Montag, 8. Januar 2018

Lebenslange Hingabe an einen einzigen andersgeschlechtlichen Artgenossen - Voraussetzung für Hauptschritte der Evolution

"Lifetime Commitment", bzw. Monogamie in ihrer Bedeutung für die Evolution sozialer und kognitiver Komplexität 


Eine Tour d'horizon zur Monogamie-
These von Jacobus Boomsma (2007)

Seit 1995 spricht die Evolutionsforschung von den "großen Übergängen" in der Evolution, von den "Major Transitions", den "Hauptschritten" der Evolution. Zu diesen werden gezählt (unter anderem) (n. Wiki): 1. die Entstehung der ersten Biozelle aus komplexen Biomolekülen, 2. die Entstehung von Einzellern mit Zellkern aus Einzellern ohne Zellkern (Eukaryoten aus Prokaryoten), 3. die Entstehung der Geschlechtlichkeit zwischen Einzellern, 4. die Entstehung von Mehrzellern aus Einzellern, 5. die Entstehung von Tierkolonien mit kinderlosen Helfer-Tieren ("Eusozialität", Insektenstaaten) und 6. die Entstehung menschlicher Gesellschaften aus Primaten-Gruppen.

Seit 2007 gab es nun eine Entwicklung in der Wissenschaft, die in der Öffentlichkeit noch kaum wahrgenommen worden ist, ja, kaum über engere Fachgrenzen hinaus kommuniziert worden ist. Es wurde eine einheitliche Theorie für mindestens zwei der beiden letzten Hauptschritte der Evolution formuliert (1). Es handelt sich um eine Theorie, deren Bezug zu menschlichem, gesellschaftlichen Leben sofort ins Auge fällt, ja zu Lebensentscheidungen jedes einzelnen Menschen: die Monogamie-These (Wiki). Sie wurde aufgestellt von dem niederländischen Soziobiologen und Insektenforscher Jacobus Jan "Koos" Boomsma (geb. 1951) (WikiAnt-Wiki, Google Scholar). (Sein für deutsche Ohren ungewöhnlich klingender Nachname wird auf den friesischen Kulturraum zurückgehen.) Boomsma formulierte seine Monogamie-These zunächst für den eben genannten Hauptschritt 5 2007 (1) und zusätzlich für den Hauptschritt 4 2009 (2-5).




In der Forschung wird nicht ausgeschlossen, daß ein so grundlegendes Prinzip wie genetische Einheitlichkeit der Nachkommen aufgrund von lebenslanger monogamer Hingabe an einen einzigen andersgeschlechtlichen Artgenossen auf Seiten des Elternpaares auch noch auf weitere der genannten Hauptschritte der Evolution Anwendung finden kann (6-10). So wird etwa formuliert (6; eigene Übersetzung):
Die Komplexitäts-Zunahme von einfachen sich vervielfältigenden Molekülen zu komplexen Tier-Gesellschaften beinhaltet etwa acht große Hauptschritte in der Evolution. Fast alle diese Hauptschritte erforderten eine Lösung des Problems der Kooperation, die es unabhängigen, sich vervielfältigenden Einheiten erlaubt, sich als eine Gruppe kooperativ zu vermehren.
So könnte womöglich der genannte Hauptschritt 1 beschrieben werden als lebenslange Hingabe einer bestimmten Kombination von Biomolekülen an eine sie umgebende selektiv permeable Zellmembran. Der genannte Hauptschritt 2 kann beschrieben werden als lebenslange Hingabe eines Zellkerns an eine ihn umgebende Zelle (Endosymbiose [Wiki]). Im genannten Hauptschritt 3 bilden sich dann die Grundgesetze der lebenslangen ausschließlichen Hingabe eines Individuums an ein anderes - im Spannungsverhältnis zu anderen Optionen der Lebensgestaltung - heraus. Diese anderen Optionen stellen verschiedene Lebensweisen nicht lebenslänglich-ausschließlicher Hingabe an nur einen einzigen andersgeschlechtlichen Artgenossen dar. Indem solche Optionen in der Evolution eingeführt wurden, entstanden offensichtlich neue Freiheitsgrade in der Lebensgestaltung, die bis heute vorhanden geblieben sind in der Evolution, und auf die jeweils erneut reagiert werden mußte, wenn trotz dieser Freiheitsgrade evolutiver Fortschritt erreicht werden sollte.

Auch von weiteren großen Schritten der Evolution, die bislang nicht explizit unter die hier aufgeführten Hauptschritte gezählt werden, fand man 2007 und später, daß sie in einem diese fördernden Zusammenspiel mit dem Prinzip Monogamie stehen (6-10). Alle diese Erkenntnisse kommen auffallenderweise durch Artenvergleich über weite Strecken des Stammbaums des Lebens hinweg zustande. Diese waren so in früheren Jahrzehnten nicht möglich, da Voraussetzung dafür erst der rein quantitative Fortschritt in der empirischen Forschung war, also schlicht das quantitative Anwachsen des Wissens über die Arten und die verwandtschaftlichen Beziehungen zueinander. Es kann hier vermutlich gesprochen werden von einem "Umschlag von Quantität" (des Wissens) "in Qualität", und zwar in Form einer neuen zusammenfassenden Theorie: der Monogamie-These.

Aufgezeigt wurde dieses Zusammenspiel bislang vor allem für die Übergänge zu sozialer Komplexität bei Vögeln (6), Säugetieren (7), bzw. Mehrzellern allgemein (der genannte Hauptschritt 4) (8), bzw. für Übergänge zu kognitiver Komplexität bei Vögeln und Säugetieren (9, 10). (Siehe auch hinführende deutschsprachige Aufsätze darüber: [11, 12].) Angesichts der großen Erklärungskraft des Prinzips Monogamie für so viele Hauptschritte und auch weniger große Schritte der Evolution ist natürlich klar, daß sich zunehmend mehr Forscher beginnen zu fragen, einerseits in welchem Verhältnis das Prinzip Monogamie zu anderen bedingenden Faktoren steht (13-15), sowie ob und wie dieses Prinzip auch für den letzten Hauptschritt der Evolution, für die Evolution des Menschen irgend eine Rolle gespielt haben könnte oder spielen würde. Und wenn ja, wie (z.B.: 16, 17).

Es ist geplant, darauf in weiteren Blogbeiträgen noch ausführlicher zurück zu kommen. (Bei dem vorliegenden Blogbeitrag kann es sich nur um einen einleitenden, hinführenden handeln, was schon anhand der Fülle der hier zu behandelten Literatur deutlich werden dürfte, wobei nur einige der wichtigsten Arbeiten genannt worden sind [1-17].)

Zunächst sei zu der zuletzt aufgeworfenen Problematik (Monogamie und Humanevolution) nur angedeutet, daß es ja außer Frage steht, daß das Lebensprinzip Monogamie in menschlichen Großgesellschaften der letzten Jahrtausende - insbesondere auf der Nordhalbkugel - eine wesentliche Rolle gespielt hat und daß es dort auch vielfältige religiöse und philosophische Deutungen, bzw. Bedeutungsaufladungen erfahren hat. Man könnte hier an vieles erinnern. Nicht zuletzt an die große kulturelle Bedeutung, die der Jungfräulichkeit in vielen menschlichen Kulturen zugesprochen wird. Man könnte daran erinnern, daß im indogermanischen Sprachraum Eheschließung als "hohe Zeit" - Hochzeit - bezeichnet wird. Man könnte sich als Mann daran erinnern, wie man immer wieder vor dem Rätsel steht, warum für Mädchen und Frauen ausgerechnet weiße Brautkleider eine so große Bedeutung haben, sowie noch so vieles andere, was sich um solche kulturellen Erscheinungen herum gruppiert.

Man könnte auch erinnern an die religiösen Vorstellungen der "Heiligen Hochzeit" (Wiki), bzw. der "Mystischen Hochzeit" (Wiki). Diese hatten beide offensichtlich nicht nur im christlich-jüdischen Kulturraum und der ihm zugehörigen Weltepoche Bedeutung, sondern sind vielmehr von der letzteren Weltepoche vermutlich nur aufgegriffen und weiter geführt worden, da ältere kulturelle Wurzeln aus vorhergehenden Weltepochen ja dafür aufzeigbar sind.

Hauptschritte der Evolution


Doch zunächst zurück zur Evolutionsforschung auf wesentlich grundlegenderer Ebene. Zunächst - 2007 - war die Monogamie-These von Jacobus Boomsma in Widerspruch zum damals ganz neuen und überraschenden, zum Teil öffentlichkeitswirksamen Vertreten der Gruppenselektions-Theorie von Edward O. Wilson formuliert worden. Boomsma's Monogamie-These hatte deshalb im großen "Krieg der Soziobiologie" der letzten zehn Jahre Bedeutung, womöglich sogar die zentrale, wenn genauer hingeschaut wird. Es hätte also schon längst Grund geben können, daß sich derselben viel weitere Kreise der Wissenschaft und der an Wissenschaft interessierten Öffentlichkeit zuwenden würden als bislang geschehen. Da das so mit so merkwürdiger Verzögerung zu geschehen scheint, empfinden wir es um so dringlicher, endlich wenigstens hier auf dem Blog die gründlichere Auseinandersetzung zu suchen.

Es war der Krieg zwischen den Anhängern der Gruppenselektions-Theorie rund um den bekannten "Grand Old Man" der Evolutionsbiologie, Edward O. Wilson, auf der einen Seite und den Anhängern der Verwandtenselektions-Theorie rund um - der Sache nach - Jacobus Jan Boomsma auf der anderen Seite. Dieser Krieg ist für den, der sich in die Forschungsliteratur einwühlt (und das haben wir inzwischen endlich getan [1-17]), im Grunde längst entschieden. Mag der alte Edward O. Wilson noch so brillant und kenntnisreich seine neue Theorie verteidigen (13): Hier scheint er auf seine alten Tage doch einmal eklatanter falsch gelegen zu haben und auf den Holzweg geraten zu sein. Auch das kann geschehen. (Daß das Urteil einiger Fachkollegen dazu allzu vernichtend ausgefallen ist, zum Beispiel dasjenige von Richard Dawkins, sei hier nur im Vorübergehen erwähnt.) Aber ob es nun noch einmal einen öffentlichen und offiziellen Friedenschluß geben wird zwischen beiden Kriegsparteien? Wann hätte es einen solchen je gegeben in der Wissenschaftsgeschichte? All diese Fragen sind im Grunde ganz zweitrangig, seit Edward O. Wilson "höchstpersönlich" - bislang offenbar kaum beachtet - längst eine zumindest halbherzige Friedenserklärung abgegeben hat. Und zwar schon 2014, vor drei Jahren (13). Da war nämlich aus seiner Feder zu lesen, daß es sich bei der Monogamie-These von Jacobus Boomsma längst schon nicht mehr nur um eine "These" handeln würde. Vielmehr sei von einem "Monogamie-Prinzip" zu sprechen (13).

Das war ohne Frage der Ritterschlag für Boomsma's Theorie. Wenn sie eines solchen von einem "Abweichler" noch bedurft hätte, der zwischenzeitlich auf den Holzweg geraten war und bis heute nicht so recht eingestehen will, daß er dorthin geraten war. Wilson hätte der von ihm vorgeschlagenen Begriffsveränderung (von "These" zu "Prinzip") mehr Wert verliehen, wenn er nicht nur diese Begriffsänderung vorgeschlagen hätte, sondern auch das Denken, das mit diesem Begriff verbunden ist, breiter erörtern, weiterführen und popularisieren würde. Leider hat auch er das bislang unseres Wissens nicht getan. Und da es ein Wilson nicht tut, glauben auch so viele andere es offenbar nicht tun zu müssen.

Zur Einführung - Zwei Video's


Man kann sich in die Forschungsliteratur einwühlen (1-17). Aber zunächst bietet sich sicherlich als einfachster Zugang zu dem neuen Denken von Boomsma - zumindest für alle des Englischen mächtige Leser - ein Vortrag desselben im Internet an aus dem Mai 2016 (18). Dieser Vortrag wurde, wenn man es recht versteht, im Fachbereich Evolutionäre Medizin an der Staatsuniversität von Arizona in Phönix, Arizona gehalten. Mit Hilfe dieses Vortrages kann man sich einen sehr unmittelbaren Eindruck verschaffen über das, was hier wohl so einigermaßen vorliegt, nämlich durchaus ein neues Denken, das zwar nur das traditionelle Denken von William D. Hamilton zu Ende denkt, das man aber wohl doch - aufgrund der Breite seiner empirischen Basis inzwischen - als einen Paradigmenwechsel im soziobiologischen Denken und vor allem auch der künftigen Wahrnehmung desselben wird bezeichnen müssen.

In diesem Vortrag wird deutlich, wie betont sachlich, aber zugleich stringent und konsequent der Soziobiologe Boomsma über das "lifetime commitment", also über die lebenslange, ausschließliche Hingabe, bzw. Selbstverpflichtung jener monogamen Lebensform denkt, die nach seiner Theorie und nach dem derzeitigen Stand der empirischen Forschung die "großen Übergänge" in der Evolution ("major transitions") ermöglicht hat, nämlich:
  1. von fakultativer zu nicht mehr zu ändernder (irreversibler, "obligatorischer") Mehrzelligkeit, 
  2. zu lebenslang sterilen, morphologisch unterschiedlichen Kasten bei sozialen Insekten,
  3. zu komplexeren, sozialen Gruppen bei Vögeln und 
  4. zu komplexeren sozialen Gruppen bei Säugetieren.
Der ursprüngliche Ausgangspunkt und Maßstab für Boomsma sind ohne Frage die von ihm mit viel Recht mit großem Respekt betrachteten und untersuchten sozialen Insekten. Denn bei ihnen ist dieses "lifetime commitment", ist diese lebenslange monogame Hingabe und Selbstverpflichtung vielleicht am eindrucksvollsten ausgebildet. Übrigens werden die Grundgedanken von Boomsma auch noch einmal in einem kürzeren Video erklärt (19). Es handelt sich um ein Video, in dem Boomsma auch selbst kurz wertvolle Ausführungen zu seinen Grundgedanken machen kann, und in dem seine Theorie - allerdings für nichtdeutsche Hörer sicherlich in etwas zu schnellem Sprachduktus - von einer begeisterten, jungen Studentin erklärt wird.



Warum aber waren gerade die sozialen Insekten der Ausgangspunkt für die Monogamie-These? Einerseits waren sie es, die Edward O. Wilson 2005 veranlaßt hatten, einen Paradigmenwechsel in Bezug auch auf die Erklärung menschlicher Gesellschaften anzukündigen, nämlich in Richtung auf die grundlegende Theorie der Gruppenselektion (20). Aber mehr noch: Soziale Insekten sind dem Menschen was das Beeindruckende der von Boomsma heraus gestellten lebenslangen Hingabe und Selbstverpflichtung betrifft, am zugänglichsten. Denn als einzelne Individuen innerhalb einer großen Kolonie, einem Staat stehen sie der menschlichen Lebensweise näher als - etwa - der obligat mehrzellige Organismus dies tut. (Obwohl man ja auch da schon früher viele Vergleiche angestellt hatte, Analogien versucht hatte aufzuzeigen. Da wird dann Krebs etwa als egoistisches Verhalten der Krebszellen beschrieben in einer sich ansonsten perfekt altruistisch verhaltenden arbeitsteiligen "Gesellschaft", nämlich unserem mehrzelligen Körper.)

Aber die Zugänglichkeit für das Verständnis gilt auch nach einer anderer Richtung. Die sozialen Insekten leben das von Boomsma in den Vordergrund gestellte Prinzip lebenslanger Hingabe und Selbstverpflichtung stringenter und konsequenter noch als Vögel oder Säugetiere. Und dies tun insbesondere - so lernt man bei Boomsma (siehe zweites Video): die Termiten. Schon bei den anderen sozialen Insekten findet sich wieder - nach Boomsma - eine Art "Degenerationserscheinung" wieder. Denn dort wurde die Rolle der Männchen in hier vorliegenden lebenslang monogamen Lebensformen auf die Erscheinung von "Samenbank" auf sich fortpflanzenden Königinnen reduziert (!). (Samenbanken übrigens, so Boomsma, von einer technischen Brillanz, die menschlicher Erfindergeist noch lange nicht erreicht hat.)

Ganz am Ende seines Vortrages im ersten Video (18) gibt Boomsma aber dann auch den Grund an, warum Menschen in der Inkonsequenz des Lebens von lebenslanger Selbstverpflichtung und Hingabe eher Vögeln und Säugetieren nahe stehen als den sozialen Insekten. Da spricht er nämlich von "menschlichen Selbstverpflichtungs-Analogien" ("human commitment analogies") auf der persönlichen Handlungsebene ebenso wie auf der Handlungsebene von Vergemeinschaftungen. Beide Handlungsebenen gibt es ja so interessanterweise auch bei den sozialen Insekten. Boomsma spricht von Verträgen zwischen Ehepartnern, Firmen und Staaten und davon, daß diese alle auch "Kündigungs-Optionen" mit einschließen (18, 53'10):
Mögliche Konflikte bleiben immer bestehen. Deshalb haben wir Menschen die Kündigungs-Klauseln. Und weil wir Menschen und zivilisierte Nationen sind, sollten individuelle Rechte und persönliche Freiheiten jederzeit Schutz genießen und aufrecht erhalten bleiben. Das ist auch der Grund, weshalb wir uns all das (zuvor Gesagte) vor Augen geführt haben (warum wir es erforschen): In einer Ameisen- oder Termiten-Kolonie gibt es keine individuellen Rechte. Noch gibt es solche für die Zellen meines (mehrzelligen) Körpers. Das ist ein zentraler Unterschied, der uns Menschen von allem anderen (was den Namen Leben trägt) unterscheidet. 
Diese Worte kann man gerne auch wie eine Binsenwahrheit auffassen. Was Boomsma hier aber als Forderung formuliert, ist natürlich als eines der vielen großen Wunder der Evolution noch so gut wie gar nicht verstanden worden, geschweige denn auch nur in Augenschein genommen worden. Denn es ist ja noch in gar keiner Weise geklärt, wie der Mensch, bzw. die Humanevolution hoch komplexe, arbeitsteilige Gesellschaften haben ausbilden können - übrigens über viele Jahrhunderte und Jahrtausende stabil -, deren Komplexität denen mehrzelliger Organismen oder sozialer Insekten-Staaten nicht nachstehen und wie es uns als Menschen dennoch überhaupt nur möglich ist zu sagen oder zu fordern:
Individuelle Rechte und persönliche Freiheiten sollten jederzeit Schutz genießen.
Warum sind wir denn keine Ameisen oder Termiten? Und warum wollen wir uns auch nicht so behandeln lassen? Es ist ja sofort erkennbar: Es ist dies ein Kernbestandteil der Würde des Menschen, des Menschlichen an sich. Und es ist ja auch klar, gegen "wen" die hier genannte Forderung gerichtet ist. Gegen Totalitarismen aller Art (seien es nun eheliche, religiöse oder gesellschaftliche - und natürlich nicht nur gegen die äußerlich gut bekannten Totalitarismen, sondern natürlich mehr noch gegen die subtilen bis sehr subtilen, die an der Untergrabung unserer Freiheit und sogar unserer gesellschaftlichen Existenz arbeiten). Aber vor dem Hintergrund der Evolution ist es ja doch als großes Wunder zu bezeichnen, daß diese Forderung aufgestellt werden kann, obwohl bei obligater Mehrzelligkeit und bei den Insektenstaaten diese individuellen Rechte und persönlichen Freiheiten eben den einzelnen nicht gewährt werden, es sei denn auf Kosten des Todes eines mehrzelligen Organismus oder eines Insektenstaates.

Wenn wir die Frage nach dem oben genannten Wunder stellen, stehen wir ohne Zweifel dicht an jener nicht nur naturwissenschaftlichen, sondern auch philosophischen Frage danach, wie in der Evolution und in der Menschengeschichte "Fortschritt im Bewußtwerden und Bewußtsein von Freiheit" möglich war und weiter sein wird. Vor diesem Fragehorizont erhält die soziobiologische Erforschung sozialen Verhaltens auf allen evolutionären Stufen erst ihre große Bedeutung. Und auf diesen Umstand zumindest andeutend hinzuweisen, scheint auch Boomsma in seinem Vortrag (18) wichtig zu sein.

Ein "Fortschritt im Bewußtwerden von Freiheit"


Vom philosophischen Standpunkt aus müssen die hier geschilderten Erkenntnisfortschritte in der Evolutionforschung überraschen. Wie kommt es, daß plötzlich Monogamie an der Wurzel allen komplex-sozialen Lebens steht? Wie kann das philosophisch zugeordnet werden? Unter sicherlich zahlreichen anderen philosophischen Entwürfen liegt dazu seit fast hundert Jahren ein evolutionär-philosophischer Entwurf vor aus der Tradition des deutschen naturwissenschaftsnahen, philosophischen Denkens am Anfang des 20. Jahrhunderts (21-25). Nach diesem Entwurf war es ein unbewußtes Drängen bei der Weltall-Entstehung und bei der Entstehung und Entwicklung von Leben hier auf der Erde, bewußtes menschliches Leben in diesem Weltall hervorzubringen, das sich in freier Wahl zur lebenslangen Bewußtseins-Einheit mit dem unbewußt Göttlichen entscheidet, das das ganze Weltall durchringt, zum lebenslangen, nicht mehr unterbrochenen Erleben dieses Göttlichen, zum Leben im Göttlichen, zum Leben in der Gottheit. Dieses Ziel menschlichen Lebens wird von diesem philosophischen Entwurf als menschliche Vollkommenheit bezeichnet und gedeutet. Da das Erleben des Göttlichen aber nur in Freiheit möglich ist, da sein Wesen Spontaneität ist, es also nicht vor allem oder allein aufgrund von Absichten, Zwang und Instinkten erlebt werden kann, mußte die Evolution einen sehr komplexen, diffizilen Weg beschreiten, um solche Form von Freiheit möglich zu machen. So wird in diesem philosophischen Entwurf - und im Einklang mit einer philosophischen Tradition, die auf Georg Friedrich Wilhelm Hegel und Friedrich Hölderlin zurück geht - Evolution und Humanevolution als Fortschritt im Bewußtwerden und Bewußtsein von Freiheit beschrieben. Die Möglichkeit der freien, bewußten Vereinigung des Menschen mit dem unbewußt Göttlichen wird als Ziel der Evolution beschrieben. Diese Sinndeutung des menschlichen Lebens ist schon von Friedrich Hölderlin vorweg genommen worden mehr als hundert Jahre zuvor. Er sagt (in "Über die Verfahrensweise des poetischen Geistes") (zit. n. 25):
Der Mensch sucht also ... seine Bestimmung zu erreichen, welche darin besteht, daß er sich als Einheit in Göttlichem ... enthalten, wie umgekehrt, das Göttliche ..., in sich, als Einheit enthalten erkenne. Denn dies ist allein in heiliger, göttlicher Empfindung möglich, ....
Und es wird zugleich gesagt, daß neben dieser lebenslangen "Wahlverschmelzung" der einzelnen Menschenseele mit dem unbewußt Göttlichen die körperlich-seelische "Wahlverschmelzung" des einzelnen Menschen mit einem einzigen, geliebten Mitmenschen in "Einehe", also in Monogamie - zugleich als Abbild und Ausdruck dieser Wahlverschmelzung mit dem Göttlichen - "Hochziel" menschlich-moralischen Wollens sein könne (21, 22).

Es wird von der Unsterblichkeitssehnsucht der sterblichen menschlichen Seele gesprochen, die in der Evolution erstmals entstanden sei, als die (nach August Weismann) potentiell unsterblichen Einzeller ihre körperliche Unsterblichkeit aufgegeben haben, um über die Mehrzelligkeit auf den langen Wegen der Evolution ein bewußtes menschliches Leben zu erreichen, das diese Aufgabe, bzw. diesen Verlust der körperlichen Unsterblichkeit überwinden kann, indem sie seelisch unsterblich wird (22). In freier Wahl.

Die Ameise und das Pfauenrad


Nach dieser Philosophie ist also das Prinzip "lebenslange Hingabe und Selbstverpflichtung", lebenslange, freie Wahl ("Wahlverschmelzung") ein sehr grundlegendes Prinzip menschlichen Lebens (21, 22). Und in diesem Sinne paßt dieses Grundprinzip menschlichen Lebens sowohl philosophisch wie rein naturiwssenschaftlich hervorragend zu der Erkenntnis von Jacobus Boomsma, daß "lebenslange Selbstverpflichtung", lebenslange freie Wahl das entscheidende Prinzip sei, das die Evolution weiterer Komplexität vom Einzeller ausgehend überhaupt erst ermöglichte. Daß dieses grundlegende Prinzip nicht nur Ziel der Evolution war, sondern diese Evolution von einem der ersten wesentlichen Schritte an zugleich überhaupt erst ermöglichte. Diese letztere Erkenntnis war auch von Seiten der Philosophie - soweit uns bekannt - bislang noch nie formuliert worden. Sie wäre also eine klare Erweiterung und Ergänzung des genannten philosophischen Entwurfs (21-25).

Als solche paßt sie erstens nahtlos zu diesem Entwurf, steht ihm also in nahtloser Widerspruchslosigkeit gegenüber. Als solche bestätigt sie zweitens diesen Entwurf in zentralen Bereichen von naturwissenschaftlicher Seite aus, von denen man bislang - sozusagen - hätte denken können, es könne sich auch mehr oder weniger um willkürliche rein philosophische Postulate handeln. Und als solche ergänzt sie drittens außerdem noch diesen philosophischen Entwurf für den philosophischen Bereich selbst in bedeutender Weise. Es können also nun anhand der naturwissenschaftlichen Forschung selbst auch zentrale Gedanken dieses philosophischen Entwurfs neu durchdacht werden. Sie können anhand der Naturgeschichte in Einzelheiten illustriert werden, erläutert werden. Damit wird das Verständnis, die Nachvollziehbarkeit und Plausibilität, ja, womöglich sogar die Einsicht in die "Denknotwendigkeit" dieser Erkenntnis erleichtert. Und ähnliches könnte auch in umgekehrter Richtung für das Verständnis des naturwissenschaftlichen Erkenntnisfortschrittes gelten.

Das Grundprinzip: "Stirb mit dem einzigen Geschlechtspartner, den du jemals in deinem Leben hattest," (2) ermöglichte den Übergang von der Einzelligkeit zur Mehrzelligkeit, von solitärer Lebensweise bei Insekten, Vögeln und Säugern - und vielleicht beim Menschen (?) - zu komplexeren Gruppen mit kinderlosen Helfern. Denn das Prinzip Monogamie bringt genetische Einheitlichkeit unter die Nachkommen des Elternpaares, was den Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe unter diesen Nachkommen fördert. Das Prinzip Polygamie jedoch fördert die genetische Uneinheitlichkeit unter den Nachkommen des Elternpaares, was den Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe unter diesen Nachkommen über die wesentlichsten Stammbaumbereiche hinweg (Mehrzeller, Insekten, Vögel, Säuger) korrumpiert. "Multikulti bringt die Evolution nicht voran", formulierten wir diesbezüglich schon 2013 (12) im Anschluß an die damals erschienene Forschungsstudie (8).

Und es ist anzunehmen, daß sich genau dieses Prinzip auch für die fortgeschrittenen, komplexen, arbeitsteiligen, menschlichen Gesellschaften bestätigen wird. Gerade der Umstand, daß offenbar fast alle nachmals großen menschlichen Völker ursprünglich aus vergleichsweise kleinen Gründerpopulationen, ja, Flaschenhalspopulationen hervorgegangen sind, die sich nach ihrer Entstehung, Ethnogenese nicht mehr weiter mit anderen  Völkern vermischten, ist dafür ein deutlicher Hinweis. Dieser Umstand ist am besten bezeugt für das aschkenasische Judentum (Wiki), aber ebenso inzwischen - über die Ancient-DNA-Forschung - beispielsweise auch für die neolithische bandkeramische Kultur (Wiki) und für viele andere Völker. Beispielsweise haben sich die mittel- und nordeuropäischen Völker seit der Zuwanderung der Indogermanen (Schnurkeramiker) im Spätneolithikum bis heute genetisch nicht mehr wesentlich verändert. Auch hier folgten auf Ethnogenese lange Jahrtausende genetisch-kultureller Stabilität, abgesichert dadurch, daß sich die Völker zumindest in Nordeuropa nicht weiter mit Menschen anderer Erdregionen vermischten (was auf Populationsebene als Entsprechung zum Monogamie-Prinzip in der nichtmenschlichen Evolution empfunden werden kann).

Soldatische Disziplin und künstlerische Freiheit


Die Evolution liebt das Einheitliche, den Zusammenhalt, beruhend auf Selbstgenügsamkeit, Disziplin, Askese und Enthaltsamkeit (innerweltliche und außerweltliche Askese nach Max Weber). Aber um so näher sie dem Menschen kommt, um so mehr vergrößert sie diesbezüglich die Freiheitsgrade: Soziale Insekten mag man als ein wenig freier empfinden als die einzelnen Zellen obligater Mehrzeller, Vögel mag man als freier empfinden als soziale Insekten, Säuger als freier als Vögel. Und der Mensch ist freier als die Säugetiere - hier immer unter dem Aspekt der Handlungsoptionen in Bezug auf das Polygamie-Monogamie-Spektrum gesehen. Die Evolution läßt ihre "Kinder" gerne polygam über die Strenge schlagen. Das ist für sie - über weite Strecken des Artenstammbaumes hinweg - gar kein Problem. Sie wirft hier ihr Füllhorn der Möglichkeiten aus. Und gerade dann, wenn sie ihre "Kinder" über die Strenge schlagen läßt, erreicht sie oft für das Prinzip Schönheit die anbetungswürdigsten Ergebnisse - nämlich über die geschlechtliche Selektion (Prinzip Pfauenrad). Es scheint - nach Boomsma - ein tiefer Gegensatz vorzuliegen zwischen den beiden grundlegenden evolutionären Prinzipien Verwandten-Selektion und geschlechtliche Selektion (1). Verwandtenselektion bringt Eintönigkeit, Disziplin hervor, gerne auch soldatische. Geschlechtliche Selektion bringt - - - Schönheit hervor. Soldaten stehen in der Evolution und Menschheitsgeschichte Künstlern gegenüber, Athen steht Sparta gegenüber, Preußen steht Österreich gegenüber. Wenn man ihn sehen möchte, kann man diesen Gegensatz - "The Ant and the Peacock", "Die Ameise und der Pfauenschwanz" - auf vielen Ebenen wieder finden.

Große Freiheit auch auf sexuellem Gebiet bringt die Vielfalt der Lebensformen der Evolution hervor, viele Aspekte ihrer Schönheit. Aber wenn es darum geht, neue Stufen der Komplexität zu erreichen, wenn es um einige Hauptübergänge in der Evolution geht, dann gilt für die Evolution offenbar das erstgenannte Prinzip kompromißloser, lebenslanger Liebe, weil dieses Prinzip auch dem ursprünglichsten Prinzip und Ziel der Evolution am nächsten steht: Dauernde seelische Vereinigung, "Wahlverschmelzung" der bewußten menschlichen Seele mit dem dem Weltall innewohnenden unbewußten Göttlichen, solange diese einzelne, bewußte menschliche Seele über die sie erhaltenden Körperfunktionen am Leben bleibt.

In dem vorliegenden Blogbeitrag sollen nur einige erste Grundgedanken dieses Themengebietes angedeutet werden. Es soll nur das Grundlegende des theoretischen Ansatzes selbst und die Breite der empirischen Überprüfung desselben - insbesondere auch anhand einiger der wesentlichsten Literaturangaben der letzten zehn Jahre (1-17) - hingewiesen werden. Es geht hier nicht darum - und es kann gar nicht darum gehen - das Thema Monogamie-These - zumal vom rein naturwissenschaftlichen Standpunkt aus - in irgendeiner Weise zu erschöpfen. Hier liegen noch eine Fülle von Aufgaben für Biologen, Philosophen und Wissenschaftskommunikatoren vor. Da die Thematik so grundlegend ist, verzweigt sie sich nach so vielen Richtungen hin, hat nach so vielen Richtungen hin Implikationen, daß das Ausschöpfen des Themas in einem einzigen Blogbeitrag gar nicht möglich ist. Dies ist seiner Absicht nach nur ein einleitender Beitrag, ein das Thema abschreitender. Wissenschaft kann wie ein tiefer Brunnen sein. So bald man den Eimer hinab läßt, zieht man neue Wunder herauf. Sie kann wie ein großes Füllhorn des Lebens sein. Aus diesem Füllhorn werden die Fülle der Lebenserscheinungen vor unseren Augen ausgeschüttet. Anfangs waren wir zu überwältigt, um auch nur irgendwelche grundlegenderen Prinzipien in dieser Fülle zu erkennen. Dann begannen der griechische Meeresbiologe und Philosoph Aristoteles und ähnliche, von den Wundern der Natur Faszinierte damit, es dennoch zu tun. Heute, nach und nach, gelingt uns das immer besser. Aber auch wenn wir grundlegendere, vereinheitlichende Prinzipien erkennen, geht uns darum die Fülle der Formen und Erscheinungen nicht verloren. Wir können sie inzwischen nur besser danach gliedern, welche Prinzipien ursprünglicher sind (hier: Monogamie) und welche abgeleitet sind (hier: Polygamie).

"Am Urdborn und seinen Geheimnissen"


In dem schon erwähnten philosophischen Entwurf (21-25) wird von "wiederkehrenden Melodien" in der Schöpfung gesprochen (23, S. 125). Es wird umsonnen das "Rätsel des Werdens", es wird davon gesprochen, daß schon Kinder dieses "Rätsel des Werdens" umsinnen. So das Rätsel des Werdens dahingehend, wie ein neues Lebewesen nur schon allein in der Menschenwelt, in der eigenen Familie entsteht (z.B.: im "Bauch der Mutter"). Aber ebenso das Rätsel des Werdens im Großen, also des Werdens des Weltalls, der Erde, der Lebenswelt und der Menschen. Das Rätsel des Werdens ist nach diesem philosophischen Entwurf so "rein wie das Häutchen unter der Eischale". Davon wollen wir uns im folgenden einen Eindruck verschaffen. Es ist die Rede vom "Urdborn und seinen Geheimnissen" (zu Urdborn siehe auch: Wiki) (24, S. 412):
Niemand lebt, der nicht in seiner Kindheit schon zu diesem "Urdborne" wanderte. Seine heiligen Wasser bergen "die Geheimnisse des Werdens und Vergehens aller Dinge", und auf seinen stillen Wassern kreisen zwei silberweiße Schwäne in feierlichem Schweigen, "wie die Vergangenheit, die nicht gehört, wie die Zukunft, die nicht geahnt wird".
So wird der Mythos der germanischen Vorfahren in der "Edda" als Weisheit gedeutet, die auch vor dem heutigen darwinischen, naturwissenschaftlichen Weltbild Bestand hätte. Und weiter (24, S. 412):
Wir finden das Kind wieder und wieder auf den stillen Waldpfaden, die zum Urdborne führen. Lockend scheint ihm der Weg, geheimnisvoll und ernst zugleich.
In der Tat. Wer Kinder erlebt, hat durchaus wiederholt Anlaß zu fragen, warum sie sich auch immer einmal wieder so viele Gedanken um den Tod und das Sterben machen. Diese Gedanken kommen oft ganz unauffällig daher. Erst wer selbst "Philosoph" ist, merkt, daß Kinder in diesem Augenblick - letztlich - philosophische Fragen umsinnen, tiefere Lebensfragen stellen (24, S. 412):
Immer wieder tastet es sich hin, immer wieder finden wir es dort im Anblick der silberweißen Schwäne versunken. Das Geheimnis, das sie im Schweigen bergen, scheint ihm gar sehr ergündenswert. Jedesmal, wenn es mit staunenden Kinderaugen auf die Geheimnisse schaut, findet es etwas näher zu ihnen hin. 
Wenn die Geheimnisse des Werdens (eines Menschenlebens) dem Kind von der Erwachsenenwelt in der heute üblichen grenzenlos flachen Weise nahe gebracht werden, wird - nach diesem philosophischen Entwurf - ein Frevel sehr großen Ausmaßes an einer Menschenseele begangen (24, S. 413):
Ist doch das Geheimnis des Werdens unserem Erbgut ein so heiliges und seine Reinheit uns Lebensnotwendigkeit. Sagt doch die Edda von den Wassern des Werdens am Urdborne: "Dieses Wasser aber ist so heilig, daß alle Dinge, die da hineinkommen, so weiß und rein werden wie das Häutchen, das unter der Eischale liegt."
Damit soll nur weniges angedeutet sein. Aus diesen Überlegungen heraus werden dann in den an diese Zitate anschließenden Ausführungen viele Schlußfolgerungen gezogen dahingehend, wie "Aufklärung" stattfinden könnte, sollte, gegenüber dem Kind, gegenüber dem unschuldigen Heranwachsenden. Aber an dieser Stelle sollen ja weniger Schlußfolgerungen behandelt werden als Grundlagen. Deshalb müssen wir uns es an dieser Stelle verweigern, diesen Schlußfolgerungen weiter nachzugehen. Es darf aber womöglich doch noch eines an dieser Stelle festgehalten werden. Schon durch die Art der Formulierungen und gewählten Bilder wird in vielen Ausführungen dieses philosophischen Entwurfs die Seele des Lesers gemütvoll eingehüllt. Er wird in ferne, ach, so ferne Kinderzeiten zurück versetzt, ihm werden Regionen eigenen Seelenlebens erschlossen, denen er sich - womöglich - noch nie bewußter zugewandt hatte.

Und damit werden wir auf eine womöglich wichtigere Erkenntnis gestoßen: Eine Philosophie, die nur Vernunfterkenntnis anspricht, kann uns heute nicht mehr voll befriedigen. Eine Philosophie, die allein Dichtung bleibt, die uns dichterisch, seelenvoll einhüllt, ohne den deutlicheren Bezug herzustellen und aufzuzeigen, in welcher Art von Widerspruchslosigkeit das von ihr gegebene seelische Erleben und Erkennen der Breite des modernen Vernunfterkennens (in der Wissenschaft) gegenüber steht, kann uns doch ebenso wenig Befriedigung verleihen. Das sind Gründe zum einen, gerade jenen philosophischen Entwurf auszuwählen, der hier ausgewählt wurde, zum anderen sind das Gründe dafür, auch diesen "Exkurs" hin zur Kinderseele für wichtig zu nehmen. Da er befähigt ist, Anteilnahme für Fragen zu wecken, die jedem Leser womöglich schon einmal in seiner Kindheit wichtig gewesen waren.

Dieser Beitrag kann - wie schon mehrmals gesagt - nur als ein einleitender, hinweisender Beitrag verstanden werden. Ihm müssen weitere Teile folgen. Deshalb soll abschließend nur noch darauf hingewiesen werden, daß der Autor dieser Zeilen schon vor eineinhalb Jahren darauf hinwies (26), daß er von der Umschlaggestaltung einer Weihnachtslieder-Schallplatte sehr beeindruckt war, die er in seiner Kindheit alljährlich zu sehen bekam. Und zwar entstand dieser Eindruck eher wie nebenbei, sicher weitgehend unabhängig von irgendwelchen Beeinflussungen von Seiten von Erwachsenen. Darum sei diese Schallplattenhülle an dieser Stelle abschließend noch einmal gebracht (Abb. 1).

Abb. 1: Langspielplatte "Deutsche Weihnacht - Der Dissener Kinderchor singt Lieder zur Wintersonnenwende" ohne Jahr)
Grafik von Erwin Klein (Osnabrück)


Die Augen des Kindes sehen übrigens anderes. Sie sehen oder bewerten weniger die Gesichtszüge der rotgewandeten Frau ("Norne") im Vordergrund, sie lassen eher den Gesamteindruck auf sich wirken. Und dieser wird verstärkt durch den Text des Liedes "Aus weiter Ferne komm ich her" (26). Dieser Liedtext hinterläßt - wie der Autor weiß - auch noch bei manchem Erwachsenen Eindruck, wenn er ihm das erste mal begegnet.

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  1. Boomsma, Jacobus J.: Kin Selection versus Sexual Selection - Why the Ends Do Not Meet. In: Current Biology, Volume 17, Issue 16, 21 August 2007, Pages R673-R683 Available online 20 August 2007, https://doi.org/10.1016/j.cub.2007.06.033, http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982207015709
  2. Boomsma, Jacobus J.: Lifetime monogamy and the evolution of eusociality. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B, Biological Sciences (Discussion Meeting Issue 'The evolution of society' organized and edited by T. Clutton-Brock, S. West, F. Ratnieks and R. Foley), 5. Oktober 2009, http://rstb.royalsocietypublishing.org/content/364/1533/3191
  3. Hughes, W.O.H., Oldroyd, B.P., Beekman, M. & Ratnieks, F.L.W. 2008. Ancestral monogamy shows kin selection is key to the evolution of eusociality. Science 320: 1213-1216
  4. Boosma, Jacobus J.; Huszár, Dóra B.; Pedersen, Jes Søe: The evolution of multiqueen breeding in eusocial lineages with permanent physically differentiated castes. In: Animal Behaviour Volume 92, June 2014, Pages 241-252 (Special Issue: Kin Selection),  https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2014.03.005
  5. Boomsma, Jacobus J.; Gawne, Richard: Superorganismality and caste differentiation as points of no return: how the major evolutionary transitions were lost in translation. In: Biological Reviews, first published: 15 May 2017, DOI: 10.1111/brv.12330, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/brv.12330/full
  6. Charlie K. Cornwallis, Stuart A. West, Katie E. Davis & Ashleigh S. Griffin: Promiscuity and the evolutionary transition to complex societies. In: Nature 466, 969–972, 19 August 2010, doi:10.1038/nature09335, http://www.nature.com/articles/nature09335?lang=en
  7. Lukas, Dieter; Clutton-Brock, Tim: Cooperative breeding and monogamy in mammalian societies. Proc. R. Soc. B 2012 279 2151-2156; DOI: 10.1098/rspb.2011.2468. Published 24 April 2012, http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/279/1736/2151
  8. Fisher RM, Cornwallis CK, & West SA (2013). Group formation, relatedness, and the evolution of multicellularity. Current biology : CB, 23 (12), 2013, 1120-5 PMID: 23746639
  9. Shultz, Susanne, Dunbar, Robin I. M.: The evolution of the social brain: anthropoid primates contrast with other vertebrates. Proc. R. Soc. London Ser. B, Volume 274, Number 1624, 7. Oktober 2007 (eingegangen am 23. Mai 2007, zur Veröffentlichung frei gegeben am 26. Juni 2007), https://www.researchgate.net/publication/6186835_The_evolution_of_the_social_brain_Anthropoid_primates_contrast_with_other_vertebrates
  10. Dunbar, Robin I. M.; Shultz, Susanne: Evolution in the Social Brain. Review. In: Science, Vol. 317, 7. September 2007, S. 1344-1347, https://www.researchgate.net/publication/6017731_Evolution_in_the_Social_Brain
  11. Bading, Ingo: Stand die monogame Lebensweise an der stammesgeschichtlichen Wurzel allen komplex-sozialen Lebens auf der Erde? Studium generale, 31. August 2008, http://studgendeutsch.blogspot.de/2008/08/stand-die-monogame-lebensweise-der.html
  12. Bading, Ingo: Multikulti - Bringt die Evolution nicht voran. Studium generale, 30. Juni 2013, http://studgendeutsch.blogspot.de/2013/06/multikulti-bringt-die-evolution-nicht.html
  13. Wilson, Edward O.; Nowak, Martin A.: Natural selection drives the evolution of ant life cycles. In: PNAS 2014 111 (35) 12585-12590; published ahead of print August 11, 2014, doi:10.1073/pnas.1405550111, http://www.pnas.org/content/111/35/12585.full
  14. Dillard, Jacqueline R.; Westneat, David F.: Disentangling the Correlated Evolution of Monogamy and Cooperation. In: Trends in Ecology & Evolution, Volume 31, Issue 7, p503-513, July 2016, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.tree.2016.03.009, https://www.researchgate.net/publication/301829279_Disentangling_the_Correlated_Evolution_of_Monogamy_and_Cooperation
  15. Dillard, Jacqueline R.; Westneat, David F.: Monogamy and Cooperation Are Connected Through Multiple Links - Why does cooperation evolve most often in monogamous animals? The Scientist, 1. August 2016, https://www.the-scientist.com/?articles.view/articleNo/46608/title/Opinion--Monogamy-and-Cooperation-Are-Connected-Through-Multiple-Links/
  16. Bading, Ingo: Der "Tanz" der sozialen Beziehungen, der Monogamie, des Altruismus - Ist Evolution vor allem ein Weg zur Überwindung des Autismus gewesen? Und warum gibt es ihn dennoch in verschiedenen Abstufungen? Studium generale, 24. September 2008, http://studgendeutsch.blogspot.de/2008/09/der-tanz-der-sozialen-beziehungen-der.html
  17. Kramer, K. L. and Russell, A. F.: Was monogamy a key step on the hominin road? Reevaluating the monogamy hypothesis in the evolution of cooperative breeding. Evol. Anthropol., 24, 2015: 73–83. doi:10.1002/evan.21445
  18. Boomsma, Jacobus: Commitment in social life, sex, and symbiosis. Videokanal des Zentrums für Evolutionäre Medizin an der Staatsuniversität von Arizona in Phönix, Arizona, 2. Mai 2016, https://www.youtube.com/watch?v=Xjor_D6g9Zw&t=
  19. Dawson, Ines Laura: How Monogamy Made Superorganisms Evolve. Videokanal "Draw Curiosity", 21.12.2016, https://www.youtube.com/watch?v=J83qyLXAsN4
  20. Wilson, Edward O.; Hölldobler, Bert: Eusociality: Origin and consequences. PNAS, vol. 102 no. 38, 13367-13371, doi: 10.1073/pnas.0505858102 (Contributed by Edward O. Wilson, July 12, 2005), http://www.pnas.org/content/102/38/13367.full
  21. von Kemnitz, Dr. M. (spätere Mathilde Ludendorff): Erotische Wiedergeburt. Verlag Ernst Reinhardt, München 1919, 1923 (3., umgearb. Aufl.); neu unter dem Titel "Der Minne Genesung". Ludendorffs Verlag, München 1932ff (umgearb. Aufl.); Verlag Hohe Warte, Pähl 1959 (22. u. 23. Tsd.)
  22. von Kemnitz, Mathilde (spätere Mathilde Ludendorff): Triumph des Unsterblichkeitwillens. Ernst Reinhardt Verlag, München 1922; Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 1931ff (umgearbeitete Auflage); Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1950ff (44.-45. Tsd.), 1983 (Archive)
  23. von Kemnitz, Mathilde (spätere Mathilde Ludendorff): Schöpfungsgeschichte. (Erstauflage 1923) Verlag Hohe Warte, Pähl 1953 (siehe auch: 1938 [GB] oder 1984 [Archive])
  24. Ludendorff, Mathilde: Des Kindes Seele und der Eltern Amt. (Erstauflage 1933) Verlag Hohe Warte, Pähl 1954 (Archive)
  25. Leupold, Hermin (das ist Gerold Adam, posthum): Philosophische Erkenntnis in ihrer Beziehung zur Naturwissenschaft. Aufsätze zur geschichtlichen Entwicklung der Erkenntnistheorie, zur Evolution des Weltalls und des Bewußtseins. Die Deutsche Volkshochschule, 23845 Bühnsdorf, 2001, 2014
  26. Bading, Ingo: "Aus weiter Ferne komm ich her ..." - Die Autorin der Ludendorff-Bewegung Herta Fritzsche und ihre Familie. Studiengruppe Naturalismus, 1. Mai 2016, http://studiengruppe.blogspot.de/2016/05/aus-weiter-ferne-komm-ich-her.html

Samstag, 25. November 2017

Kossinna lacht - er lacht und lacht und lacht ....

Neue Erkenntnisse aus der Archäogenetik zu den Eiszeitjägern, zum Mesolithikum, zum Neolithikum und zur Bronzezeit Europas
Völker machen die Geschichte - So lautet überall die Haupterkenntnis 

Zusammenfassung: Was bisher in der Archäogenetik (Ancient DNA-Forschung) (s. 14, 15) überhaupt nicht klar war, war die Frage, woher nun eigentlich der typisch nordeuropäische Menschentyp herstammen sollte. Seit Mai dieses Jahres aber beginnt sich diese Verwirrung zu lichten (7, 8): Die blonde Haarfarbe findet sich schon 15.000 v. Ztr. bei Mammutjägern in Sibirien im Genom (7, 8). Blonde Haare gab es bei den osteuropäischen Jägern und Sammlern, nicht aber bei den mittel- und westeuropäischen Jägern und Sammlern (7, 8). Die vorneolithischen Bevölkerungen in Ostmitteleuropa (vom Donauraum bis Lettland) und Skandinavien waren Mischbevölkerungen zwischen west- und osteuropäischen Jägern und Sammlern. Die blonde Haarfarbe gab es auch schon bei dem ausgestorbenen Ertebolle-Volk rund um den Ostseeraum (7, 8). Ebenfalls findet man bei ihnen helle Haut und blaue Augen. Die blonde Haarfarbe gab es dann auch schon - zumindest in Anteilen - bei den Urindogermanen (Yamnaya-Kultur) (7, 8). Nur wie hoch ihr Anteil bei den Trichterbecherleuten ist, darüber findet sich in der Literatur noch keine Angabe. Mit der hier referierten neuen Studie (7, 8) wird deutlich, daß die Erforschung der Gen-Variante "rs12821256", die mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit einher geht, blonde Haarfarbe zu haben, viel beitragen wird zur Erhellung des Einflusses der Indogermanen und Germanen auf die Weltgeschichte überhaupt. Aber auch sonst wartet die neue Studie (7, 8) mit einer Fülle von Neuerkenntnissen auf, etwa zu der langen Stabilität der vorindogermanischen Bauernvölker in Ost- und Ostmitteleuropa, der eindrucksvollen Cucuteni-Kultur und der seit 3.100 v. Ztr. Rinderwagen besitzenden Kugelamphoren-Kultur.

Eine parodistische Einleitung 


[Nachtrag 28.11.17] Statt die folgende parodistische Einleitung zu schreiben, hätte der Verfasser vielleicht besser Anfang Juli 2017 auf den 9. Deutschen Archäologie-Kongreß nach Mainz fahren sollen und dort insbesondere an der "AG Theorien in der Archäologie (AG TidA e.V.)" teilnehmen sollen, deren diesjähriges Thema war: "Frage Migration! - Erkenntnistheorien, Argumente, Modelle, Paradigmen". In den Zusammenfassungen der dort gehaltenen Vorträge (s. AG TidA, Programm 2017) wird schon recht schön deutlich, womit sich hier eine jüngere Archäologen-Generation gerade herumschlägt. Der Titel, den Sabine Reinhold (Berlin) für ihren Vortrag gewählt hat, ist so treffend, daß wir ihn auch für diesen Blogartikel hätten wählen können, anstelle des gewählten parodistischen. Denn er lautet so treffend wie durch und durch sachlich: "Völkerwanderung 2.0 oder Wieviel Biologie braucht der Transfer kultureller Praktiken". Schon dieser Titel ist voller Inhalt. Ganz am Ende des vorliegenden Blogartikels haben wir uns genau mit dieser Frage schon beschäftigt, bevor wir von dieser AG in Mainz erfahren hatten. In der Zusammenfassung hält sie lakonisch und richtig fest:
Es scheint doch auch biologische - oder vor allem biologische? - Verbindungen zwischen den Leuten zu geben, die etwa ihre Toten in derselben Form begraben oder eine vergleichbare Region bewohnen.
Ja, offenbar eine ungewohnte Blickrichtung für deutschen Archäologen des Jahres 2017. Nanu, kann denn so etwas sein? Wir verfallen immer gleich wieder in den unernsten Tonfall, wenn wir uns mit innerwissenschaftlichen Diskussionen heutiger deutscher Archäologen im Umfeld der neuen Ergebnisse der Archäogenetik befassen. Wir wollen es vermeiden. Es gelingt uns nicht. Es wird nämlich gleich noch schlimmer. Stefan Burmeister (Kalkriese) hielt einen Vortrag mit dem vielsagenden Titel: "Wolf im Schafspelz - Schaf im Wolfspelz? Prähistorische Mobilität im Fokus von Molekularbiologie und Archäologie". Laut Zusammenfassung möchte er den Wolf im Schafspelz (die Biologie und Genetik) am liebsten umwandeln zum Schaf im Wolfspelz. - - - Dazu muß der Wolf Kreide fressen, schießt einem dazu als Gedanke durch den Kopf. Schlimm, man kann sich der Parodien kaum erwehren, wenn man den Gesprächen der Archäologen untereinander zuhört. Somit mißlingt auch dieser neue Versuch einer Einleitung zu dem folgenden Blogartikel.

In ihrem Vortrag "Gruppen in Genetik und Archäologie - Die Frage nach der Nomenklatur genetischer Cluster" hat Stefanie Eisenmann (Jena) ihr neues "Max Planck Harvard Research Center for the Archaeoscience of the Ancient Mediterranean" vorgestellt. In diesem will sie sich mit den Ergebnissen der neuen Archäogenetik auseinander setzen. Der verdiente Mainzer Archäogenetiker Wolfgang Haak versuchte dann - sicherlich als Wolf im Schafspelz - ganz viel Kreide zu fressen und sprach "Über Migrations- und Vermischungsnarrative der Archäogenetik". Ja, als wir mit diesem zweiten Versuch einer Einleitung ansetzten, hatten wir eigentlich auch noch die Absicht gehabt, Kreide zu fressen und wollten die bisherige parodistische Einleitung ersetzen. Nein, auch schon diese Zusammenfassungen liefern wieder Steilvorlagen aller Art für Parodien aller Art, so daß wir uns offenbar derselben tatsächlich in der Einleitung nicht enthalten können, bevor wir dann endlich einfach nur auf die Sachthemen zu sprechen kommen.

Der Verfasser dieser Zeilen ist in sehr ausgesprochenem Masse ein Anhänger der "fröhlichen Respektlosigkeit" des Nobelpreisträgers Max Delbrück. Und auch im Doktorandenkreis von Max Delbrück hat man sich gerne gegenseitig parodiert. Auch in der Wissenschaft, so könnte man einmal festhalten anhand dieses Beispiels, sollte der Humor nicht zu kurz kommen. Sonst wird man humorlos und macht sich - vielleicht - vor der ganzen Welt lächerlicher als es einem selbst bewußt ist. Deshalb bleibt sie nun stehen, die erste Version unserer Einleitung, die wir vor drei Tagen schrieben. Auch den Titel lassen wir wie er ist. Obwohl beim Verfasser immer wieder der Wunsch aufkommt, in diesem Artikel auf Parodierendes, Unernstes zu verzichten.

***

Mit einem behaglichen und zugleich brachialen Gelächter, so schaut der alte Gustaf Kossinna (1858-1931) (Wiki), jener deutsche Archäologe, der die simple These aufgestellt hat, daß archäologische Kulturen Völker sind (Abb. 1), aus seinem Himmelsstübchen herab. Um dieser These willen war er seit 1945 von den deutschen Archäologen viel kritisiert worden, ja, mitunter ganz tabuisiert worden. Und nun lacht er aus seinem Himmelsstübchen herab, hinunter auf seine Nachfolger (1-3).


Abb. 1: Gustaf Kossinna, 1936 (zuerst 1927)


Ein Archäologe, Volker Heyd, hat ihn dabei beobachtet (2). Und er hat im April-Heft der Zeitschrift "Antiquity" der Welt davon berichtet ("Kossinna's smile") (2). So manche Archäologen dürfte er dabei im Gespräch miteinander belauscht haben.*) Und erst jetzt wird auch vielen anderen Archäologen allmählich bewußt, daß dieser alte Herr Gustaf Kossinna (Gustaf übrigens mit f, nicht mit v geschrieben) gar nicht in der Hölle schmort, wo sie ihn seit so vielen Jahren schon hingewünscht hatten, sondern daß er droben im sonnigen Archäologen-Himmel sitzt. Und daß er dort lacht und lacht und lacht ... (2, 3).

Er hatte lange stille gesessen dort oben im Himmel. Er hatte lange geschwiegen. Er hatte lange Zeit nur traurig den Kopf geschüttelt. Über die Verbiestertheit und Verklemmtheit seiner vielen Nachfolger. Aber in beschaulicher Betrachtung hat er sich die Weltenläufe hier unten angesehen. Und er wußte ja doch, daß seine Zeit letztlich noch kommen würde. Und siehe da - "ein Jahrhundert wie ein Wimpernschlag": Und schon war sie da, im Jahr 2015, seine Zeit. Und ganz, ganz leise, ganz, ganz sanft begann sich ein Schmunzeln auf seinem Gesicht auszubreiten, ganz sanft (1-6). Und allmählich fing er immer mehr an zu lächeln, allmählich mehr fing er sogar an zu lachen.


Abb. 2: Gustaf Kossinna im Gespräch mit Paul von Hindenburg, 27. August 1915 in Ostpreußen
(Abbildung aus Kossinna's Buch "Ursprung und Verbreitung ...", 1934, gleich neben dem Titelblatt)


Monat für Monat kamen neue Ancient-DNA-Studien heraus. Und mit jeder neuen Studie, die herauskam, wurde sein Lachen lauter und breiter und immer lauter und immer behaglicher. Und neben ihm, da saß der alte Hindenburg, der alte Knaster, Kriegshelden-Darsteller aus alter deutscher Heldenzeit, sein Freund (Abb. 2), vergrämt und verbittert und voller Mißtrauen über die Nachwelt. Und der wurde doch tatsächlich von dem Lachen seines Freundes Kossinna angesteckt. Und da lachten sie vereint. Und das Lachen wurde immer grausiger. Oh, so grausig.

Abb. 3: Gustaf Kossinna -
sein Nachname stammt aus Masuren
in Ostpreußen
Und jetzt schreiben wir schon das Jahr 2017. Monat für Monat kommen neue Ancient-DNA-Studien heraus. Kossinna und all die alten Kracher da oben im Himmel kommen gar nicht mehr nach mit dem Lesen, mit dem Studieren und mit dem Lachen. Ihr Lachen ist längst in ein schreckliches, furchtbares, brachiales, tösendes und tobendes Gelächter ausgeartet (7, 8). Dieser alte Kossinna da oben im Himmel, dieser Masure - "So zärtlich war doch sein Suleiken" (Wiki) - er führt Freudentänze auf und feiert Orgien, Orgien von Fröhlichkeit und Ausgelassenheit. Und sollte man es denken? Auch der alte Hindenburg hopst mit! Ja, wirklich. Er hopst mit! Und alle die Nachfahren von dem Kossinna, die deutschen Archäologen, sie stopfen sich - zutiefst erbost - die Ohren ob des ohrenbetäubenden Lärms da oben im Himmel.

Sie beginnen am Himmel selbst zu zweifeln, sie werden Ungläubige, Atheisten: Wenn selbst ein Kossinna in den Himmel kommt, wer ist dann noch davor gefeit, nicht auch noch mit ihm irgendwann im Himmel sitzen zu müssen? So fragen sie sich. Und sie rufen: Wahn, Wahn, die ganze Welt ist voller Wahn. Und sie werden ins Irrenhaus gesperrt .... Dort murmeln sie nur noch vor sich hin mit verdrehten Augen.

Dabei werden sich die jüngeren und geistig Beweglicheren unter deutschen Archäologen allmählich bewußt, daß sie eigentlich schon froh sein sollten, wenn ihnen der Gott der Wissenschaft nicht seine strafenden Blitze herab sendet auf ihr Haupt, um ihrer Jahrzehnte langen Verklemmtheiten und Verbiesterheiten willen, um derentwillen sie mit hohlem, politisch korrekten Uminterpretieren von Sachverhalten, die zu Tage lagen wie die helle Sonne, ständig so weiter gemacht hatten, Jahrzehnte lang, goutiert von allen Menschen, die "guten Willens sind" und die Völker nicht mehr Gedanken Gottes nennen können, sondern vom Teufel auf diese Erde gesandt, um Unfrieden zu stiften. Ach ja, die Welt ist wirklich nicht mehr so wie man sie sich wünschen möchte, so seufzen die Archäologen. Und wünschen sich zurück in die schöne Zeit der 1970er Jahre als ihre Welt, zumindest ihre Welt noch in Ordnung war ...**)

Blonde Haarfarbe vor 17.000 Jahren in Sibirien


Nun aber Schluß mit lustig und Geschichten erzählen. Butter bei die Fische. Kommt man doch tatsächlich kaum noch hinterher damit, all die neuen Erkenntnisse aus der Ancient-DNA-Forschung auszuwerten, die schon vorliegen. Und wird man tatsächlich einigermaßen irre dabei, das alles auszuwerten, was da an Sturzflüssen über einen herein bricht. Englischsprachige Wissenschaftsblogs werten schon fleißig und regelmäßig aus. Aber auf deutschsprachigen Wissenschaftsblogs ist gähnende Leere und Funkstille zu verspüren (abgesehen von dem vorliegenden Blog). Wie gesagt: Alle Archäologie-Beschäftigten verstopfen sich hier in Deutschland die Ohren, sie wollen es nicht hören, sie wollen, wollen, wollen nicht. Aber schon im März 2017 ist im Preprint eine neue Ancient-DNA-Studie von David Reich und zahllosen Mitarbeitern erschienen "The Genomic History of Southeastern Europe" (7). Genom-Daten von 204 neuen, archäologisch gewonnenen Individuen Osteuropas werden ausgewertet und in Bezug gesetzt zum bisher schon Bekannten. Die vielleicht umwälzendsten Ergebnisse dieser Studie findet man im Anhang (8). Diese sollen zuerst referiert werden. Denn ihnen gegenüber sind die anderen, auch umwälzenden Ergebnisse noch überwälzender. Denn: Sogar die Herkunft der blonden Haarfarbe der Nordeuropäer scheint sich nun aufzuklären. Sie ist schon 17.000 Jahre alt (8):
The derived allele of the KITLG SNP rs12821256 that is associated with - and likely causal for - blond hair in Europeans is present in one hunter-gatherer from each of Samara, Motala and Ukraine (I0124, I0014 and I1763), as well as several later individuals with Steppe ancestry. Since the allele is found in populations with EHG but not WHG ancestry, it suggests that its origin is in the Ancient North Eurasian (ANE) population. Consistent with this, we observe that the earliest known individual with the derived allele (supported by two reads) is the ANE individual Afontova Gora which is directly dated to 16130-15749 cal BCE (14710±60 BP, MAMS-27186: a previously unpublished date that we newly report here). We cannot determine the status of rs12821256 in Afontova Gora 2 and MA-1 due to lack of sequence coverage at this SNP.
Die blonde Haarfarbe tritt also nach derzeitigem Kenntnisstand zum ersten mal auf bei einem Individuum, das um 15.000 v. Ztr. bei Afontova Gora lebte. Es waren dies Mammutjäger, die am Jenissei bei Krasnojarsk in Sibirien lebten (Wiki), 4.100 Kilometer östlich von Moskau (Wiki). Dort finden seit 1912 Ausgrabungen statt. Die hier genannte Ausgrabungsstätte Samara steht für Vorfahren der Indogermanen (bzw. wohl schon für Indogermanen selbst), die Ausgrabungsstätte Motala in Mittelschweden (Anc. Orig. 2014, Academiasteht (vermutlich) für die Ertebolle-Kultur im Ostseeraum. In beiden Völkern gab es also Blonde. Und ebenso dann bei den Indogermanen selbst. Damit dürfte jetzt in Grundzügen die Ethnogenese der nordeuropäischen Völker zu verstehen sein. Solange die blonde Haarfarbe bei den osteuropäischen Jägern und Sammlern, bei den Ertebolle-Leuten und den Indogermanen nicht bekannt war, kam einem alles noch ein bisschen "spanisch" (will heißen: rätselhaft, verwirrend) vor. Von Interesse ist natürlich nun vor allem auch, ob es das C-Allel dieses SNP, das mit blonder Haarfarbe korreliert, auch schon bei den Trichterbecherleuten gab. Vielleicht wird künftig für die Betrachtung des Einflusses der Indogermanen und Germanen auf die Weltgeschichte rs12821256 auch sonst sehr erhellend sein. Schon jetzt findet man auf dem deutschen Wikipedia die nicht uninteressante Passage (Wiki):
Der blonde, hellhäutige und blauäugige Menschentyp (...) Nach antiker Quellenlage fanden sich solche Menschen auch in Nordafrika (Libysche Invasion in Ägypten 1227 v. Chr.), Zentralasien (Stamm der Yuezhi lt. chinesischer Quellen aus dem 2. Jh. v. Chr.) oder nördlich des schwarzen Meeres (Skythen nach Herodot, 5. Jh. v. Chr.).
Und auf dem englischen Wikipedia (Wiki) ist die Verbreitung von blonden Menschen in der griechischen und römischen Antike anhand von Kunstwerken und damaliger Literatur sogar schon überraschend ausführlich dokumentiert. Der griechische Dichter Homer beispielsweise nannte sehr viele Personen seiner Dichtung blond. Eine Fülle von antiken Darstellungen blonder Menschen in der Kunst ist auf dem Artikel dokumentiert (Wiki). Und bei der Durchsicht derselben erinnert man sich daran, daß die Verbreitung blonder Haare schon in den Büchern von Hans F. K. Günther eine nicht geringe Rolle spielte. Dort las man, daß siebzig Prozent der Menschendarstellungen auf den Wandmalereien in Pompeji hellhaarig waren. Und all diese Umstände zeigen, daß der spätantike Untergang indogermanischer Kulturen von den blonden Tocharern an der Seidenstraße über die Sogder und Perser bis zu den Griechen und Römern im Mittelmeerraum auch mit einer Veränderung der Häufigkeit eines bestimmten anthropologischen Typus einhergegangen ist. Das wird in den nächsten Jahren sicher auch noch deutlicher von der Ancient-DNA-Forschung aufgearbeitet werden.

Und da man ja zu allem immer auch noch einmal ein persönlicheres Verhältnis entwickelt, wenn man die erörterten Gensequenzen mit seinen eigenen vergleicht, noch ein Blick in den Rohdatensatz der Sequenzierung der Gene des Verfassers dieser Zeilen über "23andme", einsehbar auf OpenSNP. Der Verfasser dieser Zeilen hat braune Haare und er hat für rs12821256 TT, also die evolutionär ursprünglichere, nicht blonde Variante (s. OpenSNP, dort unter "other users" als "Ingo Bading" zu finden; s.a. SNPediaOMIM). "Dabei war ich doch als Kind so blond," könnte ich jetzt wie viele andere sagen. (Das ist aber eine typische Erscheinung bei hellhäutigen Menschen, die auf Wikipedia auch erörtert wird.) (Und - großer Mist: Im Rohdaten-Satz der Mutter des Verfassers dieser Zeilen, sequenziert vor einigen Wochen über "MyHeritage", lassen sich Angaben zu diesem SNP nicht finden. Immer weniger neigt man aufgrund solcher Beobachtungen dazu, "MyHeritage" zur Sequenzierung zu empfehlen, obwohl das dort gerade nur 39 Euro kostet. Aber die gelieferte Dateiform des Rohdatensatzes wird nicht von jeder Datenbank akzeptiert, was schon für sich sehr ärgerlich ist und erhöhten Aufwand mit sich bringt. Aber das nur nebenbei.)

Erwachsenen-Rohmilch-Verdauung vor 12.000 Jahren im Rhonetal

Auch zur Herkunft, Entstehung und Ausbreitung der angeborenen Erwachsenen-Rohmilch-Verdauung, für die sich Humangenetiker seit Jahrzehnten so stark interessieren, gibt es neue, allerdings noch nicht sehr stark abgesicherte Erkenntnisse:
The approximately 12,000 year old WHG individual Iboussieres-25 appears to carry the derived allele at the SNP rs4988235 that is strongly associated with lactase persistence in present-day Northern Europeans. Four reads at this SNP all carry the derived allele, although we caution that this is a C>T SNP in a non-UDG treated sample and so might be affected by deamination, and two reads at neighboring SNPs do not support the persistence haplotype, at least in a homozygous state (Supplementary Figure S2.3). The observation of this allele, long before domestication and dairying, would be surprising, but might be consistent with observation of lactase persistence in early Neolithic populations in Iberia and Sweden - observations that were themselves surprising based on the absence of persistence in large samples of Anatolian Neolithic and LBK individuals. One possibility is that the allele was widely distributed at low frequencies before being strongly selected in the Bronze Age, perhaps due to the spread of dairying.
Erwachsenen-Rohmilch-Verdauung könnte also schon bei westeuropäischen Jäger-Sammlern um 10.000 v. Ztr. im Rhone-Tal westlich der Alpen vorgelegen haben. Und deshalb überraschend früh auch bei den Trichterbecherleuten, den ersten Bauern in Skandinavien. Daß es die Trichterbecherleute bei ihrer Milchviehhaltung brauchten, ist nachvollziehbar, aber wozu brauchten die dieses Gen vor 12.000 Jahren im Rhone-Tal? Das ist in der Studie nicht weiter behandelt, aber es kann gefragt werden: Haben die sich etwa von ihren Frauen auch noch im Erwachsenenalter "stillen" lassen? Eine solche Möglichkeit könnte ja auch einmal völkerkundlich aufgearbeitet werden. Erinnert man sich doch daran, daß Frauen auf Papua Neuguinea auch kleine Schweinchen, die im Haushalt leben, stillen. Und immerhin ist ja ein solches Geschehen unter Erwachsenen - als "Caritas Romana" - in der europäischen Kunstgeschichte, auch in der christlichen immer wieder einmal thematisiert worden (Wiki). Und 1903 wurde von einem Carl Buttenstedt regelmäßiges Trinken an den Brüsten der Ehefrau sogar zur Empfängnisverhütung vorgeschlagen (Wiki). Na, wenn das keine Idee ist.

Helle Haut und blaue Augen bei den Ertebolle-Fischern an der Ostsee


Allgemeiner schreiben die Wissenschaftler über die west- und osteuropäischen (mesolithischen) Jäger-Sammler-Populationen (7):
There is also substructure in phenotypically important variants (Supplementary Information Note 2).
Und über diese phänotypische Varianz heißt es im Anhang (8):
At least some Mesolithic hunter-gatherer groups had combinations of phenotypes that are unusual in present-day populations. In particular, western European hunter-gatherers (WHG) typically lacked the variants that contribute to light skin pigmentation in present-day Europeans, though the OCA2/HERC2 variant that is the major determinant of light (including blue) eye color was common.
Die westeuropäischen Mesolithiker hatten also - wie man schon aus anderen Studien erfahren hatte - dunkle Haut und blaue Augen, eine ungewöhnliche Kombination. Die Gründe für diese auffallende Merkmalskombination könnten in einem genetischen Flaschenhals-Ereignis gefunden werden. Heißt es doch weiter:
Mesolithic hunter-gatherers have been shown to have had lower genetic diversity than either Neolithic farmers, or present-day Europeans.
Die mesolithischen Gruppen waren also intern genetisch einheitlicher als die nachfolgenden Bauern und die heutigen Europäer. Die genetischen Daten legen nahe
a stronger bottleneck in WHG relative to EHG
also ein stärkeres populationsgenetisches Flaschenhals-Ereignis für die westeuropäischen Mesolithiker als für die osteuropäischen. Sie gingen also aus einer kleineren Gründerpopulation hervor als die osteuropäischen und waren deshalb genetisch noch einheitlicher als die osteuropäischen. Das werden populationsgenetische Flaschenhals-Ereignisse am Ende der Eiszeit und bei der Ausbreitung des Waldes in Mitteleuropa gewesen sein. Oder sie sind noch älter? Weiter:
We show that Mesolithic and Neolithic individuals from Ukraine, Latvia and the Iron Gates had, like Scandinavian and Eastern hunter-gatherers, intermediate to high frequencies of the derived skin pigmentation allele at SLC24A5. Unlike Scandinavian and Eastern hunter-gatherers, however, they have low frequency of the derived SLC45A2 allele.
Wenn ich das recht verstehe, hatten also die skandinavischen und osteuropäischen Mesolithiker (sprich Ertebolle-Kultur und zeitgleiche) helle Hautfarbe sogar aufgrund von zwei Genvarianten, die weiter südlicher lebenden ebenfalls helle Hautfarbe, aber nur aufgrund einer Genvariante. Beide kombinierten helle Hautfarbe mit blauen Augen. Bei ihnen war also tatsächlich schon jener heutige nordeuropäische Phänotyp vorhanden, der bei den zuwandernden mediterranen Bauern doch offenbar nicht vorhanden war. Weiter:
The derived OCA2/HERC2 allele associated with light (particularly blue) eye color is common in WHG, SHG, and hunter-gatherers from Latvia, but at low frequency in hunter-gatherers from Ukraine and the Iron Gates. 
Blaue Augen gab es also bei den Mesolithikern im Norden Europas - aber nicht so häufig in der Ukraine und am Eisernen Tor im Donauraum. So langsam formt sich von der Ancient-DNA-Forschung her ein Bild, das mit allen uns bekannten historischen Erscheinungen nun endlich auch zusammen paßt. Weiter heißt es über die blaue Augenfarbe:
This allele appears to be differentiated in a North-South gradient, as it is today - suggesting the possibility of long-term balancing selection due to geographic variation in selective pressure. The WHG phenotype of light eye and dark skin pigmentation thus appears to be restricted to western Europe and is far from universal in European hunter-gatherers, with light skin pigmentation common in Northern and Eastern Europe before the appearance of agriculture.
Ja, jetzt ist das Bild allmählich "rund". Vieles, was man bis dato noch nicht richtig hatte einordnen können, was irgendwie "counter-intuitive" war, würde sich damit klären.

Typisch ostasiatische genetische Merkmale bei den Ertebolle-Fischern an der Ostsee


Jene Variante des EDAR-Gens, das bei den Ostasiaten dickeres Haar, eine größere Zahl von Schweißdrüsen in der Haut, kleinere Brüste und die bei ihnen typischen Zahnmerkmale hervorruft (ganz schön viel für eine Genvariante!) (Wiki), fand sich schon in einer Ancient-DNA-Studie aus dem Jahr 2015 bei drei (von sechs) Individuen in Motala in Schweden (also Ertebolle) (5.900-5.500 v. Ztr.), dann bei zwei Individuen der urindogermanischen Afanasevo-Kultur in Sibirien (3.300-3.000 v. Ztr.) und bei einem Skythen (400-200 v. Ztr.). Damit in Übereinstimmung findet es sich nun auch bei einem mittelneolitischen Letten:
The derived allele of rs3827760 in EDAR, which is common and has been a target of strong selection in the ancestors of present-day East Asians, is present in a single copy in one Middle Neolithic individual from Latvia (I4435), consistent with previous observations of the allele in hunter-gatherers from Motala in Sweden. This continues to support the possibility that this allele may have originated in the Ancient North Eurasians and not in ancestral East Asians.
Nun, man möchte meinen, daß nach den bisherigen Zeitstellungen dieser Variante die Möglichkeit auch nicht ausgeschlossen sein muß, daß sie sich mit der Keramik, mit der Hirse und mit der osteuropäischen Hausmaus von Ostasien aus unter den Völkern Osteuropas ausgebreitet haben könnte. Aber diesbezüglich wird wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen sein.

Innereuropäische Wanderungen und Vermischungen im vorneolithischen Mesolithikum?


Nach diesem einleitenden Blick in den "phänotypischen" Anhang zurück in die Hauptstudie. Über die ausgewerteten Genreste in Menschenknochen der Ukraine wird gesagt (7):
On the cline from WHG- to EHG-related ancestry, the Mesolithic individuals fall towards the East, intermediate between EHG and Mesolithic hunter-gatherers from Sweden (Figure 1B). 
Also die ukrainischen Mesolithiker stehen auf der Mitte zwischen skandinavischen und osteuropäischen Mesolithikern. Ob es da zuvor eine Vermischung gegeben hat? Sind Leute der Ertebolle-Kultur Richtung Süden gewandert oder umgekehrt? Hier stellen sich - meines Wissens - ganz neue Fragehorizonte an die Archäologie. Nach einer noch neueren archäogenetischen Studie aus dem Juli 2017 (13) betrug der genetische Anteil der nordosteuropäischen Mesolithiker im Norden und Westen Skandinaviens 55 % und auf den Ostseeinseln und in Lettland 35 %. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wird vorgeschlagen, daß das eisfreie Skandinavien, vor allem die Südküste der Ostsee erst von den mittel-, bzw. westeuropäischen Mesolithikern besiedelt wurde, und daß später die Nordküste der Ostsee von osteuropäischen Mesolithikern besiedelt wurde. Beide Gruppen hätten sich dann im Ostseeraum miteinander vermischt (13):
The SHGs from northern and western Scandinavia show a distinct and significantly stronger affinity to the EHGs compared to the central and eastern SHGs. Conversely, the SHGs from eastern and central Scandinavia were genetically more similar to WHGs compared to the northern and western SHGs.
Und weiter zum ukrainischen Neolithikum (7):
The Neolithic population has a significant difference in ancestry compared to the Mesolithic (Figures 1B, Figure 2), with a shift towards WHG shown by the statistic D (Mbuti, WHG, Ukraine_Mesolithic, Ukraine_Neolithic); Z=8.9 (Supplementary Information Table 2).
Das Neolithikum (das hier nur Keramik und noch nicht Ackerbau bedeutet haben wird) soll im Zusammenhang mit einer Zuwanderung durch westeuropäische Mesolithiker entstanden sein. Diese westeuropäischen Mesolithiker waren überhaupt weit verbreitet, nämlich in einem Gebiet zwischen Sizilien im Süden, dem Balkan im Osten und dem Atlantik im Westen, sowie im Norden bis Luxemburg, Skandinavien und Lettland (7). Damit würden viele bislang doch als sehr eigenständige und unterschiedlich angesprochene europäische Fischer-Kulturen (Wiki) als genetisch sehr einheitlicher Herkunft aufgezeigt werden. Vierzig Individuen aus der Gegend des Eisernen Tors im Donauraum konnten in dieser Studie neu untersucht werden. Sie haben 85 % westeuropäische und 15 % osteuropäische Gene. Wie kann man sich die Ausbreitung dieser westeuropäischen Mesolithiker vorstellen? Mitteleuropa war ja flächendeckend mit Wald bedeckt. Vornehmlich kann das über Gewässer vonstatten gegangen sein. In der Endzeit des Mesolithikums hat sich im westlichen Teil dieser Region die sagenumwobene La-Hougette-Keramik (Wiki) ausgebreitet.

Der Donauraum im Frühneolithikum - Auch hier gab es in Rückzugsräumen einheimische Fischer


So weit zum Mesolitikum. Nun zum Neolithikum. Im folgenden wird dazu schon viel vorausgesetzt, was in früheren Blogbeiträgen behandelt worden ist (14-16) und es wird nur noch zusätzlich das referiert, was an neuen Erkenntnissen durch die neue Studie (7) hinzu kommt. Auch bei Lepenski Vir an der Eisernen Pforte in Serbien im Donauraum finden sich Mischbevölkerungen, die hauptsächlich von Fischen leben neben rein medierranen Bauernvölkern, die bäuerliche Ernährung haben. Ähnliche Verhältnisse also wie sie schon aus der Blätterhöhle in Westfalen und am Schweriner See im Ostseeraum im Früh- bis Mittelneolithikum bekannt geworden waren. Die Einheimischen lebten weiter ihren bisherigen Lebensstil in Rückzugsräumen, vermischten sich aber auch mit den Zuwanderern. Da sie aber viel kleinere Populationsgrößen hatten, war ihr genetischer Anteil auch in späteren Generationen der Zuwanderer zunächst nicht sehr groß. Solche Mischbevölkerungen scheinen sich als Ausnahmen auch anderswo auf dem Balkan zu finden, wo aber ansonsten - wie auch sonst in Europa - eine einheitliche mediterrane Bauernbevölkerung siedelt.

In der Kupferzeit steigt auch in den Bauernkulturen des Balkanraumes wieder der Genanteil der einheimischen Bevölkerung. Überall ein ähnliches Bild. Verrückt. Gleichzeitig tritt damit wieder vermehrt Grablegung in Rückenlage auf wie bei den Mesolithikern, während die mediterranen Bauern Hockerlage kannten.

Die Pelasger im Peloponnes stammen aus dem Kaukasus


Eine besondere Geschichte ist auf der Peloponnes in Griechenland zu finden. Hier fanden sich fünf bäuerliche Individuen mit einer genetischen Herkunft von Jäger-Sammlern aus dem Kaukasus ("Caucasus Hunter Gatherers" = CHG)! Darüber heißt es (7):
D-statistics (Supplementary Information Table 2) show that in fact, these "Peloponnese Neolithic" individuals dated to ~4000 BCE are shifted away from WHG and towards CHG, relative to Anatolian and Balkan Neolithic individuals. We see the same pattern in a single Neolithic individual from Krepost in present-day Bulgaria (I0679_d, 5718-5626 BCE). An even more dramatic shift towards CHG has been observed in individuals associated with the Bronze Age Minoan and Mycenaean cultures, and thus there was gene flow into the region from populations with CHG-rich ancestry throughout the Neolithic, Chalcolithic and Bronze Age. Possible sources are related to the Neolithic population from the central Anatolian site of Tepecik Ciftlik, or the Aegean site of Kumtepe, who are also shifted towards CHG relative to NW Anatolian Neolithic samples, as are later Copper and Bronze Age Anatolians.
Aus Mittelanatolien haben sich also bäuerliche Kulturen nach dem Peloponnes und nach Bulgarien ausgebreitet unabhängig von der sonst in Europa zu beobachtenden Ausbreitung der nordwestanatolischen Bauern. Und diese Bevölkerungen scheinen auch die Ausgangspopulation gewesen zu sein für die Besiedelung Kretas in minoischer und mykenischer Zeit. Also sind das doch die - - - Pelasger (Wiki)! Man hütet sich in der Studie, ihren Namen zu nennen. Aber sie stehen doch wie der Elefant, den keiner zu nennen wagt, mitten im Raum. Unglaublich faszinierende Geschichten. Geschichten, die oft die betreffenden Völker selbst von sich gar nicht gewußt haben werden. Oder können die Pelasger gewußt haben, daß sie aus dem Kaukasus stammten?

Männer machten die Geschichte - Auch im Mittelneolithikum


Außerdem wird ausgeführt, daß der Wiederanstieg der einheimischen Genfrequenzen in den mittelneolithischen Kulturen Europas insgesamt mehr auf Männer als auf Frauen zurück zu führen ist (7). Natürlich haben wieder einmal die Männer die untergehende Bandkeramik bekriegt und unterworfen, die Männer häufiger als die Frauen getötet und die Frauen geheiratet. Klar, so machte man das doch als Mann und Krieger bis in antike Zeiten hinein. Für die Schnurkeramiker wurde das ja schon früher festgestellt.

Abb. 4: Ausbreitung der anatolisch-neolithischen Bauern nach Mitteleuropa (rot) und in die Ukraine (blau)
(Herkunft: Archaeo3D, Institut für Archäologie, Prag) 

Ab 6.000 v. Ztr. breitete sich - ausgehend von der Starcevo-Kultur auf dem Balkan, die Körös-Kultur (Wiki) nach Ungarn und im Karpatenbecken aus. Am Plattensee in Ungarn entstand aus ihr um 5.700 v. Ztr. die völlig neue Kultur der Bandkeramik mit ihren Langhäusern. Ihr östlicher Zweig wird die Alföld-Linearkeramik (Wiki) bezeichnet. Sie ist ebenfalls durch Langhäuser gekennzeichnet. Letztere breitete sich - zeitgleich zur mitteleuropäischen Bandkeramik - 5.500 bis 4.900 v. Ztr. entlang des Nordrandes der Karpaten nach Süden Richtung in der heutigen Ukraine aus. Um 4.900 v. Ztr. löste sich europaweit die Bandkeramische Kultur in Nachfolgekulturen auf. In Ungarn etwa bildete sich die Lengyel-Kultur, in der erstmals archäologisch Volkssternwarten auftreten, also die tempelartigen "Kreisgrabenanlagen" (Wiki), die mit astronomischen Bezügen errichtet wurden und deren berühmteste Stonehenge werden sollte. Es dürfte von nicht geringem Interesse sein, daß auch diese Kreisgrabenanlagen, die später von den indogermanischen Zuwanderern weiter benutzt worden sind (auch Stonehenge), nicht selbst indogermanischen Ursprungs waren, sondern erstmals von den Nachkommen der anatolisch-neolithischen Bauern des Frühmittelneolithikums errichtet wurden, also nachdem sie sich mit noch ein paar mehr europäischen Jäger-Sammler-Nachkommen vermischt hatten als die Bandkeramiker.

In der Bukowina am Ostrand der Karpaten, im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Rumänien und der heutigen Ukraine entstand um diese Zeit die berühmte großartige, außerordentlich eindrucksvolle Cucuteni-Tripolye-Kultur (4.800-3.000 v. Ztr.) (Wikiengl.). Sie breitete sich von dort über 500 Kilometer hinweg nach Osten aus über den Dnjestr hinweg bis zum Dnjepr. In ihrer mittleren Phase, um 4.000 v. Ztr., brachte sie ihre auffälligen, bemerkenswerten "Großsiedlungen" (Abb. 5) hervor, um der sie bekannt geworden ist. In ihrer Endphase, um 3.500 v. Ztr., wurde vermutlich von ihr der von Rindern gezogenen Wagen erfunden. Nach der hier erörterten archäogenetischen Studie vom Mai 2017 könnte sie auch an der Domestikation des Pferdes beteiligt gewesen sein (was ja nicht so fern liegt, wenn man schon einmal Rinder als Zugtiere benutzt).

4.900 v. Ztr. - Die Sredny-Stog-Kultur in der Ukraine war nicht indogermanisch


Menschen der Cucuteni-Kultur, bzw. ihre Verwandten finden sich jedenfalls 4.900 v. Ztr. an dem berühmten Ausgrabungsort Dereivka (Wiki) am Westufer des Dnjepr (7): 
Unexpectedly, one Neolithic individual from Dereivka (I3719), which we directly date to 4949-4799 BCE, has entirely NW Anatolian Neolithic-related ancestry.
Die dortigen Funde werden der Sredny-Stog-Kultur zugerechnet, die damit dem Völkerkreis der anatolisch-neolithischen Völker zuzurechnen ist und erst später von der indogermanischen Yamnaja-Kultur überlagert wurde. So weit nach Osten also drangen die mediterranen Bauern in der Ukraine vor. Und "überraschender Weise" heißt es in der neuen Archäogenetik-Studie vermutlich, weil nach der Meinung vieler Archäologen Dereivka als der Ort der Pferdedomestikation angesehen wird. Insbesondere David Anthony hat diese Meinung mit guten Gründen vertreten (Wiki):
This site is known primarily as a probable site of early horse domestication due to a high percentage of horse bones found at the site. (...) Of interest is some apparently equivocal evidence for fenced houses. Two cemeteries are associated, one from the earlier (neolithic) Dnieper-Donets culture and one from the Sredny Stog culture, of the Copper Age. The habitation site included three dwellings and six hearths, each containing hundreds of animal bones. Of all the bones, approximately 75% came from horses, possibly exploited by the inhabitants only as food staple. As a part of the Sredny Stog complex, it is considered to be very early Indo-European, and probably, Proto-Indo-European, within the traditional context of the Kurgan hypothesis of Marija Gimbutas, though Sredny Stog is itself pre-kurgan as to burial rite.
Ja, und nun weist die Archäogenetik zunächst einmal die Vermutung zurück, daß die Sredny Stog-Kultur indogermanisch wäre. Erst ab 3.600 v. Ztr. kamen an diesen Ort die Indogermanen, obwohl Indogermanen schon ab 4.700 v. Ztr. in Varna in Bulgarien zu finden sind (siehe unten). Beide Daten deuten darauf hin, was sich auch schon in der Archäologie angedeutet hatte, jetzt aber bestätigt ist, daß schon die Vorgänger-Kultur der Yamnaya expansiv war (7):
Two Copper Age individuals (I4110 and I6561, Ukraine_Eneolithic) from Dereivka and Alexandria dated to ~3600-3400 BCE (and thus preceding the Yamnaya complex) have mixtures of steppe- and NW Anatolian Neolithic-related ancestry (Figure 1D, Supplementary Data Table 2).
Es kam also ab 3.600 v. Ztr. zur Vermischung der östlichen Indogermanen mit den ansässigen Bauern mediterraner Herkunft. Und man ist jetzt sehr gespannt, wie der Archäologe David Anthony als einer der besten Kenner der dortigen Archäologie diese neuen Daten dem bisherigen Wissen zuordnen wird. Er hat jetzt überhaupt viel zu tun, seit genetische Verbindungen der Indogermanen nach dem Kaukasus bekannt geworden sind. Aber schauen wir uns nun einmal die eindrucksvolle Kultur an, die da westlich der Indogermanen in der Ukraine entstanden war als Nachfolgekultur der Bandkeramik.

5.000 v. Ztr. - Die Cucuteni-Tripolie-Kultur war nicht indogermanisch


Dort war nämlich eine außerordentlich eindrucksvolle bäuerliche Kultur entstanden, nämlich die berühmte Cucuteni-Tripolye-Kultur (5.500-3.500 v. Ztr.) (Wikiengl.) mit ihren auffälligen, bemerkenswerten "Großsiedlungen" (Abb. 4). Sie war mediterraner Abstammung, es sind noch keine Indogermanen in dieser nachgewiesen worden  (7):
Four individuals associated with the Copper Age Trypillian population have ~80% NW Anatolian- related ancestry (Supplementary Table 3), confirming that the ancestry of the first farmers of present-day Ukraine was largely derived from the same source as the farmers of Anatolia and western Europe. Their ~20% hunter-gatherer ancestry is intermediate between WHG and EHG, consistent with deriving from the Neolithic hunter-gatherers of the region.
Die Kultur erstreckte sich vom Ostrand der Karpaten bis zum südlichen Bug. Und insbesondere die englischsprachigen Wikipedia-Artikel über sie berichten schon sehr differenziert und ausführlich. Sie ging - wie die Bandkeramik - sowohl kulturell wie genetisch aus der Starcevo-Körös-Kultur des Balkans hervor. Sie hat wie die beiden anderen genannten ersten Bauernkulturen Europas ursprünglich mediterraner Herkunft vor allem Muttergottheiten (Fruchtbarkeitsgöttinnen) abgebildet in Figurinen. Sie entstand etwa zeitgleich wie die Bandkeramik, wies aber eine überraschend längere gesellschaftliche und kulturelle Stabilität auf. Auf Wikipedia heißt es:
Throughout the 2,750 years of its existence, the Cucuteni-Trypillia culture was fairly stable and static.

Abb. 5: Typische Stadtsiedlung der Cucuteni-Tripolye-Kultur in der Ukraine, um 4.000 v. Ztr.
Design: Kenny Arne Lang Antonsen (Herkunft: Wiki)

Mit Bezug auf die hier im Blogartikel vor allem erörterte Studie (7) heißt es über diese Kultur auf Wikipedia  (Wiki):
A 2017 ancient DNA study found evidence of genetic contact between the Cucuteni-Trypillia culture and steppe populations from the east from as early as 3600 BCE, well before the influx of steppe ancestry into Europe associated with the Yamnaya culture.
Davon war ja oben hinsichtlich von Dereijvka am Dnjepr schon die Rede. Über die soziale Komplexität der Cucuteni-Kultur ist zu erfahren (Wiki engl.):
Like other Neolithic societies, the Cucuteni-Trypillia culture had almost no division of labor. Although this culture's settlements sometimes grew to become the largest on Earth at the time (up to 15,000 people in the largest), there is no evidence that has been discovered of labour specialisation. Every household probably had members of the extended family who would work in the fields to raise crops, go to the woods to hunt game and bring back firewood, work by the river to bring back clay or fish and all of the other duties that would be needed to survive. Contrary to popular belief, the Neolithic people experienced considerable abundance of food and other resources. (...) The primitive trade network of this society, that had been slowly growing more complex, was supplanted by the more complex trade network of the Proto-Indo-European culture that eventually replaced the Cucuteni-Trypillia culture.
Auch entwickelte sie womöglich noch komplexere gesellschaftliche Strukturen als die Bandkeramik. Denn sie bildete spätestens um 4.000 v. Ztr. in der Ukraine stadtartige Siedlungen aus, sogenannte "Megasite"'s. Eine solche komplexe Siedlungsweise wird - wie die Bandkeramik - die Hausmaus aufgewiesen haben. Und wenn um diese Zeit die osteuropäische Hausmaus schon in Varna zugange war, wird sie auch in diese Megasite's zugange gewesen sein.



4.700 v. Ztr. - Die ersten Indogermanen in Varna in Bulgarien


Und nun finden sich die ersten indogermanischen Gene in Varna in Bulgarien, diese Region gehört zum westlichen Teil der Cucuteni-Tripolje-Kultur (7):
In two directly dated individuals from southeastern Europe, one (ANI163) from the Varna I cemetery dated to 4711-4550 BCE and one (I2181) from nearby Smyadovo dated to 4550-4450 BCE, we find far earlier evidence of steppe-related ancestry (Figure 1B,D). These findings push back the first evidence of steppe-related ancestry this far West in Europe by almost 2,000 years, but it was sporadic as other Copper Age (~5000-4000 BCE) individuals from the Balkans have no evidence of it. Bronze Age (~3400-1100 BCE) individuals do have steppe-related ancestry (we estimate 30%; CI: 26-35%), with the highest proportions in the four latest Balkan Bronze Age individuals in our data (later than ~1700 BCE) and the least in earlier Bronze Age individuals (3400-2500 BCE; Figure 1D).
Schon in der Zusammenfassung der Studie (Abstract) hieß es am Anfang (7):
... steppe ancestry in individuals from the Varna I cemetery and associated with the Cucuteni-Trypillian archaeological complex, up to 2,000 years before the Steppe migration replaced much of northern Europe's population.
Über die genetische Herkunft der Indogermanen heißt es in dieser Studie wieder etwas genauer:
Steppe-related ancestry itself can be modeled as a mixture of EHG-related ancestry, and ancestry related to Upper Palaeolithic hunter-gatherers of the Caucasus (CHG) and the first farmers of northern Iran.
Also sowohl Jäger und Sammler, wie Bauern aus dem Kaukasus und dem nördlichen Iran sollen genetisch Einfluß genommen haben auf die nördlich lebenden osteuropäischen Jäger und Sammler bei der Ethnogenese der Indogermanen.

Jedenfalls: Wenn es 4.700 v. Ztr. schon Indogermanen in Varna gab, aber im Zwischenraum die Cucuteni-Tripolya-Kultur die bisherige (mediterrane) Genetik aufweist, dann müssen indogermanische Eroberer-Gruppen diesen Kulturraum umgangen haben bei ihrer Expansion nach Varna. Da wird man künftig sicher noch vieles Neue erfahren über die Wechselbeziehungen zwischen Indogermanen und Cucuteni-Tripolije-Kultur. Auch scheint der Zuwanderer-Anteil der Indogermanen in Varna im ersten Jahrtausend ihrer dortigen Anwesenheit nicht sehr hoch gewesen zu sein. Vielleicht findet man den dann auch andernorts erst noch später? Er stieg jedenfalls in Bulgarien erst in der Bronzezeit an, entweder also durch weiteren Zuzug oder durch größere Kinderzahlen der schon früh Zugewanderten.

Keine frühen Indogermanen in Anatolien


Die Forscher finden keine Hinweise darauf, daß die Indogermanen zu dieser frühen Zeit nach Anatolien eingedrungen wären, wodurch wiederum eine Theorie zum Ursprung der indogermanischen Sprachen wiederlegt ist (die "anatolische"). Dazu schreiben nun David Reich und Mitarbeiter (7):
An alternative hypothesis is that the ultimate homeland of Proto-Indo-European languages was in the Caucasus or in Iran. In this scenario, westward movement contributed to the dispersal of Anatolian languages, and northward movement and mixture with EHG was responsible for the formation of a “Late Proto-Indo European”-speaking population associated with the Yamnaya Complex.
Das dürfte noch eine ziemlich kühne These sein. Aber bei David Reich weiß man nie ... Meistens weiß er schon mehr als er sagt und schreibt. Auf welche Sprachstammbaum-Theorien diese Ausführungen sich beziehen (anatolische indogermanische Sprachen, die sich abspalteten vor den "späten Proto-Indoeuropäischen Sprachen"?), das müßte noch herausgesucht werden.

3.100 v. Ztr. - 2.700 v. Ztr. - Die Kugelamphoren-Kultur war nicht indogermanisch


Die berühmte litauisch-US-amerikanische Archäologin Marija Gimbutas (1921-1994) (Wiki), die Begründerin der Kurgan-Hypothese zur Herkunft der Indogermanen (Wiki), die sich heute in sehr weitgehendem Maße als bestätigt erwiesen hat, hatte außerdem noch angenommen, daß die Schnurkeramiker aus ihrer Vorgängerkultur, der Kugelamphoren-Kultur (Wiki) (engl. Globular Amphora Complex), hervorgegangen wären. Diese Annahme wird durch die genetischen Daten nicht (!) bestätigt (7). Es finden sich bei den Angehörigen der Kugelamphoren-Kultur - wie sonst im europäischen Mittelneolithikum - erhöhte einheimische Genanteile vermischt mit mediterranen Genanteilen, aber keinerlei indogermanische Gene. - Es wird wohl keinen Archäologen der Geschichte geben, dessen Theorien alle zu 100 Prozent bestätigt wurden durch die weiteren Entwicklungen in der Forschung. Weder gilt das für den lachenden Herrn Gustaf Kossinna, der sich die Urheimat der Indogermanen bestimmt nicht an der Wolga vorgestellt hat. Noch auch gilt das für die ähnlich derzeit lachende Marija Gimbutas. Mich wundert sowieso, daß die deutschen Archäologen alle den Kossinna in ihren Ohren lachen hören. Warum schreiben sie keine Aufsätze mit dem Titel "Gimbuta's smile"? Das fände ich viel naheliegender. Ihre Kurgan-Theorie wurde im Wesentlichen erst nach 1945 vertreten und veröffentlicht und war schon viel dichter auch am heutigen Forschungsstand dran als ausgerechnet der olle Kossinna. Und auch Frau Gimbutas ging doch von Völkern aus. Aber manche Traumata der (Wissenschafts-)Geschichte wirken so stark nach, daß sie sich nur an einen Namen heften, mag er auch noch so alt sein. In diesem Fall an den Namen Gustaf Kossinna.

[27.11.17] Der Name Kossinna wird wohl tatsächlich im Unterbewußtsein aller deutschen Archäologen verbunden sein mit einer Gedanken-"Versuchung", die wohl alle von ihnen schon verspürt hatten, die sie aber alle sehr heftig unterdrückt hatten. Das wird der Grund für ihre derzeitige starke emotionale Reaktion sein. - Aber dennoch interessant, wie Frau Gimbutas auf ihre Vermutungen hinsichtlich der Kugelamphoren-Kultur gekommen ist, nämlich aufgrund von Tierbeigaben in Gräbern, die auch hier auf dem Blog schon Thema waren (11) und aufgrund von unterstellter Witwenverbrennung. Es sind nämlich - laut deutschem Wikipedia - viel mehr Männer- als Frauengräber bekannt aus der Kugelamphorenkultur. Und so lesen wir derzeit auf dem englischen Wikipedia (Wiki):
The inclusion of animals in the grave is seen as an intrusive cultural element by Marija Gimbutas. The practice of suttee, hypothesized by Gimbutas is also seen as a highly intrusive cultural element. The supporters of the Kurgan hypothesis point to these distinctive burial practices and state this may represent one of the earliest migrations of Indo-Europeans into Central Europe. In this context and given its area of occupation, this culture has been claimed as the underlying culture of a Germanic-Baltic-Slavic continuum.
Ich weiß nicht, ob es zu der Zeit von Gimbutas schon so gut bekannt war. Aber heute ist ja recht gut bekannt, daß sich die Benutzung von Rinderwagen ab 3.100 v. Ztr., also 300 Jahre vor Auftreten der Schnurkeramiker in der Trichterbecher- und in der zeitgleichen Kugelamphorenkultur ausbreitete, also in einer Region vom Schwarzen Meer bis nach Dänemark (11). Und mit dieser auch die Grablegung von Rinderwagen und ihrer nun also offenbar männlichen Lenker (11). Weiterhin dürfte es allerdings von Interesse sein zu fragen, ob nicht dennoch die sich darin spiegelnden veränderten sozialen Verhältnisse in irgendeinem Zusammenhang stehen mit Kulturentwicklungen rund um die Indogermanen, die ja immerhin schon 1500 Jahre früher die Königsherrschaft in Varna in Bulgarien angetreten hatten. Im Mittelpunkt der Betrachtung scheint hier stehen zu müssen die Endzeit der schon erwähnten großartigen Cucuteni-Kultur in der Ukraine, die im Untergang den nachfolgenden Völkern den Rinderwagen "geschenkt" hat wie es scheint. Auf Wikipedia ist zu lesen (Wiki):
Die späte Cucuteni-Kultur verfügte über Ochsenkarren mit Scheibenrädern. Die ältesten Hinweise auf den Gebrauch von Wagen stammen aus der Zeit vor 3500 v. Chr. In der West-Ukraine und Moldawien fand man Gefäße in Tiergestalt auf Schlittenkufen, die für das Durchstecken von Achsen mit Tonrädern durchlocht waren.
Und dann ist über den Untergang dieser großartigen Kultur zu erfahren (Wiki):
In his 1989 book "In Search of the Indo-Europeans", Irish-American archaeologist J. P. Mallory, summarising the three existing theories concerning the end of the Cucuteni-Trypillia culture, mentions that archaeological findings in the region indicate Kurgan (i.e. Yamna culture) settlements in the eastern part of the Cucuteni-Trypillia area, co-existing for some time with those of the Cucuteni-Trypillia. Artifacts from both cultures found within each of their respective archaeological settlement sites attest to an open trade in goods for a period, though he points out that the archaeological evidence clearly points to what he termed "a dark age," its population seeking refuge in every direction except east. He cites evidence of the refugees having used caves, islands and hilltops (abandoning in the process 600-700 settlements) to argue for the possibility of a gradual transformation rather than an armed onslaught bringing about cultural extinction. (...) The kurgans that replaced the traditional horizontal graves in the area now contain human remains of a fairly diversified skeletal type approximately ten centimetres taller on average than the previous population.
Vielleicht deuten sich hier jene Vermischungen an, die ja auch die Ancient-DNA-Daten nahelegen. Jedenfalls breitet sich in der Endphase der Cucuteni-Kultur die Benutzung von Rinderwagen bis nach Norddänemark aus und damit einhergehend offenbar Königsherrschaften. [Ende Einfügung 27.11.17] Eine noch viel neuere Ancient-DNA-Studie vom 10. November 2017 - allerdings nur aufgrund der mitochondrialen DNA - findet noch um 3.500 v. Ztr. in einer Höhle am Fluß Seret (9) Bauern nordwest-anatolisch-neolithischer Abstammung. Sie liegt 460 Kilometer südwestlich des heutigen Kiew (9) (Wiki) (9):
Farmers before and after 6,500 yrBP in Europe had haplogroups W, HV*, H, T, K, and these are also found in individuals buried at Verteba Cave 13 (Table 5). Therefore, our data point to a common ancestry with early European farmers.
Aber die hier vor allem erörterte archäogenetische Studie aus dem Mai 2017 weist auf den Untergang der Cucuteni-Kultur 500 Jahre später hin (7):
We report three Yamnaya individuals (...) from Ukraine and Bulgaria and show that while they all have high levels of steppe-related ancestry, one from Ozera in Ukraine and one from Bulgaria (I1917 and Bul4, both dated to ~3000 BCE) have NW Anatolian Neolithic-related admixture, the first evidence of such ancestry in Yamnaya-associated individuals (Figure 1B,D, Supplementary Data Table 2).
Das heißt, die Cucuteni-Kultur ging um 3.000 v. Ztr. unter, aber die ihr nachfolgenden Indogermanen vermischten sich mit Angehörigen derselben. Auf dem Balkan ergab sich dann für die Bronzezeit ab etwa 3.000 v. Ztr. 27 % genetischer Steppen-Anteil neben 67 % anatolisch-neolithischem Anteil und 5 % genetischem westeuropäischem Jäger-Sammler-Anteil (siehe gleich).

Prozentangaben zu den genetischen Herkunftsverhältnissen der untersuchten europäischen Völker


Hier sei noch eingefügt, was sich im tabellarischen Anhang an zusätzlichen interessanten Angaben findet, die man so nicht oder nicht so deutlich im Text hat finden können oder auf  die man dort nicht fokussiert war beim Lesen (Supplementary Table 1 bis 5): In Motala in Mittelschweden um 6.000 v. Ztr. finden sich 49 % westeuropäische Jäger-Sammler-Gene (WHG) und 51 % osteuropäische Jäger-Sammler-Gene (EHG). Ein vielleicht besonders eindrucksvoller Sachverhalt drückt sich in Tabelle 1 in der folgenden kruden Aussage aus:
LBK_Austria has the same HG ancestry as LBK_EN (from Germany).
Damit ist zum Ausdruck gebracht - wenn ich das recht verstehe (man korrigiere mich, wenn ich falsch liegen) -, daß die Bandkeramische Kultur von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende immer genau denselben genetischen Einheimischen-Anteil hatte. Sie lebten und sie starben mit derselben Genetik. Erst nach ihrem Untergang änderte sich in der genetischen Zusammensetzung etwas, nämlich in den regionalen Nachfolgekulturen, die auf die einheitliche mitteleuropäische Bandkeramik folgten, also gemeinsam mit der jeweils regionalen Veränderung ihrer Kultur. Die Bandkeramiker waren also nach ihrer Ethnogenese in Ungarn durch ihre ganze Geschichte hindurch streng endogam, haben nur untereinander geheiratet und es gab keine etwaigen "schleichenden", zusätzlichen Einheiraten von Einheimischen. Und das obwohl sich die Bandkeramik über ein riesiges Territorium erstreckte und dabei viele Berührungspunkte mit Einheimischen hatte. Auch in diesem Sachverhalt würde sich wieder ein starker Hinweis finden auf jene kulturellen Tendenzen, die man auch sonst in der Bandkeramik hindurchspürt, nämlich zu starker kultureller (und damit genetischer) Einheitlichkeit, zu starker Regelhaftigkeit über tausende von Kilometern hinweg. Eine Siedlung in der Ukraine und eine Siedlung an der Kanalküste gleichen sich wie ein Ei dem anderen, wie die Archäologen schon vor Jahrzehnten feststellten. Und so offenbar nun auch ihre Genetik (zumindest nachdem das Volk als solches als Gründerpopulation entstanden war und begonnen hatte demographisch zu expandieren).

Das schließt nicht aus, daß sie dennoch - untereinander - anthropologisch größere Vielfalt hatten als - etwa - die heutigen anthropologisch sehr einheitlichen Ostasiaten. (Für die aschkenasischen Juden beispielsweise ist ja genau derselbe Sachverhalt festgestellt worden. Bei ihrer Ethnogenese selbst zunächst sehr starke Vermischung mit europäischen Frauen, aber danach und seither durchgängig streng endogam, sogar gegenüber den sephardischen Juden.)

Die frühen Bauern des Peloponnes und die Minoer werden in den Tabellen beide zu 100 % herkunftsmäßig anatolisch-neolithisch gekennzeichnet. (Freilich war das eine andere anatolisch-neolithische Genetik als die der neolithischen Nordwestanatolier.) Sie haben sich aber außerdem nach dieser Angabe offensichtlich noch deutlich weniger mit etwaigen Einheimischen gemischt als die nordwestanatolischen Bauern und ihre Verwandten auf dem Balkan und in Mitteleuropa.

Das Mittelneolithikum im heutigen Deutschland ("Central_MN"), also die Nachfolgekulturen der Bandkeramik haben dann 18 % Anteil westlicher Jäger-Sammler-Gene (WHG) und die Kugelamphorenkultur hat davon sogar schon 25 % (WHG). Hier richtete sich also eine - wie auch immer geartete Selektion - gegen die einstmals zugewanderten anatolisch-neolithischen Gene.

Und dann beginnt die Ausbreitung der Yamnaya. Da ist zunächst eine Vučedol-Kultur (Wiki)  im heutigen Kroatien an der Adriaküste in der Zeit zwischen 3.000 und 2.200 v. Ztr. genannt (die uns als solche im Text gar nicht aufgefallen war). Und bei dieser beträgt der genetische Yamnaya-Anteil ab also etwa 3.000 v. Ztr. 27 %, neben 67 % anatolisch-neolithischem Anteil und 5 % westeuropäischem Jäger-Sammler-Anteil. Hier konnte sich also der anatolisch-neolithische genetische Anteil recht gut halten. Ganz ähnliche Prozentanteile werden dann für die Bronzezeit des Balkans genannt.

In Mitteleuropa hingegen haben sich die Yamnaya ab 2.800 v. Ztr. deutlich stärker genetisch durchgesetzt als auf dem Balkan. Die Glockenbecher-Kultur in Deutschland hat 48 % Yamnaya-Anteil neben 37 % anatolisch-neolithischem Anteil und 15 % westlichem Jäger-Sammler-Anteil. Die Schnurkeramiker haben sogar 70 % Yamnaya-Anteil, neben 20 % anatolisch-neolithischem Anteil und 10 % westlichem Jäger-Sammler-Anteil. Man gewinnt fast den Eindruck, als ob bei den Ethnogenesen dieser mitteleuropäischen Kulturen der anatolisch-neolithische genetische Anteil anteilsmäßig stärker zurück gedrängt worden wäre als der westliche Jäger-Sammler-Anteil, denn letzterer hält sich ja in beiden Kulturen auf dem Anteil des Mittelneolithikums. Es entsteht der Eindruck, als ob in den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Schnurkeramikern (oder in epidemischen Krankheiten) unverhältnismäßig mehr Menschen vorwiegend anatolisch-neolithischer Herkunft ums Leben gekommen wären als Menschen einheimischer europäischer Jäger-Sammler-Herkunft. Vielleicht waren letztere Gen-Anteile aber auch einfach nur genetisch besser an den mitteleuropäischen Raum angepaßt oder an die Kultur, die nun von den kulturell dominierenden Yamnaya ausgebildet wurde. (Übrigens unterscheiden sich die Tabellen untereinander etwas in den Prozentangaben - aber nicht wesentlich. Das hat Gründe, die wohl erst nach intensiverer Auseinandersetzung mit ihnen verständlich würden.) Soweit die Durchsicht des tabellarischen Anhangs.

Die Indogermanen kommen spät nach Lettland


Über Lettland heißt es in der Studie (7):
We find (Supplementary Data Table 3) that Mesolithic and Early Neolithic individuals (Latvia_HG) associated with the Kunda and Narva cultures have ancestry intermediate between WHG (~70%) and EHG (~30%), consistent with previous reports.
Auch hier ist der westeuropäische mesolithische Anteil überraschend hoch. Zwischenzeitlich, so wird dann ausgeführt, könnte es noch zu Verschiebungen in den Genanteilen in Lettland gekommen sein. Und irgendwann in der Endzeit der Schnurkeramik kamen die Indogermanen nach Lettland. Soweit ein Überblick über wichtige neue Einsichten dieser Studie. Ergänzt sei noch anhand einer weiteren Studie (10), daß unsere heutigen europäischen Hunde auf Hunde der Bandkeramiker zurückgehen, nicht auf Hunde indogermanischer Zuwanderer (10). Dabei hatte doch der führende Indogermanen-Archäologe David Anthony gerade erst einen riesigen Hype gemacht um einen indogermanischen Hundekult betrieben im Zusammenhang eines unterstellten Initiationsritus von Seiten jugendlicher männlicher Kriegerbünde (17). Wenn es ihn gegeben haben sollte (was auch sonst arg hypothetisch ist) (17), dann war ihnen jedenfalls offenbar egal, Hunde welcher Herkunft sie dafür nahmen.

Ausblick


Insbesondere sehenswert sind auch noch die schönen Grafiken im Anhang, die man hier in den Blogbeitrag herüber holen müßte, insbesondere die Hauptkomponenten-Analyse mit den eingetragenen neuen Ergebnissen. - Ganz richtig heißt es am Ende der Studie (7):
While this study has clarified the genomic history of southeastern Europe from the Mesolithic to the Bronze Age, the processes that connected these populations to the ones living today remain largely unknown. An important direction for future research will be to sample populations from the Bronze Age, Iron Age, Roman, and Medieval periods and to compare them to present-day populations to understand how these transitions occurred.
Abschließend: Der deutlichere Bezug zum Titel und zur Einleitung geht im Verlauf der Ausführungen dieses Blogartikels verloren. Aber klar geht aus fast allen Ausführungen hervor, daß überall Völker die Geschichte machen über Migrationen und anteilmäßige Vermischungen, und daß sich überall dort, wo sich die Kultur ändert, in der Regel auch die zugrunde liegenden Gene ändern. Einmal stärker, einmal weniger stark. Dieser Zusammenhang ist unübersehbar. Nur in Ausnahmefällen wird Kultur von Menschen anderer Genetik angenommen als der Genetik jener Menschen, die diese Kultur hervorgebracht haben (Glockenbecher-Leute in Spanien zum Beispiel). Anhand solcher Angaben kann also jetzt zunehmend besser erforscht werden, welches Zusammenspiel es zwischen Genen und Kultur gibt (Gen-Kultur-Koevolution).

So darf man es etwa auch als auffällig erachten, daß um 5.700 v. Ztr. die Bandkeramik als völlig neue, sehr charakteristische und eigentümliche Kultur entstand, obwohl - wie schon angedeutet und in den beiden letzten Jahren gut erforscht - der genetische Einfluß der dort zuvor ansässigen einheimischen Bevölkerung dabei durchgehend nur 9 % betragen hat. Dennoch bestand das "Bedürfnis" dieser Menschen - oder sie sahen die Notwendigkeit -, eine ganz neue, eigenständige Kultur zu schaffen und zu leben - insbesondere in weilerartigen Langhäusern anstelle von Mauer an Mauer gebauten dörflichen Siedlung. Und ähnlich kann man sich jetzt auch Gedanken machen zur Entstehung aller anderen hier genannten Kulturen. Lange Jahrhunderte der genetischen und kulturellen Stabilität vor Ort wechseln oft abrupt mit der Zuwanderung neuer Gene und neuer Kultur. Neues entsteht offenbar vor allem dort, wo entweder die demographische und kulturelle Expansivkraft einer Kultur an ihre mehr oder weniger intern vorgegebenen Grenzen stößt und/oder wo äußerer Widerstand nicht mehr von ihr ohne weitere Veränderung zu überwinden ist. Natürlich stellt auch die Weiterentwicklung der Technologie einen wesentlichen Faktor dar, hier insbesondere das Rad, sowie die Domestizierung des Pferdes.

Alles in allem sind Titel und Einleitung deshalb doch berechtigt: Durch alle Ausführungen des vorliegenden Aufsatzes hindurch wird deutlich, daß es immer wieder Völker sind, die die Geschichte bestimmen, Völker, die lange oder kurz leben, Völker, die in gigantischer Weise expandieren und dann zur geschichtlichen Bedeutungslosigkeit zusammen brechen, während andere Völker auf ganz neue Weise expandieren und bis heute im wesentlichen in genetischer Kontinutität weiter leben.

____________________________________________

*) David Reich holt auf die Frage, wie die Archäologen auf die neuen Ergebnisse reagiert haben, in angemessener Weise weiter aus (1):
Ich denke, das ist eine gute Frage. Archäologen sind Wissenschaftler, sie sind stark daran interessiert zu probieren herauszubekommen, was sie über die Vergangenheit lernen können. Und ihre wissenschaftliche Gemeinschaft hat Naturwissenschaft wieder und wieder und wieder als einen Weg begrüßt, um etwas Neues über die Vergangenheit zu lernen. Was nun hier in der Archäologie passiert, das ist sehr ähnlich zu der C14-Revolution, als man mit dem Jahr 1949 (...) herausbekam, daß man Funde datieren kann (...) und daß dadurch eine absolute Chronologie für die Vergangenheit erstellt werden kann. Und dies widerlegte viele Annahmen über die Vergangenheit. Die ersten Steinmonumente stammen nicht aus dem Nahen Osten, aus Ägypten und Mesopotamien, sie traten vielmehr erstmals in Westeuropa auf und an Orten wie Stonehenge. 
Nun, da nennt er - klugerweise - eher ein Ausnahmephänomen (das im übrigen mit Göbekli Tepe sogar ebenfalls als solches infrage gestellt werden kann). Aber auf die Regel kommt er ja dann auch schon im nächsten Satz zu sprechen:
Also alle Chronologien zeigen, daß alle Erfindungen aus dem Nahen Osten kamen und daß sich die Zeitspannen alle verändert haben. Die Archäologen haben diese neuen Techniken der Naturwissenschaft begrüßt wieder und wieder und begrüßen auch diese neue. Ich denke, es gibt hier in der Genetik eine besondere Sensibilität, denn wir reden hier über die Bewegung von Menschen und das hat politisch ziemlich starke Bedeutung erhalten in den Schwierigkeiten des 20. Jahrhunderts. Denn in den Anfängen der Archäologie gab es Menschen, die Gruppen - wie die Kultur der Schnurkeramik aus Osteuropa - zum Beispiel als die Begründer der indoeuropäischen Sprachen identifizierten. Sie breiteten sich über Osteuropa aus, es gab deutsche Archäologen, die behaupteten, daß die Völker, die in indoeuropäischen Sprachen wurzeln, sich in alle Richtungen ausbreiteten, daß ihr Heimatland Deutschland war oder in Nachbarländern. Und sie sprachen sie als das ursprüngliche Volk an und als nationales Ursprungsland von Deutschland und es wurde im Zweiten Weltkrieg benutzt als Teil der propagandistischen Rechtfertigung für die Ansprüche auf Land. Deshalb hat die archäologische und anthropologische Forschungsgemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg darauf sehr stark reagiert. Sie argumentierten und pflückten - wie Wissenschaftler das so tun - die Argumente auseinander, die benutzt worden waren, um zu behaupten, daß das von Seiten der Schnurkeramiker Wanderbewegungen waren. Und sie zeigten die Probleme auf, die es mit dieser Argumentation gab. Und es wurde sehr unpopulär in der Archäologie - und das ist es dort immer noch vielerorts - Wanderbewegungen anzunehmen. Die Annahme ist, daß der Wandel und die Ausbreitung von Kulturen sich durch die Kommunikation von Ideen vollzogen hat und nicht durch die Wanderungen von Menschen (oder Völkern). Und die Genetik fand nun Beispiele wie die Schnurkeramiker-Expansion - auch wenn sie in umgekehrten Richtung verlief, nicht vom Westen nach Osten wie die Archäologen ursprünglich sagten, sondern von Osten nach Westen - die zeigen, daß Wanderbewegungen durchaus sehr wichtig waren in der menschlichen Geschichte ebenso wie Vermischung. Und ich denke, daß es sehr interessant ist, damit in Übereinstimmung zu kommen. Und im Zusammenhang mit den Veröffentlichungen, an denen ich beteiligt war, bei einer besonders, der Entdeckung dieser Hauptexpansion von der Steppe nach Mitteleuropa hinein, schrieb ein deutscher Archäologe an alle Mitverfasser dieser Veröffentlichung: "Das ist wie die 'Siedlungsarchäologie' von Gustaf Kossinna vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Wir können bei einer solchen Wiederbelebung nicht mitmachen, auch wenn es nur eine kleine ist." Und die Archäologen begannen, von der Autorschaft der Veröffentlichung zurückzutreten. Deshalb mußten wir die Veröffentlichung umschreiben und dann machten sie alle wieder mit.
Lachen im Publikum.
Also das ist ein sehr sensibles Thema - und es ist angemessener Weise ein sensibles Thema. Es gibt da diese Frage in der Archäologie, die "Pots versus People"- ("Gefäße versus Völker"-)Debatte, die Frage, ob kultureller Wandel über die Weiterverbreitung von Ideen zustande kommt oder über Wanderbewegungen. Und wir können das zum ersten mal beantworten mit den genetischen Daten. Vorher hat man versucht das zu beantworten über die Schädelformen. Aber das war nicht sehr genau und es gab zu viele Probleme damit. Aber man kann das jetzt beantworten. Es ist eine beantwortbare Frage.
**) Als eine besonders merkwürdige Reaktion auf das Lachen des alten Kossinna da oben im Himmel - und gleichzeitig auf die Zuwanderungen nach Deutschland im Jahr 2015 - sind die Ausführungen des Archäologen Harald Meller (geb. 1960) (Wiki) im Vorwort zu einem Tagungsband zu einer im Oktober 2016 in Halle abgehaltenen Archäologen-Tagung zu diesem Thema anzusprechen (12). Der Sache nach akzeptiert er jetzt schon, daß der alte Gustaf Kossinna so Unrecht nicht gehabt haben wird. Nach dem reinen Sachreferat stellt er sich Migration in der Vorgeschichte dann aber folgendermaßen interpretierend vor (12):
"In beiden Fällen - Migration und Ankunft von Migranten - handelt es sich um historische Ereignisse, die sich auf den regelmäßigen Ablauf des täglichen Lebens - vor allem in seßhaften Gesellschaften - auswirken, ...." 
... das wird durchaus so vermutet werden dürfen, ja .... Die:
"... aber gleichzeitig zur erfolgreichen Entwicklung der Gemeinschaft beitragen, bzw. für diese notwendig sind."
Wir versuchen, ganz ruhig zu bleiben und diese Sätze so gelassen und emotionslos wie nur möglich einzuordnen. Man wird wohl doch in aller Zurückhaltung sagen dürfen, daß dies eine recht kühne Behauptung ist. Woher weiß Harald Meller von dieser "Notwendigkeit"? Das ist ja ein durchaus interessanter und erörterbarer Geschichtsbegriff. Aber ein solcher müßte doch einmal sehr ausführlich erörtert werden, bevor man ihn so glattweg unterstellen könnte. Was aber doch noch viel wesentlicher ist: Es wird doch wohl sehr infrage gestellt werden dürfen, ob alle Zeitgenossen in der Vorgeschichte von einer solchen "Notwendigkeit" gar so sehr überzeugt gewesen sind wie Harald Meller das heute ist und unterstellt. Harald Meller setzt diese Überzeugung aber rundum voraus wenn er weiter schreibt (12):
"Es ist daher zu erwarten, daß die vor- und frühgeschichtlichen Gesellschaften über Strategien verfügten, die sowohl die Mobilität als auch die Aufnahme von Personen und Gruppen regelten und traumatische Begegnungen verhinderten."
Das ist also eine ganz neue Form, mit Kossinna'schen Geschichtsbildern umzugehen. Man ahnt schon wieder recht deutlich, wie sich die Gesichtszüge des alten Kossinna droben im Himmel zuckend zusammen ziehen. So als ob er reinen Zitronensaft zu probieren gekriegt hätte.

Nehmen wird doch - zum Beispiel - die neolithischen Bauern der Trichterbecherkultur. Wie haben diese die Schnurkeramiker begrüßt? Das wird gewiß alles künftig noch genauer erforscht werden. Einstweilen kennen wir nur das Grab der schnurkeramischen Familien von Eulau (Wikian der Saale in Sachsen-Anhalt, fünf Kilometer nördlich von Naumburg, wo Familienmitglieder bäuerliche Pfeilspitzen im Hinterkopf hatten und gemeinsam bestattet wurden, also aller Wahrscheinlichkeit nach gemeinsam zu Tode kamen in einem Massaker. Die Pfeilspitzen stammten von Bauern, die 60 Kilometer weiter nördlich im Harz lebten. Um diesen Befund den Meller'schen Gedanken zuzuordnen: Da waren wohl einige Einheimische von der Weltgeschichte doch noch nicht so ganz ausreichend in den "Strategien" geschult worden, "traumatische Begegnungen" zu verhindern. Von Meller selbst stammt eine wissenschaftliche Veröffentlichung über diese Funde.

Nun, zu all dem könnte wohl noch unendlich viel gesagt werden. Aber das soll hier nicht gar zu sehr ausgewalzt und ausgerechnet gegen Harald Meller verwendet werden. Es wird hier auch nur der Vollständigkeit halber eingefügt. Sonst macht Harald Meller nämlich schon seit vielen Jahren viel beachtete und ganz hervorragende wissenschaftliche Arbeit. So viele grundlegend neue archäologische Erkenntnisse kamen in den letzten Jahren immer wieder gerade aus Sachsen-Anhalt. Und Meller ist doch offensichtlich einer der ersten Archäologen, der umfangreich Knochenfunde zur Auswertung den Genetik-Laboren zur Verfügung gestellt hat. Er war offenbar nur zeitweise ein wenig entsetzt über die Ergebnisse*). Und er versucht sie nun hier ein wenig gar zu einseitig harmonisierend zu interpretieren, vielleicht beeinflußt durch die politische Zeitstimmung, die ihn in diesen Jahren umgibt. Irgendwann wird sich das Pendel der Interpretationen der geschichtlichen Daten wohl wieder auf ein vernünftiges Mittelmaß einpendeln, das nicht gar zu pauschal heute in Mitteleuropa verinnerlichte Strategien vorgeschichtlichen Bevölkerungen zuspricht. 

Wobei sogar etwas gar zu sehr harmonisierend übersehen wird, daß wir es auch heute oft mit traumatisierten Menschen zu tun haben, die andere Weltteile aufsuchen. Aber auch die Behauptung, daß solche traumatisierten Menschen aus anderen Weltteilen "notwendigerweise" die Entwicklung von Gesellschaften an ihren Ankunftsorten voran bringen, dürfte auch aus rein wissenschaftlicher Perspektive - und gerade auch vor dem Hintergrund der neuen Ancient-DNA-Ergebnisse - in ihrer pauschalen Art als außerordentlich kritikwürdig zurückzuweisen sein. Selbst unabhängig von der Ancient-DNA-Forschung können doch schließlich haufenweise Migrationen in der Geschichte angeführt werden, durch die die gesellschaftliche Entwicklung vor Ort um Jahrhunderte, wenn nicht um ganze Jahrtausende zurück geworfen worden ist, durch die ganze Völker und Weltteile versklavt worden sind, ausgerottet worden sind, durch die kulturelle Vielfalt vernichtet worden ist, durch die ganze Hochkulturen untergegangen sind und so weiter und so fort. Viele naturwissenschaftliche Erkenntnisse des Aristoteles (etwa auf dem Gebiet der Meeresbiologie) sind erst in den letzten Jahren als solche wieder entdeckt worden, weil es zwischen ihm und uns - zwischen 375 und 500 n. Ztr. - krasse Migrationen gab, die eine Hochkultur zerstörten. Und diese Ausführungen nur, um zu diesem Thema auch nur das Allerwenigste gesagt zu haben.
____________________________________________________
  1. Reich, David: "Kossinna - It is a very sensitive issue". Antwort auf eine Frage zu seinem Vortrag "Who we are and how we got here - Ancient DNA and the new science of the human past" - Midsummer Nights' Science Wednesday, July 12 2017, Broad Institute Cambridge, MA (The Eliana Hechter Memorial Lecture), etwa 55'45 bis 59'39: https://youtu.be/pgXYfLkRdJ0?t=55m43s
  2. Heyd, Volker: Kossinna's smile. In: Antiquity, Vol. 91, No. 356, 04.2017, p. 348-359. https://www.cambridge.org/core/journals/antiquity/article/kossinnas-smile/8ABA3BD9132B7605E8871236065CD4E3, https://research-information.bristol.ac.uk/files/113850524/Kossinna_s_Smile_as_finally_submitted.pdf
  3. Kristiansen, Kristian u.a.: Re-theorising mobility and the formation of culture and language among the Corded Ware Culture in Europe. In: Antiquity, Vol. 91, No. 356, 04.2017, https://www.cambridge.org/core/journals/antiquity/article/retheorising-mobility-and-the-formation-of-culture-and-language-among-the-corded-ware-culture-in-europe/E35E6057F48118AFAC191BDFBB1EB30E/core-reader
  4. Meller, Harald; Krause, Johannes und andere: Migration and Integration from Prehistory to the Middle Ages. 2016. Available from: https://www.researchgate.net/publication/320866192_Migration_and_Integration_from_Prehistory_to_the_Middle_Ages [accessed Nov 23 2017]
  5. Kristiansen, Kristian u.a.: Population genomics of Bronze Age Eurasia. 2015. Available from: https://www.researchgate.net/publication/278327861_Population_genomics_of_Bronze_Age_Eurasia [accessed Nov 24 2017]
  6. PM/HR: Hinweise auf Herkunft des Indogermanischen aus der Steppe - Wissenschaftler der Universität Tübingen an Studie zum Einfluß frühbronzezeitlicher Wanderungsbewegungen auf die Entwicklung der indoeuropäischen Sprachen beteiligt. Pressemitteilung, März 2015. https://www.mpg.de/8995790/menschen-wanderung-indogermanische-sprachen
  7. Mathieson, Iain; Reich, David und viele andere (2017-05-30). The Genomic History Of Southeastern Europe. https://www.biorxiv.org/content/early/2017/05/30/135616, https://www.biorxiv.org/content/biorxiv/early/2017/09/19/135616.full.pdf
  8. Anhang (Supplement) zu 7: https://www.biorxiv.org/content/biorxiv/suppl/2017/09/19/135616.DC4/135616-1.pdf
  9. Analysis of ancient human mitochondrial DNA from Verteba Cave, Ukraine: insights into the origins and expansions of the Late Neolithic-Chalcolithic Cututeni-Tripolye Culture Ken Wakabayashi, Ryan Schmidt, Takashi Gakuhari, Kae Koganebuchi, Motoyuki Ogawa, Jordan Karsten, Mykhailo Sokhatsky, Hiroki Oota doi: https://doi.org/10.1101/217109, 10.11.2017, https://www.biorxiv.org/content/early/2017/11/10/217109
  10. Ancient European dog genomes reveal continuity since the early Neolithic Laura Botigue, Shiya Song, Amelie Scheu, Shyamalika Gopalan, Amanda Pendleton, Matthew Oetjens, Angela Taravella, Timo Seregély, Andrea Zeeb-Lanz, Rose-Marie Arbogast, Dean Bobo, Kevin Daly, Martina Unterländer, Joachim Burger, Jeffrey Kidd, Krishna R Veeramah doi: https://doi.org/10.1101/068189, https://www.nature.com/articles/ncomms16082, https://www.biorxiv.org/content/early/2017/03/15/068189
  11. Bading, Ingo: 3.100 v. Ztr.: Der Rinderwagen in der Weltgeschichte - Prozessionen an Königsgräbern lassen um 3.100 v. Ztr. staatliche Strukturen in Norddänemark erkennen. Studium generale, 21. Oktober 2010, http://studgendeutsch.blogspot.de/2010/10/3100-v-ztr-der-rinderwagen-in-der.html
  12. Meller, Harald; Krause Johannes und andere: Vorwort zum Tagungsband "Migration und Integration von der Urgeschichte bis zum Mittelalter. 9. Mitteldeutscher Archäologentag, 20.-22. Oktober 2016 in Halle. Landesamt für Denkmalpflege, Halle 2017. Available from: https://www.researchgate.net/publication/320866192_Migration_and_Integration_from_Prehistory_to_the_Middle_Ages [accessed Nov 23 2017]
  13. Genomics of Mesolithic Scandinavia reveal colonization routes and high-latitude adaptation. Autoren: Torsten Günther, Helena Malmström, Emma Svensson, Ayça Omrak, Federico Sánchez-Quinto, Gülşah M. Kılınç, Maja Krzewińska, Gunilla Eriksson, Magdalena Fraser, Hanna Edlund, Arielle R. Munters, Alexandra Coutinho, Luciana G. Simões, Mário Vicente, Anders Sjölander, Berit Jansen Sellevold, Roger Jørgensen, Peter Claes, Mark D. Shriver, Cristina Valdiosera, Mihai G. Netea, Jan Apel, Kerstin Lidén, Birgitte Skar, Jan Storå, Anders Götherström, Mattias Jakobsson doi: https://doi.org/10.1101/164400, 30.7.2017, https://www.biorxiv.org/content/early/2017/07/30/164400
  14. Bading, Ingo: Neue Forschungen zur Entstehung der Indogermanen - Wie entstanden die modernen europäischen Völker? - Ancient-DNA-Forscher David Reich berichtet über den aktuellen Forschungsstand. Auf: Studium generale, 2. Juli 2017, http://studgendeutsch.blogspot.de/2017/07/neue-forschungen-zur-entstehung-der.html
  15. Bading, Ingo: Was macht uns Europäer genetisch so einzigartig? Die ancient-DNA-Forschung entwirft ein völlig neues und unerwartetes Bild vom Werden der europäischen Völker. Auf: Studium generale, 10. Juli 2017, http://studgendeutsch.blogspot.de/2017/07/die-trichterbecher-leute-standen.html
  16. Bading, Ingo: Ancient-DNA-Forschung und Physische Anthropologie gegenüber gestellt Wie nehmen sich die Forschungsergebnisse der bisherigen Physischen Anthropologie aus vor den jüngsten Ergebnissen aus der ancient-DNA-Forschung? Auf: Studium generale, 27. Juli 2017, http://studgendeutsch.blogspot.de/2017/07/ancient-dna-forschung-und-physische.html
  17. Bading, Ingo: Dienen Menschenopfer der Stabilisierung menschlicher Gesellschaften seit vielen Jahrtausenden? Neue Forschungsergebnisse zur Funktion von kultischen Männerbünden und Menschenopfern. Auf: GA-j!, 29. Juli 2017, http://studgenpol.blogspot.de/2017/07/kultische-geheimbunde-haben-sie.html
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