Donnerstag, 26. Februar 2026

Dinosaurier-Spuren in den Alpen!

Über mehrere Kilometer verteilt in steilen Höhenlagen von 2000 Meter im nördlichsten Zipfel der Lombardei - Plateosaurus-Herden aus der Zeit vor 210 Millionen Jahren

Erstmals ergreift auch uns hier auf dem Blog die Dinosaurier-Begeisterung: Im "Valle di Fraele" im nördlichsten Zipfel der Lombardei - im Veltin, gelegen zwischen der Schweiz und Südtirol - wurde auf mehr als 2000 Meter Höhe im Herbst 2025 eine schiere Unmenge von Dinosaurier-Spuren aus der Zeit vor 210 Millionen Jahren entdeckt. Der ausführlichste und detaillierteste Bericht darüber findet sich hier ---> FinestresullArteWir verweisen auf ihn insbesondere auch deshalb, weil wir die Bildrechte für die dort eingestellten Fotografien nicht besitzen, die erst die ganze Faszination für dieses Thema wecken können.

Abb. 1: Plateosaurus gracilis (jüngeres Synonym: Sellosaurus gracilis ), ein Prosauropode aus der späten Trias Europas, Bleistiftzeichnung, digitale Kolorierung, 12. Dezember 2006, geändert am 12. Oktober 2007; Zeichner: Nobu Tamura (http://spinops.blogspot.com) Arme und andere Bearbeitungen von Benutzer:FunkMonk (Wiki)

Aber um welche Gegend handelt es sich beim "nördlichsten Zipfel der Lombardei"? In den Alpen sagt uns "Südtirol" noch am meisten. Deshalb nähern wir uns der Gegend über Karten an (Abb. 2, 3 und 5) und gehen wir dabei von Südtirol aus (Abb. 2):

Im Südwesten Südtirols liegt der Vintschgau und an seiner südwestlichen Grenze liegen der Ortler, liegen die Ortler Alpen und das Stilfser Joch (Wiki). Letzteres bildet die Verbindung zwischen dem Vinschgau in Südtirol und dem Veltin - gleichbedeutend mit der Provinz Sondrio - in der italienischen Lombardei.

In 22 Fußkilometer Entfernung westlich vom Stilfser Joch befindet sich das "Valle di Fraele", zu Deutsch das Fraele-Tal, das wohl künftig "Dinosaurier-Tal" heißen wird. Es ist auf Abb. 2 nur als dünner blauer Strich nördlich von Bormio erkennbar.

Abb. 2: Die Grenzen von Südtirol - ganz links, bzw. westlich der Vintschgau und der Ortler, südwestlich davon Bormio in der Lombardei

Das Fraele-Tal liegt nämlich im nördlichsten Zipfel der Lombardei 20 Kilometer nördlich des Urlaubsortes Bormio (Wiki) und 15 Kilometer östlich des Skiortes Livigno (Wiki) (Abb. 3).

Schon Leonardo da Vinci hat Bormio um seiner heißen Thermalquellen willen aufgesucht. Sie wurden spätestens seit seiner Zeit von vielen Italienern und Schweizern aufgesucht. Er notierte (Wiki):

An der Spitze das Valtellina-Tal und der Berg von Bormio. Schrecklich, immer voller Schnee. Hier entsteht das Hermelin. In Bormio befinden sich die Bäder. Das Valtellina, wie gesagt, ist ein Tal, umgeben von hohen, schrecklichen Bergen. Es produziert sehr kräftige Weine und so viel Vieh, daß die Einheimischen sagen, dort entstünde mehr Milch als Wein. Dies ist das Tal, durch das die Adda fließt.

Also schon damals stand in den Alpen die Milchproduktion im Vordergrund. Aber das nur am Rande.

Abb. 3: Die Provinz Sondrio, bzw. "das Veltin", die nördlichste Provinz der Lombardei - Umgrenzt von der Schweiz im Norden und Westen und von Südtirol im Osten - oben rechts: Bormio und nördlich davon - mit den beiden Seen - das Fraele-Tal

Über die Entdeckungsgeschichte der Dinosaurier-Spuren wird berichtet (FinestresullArte):

Die ersten Spuren wurden von Elio Della Ferrera entdeckt, einem Naturfotografen, der im Tal unterwegs war, um die alpine Fauna zu dokumentieren. Bei der Beobachtung eines felsigen Abhangs mit fast senkrechten Dolomitschichten mit dem Fernglas bemerkte Della Ferrera eine dichte Folge von Vertiefungen, die über die Felsen verteilt waren. Einige waren von beträchtlicher Größe, mit Durchmessern von bis zu vierzig Zentimetern; andere waren in regelmäßigen Reihen angeordnet, was auf einen nicht zufälligen Ursprung schließen läßt. Als der Fotograf nach einem anstrengenden Aufstieg den Aufschluß erreichte, sah er sich mit Hunderten von fossilen Fußabdrücken konfrontiert, von denen einige eindeutig Spuren von Fingern und Krallen aufwiesen. Die Hypothese, daß es sich um Fußabdrücke großer prähistorischer Tiere handelte, wurde am nächsten Tag bestätigt, als Della Ferrera den Paläontologen Cristiano Dal Sasso vom Naturhistorischen Museum in Mailand kontaktierte, mit dem er bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hatte. Die zugeschickten Bilder ermöglichten eine erste Erkennung: Es handelte sich um Dinosaurier-Fußabdrücke, von denen noch nie zuvor berichtet worden war.

Über die Entdeckung ist dann ab Dezember 2025 weltweit berichtet worden (s. SciAm2026; s. ein deutscher Bericht (Yt2025) (FrRdsch2025).

Abb. 4: Die Nordhänge des Cime di Plator

Es wurden auch Einblicke über Drohnen-Aufnahmen gegeben (Yt2025), es wurde auch eine Animation von einer der Dinosaurier-Herden veröffentlicht, die diese Spuren hinterlassen hat - mit männlichen und weiblichen Tieren, sowie mit Jungtieren (Yt2025).

Zu einer paläoartistischen Rekonstruktion heißt es (FinestresullArte):

Die Umgebung, wie sie vor etwa 210 Millionen Jahren ausgesehen haben könnte, heute erhalten in den Felsen des Fraele-Tals (Stilfserjoch-Park). Entlang der Küste des Tethys-Ozeans wandelt eine Herde prosauropoder Dinosaurier bei Ebbe auf einer ausgedehnten schlammigen Karbonatebene. In der Herde befinden sich auch junge Exemplare, wie einige kleine fossile Fußabdrücke zeigen. Die Männchen und Weibchen sind hier in verschiedenen Farben abgebildet. Illustration von Fabio Manucci 

Kurz nachdem diese Herden diese Watt-Region durchwandert hatten, muß sie ausgetrocknet sein. Und sie muß dann nach und nach versteinert sein. Und schließlich wurden diese steinernen Platten als Hochgebirgs-Platten in die Höhe gehoben, "aufgefaltet". Nämlich als der afrikanische Kontinent gegen den europäischen Kontinent drückte. - Es wurde auch die erste Aufnahme der Dinosaurier-Spuren von Elio Della Ferrara veröffentlicht (FinestresullArte):

Das erste Bild, das Elio Della Ferrera, der Entdecker der neuen paläontologischen Fundstelle, an die zuständige Oberaufsichtsbehörde geschickt hat. Es wurde am 14. September 2025 aufgenommen und zeigt die so genannte “Schicht 0”, die an den hohen Wänden der Cime di Plator zutage tritt. Allein hier gibt es etwa zweitausend fossile Fußabdrücke, von denen die meisten auf prosauropode Dinosaurier zurückgeführt werden können. Foto von Elio Della Ferrera 

Mangels Bildrechten könnten wir hier als Ersatz nur eine ansatzweise ähnliche Aufnahme aus Nordamerika einstellen (Abb. 5). Diese stellt aber nach jeder Richtung hin eine Verharmlosung dar.

Abb. 5: Als illustratives Beispiel: Östliche Seite des "Dinosaur Ridge", Dakota Hogback, westlich von Denver, nördliches, zentrales Colorado, USA (Fotograf: James St. John) (Flickr)

Weiter wird berichtet (FinestresullArte):

Die Merkmale der Fußabdrücke deuten darauf hin, daß sie von prosauropoden Dinosauriern stammen, großen Pflanzenfressern mit langen Hälsen und relativ kleinen Köpfen, die als Vorfahren der jurassischen Sauropoden gelten. Es handelte sich um robust gebaute Tiere mit scharfen Klauen an Händen und Füßen. Einige Arten, wie z. B. Plateosaurus engelhardti, konnten bis zu zehn Meter lang werden. In der Schweiz und in Deutschland sind zahlreiche Skelette von Plateosaurus gefunden worden, der am ehesten als Urheber der im Val di Fraele gefundenen Spuren in Frage kommt.

Und weiter wird berichtet, wobei nun auch die engere Region des Fundortes bekannt wird (die sonst in der Berichterstattung noch nicht genannt wird) (FinestresullArte):

Die betroffenen Gebiete erstrecken sich über mindestens sieben Bergrücken mit Dutzenden von sich überlagernden Schichten, die sich über eine Länge von fast fünf Kilometern entlang des Südufers der Cancano-Seen zwischen dem Plator- und dem Doscopa-Gipfel erstrecken. Derzeit sind etwa dreißig Aufschlußpunkte untersucht worden. Der Plator-Doscopa-Komplex ist damit eine der umfangreichsten und reichhaltigsten Dinosaurier-Fußabdruckfundstellen der Welt für die Triaszeit.

Es handelt sich um die Nordhänge des Cime di Plator. Sie befinden sich südlich des Lago di Cancano (s. Abb. 4), eines künstlichen Stausees. Es gibt Menschen, die im Winter Skitouren auf die Gipfel des Cime di Plator unternehmen (PaoloSonja, Fb2024). Aber auch sommerliche Touren in diese abgelegene Region werden beworben (s. Bormio).

Abb. 6: Die Bergkette zwischen dem östlichen, mittleren und westlichen Cima di Plator, sowie dem Cima Doscopa (VanityFair)

Auf geht's also! Der nächste Urlaub geht ins Veltin (Abb. 6)! Sonstige Fotografien des italienischen Naturfotografen Elio Della Ferrera finden sich im übrigen auf diversen Plattformen im Internet (z.B.: Pictures).

In zahlreichen Dinosaurier-Parks gibt es Rekonstruktionen von Plateosaurus - sie sind aber auf Wikipedia Commons in der Regel als fehlerhafte Rekonstruktionen charakterisiert (s. WikiCom). Deshalb hier nur wenige Abbildungen von ihm (Abb. 1 und 7).

Der Plateosaurus war also offenbar vor allem in Mitteleuropa verbreitet, wo er erstmals auch entdeckt worden ist (Wiki):

Der erste Fund eines Plateosaurus gelang 1834 Johann Friedrich Engelhardt in der Region Heroldsberg unweit von Nürnberg. Er übergab das Material dem Frankfurter Wirbeltier-Paläontologen Hermann von Meyer zur Bearbeitung. Dieser beschrieb es 1837 unter dem Namen Plateosaurus engelhardti. Damit war Plateosaurus der fünfte wissenschaftlich beschriebene Dinosaurier. (...) Heute ist Plateosaurus einer der am besten bekannten Dinosaurier, von dem weit über 100 teils vollständige Skelette in sehr guter Erhaltung gefunden wurden. (...) Wegen seiner Häufigkeit in Süddeutschland verlieh der Paläontologe Friedrich August Quenstedt Plateosaurus den Spitznamen „schwäbischer Lindwurm“.

Mit dieser Entdeckung und mit diesen Ausführungen ist erstmals auch das Interesse des Autors dieser Zeilen für die Dinosaurier-Forschung geweckt!

Abb. 7: Größenvergleich des obertriassischen europäischen (vorwiegend deutschen) Nicht-Sauropoden-Sauropodomorphen Plateosaurus (WikiC)

Zu dem eingestellten Größenvergleich (Abb. 7) heißt es (WikiC):

Plateosaurus gracilis (ehemals Sellosaurus ) wird hier durch den Holotypus SMNS 5175 (dunkelblau) mit einer geschätzten Länge von mindestens 4,5 m und das größere Exemplar GPIT „Aixheim“ repräsentiert, dessen Länge auf bis zu 6 m geschätzt wird. Die Silhouetten und Größenangaben basieren auf den Diagrammen in Yates (2003), die nach den Exemplaren GPIT 18318a, SMNS 5175 und GPIT 18392 gezeichnet wurden. Die unvollständige Hand wurde nach P. trossingensis rekonstruiert (Mallison, 2010). Plateosaurus trossigensis (zu dem ein Großteil des ehemals als P. engelhardti bezeichneten Materials gehört ) wies ein extrem variables Wachstum auf, und beide hier abgebildeten Exemplare sind tatsächlich ausgewachsen. Die kleinere Silhouette wurde anhand einer Oberschenkellänge von 48 cm (1,57 Fuß) skaliert, was einer Gesamtlänge von 4,8 m (16 Fuß) entspricht. Diese Länge wurde für ein nicht katalogisiertes Exemplar im MSFM, das von Klein & Sander (2007) als „Schulterblatt 1“ bezeichnet wurde, extrapoliert. Die größere Silhouette wurde anhand des 99 cm (39 Zoll) langen Oberschenkelknochens eines nicht katalogisierten Exemplars im IFG (von Klein & Sander (2007) als „Oberschenkelknochen 13“ bezeichnet) skaliert, woraus sich eine Gesamtlänge von fast 10 m (33 Fuß) ergibt. Die postkranialen Strukturen der Silhouetten basieren auf dem digitalen Modell des Plateosaurus- Skeletts von Mallison (2010), das aus Scans von GPIT-PV-30784 (ehemals GPIT 1) und GPIT-PV-30785 (ehemals GPIT 2) erstellt wurde, während die Schädel hauptsächlich auf MSF 11.4 und NAAG_00011238 (Lallensack et al., 2021) basieren.

Die Floskel "When Giants walked the Earth" kommt einem dabei in den Sinn.

"When Giants walked the Earth"

Wir lasen sie 2004 in "Nature" (Nature2004), als der britische Genetiker Steve Jones (geb. 1944) (Wiki) mit diesen Worten seine Besprechung des damals gerade erschienen Buches von Marek Kohn beitelte, das selbst unter dem Titel "A Reason for Everything" erschienen war und den Untertitel trug "Natural Selection and the British Imagination". Klappentext:

Das Buch beginnt mit Alfred Russel Wallace, der 1858 (...) die Idee der natürlichen Selektion entdeckte - und endet mit einem Porträt von Richard Dawkins, dem prominentesten lebenden Verfechter der natürlichen Selektion in Großbritannien. „A Reason for Everything“ zeichnet die Lebenswege einiger der wichtigsten Denker der Jahre dazwischen nach, darunter Ronald Aylmer Fisher, J. B. S. Haldane, John Maynard Smith und Bill Hamilton, und ist eine elegante und differenzierte Darstellung der Entwicklung des Darwinismus vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Das waren also die "Giganten", die einstmals auf der Erde die Wissenschaftswelt beherrschten und unser Weltbild formten. Es waren - erstaunlicherweise - zu einem großen Teil Engländer (abgesehen von dem "Giganten" in Freiburg im Breisgau, dem Deutschen August Weißmann). Seit diesem Jahr 2004 fand diese Floskel auch in anderen Bereichen Eingang. Aber ChatGPT belehrt uns, daß diese Floskel wörtlich erstmals so 2004 in "Nature" benutzt worden ist.

Ja, sie erschien auch uns seit 2004 so passend, daß sie uns bis heute als stehende Floskel in Erinnerung geblieben ist. Der in dem Buch und in der Rezension behandelte William D. Hamilton (1936-2000) (Wiki), der Begründer der Soziobiologie und der Evolutionären Anthropologie, hat auch uns zeitlebens als jener "Gigant" fasziniert, der er war. - - - Ob sich auch seine Spuren in den Alpen finden? Versteinert? ... Gewiß ...

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