Sonntag, 4. August 2019

Es ist "amtlich" - Das Urvolk der Indogermanen war die Chwalynsk-Kultur um 4.500 v. Ztr. an der Mittleren Wolga

Der US-amerikanische Archäologe David Anthony hat am 1. August über den neuesten Forschungsstand informiert

Der emeritierte US-amerikanische Archäologe David W. Anthony (Wiki) ist einer der derzeit führenden Archäologen betreffend der Entstehung und Ausbreitung der Indogermanen. Hier auf dem Blog hatten wir schon auf seine Forschungen hingewiesen (1). In einem am 1. August dieses Jahres veröffentlichten Aufsatz (2) macht er mit dem neuesten Erkenntnisstand zur Entstehung des Volkes, bzw. der Völkergruppe der Indogermanen bekannt. Und das ist mehr oder weniger sensationell.

David W. Anthony ist Mitautor mehrerer Ancient-DNA-Studien der Forschungsgruppe von David Reich und er steht deshalb in engem Austausch über die neuesten Forschungsergebnisse dieser Forschungsgruppe. Aufgrund dieses engen Austausches kann er in diesem Aufsatz auf die neuesten Erkenntnisse dieser Forschungsgruppe hinweisen. Zwar ist es etwas ungewöhnlich, daß er damit nicht wartet, bis die betreffenden, sich sicherlich in Vorbereitung befindende Studie wenigstens im Preprint veröffentlicht ist. Dennoch ist es natürlich für uns sehr wertvoll, daß er schon zuvor "aus dem Nähkästchen" plaudert. Noch dazu, wo es sich um solche sensationellen Entdeckungen handelt. Es wird nichts weniger verkündet als die endgültige Lokalisierung und Datierung der Ethnogenese der Indogermanen.

Und zwar hat diese stattgefunden in der Chwalynsk-Kultur (4.700-3.800 v. Ztr.) (Wiki), benannt nach der russischen Stadt Chwalynsk an der Mittleren Wolga. Auf Wikipedia ist über diese Kultur zu erfahren (Wiki):
Das Gebiet der Chwalynsk-Kultur reichte von Saratow im Norden bis zum Nord-Kaukasus im Süden und vom Asowschen Meer im Westen bis zum Ural-Fluß im Osten.
Das ist im Grunde immer noch ein riesiges Gebiet. Aber immerhin haben wir jetzt einen konkreten Namen, eine konkrete Zeit und einen konkreten Ort. In den ersten Studien aus dem Jahr 2015 hatte man die Indogermanen noch als 50/50-Mischung von osteuropäischen und kaukasischen Jägern und Sammlern beschrieben. 2018 entdeckte man einen Anteil von 10 bis 18 % anatolisch-neolithischer Genetik bei den frühen (westlichen) Indogermanen.




Da die anatolisch-neolithische Genetik sich ab 5000 v. Ztr. nicht nur vom Balkan aus nach Osten ausbreitete (u.a. über die Cucuteni-Kultur im Süden, später über die Kugelamphoren-Kultur weiter im Norden), sondern zur gleichen Zeit auch von Anatolien aus nach Osten in den Kaukasus ausbreitete (!!!) (von wo aus sich umgekehrt gleichzeitig die kaukasisch-neolithische Genetik nach Anatolien ausbreitete) (!!!) (beides war uns bislang nicht so bekannt/bewußt gewesen), da man aber weiß, daß die anatolisch-neolithische Genetik der Indogermanen NICHT über den Kaukasus zu den Indogermanen gekommen sein kann (da es darin noch eine westeuropäische Jäger-Sammler-Komponente gibt), kann jetzt geschlußfolgert werden, daß sich der Herkunftsanteil der kaukasischen Jäger und Sammler VOR 5000 v. Ztr. genetisch von seiner Ursprungsregion im Kaukasus getrennt haben muß und sich dann irgendwann in dieser Zeit mit dem Herkunftsanteil der osteuropäischen Jäger und Sammler vermischt haben muß. Bekanntlich hat es schon ab 6.500 v. Ztr. neolithische Kulturen im Kaukasus gegeben, die in großen Bottichen Wein verarbeitet haben (1).*)  Andererseits war um 5.500 v. Ztr. Kaukasus-Genetik noch nicht bis Samara an der Mittleren Wolga vorgedrungen. Dort gab es um 5.500 v. Ztr. nur osteuropäischer Jäger und Fischer-Genetik. Und nun kommen die entscheidenden Worte von Anthony (2): 
Vor 4.500 v. Ztr. gelangt kaukasische Jäger-Sammler-Genetik zu den osteuropäischen Jägern und Fischern in die Steppen der Mittleren Wolga zwischen Samara und Saratow, zur gleichen Zeit wie domestizierte Rinder, sowie Schafe und Ziegen eben daselbst erscheinen. Das Labor von David Reich hat jetzt archäologische Gesamt-Genom-Daten von mehr als 30 Individuen von drei eneolithischen Begräbnisplätzen in den Steppen der Wolga zwischen den Städten Saratow und Samara (Khlopkov Bugor, Chwalynsk, and Ekaterinovka), die alle datiert sind auf die Mitte des 5. Jahrtausends v. Ztr..
Original: But  before 4500 BC, CHG ancestry appeared among the EHG hunter-fishers in the middle Volga steppes from Samara to Saratov, at the same time that domesticated cattle and sheep-goats appeared. The Reich lab now has whole-genome aDNA data from more than 30 individuals from three Eneolithic cemeteries in the Volga steppes between the cities of Saratov and Samara (Khlopkov Bugor, Khvalynsk, and Ekaterinovka), all dated around the middle of the fifth millennium BC. Many dates from human bone are older, even before 5000 BC, but they are affected by strong reservoir effects, derived from a diet rich in fish, making them appear too old (Shishlina et al 2009), so the dates I use here accord with published and unpublished dates from a few dated animal bones (not fish-eaters) in graves.
Weiter heißt es über die Menschen der Chwalynsk-Kultur (2):
Der Anteil der kaukasischen Jäger-Sammler-Genetik liegt bei zwei Individuen mit 20 bis 30 % beträchtlich unter dem Anteil derselben bei den späteren Yamnaya; aber das dritte Individuum von Chwalynsk hatte mehr als 50 % kaukasische Jäger-Sammler-Genetik - ebenso wie die Yamnaya. Die etwa 30 bisher noch nicht publizierten Individuen von den eneolithischen Grabstätten der Mittleren Wolga, einschließlich Chwalynsk, zeigen dieselben Vermischungen in unterschiedlichen Anteilen. Die meisten Männer gehörten zur Y-chromosomalen Haplogruppe R1b1a wie fast alle (späteren) Yamnaya-Männer, aber in Chwalynsk gab es auch eine Minderheit von anderen Y-chromosomalen Haplogruppen (R1a, Q1a, J, I2a2), die in (späteren) Yamnaya-Gräbern nicht oder nur selten (I2a2) auftreten.
Origihnal: The proportion of CHG in the Wang et al. (2018) bar graphs is about 20-30% in two individuals, substantially less CHG than in Yamnaya; but the third Khvalynsk individual had more than 50% CHG, like Yamnaya. The ca. 30 additional unpublished individuals from three middle Volga Eneolithic cemeteries, including Khvalynsk, preliminarily show the same admixed EHG/CHG ancestry in varying proportions. Most of the males belonged to Y-chromosome haplogroup R1b1a, like almost all Yamnaya males, but Khvalynsk also had some minority Y-chromosome haplogroups (R1a, Q1a, J, I2a2) that do not appear or appear only rarely (I2a2) in Yamnaya graves.
Offenbar hat dort also - zumindest unter den Männern - noch allerhand Selektion stattgefunden. Falls männliche Eliten mehr Kinder gehabt haben sollten als andere Bevölkerungsteile - was bei dem Volk von Chwalynsk - aufgrund vieler Hinweise - der Fall gewesen sein kann, könnte eine solche Selektion leicht erklärt werden. (Auch der dänisch-schwedische Archäologe Kristian Kristiansen macht auf die sehr unterschiedliche Ausbreitung von männlichen indogermanischen Y-Chromosomen und mitochondrialen weiblichen nicht-indogermanischen Haplotypen in vielen Regionen, wo Indogermanen später hingekommen sind, aufmerksam.) Jedenfalls heißt all das: Im Norden gab es mit der Samara-Kultur ein genetisch noch unvermischtes Volk osteuropäischer Jäger und Fischer. Und das diesem genetisch sehr ähnliche Volk der Chwalynsk-Kultur vermischte sich - ab etwa 4.700 v. Ztr. - mit kaukasisch-neolithischen Rinderzüchtern, die sich von Süden, vom Kaspischen Meer her die Wolga aufwärts ausbreiteten. Zu dieser Ausbreitungsbewegung bringt Anthony auch eine Karte von Fundstätten. Allerdings scheint es für diese archäologische Kultur, die sich da nach Norden ausbreitete, noch keinen fest umrissenen Namen zu geben. Jedenfalls nennt Anthony einen solchen - soweit übersehbar - nicht. (Weiter im Osten gab es die Kelteminar-Kultur, die schon große Häuser besaß. Aber um diese handelt es sich ja offenbar nicht.)

All das heißt also nun: Die kaukasus-neolithischen Völker (die wohl genetisch weitgehend identisch sind mit den kaukasischen Jägern und Sammlern) haben sich entlang der Küste des Kaspischen Meeres und von dort entlang des Unterlaufes der Wolga Richtung Norden mit ihren Haustieren - und sicherlich auch mit ihren angebauten Getreidesorten - ausgebreitet. An der Mittleren Wolga lebte aber ein streitbares, herrisches, hochmütiges Volk von Jägern und Fischern, die den südlichen Ankömmlingen nicht nur die Rinder geraubt haben werden, sondern - vielleicht - auch die Frauen. Es könnte ein früher Fall von "Raub der Sabinerinnen" vorliegen. Natürlich sind auch friedlichere Szenarien denkbar. :-) Handelsverbindungen und ähnliches.

Abb. 1: Die frühe Ausbreitung der Indogermanen (Chwalynsk-Kultur), abgelesen an der Verbreitung der Tierkopf-Szepter (aus: 3)

All das geschah zur selben Zeit als sich in Mitteleuropa die zuvor weiträumig sehr einheitliche, bevölkerungsdichte anatolisch-neolithische Bandkeramik auflöste und in regionalere Kulturen überging, die oft extensivere Weidewirtschaft betrieben, geringere Siedlungsdichte aufwiesen, "urtümlichere" Hausbauformen (trapezförmiger Grundriß) kannten und zugleich deutlich mehr einheimische, westeuropäische Jäger-Sammler-Genetik aufwiesen (bis zu 20 %) als die Bandkeramiker. Es wird erkennbar, daß es in dieser Zeit parallele Entwicklungen, Ethnogenesen in den Ländern an Rhein, Oberer Elbe, Oberer Oder, Donau und so weiter gegeben hat wie am Mittellauf der Wolga. Zwischen beiden kulturellen Großräumen gab es allerdings noch die Dnjepr-Donez-Kultur, die - offenbar - nur einheimische europäische Jäger-Sammler-Genetik, sowie robusten Knochenbau (siehe unten) aufwies und bei ihrer urtümlichen Lebensweise geblieben und später - vermutlich - ausgestorben ist. Allerdings traf ein ähnliches Schicksal später auch die mittel- und spätneolithischen Völker Mitteleuropas, als sich jenes mittelneolithische Volk der Mittleren Wolga in späteren Jahrtausenden über ganz Europa - auf Kosten eben der mittelneolithischen Völker Mitteleuropas - ausgebreitet hat. Aber wie ging es - nach Anthony - nach 4.500 v. Ztr. weiter? Auch da ist hoch interessantes zu erfahren (2):
Wang u.a. (2018) entdeckten, daß sich das Volk der Mittleren Wolga hinunter bis zu den nordkaukasischen Steppen ausbreitete, wo es Grabstätten wie Progress-2 und Vonyuchka gibt, datiert auf 4.300 v. Ztr., wo derselbe Chwalynsk-artige Vorfahrentyp erscheint, eine Mischung aus Kaukasus-Jäger-Sammlern und Osteuropäischen Jäger-Sammlern ohne anatolisch-neolithische Bauern-Herkunft, jedoch mit Y-chromosomalen Haplogruppen R1b.
Wang et al. (2018) discovered that this middle Volga mating network extended down to the North Caucasian steppes, where at cemeteries such as Progress-2 and Vonyuchka, dated 4300 BC, the same Khvalynsk-type ancestry appeared, an admixture of CHG and EHG with no Anatolian Farmer ancestry, with steppe-derived Y-chromosome haplogroup R1b. (...) The Progress-2 individuals from North Caucasus steppe graves lived not far from the pre-Maikop farmers of the Belaya valley, but they did not exchange mates, according to their DNA.
Diese Ausbreitungsbewegung nach Süden ist von einem Archäologen der Moldavischen Republik, nämlich V. A. Dergachev schon in einem Buch aus dem Jahr 2007 anhand der Ausbreitung von Tierkopf-Szepter postuliert worden (Abb. 1 und 2). Der Buchtitel lautete "Über Szepter, Pferde und Krieg - Studien in Verteidigung von Marija Gimbutas" (3). Marija Gimbutas war jene berühmte litauische Archäologin, die zuerst die Urheimat der Indogermanen an der Wolga vermutet hatte. Allerdings hatte sie als das Urvolk der Indogermanen noch die Samara-Kultur nicht die Chwalynsk-Kultur angesprochen. Da wird man sich die Details noch einmal genauer anschauen dürfen zur Frühgeschichte dieses Volkes.

Abb. 2: Die Entwicklung der indogermanischen Tierkopf-Szepter (aus: 3)
 Anthony jedenfalls schreibt weiter (2):
Nach 5.000 v. Ztr. treten domestizierte Tiere an Siedlungsorten (vormaliger Jäger und Fischer) der Unteren Wolga auf, ebenso kommen neue Siedlungsorte dazu und Opferungen in Gräbern in Chwalynsk and Ekaterinovka. Kaukasus-Jäger-Sammler-Gene und domestizierte Tiere breitete sich nach Norden entlang der Wolga aus. (...) Nach etwa 4.500 v. Ztr. vereinigte die archäologische Chwalynsk-Kultur die archäologischen Stätten der Unteren und Mittleren Wolga in einer variablen archäologischen Kultur, die domestizierte Schafe, Ziegen und Rinder (sowie möglicherweise Pferde) hielt. Nach meiner Einschätzung dürfte Chwalynsk die älteste Phase des Urindogermanischen repräsentieren.
Original: After 5000 BC domesticated animals appeared in these same sites in the lower Volga, and in new ones, and in grave sacrifices at Khvalynsk and Ekaterinovka. CHG genes and domesticated animals flowed north up the Volga, and EHG genes flowed south into the North Caucasus steppes, and the two components became admixed. After approximately 4500 BC the Khvalynsk archaeological culture united the lower and middle Volga archaeological sites into one variable archaeological culture that kept domesticated sheep, goats, and cattle (and possibly horses). In my estimation, Khvalynsk might represent the oldest phase of PIE.
Das sind entscheidende Worte von einem der besten Kenner der Archäologie der Indogermanen. In welchem komplexen kulturellen und genetischen Wechselverhältnis diese Chwalynsk-Kultur der Indogermanen mit der stadtähnliche Cucuteni-Kultur im Westen stand (also jenseits der urtümlichen Dnjepr-Donez-Kultur), darüber schreibt Anthony (2):
Yet among 48 individuals with whole-genome aDNA from 16 Neolithic and Copper Age cemeteries in Bulgaria and Romania dated 5800-4300 BC, only three showed any ancestry from a steppe mating network (Mathieson et al. 2018). Around 95% of the southeastern European farmer population tested had no steppe relatives over a period of 1500 years. They must have actively avoided marriage with steppe people, a rule broken only among the elite towards the end of the Eneolithic. All three of the steppe-admixed exceptions were from the Varna region (Mathieson et al. 2018). One of them was the famous “golden man’ at Varna (Krause et al. 2016), Grave 43, whose steppe ancestry was the most doubtful of the three. If he had steppe ancestry, it was sufficiently distant (five+ generations before him) that he was not a statistically significant outlier, but he was displaced in the steppe direction, away from the central values of the majority of typical Anatolian Farmers at Varna and elsewhere. The other two, at Varna (grave 158, a 5-7-year-old girl) and Smyadovo (grave 29, a male 20-25 years old), were statistically significant outliers who had recent steppe ancestry (consistent with grandparents or great-grandparents) of the EHG/CHG Khvalynsk/Progress-2 type, not of the Dnieper Rapids EHG/WHG type. Again, this is surprising, because the Volga is much farther away from Varna than the Dnieper. All three graves were unusually well-equipped with typical Varna pottery and ornaments, and grave 43 was spectacularly rich. Steppe people occasionally became the parents of children whose local parents belonged to Old European elite families, presumably as the result of arrangements tied to political and economic negotiations. But the children were kept in the tell towns and lived and died there. Aside from these three elite-looking Varna-region individuals dated 4650-4450 BC (Krause et al. 2016; Mathieson et al. 2018: Supplementary Materials), the majority of Eneolithic farmers who lived near the steppe region had no steppe relatives, mirroring the absence of Anatolian Farmer ancestry in Eneolithic steppe cemeteries.
Wenn also schon um 4.600 v. Ztr. Menschen der Mittleren Wolga als Eliten - Könige - in der Königsstadt Warna (4) erkennbar sind, wird man die Ethnogenese der Indogermanen selbst wohl doch noch etwas früher ansetzen müssen. Wie auch immer. Diese Indogermanen stehen dann in einem Zusammenhang mit dem Nieder- und Untergang der großartigen Cucutenni-Kultur, von denen sie dann auch Genetik aufnehmen. Anthony (2):
Steppe type graves appeared on the fringes of the lower Danube valley, at Suvorovo and Giurgiulesti. Then about 4300-4200 BC the Varna/Karanovo VI-era tell towns of the lower Danube valley and the Balkans suffered a localized but sudden and total collapse resulting in the end of tell settlements and of most of their material culture traditions. The culture that replaced them in the lower Danube valley, Cernavoda I, was relatively impoverished and showed a mixture of steppe and Old European customs. I believe that the Suvorovo-Cernavoda I movement into the lower Danube valley and the Balkans about 4300 BC separated early PIE-speakers (pre-Anatolian) from the steppe population that stayed behind in the steppes and that later developed into late PIE and Yamnaya.

Was für eine spannende Geschichte. Sie ist so komplex und neu, daß wir uns noch einmal das "große Bild" vor Augen halten wollen.

Halten wir uns das "große Bild" vor Augen


4.900 v. Ztr. ging in Mitteleuropa die Bandkeramik unter und es bildeten sich Regionalkulturen mit höherem Anteil einheimischer westeuropäischer Jäger-Fischer-Genetik heraus. 4.300 v. Ztr. bildete sich dann die Trichterbecherkultur, die erste Bauernkultur Skandinaviens. Was geschah parallel dazu an der Mittleren Wolga?

Vermutlich 4.700 v. Ztr. kam es dort zur 50/50-Vermischung zwischen osteuropäischen Jägern und Fischern und kaukasischen Herdenhaltern. Solche 50/50-Vermischungen sind punktuell sicherlich auch in Mitteleuropa vorgekommen. Nur dort hat sich daraus keine demographische Stabilität, kein Volk entwickelt. An der Wolga hingegen schon. Hier lagen offenbar andere Verhältnisse vor, die das "erleichtert" haben. An der Wolga hat man es auch mit viel weiträumigeren Gebieten zu tun als in Mitteleuropa. Vielleicht haben die unterschiedlichen Szenarien auch damit zu tun. Wir haben es mit Steppengebieten zu tun, nicht mit dicht von Urwald bewachsenen Gebieten Mitteleuropas, in der nur Rodungssiedler Rodungsinseln geschaffen hatten. Wie auch immer. Schon 4.500 v. Ztr. finden wir die Genetik der Urindogermanen in der Königsstadt Warna in Bulgarien, jene archäologische Städte, in der das älteste Gold Europas gefunden wurde. Um 4.300 v. Ztr. ist die bäuerlich-städtische Cucuteni-Kultur im Westen der Indogermanen untergegangen und die Urindogermanen haben dabei noch 10 bis 20 % der anatolisch-neolithischen Genetik der Cucuteni-Kultur in sich aufgenommen. Damit war die kulturelle und genetische Ethnogenese der Indogermanen im Wesentlichen abgeschlossen. Und all das geschah etwa in der Zeit, in der im westlichen Ostseeraum die Trichterbecherkultur und in Ostmitteleuropa die Kugelamphoren-Kultur entstanden und ihre Hochblüte erlebten. Und welche aufregenden Jahrtausende sollten dann erst noch folgen.

Während also die westeuropäischen Jäger und Fischer bei der Ethnogenese für frühneolithischen Bandkeramiker am Plattensee in Ungarn nur 7 % ihre Genetik einbringen konnten und nach Untergang der Bandkeramiker bis zu 20 % ihrer Genetik bei der Ethnogenese der mittelneolithischen europäischen Bauernkulturen (Lengyel-Kultur, Rössener Kultur, Stichbandkeramik etc. pp.), ist es kennzeichnend für die Entstehung des Volkes der Indogermanen, daß sich hier die Genetik der osteuropäischen Jäger und Fischer zu 50 % in die Ethnogenese des mittelneolithischen Volkes an der Wolga, nämlich der Indogermanen eingebracht hat.

Sicherlich sind solche Ethnogenesen, solche Neuentstehungen von Stämmen und Völkern in Osteuropa sogar häufiger in einem solchen Anteil geschehen. Aber an der Mittleren Wolga entstand dabei ein Geflecht aus Genetik und Kultur, aus seelischer Haltung, aus kulturellem Habitus wie es diese in keinem anderen Volk, keiner anderen Volksgruppe der Welt bis heute gibt: Sehr große Veränderungsbereitschaft, sehr große Streitlust, sehr großer Wille zu herrschen (davon wurde später die idelogische Lehre vom "Herrenvolk" abgeleitet), das seelische Erlebnis der Erhabenheit und Größe landschaftlicher Weite, endloser Ebenen, Großzügigkeit, adliger Sinn. Alles Eigenschaften, die den Indogermanen zugesprochen werden. Noch ein heidnischer Wikingerspruch sollte lauten:
Am engen Strand
an enger See
wird eng des Menschen Sinn.
Während nun die anatolisch-neolithische und die kaukasisch-neolithische Genetik und Kultur jeweils auf ihre emsige, fleißige, arbeitsame Weise sehr viel Dynamik in die Weltgeschichte gebracht haben, von denen auch die Entstehung der frühen Hochkulturen an Nil, Euphrat und Ganges bestimmt waren, sollte sich dieser Umstand noch einmal steigern, sollte noch einmal eine Beschleungigung in die Weltgeschichte hinein kommen mit der Kultur und Genetik der so abseitig entstandenen Indogermanen. Festzuhalten bleibt aber auch, daß die Indogermanen sich nach Europa hinein erst ab 2.700 v. Ztr. ausbreiten konnten (!), also nachdem dort die Tricherbecher-Kultur, die Michelsberger Kultur und die Kugelamphoren-Kultur lange Zeit Stabilität aufgewiesen hatten, und nachdem in diesen Kulturen nach 3.500 v. Ztr. auch der Rinderwagen üblich wurde. Welch lange Zeiträume der mittelneolithischen Stabilität in Mitteleuropa. Das darf man keineswegs außer Acht lassen für das Gesamtbild.

Es sind also von 4.300 v. Ztr. bis 2.700 v. Ztr. noch einmal 1.500 Jahre vergangen, in denen die Kultur der Indogermanen sich nicht wesentlich weiter nach Nordwesten ausbreiten konnte, obwohl dieser "Drang nach Westen" schon 4.500 v. Ztr. in Warna und 4.300 v. Ztr. beim Untergang der Cucuteni-Kultur manifest geworden war. Damit drängt sich der Eindruck auf, daß sich die Indogermanen nur dorthin ausbreiten konnten, wo die zuvor existierenden bevölkerungsdichten Bauernkulturen ihre innere Stabilität verloren hatten, bzw. - womöglich - von inen heraus einen Niedergang erlebten oder Auflösungserscheinungen zeigten.

Allerdings gibt es ja auch die These und Vermutung, daß die Erfindung des Rades und noch mehr des Sreitwagens sehr viel neue Dynamik in die Weltgeschichte hinein gebracht haben.

Noch einige Einzelheiten über die Chwalynsk-Kultur


Und halten wir auch noch einmal fest: Nicht die nördlich gelegenene und etwas frühere Samara-Kultur (Wiki) war die Urheimat der Indogermanen - wie Marija Gimbutas annahm, in dieser hat sich vermutlich nur die Ausgangspopulation der osteuropäischen Jäger und Fischer länger für sich gehalten als in der südlicher gelegenen Chwalynsk-Kultur, wo es umfangreich zur Vermischung mit kaukasisch-neolithischen Rinderzüchtern gekommen ist. Schon in der Samara-Kultur sind einige Gräber mit Steinhügeln oder niedrigen Erdschüttungen überdeckt, was als sehr frühe Formen des Kurgan (des typischen Hügelgrabes der Indogermanen, der "Kurgan-Kulturen") angesehen werden kann (Wiki):
Charakteristisch sind Tieropfer, die an den meisten Fundstellen gefunden wurden. Typischerweise wurden Köpfe und Hufe von Rindern, Schafen und Pferden in flachen Schalen über dem Grab platziert und mit Ocker bestreut. (...) Neben den Überresten von Pferden in den Gräbern sind auf Grabbeigaben auch Pferde dargestellt. Ob die Pferde bereits geritten wurden kann nicht beantwortet werden, aber als Fleischlieferant wurden sie bestimmt genutzt. Aus einer späteren Phase der Kupfersteinzeit ist ein Schlachtplatz mit zahlreichen Pferdeknochen bekannt.
In dieser ausgeprägten Bedeutung der Pferde unterscheidet sich diese Kultur von der Dnepr-Donez-Kultur, mit der es sonst viele kulturelle Ähnlichkeiten gibt. Die Chwalynsk-Kultur weist nun viele Ähnlichkeiten zur Samara-Kultur auf (Wiki):
Zwölf Gräber waren mit Steinhügeln bedeckt. Opferplätze, die denen in Samara ähnlich sind, mit Resten von Pferden, Rindern und Schafen, wurden ebenfalls gefunden. 
Das Volk der Chwalynsk-Kultur, also unsere Vorfahren, scheinen allerdings schnell einen Zug ins Große entwickelt zu haben. Hören wir doch (Wiki):
Bei Nalchik enthielt ein 67 m hoher und 30 m im Durchmesser messender irdener Kurgan ....
Halten wir dazu fest, daß das so bedeutende und eindrucksvolle Königsgrab von Seddin (Wiki) im nördlichen Brandenburg von späten Nachfahren der Chwalynsk-Kultur zehn Meter hoch war und einen Durchmesser von 63 Metern aufwies. Weiter (Wiki):
.... 121 individuelle Gräber, in denen die Bestatteten (...) auf einer Ockerstreuung ruhten und mit Steinen bedeckt waren. (...) Chwalynsk beweist die Weiterentwicklung des Kurgans. Es begann in Samara mit individuellen Gräbern oder kleinen Gruppen, die manchmal mit Steinen bedeckt wurden. Bei der Chwalynsk-Kultur finden sich Gruppengräber, die eine Familie oder lokale Gruppenzusammengehörigkeit widerspiegeln können. (...) Es gibt auch zahlreiche Belege für Schmuck: Muschelketten, Stein- und Tierzähne, Armringe aus Stein oder Knochen und Anhänger aus Eberhauern sowie Zähne von Bären, Wölfen und Hirschen.
Man spürt, daß man sich mit der Archäologie jener Kulturen erst noch sehr gründlich beschäftigen muß, bis man ein einigermaßen befriedigendes Gesamtbild des heutigen Kenntnisstandes geben könnte. Soweit übersehbar, betreibt übrigens der Arzt, Rechts-, Wirtschafts- und Sprachwissenschaftler Dr. Carlos Quiles (geb. 1981) aus Badajoz in Spanien (CarlosQuiles) den bislang einzigen deutschsprachigen Blog - außer dem unsrigen hier - zur Archäogenetik und zur Geschichte der Indogermanen (5). Hier kann man sich auch in deutscher Sprache über einige der neuesten Entwicklungen in der Forschung kundig machen. Die meisten Beiträge sind aber auch hier in Englisch erschienen. So ein solcher über eine jüngste Ausgrabung in Yekaterinovsky, 150 Kilometer nordwestlich von Saratow. Hier ist eine Grabstätte ausgegraben worden, über die im letzten Jahr berichtet worden ist (6):
Das Grab enthält das Skelett eines jungen Mannes mit traumatischen Verletzungen am Kopf, an den Beinen und an den Handknochen, sowie das Skelett einer jungen domestizierten Ziege, die reichlich mit roten Ocker bestreut war. Grabbeigaben bestanden aus drei Steinszeptern unterschiedlichen Typs, einem großen Gegenstand aus Horn in der Form eines Vogelkopfes, einer Steinaxt, Messer-artige Stücke aus Quarzit,  (...) Bieberzähne. Die Einzigartigkeit des Grabes wird deutlich anhand der vielfältigen Grabbeigaben und den erkennbaren rituellen Praktiken. Wir vermuten, daß hier ein Mann begraben wurde, der zur Elite der Gesellschaft gehörte.
The burial contains the skeleton of a young man with traumatic injuries of the skull, leg and hand bones of other individuals, skeleton of a young specimen of a domestic goat (Capra hircus) that was abundantly sprinkled with red ocher. Grave goods include three stone scepters of different types, a large item made of horn in the shape of a bird’s head, a stone adze, knife-like plates of quartzite, beads from the flaps of the shells (Unio), marmot cutters, decoration made from a beaver’s tooth. The uniqueness of the burial is determined by the combination of the composition of the grave goods and traces of ritual practices. To conclude, we suggest the buried man could belong to the elite of the society that left this burial ground.
Quiles hat übrigens auch dem jüngsten Aufsatz von Anthony einen neuen Beitrag gewidmet (7). Ergänzen wir hier nun vielleicht noch, was wir Ende Juli 2017 hier auf dem Blog - anhand (8) - aus den Forschungen der traditionellen physischen Anthropologie festgehalten hatten (9):
Andreas Vonderach hielt 2008 auch noch folgende interessante Beobachtung über die Ukraine fest, die unter dem Wissen, daß dort tatsächlich die Indogermanen entstanden sind, eine ganz neue Bedeutung bekommt:
"In der Ukraine zeigt sich mit der wahrscheinlich aus östlicheren Gebieten eingewanderten Kurgan-Bevölkerung ein völliger Bruch zur Vorbevölkerung der Dnepr-Donez-Kultur, die durch extreme Größenmaße und Robustizität, lange Schädel, breite Gesichter und Nasen und noch niedrigere Orbitae (Augenhöhlen) charakterisiert war. Der extreme, eher jungpaläolithische oder mesolithisch anmutende Typus der Dnepr-Donez-Kultur verschwindet gegen Ende des Neolithikums ohne erkennbare Spuren zu hinterlassen."
Die hier genannte Dnjepr-Donez-Kultur (Wiki) (5.000-4.200 v. Ztr.) wird von der östlicheren Yamna-Kultur (Wiki) (4.000-2.300 v. Ztr.) abgelöst, die heute allgemein den Indogermanen zugesprochen wird, und die aus der Samara-Kultur (5.200-4.400 v. Ztr.) (Wiki) an der mittleren Wolga und der parallelen Khvalynsk-Kultur (5.000-4.500 v. Ztr.) (Wiki) hervorgegangen ist. (Die frühe Yamna-Keramik läßt sich von der späten Khavalynsk-Keramik kaum unterscheiden.) Das westliche Drittel ihres Verbreitungsgebietes befindet sich nun auf dem Gebiet der vorhergehenden Dnjepr-Donez-Kultur. Bei der Entstehung der Indogermanen hat also auch schon ein Grazilisierungsprozeß stattgefunden, der durch Zuwanderung von Bevölkerung aus südlicheren Regionen (Pakistan, Iran, Kaukasus oder Levanteraum) zustande gekommen sein wird.
So schrieben wir also schon vor zwei Jahren, was die Ausführungen dieses Blogartikels noch einmal ergänzt.

Domestizierte Pferde neben Rindern, Schafen und Ziegen


[Ergänzung 25.11.2019] In einem jüngeren Blogartikel haben wir uns jüngst noch über die Rolle der Tierkopfzepter in der Chwalynsk-Kultur Gedanken gemacht (10). Und weiterhin: Im Jahr 2000 veröffentlichte David W. Anthony einen Artikel über die Stellung der Pferde - unter anderem - in der Chwalynsk-Kultur (11). Am Fundort Khvalynsk I am Westufer der Wolga wurden neben vielen Gräbern mit dem Inventar von Jägern und Fischern (z.B. Knochen-Harpunen), sowie mit einfachen Bronzegegenständen zwölf "Ritual-Depots" gefunden, also Orte ritueller Weihgaben, bzw. Opferstätten. Elf derselben enthielten Tierknochen, und zwar insgesamt von vier Pferden, 9 Rindern und 27 Schafen oder Ziegen. Darunter fanden sich mehrfach kombinierte "Schädel-Huf-Opferungen", also die Schädel der Tiere wurden gemeinsam mit ihren Hufen niedergelegt. Ein Grab enthielt 35 Astralagus-Knochen von Schafen, also Knochen des Sprunggelenkes. Sie stammten von mindestens 22 Schafen. An diesen Stätten ritueller Weihgaben fanden sich keine Knochen von wilden Tieren. Das dürfte ein Hinweis darauf sein, daß auch die geopferten Pferde schon domestizierte Tiere waren.

Abb. 4: Geschnitzte Knochenplatten mit Pferde-Darstellungen aus der Samara-Kultur (aus: 20)
Außerdem fanden sich in der Chwalynsk-Kultur und in der nördlicher gelegenen zeitgleichen Samara-Kultur geschnitzte Knochenplatten mit Pferde-Darstellungen (s. Abb. 5). All das sieht Anthony als Hinweise an darauf, daß das Pferd - neben Rindern, Schafen und Ziegen - für die Chwalynsk-Kultur eine bedeutende Rolle als domestizierte Tierart spielte. [Ergänzung Ende]


Abb. 3: Karte zum Ausgriff des Deutschen Reiches während des Zweiten Weltkrieges - Zur Verdeutlichung des Ortes der Schlacht von Stalingrad an der Unteren Wolga

Gefallen, verstorben und verdorben in Stalingrad


Abschließend noch einmal eine Erinnerung an jenes weltgeschichtliche Ereignis, das uns Deutsche das letzte mal mit der hier behandelten Urheimat der Indogermanen an der Mittleren und Unteren Wolga in Verbindung brachte. In dieser Region hat vor 78 Jahren eine der bedeutendsten Schlachten der Weltgeschichte stattgefunden, die Schlacht von Stalingrad (Wiki). Als die deutschen Truppen 1942 bis Stalingrad an der Unteren Wolga gekommen waren, hatten sie sich - in der Tat und ohne daß sie es wußten - mitten in ihre einstige Urheimat vorgekämpft. Von Stalingrad 600 Kilometer wolgaaufwärts liegt die Stadt Chwalynsk (Wiki), nach der die archäologische Kultur des Urvolkes der Indogermanen, die Chwalynsk-Kultur (4.700-3.800 v. Ztr.) (Wiki) benannt ist. Am 23. August 1941 abends um 18 Uhr erreichte die 16. deutsche Panzer-Division aus Münster in Westfalen unter dem Ritterkreuzträger General Hans-Valentin Hube die Wolga bei Rynok, zehn Kilometer nördlich vom Stadtzentrum von Stalingrad. Und dieser Vorort Rynok sollte mit anderen nördlichen Vororten dann sechs Monate lang zur Stätte härtester Kämpfe werden (Wiki):
Die 16. Panzer-Division hatte den Auftrag, die Stadt im Norden abzuriegeln. (...) Die Aufklärungs-Abteilung erreichte am 23. August die Wolga - sie war damit der erste deutsche Kampfverband der 6. Armee, dem ein Vorstoß bis zum Ufer des Flusses gelang. Dort mußte die Einheit eine Igelstellung bilden, da die Verbindung zu den nachrückenden Infanterie-Divisionen durch den schnellen Vormarsch abgerissen war. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Division nur noch über 75 einsatzfähige Kampfpanzer, und auch die motorisierte Infanterie hatte bereits schwere Verluste erlitten.
Die deutschen Panzer griffen dann Richtung Norden Spartanovka an, das 15 Kilometer vom Stadtzentrum von Stalingrad (heute Wolgograd) entfernt liegt. Am 19. November 1941, nach dem Beginn der Einkesselung zog sich die 16. Panzer-Division von ihrer Stellung bei Rynok und Spartanovka, in der sie wochenlang schwere Kämpfe geführt hatte, zurück. In der Divisionsgeschichte heißt es (Wiki):
Die Operation der Division gegen Rynok schlug fehl. 4000 ihrer tapfersten Soldaten liegen entlang der Eisenbahnlinie von Frolow bis Stalingrad. Ein weites Feld aus Grabkreuzen erhebt sich aus der weißen Steppe.
Sie liegen - vermutlich - nahe den Grabstätten ihr ursprünglichen Vorfahren begraben. Im Januar 1943 wurde dann die gesamte Division im Rahmen der 6. Armee im Kessel von Stalingrad vernichtet. Nur 10 Prozent der über 100.000 deutschen, hier in Gefangenschaft geratenen Soldaten, haben diese Gefangenschaft überlebt. Die meisten von ihnen hat die Sowjetunion unter ganz unglaublichen Umständen erfrieren und verhungern lassen. So viele deutsche Soldaten liegen heute in Massengräbern bestattet in jener Region, aus der ihre Urväter einst aufgebrochen waren. Was für ein Geschehen (s. Abb. 3 und 4; weitere Bilder deutscher Soldaten von der Wolga: Bundesarchiv1, 2, 3, Alamy1, 2, 3, 4, Süddeutsche Zeitung.)

Abb. 5: Deutsche Soldaten an der Wolga bei Stalingrad - Im Hintergrund gut sichtbar die weite Steppe (aus: Süddeutsche Zeitung, August 1942)

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*) Anthony benennt die von uns geschilderten Umstände im Original folgendermaßen (2): "This un-admixed kind of Caucaus Hunter Gatherer (CHG)  disappeared after about 5000 BC in the Caucasus and northwestern Iran, according to Wang et al. (2018) combined with Lazaridis et al. (2016) and the forthcoming Naramsimhan et al. (2018 posted on bioarxiv). After about 5000 BC Anatolian Farmer ancestry spread east through eastern Anatolia and Transcaucasia. (Areni-1, Armenia) into Iran (Seh Gabi) while CHG ancestry spread westward into Anatolia and the Levant."
**) Der genetische Vermischungsprozeß von kaukaus-neolithischen und anatolisch-neolithischen Kulturen nach 5.000 v. Ztr. ist für sich selbst ein auffälliges Geschehen: "All tested individuals dated after 5000 BC in the Caucasus and western Iran showed CHG & Anatolian Farmer admixture on a cline across Iran with greater Anatolian Farmer ancestry in western Iran and the Caucasus and less to none in eastern Iran (Narasimhan et al. 2018). After this mixing of populations happened, the un-admixed type of early CHG ancestry probably survived only in small isolated populations." Von dieser Vermischung ist auch die Maikop-Kultur nördlich des Kaukasus betroffen. Aber nun war viel zu viel anatolisch-neolithischer genetischer Anteil in dieser Kultur, um denselben Anteil bei den Indogermanen erklären zu können. 
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  1. Bading, Ingo: Neue Forschungen zur Entstehung der Indogermanen, 2.7.2017, https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/neue-forschungen-zur-entstehung-der.html 
  2. Anthony, David: Archaeology, Genetics, and Language in the Steppes - A Comment on Bomhard. In: Journal of Indo-European Studies, Vol. 47, Nr. 1 & 2, Frühjahr/Sommer 2019, S. 175, im Druck, hochgeladen auf Academia am 1.8.2019 (Academia)
  3. Dergachev, V. A.: On sceptres, on horses, on war: Studies in defence of M. Gimbutas’ migration concepts, Institute of Cultural Heritage of the Moldavian Republic 2007, behandelt von Carlos Quiles, 1.7.2018, https://indo-european.eu/2018/07/about-scepters-horses-and-war-on-khvalynsk-migrants-in-the-caucasus-and-the-danube/
  4. Bading, Ingo: Von Königen und Mäusen Die Warna-Kultur (4.400 v. Ztr.), das erste von Indogermanen gegründete Königreich - Ort der "Domestikation" der osteuorpäischen Hausmaus? 13. August 2011, https://studgendeutsch.blogspot.com/2011/08/von-konigen-und-mausen.html
  5. Quiles, Carlos: Indogermanische Völker und Sprachen. https://indogermanisch.eu/
  6. Quiles, Carlos: The unique elite Khvalynsk male from a Yekaterinovskiy Cape burial, 17.5.2018, https://indo-european.eu/2018/05/the-unique-elite-khvalynsk-male-from-a-yekaterinovskiy-cape-burial/
  7. Quiles, Carlos: Volga Basin R1b-rich Proto-Indo-Europeans of (Pre-)Yamnaya ancestry. 1.8.2019, https://indo-european.eu/2019/08/don-volga-r1b-m269-rich-proto-indo-europeans-of-pre-yamnaya-ancestry/
  8. Vonderach, Andreas: Anthropologie Europas. Völker, Typen und Gene vom Neandertaler bis zur Gegenwart. Ares-Verlag, Graz 2008
  9. Bading, Ingo: Ancient-DNA-Forschung und Physische Anthropologie gegenüber gestellt - Wie nehmen sich die Forschungsergebnisse der bisherigen Physischen Anthropologie aus vor den jüngsten Ergebnissen aus der ancient-DNA-Forschung?  27.7.2017, https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/ancient-dna-forschung-und-physische.html  
  10. Bading, Ingo: "Tierkopfzepter" der Indogermanen - Ursprünglich abgeleitet aus menschlichen Oberschenkelknochen? Und was haben sie mit "Zauberstäben" gemeinsam? 28. Oktober 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/10/tierkopfszepter-der-indogermanen.html  
  11. Eneolithic horse exploitation in the Eurasian steppes: diet, ritual and riding. David W. Anthony, Dorcas R. Brown, Antiquity, Volume 74, Issue 283, March 2000, pp. 75-86  DOI: https://doi.org/10.1017/S0003598X00066163 (Researchgate)        

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