Dienstag, 14. August 2007

"Romantiker sind Revolutionäre" ...

"Romantiker sind Revolutionäre" - will heißen: wir Deutsche sind Revolutionäre, denn wer, wenn nicht wir, sind: das Volk der Romantik?

Matthias Matussek hat es - doch - wieder einmal geschafft, seine Verehrer für seinen "Kulturtipp" in dieser Woche zu begeistern. (Matusseks Kulturtipp) Man war eigentlich schon bereit, ihn zum Langweiler zu erklären. Denn wenn man mal einige der Folgen seines "Kulturtipps" gesehen hat - so die heutige Erwartung - ach, dann kann's ja doch nicht mehr viel besser werden und was Neues geben. Man kennt inzwischen den Tonfall, mit dem Matussek erzählt. Und man glaubt, damit schon so ziemlich alles zu wissen, was man über ihn wissen muß. Welcher Tonfall? Nun, immer so etwas der Tonfall von dem Empfinden "wehmütig vergehender Schönheit". - Oder wie? Matussek denkt immer wieder daran, wie alt er schon ist, und wie schön doch die Welt ist. Gut, ok, das ist dann halt sein Tonfall.

Hat was für sich. Aber auf die Dauer kennt man diesen dann halt ... - Trotzdem. Was sagt er denn heute eigentlich? Nein doch! Er sagt: Dinge, die begeistern. Dinge, die man - so - nicht allzu oft "irgendwo" hört. - Hauptthema ist Richard Wagner in Bayreuth. (Natürlich! - Natürlich? Naja ...) Nun, dessen Musik muß nicht jeden über einen längeren Zeitintervall hinweg interessieren. - Aber wie ist es nun mit all dem "Drumherum" ...?

"So hört sich deutsche Romantik an."

Matussek jedenfalls läßt am Anfang seines "Kulturtipps" das Vorspiel zu den "Meistersingern von Nürnberg" erklingen und sagt als ersten Satz: "So hört sich deutsche Romantik an." - Gelungener Auftakt! Nicht die Vernunft, das Denken angesprochen, sondern einfach: Stimmungen. "Wagners deutscheste Oper", so Matussek weiter. Die (neueste) Inszenierung in Bayreuth "war ein gemäßigter Skandal", so - sehr treffend und bissig (?), ironisch (?) kritisch - Matussek, "hatte also genau die Betriebstemperatur, die es braucht, um in Bayreuth (heute) erfolgreich zu sein - bei Kritik und im Publikum". - (na usw.: bla-bla, bla-bla ...)

Aber dann: Seit Heiligendamm, so faßt Matussek seine bisherigen Folgen zusammen, habe er einen kleinen Überblick über "romantische Erregung" gegeben, er habe über Schiller gesprochen, Heine, Börne, Hölderlin, Kleist - "eine kleine Kulturgeschichte der Revolte". "Und in die gehört Wagner unbedingt". Auch Wagner und Semper und Bakunin haben 1849 Barrikaden gebaut und Granaten geliefert: "Romantiker sind Revolutionäre. Sie kämpfen notorisch für eine andere Welt und Wagner wollte Kunst als öffentlichen Aufruhr und die Musik als Rauscherfahrung."

"Bayreuth sollte Woodstock sein ..."

"Bayreuth sollte Woodstock sein, eine klassenlose Gesellschaft von Träumern, von Utopisten. Nietzsche war begeistert." ... "Und ein paar Jahre später kam Nietzsche aus dem Kotzen nicht mehr heraus." ...

Alles sehr schön gesagt, Herr Matussek. Das sagen wir hier ohne Ironie. Wirklich! - Und weiter: "Hans Sachs beschwört am Schluß die politische Bescheidenheit. Er singt: Und wenn das 'Heilige Römische Reich deutscher Nation' in den Dunst fällt, so haben wir immer noch die deutsche Kunst." Und England-Kenner Matussek weiter: "Man möchte diesen Satz mal bei unseren englischen Nachbarn hören, etwa: Und wenn es mit dem Empire nicht mehr hinhaut, dann haben wir immer noch Shakespeare. So viel an Bescheidenheit wäre denen kaum zuzutrauen, da hat Joachim Kaiser völlig recht, der diese Beobachtung vor einiger Zeit gemacht hat."

So wie hier die Wort Schwarz auf Weiß stehen, haben sie noch nicht den schönen, schmunzelnden Beigeschmack an Humor, mit denen Matussek all diese Dinge in seinem Videoblog vorträgt!

Fazit Matussek: "Wir sind mit der Romantik noch längst nicht fertig, die wohl das reichste Geschenk der Deutschen an die Weltkultur ist."

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