist über Jahrtausende hinweg in Nord-Süd-Richtung der sogenannte "Ochsenweg" (auch "Heerweg") genutzt worden. Er wird schon zur Zeit der frühen Schnurkeramiker eine Rolle gespielt haben, denn entlang desselben haben sie Gräber aufgereiht (1). Auch ... (1)

... in den Niederlanden zeigen Pollendaten eine zunehmende Öffnung der Landschaft und stärkere Hinweise auf Weidewirtschaft im Landesinneren während der frühen Schnurkeramikzeit (Bakker, 2003; Doorenbosch, 2013), ähnlich wie in Mitteljütland. Im Gegensatz dazu deuten jüngste Isotopenanalysen aus der Binnenregion Kujawien im nördlichen Zentralpolen darauf hin, daß die frühen Schnurkeramik-Gruppen dieser Region bevorzugt feuchte, teils bewaldete Flußtäler nutzten, vermutlich sowohl für die Viehhaltung als auch für den Ackerbau (Pospieszny et al., 2026). Zusammen mit den oben präsentierten Daten verdeutlichen diese Beispiele aus anderen Regionen Nordeuropas die Anpassungsfähigkeit der frühen Schnurkeramik-Subsistenzstrategien, aber auch die Uneinheitlichkeit der verfügbaren Daten.

Anhand der Gräber der frühen Schnurkeramiker können große Wohlstandsunterschiede festgestellt werden. Es gab sehr reiche Anführer ("Fürsten")  (mit viel Viehbesitz) und es gab Anführer mit deutlich weniger Reichtum. Frauengräber finden sich viel seltener als Männergräber, aber auch sehr wohlhabende sind vorhanden (1):

Die drei als Frauenbestattungen identifizierten Gräber erlauben selbstverständlich keine statistisch gesicherten Schlußfolgerungen; es ist jedoch bemerkenswert, daß ihre Verteilung im Vergleich zu den Männerbestattungen nicht signifikant unterschiedlich zu sein scheint. Zwei Frauenbestattungen befinden sich im mittleren Bereich des Spektrums der Bestattungsaufwendungen, während die dritte, die in Frydensbjerg gefunden wurde, eine der höchsten Bestattungsaufwendungen aller Gräber aufweist (Abb. 6). Die in dieses besondere Grab getätigte Investition, auf die wir später zurückkommen werden, wird durch die Tatsache unterstrichen, daß die Grabbeigaben zwei Halsketten mit insgesamt 581 Bernsteinperlen umfassten (diese zählen nur als eine Kategorie von Grabbeigaben in einem von vier Parametern zur Berechnung des Investitionsindex des Grabes) - die größte Anzahl solcher Perlen, die jemals in einem Grab der gesamten Schnurkeramik-Periode auf der Jütländischen Halbinsel gefunden wurde (Hübner, 2005, 181; Mahler, 1986, 101). So begrenzt diese wenigen Datenpunkte auch als Grundlage für Verallgemeinerungen sein mögen, scheint die Verteilung der Frauenbestattungen im Investitionsspektrum unseres Untersuchungsgebiets das Bild einer eindeutig patriarchalischen Kultur, das oft als zentrales Element der Schnurkeramik-Kultur postuliert wurde, nicht unmittelbar zu bestätigen. Zugegeben, der deutlich höhere Anteil an Bestattungen, die vermutlich Männer enthielten, könnte an sich auf ein höheres Maß an Investitionen in die Bestattung von Männern im Vergleich zu Frauen hindeuten - doch wie bereits erwähnt, könnte dieses scheinbare Muster zum Teil auf eine verzerrte Darstellung der Erhaltung zurückzuführen sein. Sicher ist jedoch, daß Frauen mit besonders hohem Aufwand bestattet werden konnten, also mit deutlich sichtbarem materiellem Reichtum, was plausibel darauf hindeutet, daß manche Frauen, ähnlich wie manche Männer, einen höheren sozialen Status als andere besaßen.

Das Verhältnis der Frauen zu den Männern könnte sich also womöglich gleich geblieben sein von der Landnahmezeit um 2.600 v. Ztr. an bis in die Wikingerzeit hinein (aus der ja ein ähnliches Verhältnis bekannt ist). Im Diskussionsteil der Studie heißt es (1):

Während wir bereits festgestellt haben, daß es in diesem Zeitraum nördlich, südlich und westlich unseres Untersuchungsgebiets frühe Schnurkeramikgruppen gab (Abschnitt 2), traf dies im Osten nicht zu. Hier, an der Ostküste der Halbinsel, hielten sich späte TRB-Gruppen bis zu zwei Jahrhunderte lang und führten ihre Lebensweise fort, nachdem die von uns untersuchten Migrantengruppen im Hinterland eingetroffen waren (Madsen, 2024). Diese Situation weist interessante Ähnlichkeiten zu den kürzlich für denselben Zeitraum in Teilen der Niederlande berichteten Befunden auf, wo späte TRB- und frühe Schnurkeramikgemeinschaften ebenfalls über viele Jahrzehnte koexistierten ( Bourgeois et al., 2025 ; Kroon, 2026 ; Olalde et al., 2026 ). Besonders bemerkenswert im Fall von Mittel- und Ostjütland ist, in welchem ​​Maße diese beiden Populationen einander mieden. Obwohl ein völliger Kontaktverlust schwer vorstellbar ist, deutet die archäologische Forschung auf ein regelrechtes Niemandsland zwischen den jeweiligen Siedlungsgebieten hin (Madsen, 2020; Nielsen, 2024). In den Skelettfunden von Stenderup Hage in diesem relativ schmalen, östlichen Küstenstreifen der Jütland-Halbinsel, die auf etwa 2650 v. Chr. datiert werden, wurde in einer aktuellen Genomstudie, die das Neolithikum und frühere Epochen im heutigen Dänemark umfaßt, das jüngste Individuum ohne Steppenabstammung identifiziert (Allentoft et al., 2024b , S. 335). Zusammengenommen legen die archäologischen Befunde und die Genomdaten nahe, daß diese beiden Populationen einander sowohl kulturell als auch in Bezug auf die biologische Fortpflanzung weitgehend mieden.

Diese Ausführungen sind erneut sehr spannend. Wie werden die Menschen wie jener von Stenderup Hage (GMaps), wie werden "die letzten Trichterbecher-Leute" im Ostseeraum auf das Geschehen rundum geschaut haben? Werden sie nicht auch gedacht haben, daß dieses Geschehen wie ein Werteverfall ohnegleichen anmutet?

Der "letzte" Trichterbecher-Mann: Rituelle Wasser-Bestattungen in der Trichterbecher-Kultur

Das hier erwähnte Individuum von Stenderup Hage trug 33 % westeuropäische Jäger-Sammler-Herkunft in sich und 67 % anatolisch-neolithische Herkunft (ExploreDNA). Es handelte sich also um ein typisches mittelneolithisches Individuum mit vergleichsweise hoher Jäger-Sammler-Herkunft. Lassen wir uns durch die KI über dasselbe noch das folgende berichten:

Das um 2650 v. Ztr. lebende Individuum aus der Trichterbecherkultur (bekannt unter der wissenschaftlichen Probenbezeichnung NEO943) wurde nicht in einem klassischen Erdgrab oder Megalithmonument an Land bestattet, sondern seine Skelettreste wurden auf dem Meeresboden bzw. im küstennahen Flachwasser des Kleinen Belts bei Stenderup Hage (Dänemark) entdeckt. Es handelt sich um ein sogenanntes „Sumpf- bzw. Meeresbodenskelett“ (sea-floor skeleton / bog skeleton). Ähnlich wie bei dänischen Moorleichen weisen diese Funde im Wasser oft keine Spuren tödlicher Gewalt auf, sondern hängen mit rituellen Deponierungen oder kollektiven Opferpraktiken der Trichterbecherkultur zusammen, bei denen Menschen im Wasser versenkt wurden.
Genetische Besonderheit: Die DNA-Analyse von NEO943 zeigte, daß er das jüngste nachgewiesene Individuum in Dänemark ist, das ausschließlich die genetische Herkunft der frühen anatolischen Farmer (Trichterbecher-Herkunft) besaß, ohne jegliche osteuropäische Steppen-DNA. Er lebte somit zu einer Zeit, als die indoeuropäische Einzelgrabkultur bereits weite Teile Jütlands dominierte, was auf eine zeitweise strikte kulturelle und biologische Trennung der beiden Gemeinschaften hindeutet.

Von solchen "Opferbräuchen" schon in der Trichterbecher-Zeit war uns bisher gar nichts bekannt.

Abb. 4: Stenderup Hage am Kleinen Belt, Dänemark - An der Ostküste Jütlands

Deshalb bitten wir die KI zunächst um weitere Beispiele, um diese Angaben besser einordnen zu können:

In der Trichterbecherkultur (TBK, ca. 4100–2800 v. Chr.) und allgemein im skandinavischen Neolithikum waren rituelle Deponierungen im Wasser weit verbreitet. Feuchtgebiete, Moore und küstennahe Flachwasserzonen galten als heilige Orte oder Übergangszonen zur Geister- und Götterwelt. Die Forschung unterscheidet heute oft zwischen den klassischen Moor-Mumien der späteren Eisenzeit (wie der Tollund-Mann) und den „Moorskeletten“ (bog skeletons) des Neolithikums. Letztere wurden meist in damals offenen Gewässern versenkt, weshalb die Weichteile verrotteten, während die Knochen im Schlamm erhalten blieben. Einige der bekanntesten und wissenschaftlich bedeutendsten Beispiele für solche Praktiken aus der Trichterbecherkultur sind:
1. Der „Vittrup-Mann“ (Vittrup Manden, Dänemark)
Dies ist eines der spektakulärsten und am besten untersuchten Beispiele für ein neolithisches Menschenopfer. Die Skelettreste eines Mannes wurden in einem Torfmoor im dänischen Nordjütland entdeckt. Er lebte zwischen 3300 und 3100 v. Ztr.. Sein Schädel wurde mit mindestens acht heftigen Schlägen durch eine Holzkeule zertrümmert. Neben ihm im Moor lag eine typische hölzerne Keule sowie ein Trichterbecher. Genetischer Hintergrund: DNA- und Isotopenanalysen zeigten ein faszinierendes Einzelschicksal. Er stammte ursprünglich nicht aus Dänemark, sondern war als Kind/Jugendlicher ein Wildbeuter (Jäger und Sammler) an der Küste Norwegens oder Schwedens. Er kam später nach Dänemark, integrierte sich in die bäuerliche Trichterbecherkultur, änderte seine Ernährung drastisch hin zu Agrarprodukten und wurde schließlich um das 30. Lebensjahr im Moor rituell erschlagen.
2. Das Moor von Sigersdal (Sigersdal Mose, Dänemark)
Im Moor von Sigersdal auf Seeland wurden die Überreste von zwei Individuen gefunden, die der Trichterbecherkultur zugerechnet werden (ca. 3500 v. Ztr.). Gefunden wurden die Skelette einer Frau und einer wahrscheinlich jugendlichen Person. Um den Hals des weiblichen Skeletts war eine Schnur aus Pflanzenfasern geschlungen, die mehrfach verknotet war. Dies gilt in der Archäologie als einer der ältesten direkten Nachweise für eine rituelle Strangulation oder Erhängung im skandinavischen Raum, bevor der Körper im Moor versenkt wurde.
3. Das Phänomen der kollektiven Skelettdeponierungen in Südschweden
Im südschwedischen Schonen (Scania) gibt es zahlreiche Fundplätze, an denen Skelettreste im Wasser deponiert wurden. In ehemaligen Seen und Mooren (wie Hindby Mosse oder Sälshög) wurden nicht nur ganze Körper, sondern auffallend oft einzelne, gezielt ausgewählte menschliche Knochen (oft Schädel oder Langknochen) zusammen mit zerscherbten Trichterbechern, Tierknochen (vor allem von geopferten Rindern) und Flintbeilen versenkt. Archäologen gehen davon aus, daß Knochen teilweise aus Megalithgräbern entnommen und in sekundären Ritualen im Wasser niedergelegt wurden. Wasseropfer und Ahnenkult waren also fließend miteinander verwoben.
4. Die Erdwerke vom „Sarup-Typ“
Obwohl es sich hierbei um monumentale Grabenanlagen an Land handelt, spiegeln sie dieselbe religiöse Logik wider. In den Gräben des berühmten Fundplatzes Sarup (Dänemark) wurden absichtlich Trichterbecher zertrümmert und menschliche Knochen (oft Fleischknochen und Schädelteile) zusammen mit organischen Opfergaben vergraben. Diese Gräben standen zeitweise unter Wasser oder fingen Regenwasser auf, was die symbolische Verbindung von Zerstörung, Transformation und Wasserelement verdeutlicht.
Einordnung: Opferung oder Bestattung?
Die moderne Archäologie sieht den Übergang zwischen einem „Menschenopfer“ (Tötung als Gabe an die Götter) und einer „Sonderbestattung“ (Versenken von Toten im Wasser statt im Großsteingrab) als fließend an. Klar ist, daß die Trichterbecherkultur das Wasser als ein Medium der Kommunikation mit dem Sakralen nutzte. Während der Großteil der Gemeinschaft in den monumentalen Megalithgräbern (Dolmen und Ganggräbern) bestattet wurde, blieben Wasser und Moore bestimmten Individuen oder rituellen Anlässen vorbehalten.

Diese Ausführungen lassen wir erst einmal unkommentiert so stehen. In Stenderup Hage erhielt also ein Mann mit "altüberkommener" genetischer Herkunft eine "altüberkommene" "Wasser-Bestattung", und das in einer Zeit, als rundum schon viele Menschen sich mit den Schnurkeramikern vermischten, vielleicht sogar eher erzwungenermaßen.

Zu diesem Umstand sind beim aktuellen Stand noch viele Interpretationen möglich. Greifen wir vielleicht eine der plausibleren heraus: Vielleicht dachten sich seine Mitmenschen: Du willst dich nicht an die "modernen Zeiten" gewöhnen? Stirb und sei bestattet wie es unter Menschen deines Schlages nicht selten üblich war. Das ist natürlich reine Spekulation!

Aber langsam schälen sich Muster heraus: "Lola" von Lolland war eine der "letzten ihres Schlages", nämlich der westeuropäischen Jäger und Sammler, sie lebte um 3.700 v. Ztr. auf der dänischen Insel Lolland und ihr Birkenpech-Kaugummi wurde am Meeresboden der Südküste der Insel gefunden, das heißt, sie lebte in einer Randregion, während das Inland von Lolland schon von Trichterbecher-Bauern besiedelt war (Stg2026). Der Ötzi war herkunfts-mäßig einer der "letzten seines Schlages", nämlich fast rein anatolischer Herkunft. Er starb um 3.300 v. Ztr. in den Alpen eines gewaltsamen Todes in einer sehr abgelegenen Höhenlage (Stg2023). Und hier nun starb auch der Mann von Stenderup Hage um 2.650 v. Ztr. als einer der letzten herkunfts-mäßigen Trichterbecher-Leute in einer Küstenzone und erhielt eine "Wasserbestattung" in Strandnähe.

Auch auf der Insel Gotland endet die Trichterbecherkultur um 2.700 v. Ztr.. Allerdings wurde die Trichterbecher-Kultur dort merkwürdigerweise von Menschen mit Herkunft westeuropäischer Jäger-Sammler ersetzt, die zum Teil die Schnurkeramik-Kultur angenommen hatten (Stg26). Wir hatten gemutmaßt: Vielleicht waren diese Menschen als "Verbündete" des Königs oder Fürsten der Schnurkeramik-Kultur sehr bewußt von anderen Gegenden her um- und auf Gotland angesiedelt worden. Das würde mehr oder weniger darauf hin deuten, daß von Seiten der Schnurkeramiker die Absicht bestand, die letzten Reste der Trichterbecher-Kultur, die "Letzten ihres Stammes" geradezu "systematisch" zu vernichten. Vielleicht weil sie Jahrhunderte lang sehr energischen Widerstand geleistet hatten gegen die Neuankömmlinge - zumal im Osten Jütlands. Dies scheint ja auch das "Niemandsland" zu den weiter westlich lebenden Schnurkeramikern nahe zu legen.

Die Weltgeschichte läßt auf ihrem Gang in die Zukunft viele Völker, deren Angehörige edle Menschen waren, und die eine einzigartige Sprache und Kultur ausgebildet hatten, untergehen. Man denke nur an die Indianer Nordamerikas. Wir Nachgeborenen können uns nur mit großer Hochachtung an sie erinnern. Und die Frage bleibt jedes mal auf Neue: Soll uns dasselbe Schicksal widerfahren?  

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  1. Land of opportunity? Settling and social organization of the early corded ware groups in Central Jutland, Denmark. By NN Johannsen, SK Nielsen, AB Nielsen, MF Mortensen… - Journal of Anthropological Archaeology, December 2026 (JoAA2026) 

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