Sonntag, 4. November 2007

"Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben ..."

"Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen
und das Erhab'ne in den Staub zu zieh'n,"
dichtete Friedrich Schiller (s.u.).

Nach Meinung des Chefredakteurs von "National Geographic Deutschland" wird Deutschland im Jahr 2009 den Test antreten, ob es "Welt" (im Sinne Schillers) ist und seine Siegfried-Gestalt in den Staub zieht - oder ob es "irgendwas" anderes ist ...:
"Mit Nationalhelden ist Deutschland nicht gerade übermäßig versorgt", schreibt Chefredakteur Klaus Liedtke in der aktuellen November-Ausgabe von NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND. "Während die Engländer, die Franzosen, die Amerikaner stattliche Galerien nationaler Identifikationsfiguren aufzuweisen haben, bieten wir - ja wen eigentlich? Goethe, Bismarck, Beckenbauer? Oder vielleicht - erinnern Sie sich? - die Helden von Lengede, von Mogadischu, von Bern?"

"Angesichts unserer Historie ist es kein Wunder", sagt Liedtke weiter, "daß die deutsche Hall of Fame noch viel Platz bietet. 'Die Deutschen glauben', schrieb einmal eine britische Wochenzeitung, 'sie hätten eine Geschichte, während sie in Wirklichkeit nur eine kriminelle Vergangenheit haben.' Natuerlich ist das Quatsch und allenfalls fuer jene nachvollziehbar, die deutsche Geschichte auf die beiden Weltkriege verkürzen. Aber nach 1945 hat man den Deutschen die Heldenverehrung gründlich ausgetrieben. Und auf die pathetisch-patriotischen Inszenierungen des Nationalgefühls in anderen Ländern schauen sie bis heute eher mit einer Mischung aus Skepsis und Befremden."

"Aber nun steht ein Test bevor", so Liedtke. "Im übernaechsten Jahr feiern wir das Jubiläum der 'Schlacht im Teutoburger Wald', wo Arminius ('Hermann der Cherusker') die Legionen des Varus vernichtete, der 7 n. Chr., also vor genau 2000 Jahren, sein Amt als Oberbefehlshaber der römischen Truppen in Germanien antrat. Bis vor wenigen Jahren noch eine Figur des von den Nazis okkupierten und missbrauchten germanischen Erbes, können wir uns heute Arminius nähern, ohne in den Verdacht der Deutschtümelei zu geraten: War er der tugendhafte Befreier der Deutschen von römischer Tyrannei oder kühler, den Verrat nicht scheuender Machtmensch, der König werden wollte? Der Umgang mit dieser Geschichte wird uns einiges ueber die aktuelle Gemütslage der Deutschen verraten."

Lesen Sie in der November-Ausgabe von NATIONAL GEOGRAPHIC den ersten Teil der Serie "Kampf um Germanien" und finden Sie weitere aktuelle Themen auf unserer Website unter ...
Die obigen Schiller'schen Gedichtzeilen stammen übrigens aus dem Gedicht "Das Mädchen von Orleans", das auch sonst sehr gut ist. Er hat das Gedicht seinem Schauspiel "Die Jungfrau von Orleans" vorangestellt.
Das Mädchen von Orleans

Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen,
Im tiefsten Staube wälzte dich der Spott;
Krieg führt der Witz auf ewig mit den Schönen,
Er glaubt nicht an den Engel und den Gott;
Dem Herzen will er seine Schätze rauben,
Den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.

Doch, wie du selbst, aus kindlichem Geschlechte,
Selbst eine fromme Schäferin, wie du,
Reicht dir die Dichtkunst ihre Götterrechte,
Schwingt sich mit dir den ew'gen Sternen zu.
Mit einer Glorie hat sie dich umgeben;
Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.

Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen
Und das Erhabne in den Staub zu ziehn;
Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen,
Die für das Hohe, Herrliche entglühn.
Den lauten Markt mag Momus unterhalten;
Ein edler Sinn liebt edlere Gestalten.

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