Trug dieser zur Bevölkerungsexplosion der Steppenhirten in der Ukraine bei?
Welche Rolle spielten Wasserschläuche (Wiki) und ihr Transport bei der Bevölkerungsexplosion der Urindogermanen, also der Jamnaja-Kultur in der Steppe ab 3.300 v. Ztr.? Diese Frage wird in uns aufgeworfen, als wir uns einen sehr schönen Vortrag des Archäogenetikers David Reich aus dem März dieses Jahres ansehen, in dem er einmal erneut die wesentlichsten Erkenntnisse seines Forschungsgebietes zur Völkergeschichte Europas prägnant zusammen faßt (1).
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| Abb. 1: Wasserschlauchträger (Wiki) - Aus dem Relief der Geschenke-darbringenden Abordnungen in Persepolis (um 500 v. Ztr.) |
Viele Inhalte seines Vortrages sind ja hier auf dem Blog schon oft referiert worden. Dann aber sagt er auch folgendes (1; Minute 49:11):
Vor 5.000 Jahren taucht in den Steppengebieten nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meeres - in der heutigen Ukraine und im westlichen Rußland - eine neue Gruppe auf. Diese Gruppe findet sich hier: dies sind die Jamnaja-Steppenhirten. Es handelt sich um eine außergewöhnliche archäologische Kultur, die erstmals vor 5.300 Jahren in Erscheinung tritt. Sie waren die Ersten, die die offenen Steppenlandschaften besiedelten und nutzbar machten - Gebiete, die zuvor menschenleer waren, da dort kein zugängliches Wasser vorhanden war. Die Menschen in dieser Region lebten damals entlang der Flußtäler von Don, Dnjepr oder Wolga; die dazwischen liegenden Flächen blieben unbewohnt, obwohl sie reichlich Biomasse boten - es fehlte schlicht am Zugang zu Wasser.5,000 years ago you see the appearance in the steps north of the Black and Caspian seas Ukraine and western Russia. This group is pictured here. This is a Yamna step pastoralist. This is from a extraordinary archaeological culture that appears for the first time 5,300 years ago. They're the first people to occupy and exploit the open steplands which were previously devoid of people and people couldn't exploit them because there was no water that could be accessed. People in that part of the world would live along the Dawn River Valley or the Deniper River Valley or the uh Vulga River Valley but did not live in between despite all the biomass that was there to exploit as they couldn't get water there.
Soweit können wir gut folgen. Das haben wir hier auf dem Blog schon behandelt.
Dann aber sagt David Reich (1):
Die Menschen der Jamnaja-Kultur nutzten jedoch das kurz zuvor erfundene Rad: Sie konstruierten Wagen, spannten Tiere davor und konnten so ihre Vorräte - einschließlich Wasser - in die offenen Steppen mitnehmen.But the Yamnaja took the recently invented wheel and they hitched it to wag. They put them on wagons and then hitched animals to wagons and they took their supplies including water out into the open steplands.
So konkret haben wir das noch nirgendwo dargestellt oder erwähnt gefunden. Deshalb wird es hier zitiert. Spielte der Wassertransport auf Wagen eine Rolle für die Bevölkerungsexplosion in der Steppe? Das scheint David Reich hier andeuten zu wollen. Aber macht er sich eigentlich klar, wie viel Wasser da für riesige Rinder- und Schafsherden auf Wagen transportiert werden müßten? Deshalb fragen wir einmal die KI:
Wie kann die Jamnaja-Kultur Wasser auf Rinderwagen transportiert haben? - Antwort: Die Menschen der Jamnaja-Kultur (ca. 3300–2600 v. Chr.) revolutionierten das Leben in der eurasischen Steppe, indem sie vierrädrige, von Ochsen gezogene Wagen als mobile Behausungen und Transporter nutzten. Da archäologische Funde aus Gräbern vor allem die hölzernen Wagen selbst zeigen, stützt sich die Forschung bezüglich des Wassertransports auf eine Kombination aus materiellen Funden verwandter Kulturen, logischen Rekonstruktionen und ethnografischen Vergleichen:Tierhäute und Lederschläuche: Das mit Abstand flexibelste und leichteste Mittel zum Transport von Flüssigkeiten in nomadischen Kulturen waren gegerbte Tierhäute (meist von Ziegen, Schafen oder Rindern). Diese Schläuche wurden wasserdicht versiegelt (häufig mit Fett oder Harz) und konnten einfach auf den Ladeflächen der Wagen gestapelt oder an den hölzernen Seitenwänden aufgehängt werden.Große Keramikgefäße: Die Jamnaja-Kultur stellte charakteristische, oft eiförmige oder flachbödige Tonwaren her. Große Vorratsgefäße aus Ton wurden auf den Wagen transportiert. Um ein Zerbrechen während der holprigen Fahrt über die Steppe zu verhindern, wurden diese Gefäße vermutlich in Stroh, Heu, Schilfmatten oder Wolle eingebettet und festgebunden.Holz- und Rindenbehälter: Obwohl Holz in der Steppe ein wertvolles Gut war, bauten die Jamnaja ihre Wagen aus dem harten Holz der Flusstäler (wie Eiche). Es wird angenommen, daß sie auch hölzerne Kübel, Fässer oder mit Birkenrinde ausgekleidete Behälter nutzten, um größere Mengen Wasser mitzuführen.Schilf- und Flechtmatten: Archäologische Funde (z. B. aus Wagengräbern der nachfolgenden Katakombengrab-Kultur) zeigen Reste von gewebten Schilf- und Reetmatten auf den Wagen. Diese dienten nicht nur als Abdeckung, sondern im feuchten Zustand vermutlich auch als Isolierung, um die Wasserbehälter vor der prallen Sonne zu schützen.Der entscheidende Faktor: Milch als WasserersatzJüngere biomolekulare Studien (z. B. des Max-Planck-Instituts) haben gezeigt, dass die Expansion der Jamnaja eng mit dem Konsum von Milchprodukten (von Schafen, Ziegen, Kühen und Pferden) verknüpft war. Da Milch zu einem großen Teil aus Wasser besteht, mußten die Nomaden deutlich weniger reines Oberflächenwasser transportieren. Die Tiere wanderten selbst als „lebende Wasserspeicher“ mit und verwandelten das Steppengras in nahrhafte Flüssigkeit.
Die Literaturhinweise, die die KI zu diesen Ausführungen gibt, enthalten alle nichts von dem, was die KI hier sagt. Grundsätzlich klingt das ja alles plausibel. Aber ich frage doch mal weiter:
Gibt es Zeugnisse aus der Rigveda für einen solchen Wassertransport? - Antwort: Ja, es gibt im Rigveda (der ältesten indogermanischen Textquelle, ca. 1500–1200 v. Chr.) erstaunlich präzise, kulturhistorische Zeugnisse, die genau die oben beschriebenen Praktiken des Wassertransports widerspiegeln. Da die vedischen Indoarier sprachlich und historisch eng mit den bronzezeitlichen Steppenkulturen (wie Jamnaja und der nachfolgenden Sintashta- und Andronowo-Kultur) verwandt sind, bewahrt der Rigveda im kollektiven Gedächtnis und in seinen Metaphern die logistischen Realitäten des nomadischen Steppenlebens. Die wichtigsten Zeugnisse für diesen Wassertransport im Rigveda umfassen:1. Der lederne Wasserschlauch (dṛti)Das direkteste Zeugnis für den Wassertransport in tierischen Häuten ist das Sanskrit-Wort dṛti (dṛti- f., wörtlich „die abgezogene Haut“ oder „der Lederschlauch“). Im Rigveda wird dieses Objekt mehrfach erwähnt – oft in Form von poetischen Gleichnissen, die zeigen, wie allgegenwärtig dieser Gegenstand im Alltag war:Der kosmische Wasserschlauch: In Rigveda 5.85.7 wird der Gott Varuna dafür gepriesen, dass er den Himmel wie einen ledernen Wasserschlauch über die Erde umgestülpt hat, um es regnen zu lassen: „Varuna hat den Schlauch (dṛti) mit der Öffnung nach unten über die beiden Welthälften ausgegossen...“Der Trunk der Götter: An anderer Stelle (RV 1.191.10) wird der Lederschlauch mit dem Aufbewahren von Flüssigkeiten (wie Wasser oder dem rituellen Rauschtrank Soma) assoziiert.2. Wagen (ratha und anas) als TransportmittelDer Rigveda unterscheidet klar zwischen zwei Arten von Fahrzeugen: den schnellen, zweirädrigen Streitwagen (ratha) und den schweren, meist von Ochsen gezogenen Last- und Packwagen (anas).- Die anas-Wagen entsprechen funktional genau jenen Rinderwagen, die auch die Jamnaja-Kultur nutzte.- In den Hymnen wird beschrieben, wie nomadische Clans (Vis) mitsamt ihren Habseligkeiten, Frauen, Vorräten und eben auch Wasser- bzw. Getränkebehältern auf diesen Wagen von Weideplatz zu Weideplatz zogen.3. Der Milchkonsum als logistische ErleichterungGenau wie bei der Jamnaja-Kultur spielt auch im Rigveda die Kuh (go) und ihre Milch (payas) eine absolute Schlüsselrolle.- In zahllosen Hymnen (insbesondere im 9. Buch, das dem Gott Soma gewidmet ist) wird die frische Kuhmilch als wichtigstes Nahrungsmittel und Verdünnungsmittel beschrieben.- Die vedischen Hymnen preisen die Götter dafür, dass sie „die weiße Milch in die roten und schwarzen Kühe gelegt haben“. Die Vorstellung der Herde als wandernder, autarker „Flüssigkeitsspeicher“ ist tief im vedischen Denken verwurzelt.4. Das Schöpfen aus Brunnen an den TransportwegenDer Rigveda beschreibt auch das konkrete logistische Problem der Wasserknappheit auf Reisen. In Rigveda 10.101.5-7 wird ein hölzerner Brunnen beschrieben, aus dem Wasser mit Eimern an langen Seilen geschöpft wird:
„Rüstet die Wagen aus [...] Richtet den Brunnen her, dessen Eimer unerschöpflich und tief ist, der gut gebaut ist [...] Schöpft aus dem Brunnen, der den Männern Trank spendet, dessen Eimer aus Holz ist...“
Dieses Lied verknüpft das Ausrüsten der Wagen direkt mit dem Auffüllen der Wasservorräte aus künstlichen oder natürlichen Brunnen entlang der Route - ein zwingendes Erfordernis für jede Migration durch trockene Regionen.
Hier ist allerdings ausdrücklich nur von Wasser für "Männer" die Rede, nicht die Tiere. Also fragen wir weiter:
Gibt es Zeugnisse traditionell lebender Steppenvölker der letzten Jahrhunderte für solchen Wassertransport? - Antwort: Ja, die ethnografischen Berichte und Reisezeugnisse aus den letzten Jahrhunderten - besonders über die Mongolen, Kasachen, Kirgisen und Kalmücken - bestätigen genau diese Logistik. Da sich die ökologischen Bedingungen in der eurasischen Steppe seit der Bronzezeit kaum verändert haben, blieben auch die Lösungen für das Wasserproblem über Jahrtausende hinweg verblüffend konstant. Historische Berichte von westlichen Forschungsreisenden, russischen Kartografen und die gelebte Praxis der Nomaden bis ins 20. Jahrhundert zeigen folgende konkrete Parallelen:1. Riesige Ledersäcke (Kukun / Torsyk) auf WagenDie Nutzung von Tierhäuten war bis zur Einführung von Metallkanistern das Standardverfahren.- Der Torsyk und Saba: Bei den Kasachen und Kirgisen waren der Torsyk (ein kleinerer Lederbeutel für den Sattel) und die Saba (ein großer, oft aus Pferdehaut genähter Sack für das Lager) allgegenwärtig. Für den Transport auf den hölzernen Ochsenkarren (Arba) fertigte man übergroße Ledersäcke an.- Die Präparation: Die Häute wurden mit Rauch gegerbt (was ihnen einen typischen Geruch verlieh, aber Schimmel verhinderte) und mit Rinderfett oder Pferdemark wasserdicht geschmiert. Auf den hölzernen Wagen wurden diese tonnenartigen Ledersäcke festgezurrt, um ganze Familienclans während tagelanger Märsche durch trockene Steppenabschnitte zu versorgen.2. Holzfässer und die „Filzkappen-Isolierung“Im 18. und 19. Jahrhundert nutzten wohlhabendere Nomaden zunehmend hölzerne Daubenfüsser, die sie von sesshaften Handelspartnern eintauschten oder in bewaldeten Flussrunsen selbst bauten.- Um das Wasser auf den ungefederten Wagen vor dem Umkippen und der extremen Hitze zu schützen, wurden die Behälter – exakt wie in den archäologischen Jamnaja-Befunden vermutet – in dicke Schichten aus Filz (Gersfiez) oder Schilfmatten eingewickelt.- Dies verhinderte nicht nur das Verdunsten, sondern dämpfte auch die harten Stöße der hölzernen Achsen auf dem unebenen Steppenboden.3. Der „lebende Wasserspeicher“ und Airag/KumisPraktisch alle Reisenden der letzten Jahrhunderte (von Wilhelm von Rubruk im 13. Jahrhundert bis zu Ethnographen des 19. Jahrhunderts) hoben hervor, daß Steppennomaden auf Reisen fast nie reines Wasser tranken.- Wasser wurde vor allem für die Tiere benötigt. Die Menschen ernährten sich unterwegs von Airag (mongolisch) bzw. Kumis (turksprachig) – fermentierter Stutenmilch.- Da die Stuten ohnehin mit der Herde mitwanderten, transportierte sich das „Trinkwasser“ der Nomaden im Grunde von selbst auf vier Beinen. Erst im Lager oder auf dem Wagen wurde die Milch gemolken und in den großen Lederschläuchen fermentiert.4. Die nomadische Brunnen-LogistikGenau wie im Rigveda beschrieben, hing der Wassertransport eng mit dem Wissen über versteckte Brunnen zusammen. Wenn mongolische Familien mit ihren Ochsenkarren-Kolonnen (Gerege) im Sommer umzogen, steuerten sie Routen von Brunnen zu Brunnen an.- An den Brunnen angekommen, nutzte man transportable Ledereimer, um das Wasser emporzuholen und sowohl die Tiere zu tränken als auch die Ledersäcke auf den Wagen für den nächsten Streckenabschnitt randvoll zu füllen.
Damit haben wir auf jeden Fall schon einmal mancherlei Hinweise und Anhaltspunkte. Aber auch hier geht es vor allem um die Wasserversorgung der Menschen, nicht um diejenige der Tiere. Letztere könnten höchstens über Brunnen mit Wasser versorgt worden sein. Müßten die Archäologen dann aber nicht auch auf solche Brunnen stoßen?
Finden die Archäologen Nomaden-Brunnen in Europa?
Die KI sagt, daß hölzenere Brunnen für die Schnurkeramiker nur in seßhaften Siedlungen nachgewiesen sind. Für die Jamnaja seien gar keine nachgewiesen. Stattdessen sagt sie:
Archäologische Kartierungen zeigen, daß die Jamnaja-Nomaden ihre Routen nicht quer durch die wasserlose Tiefsteppe legten, sondern sich entlang der großen Flußsysteme (wie Dnjepr, Don, Wolga und Ural) bewegten. Sie nutzten die wasserreichen Flußtäler im Winter und stießen im Sommer nur so weit in die Steppe vor, wie es die dortigen natürlichen Oberflächengewässer (temporäre Seen, Bäche) zuließen.
Diese letztere Aussage kommt uns schon deutlich plausibler vor. Vorerst glauben wir also nicht, daß der Wassertransport auf Rinderwagen erheblich zur Ausweitung des Siedlungsgebietes der Jamanja-Kultur in die Steppe beigetragen hat, wie das hier David Reich anzudeuten scheint. Soweit wir das bisher verstanden hatten, waren es einfach kühlere, wasserreiche Jahrhunderte in der Steppe, die diese Bevölkerungsexplosion nach einer längeren Dürreperiode ab 3.300 v. Ztr. ermöglichte. Denn sicher ist, daß es eine Bevölkerungsexplosion in der Steppe gab, aufgrund derer auch abgelegene Regionen besiedelt wurden, und die das moderne Europa entstehen ließ. Das ist gut belegt (siehe frühere Blogbeiträge).
Die Fulani in der Sahara nutzen übrigens auch Kalebassen (ausgehöhlte Kürbisse) zum Wassertransport auf Tieren (Alamy). So könnten und werden die frühen Urindogermanen auch schon vor Erfindung des Rades ab 4.500 v. Ztr. bei ihrer ersten Ausbreitung Wasser und andere Gegenstände transportiert haben.
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| Abb. 2: Nomadische Fulani im Tschad mit Kalebassen |
David Reich sagt dann weiter über die Cucuteni-Tripolje-Kultur, die der Jamnaja-Kultur in der Ukraine voraus ging, und die spätestens ab 3.300 v. Ztr. unterging (1):
Mit dieser Entwicklung verschwanden sämtliche zuvor in den Flußtälern ansässigen Kulturen. Man findet keine Siedlungen mehr, auch die für jene Kulturen typische Keramik verschwindet. Tatsächlich verschwinden die Siedlungen gänzlich, da es sich um ein extrem mobiles, nomadisches Volk handelte. Sie breiteten sich über ein riesiges Gebiet aus, das von Ungarn im Westen bis in die Mongolei im Osten reichte. Infolge dieses Phänomens kam es zu einem Verlust an kultureller Vielfalt. Genau das geschah: Diese Menschen traten auf den Plan – doch von Europäern ist zu diesem Zeitpunkt noch keine Spur. Doch dann, vor etwa 5.000 Jahren – plötzlich taucht Europa auf. Der Zeitraum zwischen 5.000 und 4.500 Jahren vor heute ist daher von entscheidender Bedeutung. Es kam zu einer Vermischung verschiedener Gruppen, aus der schließlich die Bevölkerung hervorging, die wir heute kennen. Die Menschen der Jamnaja-Kultur gelangten bis an den Rand der Steppe; weiter konnten sie nicht vordringen, da ihre auf die Steppennutzung ausgerichtete Wirtschaftsweise dort nicht mehr funktionierte. Sie vermischten sich jedoch mit europäischen Bauern, und diese Mischpopulation – in Form der Schnurkeramik-Kultur – breitete sich weiter nach Westen aus und brachte Abstammungsmerkmale der Jamnaja-Kultur nach Europa.Diese Ergebnisse widerlegen somit Colin Renfrews Theorie, wonach sich Sprachen in Europa ausschließlich durch die Einführung der Landwirtschaft verbreitet haben könnten. Das Argument lautete: Eine großflächige Bevölkerungsbewegung, die ausreicht, um Sprachen zu übertragen, hätte – angesichts der bereits dichten Besiedlung Europas durch Bauern – einen wirtschaftlichen Wandel von der Tragweite der Landwirtschaft erfordert. Wie hätte also überhaupt jemand einen solchen Einfluss ausüben können? Ein Vergleich: Indien wurde über Hunderte von Jahren hinweg politisch von den aus Afghanistan stammenden Moguln und später von den Briten kontrolliert. Doch diese Gruppen hinterließen in der indischen Bevölkerung kaum Spuren, da dort bereits eine große, etablierte Agrargesellschaft existierte. Wie konnte es also damals zu einer Bevölkerungsbewegung kommen, die groß genug war, um einen Sprachwechsel herbeizuführen? Doch es ist geschehen. Es ist tatsächlich passiert – irgendwie. Die Daten belegen, daß es stattgefunden hat. Tatsächlich stellen diese Steppenhirten – die Nachfahren der Jamnaja-Kultur – für viele Menschen im heutigen Europa, auch in diesem Teil Europas, die bedeutendste Abstammungskomponente dar. Eine weitere wesentliche Komponente stammt von den frühen europäischen Bauern. Die Nachfahren der Jamnaja-Kultur breiteten sich also immer weiter nach Westen aus – und zwar auf eine Weise, die eng mit den Verzweigungsmustern der indoeuropäischen Sprachen korrespondiert.And when this happened, all the previous cultures on each of the river valleys disappeared. You don't see the villages anymore. You don't see the pottery anymore characteristic of them. In fact, all villages disappear because these people are extreme mobile pastoralists. They just spread from a vast area all the way from Hungary in the west to Mongolia in the east. And you see a loss of cultural variation as a result of this uh phenomenon. And so this is what happens. And these are the people and they pile up in a different place on the plot. So you still don't see Europeans today. But then after 5,000 years ago, boom, you see Europe appear. So it's a very important period between 5,000 and 4,500 years ago. And what happens is these people mix with these people to form those people. So the Yamna form, they get to the edge of the step. They can't go further because their economics doesn't work anymore to go beyond the step. It's based on step exploitation. But they mix with European farmers and that mixed population in the form of corded wear expands further west and brings Yamna ancestry into Europe.And so these results disprove Colin Renfer's theory that the only way that languages could have spread into Europe is through the advent of farming. The argument was the only way a large-scale movement of people that would be large enough to bring languages could have moved into Europe was through something economically as transformational as farming once farmers were densely settled in Europe. How could anybody make an impact? It was like people in India today are ve have been have been politically controlled uh by the Mughals from Afghanistan by British people uh for many hundreds of years. But those populations made hardly any dent in India because it was a big established agricultural population. So how could there be a large enough movement of people to achieve a language shift at this time? But it happened. This happened. It happened somehow. The data w tells you it happened. And in fact this is in many people in Europe today including in this part of Europe the most important ancestry component these step pastoralists. Another large component is these early European farmers. So Yanaya descendants then started spreading further further west and in a way that closely tracks the branching patterns of Indo-European languages.
Weitere Teile des Vortrages von David Reich wollen wir uns in den nächsten Tagen noch ansehen.
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| Abb. 3: Nomadenbrunnen im Sudan, Nordafrika (st) |
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- Reich, David: How Ancient DNA Changed Everything We Thought We Knew About Human History. The Science and Cocktails Foundation, Kopenhagen 8.3.2026 (Yt2026)
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