Donnerstag, 23. Mai 2019

Künstliche Oxytocin-Zugabe nach der Geburt - Sie fördert die Mutter-Kind-Bindung nicht

Auf jeden Fall sind die Zusammenhänge noch nicht gut verstanden

Die Rolle des Hormons Oxytocin für die Mutter-Kind-Bindung während der Schwangerschaft, während der Geburt und für die Zeit danach  ist für körperliche und seelische Vorgänge eine sehr große. Aber sie ist letztlich noch gar nicht so gut verstanden. So hat sich zu meinem letzten Video (1) eine kleine Erörerung über die Frage ergeben, ob künstliche Oxytocin-Zuführung nach Kaiserschnitt auch für die Mutter-Kind-Bindung hilfreich ist. Zunächst als Bildschirmfoto der erste Teil der Erörterung:




Die letzte Antwort meinerseits dazu lautet heute:

Hier einmal der Ausschnitt aus der Einleitung einer aktuelleren Forschungsstudie (von 2016) (2), in der der bisherige Forschungsstand zusammen gefaßt wird (OT = Oxytocin; Literaturangaben gehören original zum Text):
"Results showed that rather than specific levels of OT being a significant indicator of bonding, a lack of overall increase in OT levels from early to late pregnancy correlated with lower quality maternal-fetal bonding and consequently lower quality maternal-infant bonding [9]. A recent review of the literature demonstrated that decreased OT levels were also associated with increased depressive symptoms [11]. One study examining the association between plasma OT levels and postpartum depression among 100 women in Switzerland found that lowered OT was a significant predictor for postpartum depressive symptoms [10]. Furthermore, another study revealed that lower OT was significantly associated with depressive symptoms in a sample of primarily Caucasian (83%) and African American (15%) women at 8 weeks postpartum [12]."
Wenn also während der Schwangerschaft die Oxytocin-Menge im Blut nicht ansteigt, kann das zu einer schlechteren Mutter-Kind-Bindung führen und auch leichter zu postnataler Depression führen. Solche Dinge führen - glaube ich - beim Menschen in der Regel nicht zum "Auffressen" des Kindes (wie vom Kommentator unterstellt). Aber es gibt inzwischen viele soziobiologische Studien darüber, daß es unterschiedliche Häufigkeit von Kindersterblichkeit je nach spezifischer sozialer Einbettung gibt. Eckart Voland fand zu einer Bevölkerung in Ostfriesland im 17. und 18. Jahrhundert, in der Jüngsten-Erbrecht auf den Bauernhöfen herrschte, daß es dort bei den Bauern eine höhere Kindersterblichkeit für erstgeborene Söhne gab als für letzgeborene Söhne, offensichtlich weil dort die Letztgeborenen den Hof geerbt haben. Derselbe Zusammenhang fand sich für Kleinbauern in der Gegend, deren Heirats- und Fortpflanzungsaussichten nicht durch das Jüngsten-Erbrecht beeinflußt war, nicht.

Vielleicht ist dieser Zusammenhang auch schon durch die Oxytocin-Menge im Blut WÄHREND der Schwangerschaft auf der proximaten Ebene irgendwie mitgesteuert worden. (Unterbewußt dürften sich die Eltern dort erst Mädchen gewünscht haben und vielleicht hat der Körper der Mutter mit weniger Oxytocin geantwortet, wenn er ein männliches Baby "spürte".)

Nun aber findet sich auch die Antwort auf die hier behandelte Eingangsfrage (2013) (3): Wenn man postnatal-depressiven Müttern künstlich Oxytocin gibt, werden sie sogar noch trauriger !!!!! und erachten ihre Neugeborenen als schwieriger (3)! Jedenfalls hat die künstliche Oxytocin-Gabe keine klar positive Wirkung (2015) (4).

Wenn man es also recht versteht: Weniger natürlich produzietes Oxytocin führt zwar zu postnataler Depression, künstlich zugeführtes Oxytocin verschlimmert aber schlimmstenfalls die Situation, verbessert sie jedenfalls nicht zwangsläufig.

Hier wird wieder deutlich: Bei Hormonen muß man immer vorsichtig sein mit Kurzschlüssen. Die Suchworte, mit denen wir auf letztere Studie auf Google Scholar stießen, waren "oxytocin postnatal depression". Und zu dem Thema finden sich noch allerhand andere Studien.

Hier wird einmal erneut deutlich, daß der "Tanz der Hormone" kein so besonders leicht zu durchschauender sein muß. Auch auf diesem Gebiet scheint es noch viele spannende Forschungsfragen zu geben. 
_____________________________________________________
  1. https://youtu.be/bGq-NWzofyg
  2. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0018506X15001038 
  3. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S027858461200259X 
  4. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2015.00426/full

Donnerstag, 9. Mai 2019

Die Intelligenz-Evolution der Völker weltweit - Mit und ohne "genetic replacement"

Im Vorderen Orient und in Ostasien gab es viel genetische Kontinuität seit 10.000 Jahren, in Europa nicht 
- Wie sind diese Umstände mit der jeweiligen Intelligenz-Evolution in Einklang zu bringen?

Sehr spannende Hinweise und Überlegungen hat soeben der indisch-US-amerikanische Humangenetiker Razib Khan veröffentlicht (1). Und zwar zu Fragen, die uns schon seit allerhand Jahren umtreiben, insbesondere seit 2015. Denn wir überblicken seitdem die genetische Geschichte der Völker Europas und des Vorderen Orients eigentlich recht gut. Wie sieht es diesbezüglich aber mit der Geschichte Ostasiens aus?

Abb. 1: Zur Ethnogenese des chinesischen Volkes
 
Razib Khan weist in diesem Zusammenhang auf einen Umstand hin, auf den wir selbst schon jüngst dumpf aufmerksam wurden, als wir uns mit den Vorfahren der Ultschen in Ostsibirien (den "Devil's Gate samples") beschäftigten (2, 3). Razib Khan sagt nämlich über diese (1):
Die modernen Chinesen weisen viel mehr genetische Ähnlichkeit mit den Menschen in Ostsibirien 5.700 v. Ztr. auf als heutige Westeuropäer genetische Ähnlichkeit aufweisen mit Menschen, die 5.700 v. Ztr. in Westeuropa lebten (oder als heutige Inder mit Menschen aufweisen, die in ähnlicher Zeitstellung in Indien lebten).
Original: Modern Chinese show much more affinity to the Devil’s Gates samples from the northeastern border with Russia dated to 7,700 years ago than modern Western Europeans do with people present 7,700 years ago (or modern Indians would with people of a similar date). 
Das würde heißen, daß es in Ostasien ähnliche genetische Kontinuität gibt zwischen den vorneolithischen und den heutigen Bevölkerungen wie sie seit 2015 auch für den Vorderen Orient festgestellt worden ist. Sowohl Ostasien wie der Vordere Orient haben früh komplexe, städtische Gesellschaften hervorgebracht, die - vermutlich - mit einem bestimmten jeweils angeborenen Intelligenz-Quotienten korreliert haben.

Dennoch weisen die Bevölkerungen im Vorderen Orient heute einen durchschnittlichen angeborenen Intelligenzquotienten zwischen 90 und 95 auf, in Ostasien aber einen solchen von 105. Und das ist ein sehr beträchtlicher Unterschied, der auch - wie ja zwischenzeitlich aufgezeigt wurde - mit dem Bruttosozialprodukt in den jeweiligen Regionen korreliert.

Wie ist der hohe ostasiatische Intelligenz-Quotient evolutiv entstanden?


Hier auf dem Blog waren wir bislang davon ausgegangen, daß der europäische IQ von etwa 100 erreicht worden sei über die durch die Ancient-DNA-Forschung seit 2015 festgestellte "Gruppenselektion", über den festgestellten genetischen Austausch ("genetic replacement"), über Volkstod, über den Abbruch genetischer und kultureller Kontinuität und neue Volkwerdungen (Ethnogenesen) im Verlauf der europäischen Geschichte der letzten 10.000 Jahre. Die Ancient-DNA-Forschung stellte nämlich seit 2015 fest: 1. den Volkstod der mesolithischen Völker Europas (der so für Ostasien nicht feststellbar ist), 2. den Volkstod der früh- und mittelneolithischen Völker Europas (auch dieser scheint in Ostasien nicht feststellbar zu sein). An die Stelle der vormaligen europäischen Völker traten schließlich ab dem Spätneolithikum, ab etwa 2.800 v. Ztr. über ganz Europa und zum Teil auch den Mittelmeer-Raum hinweg kulturell und genetisch die Indogermanen.

Vielleicht wird man bezüglich der Ostasiaten noch herausfinden daß - wie bei der Entstehung des Volkes der aschkenasischen Juden oder der Indogermanen - genetische Flaschenhals-Ereignisse eine Rolle gespielt haben, in denen viel Selektion stattfinden kann. Auf jeden Fall könnte das Beispiel Ostasien aufzeigen, daß eine Völkergruppe, eine Herkunftsgruppe (traditionell als "Rasse" bezeichnet) einen IQ von 105 evoluieren kann, auch ohne solche genannten beträchtlichen Gruppenselektions-Ereignisse, wie sie die europäische Geschichte aufweist.

Das dürfte man dann als ziemlich eindrucksvoll erachten. Und es wird deutlich, daß hier noch viele Fragen offen sind, die sich dadurch klären werden, daß man den "polygenic score" für angeborene Intelligenz in der Ancient-DNA-Forschung erheben wird für vorgeschichtliche Bevölkerungen. Vielleicht wird man auch feststellen, daß es diesbezüglich ein "Auf und Ab" im Vorderen Orient und in Europa gegeben hat? Es bleibt alles sehr spannend.

Frühe Erklärungsmodelle der Völkerpsychologie - Greifen sie?


Übrigens könnten die Unterschiede im Geschichtsverlauf Europas einerseits und Ostasiens und des Vorderen Orients andererseits auf Unterschiede hinweisen, die schon in den 1920er und 1930er Jahren von der Völkerpsychologie herausgearbeitet worden waren (4).

Dort war die Rede von zwei angeborenen Dichotomien in Bezug auf die Psychologie von Völkern und Kulturen. Es war einerseits die Rede von "wandelfrohen" Völkern und Rassen im Gegensatz zu "beharrlichen" Völkern und Rassen (4, S. 85f). Zu ersteren waren die indogermanischen Völker gezählt worden, zu letzteren die ostasiatischen Völker.

Abb. 2: Ostasiatisches Naturerleben wie es sich in traditioneller Landschaftsmalerei widerspiegelt - "Reisende zwischen Bergen und Flußläufen" des chinesischen Malers Fan Kuan (etw. 960-etw. 1030) (Wiki)


Außerdem war die Rede von einer zweiten, angeborenen Dichotomie, und zwar nun konkreter in Bezug auf das jeweilige Erleben des Religiösen, in Bezug auf das Erleben des Göttlichen, des Numinosen. Diesbezüglich gäbe es Völker einerseits mit einem ausgeprägteren, angeborenen thymotischen Erleben (wie es Peter Sloterdijk nennen würde), also einem Erleben des Stolzes und des Selbstvertrauens in Bezug auf das Göttliche. Daraus würden sich dann sogenannte "Licht-Lehren" auf dem Gebiet des Religiösen ergeben. Diese betonten das Vertrauen auf die eigenen Kraft in Vollbringung des Guten. Das Göttliche wird als "Freund" aufgefaßt, dem man sich als nahestehend und ebenbürtig empfindet (s.a. 5).

Auf der anderen Seite gäbe es Völker mit ausgeprägterem, angeborenem Erleben der Demut in Bezug auf das Göttliche. Der Gegensatz zwischen Gott oder dem Göttlichen einerseits und dem Menschen andererseits würde als sehr groß empfunden. Dies könne auch - insbesondere in Ostasien - gelten für den Gegensatz zwischen der großen, erhabenen Natur einerseits und dem winzig kleinen Menschen in dieser andererseits, wie dies etwa auch in der traditionellen chinesischen Landschaftsmalerei zum Ausdruck kommt (s. Abb. 2 und 3). Und aus solchen unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Göttlichen ergäben sich dann auf dem Gebiet des Religiösen sogenannte "Schacht-Lehren". Das Göttliche muß dann im Alltag gar keine Rolle spielen, erschließt sich die Seele aber einmal - spontan - dem Göttlichen, so öffnete man sich ihm gegenüber in gläubigem Staunen (Ostasien) oder aber auch als weit entfernt, womöglich sogar als tyrannisch, willkürlich und jähzornig (Orient). Daraus entspringende Lehren betonten dann die eigene Ohnmacht im Angesicht des Göttlichen. Sie betonten die Unterordnung gegenüber dem "unerforschlichen" Willen Gottes. Der Anbetende läge im Staub vor Gott, empfände sich als eine "Scherbe" im Angesicht des Göttlichen, als etwas Winziges oder gar Wertloses im Vergleich zum Großen, Erhabenen, Göttlichen (4, S. 86ff; 5).

Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht darf gesagt sein, daß man diese Dichotomie grob in Entsprechung setzen könnte zu der von der Kulturvergleichenden Psychologie, bzw. Kulturpsychologie, bzw. Völkerpsychologie (Wiki) seither herausgearbeiteten Dichotomie der individualistischen Kulturen Europas (Wiki) im Gegensatz zu den kollektivistischen Konsens-Kulturen Ostasiens (Wiki; s.a. Wiki). Konkreter ergäbe sich aus den darin enthaltene Haltungen gegenüber der Gemeinschaft, gegenüber den Mitmenschen eine Dichotomie zwischen der "Schuld-Kultur" Europas und des Vorderen Orients einerseits im Gegensatz zu einer "Scham-Kultur" Ostasiens andererseits (Wiki).

Sind Völker mit einer "individualistischen Kultur" Völkern mit einer "kollektivisitschen Kultur" in Bezug auf Volkserhaltung schon seit Jahrtausenden überlegen?


Von Seiten der Völkerpsychologie war davon gesprochen worden und es war begründet worden, daß Kulturen und Völker mit "Stolz-Erbgut" in ihrem Überleben, sprich bezüglich ihrer kulturellen und genetischen Kontinuität, weitaus stärker gefährdet seien als Völker mit "Demut-Erbgut" (4, S. 343-349). Das ist ein Gedanke, der auch in neueren Buchtiteln zum Ausdruck kommt (6): "Das Ende des Individualismus - Die Kultur des Westens zerstört sich selbst".

Es deutet sich an, daß ein solches - wiederholtes - Geschehen innerhalb der europäischen Geschichte durch den aktuellen Wissensstand der Archäogenetik aufgedeckt wird wie niemals zuvor. In Europa scheint der aufbegehrende Stolz innerhalb der Völker dazu zu führen, daß Einzelmenschen und Völker viel mehr miteinander und gegeneinander ringen. Und das scheint zu großen genetischen Umbrüchen geführt zu haben. In fast allen anderen Teilen der Welt scheint demgegenüber in den letzten zehntausend Jahren viel eher ein Bild der genetischen Konstanz, der genetischen Kontinuität vorzuherrschen. Völker und Volksgruppen (vor allem solche, die seit vorneolithischer Zeit jeweils einheimisch waren) scheinen in allen anderen Weltteilen nicht in dem Ausmaß und in der Vollständigkeit vom Völkertod bedroht gewesen zu sein wie es diejenigen innerhalb Europas gewesen sind. Und wenn es auch in anderen Weltteilen dennoch einmal einschneidendere genetische Umbrüche gegeben hat, dann scheinen auch diese dort entweder von der Ausbreitung iranisch-neolithischer und anatolisch-neolithischer Bauernvölker oder - später - von der Zuwanderung indogermanischer Völker ausgelöst oder begleitet worden zu sein.

Abb. 3: Ostasiatisches Naturerleben - "Herbst im Flußtal", Detail einer Wandrolle des chinesischen Malers Guō Xī (1020-1090) (Wiki)


Welche Schlußfolgerungen sind in solchen Überlegungen und Erkenntnissen für die Zukunft enthalten? Sind indogermanische Völker während ihrer 6.000-jährigen Geschichte leichter, unüberlegter, geradezu "unbesorgter" in den Tod gegangen, weil sie aus der Fülle des religiösen Erlebens schöpften und dieses für "unversiegbar" hielten (z.B. in der Spätantike)? Erlagen iranisch-neolithische Völker (in Südasien/Indien) und anatolisch-neolithische Völker (in Europa) einfach nur dem kriegerischen Ansturm ungestümer indogermanischer Völker und später der ungestürmen hunnischen und Turkvölker?

Und sind die heutigen Völker der Nordhalbkugel, die Völker des "Abendlandes" bezüglich ihres etwaigen Völkertodes - insbesondere seit 150 Jahren - nun doch weitaus pessimistischer, besorgter oder ätzend-zynischer, weil sie spüren, daß in der derzeitigen Phase der Weltgeschichte viel mehr auf dem Spiel steht als in vielen tausenden von Jahren zuvor? Weil sie spüren, daß die Weltgeschichte - insbesondere vor dem Hintergrund des immensen technischen und Wissenfortschritts der letzten hundert Jahre - an einen sehr grundlegenden Wendepunkt gekommen ist?

Insbesondere Überlegungen von früheren Generationen evolutionär denkender Völkerpsychologen (z.B. 4, S. 343-349) könnten in dieser Hinsicht viele sehr grundsätzliche Fragen aufwerfen. Es könnte sich um eine sehr bedeutende Frage der Weltgeschichte handeln, nämlich: welche Auffassung vom Göttlichen ein Volk besitzt und welche Auffassung vom Göttlichen innerhalb der Menschheit Zukunft haben wird. Werden sich Völker dabei - in den Worten von Jan Assmann - der Tendenz nach nach der sogenannten mosaischen Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch ausrichten oder werden sie sich dabei der Tendenz nach nach der sogenannten aristotelischen, sprich wissenschaftlichen Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch ausrichten (7)?

Aber daran schließt sich gleich die nächste Frage an: Herrscht nicht heute die Meinung vor, daß die wissenschaftliche Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch zu einem areligiösen oder gar atheistischen Weltbild führen würde? Will die Weltgeschichte also womöglich, daß wir zu einer mosaischen Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch zurück kehren? Oder gibt es - greifbare - Alternativen dazu? Unter anderem der bedeutende britische und US-amerikanische Psychologe Raymond B. Cattell (1905-1998) (Wiki, engl) (8), gegebenenfalls - in verkopfterer Weise - Ken Wilber (geb. 1949) (Wiki) (8) oder auch Mathilde Ludendorff bemühten sich um seelisch kraftvolle Alternativen dazu.

Indogermanische Kriege gegeinander


Ergänzung 15.5.2019: Es kann vielleicht ergänzt werden, daß die folgende Grafik, die in Facebook-Gruppen verbreitet wird, die geschichtlichen Zusammenhänge nicht besonders treffend auf den Punkt bringt.


Abb. 4: Aus der Facebook-Gruppe "History and Heroes - White European Survival"

Die hier benannten "warriors" haben durch ihr Kriegführen keineswegs immer ihre Rasse erhalten, viel mehr haben indogermanische Völker auch viele Kriege untereinander und gegeneinander geführt. Vermutlich sogar die meisten. Und nicht gar zu selten auch genozidale Kriege gegen stammesverwandte Völker.

Die ersten indogermanischen Völker, die sich von der Ukraine bis nach Sibirien ausgebreitet hatten (genetisch "Yamnaja"), sind schon allerhand Jahrhunderte später von westlichen indogermanischen Völkern (genetische "Schnurkeramiker") offenbar völlig ersetzt worden. Man könnte fast sagen, Weltgeschichte sei im Wesentlichen - nachdem sich die indogermanischen Völker einmal ausgebreitet hatten - eine Geschichte von Kriegen indogermanischer Völker gegeneinander gewesen.

So haben etwa in der geschichtlich gut bekannten Mittelmeer-Antike ständig indogermanische Völker gegeneinander gekämpft: Griechen gegen Hethiter (Kampf um Troja), Griechen gegen Griechen, Perser gegen Griechen, Makedonen gegen Griechen, Makedonen und Griechen gegen Perser, Karthager gegen Römer, Römer gegen Griechen, Gallier gegen Griechen, Gallier gegen Germanen und Römer, Römer gegen Germanen. Und damit sind nur einige der bekanntesten Kriege benannt.

Auch auf dem bislang ältesten Schlachtfeld Europas - an der Tollense 1300 v. Ztr. - kämpften Indogermanen gegen Indogermanen, ebenso auf dem Schlachtfeld von Kalkriese 9 n. Ztr..

In den Islandsagas kämpfen ständig nur indogermanische Wikinger gegen indogermanische Wikinger (selten genug ist mal ein genetisch eher mediterraner Brite oder Ire darunter, die meist nur als Hörige in der Wikingerzeit in Island in Erscheinung treten).

Und wenn europäische Völker seit dem Frühmittelalter Kriege gegeneinander geführt haben, dann war auch das selten genug, um ihre eigene Rasse zu erhalten. Am ehesten noch die Schlachten gegen die Araber in Spanien oder gegen die Türken im Donauraum waren Schlachten zur Erhaltung "unserer Rasse". Aber das ist nur ein geringer Teil der Gesamtzahl jener Kriege, die von indogermanischen Völker geführt worden sind.

Und all das könnte in Ostasien - zumindest der Gesamtquantität nach - ein wenig anders gewesen sein. Wobei allerdings zu berücksichtigen wäre, daß es auch in der chinesischen Geschichte viele Kriege gegeben hat. Hier wäre ein quantitativer und qualitativer Vergleich sicherlich einmal sinnvoll. Im Grunde erstaunlich überhaupt, daß die Kulturentwicklung der Menschheit sich in Asien und Europa so stark weiter entwickeln konnte, obwohl es in beiden Weltteilen immer und immer wieder vernichtende Kriege gegeben hat.

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  1. Khan, Razib: The emergence of Han identity as autochthonous. 6. Mai 2019, https://www.gnxp.com/WordPress/2019/05/06/the-emergence-of-han-identity-as-autochthonous/ 
  2. Bading, Ingo: Ihr Völker Asiens, ihr Völker Europas - Euer Werden, Euer Überleben! Studium generale, 1. Mai 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/05/ihr-volker-asiens-ihr-volker-europas.html 
  3. Bading, Ingo: 8.000 Jahre lange unverfälschte genetische Kontinuität eines Fischervolkes - In Ostsibirien. St.gen., 5. Februar 2017, https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/02/8000-jahre-lange-genetische-kontinuitat.html 
  4. Ludendorff, Mathilde: Die Volksseele und ihre Machtgestalter. Eine Philosophie der Geschichte. Ludendorffs Verlag, München 1933; erneut: 1955, https://archive.org/details/MathildeLudendorffDieVolksseeleUndIhreMachtgestalter
  5. Hunke, Sigrid: Europas andere Religion. Die Überwindung der religiösen Krise. Düsseldorf 1969
  6. Miegel, Meinhard; Wahl, Stefanie: Das Ende des Individualismus. Die Kultur des Westens zerstört sich selbst. mvg-Verlag, München, 1993
  7. Assmann, Jan: Die Mosaische Unterscheidung oder Der Preis des Monotheismus. Hanser, München 2003
  8. Lotz, Magrietha Aletha Cornelia Magdalena: Beyondism - The thinking of Raymond Bernard Cattell (1905-1998) on Religion, and his religious thought. Masterarbeit, Universität von Südafrika, Pretoria 2009, http://uir.unisa.ac.za/handle/10500/2688, https://core.ac.uk/download/pdf/43166109.pdf

Mittwoch, 8. Mai 2019

Göbekli Tepe - Es gab Gazellenfleisch und Getreide

Fleisch und Getreide wurde auch auf dem Göbekli Tepe verarbeitet und verzehrt

Bislang war man davon ausgegangen, daß am ältesten Bergheiligtum der Menschheit, dem Göbekli Tepe in der Südtürkei (9.500-7.500 v. Ztr.), keine Nahrung verarbeitet und konsumiert worden ist. Da bislang nur 1 % der Siedlung überhaupt ausgegraben worden ist, wollte das immer schon wenig besagen.


Abb. 1: Göbekli Tepe - Grabungsüberblick (A) und Rekonstruktion (B): Zahlreiche Menschen auf den Dächern rund um die Steinstelen mahlen Getreide (aus: 2)


Aber schon im Jahr 2013 hat eine deutsche Studie Massenjagden auf jahreszeitlich wandernde Gazellenherden während der Sommermonate als Nahrungsgrundlage der Menschen, die sich auf dem Göbekli Tepe versammelten, herausgearbeitet (1). Diese Massenjagden sind auch für zahlreiche andere Siedlungen des vorkeramischen Neolithikums in dieser Region schon seit Jahrzehnten bezeugt als wesentliche Subsistenz-Grundlage (2).

Soeben ist nun eine weitere deutsche Studie erschienen (3), die "mehr als 7.000 Reibsteine, Läufer, Mörser und Stößel" unterstuchte, die vor Ort gefunden worden sind, und die damit "eine außergewöhnlich große Anzahl solcher Geräte zur Verarbeitung pflanzlicher Nahrung" behandeln kann (4).

In einer Rekonstruktion (Abb. 1, Bild B) (3) wird dargestellt, daß die Getreide verarbeitenden Menschen auf dem Göbekli Tepe auf den Dächern der Häuser rund um die Steinstelen angeordnet das Getreide mit den genannten Geräten verarbeiteten (siehe auch: 5). Getreide ist in dieser Region schon Jahrtausende lang geerntet worden, bevor das Bergheiligtum auf dem Göbekli Tepe entstand (6). Auch die Hausmaus hat es ja in Siedlungen dieser Region schon vor der Entstehung des Göbekli Tepe gegeben (7).

Auf den deutschen und englischen Wikip.-Artikeln zu Göbekli Tepe sind diese wichtigen Hinweise, daß auf dem Göbekli Tepe auch umfangreich Nahrung verarbeitet und konsumiert worden ist, noch gar nicht eingearbeitet. Um zu verstehen, wie Göbekli Tepe insgesamt kultur- und religionsgeschichtlich einzuordnen ist, ist dieser Umstand aber bestimmt nicht besonders unwichtig.

___________________________________

  1. Gazelle behaviour and human presence at early Neolithic Göbekli Tepe, south-east Anatolia, 2013, https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00438243.2013.820648
  2. Bading, Ingo: Die Neolithische Revolution im Vorderen Orient 12.000 bis 6.000 v. Ztr.. Seminararbeit für den Anthropologischen Kurs II (Populationsstrukturen) von PD Dr. Winfried Henke, Universität Mainz, SS 1995 (Ursprünglicher Titel: Populationsstrukturen und Transitions-Vorgänge im Levanteraum vom Epi-Paläolithikum bis zum PPNB), http://independent.academia.edu/IngoBading/Papers/1599513/Die_Neolithische_Revolution_im_Vorderen_Orient_12.000_-_6.000_v._Ztr._ 
  3. Cereal processing at Early Neolithic Göbekli Tepe, southeastern Turkey, 2019, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0215214
  4. Ein Festgelage vor 10.000 Jahren. Pressemitteilung, 2019, https://idw-online.de/de/news715143 
  5. Große Festgelage am ältesten Großbauwerk der Menschheit, 2019, https://www.derstandard.de/story/2000102663573/grosse-festgelage-am-aeltesten-grossbauwerke-der-menschengeschichte
  6. Bading, Ingo: Die lange "Vorbrennphase" der "Neolithischen Revolution" - Ein um zehntausend Jahre verlängerter Vorlauf des Neolithikums im Vorderen Orient. Studium generale, 5. Mai 2012, https://studgendeutsch.blogspot.com/2012/05/die-dreistufige-rakete-neolithische.html
  7. Bading, Ingo: Die Hausmaus gab es schon im Natufium. Studium generale, 13.07.17, https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/die-hausmaus-gab-es-schon-im-natufium.html 
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