Freitag, 15. Mai 2026

Die steinernen Zeugnisse der Keltoromanen im Elsaß

Ein Blick in die keltoromanische Kultur
- Steinerne Zeugnisse eines unterworfenen, seelisch deformierten Volkes?

Unterworfene Völker geben oft kein schönes Bild ab. Insbesondere wenn ihnen ihr Stolz gebrochen wird und sie in ihrem kulturellen Sein zutiefst gedemütigt werden (Stg21).

Was für stolze, prachtvolle, selbstbewußte Kulturen sehen wir auf dem amerikanischen Kontinent - von ganz oben im Norden bis ganz tief hinunter im Süden, bevor dorthin die christlichen Europäer angekommen waren. Und wie so zutiefst gedemütigt und im Vergleich zu vorher fast kulturlos sehen wir die einheimischen amerikanischen Völker nach ihrer Unterwerfung durch die europäischen Christen.

Abb. 1: Der keltische Hirschgott vom Hohen Donn, 3. Jhdt. n. Ztr., ausgestellt im Archäologischen Museum in Straßburg (MusStrasbg)

Ähnliches sehen wir bei den durch die Römer unterworfenen Völker: Seltsam "gebrochene", gedemütigte, deformierte Kulturen. Kein prachtvolles, stolzes, selbstbewußtes Sein mehr.

Es gibt in der Geschichte allerdings auch "Unterwerfungen", die den Stolz der unterworfenen Völker zu schonen scheinen. Die den Stolz keineswegs besonders stark antasten. Wir möchten meinen, daß dies vorliegt im Großreich von Alexander dem Großen und in seinen Nachfolgereichen. Jedenfalls sehen wir hier überall ein Aufblühen der Kulturen, ein weiteres lebendiges, seelisches Leben, auch ein stolzes religiöses Leben trotz der Unterwerfung. Wir sehen beispielsweise, daß sich Isis-Tempel in dieser Zeit von Ägypten aus im ganzen hellenistischen Machtbereich, ja später im römischen Machtbereich ausbreiteten. Der religiöse Stolz der Ägypter also wurde nicht gedemütigt, vielmehr wertgeschätzt, ja, als Bereicherung empfunden. Ein vielleicht ungewöhnliches Geschehen.

Wir sehen sogar, daß die Griechen, die schließlich von den Römern unterworfen wurden, als vielleicht einziges von allen von den Römern unterworfenen Völkern (abgesehen vielleicht von den Ägyptern) ihr kulturelles Sein, ihren Stolz auf ihre eigene Kultur, ihr Selbstbewußtsein bewahren konnten und auch noch "Lehrer" werden konnten der Römer, von denen sie unterworfen worden waren. Im Grunde haben die Römer von den Griechen die gesamte Kultur, die gesamte Kunst, die gesamte Wertschätzung für das Wahre, Gute und Schöne übernommen.

Wir möchten fast meinen, daß Unterwerfungen solchen Charakters wie sie in Zusammenhang mit der antik-griechischen Kultur standen, zumindest für indogermanische Völker eher die Regel als die Ausnahme dargestellt haben könnten schon seit dem Mittel- und Spätneolithikum. Aber das ist vielleicht zunächst nur eine "Hypothese", Spekulation. 

Aber man denke doch nur: Marsyas, vielleicht eine Verkörperung der nicht-indogermanischen Vorfahren der indogermanisierten antiken Griechen, wird zwar von Apollon nichts weniger als "gehäutet". Dennoch lebt er im kulturellen Gedächtnis der antiken Griechen mit großer Wertschätzung, Liebe und Anteilnahme fort (Stg23). Neben der "apollinischen" Religiosität der Indogermanen fand die vorindogermanische, nun als "Satyr-haft" empfundene Kultur weiterhin einen liebevoll eingeräumten Platz. Sie wurde nicht verteufelt. Sozusagen der Stolz des Marsyas wurde selbst durch seine "Häutung" im kulturellen Gedächtnis nicht gebrochen. Das mag Zeugnis der indogermanischen Duldsamkeit gegenüber nicht-indogermanischen Kulturelementen sein, für die man Hinweise womöglich vielfach auch sonst findet. 

Abb. 2: Der Hohe Donn zwischen Brumath nördlich von Straßburg im Osten und Toul und Metz imWesten (GMaps)

Daß wir jene Völker, die durch die Römer unterworfen worden waren - mit Ausnahme der Griechen - nach der Unterwerfung so "ernüchtert" sehen, so gebrochen sehen in ihrem kulturellen Stolz - woran kann das liegen? Schließlich sind die Römer ja auch Indogermanen. Von ihrer Genetik her gesehen sind sie sogar viel mehr Indogermanen als die antiken Griechen. Liegt es an der großen Nüchternheit der Römer? Sie konnten keine wirklich neue kulturelle Blüte bei den unterworfenen Völkern hervor rufen. Gewiß, Tacitus konnte in seiner "Germania" den Germanen große Wertschätzung entgegen bringen. Manche brachten diese Wertschätzung auch den Galliern entgegen, den Kelten. Aber insgesamt waren die Römer wohl selbst viel zu nüchtern, viel zu sehr "Tatmenschen", "Machtmenschen". Sie mögen sich selbst aus ihrer Nüchternheit womöglich durch die Einflüssen von Seiten der seelisch lebendigen Griechen "erhoben" haben, vor kultureller Erstarrung bewahrt haben. Aber sie konnten diese kulturelle seelische Erhebung - soweit übersehbar - nicht zu den vielen sonstigen Völkern bringen, die sie unterworfen haben - wie die Karthager, die Iberer, die Illyrer, die Kelten oder die Germanen.  

Aus den keltoromanischen steinernen Zeugnissen blicken uns unsere eigenen keltoromanischen Vorfahren meistens seltsam starr, seltsam unlebendig entgegen, seltsam "erstarrt". Das frühere, lebendige kulturelle Selbstbewußtsein der Kelten ist völlig dahin. Deshalb ist es auch so vergleichsweise mühsam, sich mit diesen Keltoromanen und ihrem kulturellen Erbe auseinander zu setzen: gebrochene, gedemütigte, traumatisierte Menschen, so will es einem erscheinen anhand der steinernen Zeugnisse, die uns von ihnen überliefert sind - in Bayern, in Württemberg, im Elsaß, im Rheinland, in Kärnten und im ganzen heutigen Frankreich.

Nur dort, wo Hochkultur geschaffen wurde im Sinne der griechisch-römischen Mittelmeer-Kultur, nur dort fühlen wir uns ganz zu Hause, fühlen wir seelische Lebendigkeit - auch es auch nur "kopierte".

Der Hohen Donn in den Vogesen - Zentralheiligtum der Kelten

Im antiken Griechenland bildeten sich rund um zentrale Heiligtümer wie Delphi lose Bündnisse der umwohnenden Stämme zum Schutze des zentralen Heiligtums. Diese Bündnisse dienten auch zu seiner Verwaltung und zur Organisation gemeinsamer Feste an diesen. Diese Bündnisse wurden "Amphyktionie" genannt (Wiki). Solche gab es auch in Kleinasien oder Etrurien. Und solche gab es auch unter den Stämmen der Gallier.

Gehen wir doch einmal in das Archäologische Museum Straßburg direkt neben dem berühmten Straßburger Dom. Seine berühmten Skulpturen "Ekklesia" und "Synagoge" blicken mitten in dieses Museum hinein! In diesem Museum ist eine Fülle von steinernen Zeugnissen unserer romanisierten, keltischen und germanischen Vorfahren ausgestellt.

Abb. 3: Merkur-Stele in Wasslnheim (franz. Wasselonne) im Elsaß (ArchMusStrbg), entdeckt 1991, gelegen 26 Kilometer westlich von Straßburg, Archäologisches Museum Straßburg

So etwa die Götterfigur eines keltischen "Hirschgottes" vom Hohen Donn in den Vogesen (MusStrasbg) (Wiki) (Abb. 1). Die Skulptur ist 1,76 Meter hoch. Der Gott ist nackt dargestellt. Er wird von einem Hirsch begleitet. Der bärtige Gott trägt Stiefel und ein Wolfsfell über den Schultern. Er hält eine Art Hirtenstab (oder ein Zepter? oder eine Axt?) in der Hand. Er trägt über der Schulter einen Beutel voller Kiefernzapfen.

Die Vogesen werden in der germanischen Sage Wasgenwald genannt (im Waltharilied) (Wiki). Der Zauber rund um die Sage von "Walter und Hildegund" (Wiki) liegt darin, der Zauber davon, daß ein Paar, ein Mann und eine Frau, einträchtig und gemeinsam alle Gefahren einer Flucht aus der Gefangenschaft beim Hunnenkönig Attila in Ungarn bestehen, sowie eine Verteidigung des mitgeführten, reichen Schatzes im Kampf am "Wasigenstein" (Wiki) durch Walthari, bzw. Walter. Der Zauber dieser Sage liegt noch heute über den Vogesen, mögen die Kämpfe des Ersten und Zweiten Weltkrieges noch so erbarmungslos über sie hinweg gegangen sein. Und der Zauber wird auch etwas damit zu tun haben, daß sich auf den höchsten Berggipfeln der Vogesen schon in keltischer Zeit bedeutende Heiligtümer befanden. 

Der genannte Hohen Donn liegt fünfzig Kilometer westlich von Straßburg. Auch er hat eine sagenumwobene Geschichte, eine, die noch deutlich älter ist als die genannte germanische Heldensage. Auf Französisch wird der Gipfel "Donon" genannt. Er bietet eine außergewöhnliche Aussicht in alle Richtungen. Spätestens seit dem 3. Jahrtausend v. Ztr. scheint er regelmäßig von den umwohnenden Bewohnern aufgesucht worden zu sein. Vermutlich so ähnlich wie die Zeus-Heiligtümer in Griechenland auch Bezüge zu Bergesgipfeln aufwiesen.

Abb. 4: Jupiter-Kopf, vermutlich von einer Jupiter-Giganten-Säule, Archäologisches Museum Straßburg (ArchMusStrbg)

Für die Zeit vor der Eroberung Galliens durch Caesar ist zu erfahren (Wiki):

Dieser von weitem sichtbare Gipfel war ein Berührungspunkt zwischen drei keltischen Völkern:
- im Norden die Mediomatriker mit ihrer Hauptstadt Divodurum (Metz);
- im Osten die Triboker mit ihrer Hauptstadt Brocomagus (Brumath);
- im Süden die Leuker mit ihrer Hauptstadt Tullum (Toul).

Dies war also eine keltische "Amphyktionie", deren Einzugsbereich in Abbildung 2 festgehalten ist: Brumath liegt zwanzig Kilometer nördlich von Straßburg. Toul liegt 111 Kilometer westlich vom Hohen Donn, Metz liegt 119 Kilometer westlich vom Hohen Donn.

Erst in gallo-römischer Zeit entstanden ab dem 2. und 3. Jhdt. n. Ztr. auf dem Hohen Donn steinerne Bauten und damit verbundene steinerne Skulpturen, die nun dem Merkur geweiht waren, mit dem der vormals verehrte keltische Hauptgott in eins gesetzt wurde. Ein Zeugnis keltischer religiöser Überlieferung sind solche Skulpturen durchaus. Aber als ein Zeugnis seelischer Lebendigkeit wird man solche Skulpturen nur selten empfinden wollen. Wir haben es offenbar nicht mit einem Isis-Tempel zu tun, der lebendiges Interesse und Anteilnahme von Seiten der römischen Sieger auf sich zog (Wiki):

Auf dem Donon befand sich ein (Mercurius-)Heiligtum, um welches eine lose Stammeskonföderation zu dessen Schutz und Kult bestand (entsprechend der klassischen Amphiktyonie). Eine Interpretatio Romana des (unbekannten) göttlichen Stammesgründers oder der Lokalgottheit als Mercurius wäre deshalb möglich. In der Mitte des Kultortes befand sich eine 6,35 m tiefe trichterförmige Opfer­grube, früher als ein Heroengrab gedeutet.

Über das archäologisch festgestellte gallo-römische Heiligtum auf dem Gipfel heißt es (Wiki):

Das Heiligtum bestand aus vier Steingebäuden und einem Holzgebäude. Letzteres, ein rundes Holzgebäude, befand sich in der Nähe eines Brunnens (oder einer Zisterne). Die Steingebäude dienten der Kultstätte; die (...) Gebäude dienten vermutlich als Empfangsbereiche (Versammlungsorte für Gläubige, Aufbewahrungsort für Kultgegenstände usw.). Die Funktion des mit II nummerierten Gebäudes (unweit des Brunnens und durch Pfostenlöcher gekennzeichnet) ist noch nicht vollständig geklärt. Das Bauwerk III, das sich direkt unterhalb des Sandsteingesimses am Gipfel befand, besaß zweifellos große kultische Bedeutung. Die Ecksteine ​​der Giebel wiesen jeweils einen gemeißelten Kopf auf.

Wie wohl die Kelten als besiegte und gedemütigte Stämme zu ihrem einstigen Stammesheiligtum zurück gekehrt waren? Konnten sie noch freudig in die Fernen blicken und ihrem Gott und ihren Göttern dienen auf dem Hohen Donn? Sie konnten es durchaus, wenn womöglich auch von den römischen Eliten völlig unbeachtet. Denn die keltischen Götter lebten sogar trotz Christianisierung weiter, wie wir hören (Wiki):

Während die Region christianisiert wurde, versammelten sich Teile der Bevölkerung im frühen Mittelalter immer noch, so wie auch an anderen Orten, um Kulte und heilige Handlungen auszuüben (Verehrung von Felsen, Quellen, Verkleidung als Hirsche und Hirschkühe usw.), was im Widerspruch zu der neuen Religion stand, die von den Mönchen der vielen Abteien verbreitet wurde, die sich in der Region niederließen, um die Bevölkerung der Region zu evangelisieren.

Hier wird erkennbar, wie zäh die einheimische Bevölkerung des Elsaß trotz Christentum an den heidnischen, religiösen Vorstellungen und Gebräuchen festhielt. Ob etwas Ähnliches auch für die Vindeliker in Bayern galt? Zumindest für die Noriker (Wiki) gilt Ähnliches, erkennbar etwa an der fortwirkende Bedeutung des keltischen Heiligtums auf dem Magdalensberg, in der Antike Helenensberg genannt (Wiki). Die Verehrung des Cernunnos (Wiki), des keltischen Hirschgottes, hatte über den ganzen keltischen Kulturbereich hinweg Verbreitung, etwa auch bei den eben genannten Norikern, die eine Fülle von weiteren Göttern verehrten. Cernunnos findet sich auch auf dem Gundestrup-Kessel in Dänemark aus dem 1. Jahrhundert v. Ztr. dargestellt (heute im Nationalmuseum in Kopenhagen ausgestellt).

Abb. 5: Merkur und Rosmerta - Stele gefunden bei Sulz am Neckar, 150-200 n. Ztr. (Wiki)

Auf dem Hohen Donn wurde auch der keltische Gott Vosegus (Wiki) verehrt, nach dem vermutlich der Wasgenwald, der Wasgengau und die Vogesen benannt sind.

Nicht weniger als sieben (!) Jupiter-Giganten-Säulen sind auf dem Hohen Donn aufgestellt gewesen. Diese sind bildliche Zeugnisse davon, wie der Cäsaren-Wahn den Stolz unterworfener Völker bricht, wie der römische Jupiter den keltischen Giganten niederreitet. Über diese Säulen im gallo-romanischen Bereich haben wir schon vor fünf Jahren einen eigenen Blogartikel veröffentlicht (Stg2021). Sogar offenbar die häufigste Ansammlung auf dichtem Raum von solchen Jupiter-Giganten-Säulen fand sich auf dem Hohen Donn. Jeder wohlhabende keltische Adlige scheint das Bedürfnis empfunden zu haben, eine solche Säule aufzurichten. Rund um Mainz fanden sich 76 solcher Säulen. Sie scheinen aufgestellt worden zu sein so wie später christliche Wegekreuze. Zur Erinnerung daran, ja nicht zu vergessen, daß der Stolz der keltischen, barbarischen Vorfahren durch den römischen Cäsar auf immer und ewig gebrochen worden ist und sich nie wieder aufrichten soll. Zur Erinnerung daran, daß man zuvor "Barbar" ("Gigant") gewesen sei und es jetzt nicht mehr sein wolle. Sondern daß man jetzt "zivilisiert" sein wolle. Über solche Säulen lesen wir auf dem französischen Wikipedia (Wiki):

Solche Statuen sind in Ostfrankreich sehr verbreitet (Grand, Säule von Merten (Metz), am Hohen Donn (Donon) (im Elsaß) (fünf Reiter über einem Schlangenfüßigen, drei weitere auf Säulen). Zwei weitere Säulen befinden sich an jedem Ende des Landwegs zwischen der Saône und der Mosel: in Corre und in Portieux. Weitere Statuen wurden gefunden in Corseul (Côtes-d'Armor), Neschers (Puy-de-Dôme), Briec (Finistère), Landudal (Finistère), Riom (Puy-de-Dôme), Saint-Méloir-des-Bois (Côtes-d'Armor), Steinburg (Elsaß), Seltz (Elsaß), Plouaret (Côtes-d'Armor), Plomelin (Finistère) und Plobannalec (Finistère). Eine Umhegung für einen solchen Kult wurde in Bavilliers bei Belfort ausgegraben.

Von 58 bis 51 v. Ztr. hat Gaius Julius Cäsar Gallien erobert (Wiki). Im Jahr 49 v. Ztr. begann dann der römische Bürgerkrieg und Cäsar zog mit seinem Heer und mit verbündeten Galliern von Gallien aus zurück nach Italien.

Die keltischen Stämme im heutigen Frankreich

Der römische Dichter Lukan (39-65 n. Ztr.) (Wiki) besang hundert Jahre nach dem Bürgerkrieg denselben in seinem Werk "De bello civili". In dem ersten Gesang desselben beschreibt er recht ausführlich das Sammeln der römischen Truppen in Gallien durch Cäsar und das Aufatmen der dortigen besiegten gallischen Stämme. Er zählt viele dieser Stämme auf (1) (Arch):

Cäsar ...
Ruft die Kohorten, die sonst zerstreut durch die gallischen Fluren,
Auf und Rom zu eilt er mit ringsher fliegenden Fahnen.
Sie verlassen die Zelt', an das Ufer des Lemans geheftet,          [Genfer See] 
Und ihr Lager, das, hoch am Felsabhang der Vogesen,
Zähmte das wilde Lingonenvolk mit bemalten Waffen.
Diese verlassen die Isara nun, die ihre Gewässer                       [den Fluß Isère] 
Weit durch's Land schon geführt, doch in einen berühmteren Strom dann
Fällt ...                                                                                         [die Rhone]
Ledig werden die blonden Rutener der langen Bewachung,
Frei die Welle des milden Atax von lateinischen Fähren,           [der Fluß Aude]
Und Hesperiens Mark, Varus, nach erweiterten Grenzen;          [Fluß Var]
(...) 
                                               ... Ach sie, die Nemausus             [heute: Nîmes]
Fluren bewohnen und des tarbellischen Atturus krummes         [Stamm der Tarbelli am Fluß Adour]
Ufer, wo er bespült die sanft hinwallende Meerflut,
Ziehen hinweg; der Santon ist erfreut ob des Feindes Entfernung,        [Stamm der Santonen]
Der Bituriger, und mit langem Schilde Suessonen.
Leukrer und Rhemier dann, gar trefflich gewandt in dem Speerwurf,
Sequanervolk, das die Rosse versteht im Kreise zu tummeln,
Belgier auch, als Lenker geschickt des geschnäbelten Wagens.
Die Averner, so kühn, sich Latiums Brüder zu nennen,
Völker von ilischem Stamm, der stets zur Empörung geneigte
Nervier, mit dem Blute befleckt des erschlagenen Cotta;
Vangionen, die ähnlich, Sarmat', an geräumigen Hosen;              [Stamm bei Worms]
Trutzige Bataver, die der Trommeten hallendes Schmettern
Aus rückwärts gebogenem Erz anstachelt zum Kampfe;
Und du Trevirer, froh, daß von dir weg die Schlachten sich wenden,
Du beschorener Ligurer, vor der ganzen Comata                          [s. "Gallia Comata" [W]]
Einst den Nacken geschmückt durch stolz hinwallende Locken,
Und die, welche mit schrecklichem Blut versöhnen den wilden
Teutates und den Hesus mit Schauer erweckenden Opfern
Und des Taranis Altar, wie Dianas, der skythischen, grausam.
Ihr auch, die ihr die tapferen Geister gefallener Krieger
Durch des Gesanges Preis aussendet in kommende Zeiten,
Konntet nun ruhig, o Barden, ergießen die Fülle der Lieder ...

All das klingt so, als hätten die gallischen Stämme nun Möglichkeiten gehabt, erneut um ihre Freiheit zu kämpfen.

Kein neuer Aufstand gegen Rom

Deshalb fragen wir, angeregt durch diese Dichtung, ChatGPT danach, wie sich die gallischen Stämme während des römischen Bürgerkrieges verhalten haben. Und wir erhalten die Antwort:

Während der römischen Bürgerkriege - vor allem im Konflikt zwischen Gaius Julius Caesar und Gnaeus Pompeius Magnus (49-45 v. Ztr.) - spielten die gallischen Stämme eine wichtige, aber oft pragmatische Rolle. Ihr Verhalten war keineswegs einheitlich, sondern stark von Eigeninteressen geprägt.
Viele gallische Stämme unterstützten Caesar, und das hatte mehrere Gründe:
Frühere Unterwerfung: Nach den Gallischen Kriegen (58-50 v. Ztr.) standen große Teile Galliens bereits unter römischer Kontrolle.
Einige Eliten hatten Vorteile aus der Zusammenarbeit mit Caesar gezogen (z. B. Macht, Schutz, Handelsvorteile).
Gallische Reitertruppen und Hilfseinheiten kämpften aktiv in Caesars Armee. Besonders die Aeduer (anfangs) und andere verbündete Stämme stellten Truppen.
Einige Stämme nutzten den Bürgerkrieg, um sich neu zu positionieren. Die Aeduer etwa wechselten zeitweise die Seite und unterstützten Pompeius, als Caesars Lage unsicher schien. Pompeius hatte ebenfalls Unterstützung in Gallien, aber weniger direkt: Vor allem konservative Kräfte und Gegner Caesars sahen in ihm die legitime Autorität. Dennoch war sein Einfluß in Gallien schwächer, da Caesar dort militärisch präsent war.
Nach dem großen Aufstand unter Vercingetorix (52 v. Ztr.) waren die meisten Stämme militärisch geschwächt und politisch kontrolliert. Deshalb kam es während des Bürgerkriegs nicht zu einem großen, gemeinsamen gallischen Aufstand gegen Rom.

Die Kelten fanden sich also nach den erschütternden Anstrengungen, Siegen und Niederlagen im Kampf gegen Cäsar mit ihrer Niederlage ab.

Abb. 6: Sonnenuhr mit einer tanzenden Stunde, gefunden in Bettwiller im Elsaß, aus dem 2. Jhdt. n. Ztr. (Archäolog. Museum Straßburg)

In den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wurde Gallien durch Straßen- und Städtebau nach und nach immer stärker in die römische Infrastruktur und Verwaltung einbezogen.

Die romanisierten Kelten

Die umfangreichste Abteilung des Archäologischen Museums in Straßburg stellt die Sammlung steinerner Hinterlassenschaften der im Elsaß lebenden romanisierten Kelten und Germanen dar.

Man begibt sich hier in eine "kunterbunte" Welt. Alle Übergänge auf dem Weg von archaischen Menschendarstellungen bis hin zu echter Hochkunst sind vertreten. Man bekommt es sprichwörtlich zu spüren, was es hieß, "Barbar" zu sein im Angesicht der römischen Hochkultur. Diese romanisierten Kelten oder Germanen haben sowohl eigene als auch römische Götter dargestellt. Aber es finden sich im Grunde keine Zeugnisse echter kultureller Eigenständigkeit und echten eigenen, kulturellen Selbstbewußtseins, eigenen kulturellen Stolzes. Welch ein Gegensatz zu den früheren, freien, stolzen, hochfahrenden Kelten. 

Da ist etwa die "Merkur"-Stele von Wasslnheim, entdeckt 1991 (Abb. 3): Vor ihr mag man - ob ihres archaischen ernsten Blickes - noch heute mit Furcht und Schrecken stehen. Kriegern mit so ernstem Blick und Gesichtsausdruck möchte man womöglich im Ernstfall nicht bei Nacht und Nebel begegnen. Aber als Zeugnis echten, eigenen kulturellen Selbstbewußtseins möchte man sie auch nicht unbedingt einordnen. 

Germanen im Elsaß?

Diese Hinterlassenschaften weisen - zumindest auf den ersten Blick - wenig "Germanisches" auf. Und doch sprechen die römischen Schriftsteller dieser Zeit alle davon, daß Germanen im Elsaß gesiedelt hätten, nämlich die Triboker (Wiki) und die Nemeter, die ab 70 v. Ztr. mit dem Suebenkönig Ariovist in das Elsaß gekommen waren, um gegen die keltischen Sequentiner zu kämpfen, die hinwiederum dann Cäsar gerufen hätten, der diese germanischen Stämme unter Ariovist dann geschlagen hat. Ariovist selbst war mit einer Germanin und einer Keltin aus dem Stamm der Noriker verheiratet.

Abb. 7: Weiblicher Kopf, um 150 n. Ztr., Archäologisches Museum Straßburg - Vielleicht eine Diana (ArchMusStrbg)

Deshalb mag auch die ethnische Zugehörigkeit der Triboker und Nemeter keineswegs so eindeutig gewesen sein als es die römischen Schriftsteller Glauben machen (Wiki):

Caesar bezeichnet die sieben Volksstämme der Schlacht am Rhein als Germanen. Neben den Tribokern nennt Caesar in seinem Kriegsbericht noch die Haruder, Markomannen, Vangionen, Nemeter, Sedusier und Sueben. Heute wird angenommen, daß bestimmte der aufgezählten Stämme wie die Nemeter ursprünglich Kelten waren, die sich vor der Schlacht in germanischem Siedlungsgebiet niedergelassen und sich dann der Führung des germanischen Fürsten Ariovist angeschlossen hätten. Über die ethnische Zugehörigkeit der Stämme im rechtsrheinischen Vorfeld des Rheins ist im 1. Jahrhundert v. Ztr. aufgrund der sogenannten „Helvetier-Einöde“ wenig bekannt.

Auf dem französischen Wikipedia lesen wir dazu noch etwas genauer (Wiki):

Die Triboker (lateinisch Triboci oder Tribocchi) waren ein germanisches Volk (manche Autoren halten sie jedoch für Kelten), das in der Antike die elsässische Tiefebene und die Ortenau besiedelte (im archäologischen Sinne). Ihre Hauptstadt in der Römerzeit war Brocomagus. Eine ihrer Befestigungsanlagen, Tribunci genannt, liegt in der Nähe von Lauterburg. Medru (oder Mider) war ihr Hauptgott, neben den anderen germanischen Göttern, die sie verehrten. (...) Im Archäologischen Museum Straßburg ist eine Inschrift aus Brumath zu sehen. Die darauf genannten Namen bedeutender Triboker sind entweder lateinischen oder keltischen Ursprungs. Keiner ist germanischen Ursprungs. (...) Strabo erwähnt zu Beginn der Kaiserzeit: „Nach den Helvetiern waren die Bewohner der Rheinufer die Sequaner und die Mediomatriker; unter ihnen siedelten sich die Triboker an, ein germanisches Volk, das aus seiner Heimat in diese Region gebracht worden war.“ Mit anderen Worten: Das Oberelsaß war noch im Besitz der Sequaner aus dem Jura (die es um 60 v. Ztr. an Ariovist abtraten), dann kamen die Mediomatriker, deren Gebiet sich ursprünglich von Metz bis zum Rhein erstreckte. Dieser Stamm scheint den Kontakt zum Rhein aufrechterhalten zu haben, aber die Triboker waren dort bereits ansässig.

Zu der Zeit als Cäsar Gallien eroberte, standen die Kelten in einem Stadium ihrer zivilisatorischen Entwicklung, in dem sich gerade die "Künste", das Handwerk und der Handel am deutlichsten zu entfalten und zu entwickeln begannen.

Die Merkur-Verehrung bei Kelten und Germanen

Sie standen auf einer Zwischenstufe zwischen der zivilisatorischen Schlichtheit der Germanen einerseits und der reichen zivilisatorischen und kulturellen Ausdifferenzierung der antiken Mittelmeerkulturen. Aufgrund dieses Umstandes wohl spielte bei den Kelto-Romanen allgemein der Gott Merkur eine große, wenn nicht die wichtigste Rolle (WikiC).

Abb. 8: Skulptur aus Könighoffen im Elsaß, 3. Jhdt. n. Ztr. (MusStrbg), entdeckt 1927, evtl. Porträt eines römischen Kaisers

Schon Cäsar berichtet über die Gallier (Wiki):

Der Gott, den sie am meisten verehren, ist Merkur. Ihm stehen zahlreiche Statuen; sie betrachten ihn als den Erfinder aller Künste, als den Führer der Reisenden und als den Hüter aller Arten von Gewinnen und Handel.

Auf dem deutschen Wikipedia lesen wir über den römischen Gott Merkur (Wiki):

Das Ansehen von Mercurius als Gott des Handels und der Kaufleute, aber auch der Diebe und des Gewinns, verbreitete sich im Römischen Reich während der Kaiserzeit (27 v. Ztr. bis 284 n. Ztr.) nach Westen und nach Rätien im Norden. In den keltischen und germanischen Provinzen nahm die Verehrung Merkurs enorm zu und wurde sogar stärker als in Rom selbst. Darauf weisen hunderte von Funden hin, bei denen es sich zumeist um Inschriften auf Weihesteinen oder um Tafeln aus Bronze handelt. Die Darstellungen des Mercurius auf den Steinen, die in den germanischen Rheinprovinzen gefunden wurden, sind von Form und Ausdruck her römisch, aber die Namenskomposite sind germanischer Herkunft und verbunden mit dem Stiftungszweck und einer bestimmten Personengruppe, seien es einzelne Stämme oder ein lokaler Bezug. In den Provinzen erhält Mercurius jeweils auch zahlreiche einheimische Beinamen wie Mercurius Cissonius oder Mercurius Gebrinius.
Die Verehrung Merkurs zeigte sich auch im Privatleben wohlhabender Siedler. So wurde 1836 im Ort Rogging im Oberpfälzer Landkreis Regensburg eine 14 cm hohe, gut erhaltene bronzene Merkurstatuette („Merkur von Rogging“) aufgefunden, die wahrscheinlich aus dem Hausheiligtum eines römischen Gutshofes stammt und als Erzeugnis einer italischen Werkstatt eingestuft wird. (...)
Auch reisende Kaufleute hatten Gelegenheit, Merkur zu verehren. So konnte in Regensburg, 2 km südlich vom römischen Legionslager Castra Regina auf der beherrschenden Höhe des umgebenden Hügellandes, ein Merkur geweihter Tempelbezirk nachgewiesen werden, der direkt an der von Augsburg nach Regensburg führenden heutigen Kumpfmühler Straße liegt. 1934 wurden bei Grabungen die Fundamente eines großen und zweier kleiner Tempelgebäude freigelegt. Das große Gebäude war ein quadratischer Umgangstempel mit einer Seitenlänge von 7 m. Der Stifter der Tempelanlage, deren Gesamtausdehnung nicht genau bestimmt werden konnte, war der Lagerkommandant von Castra Regina, wie man aus den Stempeln der Dachziegel schließen kann. Der nach Zerstörungen zweimal wiederaufgebaute Tempelbezirk war den archäologischen Befunden zufolge um 200 n. Ztr. entstanden und entweder 357 n. Ztr. beim Einfall der Juthungen oder im Laufe des Erstarkens des Christentums endgültig verwüstet worden.

Die vielen Tiergötter bei den Kelten

Auf dem französischen Wikipedia wird allerdings präzisiert, daß der "gallische Merkur" mit dem "römischen Merkur" nur flüchtige Gemeinsamkeiten hatte (Wiki):

Im römischen Gallien wurde jedoch nicht der römische Merkur verehrt - außer bei offiziellen römischen Zeremonien, die von ausländischen Kolonisten abgehalten wurden -, sondern ein gallischer Merkur, eine Gottheit, die unter anderem mit Handwerkern in Verbindung gebracht wurde. Dieser Lugus Mercurius übernahm dann die meisten Aspekte des keltischen Gottes Lugus.
Paul-Marie Duval bemerkt, daß die Scholiater zögerten, die keltischen Götter mit den römischen Göttern gleichzusetzen. Dennoch findet sich der Beiname Merkur 45 Mal in Gallien. Nach der römischen Eroberung ist er der Gott, dessen Bildnisse (insbesondere Bronzestatuetten) und Inschriften am zahlreichsten sind. Die Arverner weihten ihm eine der kolossalsten aller bekannten antiken Statuen. Somit erscheint er im Römischen Reich als der bedeutendste Gott der Gallier.
Dennoch ähnelt der einheimische Gott, der Gott des Handwerks, des Handels und der Handelswege, dem römischen Merkur nur teilweise in seinen Attributen, nämlich dem Schutz von Kaufleuten und Reisenden - Attribute, die im Mittelalter dem Heiligen Nikolaus zugeschrieben wurden, dessen Kultstätten an den Eingängen von Städten und Dörfern entlang der Hauptverkehrsstraßen lagen. In seinem ursprünglichen Bild als Erfinder aller Künste, was weder Merkur noch Hermes je waren, steht er dem keltischen Gott Lug viel näher. So wird er mit einem Hammer oder einer Feuerzange in der Hand dargestellt, die in Rom Attribute des Vulkan waren.
Der gallische Merkur (...) wird auch mit anderen keltischen Göttern assoziiert:
Mercurius Artaios, eine Verschmelzung des Gottes Merkur mit dem keltischen Gott Artaius, einem Bärengott, der in Beaucroissant , Frankreich, verehrt wurde;
Mercurius Arvernus, eine Verschmelzung des Gottes Merkur mit dem keltischen Gott Arvernus. Arvernus wurde im Rheintal in Deutschland verehrt, möglicherweise war er der Stammesgott der Arverner, obwohl in der Auvergne keine Weihung an Mercurius Arvernus gefunden wurde.
Mercurius Cissonius, eine Verschmelzung des Gottes Merkur mit dem keltischen Gott Cissonius, die in einem geographischen Gebiet von Köln in Deutschland bis Saintes in Frankreich zu finden ist. Dies ist eine der häufigsten Inschriften. (...)
Mercurius Gebrinius, eine Verschmelzung des Gottes Merkur mit dem keltischen oder germanischen Gott Gebrinius, bekannt unter anderem durch eine Inschrift auf einem Altar in Bonn, Deutschland (ein recht gebräuchlicher Name);
Mercurius Moccus, eine Verschmelzung des Gottes Merkur mit dem keltischen Gott Moccus, Inschriften, die in Langres gefunden wurden. Der Name Moccus („Schwein“) macht ihn zu einem Gott, der dem Eber oder der Eberjagd nahesteht;
Mercurius Visucius, eine Verschmelzung des Gottes Merkur mit dem keltischen Gott Visucius, ist auf mehreren Inschriften (etwa 10 an der Zahl) belegt, darunter eine in Stuttgart. Visucius wurde vorwiegend im Grenzgebiet zwischen dem römischen Gallien und Germanien verehrt. Obwohl er ursprünglich mit Merkur in Verbindung gebracht wurde, bestanden auch Assoziationen mit dem römischen Gott Mars, wie Inschriften an „Mars Visucius“ belegen. Visucia, die Gemahlin des Visucius, wurde in Gallien gefunden.
Sowohl in Gallien als auch in Rom verkörperte Merkur zwar oft die dritte Funktion, die Handwerks- und Handelsfunktion im Rahmen der indogermanischen Dreiteilung der Funktionen, doch läßt sich seine Rolle nicht immer auf das Dumézilianische Modell reduzieren. Der Grund dafür liegt darin, daß der Prototyp des keltischen *Lugus der unsterbliche Dioskur ist, eine zwar unbedeutende, aber sehr alte Gestalt der indogermanischen Tradition. Während der keltischen Expansionen (und zuvor in der Glockenbecherkultur) wurde er zum Führer und Erlöser von Göttern und Menschen erhoben, eine Rolle, die er auch in der irischen Mythologie einnimmt. Lugus, die göttliche Entität, die die Götter zurückbringt und die Tagesordnung wiederherstellt, wurde somit die Schirmherrschaft über verschiedene wohltätige Aktivitäten zugeschrieben, die mit der Erneuerung des zeitlichen, kosmischen und jährlichen Zyklus verbunden waren – Aktivitäten, die später als die „dritte soziale Funktion“ protohistorischer Gesellschaften kategorisiert wurden. Mit Lugus (altirisch Lug, walisisch Lleu ) erleben wir die Wiederbelebung einer Gestalt kosmischen Ursprungs, die in Theologie und politischer Doktrin neue Verwendung findet. Wie bei allem, was mit den göttlichen Zwillingen während ihrer langen mythologischen Geschichte (repräsentiert durch den Abend- und Morgenstern) zusammenhängt, ist es notwendig, die Daten zu periodisieren, um die Vorgeschichte von Lugus zu rekonstruieren.

Er wird hier oft dargestellt in Begleitung von Rosmerta. Von den Germanen wurde Merkur mit Wodan gleichgesetzt. Deshalb wurde der "Tag des Merkur" im Englischen zum "Wedensday". In der keltischen Kultur und Religion spielten bestimmte Tiere und Pflanzen eine große Rolle (Wiki). 

Es ist sehr spannend, daß man bei den keltischen Göttern noch sehr viele Tier-Götter findet. Diese mögen uralt sein und ihre Verehrung mag bis ins Mesolithkum zurück reichen. So kann man etwa bei den zum Teil heute noch mesolithisch lebenden Chanten und Mansen östlich des Ural eine Fülle von göttlicher Verehrung von Tieren finden.

Erwähnt sei noch, daß sich im Archäologischen Museum Straßburg auch eine keltoromanische Frauen-Darstellung findet (Abb. 7). Und es findet sich eine "Sonnenuhr, die an allen vier Seiten graviert ist", gefunden in Bettwiller im Elsaß (Abb. 6). Sie stammt aus dem 2. Jhdt. n. Ztr.. Dargestellt sind Apollon, Merkur und "die tanzenden Stunden" (MLaosWikiC). Wir erfahren (Wiki):

Das hier sichtbare Zifferblatt zeigt eine tanzende, nackte Stundenfigur.

Wenn wir die Ansage im Museum richtig verstanden haben, hat hier der gallo-romanische Künstler eine römische Skulptur nachgeahmt, ohne selbst das Prinzip der Sonnenuhr verstanden zu haben. Von griechischer leichter, tanzender Heiterkeit kann nicht die Rede sein, obwohl sie der Vorlage sicherlich innewohnte.

Es wurden in römischer Zeit auch tanzenden Mänaden an den Straßen aufgestellt, so etwa in Tiffen in Kärnten (UniKlagenfurt). Soweit nur flüchtige Einblicke, die sicherlich der Vervollständigung harren.

_________

  1. Des Markus Annäus Lukanus Pharsalia. Übersetzt im Versmaaße der Urschrift. Julius Krais (Übers.). Stuttgart 1863 (Arch)

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