Freitag, 30. November 2007

Ist die Kunst der Mutter die Mutter der Kunst?


Liegen die evolutionären Wurzeln der Kunst in der Mutter-Kind-Bindung?

Eine bestechende These hat Ellen Dissanayake aufgestellt, zuletzt in ihrem Buch "Art and Intimacy: How the Arts Began".

"Her books are considered classics among Darwinian theorists and art historians alike," las man vor drei Tagen in der New York Times.

Ihre These erinnert wieder einmal an die hier auf dem Blog schon behandelte These der Anthropologin Barbara King, nach der die tiefste evolutionäre Wurzel menschlicher Religiosität im "Zugehörigkeitsgefühl", im Gefühl der Verbundenheit mit den Mitmenschen liegen sollte. Das sagt Ellen Dissanayake auch über die Kunst - aber sie geht noch weiter (NYT):
After studying hundreds of hours of interactions between infants and mothers from many different cultures, Ms. Dissanayake and her collaborators have identified universal operations that characterize the mother-infant bond. They are visual, gestural and vocal cues that arise spontaneously and unconsciously between mothers and infants, but that nevertheless abide by a formalized code: the calls and responses, the swooping bell tones of motherese, the widening of the eyes, the exaggerated smile, the repetitions and variations, the laughter of the baby met by the mother’s emphatic refrain. The rules of engagement have a pace and a set of expected responses, and should the rules be violated, the pitch prove too jarring, the delays between coos and head waggles too long or too short, mother or baby may grow fretful or bored.

To Ms. Dissanayake, the tightly choreographed rituals that bond mother and child look a lot like the techniques and constructs at the heart of much of our art. “These operations of ritualization, these affiliative signals between mother and infant, are aesthetic operations, too,” she said in an interview. “And aesthetic operations are what artists do. Knowingly or not, when you are choreographing a dance or composing a piece of music, you are formalizing, exaggerating, repeating, manipulating expectation and dynamically varying your theme.” You are using the tools that mothers everywhere have used for hundreds of thousands of generations.
Die gelungene Kommunikation zwischen Mutter und Kind ist also eine Kunst. Und alles, was der Mensch seither gemacht hat, ist eine Imitation dieser frühen Kommunikation mit seiner Mutter. Klar! Wie sollte es denn auch sonst sein?

Auf geht's also, Ihr Mütter und Väter und Ihr, die Ihr's werden wollt! Werdet wieder Künstler! Werden Euch Eurer Künstlerschaft bewußt. Das ist jene Vereinigung von Kunst und Leben, von der so viele Menschen träumen oder geträumt haben:
.... Sprache der Liebenden
Sei die Sprache des Landes
Ihre Seele der Laut des Volks!

(Friedrich Hölderlin, Die Liebe)

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