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Sonntag, 3. Februar 2008

Jon Entine über Kevin MacDonald

An früherer Stelle hatten wir mit mancher Begeisterung auf das neue Buch des amerikanischen Journalisten Jon Entine "Abraham's Children" verwiesen (St. gen., 25.10.07) so wie wir auch schon sein früheres Buch "Taboo" aus dem Jahr 2000 gelegentlich positiv erwähnt hatten (Stud. gen.). Sein jetziges neues Buch ebenso wie noch sein Buch aus dem Jahr 2000 machen die Runde in den diversen Rezensionen, die inzwischen im Netz erschienen sind (Nature Genetics, Marathon-Blog, Jon Entine-Seite).

Wir arbeiten uns nun peu a peu durch dieses Buch hindurch und es enthält sicherlich viele lesenswerte Passagen, insbesondere auch eine sehr wertvolle Zusammenstellung wissenschaftlicher Literatur.

Doch von einem der in diesem Buch behandelten Wissenschaftler, von dem kalifornischen Psychologen Kevin MacDonald (Stud. gen. 1, 2), haben wir nun entdeckt, daß er ebenfalls einen Wissenschafts-Blog gegründet hat (Kevin MacDonald). Und dort werden in einem Beitrag nicht nur rühmliche Dinge berichtet über die Art, wie Jon Entine in seinem Buch ein persönliches Interview mit Kevin MacDonald ausgewertet und beschrieben hat.

Kevin MacDonald war wohl so ziemlich der erste Wissenschaftler weltweit, der konkrete Vorschläge dahingehend gemacht hat, wie "jüngste" und "lokale" Humanevolution auf der Ebene von ethnischen Gruppen eigentlich ganz konkret vor sich gehen kann, nämlich über sogenannte "gruppenevolutionäre Strategien". Das ist letztlich das Hauptthema auch des Buches von Jon Entine. Uns ist bislang auch keine bessere Theorie unter die Augen gekommen. David Sloan Wilson, der Freund von Kevin MacDonald, verfolgt zwar grundsätzlich den gleichen Ansatz, hat ihn aber längst nicht so konkret und umfassend an historischem Tatsachenmaterial entlang erläutert und illustriert wie Kevin MacDonald.

Welche Gründe nun Jon Entine, der doch eigentlich selbst sonst vor keinem "Tabu" zurückschreckt, haben könnte, ausgerechnet Kevin MacDonald und ausgerechnet so offensichtlich durchsichtig in ein "schreckliches", "obskures" Licht zu stellen - darüber kann man nur spekulieren. Wirklich merkwürdig.

Nachtrag: Nachdem wir das Kapitel von Jon Entine über Kevin MacDonald selbst gelesen haben, glauben wir noch nicht einmal, daß Jon Entine das selbst glaubt, was er da über Kevin MacDonald schreibt. Dazu ist er viel zu intelligent.

Uns kommt da der jüdische (bibelgläubige?) Journalist Joey Kurtzman, den wir hier auf dem Blog schon thematisiert hatten (Stud. gen. 1, 2), wesentlich ehrlicher vor als der jüdische (atheistische) Journalist Jon Entine. Beide pflegen, wie man überall im Netz sehen kann, intensive Kontakte zu Menschen ihres eigenen Volkes, interessieren sich für die ethnische Einzigartigkeit ihres Volkes. Also genau das, was auch Kevin MacDonald erforscht. Will nun aber Jon Entine sein eigenes Verhalten in dieser Direktheit nicht erforscht sehen? Es ist interessant, das Jon Entine schreibt:
"There is little written criticism of his work, however, in part because it's apparently largely gone unread." ("Es gibt wenig niedergeschriebene Kritik seines Werkes, das kommt aber zum Teil daher, daß es offensichtlich bisher weitgehend ungelesen blieb."
- Hier könnte er sich wohl auf eine öffentliche Reaktion von Steven Pinker zu Kevin MacDonalds Arbeit beziehen, in der er sich dazu äußerte - aber betonte, sie nicht gelesen zu haben. Richard Dawkins behandelt zwar nicht die Arbeit Kevin MacDonald's in seinem neuen Buch "Gotteswahn", jedoch die Arbeit des Freundes von Kevin MacDonald, John Hartung, der ähnliche Dinge erforscht.

Doch als informierter Journalist - zumal auf diesem Gebiet - wird Jon Entine sehr wohl wissen, was schon im Jahr 2000 ein Journalist berichtete (1; siehe auch die Homepage von Kevin MacDonald), daß die einflußreiche amerikanisch-jüdische Anti-Defamation-League gleich eine ganze Reihe von Leuten, auch Wissenschaftler, mehrhundertseitige "Expertisen" zu dem dreibändigen Werk von Kevin MacDonald hat erstellen lassen. Die Anti-Defamation-League wird ihre Gründe dafür haben, daß sie diese Expertisen bislang nicht hat veröffentlichen lassen und offenbar auch sonst mit ihr sypmathisierenden Wissenschaftlern rät, über Kevin MacDonald "nicht so viel Lärm" zu machen. Jedenfalls scheint einem dieses Kapitel von Jon Entine sehr im Sinne der ADL geschrieben zu sein ...
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1. Ortega, Tony: Witness for the Persecution. In New Times Los Angeles (www.newtimesla.com), 26. April 2000.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Zu welchen Anteilen stammen die aschkenasischen Juden von deutschen Frauen ab?


Zu Jon Entine - "Abraham's Children" (2007)


Das Buch von Jon Entine "Abraham's Children - Race, Identity, and the DNA of the Chosen People" (2007) ist eine etwas zeitaufwendigere Lektüre (400 Seiten). (siehe auch Stud. gen. 1, 2, 3) *) Ich habe alle Kapitel gründlicher durchgesehen und hoffe, nichts Wesentlicheres übersehen zu haben. Schon von Entine's Buch "Taboo" aus dem Jahr 2000 kann einem bekannt sein, daß bei Entine an den unauffälligsten Stellen die interessantesten Dinge stehen können, während er andererseits wohl als ein Autor bezeichnet werden darf, der sehr redselig schreiben kann, wobei dann nicht immer alles auf dem gleichen Niveau intellektueller Reflektiertheit stehen muß, was er schreibt.

Aber auch wenn dieses neue Buch wieder viele Anekdoten und Anekdötchen enthält, so möchte ich doch meinen, daß es kaum eine wesentliche "take away"-Botschaft vermittelt, die man nicht schon aus anderen Büchern und Veröffentlichungen hätte mitnehmen können. Freilich hat Entine erfreulicherweise einen schönen neuen Überblick gegeben, in dem fast jeder wesentliche Aspekt des Themas und fast jeder bedeutendere beteiligte Wissenschaftler bei der Erforschung des Themas wenigstens einmal irgendwo erwähnt worden ist. Auch die dazu gehörige wissenschaftliche Literatur ist dann jeweils genannt.


Eine gehörige Portion Stolz

Ganz ohne Zweifel spielt eine gehörige Portion Stolz mit, wenn Jon Entine - selbst kaum noch gläubiger Jude - die Geschichte seines Volkes vom genetischen Standpunkt aus "rekapituliert". So finden sich beispielsweise über das ganze Buch verteilt gleich drei Fallbeispiele von Menschen, die bis vor kurzem gedacht hätten, sie wären Nichtjuden, und die aufgrund von DNA-Tests herausbekommen haben, daß sie genetisch (auch) von Juden abstammen.

Badische Weinkönigin 2007/2008 - Andrea Köninger (Bildmitte)

Sicherlich war das im Dritten Reich und anderswo ziemlich nachteilig, derartiges herauszubekommen. Aber warum Jon Entine so geneigt ist, solche Einzelfälle so besonders herauszustellen, kann ich mir nur mit einem gewissen Stolz auf sein eigenes Volk und dessen "besondere" Genetik erklären.

Da ist der mexikanische, im wesentlichen spanisch-stämmige katholische Priester William Sanchez in Santa Fe (S. 13 - 25), der, nachdem er den jüdischen "Priester-Haplotyp" ("Cohanim-Haplotypen") auf seinem Y-Chromosom festgestellt hat (mithilfe der Firma "Family Tree DNA"), laut Entine so einigermaßen stolz äußert: "Being a priest runs in my family." Und dazu weiß dann Entine noch allerhand anderes zu zitieren und zu formulieren. Es scheint, als stamme Sanchez zusammen mit vielen weiteren spanisch-stämmigen Mexikanern in seiner Verwandtschaft von "Krypto-Juden" ab, die wegen der katholischen Inquistition gegen die spanischen Juden in früheren Jahrhunderte ihr Judentum verleugneten, bzw. nach Nordmexiko geflüchtet sind und dort ihre jüdische religiös-kulturelle Identität schrittweise - aber bis heute nie vollständig - verloren hatten. Aber auffällig häufen sich auch in diesen Familien die typisch jüdischen Erbkrankheiten wie Brustkrebs und andere.


Da ist der katholische, polnisch-stämmige Rechtsanwalt Cezary Fudali aus Ottawa in Kanada, der mit Hilfe der Firma "Family Tree DNA" herausbekommt, daß er nicht (nur) von Polen abstammt, sondern daß seine Großmutter als Kind einer jüdischen Mutter von Polen adoptiert worden war. (S. 267 - 269) - Ein streng gehütetes Familiengeheimnis bis vor wenigen Jahren. Und nun fragt sich dieser Rechtsanwalt laut Entine: "Is there a god for me?" Als wäre es selbstverständlich, daß wenn man jüdische Gene hätte, man auch eine besonderen Bezug zum jüdischen Gott hätte oder haben müsse. Die Selbstverständlichkeit, mit der Entine solche Überlegungen wiedergibt, leuchtet mir nicht so ganz ein, zumal doch Entine selbst sich gar nicht mehr als gläubig ansieht. Aber den überkommenen jüdischen Gott scheint er mit viel Liebe zu betrachten und er scheint ihn doch auch heute noch - "irgendwie" - für wichtig zu halten und stolz auf ihn zu sein. (Manchmal genügt für die Wahl einer Religion vielleicht wirklich nur "Nationalstolz" und Patriotismus? ...) (Das ist ungefähr so, als wäre man als Deutscher stolz darauf, wenn man feststellt, daß man - wohlgemerkt: in männlicher Linie - von irgendeiner germanischen Wotans- oder Odins-Priesterschaft abstammen würde und von daher plötzlich einen "neuen Gott" für sich entdecken würde ...)

Da ist die berühmte Gen-Pionierin Marie-Claire King, die im Jahr 1990 das erste Brustkrebs-Gen entdeckte, ausgerechnet jenes, das so viel Unheil gerade im jüdischen Volk anrichtet. Die genetischen Forschungen an ihrer eigenen Person bringen zu ihrer Überraschung auch jüdische Gene zum Vorschein, wiederum ein streng gehütetes Familiengeheimnis. In den bei solchen Dingen oft etwas schwülstig erscheinenden Worten von Jon Entine hätte sie entdeckt die "Jewish American Princess" in sich ... (S. 282 - 289).

Erbkrankheiten aufgrund von Intelligenz-Evolution?

Diese "besondere" "jüdische Genetik" - das verschweigt Entine keineswegs, sondern diskutiert es breit - bringt also auch eine nicht selten sehr heftige familiäre Häufung von schweren Erbkrankheiten mit sich. In der eigenen Familie von Jon Entine beispielsweise sind gleich mehrere nahestehende Verwandte an Brustkrebs und ähnlichen Krankheiten oft schon in frühem Lebensalter gestorben, wie er berichtet.


Da muß es einen Wissenschafts-Interessierte wie Jon Entine natürlich besonders interessieren, wenn im Jahr 2005 diese besondere Häufung von bestimmten Erbkrankheiten im jüdischen Volk erklärt wurde durch eine parallele Anhäufung von Intelligenz-Genen in demselben. Denn auch bezüglich vieler anderer Erbkrankheiten nimmt man inzwischen "stabilisierende Selektion" für diese an, wenn sie in einer größeren Häufigkeit in einer Population vorkommen, das heißt, sie können nicht nur nachteilig für diese Population gewesen sein, sondern müssen mit irgendwelchen Vorteilen verbunden, an Vorteile gekoppelt gewesen sein, sonst wären sie nicht so weit verbreitet. Die diesbezügliche Theorie von Cochran und Harpending, die auch schon mehrmals hier auf dem Blog diskutiert wurde, war sicherlich der Hauptauslöser zum Schreiben und Veröffentlichen dieses neuen Buches von Jon Entine.

Die neue "Rasseforschung" in der Humangenetik

Dieses Buch ist also eine große Sammlung von "Geschichten, die das Leben schrieb", die die Wissenschaft schrieb, und die die Weltgeschichte (bzw. Humanevolution) selbst schrieben. Der Autor hat "Dutzende" von Humangenetikern weltweit zur Thematik gesprochen und interviewt. So wird zum Beispiel viel Raum gegeben den persönlichen Geschichten der Humangenetiker, die den jüdischen "Priester-Haplotypen" entdeckten. Diese Geschichten werden geradezu "zelebriert", wie mir scheint, und was mir wiederum sehr auffällig vorkommt. "Blut" scheint für Jon Entine immer noch "ein ganz besonderer Saft" zu sein, insbesondere wenn es sich um jüdisch-orthodoxe Priester handelt.

Aber erst aus einer ganz anderen als aus der bloß auf alles "Jüdische" fokussierten Lese-Perspektive heraus könnte man, wie ich meine, die wirkliche Bedeutung dieses Buches erkennen. Meiner Meinung sollte es gar nicht in erster Linie als eine populärwissenschaftliche Berichterstattung über die derzeitige humangenetische Erforschung des jüdischen Volkes gelesen werden, sondern viel grundlegender als ein Buch über die modernen humangenetischen Forschungen überhaupt, wobei das jüdische Volk nur als ein gutes Anschauungsbeispiel dient und es deshalb durchaus sinnvoll ist, daß es im Mittelpunkt der Darstellung steht.

Aber ebenso wie schon in seinem Buch "Taboo" ist Jon Entine keineswegs nur an der Humangenetik des jüdischen Volkes interessiert. Sie dient ihm im Grunde nur als Aufhänger, um überhaupt grundlegende Fortschritte auf dem Gebiet der Humangenetik zur Darstellung zu bringen. Und darin liegt meiner Meinung nach die unbestreitbare Stärke seines neuen Buches. Denn zu dieser Thematik gibt es noch wenig populärwissenschaftliche Darstellungen. Am ehesten könnte noch Nicholas Wade's "Before the Dawn" genannt werden.


Im Kapitel 11 ab Seite 250 wird es zum Beispiel besonders interessant, wenn die Frage gestellt wird, ob es eine Zukunft der naturwissenschaftlichen Erforschung menschlicher Rassen und Völker geben wird. Und die Darstellung kommt - natürlich - zu dem Ergebnis, daß dem so sein wird, da alle derzeitigen humangenetischen Forschungen mehr oder weniger zwangsläufig darauf hinauslaufen. Hier bringt Jon Entine viele neue und nützliche Erläuterungen und Erklärungen.

Alle wichtigen Meilensteine zur Thematik werden behandelt: Die Forschungen des amerikanisch-jüdischen Anthropologen Franz Boas und seiner Schule, dann die Forschungen des italienischen Humangenetikers Luigi Lucca Cavalli-Sforza ("Human Genome Diversity Project") und schließlich von Humangenetiker Spencer Wells ("Genographic Project"). Sodann die Verkündung von führenden Humangenetikern (Francis Collins und Craig Venter) im Jahr 2000, daß man "Rasse" im menschichen Genom nicht finden würde. Und gleich darauf die Nennung und Zusammenstellung der Tatsachen und Argumente, die genau diese Behauptung als so wertlos und ganz und gar mißverständlich erkennen lassen.

Sodann wird das "Haplotype Map Project" erläutert. Und die aktuelle Einsicht der Verantwortlichen dieses Projektes, die Einsicht, die sich unter Humangenetikern weltweit ausbreitet:
"Each 'race and even ethnic groups within the races' have their own collection of diseases and specific reactions to drugs. They believe that environmental triggers for many common disorders, from cancer to asthma, that have no effect on one population group could devastate another. That's the explanation for many 'Jewish diseases'. ..." (S. 264f)
Die Entdeckung des ersten Brustkrebs-Gens durch die Humangenetikerin Mary-Claire King im Jahr 1990 wird breit geschildert, wie schon erwähnt, da dieses Brustkrebs-Gen besonders unter aschkenasischen Juden weit verbreitet ist. Die Erforschung der Tay-Sachs-Erbkrankheit, die ebenfalls überdurchschnittlich unter aschkenasischen Juden verbreitet ist, wird erläutert.

Angeborene Volks- und Rasseeigenschaften psychischer Art?

Und dann wird die Frage gestellt:
"There is grudging acceptance that the founder effect and genetic bottlenecks that result in 'ethnic' diseases may also contribute to group behavioral patterns. But which traits have a strong genetic component? Although most talk about inborn psychological or behavioral traits among Jews and other groups is plain rubbish or loose speculation, maybe not all of it is."
Sodann wird natürlich die schon erwähnte Cochran/Harpending-These zur "Naturgeschichte der aschkenasisch-jüdischen Intelligenz" aus dem Jahr 2005 erläutert. Und sodann werden die Forschungen des kalifornischen Psychologen Kevin MacDonald - allerdings eher in der Form einer herabsetzenden Karrikatur (siehe St. gen.) - nachgezeichnet.

Ruth, die hilfsbereite Nichtjüdin

Aber die entscheidende Neuerkenntnis für mich aus diesem Buch liegt gar nicht einmal in humangenetischen Erkenntnissen selbst, die referiert und diskutiert werden, sondern in der ganz erstaunlich anmutenden Möglichkeit einer orthox-religiös-jüdischen Interpretion derselben. Nämlich die sich abzeichnende Möglichkeit, daß etwa grob 40 % der Vorfahren der heutigen aschkenasischen Juden weltweit weibliche Mitteleuropäerinnen, sprich höchstwahrscheinlich deutsche Frauen vom Rhein (vielleicht aus der Zeit Karls des Großen - davor oder danach) waren, diese Tatsache also wird biblisch mit der Erzählung über "Ruth" religiös eingeordnet.


Ruth war laut Bibel eine Nichtjüdin, die ihrer jüdischen Schwiegermutter auch dann noch half, als die eigenen Töchter ihre eigene Mutter (sprich Ruth's Schwiegermutter) in der Gefahr schmählich im Stich ließen und das Weite suchten. Ruth hingegen half ihr sogar dann noch, als ihre Schwiegermutter sie bat, zu ihrem eigenen Volk zurückzukehren, da ihr Mann (also der Sohn der Schwiegermutter) gestorben war. Ja, Ruth ließ sich dann sogar willig an einen weiteren jüdischen Verwandten ihres ersten Mannes weiterverheiraten.

Auf dieses Tun blickte Jehova, wie es scheint, mit großem Wohlgefallen. Und alle Nachkommen von "Ruth" (immerhin 80 % der heutigen Juden) werden "deshalb" auch heute nach den neuesten humangenetischen Erkenntnissen noch als "Juden" gelten gelassen, selbst wenn sie in weiblicher Abstammungslinie nichtjüdische Gene in sich tragen und nach dem strengen orthodox-jüdischen Gesetz eigentlich als Nichtjuden gelten müßten. - Wie man sich diese nichtjüdischen Frauen vorstellen könnte, die die Gründerpopulation der aschkenasischen Juden am Rhein mitgebildet haben könnten, soll mit der Bebilderung dieses Beitrages angedeutet sein.

Jehova hat halt den Seinen doch allerhand Verstand mitgegeben, so daß sie sich auch noch durch die unglaublichsten wissenschaftlichen Neuerkenntnisse biblisch-religiös "hindurchwinden" können. - Oder war es doch der gesunde "Hausfrauenverstand" der deutschen Frauen vom Rhein gewesen, nicht der von Jehova mitgegebene? Nun, das wollen wir alles künftig noch genauer herausbekommen! ;-)

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*) Der Grund für die Auswahl der Bebilderung findet sich in den beiden letzten Absätzen dieses Beitrages genannt.

Montag, 8. Oktober 2007

Sind aschkenasische Juden genetisch zu 40 Prozent Deutsche?

Interview von Razib Khan mit dem Buchautor Jon Entine

Humangenetiker Razib Khan bei "Gene Expression" veröffentlicht ein Interview mit dem amerikanischen Sachbuchautor Jon Entine, dem Autor des Buches "Taboo - Why Black Athletes Dominate Sports and Why We're Afraid to Talk About It" aus dem Jahr 2000, der soeben gerade ein lange erwartetes neues Buch herausgebracht hat unter dem Titel: "Abraham's Children: Race, Identity, and the DNA of the Chosen People" (GeneExpression, Amaz/St.gen.). Ohne noch einen einzigen Blick in dieses Buch hineingeworfen zu haben, kann von vornherein gesagt werden, daß man dieses Buch gelesen haben muß. Man kaufe es - am besten: hier.

Abb. 1: Jon Entine's neues Buch

Schon die erste Frage von Razib Khan ist unwahrscheinlich spannend:

... Ist es allgemein bekannt, daß viele jüdische Vorfahrinnen nichtjüdischer europäischer Herkunft waren?
... Is the likelihood that many Jewish foremothers were of gentile European ethnic background common knowledge?

Er meint unter den heutigen aschkenasischen Juden, zu denen sich auch Jon Entine zählt. Und Jon Entine antwortet ebenso spannend:

Die differenzierteren Erkenntnisse aus der Erforschung der jüdischen Genetik – etwa die Tatsache, daß die meisten Aschkenasim mütterlicherseits von Christen oder Heiden abstammen, die höchstwahrscheinlich nie formell konvertiert sind (was die meisten Aschkenasim nach israelischem Recht zu Nichtjuden machen würde) – sind kaum bekannt. Dies könnte insbesondere unter orthodoxen Juden zu einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit der Frage führen, was Judentum ausmacht. Ich bin gespannt auf meine Gespräche mit jüdischen Gruppen und darauf, wie sich diese heikle Thematik entwickelt. (...)
Viele Juden stammen tatsächlich von Konvertiten ab, zumindest mütterlicherseits; gleichzeitig haben sie aber auch eine bemerkenswerte relative Reinheit ihres jüdischen Blutes in der männlichen Linie bewahrt. Die historische Mischehenrate unter Juden (die ihre jüdische Identität beibehielten) lag von biblischen Zeiten bis Mitte des 20. Jahrhunderts bei unter einem halben Prozent. Und selbst nachdem aschkenasische Männer in den Gründungsjahren der mittelalterlichen europäischen jüdischen Gemeinde nichtjüdische Frauen heirateten, hielt die jüdische Treue mit aller Macht an Bedeutung. (...)
Juden sind ein eigenartiges Völkchen, wenn es um die Implikationen der Genforschung geht, und ich bin da keine Ausnahme. Wir wurden so erzogen, dass wir glaubten, einzigartig zu sein – wenn nicht von Gott auserwählt, was Atheisten wie mir nie behagte, so doch zumindest kulturell eigenständig. Wir waren ein moderner Stamm mit all den Ritualen, nonverbalen Kommunikationsformen und Initiationsriten, die viele Nichtjuden verwirren und irritieren. Doch Juden sind auch von dem Glauben durchdrungen, daß wir diese kulturelle Eigenart unter keinen Umständen öffentlich anerkennen sollten, aus Angst vor einer Gegenreaktion – die Geschichten des Holocaust wurden uns von Kindheit an eingetrichtert, warum also Gefahr laufen?
Nun deuten Forschungsergebnisse darauf hin, daß unsere kulturelle Einzigartigkeit genetisch bedingt sein könnte. Das ist für Juden gleichermaßen bestärkend wie beunruhigend. ...
For the more nuanced narratives that have emerged from the study of Jewish genetics - such as the fact that most Ashkenazi Jews are descended on their maternal line from Christians or pagans who more than likely never went through a formal conversion (which would make most Ashkenazim non-Jews under Israeli law) no, that's barely known. It could provoke some intriguing soul searching among Jews, especially Orthodox Jews, about what determines Jewishness. I'm looking forward to my talks to Jewish groups to see how this prickly issues plays out. (...)
Many Jews ARE descendants of converts, at least on the maternal side; but they have also maintained a relative blood purity on the male side that is extraordinary. The historical intermarriage rate of Jews (those who maintained their Jewish identity) remained at less than one half of one percent from biblical times until the mid twentieth century. And even after Askenazi males took on non-Jewish wives during the founding years of the medieval European Jewish community, Jewish fidelity took hold with a vengeance. (...)
Jews are a funny lot when it comes to discussing the implications of genetic research, and I'm no different. We were brought up to believe that we were unique - if not chosen by God, which never sat well with atheists like myself, than at least culturally distinct. We were a modern day tribe with all the rituals, silent forms of communication, and initiation rites that puzzles and irritates many non-Jews. Yet Jews are also imbued with the belief that we should never, at all costs, publicly acknowledge this cultural distinctiveness for fear of stirring a backlash-stories of the Holocaust were drilled into us from childhood, so why court danger?
Now research appears that suggests that our cultural exceptionalism may be rooted in genetics. This is both empowering and disquieting to Jews. ...

Hier kann an dieser Stelle nicht alles weitere gebracht und diskutiert werden. In den Kommentaren ergänzt dann Humangenetiker Gregory Cochran (Koautor von Humangenetiker Henry Harpending, beide Universität Utah und schon oft hier auf dem Blog behandelt) wichtige Informationen, die auch in diesem neuen Buch enthalten sein werden, und auf die sich die Worte von Jon Entine stützen werden:

Bezüglich der vier aschkenasischen mtDNA-Typen, die zusammen etwa 40 % der aschkenasischen Abstammungslinien ausmachen: Drei stammen wahrscheinlich aus dem Nahen Osten, aber die größte, die etwa 20 % der aschkenasischen Abstammungslinien repräsentiert, hat Schwesterlinien nur im westlichen Mittelmeerraum – in Italien, Nordafrika und auf der Iberischen Halbinsel, wenn ich mich recht erinnere. Es gibt keine Schwesterlinien im Nahen Osten – sie stammt also nicht aus dem Nahen Osten.
Was die übrigen 60 % betrifft, kann ich es nicht genau sagen. Ich vermute aber, daß viele davon europäischer Abstammung sind, da die Aschkenasim, wie wir in unserer Studie bereits erwähnt haben, bei Betrachtung der autosomalen Gene zu etwa 40 % europäische Merkmale aufweisen.
Concerning those four Ashkenazi mtDNA types, which together account for about 40% of Ashkenazi lineages: three are probably from the Middle East, but the largest, which accounts for about 20% of Ashkenazi lineages, has sister lineages only in the western Mediterranean - in Italy, north Africa, and the Iberian peninsula, if memory serves. No sister lineages from the Middle East - so it's not from the Middle East.
As for the other 60%, I can't tell. But I'd guess that a lot are European, since if you look at autosomal genes, the Ash look about 40% European, as we said in our paper.

(Hervorhebungen hier alle von mir, I.B..) (Die Diskussion auf der Kommentar-Seite scheint noch nicht beendet und es steht noch eine weitere Antwort von Gregory Cochran aus.)

Und natürlich ebenfalls das Thema: Evolution und geschichtliche Entwicklung der menschlichen Religiosität, wobei wir immer mehr erkennen, daß "geschichtliche Entwicklung" schlicht Evolution ist.

Nachbemerkung 2.12.25: Es deutet ja doch wohl alles darauf hin, daß das hier erörterte Vermischungsereignis schon vor der Zuwanderung der aschkenasischen Juden an die Schum-Städte am Rhein sich in Italien ereignet hat. Es wäre also eher zu fragen: "Sie aschkenasische Juden genetisch zu 40 Prozent Italiener aus dem frühmittelalterlichen mittleren Italien? 

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Jon Entine: "Abraham's Kinder"

Auf das neue Buch von Jon Entine "Abraham's Children" wurde schon hingewiesen (Stg2007, Buchladen). Auf dem Blog einer chinesischen Humangenetikerin stellt Entine sein Buch selbst vor. Er spricht zunächst von seinem Interesse an seinen eigenen jüdischen Vorfahren. Dann schreibt er weiter über die Beweggründe für die Recherchen zu seinem Buch (EyeonDNA):

Der Auslöser war die Brustkrebsdiagnose meiner Schwester vor einigen Jahren. Wir erfuhren, daß sie durch eine Genmutation verursacht wurde, die fast ausschließlich bei Juden vorkommt und höchstwahrscheinlich auch für den Krebstod meiner Mutter, Tante und Großmutter Jahre zuvor verantwortlich war. Auch ich wurde positiv auf die BRCA2-Mutation getestet; meine junge Tochter, die halb jüdisch ist, hat eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, sie ebenfalls zu tragen, obwohl wir es erst wissen werden, wenn sie im Teenageralter ist und alt genug für einen Test. Im Grunde genommen haben wir genetische Marker, die uns als jüdisch charakterisieren. (...)
Das Buch enthält ein Kapitel, das den möglichen Zusammenhang zwischen sogenannten jüdischen Krankheiten - bestimmten neurologischen Erkrankungen und lysosomalen Speicherkrankheiten sowie DNA-Reparaturproblemen - und dem hohen gemessenen IQ von Aschkenasim (osteuropäischer Herkunft) erklärt. Obwohl diese Theorie (zuletzt von Gregory Cochran und Henry Harpending - zwei Nichtjuden - vertreten) derzeit am besten als fundierte Spekulation einzustufen ist (wie ich im Buch selbst einräume), argumentiert sie meiner Meinung nach überzeugend, daß aschkenasische Juden eine recht eigenständige Bevölkerungsgruppe darstellen, bei der positive Selektionsdrücke, im Gleichgewicht mit den tödlichen Folgen neurologischer Mutationen, zu höheren IQ-Werten geführt haben. Das Argument, es läge an Umwelt und Kultur, ist weitaus weniger überzeugend. Dies ist nur ein Kapitel des Buches - der Großteil von „AC“ befasst sich mit unserer gemeinsamen israelitischen Abstammung und Geschichte -, aber es ist das provokanteste. Ich frage mich, wie andere zu diesem Thema stehen. (...)
Ich hege zudem seit Langem ein berufliches Interesse daran, eine neue „Sprache“ zu finden, um die genetische Revolution produktiv zu diskutieren.
The catalyzing event was when my sister was diagnosed with breast cancer a number of years ago. We learned it was caused by a genetic mutation found almost exclusively in Jews that more than likely was responsible for the cancer deaths of my mother, aunt and grandmother years before. I tested positive for the BRCA2 mutation as well; my young daughter, who is half Jewish, has a 50/50 chance of carrying it, though we won’t know until she’s a teenager and old enough to be tested. In essence, we have genetic markers that label us as having Jewish ancestry. (...)
The book includes a chapter explaining the possible link between so-called Jewish diseases — certain neurological and LSD disorders, as well as DNA repair problems — and the high measured IQ of Ashkenazi (Eastern European origin) Jewry. Although this theory (most recently advanced by Gregory Cochran and Henry Harpending—two non-Jews—is best classified as informed speculation (as I acknowledge in the book) at the moment, it argues persuasively, I believe, that Ashkenazi Jews are a rather distinct population group in which positive selection pressures, balanced against the killer consequences of neurological disease mutations, have led to higher IQs. The “it’s environment and culture” argument are far less persuasive. This is only one chapter in the book–most of AC is a look at our shared Israelite ancestry and history–but it is the most provocative chapter. Wonder where others come down on this issue? (...)
I’ve also long harbored a professional interest in finding a new “language” to productively discuss the genetic revolution.

Jon Entine betreibt eine eigene Internet-Seite rund um dieses Buch (Abrahamschildren.net) Hier findet sich auch eine kurze Vorstellung seines Buches in Filmform hier, bzw. hier und werden die zahlreichen Vortragstermine zu diesem Buch angekündigt, sowie neu eingegange Hinweise auf Rezensionen, Diskussionen zu seinem Buch eingestellt.

Ein längerer Vortrag, den er zu dieser Thematik gehalten hat, fand sich im Jahr 2007 an dieser Stelle. (Ob er derzeit - 2012 - noch irgendwo verfügbar ist, müßte genauer recherchiert werden.)

Sonntag, 6. Mai 2007

Kenia: "Laufen, um zu überleben"

In seinem Buch "Taboo" aus dem Jahr 2000 beschäftigt sich Jon Entine ausführlich mit den angeborenen unterschiedlichen sportlichen Begabungen von Völkern. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Langlauf-Begabung der Kenianer, besonders der Hirtenstämme im kenianischen Hochland. Diese Langstreckenlauf-Begabung hat schon viel Legendäres in der Sportgeschichte hervorgebracht. In Kenia ist Langlauf der National-Sport schlechthin geworden. Jon Entine referiert auch evolutionsbiologische Theorien, aufgrund welcher kultureller Selektion diese angeborene Langstreckenlauf-Begabung in diesen Völkern gefördert worden sein könnte. Hier spielt der Rinderdiebstahl bei Nachbarstämmen eine große Rolle. Nur wer schnell und weit laufen konnte, konnte viele Rinder rauben und dabei überleben und die geraubten Rinder in Fortpflanzungs-Erfolg umsetzen - um so mehr Rinder, um so mehr Frauen. Möglicherweise ein sehr einfacher Mechanismus: "Laufen, um zu überleben" - exakt dies sagt auch Dieter Baumann (siehe unten).

Auch von Sportwissenschaftlern in Bayreuth wird diese Langlauf-Begabung erforscht - mit neuen Ergebnissen (Berliner Morgenpost):

Die Dominanz der kenianischen Langstreckler in der internationalen Leichtathletik beruht offenbar nicht wie bisher vermutet auf der Höhenluft des ostafrikanischen Hochlands. Eine Studie Bayreuther Sportwissenschaftler unter der Leitung von Professor Walter Schmidt kommt stattdessen zu dem Ergebnis, dass die Ursache der größeren Leistungsfähigkeit im deutlich geringeren Körpergewicht der Afrikaner gegenüber gleich großen weißen Athleten zu sehen ist. Dazu kommen eine besseren Laufökonomie und günstigere biomechanische Voraussetzungen. "Wir haben festgestellt, dass die Kenianer bezüglich Blutvolumen und Hämoglobin keine wesentlich höheren Werte aufweisen als deutsche Ausdauer-Spitzensportler", erklärte Schmidt. Die Studie unterstützt auch die Auffassung des 5000-Meter-Olympiasiegers von 1992, Dieter Baumann. Der Tübinger setzt hinzu: "Die Kenianer haben eine Schmerztoleranz im Training, die man von unseren Athleten nicht kennt und kaum abverlangen kann. Laufen um zu überleben, ist dabei eine gängige Strategie." Bei der Bayreuther Studie wurde eine zehnköpfige kenianische Trainingsgruppe des ehemaligen 5000-Meter-Weltmeisters Yobes Ondieki sportwissenschaftlich begleitet.

Freitag, 2. November 2007

Verkehrte Welt ...

Während James Watson in der Öffentlichkeit, auch in "Slate", für den Vorschlag niedergemacht wurde, daß man Afrika anders fördern müsse als bisher - nämlich an seine distinkte Verhaltens- und IQ-Genetik angepaßt, wird weiter in der Öffentlichkeit, auch in "Slate" fröhlich über den besonderen Zusammenhang zwischen Genen und Kultur bei den Juden diskutiert:
(...) A culture that trains its young people to procreate only with one another becomes, over time, a genetically distinct population. And if that culture glorifies intelligence to such a degree that it drives less intelligent people out of the community—or prevents them from attracting mates—it becomes an IQ machine. Cultural selection replaces natural selection. For example, Jews have long emphasized male literacy. For this reason, Murray argued, anyone who was Jewish and stupid 2,000 years ago found "it was a lot easier to be a Christian." Entine called this kind of process a "bio-cultural feedback loop." (...)
Sehr fröhlich (Zitat: "your goyishe kop") auch in der Washington Post. Niemand wird entlassen oder bekommt Termine abgesagt. Die Geschichte macht fröhlich die Runde. (AEI, Gene Expr., Ph. Weiss, Steve Sailer) Ach so: Noch nicht mal die Entlassung von Charles Murray wird gefordert, noch nicht mal die von Jon Entine ... - Verkehrte Welt, oder was? Oder neue Bestätigung so mancher Thesen von Kevin MacDonald?

Montag, 7. Mai 2007

Amerikanische Konservative befürworten Evolutionstheorie

In den USA scheinen die Konservativen, einige von ihnen zumindest, ernsthafter über Evolutionstheorie und Evolutionäre Psychologie nachzudenken (New York Times, [ganze Seite]). Einer der Vordenker ist Larry Arnhart (Bild siehe links). Sein Buch heißt "Darwinian Conservatism". (Amazon)
... Some of these thinkers have gone one step further, arguing that Darwin’s scientific theories about the evolution of species can be applied to today’s patterns of human behavior, and that natural selection can provide support for many bedrock conservative ideas, like traditional social roles for men and women, free-market capitalism and governmental checks and balances.

“I do indeed believe conservatives need Charles Darwin,” said Larry Arnhart, a professor of political science at Northern Illinois University in DeKalb, who has spearheaded the cause. “The intellectual vitality of conservatism in the 21st century will depend on the success of conservatives in appealing to advances in the biology of human nature as confirming conservative thought.” (...)

The fledgling field of evolutionary psychology also spurred some conservatives to invoke Darwinism in the 1990s. In “The Moral Sense” (1993), followed by “The Marriage Problem: How Our Culture Has Weakened Families” (2002), James Q. Wilson used evolution to explain the genesis of morality and to support traditional family and sex roles. Conservative thinkers from Francis Fukuyama to Richard Pipes have drawn on evolutionary psychology to support ideas like a natural human desire for private property and a biological basis for morality. (...)

Mr. Arnhart, in his 2005 book, “Darwinian Conservatism,” tackled the issue of conservatism’s compatibility with evolutionary theory head on, saying Darwinists and conservatives share a similar view of human beings: they are imperfect; they have organized in male-dominated hierarchies; they have a natural instinct for accumulation and power; and their moral thought has evolved over time.

The institutions that successfully evolved to deal with this natural order were conservative ones, founded in sentiment, tradition and judgment, like limited government and a system of balances to curb unchecked power, he explains. Unlike leftists, who assume “a utopian vision of human nature” liberated from the constraints of biology, Mr. Arnhart says, conservatives assume that evolved social traditions have more wisdom than rationally planned reforms.

While Darwinism does not resolve specific policy debates, Mr. Arnhart said in an interview on Thursday, it can provide overarching guidelines. Policies that are in tune with human nature, for example, like a male military or traditional social and sex roles, he said, are more likely to succeed. He added that “moral sympathy for the suffering of fellow human beings” allows for aid to the poor, weak and ill. (...)

As for Mr. Derbyshire, he would not say whether he thought evolutionary theory was good or bad for conservatism; the only thing that mattered was whether it was true. And, he said, if that turns out to be “bad for conservatives, then so much the worse for conservatism.”
Als wären Autoren und Wissenschaftler wie Charles Murray, Sally Satel und Jon Entine keine Konservativen, ja, als hätte der Leiter der Wissenschafts-Redaktion der "New York Times", der größten ("liberalen") Tageszeitung der Welt, als hätten Steven Pinker, Richard Dawkins, Richard Lynn, Philippe Rushton und so viele andere nichts über ein konservatives Weltbild zu sagen, wenn sie darüber berichten, daß, wie und mit welchen Folgen und Implikationen angeborene Begabungen unterschiedlich auf Völker und Gesellschaften verteilt sind.

Den im Artikel erwähnten konservativen Publizist John Derbyshire kennt "Studium generale" schon aus einem anderen Diskussion-Zusammenhang. Dessen Diskussion über die wissenschaftlichen, politischen und lobby-kritischen Thesen des amerikanischen Konservativen Kevin MacDonald in der Zeitschrift "Jewcy" hatten wir schon an früherer Stelle ausführlicher referiert.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Die Westgoten, die sephardischen und die aschkenasischen Juden

Die Geschichte des antiken Judentums ist gut erforscht, ebenso die Geschichte des mittelalterlichen Judentums. Aber wie gut ist eigentlich die Geschichte des Judentums in der Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter erforscht? Da sich in dieser Zeit die genetische und kulturelle Neubildung des aschkenasischen (traditionell deutsch-/jiddisch-sprachigen) Judentums vollzog (also eine klassische Ethnogenese), das eine für die Wissenschaft heute so interessante Genetik aufweist, stellen sich neue Fragen an die Geschichtswissenschaft. Mit dem Thema kenne ich mich noch gar nicht so richtig aus, bin aber gerade auf die Rezension ("Early Medieval Europe", frei zugänglich) einer deutschen Doktorarbeit von 2001 gestoßen , die inzwischen ins Englische übersetzt worden ist von Wolfram Drews zum Thema "Juden und Judentum bei Isidor von Sevilla". (Amazon 1, 2)

Es ist erstaunlich zu erfahren, daß sich die Westgoten in Spanien, als sie zum Katholizismus übertraten, als Volk neu definierten und zwar insbesondere als unterschiedlich gegenüber den Juden, die also im weströmischen Reich keine besonders unbekannte Komponente gebildet haben können. Könnte man nicht ähnliche Vorgänge vermuten bei der Ethnogenese des deutschen Volkes und des aschkenasischen Judentums in den Jahrhunderten danach?

Aus der englischen Version wird Wolfram Drews folgendermaßen zitiert:
"In the 6th century the self-perception of the Goths had been subjected to constant change and even erosion, which provided the basis for the creation of a new paradigm in 589, the invention of a new ‘origin of the Goths’ . . . When they converted to Catholicism, a new form of religious and ‘ethnic’ demarcation suggested itself: the opposition to Judaism, which became a new and constant feature in the 7th century, but which in fact continued the anti-Roman strategy of earlier centuries. Traditional Roman and Catholic anti-Judaism was taken over at the time of conversion and adapted to the political agenda of the Catholic Gothic monarchy."
In diesem Prozeß spielte Isidor, Bischof von Sevilla, eine entscheidende Rolle.

All das handelt ja wahrscheinlich vom sephardischen Judentum. Für mich ist die ganze Thematik nur deshalb interessant, weil dies genau jener Zeitraum ist, in dem sich zu gleicher Zeit in Deutschland am Rhein die Abspaltung der aschkenasischen von den sephardischen Juden vollzogen haben muß.

Vielleicht erfährt man über all das noch Genaueres in dem neuen Buch von Jon Entine über die aschkenasischen Juden und ihre "genetische Geschichte" (siehe früehrer St. gen.-Beitrag).

Donnerstag, 26. April 2007

Genetische Populationsvielfalt beim Menschen

Zu meinem letzten Beitrag stellte mir ein Freund folgende Frage:

Hallo Ingo,

Du schreibst in Deinem letzten Studium generale-Beitrag, daß bei den kodierenden Genen bis zu 80 % der Variabilität zwischen den Rassen existierten. Kannst Du mir die entsprechenden Zitate nennen? Denn nach allem, was ich darüber gelesen habe, ist die rassische Variabilität dort auch nicht größer als bei anderen Merkmalen. Auch widerlegt Edwards Aufsatz ja Lewontin's Zahlen nicht, sondern weist nur darauf hin, daß für taxonomische Zwecke auch die Korrelationen wichtig sind. An den quantitativen Verhältnissen ändert sich dadurch ja nichts.

Ich will meine Antwort hier gleich einstellen, denn falls einer der Leser an meinem Raisonement Fehler entdeckt oder Ergänzungswürdiges, würde ich selbst noch Neues dazu lernen können, wenn er oder sie dies mitteilt. - Ja, mit Deinen beiden letzten Sätzen hast Du recht. Edwards kritisiert nur Lewontin's Fehlschluß, nicht die ihm zugrunde liegenden Fakten. Das tat auch schon zum Beispiel Sewall Wright nicht (siehe ganz unten). Und Edwards sagt ja auch - mehr oder weniger entschuldigend -, daß er auf diesen Fehlschluß schon vor vielen Jahrzehnten hätte hinweisen können. Daß er es aber dann doch schlußendlich im Jahr 2003 getan hat, und daß ihm niemand mehr widersprochen hat, beruht, soweit ich das sehen kann, zu großen Teilen darauf, daß im Jahr 2003 nur allzu deutlich absehbar war, bzw. schon längst erkannt worden war, daß viele Abschnitte des nun bekannten, da sequenzierten kodierenden Genoms noch ganz andere Schlußfolgerungen nahelegen, als die von Lewontin ausgewerteten selektions-schwachen oder -neutralen Genom-Abschnitte.

Kurze Vorüberlegungen: Wenn es bei den Chinesen und Buschleuten das ADHS-Gen nicht gibt, bei uns Europäern aber dafür irgend eine Häufigkeit vorliegt, ich weiß grad nicht welche (10 %, 20 %?) (Chen et. al. 1999; Harpending/Cochran 2002), dann ist die im menschlichen Genom an sich vorliegende genetische Vielfalt in Bezug auf dieses Gen zu wieviel Prozent unterschiedlich auf die Rassen verteilt?

Wenn es ein Nervenzell- oder Gehirnwachstums-Gen gibt, daß 60 % der Europäer haben, die Afrikaner aber nicht, dann ist die an sich im menschlichen Genom vorliegende genetische Vielfalt (Variabilität) in Bezug auf dieses Gen zu wieviel Prozent unterschiedlich auf die Rassen verteilt - ?

Wenn 98 % der Nordeuropäer das Milchverdauungs-Gen haben, aber 0 % der Schwarzafrikaner, dann ist die im menschlichen Genom an sich vorliegende genetische Vielfalt in Bezug auf dieses Gen doch zu nahezu 100 % unterschiedlich auf die Rassen verteilt, wenn mich meine Logik hier nicht vollständig im Stich läßt. Und bei vielen Haut-Genen, Gehirnwachstums-Genen, Erbkrankheits-Genen (Mukoviszidose ....), Verdauungs-Genen, Verhaltenshormon-Genen usw. findet man ja immer häufiger Verteilungen, die den soeben genannten Verteilungen ähnlich sind. Man müßte überhaupt mal einen verständlich geschriebenen Überblick über viele solcher Gene gleichzeitig haben, deren Häufigkeitsverteilungen schon besser bekannt sind weltweit und deren Funktion einigermaßen zuverlässig aufgeklärt ist.

Wenn es keine Überschneidungen in der Häufigkeit eines Gens zwischen Rassen gibt (so wie beim Milchverdauungs-Gen zwischen Schwarzafrikanern und Europäner), dann ist (wenn wir jetzt mal diese beiden Rassen als Gesamt-Menschheit betrachten) die an sich im menschlichen Genom vorliegende genetische Vielfalt bezüglich dieses Gens zu 100 % unterschiedlich auf zwei Rassen verteilt. Oder ist meine Logik falsch?

Also diese Dinge lassen sich anhand jedes einzelnen bedeuenderen Eintrags auf der OMIM-Datenbank heute schon gut und schlüssig neu durchdenken. So, und jetzt suche ich Zitate raus. Das erste mal bin ich selbst darauf gestoßen bei Jon Entine ("Taboo", 2000, S. 106 mit dortigem Verweis auf Michele Cargill, 1999). Das ist ein Buch, das ich lange Zeit unterschätzt hatte wie so vieles auf diesem Gebiet. Nicholas Wade ("Before the Dawn", 2006) (jetzt als TB erhältlich!) diskutiert das auf S. 191 - 193. Der technische Ausdruck, von dem Lewontin seine Schlußfolgerungen abgeleitet hat, ist nach ihm "Wright's fixation index" F (untergestellt) ST. (Bild von Sewall Wright links und unten.) Die Größe dieses Index' beträgt im (weitgehend) selektionsneutralen Genom ("junk DNA", Blutgruppen etc.) für Populationsunterschiede 15 % (versus 85 % Individualunterschiede).

Jetzt behandelt Wade diesen Index für das von Bruce Lahn erforschte Microcephalin-Gen: "The F ST for this allele between sub-Saharans and the others ist 48 % or 0.48, 'which indicates strong differentiation and is significantly higher than the genome average of 0.12,' writes Bruce Lahn ..." (0.12 bezieht sich hier, soweit ich sehe, auf Rassen, Lewontin hatte ja noch 0.03 für Volksunterschiede dazu genommen, wodurch er auf 0.15 kam.) Solche Bemerkungen wie diese von Lahn findet man doch fast in jeder neuen Studie zu erforschten Genen, die sich in ihrer weltweiten Verbreitungs-Häufigkeit unterscheiden. Und dann schreibt Wade weiter in Bezug auf die Lahn-Studie: "A new version of another gene, ASPM, arose some 6.000 years ago in Caucasians, 44 % of whom now carry this allele. The allele is less common among East Asians and rare to nonexistent in sub-Saharan Africans. The F ST for the allele between Caucasians and everyone else is 0.29."

Wade erklärt die Mathematik der ganzen Sache selbst nicht. Und auch ich habe sie mir noch nie genauer angeschaut. Wahrscheinlich ist es gar nicht so schwer, das zu berechnen, wenn man die Häufigkeits-Verteilungen in einzelnen Bevölkerungen vorliegen hat. Das würde ja auch meine obigen Vorüberlegungen sofort exakt beantworten. Dazu müßte man sich einfach mal die Mathematik dieses Wright-Indexes anschauen. Aber ich glaube, meine Vorüberlegungen zeigen schon, daß man sich diese Mathematik auch leicht ohne Mathematik in den groben Zügen klar machen kann. Wade zwei Sätze weiter: "Most of the diversity in human skin color, for example, exists beween populations, not within them. The F ST for skin color is 88 %, according to a study by John Relethford. ..." (S. 193) (Relethford, 2002)

Also, ich habe die wichtigsten hier zitierten Arbeiten verlinkt, damit man sich das im Original anschauen kann. Noch mal allgemeiner: Es ist doch ganz klar, daß Gene, auf denen starker Selektionsdruck liegt in einer Population aber nicht in einer anderen, oder die aufgrund von Gründereffekten vorherrschend geworden sind in einer Population aber nicht in einer anderen, daß in Bezug auf ein solches Gen die genomische Gesamt-Vielfalt weltweit anders auf die verschiedenen Populationen verteilt ist, als bei Genen, auf denen wenig Selektionsdruck liegt oder als auf Genomabschnitte, in denen sich Mutationen in der statistischen Regelmäßigkeit von "molekularen Uhren" ansammeln und wieder auslöschen können (da diese Mutationen von der Selektion nicht "bewertet" werden).

Gerade daß bezüglich letzterer Genomabschnitte 15 % Unterschiede in der Vielfalt zwischen Völkern und Rassen auftraten, war für Sewall Wright selbst (also für jenen, der diesen berühmten Index überhaupt erstmals aufgestellt hat - Bild siehe rechts) eher ein Zeichen, daß die Gliederung in Rassen größere Bedeutung beim Menschen hat als in vielen anderen Tierarten. Wade schreibt dazu (S. 192):


"Sewall Wright, one of the three founders of population genetics and the inventor of the F ST measure, commented" (zu den Lewontin-Arbeiten und -Fehlschlüssen) "that 'if racial differences this large were seen in another species, they would be called subspecies.' Wright specified that an F ST of 5 to 15 % in any population of organisms constituted 'moderate' genetic differentiation, and 15 to 25 % schould be considered 'great' genetic differentiation."

Zusatz: Die beiden Fotos zeigen Sewall Wright (1889 - 1988), diesen außerhalb der Fachwelt viel zu wenig bekannten aber bedeutenden amerikanischen Genetiker als jungen Mann (1928) und zur Zeit der Niederschrift seines klar formulierten und umfassenden vierbändigen Alterswerkes zur Gesamtthematik: "Evolution and the Genetics of Populations" (1968 - 1978). (Wikipedia englisch)

Dienstag, 3. April 2007

Der jüdische Beitrag zur Weltkultur - aus Sicht der Humanevolution

Der bekannte amerikanische Politologe Charles Murray hat nun auch einen Aufsatz zur Evolution des hohen aschkenasischen Intelligenz-Quotienten veröffentlicht. (Commentary Magazine) Vorherige Autoren zum Thema waren: Kevin MacDonald, Gregory Cochran, Henry Harpending und Steven Pinker. Auch der NYT-Journalist Nicholas Wade ist zu nennen. Weitere Autoren - wie etwa Jon Entine - haben sich angekündigt. Der Aufsatz von Murray beruht auf einem Vortrag, der im Januar auf einer Konferenz in Israel gehalten wurde. Das erste Drittel dieses Aufsatzes schätze ich sehr, da es aus eigenen Forschungen schöpft ("Human Accomplishment" [2003]) und vieles noch eindrucksvoller aufzeigt, als es zuvor schon aufgezeigt worden war.


Etwas im Widerspruch zu den inhaltlichen Aussagen dieses ersten Drittels scheinen mir die beiden weiteren Drittel seines Aufsatzes zu stehen. Und diesen Eindruck haben auch viele Kommentatoren bei "Gene Expression" (besonders dort Gregory Cochran). Während Murray im ersten Drittel deutlicher als jemals zuvor den markanten Sprung aufzeigt betreffend des Beitrages des aschkenasischen Judentums nach 1800 zur Weltkultur (im Vergleich zu vorherigen Epochen), sind die Spekulationen in den weiteren zwei Dritteln seines Aufsatzes eigentlich eher dazu geeignet, den Eindruck, den man von diesem markanten Sprung erhalten hatte, wieder zu verwischen. Allerdings ist es natürlich auch ein dringendes Anliegen zu klären, wie sich eigentlich die heutigen unterschiedlichen angeborenen Begabungsverteilungen in den Völkern der Welt seit der Antike heraus entwickelt haben. Aber viel mehr als Spekulation bietet Murray dazu nicht an. Doch auch Spekulation ist gut, regt sie doch oft neue empirische Forschungen an. (Um so mehr oft, als um so "ärgerlicher" solche Spekulationen empfunden werden ... ;-) )

Schwach werden die Spekulationen Murray's insbesondere dort, wo er das Verfassen des Alten Testamentes durch die Juden schon als ein Zeugnis überdurchschnittlicher IQ-Entwicklung dieses Volkes ansieht, wo er doch weiß, daß andere Völker vergleichbare Kulturleistungen erbracht haben, ohne überdurchschnittliche Intelligenz aufzuweisen. Wenn man schon über den durchschnittlichen IQ im Griechenland des Homers und im klassichen Griechenland nichts wissen kann, so nehme man etwa die deutsche Klassik um 1800, die naturwissenschaftlichen Forschungen Westeuropas nach 1500 überhaupt usw. usf.. Letztere wurden von Völkern erbracht, deren durchschnittlicher IQ heute bei 100 liegt. Und das wird sich in den letzten 200 Jahren nicht allzu drastisch geändert haben. Nun, deshalb scheint mir das erste Drittel des Aufsatzes von Murray doch noch Wesentlicheres getroffen zu haben.
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Ergänzung 4.4.: Im Verlauf der Diskussion dieses Aufsatzes auf "Gene Expression" wird neben anderem, was auch schon früher diskutiert wurde und ungeklärt ist, an Gregory Cochran die Frage gerichtet, die ich mir auch schon gestellt habe:


Mittwoch, 25. April 2007

Nicht aktuell - ein Buch über das Entstehen von genetischer Ungleichheit (/Vielfalt)

Den Autor Christian Göldenboog schätze ich sehr. Sein Buch "Das Loch im Walfisch - die Philosophie der Biologie" habe ich mit einem sonst eher selten erlebten Genuß und intellektuellen Gewinn gelesen. - Zwar ging es in diesem Buch weder um "die", noch in speziellerem Sinne um irgendeine "Philosophie der Biologie", dennoch wird außerordentlich amüsant und über weite Strecken wirklich "spritzig" über viele seltener beachtete Entwicklungen im biologischen Denken des 20. Jahrhunderts berichtet. - Dieses Buch kann man also nur jedem an der Thematik interessierten Leser dringend ans Herz legen. (Amazon)

Auch von dem neuen Buch Göldenboogs über die "Evolution der zwei Geschlechter" (2006) (Amazon) könnte man sich gleicherweise begeistert zeigen, wenn es sich nicht über weite Strecken um erheblich "schlüpfrigerere" Themenbereiche handeln würde. Doch das möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter thematisieren. Mir geht es hier nur um die beiden Kapitel über die genetische Vielfalt in heutigen menschlichen Populationen. Es handelt sich um Kapitel 7 "Das menschliche Genom gibt es nicht - Die Bedeutung menschlicher genetischer Vielfalt" (S. 157ff) und Kapitel 8 "Mister Charles Darwin besaß die Frechheit zu fragen - Sexualität und Rasse" (S. 182ff)

Erst nach einem Blick in den Anmerkungsteil wird einem deutlich, daß Göldenboog hier ausgiebig aus einem längeren Interview mit dem Humangenetiker Luigi Lucca Cavalli-Sforza zitiert, das schon im März 2002 (!) in "Psychologie heute" erschienen ist. Wenn es sich hier nun um Forschungen handeln würde, bei denen Fortschritte nur gemächlich in Jahrzehnt-Vergleichen festgestellt werden können, wäre ein solches Vorgehen zu billigen. Nicht aber in dem Jahrzehnt nach der vollständigen Sequenzierung des menschlichen Genoms. In den letzten Jahren ist auf den hier behandelten Gebieten so viel passiert, daß ein Interview aus dem Jahr 2002 im Jahr 2006 hoffnungslos veraltet ist.

Göldenboog behandelt (übrigens für Nichtkenner sicherlich nicht sehr verständlich) zum Beispiel die "neutrale Theorie der Evolution" von Motoo Kimura, also "Kimura's Bombe". Göldenboog macht aber weder sich selbst noch dem Leser klar - und das war auch im Jahr 2002 vielleicht noch etwas schwieriger als im Jahr 2006 -, daß die Vielfalt weitgehend selektionsneutraler Mutationen (entspricht in etwa dem Konzept der "molekularen Uhr") weltweit zum Teil völlig anders verteilt ist als die Vielfalt kodierender Gene im menschlichen Genom. Die Vielfalt der selektionsneutralen Mutationen weist die altbekannte und in der Öffentlichkeit Jahrzehnte lang oft wiederholte Verteilung auf, die erstmals der amerikanische Humangenetiker Richard C. Lewontin feststellte, nämlich 85 % davon gleichmäßig auf alle Menschen weltweit verteilt und nur 15 % davon unterschiedlich auf verschiedene Völker und Rassen verteilt. Aus der Feststellung dieser Verteilung hatte Lewontin schon vor vielen Jahrzehnten die Schlußfolgerung gezogen, die heute als ein Fehlschluß angesehen wird, nämlich daß die Einteilung des Menschen nach rassischen Gesichtspunkten biologisch weitgehend sinnlos sei.

Wenn dies heute als Fehlschluß angesehen wird, dann muß das in einer Veröffentlichung des Jahres 2006 natürlich auch gesagt werden. In den letzten Jahren ist immer klarer geworden, daß die Vielfalt vieler kodierender Gene und Mutationen genau anders herum verteilt ist als ursprünglich von Lewontin erwartet. Im kodierenden Genom können bis zu 80 % oder mehr der genetischen Vielfalt unterschiedlich auf die verschiedenen Völker und Rassen verteilt sein. Deshalb wirken verschiedene Medikamente in verschiedenen Völkern und Rassen - wie das auch angesprochen wird - unterschiedlich, und deshalb sind auch angeborene Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel ADHS ganz kennzeichnend unterschiedlich auf Völker und Rassen verteilt.

Göldenboog bringt im Anmerkungsteil nur die eine inhaltliche Aktualisierung zu dem Interview von 2002, die lautet: "Eine komplett gegenteilige Ansicht dagegen vertritt Anthony Edwards in "Human Genetic Diversity: Lewontin's Fallacy" (August 2003, BioEssays)." Diese mehr als krude Bemerkung in einer Veröffentlichung des Jahres 2006 ist in dieser Kürze in keiner Weise zu entschuldigen. Das ganze Kapitel hätte entweder ganz gestrichen oder neu geschrieben werden müssen.

Denn es war ja gerade dieser frühe enge Mitarbeiter Cavallis-Sforzas selber, Anthony E. Edwards, der in dieser seither berühmt gewordenen Veröffentlichung darauf hingewiesen hat, daß selbst die traditionelle Verteilung von 85/15 keinesfalls die Schlußfolgerung zuläßt, daß die Einteilung des Menschen nach Rassen biologisch sinnlos wäre. Denn auch 15 % Unterschiede sind eben (biologische) Information, wie im Anschluß daran Richard Dawkins argumentiert hat, also keine "Nicht-Information". Und diese Ansicht hat sich in den letzten Jahren in der Forschung auch bis hin zu dem weltweit führenden Humangenetiker Francis Collins durchgesetzt, der im Jahr 2000 noch heftig zurückgewiesen hatte, man würde im menschlichen Genom "Rasse" finden können. (Focus) Es wäre also sehr spannend gewesen, wenn Göldenboog Cavalli-Sforza im Jahr 2006 noch einmal zu der gleichen Thematik befragt hätte, und was er dann erfahren hätte.

Bestseller-Autor Richard Dawkins hatte diese Zusammenhängen aber schon im Jahr 2004 (in seinem hervorragenden Buch "Ancestor's Tale") klar und unzweideutig dargestellt, wenig später Humangenetiker wie Armand Leroi in seinem Buch "Der Tanz der Gene" als auch in einem Aufsehen erregenden Artikel in der "New York Times". Ebenso NYT-Redakteur Nicholas Wade in seinem "Before the Dawn", ebenso Mark Jobling und Mitarbeiter in ihrem "Human Evolutionary Genetics", jenes Werk, das das Standardwerk Cavalli-Sforza's abgelöst hat. Und ebenso Gregory Cochran, Henry Harpending, Steven Pinker und viele andere wichtige Autoren und Forscher zu diesem Thema. (Jon Entine etwa. Aber auch zum Beispiel noch der berühmte Ernst Mayr kurz vor seinem Tod im Jahr 2002, ebenso der bedeutende Genetiker James Crow - von der frühzeitigen Zurückweisung der Lewontin'schen Argumentation durch den Genetiker Sewall Wright ganz abgesehen.)

Es ist also längst nicht mehr aktuell, noch wie die Katze um den "heißen Brei" herumzuschleichen, so wie das in diesem Interview in für damalige Zeiten (2002!) typischer Weise getan wurde und wie das immer noch in diesen beiden Kapiteln getan wird. Stellen wie die folgenden zeigen jedoch gut auf, wie weit die wissenschaftliche Diskussion im Frühjahr 2002 schon fortgeschritten war. Sie haben ihre Gültigkeit auch bis heute behalten und ausgebaut, darum seien sie angeführt:

Ohne ein Studium dieser (weltweiten human- und populationsgenetischen) Vielfalt ergebe es auch wenig Sinn, so Cavalli-Sforza, medizinische Genetik zu betreiben. Wer neue Medikamente entwickeln will, der muß die Variation von Individuum zu Individuum, von Population zu Population berücksichtigen: Krankheitsgene variieren gewöhnlich ebenso stark wie diejenigen Gene, die Resistenzen verursachen. Beides beeinflußt die Sensibilität eines Individuums gegenüber Medikamenten ... (S. 172) Zehn Seiten weiter wird dieser Gedanke dann noch einmal fortgesponnen:

"Viele der untersuchten DNA-Proben hängen eindeutig von den Vorlieben der Europäer und der Amerikaner ab", erläutert Cavalli-Sforza. "Und das vermittelt immer den Eindruck, daß nur deren Variation wichtig sei. Aber die Japaner haben jetzt damit begonnen, eine eigene Sammlung aufzubauen. Das Human Genome Diversity Project hat Dependancen in Kenia, China, Indien und Pakistan. Ich habe etwas in Italien begonnen. In Deutschland arbeiten wir mit Svaante Pääbo zusammen." (S. 186)

Über die Intelligenz-Genetik wird in beiden Kapiteln - im typischen Bewußtseinsstand des Jahres 2002 - immer nur in den abfälligsten Worten gesprochen. Doch in den beiden Absätzen zum Schluß wird sie dann indirekt doch wieder "irgendwie" anerkannt: "Letztlich braucht doch jede Gesellschaft alle möglichen Typen und Talente. Basketballer oder Baseballspieler mögen nicht unbedingt so intelligent wie Universitätsprofessoren sein ..." "Aber Baseballspieler bereiten der Mehrheit der Amerikaner erheblich mehr Spaß als Universitätsprofessoren. In dieser Hinsicht sind sie wichtiger. Aber wie ich schon sagte: Die Vielfalt ist wesentlich." (S. 195)

Da in den Kapiteln von angeborener menschlicher Vielfalt die Rede war, wird man diese Sätze doch als indirekte Anerkennung der Möglichkeit deuten (die sich auch bei vielen der anderen genannten Autoren findet), daß eben sowohl sportliche Begabung wie Intelligenz-Begabung hohe Anteile erblicher Komponenten besitzen (könnten) und zudem - wie auch viele sonst im Kapitel genannte angeborene Krankheits-Neigungen oder Krankheitsverteidigungs-Strategien - in unterschiedlicher Häufigkeit auf geographische Regionen, Volksstämme, Völker und Rassen verteilt sind.

Noch einmal: Wenn Richard Dawkins über diese Dinge schon 2004 in bis heute gültiger Weise berichten konnte, dann wird man das wohl von einer deutschen Buchveröffentlichung des Jahres 2006 erst recht erwarten dürfen. Um so mehr von einem Autor, der sich doch mehr als viele andere deutsche Wissenschafts-Autoren im angelsächsischen darwinsichen Denken umgetan hat (- wie seine persönliche Bekanntschaft mit dem großen John Maynard Smith zeigt).

Donnerstag, 2. September 2010

Thilo Sarrazin: Der wissenschaftliche Paradigmenwechsel hinter seinen Sachargumenten

200.000 Jahre Humanevolution - Die derzeitige Forschung im Überblick - Ein Buchprojekt

Durch die Diskussionen rund um Thilo Sarrazin ist das im folgenden vorgestellte Buchprojekt aus dem Jahr 2007 aktuell wie nie. Wer die Diskussionen rund um Thilo Sarrazin in ihren wissenschaftlichen Hintergründen verstehen will, muß sich mit allen Themen dieses Buchprojektes und mit der Literatur dieses Buchprojektes befassen. Der Paradigmenwechsel in der Anthropologie, der in den letzten zehn Jahren stattgefunden hat, und auf den sich Thilo Sarrazin stützt, ist eine Herausforderung für unser Menschen- und Weltbild: Kann ich nur ein humaner Mensch sein, wenn die Menschen aller Völker im wesentlichen genetisch gleich sind und gleiche Startbedingungen haben? Oder gibt es auch einen Humanismus, der mit genetischer Ungleichheit human umgehen kann? Das ist die entscheidende Frage. Wenn sie gelöst ist, ist die Sachdebatte rund um Thilo Sarrazin leicht. Denn in der Tat: Schwerkraft ist Schwerkraft. Und die Evolution des Menschen geht auf genetischer Ebene weiter - in jeder Region und Kultur der Welt anders. Und wir nehmen darauf Einfluß, wie immer wir auch handeln. (- Soweit die Aktualisierung vom 2.9.2010. Nun weiter im Text von 2007:)

Die Netzseite Lulu.com bietet die Möglichkeit, umfangreichere Manuskripte kostenlos als pdf.-Datei ins Netz zu stellen. Diese Möglichkeit ist einmal genutzt worden, um ein 88-seitiges Literaturverzeichnis für ein Buchprojekt zum Thema "200.000 Jahre Humanevolution" öffentlich verfügbar zu machen. (Lulu/Ingo Bading) Einen solchen Forschungs-Überblick wird sicherlich mancher für nützlich halten. Denn eine wissenschaftliche oder populärwissenschaftliche Darstellung des derzeitigen Forschungsstandes in der Humangenetik ist ein offensichtliches Desiderat. Dies gilt auch für den englischen Sprachraum. An einer Zusammenarbeit interessierte Verlage oder Koautoren dürfen sich gerne beim Bearbeiter melden!

An dieser Stelle nur die thematische Gliederung des Manuskriptes. (Wie sichtbar werden kann, handelt es sich um das reichhaltigste Themenspektrum, das überhaupt nur denkbar ist.)

Einleitung: Humangenomforschung auf neuen Wegen

a) Das Suchen nach Zeichen von Selektion im menschlichen Genom (Koppelungs-Ungleichgewicht)
b) Der „Rebell mit einem Labor“ (Bruce Lahn)
c) Geht die Evolution weiter? (Robert Moyzis, Jonathan Pritchard)

1. Teil: Die Menschheits-Geschichte aus Sicht der Gene
Allgemeineres

A) Ursprünge in Ostafrika: Menschsein in einem Klicksprachen-Volk (190.000 – 65.000 Jahre vor heute)

a) Menschwerdung: eine kleine Gruppe am Rande des Aussterbens (190.000 Jahre vor heute)
b) Die ersten Menschen archäologisch in Äthiopien - ohne spezifische heutige Rassemerkmale? (195.000 v. Ztr.)
c) Ein „Tänzer-Gen“ entsteht: Tanzen und Singen als frühe, gemeinschaftsverstärkende Kommunikationsformen des Menschen (190.000 Jahre vor heute)
d) „Klatsch und Tratsch“ – moralisches Bewerten die wichtigste Funktion bei der Sprachentstehung? (Robin Dunbar)
e) Die Klicksprache – die erste Sprache des Menschen? (190.000 Jahre vor heute)
f) Ein Fettleibigkeits-Gen entsteht (190.000 Jahre vor heute) – noch an der „Venus von Willendorf/Österreich“ zu beobachten (26.000 Jahre vor heute) und danach in Europa verloren gegangen?
g) Evolutionäre Ästhetik: Savannen-Hypothese
h) Ein Bitterstoff-Geschmacks-Gen entsteht (190.000 v.Ztr.)
i) Menschenopfer, Schädelkult und Kannibalismus (seit 190.000 v. Ztr.)
j) „Krieger-Gene” bei Primaten und Menschenvölkern (Schwarzafrikaner, Andamanen, Indogermanen, Kelten, Germanen, Wikinger, Yanömamö, Maori, „Linkshänder-Völker“ …)
k) „Krieger-Gene“ - archäologisch Hinweise (weltweit, zeitübergreifend)
l) Der Mensch schmückt sich (spätestens ab 100.000 Jahre v. Ztr.)
m) Die menschliche Kleiderlaus entsteht (ERST [!] 80.000 Jahre v. Ztr.)
n) Buschleute Intelligenz-Quotient: 57

B) Die schwarzafrikanische Art des Menschseins

a) Das erste Herzmedikament nur für Schwarze (2001 – 2006)
b) Entspringt die höhere Anfälligkeit von Afrikanern für Bluthochdruck und Vitamin D-Mangel einer evolutionären Anpassung an heiße Temperaturen mit vor UV-Strahlung schützender Haut?
c) Größere Anfälligkeit von Schwarzafrikanern für Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs und anderes
d) Kein Verlust von Geruchs-Genen wie bei Europäern und Asiaten
e) Genetisch andere Art von Schizophrenie als bei Europäern und Asiaten?
f) Andere Art von Alzheimer bei Weißen als bei Schwarzen
f) Körper – wie geschaffen für Sport?
g) Schwarzafrikanischer Intelligenz-Quotient: 68 (in USA mit 30 % europäischen Genen: 85)

C) „Negritos“: Aus Afrika hinaus entlang des indischen Ozeans bis Australien (um 65.000 Jahre vor heute)

a) Eine Gen-Variante für Veränderungs-Freudigkeit entsteht (und damit das „Zappelphilipp“-Syndrom ADHS) (65.000 Jahre vor heute) und wird unterschiedlich in den Völkern weltweit selektiert
b) Entlang der Küste von Afrika nach Australien (65.000 Jahre vor heute)
c) Die Andamanen (65.000 Jahre vor heute)
d) Die Australoiden in Thailand (bis mindestens 24.000 v. Ztr.)

D) Ainu-Vorfahren besiedeln Ostasien (40.000 Jahre v. Ztr.)

a) Die Ainus - Verwandtschaft mit Andamanen und Tibetern (um 40.000 v.h.) (um 10.000 v. Ztr. erste Keramik - zeitgleich zum Vorderen Orient)
b) Höherer IQ auf der Nordhalbkugel aufgrund effizienterer Mitochondrien?

E) Die europäische Art des Menschseins – vom Atlantik bis Sibirien (40.000 v. Ztr.)

a) Die Neandertaler (150.000 v.h. entstanden, 29.000 v. Ztr. ausgestorben)
b) 30.000 Jahre vor heute: Mammutjäger zwischen Nordspanien und Ostsibirien
c) Geringere Häufigkeit genetischer Depressionsneigung in Europa als in Ostasien (Serotonin-Transporter-Gen) aufgrund von Selektion?
d) Orientale und Europäer – mehr als Asiaten und Afrikaner auf Blutverluste selektiert? – Eine Gen-Variante für Thrombose-Neigung entsteht (22.000 v. Ztr.)
e) Die Nordeuropäer – Haut-, Augen-, Haar-Farben-Gene unter starker Selektion (40.000/10.000 v. Ztr.)
f) Andere Art von Schizophrenie als bei Afrikanern und Asiaten?
g) Andere Art von Alzheimer bei Weißen als bei Schwarzen
h) Besonders hohe Anfälligkeit für Multiple Sklerose, Mukoviszidose (Zystische Fibrose) und Osteoporose (Knochenschwund)
i) 60 % andere Arzneimittel-Wirkstoffe in Europa als in Japan
j) Intelligenz-Quotient Europäer: 100

F) Amerika wird besiedelt (15.000 Jahre bis 6.000 Jahre vor heute)

a) Die Europäer (20.000 v. Ztr.), Ainu-Ähnliche (mit Flaschenkürbis) (10.000 v. Ztr.) und die Eskimo/Navajo (3.000 v. Ztr.) besiedeln Amerika nach Körperkontakt mit spätem Homo erectus (Kopflaus-Übertragung)
b) Intelligenz-Quotient amerikanische Ureinwohner: 85 - 91

G) Seßhaftigkeit bringt Veränderungen mit sich (10.000 v. Ztr. – 5.000 v. Ztr.)

a) Erste Negroide in Nubien (?) (12.500 v. Ztr.) / Rückwanderung von Asien nach Afrika?
b) Vorkeramisches und keramische Neolithikum in Südanatolien (10.000 v. Ztr.)
c) Die ersten mitteleuropäischen Bauern (Bandkeramiker - 5.600 v. Ztr. am Neusiedler See entstanden, 4.900 v. Ztr. ausgestorben)
d) Die bäuerlichen „Polynesier“ auf Taiwan (5.500 v. Ztr.) (ab 3.500 v. Ztr. Pazifik besiedelt)
e) Schwarzafrikanische Bantu-Bauern verbreiten die Malaria und Malaria-Resistenz

H) Die ostasiatische Art des Menschseins - zusammen mit dem Hirse- und Reisanbau evoluiert? (6.000 v. Ztr.)

a) Die gemeinsamen Vorfahren der heutigen Han-Chinesen, Koreaner und „Yayoi“-Japaner entstehen in Nordchina/Manschurei (wohl durch Vermischung nord-, süd- und ostchinesischer Anteile bei Einflußnahme von Vorfahren der Indogermanen) (vor 5.100 v. Ztr.)
b) Größere Häufigkeit genetischer Depressionsneigung in Ostasien als in Europa (Serotonin-Transporter-Gen) aufgrund von fehlender Selektion in einer Konsens- und Kollektivkultur (Gen-Kultur-Koevolution)?
c) Keine siebenfache Sequenz eines ADHS-Gens bei Ostasiaten: Selektion gegen "aufsässige Charaktere"?
d) Besonders hohe Anfälligkeit von Nichteuropäern für Diabetes (amerikanische Ureinwohner, Polynesier, Ostasiaten)
e) Angeborene größere Schmerzempfindlichkeit?
f) Besonders hohe Anfälligkeit für Alkoholunverträglichkeit
g) Andere Art von Schizophrenie als bei Afrikanern und Europäern?
h) 60 % andere Arzneimittel-Wirkstoffe in Japan als in Europa
i) Eine „Scham”-, keine “Schuld“-Kultur (eine Kollektiv-, keine Individual-Kultur)
j) Evolution stärker durch einzelne Männer geprägt? - Tschingis-Khan, … und Mao Tse Tung (1200 n. Ztr.)
k) Intelligenz-Quotient Ostasiaten: 105

I) Das Menschsein als Kentum-sprachiger, bronzezeitlicher Milchverdauer (Westindogermanen 4.500 v. Ztr. – 1.200 v. Ztr.)

a) Die Kentum-sprachigen und ihr Milchverdauungs-Gen – (4.500 v. Ztr. erworben [Ural/Trichterbecher], nach 2.000 weltweit verbreitet [Tocharer, Tuareg])
b) Die Kentum-sprachigen, bronzezeitlichen Milchverdauer - ihr Pocken- und HIV-Schutz (4.500 v. Ztr. erworben [Trichterbecher], nach 2.000 weltweit verbreitet)
c) Die Kentum-sprachigen, bronzezeitlichen Milchverdauer (?) – ein Gen korreliert mit Kinderreichtum (4.500 v. Ztr. erworben [Trichterbecher], nach 2.000 weltweit verbreitet)
d) Die Kentum-sprachigen, bronzezeitlichen Milchverdauer – besonders auf Blutverluste selektioniert? (4.000 v. Ztr.)
e) Die Kaste der Hindus
f) Die Tocharer (1.800 v. Ztr. nach Xinjang zugewandert) und verwandte Völker (Skythen-Vorfahren) bringen die Bronzezeit nach China (1200 v. Ztr.), Korea und Japan (300 v. Ztr.)

J) Menschsein in Europa, Afrika und Asien nach dem Seevölker-Sturm (1.200 v. Ztr. – 850 n. Ztr.)

a) Die Etrusker – Aussterben oder genetische Fortexistenz? (um 100 v. Ztr.)
b) Die Kalenjin - Langlauf-Begabung im Hochland von Kenia (um 100 n. Ztr. ?)
c) Einige zehntausend Angeln und Sachsen kommen nach Britannien (450 n. Ztr.)

K) Die Evolution geht weiter – auch heute (seit etwa 850 n. Ztr.)

a) Die Art des Menschseins des aschkenasischen Judentums – IQ-Evolution durch extreme Inzucht und extreme IQ-Auslese bei der Heiratswahl (siehe auch HIV-Schutz, Kinderreichtums-Gen) (seit 850 n. Ztr.)
b) Die Evolution des aschkenasischen IQ (Cochran/Harpending, 2005)
c) Brachte Vermischung männlicher Skandinavier mit den Inuit in Grönland den letzteren einen höheren IQ? (IQ: 91)
d) Die Nachkommen der als Sklaven Verschleppten
e) Die Genetik der Rassemischung
f) Ideen heute: Die Nobelpreisträger-Samenbank des Robert Graham und ihre 200 Kinder (1980 – 2000)

2. Teil: Neubewertungen: Der Mensch, das Gruppenwesen

a) Die Physische Anthropologie der Rasseunterschiede wird rehabilitiert
b) In der Populationsgenetik breitet sich ein neues Paradigma aus („Lewontin’s Fallacy“): Völker als Einheiten der Evolution
c) Armand Leroi und Richard Dawkins popularisieren das neue Paradigma
d) Neubewertungen im Rückblick auf Charles Murray und Jon Entine?
e) Nicholas Wade popularisiert das neue Paradigma
f) Gregory Cochran: Lewontin, Diamond, Gould, Boas und ihr „wissenschaftlicher Betrug“
g) Neue Diskussionen in der Psychologie über Populationsunterschiede im IQ flammen auf
h) Der Zusammenhang zwischen Gehirnstruktur, Gehirnentwicklung und Intelligenz wird erforscht

A) Die Evolutionäre Psychologie liefert umfassendere Theorie-Konzepte

a) Zu Konzepten von Gruppenselektion
b) „Ethnische genetische Interessen”? (Frank Salter, 2004)
c) Wahrnehmung und emotionale Reaktionen auf „Fremdes“ und „Verwandtes“ (Der Dawkins’sche Ansatz)
d) Sprache als sozialer Marker - Evolution von Gruppen- und Sprachvielfalt

B) Die Sprachpsychologie schaltet sich ein

a) Die tiefe Prägung der Wahrnehmung, des Denkens und Verhaltens durch die Muttersprache
b) Die Prägung des mathematischen Denkens durch die Muttersprache
c) Daraus folgende Probleme der Zweisprachigkeit
d) Lassen zusammen spielende Kinder verschiedener Muttersprache neue Muttersprachen und damit neue Völker entstehen?
e) Die Menschheitsgeschichte aus sprachvergleichender Sicht (Joseph H. Greenberg)

C) Kurzfristigere kulturelle Werte-Verschiebungen als Selektionsfaktoren

D) Philosophische Ansätze zur Einordnung

Humanismus heute. Ein neuer Konsens auf Grund zustimmunsgpflichtiger naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Aber: Wie umgehen mit genetischen Unterschieden? Moral des Ressentiments oder der freudigen geegnseitigen Anerkennung, des Respektes, des Wohlwollens und der Großzügigkeit zwischen den Völkern und Kulturen?

E) Ausgewählte Themen: Was werden die nächsten Jahre bringen?

a) Schlaglichter aus der Verhaltensgenetik und Genom-Sequenz-Forschung des letzten Jahrzehnts
b) Schlüsselgene im menschlichen Genom: Serotonin (1998 – 2005)
c) Schlüsselgene im menschlichen Genom: Oxytozin
d) Noch einmal: IQ-Evolution aschkenasische Juden im breiteren Kontext heutiger Diskussionen (K. MacDonald, Eric L. Goldstein, )
e) Aus der Domestikations-Forschung
f) Religiosität und (Gruppen-)Evolution (D. S. Wilson)
g) Religiosität und (Gruppen-)Evolution (Dean Hamer und andere)
h) Wahrheit und Lüge in der Intelligenz-Evolution von soziallebenden Tieren und des Menschen (Richard D. Alexander)

Erstveröffentlichung hier auf dem Blog: 22.09.07
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