Das Taygetos-Gebirge verläuft von Norden nach Süden über die Halbinsel Peloponnes und trennte in der Antike die Spartaner von den ihnen feindlichen Messeniern im Westen. Der Taygetos und der Fluß Eurotas bildeten die landschaftlichen Wahrzeichen des antiken Sparta.
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| Abb. 1: Manioten zu Pferde (Pintr) - Vermutlich anläßlich des Jahrestages des Revolutionsschwures "Freiheit oder Tod" in Areopolis auf der Halbinsel Mari im Jahr 1821 |
Ein Spartaner namens Geradas unterhielt sich einstmals mit einem Nicht-Spartaner über die Ehe (nach GB). Der Fremdling fragte, welche Strafe es für Ehebrecher in Sparta gäbe. (Wer weiß denn schon, welche Gedanken er dabei gerade im Hinterkopf hatte ...) Der Spartaner Geradas antwortete ihm: "Bei uns gibt es keine Ehebrecher." Der Fremdling war mit dieser Antwort nicht wirklich zufrieden und fragte weiter: "Wenn es aber doch einmal einen gäbe ..." - Geradas antwortete: "So müßte er zur Strafe einen Stier geben, der so groß wäre, daß er über den Taygetos hinweg und über Sparta hinweg aus dem Eurotas trinken könnte." - "Aber wie könnte denn ein Stier jemals so groß werden?", fragte der Fremdling. "Und wie könnte in Sparta jemand Ehebrecher werden?" fragte Geradas zurück. - - -
Diese Geschichte fällt dem Verfasser dieser Zeilen ein, wenn vom Taygetos die Rede ist. Das ist übrigens auffallender Weise dieselbe Selbstverständlichkeit bezüglich der Ehe, wie es sie bei den republikanischen Römern und auch später noch bei den heidnischen Germanen und vielen anderen Völkern gegeben hat. Doch all das ist gar nicht Thema des vorliegenden Beitrages.
Das Taygetos-Gebirge zieht sich von Norden nach Süden über die Peloponnes, als hätte es einen so langen Hals wie der genannte Stier. Die südlichen Ausläufer des Taygetos-Gebirges bestimmen den landschaftlichen Charakter des südlichsten Teiles der Peloponnes, nämlich der Halbinsel Mani. Bei ihr handelt es sich um den mittleren "Finger" der drei "Finger", der drei südlichen Halbinseln der Peloponnes. Und hier lebt noch heute ein Volksstamm, nämlich die "Südlichen Manioten", die Einwohner des südlichsten Teiles der Halbinsel Mani (Englisch "Deep Mani") (Abb. 2) deren Genetik sich - nach einer neuen genetischen Studie (1) - im wesentlichen seit dem antiken Griechenland erhalten haben soll (2) (Phys). Es könnte sich also bei ihnen um direkte Nachfahren der Spartaner handeln. Auf jeden Fall findet sich bei ihnen nicht jener recht hohe slawische genetische Herkunftsanteil, der sich sonst bei allen Griechen seit dem Frühmittelalter findet. Dieser Umstand ist schon seit einer Studie aus dem Jahr 2017 bekannt.
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| Abb. 2: Die drei wesentlichen geographischen Teile der Halbinsel Mani (HTravels) |
In der genannten neuen Studie wird diesen Zusammenhängen weiter nachgegangen (Nature2025):
Aufgrund ihrer einzigartigen historischen Umstände und sprachlichen Besonderheiten stellen die Südlichen Manioten möglicherweise eine genetische Momentaufnahme der griechischen Welt vor der Völkerwanderungszeit dar und liefern wertvolle Einblicke in die menschliche Mobilität im nachklassischen östlichen Mittelmeerraum.Based on their unique historical circumstances and linguistic particularities, the Deep Maniots may represent a genetic snapshot of the pre-Migration Period Greek world, providing invaluable insights into human mobility of the post-classical Eastern Mediterranean.
Es wird dies in der neuen Studie allerdings nur anhand der Genetik der väterlichen Y-Chromosomen-Linien und der mütterlichen mitochondrialen Linien abgeleitet, nicht aus Gesamtgenom-Sequenzierungen. Warum letztere nicht mit in Augenschein genommen worden sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Schließlich kann das doch heute schon jeder MyHeritage-Test oder ähnliches leisten, soweit wir das überblicken.
Jedenfalls: Die Südlichen Manioten scheinen - im Gegensatz zu den übrigen heutigen Griechen - so gut wie gar nicht von Slawen abzustammen.
Im 5. Jahrhundert n. Ztr. haben die Einwohner der Halbinsel Mani einen Eroberungsversuch durch die Wandalen abgewehrt (Nature2025). Vermutlich hatten sie zuvor auch schon - wie die übrigen Griechen - viel mit der Abwehr von plündernden Goten zu tun.
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| Abb. 3: Frauen aus dem Dorf Driali an der Ostküste der Südlichen Mani-Halbinsel (WikiC) - Eingestellt auf dem griechischen Wikipedia-Artikel (Wiki) |
Aber schon im 10. Jahrhundert hat der oströmische Kaiser Porphyrogenitus festgehalten, daß die Manioten (zit. n. Nature2025) ...
„... nicht von den Slawen, sondern von den alten Römern abstammen, die selbst heute noch von den Einheimischen Hellenen genannt werden wegen ihrer früheren Götzenverehrung“.
Auf der Halbinsel Mani ist man also auch vergleichsweise spät zum Christentum übergegangen. Die Hälfte der Männer der heutigen eingeborenen Südlichen Manioten stammen nach der neuen Studie von einem einzigen Mann ab, der um 650 n. Ztr. gelebt haben könnte. Die Population der Südlichen Mani hat demach einen populationsgenetischen Flaschenhals durchlaufen, der zeitlich parallel läuft zu der äußerst geringen Besiedlungsdichte während des 7. Jahrhunderts auf der Peloponnes überhaupt. Wir lesen über die neue Studie (GreekCityTimes):
Das Forschungsteam untersuchte venezianische, osmanische und moderne Archive und befragte mindestens 60 ältere Einwohner aus fast jedem Dorf im Südlichen Mani. Das Team arbeitete eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen, um sicherzustellen, daß die Stichprobe verschiedene Familiengruppen und Siedlungen repräsentierte. Dr. Anargyros Mariolis, Direktor des Gesundheitszentrums Areopoli, unterstützte die Datenerhebung. Die Forscher stellten fest, daß mündliche Überlieferungen häufig mit den genetischen Befunden übereinstimmten. Co-Autor Athanasios Kofinakos erklärte, daß viele lange bestehende Erzählungen über gemeinsame Abstammung nun genetisch bestätigt seien.
Für Außenstehende stellen die Südlichen Mani noch bis heute wohl manches geheimnisvolle Rätsel dar.
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| Abb. 4: Klagende, trauernde Frauen der Manioten (Greekreporter) |
Aufgrund der Unzugänglichkeit ihrer Halbinsel haben die Manioten noch bis ins vorletzte und letzte Jahrhundert nach vergleichsweise eigenen Gesetzen gelebt. Die Blutrache zwischen den großen Sippenverbänden spielte bei diesen eine große Rolle. Sie war bei den Manioten ähnlich "selbstverständlich" wie etwa bei den frühmittelalterlichen Isländern. Der Griechenland-Kenner und vormalige britische Soldat des Zweiten Weltkrieges, der Schriftsteller Patrick Lee Fermor (1915-2011) (Wiki), schrieb über die Halbinsel Mani (zit. n. Wiki):
Ein Durchreisender kann Mani in drei Tagen sehen,ein Wanderer in drei Monaten,und um seine Seele zu erfassen, braucht man drei Leben.Eins für das Meer, eins für seine Berge und eins für seine Menschen.
Vielleicht hat er ein bisschen übertrieben ... ? Ein besonderes Volksgut der Mani sind ihre "Klagelieder" (Abb. 4). Über diese heißt es auf dem griechischen Wikipedia (Wiki):
Klagelieder sind Verse, Trauergesänge, die beim Tod von Angehörigen vorgetragen werden. Die ersten Klagelieder finden sich bei Homer, wo Totenlieder für Hekabe, Achilles, Andromache usw. erwähnt werden, deren Inhalt den späteren Klageliedern nahezu identisch ist. In der maniatischen Gesellschaft ersetzen Klagelieder andere Lieder und bilden die einzige Form der Volksdichtung. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, und auch heute noch improvisieren vor allem die Frauen der maniatischen Gesellschaft und schaffen „Lobgesänge auf die Toten“
In einer Filmdokumentation kann man sich von diesen Klageliedern der Frauen einen Eindruck verschaffen (aus: Yt2021).
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| Abb. 5: Der Eid "Freiheit oder Tod" aus Anlaß der Revolutionsausrufung in Areopolis 1821 - Nachgestellt (aus: Yt2021) |
Bezeichnenderweise trägt die Hauptsängerin während ihres Klageliedes eine Pistole im Gürtel (Abb. 8) - ein Zeichen, daß die Frauen vollständig hinter den Männern standen was die Wehrhaftigkeit und die Gesetze der Blutrache betrifft. Als Beispiel für ein allegorisches Klagelied werden die folgenden Zeilen gebracht (Wiki):
Ich hatte einen Apfelbaum vor meiner Tür und einen Baum in meinem Garten,ein scharlachrotes Zelt über dem Haus,eine goldene Zypresse, an die ich mich lehnte, undein silbernes Tuch hing im Haus.Nun ist der Apfelbaum verdorrt, der Baum entwurzelt,das scharlachrote Zeltschwarz geworden, die goldene Zypresse umgestürzt und zerbrochen,das silberne Tuch erloschen, das Haus erstrahlt nicht mehr.
Der genannte Schriftsteller Patrick Lee Fermor übrigens (Wiki) ...
... bereiste viele Jahre Mani und lebte hier mit seiner Frau Joan, worüber er ein Reisebuch mit dem Titel „Mani“ (1958) verfaßte. Er liebte Mani so sehr, daß er sich schließlich dauerhaft in Kardamyli niederließ, wo er im Alter von 96 Jahren auch starb.
Kardamyli liegt im nördlichen Teil der Halbinsel Mani.
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| Abb. 6: Zwei alte Frauen - Aus: Fermor / Mari 1958 |
Im Klappentext zu diesem "legendären" Mani-Buch von Fermor heißt es (Az):
Sommer 1952. Als Patrick Leigh Fermor 37-jährig über das Taygetos-Gebirge in das bitterschöne Land der Manioten bis an den südlichsten Zipfel der Peloponnes wandert, ist er in seiner Heimat bereits ein Kultautor. "Es gibt kaum einen Fels oder Bach, zu dem es keine Schlacht und keinen Mythos gibt, kein Wunder, keinen Aberglauben, keine Geschichte... Meine Streifzüge durch Griechenland gelten den entlegensten Landstrichen, denn dort findet man, wonach ich suche." Gerade in der rauen, vom übrigen Griechenland durch den Taygetos abgeschnittenen Mani wittert Fermor Lebensformen und Bräuche, die direkt aus dem untergegangenen Byzanz oder dem mythischen Altertum zu kommen scheinen. So findet sich in der aus dem Stegreif gesungenen Totenklage, wenn die Sängerin sich die Haare rauft, Andromaches Trauer um Hektor wieder.
Auf dem griechischen Wikipedia heißt es auch (Wiki):
Die karge, felsige Halbinsel und die historische Verbindung zum antiken Sparta prägen die Bewohner mit einem kompromißlosen Charakter, strengen Moralvorstellungen, harten Sitten, Freiheitsliebe, Opferbereitschaft sowie Ehrlichkeit, mentaler Stärke, Stolz und Patriotismus. Sie zeigen großen Respekt vor Traditionen, Familienehre und den Toten und ein starkes Lokalbewußtsein, das aus dem Stolz erwächst, nie von Fremden versklavt worden zu sein und stets in Freiheit gelebt zu haben.
Das Dorf Areopolis an der Westküste der Südlichen Mani-Halbinsel bildet das Verwaltungszentrum der Südlichen Mani. Hier finden alljährlich Festlichkeiten zum Jahrestag der Revolutionsausrufung gegen die Herrschaft der Türken statt, und zwar am 17. März 1821.
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| Abb. 7: Alljährliche Feierlichkeiten zum Gedenktag der Revolutionsausrufung am 17. März 1821 in der Ortschaft Areopolis (Trigilidas) |
Zu diesen Festlichkeiten kommen Abordnungen aus ganz Griechenland, ja, im Jahr 2025 hat an diesen Festlichkeiten auch der ungekrönte König Griechenlands teilgenommen der Prinz Paul von Griechenland (geb. 1967) (Wiki) (Akrolithi):
Während die Revolution und ihre Helden landesweit am 25. März, dem Fest Mariä Verkündigung, gefeiert werden, ehrt Mani den 17. März als sein eigenes Leuchtfeuer des Mutes.
Man sieht auf Fotos und Filmaufnahmen von diesen Feierlichkeiten viele einheimische Manioten versammelt, sogar in der traditionellen Tracht und Bekleidung des 19. Jahrhunderts (siehe z.B. Fb2024).
Paul von Griechenland wurde von den örtlichen politischen Repräsentanten als "Prinz Paul" und "Exzellenz" angesprochen, obwohl die Monarchie in Griechenland abgeschafft worden ist (Yt2025):
Der 17. März 1821 markiert einen Meilenstein der griechischen Revolution. An diesem Tag hißten die Würdenträger von Mani unter der Führung von Petrobey Mavromichalis in Areopolis (damals Tsimova) die Revolutionsflagge und läuteten damit den Kampf gegen das osmanische Joch ein. Der lokalen Überlieferung zufolge versammelten sich die Stammesführer von Mani in Areopolis und schworen „Sieg oder Tod“, um ihre Entschlossenheit für die Freiheit ihrer Heimat zu bekräftigen.
Eine Fortsetzung dieses Berichtes stellen wir in eine Anmerkung.*)
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| Abb. 8: Totenklage der Frauen von Mari - Nachgestellt in einer Dokumentation aus dem Jahr 2021 (aus: Yt2021) |
Es ist nicht ganz einfach, Fotos von vermutlich einheimischen Manioten im Internet zu finden. Wir haben uns im vorliegenden Beitrag an einer Auswahl versucht. Sie könnten also ein Bild geben von der durchschnittlichen Physischen Anthropologie, dem alltäglichen äußeren Erscheinungsbild von - - - antiken Griechen (!). Es scheint uns, als ob man unter einheimischen Manioten oft stämmige, gedrungene, meist dunkelhaarige, bärtige Männer von nicht sehr großer Körpergröße sieht - ähnlich die Frauen.
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| Abb. 9: Gedenktag der Revolutionsausrufung am 17. März 1821 in der Ortschaft Areopolis auf der Halbinsel Mari (Trigilidas) |
Insgesamt erhoffen wir uns bezüglich der Südlichen Manioten von Gesamtgenom-Untersuchungen und daraus abgeleiteten "Polygenic Scores", also von polygenetischen Merkmalsauslesungen noch viele weitere, zuverlässigere Erkenntnisse als es bis dato über sie zu geben scheint.
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| Abb. 10: Tag der Revolutionsausrufung, wohl in Aktrolithi, zehn Kilometer nördlich von Areopoli (Akrolithi) |
Es dürfte auf jeden Fall Sinn machen, das Thema im Auge zu behalten. Deshalb auch der vorliegende, vermutlich eher nur in die Thematik "einleitende" Beitrag.
Denn die Thematik der Archäogenetik der antiken Griechen bleibt so spannend wie eh und je mit der Feststellung, daß sie nur acht Prozent Steppengenetik, also Genetik der Indogermanen in sich getragen haben. Dieser Umstand wird es vor allem auch sein, der bei der Erstellung der hier ausgewerteten Studie eine so wichtige Rolle spielte.
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- Davranoglou, LR., Kofinakos, A.P., Mariolis, A.D. et al. Uniparental analysis of Deep Maniot Greeks reveals genetic continuity from the pre-Medieval era. Commun Biol 9, 157 (2026). https://doi.org/10.1038/s42003-026-09597-9, Published 04 February 2026 (Nature2025)
- Berthold Seewald: Gefangene Bayern wurden nackt zusammen mit Katzen in Säcke gesteckt (Welt 07.02.2026)
- Philip Chrysopoulos: Mani - Greece’s Untamed Peninsula of Towers, History, and Deep Traditions. 29. November 2025 (Greekreporter)
- Fermor, Patrick Leight: Mani. Reisen auf der südlichen Peloponnes. Deutsch von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié, Dörlemann Verlag, Zürich 2011 (Etsy, Ajax)
- Das Fanal von 1821 - eine Hommage an Mani (Τοπόσημα του 1821 αφιέρωμα στη Μάνη) (Yt2021) [mit Beispielen von Klageliedern]









