Donnerstag, 31. Januar 2008

Die Evolution der blauen Augenfarbe


Nach neuen humangenetischen Studien zur Evolution der blauen Augenfarbe des Menschen, ist diese erst etwa vor fünf- bis zehntausend Jahren durch eine einzelne "Gründer-Mutation" entstanden. Wir Blauäugigen sind also alle miteinander verwandt, da die Entstehung der blauen Augen somit ein einmaliges evolutionäres Ereignis dargestellt hat. Wir stammen von braunäugigen Menschen ab. (Welt, Spiegel, größtenteils beruhend auf: Science Daily; siehe auch: Gene Expression 1, 2, 3, 4, Dienekes; drei Originalartikel, alle frei zugänglich: Americ. Journ. Hum. Genetic. 1, 2, Human Genetics)

Wenn die Datierung wenigstens grob stimmen sollte, müßte man davon ausgehen, daß die europäischen Eiszeitjäger, die Cro Magnon-Menschen, wie auch die nordeuropäischen Rentier-Jäger am Ende der Eiszeit noch braunäugig gewesen sind, und daß die Blauäugigkeit frühestens im Mesolithikum, also nach der Eiszeit entstanden ist. Im Mesolithikum könnte überhaupt humangenetisch viel Neues entstanden sein, weil durch die damals entstehende Bewaldung in Europa die Menschengruppen viel stärker voneinander getrennt worden sein könnten, wodurch es zu vielfältiger "lokaler" Humanevolution in diversen geographischen "Isolaten" über mehrere Jahrtausende hinweg gekommen sein könnte. Diese Phase endete mit Beginn des Neolithikums, als sich die ersten Ackerbauern über ganz Europa ausbreiteten und die Wälder rodeten, etwa um 5.600 v. Ztr..

Da im Mesolithikum die Bevölkerungsdichte ausordentlich gering war, wissen wir rein archäologisch über diese Zeitspanne sehr wenig. Über den eigentlichen Anfängen von später bedeutsam werdenden Entwicklungen liegt ja oft gerade das größte Geheimnis. Gründermutation heißt ja eigentlich, daß auch die Blauäugigkeit am ehesten in einer "Flaschenhals-Population" entstanden sein müßte, also in einer populationsmäßig sehr kleinen Gruppierung, die dann exponentiell gewachsen ist. Da diese Mutation heute rund um die Ostsee am häufigsten vorkommt, sollte man annehmen, daß sie dort auch entstanden ist.

Wissen wir aber von Bevölkerungs-Zusammenbrüchen in dieser Region am Ende oder nach der Eiszeit und von einer nachfolgenden Neubesiedlung durch Menschen, die dann die "Gründermutatuion" schon trugen?

In der folgenden Karte, die durch Draufklicken vergrößert werden kann (von Dienekes), wird die geographische Verteilung der Häufigkeit der erforschten Genmutation dargestellt, die Blauäugigkeit hervorruft. Es ist also eine Darstellung der Verbreitung des Genotyps, nicht des Phänotyps. Und es wäre zu überprüfen, ob diese Karte überall übereinstimmt mit Forschungen zum Phänotyp. Wenn es größere Widersprüche zwischen beiden gäbe, wäre das ein Hinweis darauf, daß noch andere genetische Ursachen als die hier erforschten für die Blauäugigkeit vorauszusetzen wären.


Auffällig ist, daß der Anteil der Genmutation für Blauäugigkeit in den baltischen Staaten, in Finnland und Weißrußland höher ist, als in fast ganz Norwegen und Südschweden. In Griechenland ist er höher als in Italien. Israel sticht hervor, vielleicht aufgrund der dort zugewanderten, jedoch in Mitteleuropa evoluierten aschkenasischen Juden. In Südengland ist der Anteil niedriger als in Norddeutschland. Und der Zipfel, der da nach Hessen (?) hineinragt - wo endet der?

(Siehe auch: Spektr. d. Wiss., Bild d. Wiss., Tagesspiegel. Richard Zinken von spektrumdirekt meint im Newsletter: "Wenn damit alle Blauäugigen auf einen Vorfahren zurückgehen, dürfte ein Familientreffen recht umfangreich ausfallen.")

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