Samstag, 28. Februar 2026

Das Volk der Himmelsscheibe von Nebra - Es bewahrte über 1300 v. Ztr. hinweg Kontinuität

Genetisch und kulturell bis mindestens 750 v. Ztr.
- Und zwar als "Unstrut-Gruppe"- trotz der Ausbreitung der süddeutschen Urnenfelder-Kultur
- Nahe Nebra an der Unstrut, dreißig bis fünfzig Kilometer westlich von Halle

Um 2.200 v. Ztr. begann in Europa, im Vorderen Orient und in Asien die große Ära der Streitwagen (Wiki). Das wurde durch die Domestizierung des Pferdes ermöglicht (Stg2021).

Abb. 1: Streitwagen der Eisen-, bzw. Bronzezeit - Bronzemodell aus Göchebi (Dedoplistsqaro), Georgien, erste Hälfte des 1. Jahrtausends v. Ztr., Sighnaghi-Museum, Georgien (Wiki)

Jeder Gedanke auch an die europäische Bronzezeit wird sofort viel anschaulicher, wenn man sich klar macht, daß zu dieser Zeit sowohl Rinderwagen - für den Transport - wie Streitwagen - für die Kriegsführung - verwendet worden sind. Und daß die Geschwindigkeit dieser Fortbewegungsmittel den Alltag ebenso wie die Kriegsführung bestimmte. Im Grunde macht es Sinn, an den Anfang jeden Blogartikels über die europäische Bronzezeit das Bild eines solchen Streitwagens zu stellen (Abb. 1). Denn sofort taucht ein ganz anderes Bild der bronzezeitlichen Gesellschaften vor dem inneren Auge auf.

Die Verwendung der Streitwagen für den Krieg endete im Mittelmeer-Raum um 750 v. Ztr., auf den britischen Inseln waren sie noch zur Zeit der Ankunft Cäsars im Gebrauch.

Dieser Hinweis vorweg. Denn im folgenden geht es um die mitteleuropäische Bronzezeit. 

In unserem Blogartikel "Bollwerk Germanien" (Stg2025) war von dem sagenhaften Eroberungszug der keltischen Urnenfelderkultur, bzw. besser der keltischen Goldhut-Kultur ab etwa 1300 v. Ztr. vom heutigen Serbien aus nach Süddeutschland, nach Böhmen und Frankreich - und von dort weiter bis Schlesien und Mecklenburg - die Rede gewesen (Abb 2).

Abb. 1a: Pferdegeschirr der Lausitzer Kultur (Wiki) aus dem 8. Jhdt. v. Ztr. aus Mittelpommern, entdeckt 2020 durch Raubgräber - Aus einem Hort bei Schönberg (poln. Kaliska) (Wiki) (s.a. Hölkew) (GMaps) gelegen im Landkreis Schlochau in der einstigen Grenzmark Posen-Westpreußen (Wiki), drei Kilometer nördlich von Baldenburg (Wiki), 60 Kilometer südwestlich von Köslin (3)

Dort in Mecklenburg kam es an der Tollense zur sagenhaften, siegreichen Abwehrschlacht der Nordischen Bronzekultur gegen die Urnenfelder-Leute (Stg2025). Skandinavien konnte in der Folge nicht von der Urnenfelderkultur erobert werden (ein Zeichen dafür, daß die Schlacht für die Urnenfelder-Leute höchstwahrscheinlich nicht siegreich verlaufen sein wird). Sehr wohl aber konnten die Urnenfelder-Leute in der Folge die britischen Inseln erobern. Und sehr wohl aber sollten sie - vermutlich - als "Seevölker" bis vor die Tore Ägyptens gelangen (Stg2025). 

Durch diesen Eroberungszug breitete sich südeuropäische Glockenbecher-Genetik nach Norden aus (Stg2025). Die südeuropäische ("italo-keltische") Glockenbecher-Genetik ist durch höhere Herkunftsanteile anatolisch-neolitscher Bauerngenetik gekennzeichnet und durch geringere Anteile an (indogermanischer) Steppgenetik. In der nordeuropäischen Schnurkeramik-Genetik ist es umgekehrt.

Um einige Anhaltspunkte zu gewinnen, nenne ich einmal die unterschiedlichen Herkunftsanteile an Steppengenetik in Prozent innerhalb meiner eigenen Familie (lt. MyHeritage) (s. Stg2025):

  • 47,6 % mein Vater (Brandenburger) (geschlußfolgert unter der Annahme, daß ich auf der Mitte zwischen meinem Vater und meiner Mutter liegen werde)
  • 45,4 % ein angeheiratetes blondes Friesen-, Pommern- und Schlesierkind
  • 43,6 % ich
  • 39,6 % meine Mutter (Österreicherin)
  • 39,4 % mein Kind
  • 36,8 % die Mutter meines Kindes (Herkunft aus dem Rheinland und aus der Pfalz)

Diese Herkunftsanteile korrelieren schon in meiner eigenen Familie klar mit hellerer oder dunklerer Pigmentierung der Haare und der Augen.

Abb. 2: Bollwerk Germanien in Norddeutschland an der Tollense und die Eroberung des übrigen Europas durch die Urnenfelder-Kultur ausgehend von Serbien, 1300 bis 800 v. Ztr. (Wiki) - Der zeitgleiche Seevölker-Sturm im Mittelmeerraum, ebenfalls von Serbien ausgehend

Die Herkunftsanteile an Steppengenetik in Prozent betrugen nun nach einer neuen archäogenetischen Studie zu Mitteldeutschland (1) ... 

  • 52 % bei Menschen in der Frühbronzezeit 30 Kilometer westlich von Halle ("Aunjetitzer Kultur")
  • 49 % bei Menschen in der Spätbronzezeit 30 Kilometer westlich von Halle ("Unstrut-Gruppe")
  • 48 % bei Menschen in der Spätbronzezeit in Oberschlesien
  • 41 % bei Menschen in der Spätbronzezeit in Böhmen
  • 33 % bei Menschen in der Spätbronzezeit in Süddeutschland (Neckarsulm)

Diese Zahlen sind von mir selbst abgeleitet aus dem folgenden Zitat - und zwar unter der Voraussetzung, daß sich der dritte wesentliche Herkunftsanteil der Europäer seit dem Spätneolithikum, nämlich der Anteil der westeuropäischen Jäger-Sammler, von 10 bis 20 % im Durchschnitt bei den Menschen nicht mehr geändert hat. Er wird deshalb von mir im Mittel mit 15 % angenommen und einberechnet. Von dem folgenden Zitat können dann die oben genannten Prozent-Angaben abgeleitet werden (1):

Wir beobachten, daß spätbronzezeitliche Individuen aus Mitteldeutschland einen etwas höheren Anteil an anatolisch-neolithischer Abstammung (36,6 ± 2,9 %) aufweisen als jene aus der frühen Bronzezeit in Mitteldeutschland (33,2 ± 2,7 %). Darauf folgen spätbronzezeitliche Individuen aus Böhmen (43,7 ± 4,5 %) und spätbronzezeitliche Individuen aus Süddeutschland, die den höchsten Anteil an anatolisch-neolithischer Abstammung aufweisen (53,5 ± 5,3 %) (Abb. 2b, Ergänzende Daten  4a ). Von allen analysierten Individuen weist der genetische Ausreißer Neckarsulm021 (NES021) mit 67,2 ± 1,7 % den höchsten Anteil an EEF-verwandter Abstammung auf. Die vier spätbronzezeitlichen Individuen aus Oberschlesien/Zentralpolen zeigen ebenfalls einen geringeren Anteil an EEF-verwandter Abstammung (37,4 ± 2,9 %), ähnlich wie jene aus Mitteldeutschland. Angesichts der geringen Stichprobengröße bleibt jedoch offen, ob diese Individuen repräsentativ für die polnisch-schlesischen spätbronzezeitlichen Gruppen sind.

Dieselben Umstände sind in der Abbildung 3 grafisch dargestellt.

Abb. 3: Herkunftsanteile anatolisch-neolithischer Bauerngenetik in Süddeutschland (gelbe Linie oben), Böhmen (hellgrüne Linie), Mitteldeutschland (orange-braune Line) und Oberschlesien/Polen (blaue Linie)

Die anatolisch-neolithische Genetik lag in Süddeutschland schon in der Frühbronzezeit höher als in den anderen dargestellten Regionen (und dementsprechend die Steppengenetik niedriger), sie nahm aber ab 1800 v. Ztr. noch einmal sehr deutlich zu (vielleicht durch Zuwanderungen aus Serbien). In Böhmen nahm dieser Anteil etwas später und nicht ganz so abrupt zu. In Mitteldeutschland nahm er noch weniger abrupt zu. Auch in Oberschlesien/Polen nimmt er ab 1800 v. Ztr. recht deutlich zu, nimmt aber ab 1600 v. Ztr. wieder deutlich ab, um dann allmählich wieder erneut anzusteigen. Der Anstieg der anatolisch-neolithischen Herkunftsanteile in Mitteldeutschland wird in der Studie folgendermaßen erklärt (1):

Individuen der frühen Späten Bronzezeit in Mitteldeutschland können mit der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer-Herkunft in Deutschland als einziger Quelle modelliert werden, was auf eine regionale Kontinuität seit der frühen Bronzezeit als sparsamste Erklärung hindeutet (...). Im Gegensatz dazu läßt sich die Abstammung der meisten spätbronzezeitlichen Individuen in Mitteldeutschland nicht allein durch die früheren frühbronzezeitlichen Populationen dieser Region modellieren. Sie wird am besten durch zwei Abstammungsquellen beschrieben: Deutschland frühbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur als lokale Quelle und Deutschland_Lech_Mittlere_Bronzezeit, Tschechien_Mittlere_Bronzezeit_Tumulus oder Deutschland_Süddeutschland_Singen_Frühe_Bronzezeit als zweite, geografisch und chronologisch nächstgelegene, nicht-lokale Herkunft (Ergänzende Daten  4c sowie Abb.  4a und 4b ). Dieses Muster deutet auf eine Mischung aus lokaler Kontinuität und Genfluß aus südlichen und/oder östlichen Regionen hin, was mit einer zunehmenden Vernetzung innerhalb der geografischen Verbreitung/Ausdehnung der Urnenfelderkultur übereinstimmt (...), aber ohne daß das genauer eingegrenzt werden kann.

Aufgrund welcher Funde gelangte man zu diesen neuen Erkenntnissen?

Dreißig Kilometer westlich von Halle liegen die Dörfer Kuckenburg und Esperstedt (GMaps). Hier wurde bis 2009 die A38 gebaut und im Zuge der vorhergehenden archäologischen Grabungen wurde unter und östlich der heutigen Autobahnabfahrt ein Gräberfeld und eine zugehörige befestigte Siedlung ergraben, ebenso wurde eine befestigte bei dem gegenüber liegenden Kuckenburg ergraben. Aus den hierbei gefundenen Menschenresten konnte nach einer neuen archäogenetischen Studie die DNA von 36 Personen der Urnenfelder-Zeit, genauer der örtlichen Unstrut-Gruppe (1300-750 v. Ztr.) (Wiki) gewonnen werden.

Wennungen - Proto-urbane Siedlung der Unstrut-Gruppe

Eine noch weitaus größere proto-urbane Siedlung der "Unstrut-Gruppe" wurde nur zwanzig Kilometer weiter südlich der Kuckenburg über dem Unstrut-Tal gefunden (GMaps). Diese liegt nur sechs Kilometer östlich von Nebra an der Unstrut, dem Fundort der Himmelsscheibe (1850 v. Ztr.) und wurde vierhundert Jahre nach der Niederlegung der Himmelsscheibe angelegt. Über Wennungen lesen wir (Wiki):

In der späten Bronze- und der frühen Eisenzeit (12. bis frühes 5. Jh. v. Ztr.) trug die Hochfläche westlich des Dorfes (bis zum Dissaubach) eine etwa 300 Hektar umfassende „Proto-Stadt“ der Unstrut-Kultur, die mit Gräben und Wällen geschützt war und an einem Fernhandelsweg vom Thüringer Becken in die Leipziger Tieflandsbucht lag.

Also grob ein Kilometer breit und drei Kilometer lang. Und weiter (Wiki): 

Gegenüber den zeitgenössischen Siedlungen mit meist nur 1 bis 2 Hektar Größe nahm diese Großsiedlung eine deutlich herausgehobene, überregionale Bedeutung ein. Sole und Metallerze wurden hier in großen Mengen verarbeitet. In tausenden Vorratsgruben wurde Getreide gespeichert. Ihre Einwohnerzahl wird für ihren Höhepunkt auf mehrere tausend Menschen geschätzt. Einzigartig für jene Zeit sind die Reste einer ornamental bemalten Hauswand, etwa 1.500 Lehmputzsplitter - die größte vorgeschichtliche Wandmalerei nördlich der Alpen. Teile der Siedlung wurden von 2007 bis 2010 im Zuge von Bauarbeiten an der ICE-Schnellfahrstrecke Erfurt - Leipzig ergraben.

Es finden sich online Artikel zu den gefundenen Wandornamenten (s. ArchOnl). In Wennungen wurde innerhalb der Siedlung auch eine - sehr abstoßende - Siedlungsbestattung gefunden, die im Museum in Halle ausgestellt wird: ein junges behindertes Geschwisterpaar, das getötet und achtlos in eine Grube geworfen worden ist (Yt2021). Über die Unstrut-Gruppe heißt es bezeichnenderweise auch (Wiki):

Anfänglich dominierte die Körperbestattung in Baumsärgen und Holzkästen. Sie wurde jedoch nie ganz gegenüber der Brandbestattung aufgegeben, deren Nutzung ab dem 1. Jahrtausend v. Ztr. zunehmend einsetzte.

Die Brandbestattung wurde durch die Urnenfelder-Kultur ausgebreitet. Der offenbar durch sie bewirkte Anstieg der anatolisch-neolithischen Genetik erfolgte in der Unstrut-Gruppe offenbar nur ebenso allmählich an wie die zeitgleiche Übernahme der die Sitte der Bandbestattung. Also Hinweise sowohl auf genetische wie kulturelle Kontinuität im Angesicht einer Umbruchszeit. Dementsprechend heißt es auch in der Studie (1):

Insgesamt legen unsere Ergebnisse nahe, daß die unterschiedlichen Bestattungspraktiken in Kuckenburg und Esperstedt kulturell motiviert waren und lokale Traditionen sowie die bestehende regionale Vernetzung widerspiegelten und nicht den Zuzug neuer genetischer Gruppen oder nicht-lokaler Individuen.

Und (1):

Die Unstrut-Gruppe (ca. 1325–750 v. Ztr.), die zwischen dem Thüringer Wald und der Saale in Mitteldeutschland lebte und im Mittelpunkt dieser Studie steht, bestattete ihre Toten beispielsweise fast 500 Jahre lang, während benachbarte Gruppen wie die Saalemündungs-Gruppe zur Feuerbestattung übergingen.

In der Studie vereinzelte ausgewertete Funde stammen auch aus drei Dörfern in Oberschlesien.

Abb. 4: Die Fundorte der ausgewerteten Menschenfunde (1) - 1 Esperstedt, 2 Kuckenburg, 3 Leubingen, 4 Neckarsulm, 5 Türmitz (Sudetenland, tsch. Trmice), 6 Holubitz (tsch. Holubice), 7 Libschitz an der Moldau (tsch. Libčice nad Vltavou), 8 Kněževes (Dorf nahe Prag), 9 Praha-Ruzyně, 10 Schlan (tsch. Slaný), 11 Laband-Pschyschowka (Oberschlesien, poln. Łabędy Przyszówka), 12 Deutsch Neukirch (Oberschlesien, poln. Nowa Cerekwia), 13 Kornitz (Oberschlesien, poln. Kornice)

Sie gehören der Lausitzer Kultur an (GMaps). Da wir uns auch für die schlesische Landesgeschichte sehr interessieren, gehen wir im folgenden noch auf einige Einzelheiten dieser Fundorte ein.

Die bronzezeitlichen Menschenfunde aus Oberschlesien

Deutsch Neukirch

Die Menschenfunde stammen erstens aus dem Dorf Deutsch Neukirch (poln. Nowa Cerekwia) (Wiki), 16 Kilometer südlich von Leobschütz und 22 Kilometer entfernt von jenem Dorf Dobersdorf (GMaps), das auf unserem Parallelblog schon eine Rolle gespielt hat (Prbl2023). Die ausgewerteten Menschenfunde stammen aus Grabungen des Archäologischen Museums Breslau der Jahre 1973 und 1986 (1, Anhang, S. 50).

Kornitz

Die Menschenfunde stammen außerdem aus dem Dorf Kornitz (poln. Kornice) (Wiki), gelegen fünfzehn Kilometer östlich von Deutsch Neukirch (Wiki), sowie acht Kilometer westlich von Ratibor. Hier fanden 2008 bis 2013 Rettungsgrabungen des Archäologischen Museums Kattowitz statt im Vorfeld einer großflächigen Erweiterung der dortigen Fensterfabrik Eko-Okna (WikiFb) (Abb. 5). Sie ist der europaweit größte Hersteller von Aluminium- und PVC-Fenstern und -Türen. Die Firma hat gegenwärtig 13.000 Mitarbeiter.

Abb. 5: Fensterfabrik auf Gräberfeldern der Lausitzer Kultur bei Kornitz in Oberschlesien (Fb)

Über die Ausgrabung lesen wir (1, Anhang, S. 46):

Die Fundstätte liegt am linken Ufer der Zinna (poln. Psina), etwa 8 km westlich von Ratibor (Racibórz), in einer Region im Vorfeld des Mährischen Tores. Sie spielte eine wichtige Rolle für den Austausch und die Weitergabe kultureller Muster zwischen Gebieten südlich der Karpaten und Sudeten und Nordeuropa. Die Ausgrabungen führten zur Entdeckung jungpaläolithischer Fundstätten, neolithischer Siedlungen, darunter eine ausgedehnte Siedlung der Kugelamphorenkultur mit trapezförmigen Langhäusern, eines kleinen Siedlungskomplexes der Glockenbecherkultur mit Friedhof, zweier kleiner frühbronzezeitlicher Friedhöfe, einer mehrphasigen offenen und geschlossenen bronzezeitlichen Siedlung mit Friedhof, einer kaiserzeitlichen Siedlung, eines frühmittelalterlichen Friedhofs und eines spätmittelalterlichen Dorfes.

Über den hier erwähnten Oder-Nebenfluß Zinna lesen wir (Wiki):

Entlang der Zinna verlief auch die sprachliche Grenze zwischen dem lachischen und polnisch-schlesischen Dialekt - in einer örtlichen Überlieferung nördlich von Zinna fliegt wróna (Krähe) und südlich vrana.

Wir lesen über die Geschichte des Dorfes Kornitz im 20. Jahrhundert unter anderem (Wiki):

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten vor Ort 133 Wahlberechtigte für einen Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland und 79 für eine Zugehörigkeit zu Polen. Auf dem Gut stimmten 62 für Deutschland und drei für Polen. Kornitz verblieb nach der Teilung Oberschlesiens beim Deutschen Reich.

Nebenbei erhalten wir hier einen eindrucksvollen Hinweis auf den polnischen Wirtschaftsaufschwung in den letzten Jahren. 

Abb. 6: Die Mährische Pforte entlang des Oberlaufs der Oder - An ihrem östlichen Ende stießen tschechischer und polnischer Siedlungsraum zusammen, über die Mährische Pforte breiteten sich die Deutschen ab 1250 von Schlesien nach Mähren hinein aus - Das Teschener Schlesien blieb im Westen mehrheitlich tschechisch und im Osten mehrheitlich polnisch besiedelt, die Mährische Pforte trennte die Sudeten im Westen von den Karpaten im Osten, sie trennte auch Böhmen (links der Oder) von Mähren (rechts der Oder) (Wiki)

Außerdem stammen ausgewertete Funde aus dem Dorf Pschyschowka (poln. Przyszówka, dt. auch Waldenau) (Wiki) (Abb. 6) bei dem Dorf Laband, elf Kilometer nördlich von Gleiwitz (GMaps).

Pschyschowka bei Laband

Im Anhang der Studie lesen wir zu letzteren (1, Anhang, S. 49):

Die Rettungsgrabung im Jahr 1938 wurde von T. Kubiczek unter der wissenschaftlichen Leitung von F. Pfützenreiter vom Oberschlesischen Regionalmuseum in Beuthen durchgeführt. (...) Die Ausgrabung legte 80 Gräber frei, darunter 58 Körpergräber, 17 Brandbestattungen (sowohl Gruben- als auch Urnengräber) und 4 nicht näher bestimmte Gräber. Die Gräber dieser Stätte werden den HaC- und HaD-Phasen der Hallstattzeit zugeordnet. Der Friedhof von Laband-Pschyschowka (Łabędy-Przyszówka) gehört zu einer besonderen Gruppe von Friedhöfen mit zwei Bestattungsriten, in denen Körpergräber im Allgemeinen die Brandgräber überwiegen (z. B. Świbie). Diese Ansammlung von Gemeinschaften, die mit der Lausitzer Kultur verbunden sind und sich durch ihre besonderen Bestattungsbräuche auszeichnen, befindet sich in einem begrenzten Gebiet im östlichen Oberschlesien und westlichen Kleinpolen, zwischen Tschenstochau (Częstochowa) und Gleiwitz (Gliwice).

Die anthropologische Sammlung des Museums Beuthen hat sich offenbar über das Jahr 1945 hinweg erhalten.

Abb. 7: Antennenschwert vom Typ Weltenburg aus dem Kaliska-II-Schatzfund aus Mittelpommern, 7. Jhdt. v. Ztr. (3)

Aber von den 58 Körpergräbern konnte offenbar nur aus einem auswertbares Genmaterial gewonnen werden. Es stammte aus der Zeit grob um 700 v. Ztr.. Der hier genannte Archäologe und Botaniker Franz Pfützenreiter wurde 1888 in Bernterode bei Heiligenstadt in Thüringen geboren, starb 1968 in Stuttgart (LeoBW), wirkte aber bis 1945 in Schlesien. Er promovierte 1932 in Breslau und wurde 1934 Direktor des Oberschlesischen Landesmuseums in Beuthen. Später war er tätig als Leiter des Heimatmuseums Fraustadt (Wiki), das nahe der schlesischen Grenze zur Provinz Posen lag, die 1919 an Polen abgetreten worden war. Fraustadt gehörte ursprünglich zur Provinz Posen und war ab 1919 Teil der "Grenzmark Posen-Westpreußen" (Wiki). Nach 1945 wurde Pfützenreiter nordwürttembergischer Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege. Über die Ergebnisse der Volksabstimmung am 20. März 1921 im Dorf Laband heißt es (Wiki):

In Laband stimmten 1332 Wahlberechtigte (44,1 % der abgegebenen Stimmen) für einen Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland, 1683 für eine Zugehörigkeit zu Polen (55,6 %), 8 Stimmen (0,3 %) waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 97,7 %. Laband verblieb nach der Teilung Oberschlesiens beim Deutschen Reich.

Das Schloß von Laband befand sich im Besitz der Adelsfamilie von Welczeck (Wiki), deren Angehörige über die Jahrhunderte als Offiziere und Diplomaten in preußischen Diensten standen. Noch 2011 wurde vor dem Verwaltungsgericht Köln über die deutsche Staatsangehörigkeit eines aus Pschyschowka stammenden Mannes entschieden (LegalData). 

Abb. 7: Postkarte aus Pschyschowka

Es wird spannend sein zu erfahren, wie es nach 750 v. Ztr. weiter ging. Sicher ist, daß es irgendwann im 1. Jahrhundert v. Ztr. zur Zuwanderung von Germanen aus Skandinavien kam. Diese lebten zuletzt als Thüringer in der Region der vormaligen Unstrut-Gruppe. Sie sind dann aber genetisch fast vollständig verschwunden. An ihrer Stelle breiteten sich ja dann die Slawen aus (Stg2025). Bis die Deutsche Ostsiedlung begann. 

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  1. Reconstruction of the lifeways of Central European Late Bronze Age communities using ancient DNA, isotope and osteoarchaeological analyses. E Orfanou, A Ghalichi, AB Rohrlach, E Paust, … Johannes Krause .... Harald Meller ... Philipp W. Stockhammer, Joachim Wahl, ... Wolfgang Haak.  Nature Communications, 24.2.2026 (Nature2026)
  2. Matthias Becker, Madeleine Fröhlich, Andreas Hüser, Helge Jarecki, Jan F. Kegler und Franziska Knoll: »Wenige hundert Schritte oberhalb des Dorfes Wennungen ...«, Archäologie in Deutschland 2011, 6-11 (Acad)
  3. The Kaliska II hoard: Interconnections and metal trade between Pomerania and the Nordic zone during the North European Bronze Age. By Grzegorz Szczurek, Łukasz Kowalski, Zofia Anna Stos-Gale, Maciej Kaczmarek, Roland Maas, Jon Woodhead. Journal of Archaeological Science: Reports. Volume 61, February 2025, 104877 (JAS2025)

Donnerstag, 26. Februar 2026

Dinosaurier-Spuren in den Alpen!

Über mehrere Kilometer verteilt in steilen Höhenlagen von 2000 Meter im nördlichsten Zipfel der Lombardei

Im "Valle di Fraele" im nördlichsten Zipfel der Lombardei - im Veltin, gelegen zwischen der Schweiz und Südtirol - wurde auf mehr als 2000 Meter Höhe im Herbst 2025 eine schiere Unmenge von Dinosaurier-Spuren aus der Zeit vor 210 Millionen Jahren entdeckt. Der ausführlichste und detaillierteste Bericht darüber, der deshalb hier empfohlen werden soll, findet sich hier ---> FinestresullArte. (Wir verweisen darauf, weil wir die Bildrechte für die dort eingestellten, sehr eindrucksvollen Fotografien nicht besitzen.)

Abb. 1: Plateosaurus gracilis (jüngeres Synonym: Sellosaurus gracilis ), ein Prosauropode aus der späten Trias Europas, Bleistiftzeichnung, digitale Kolorierung, 12. Dezember 2006, geändert am 12. Oktober 2007; Zeichner: Nobu Tamura (http://spinops.blogspot.com) Arme und andere Bearbeitungen von Benutzer:FunkMonk (Wiki)

Aber um welche Gegend handelt es sich beim "nördlichsten Zipfel der Lombardei" eigentlich? Nähern wir uns der Gegend über Karten an (Abb. 2, 3 und 5) und gehen wir dabei von Südtirol aus, das vielleicht noch am bekanntesten ist:

Im Südwesten Südtirols liegt der Vintschgau und an seiner südwestlichen Grenze liegen der Ortler, liegen die Ortler Alpen und das Stilfser Joch (Wiki) (Abb. 2). Letzteres bildet die Verbindung zwischen dem Vinschgau in Südtirol und dem Veltin - gleichbedeutend mit der Provinz Sondrio - in der italienischen Lombardei.

Abb. 2: Die Grenzen von Südtirol - ganz links, bzw. westlich der Vintschgau und der Ortler, südwestlich davon Bormio in der Lombardei

In 22 Fußkilometer Entfernung westlich vom Stilfser Joch befindet sich das "Valle di Fraele", zu Deutsch das Fraele-Tal, das künftig wohl "Dinosaurier-Tal" heißen wird.

Abb. 3: Die Provinz Sondrio, bzw. "das Veltin", die nördlichste Provinz der Lombardei - Umgrenzt von der Schweiz im Norden und Westen und von Südtirol im Osten - oben rechts: Bormio und nördlich davon - mit den beiden Seen - das Fraele-Tal

Das Fraele-Tal liegt im nördlichsten Zipfel der Lombardei - 15 Kilometer östlich des Skiortes Livigno (Wiki), sowie 20 Kilometer nördlich des Urlaubsortes Bormio (Wiki) (Abb. 3).

Schon Leonardo da Vinci hat Bormio um seiner heißen Thermalquellen willen aufgesucht - so wie andere seiner Zeitgenossen. Er notierte (Wiki):

An der Spitze das Valtellina-Tal und der Berg von Bormio. Schrecklich, immer voller Schnee. Hier entsteht das Hermelin. In Bormio befinden sich die Bäder. Das Valtellina, wie gesagt, ist ein Tal, umgeben von hohen, schrecklichen Bergen. Es produziert sehr kräftige Weine und so viel Vieh, daß die Einheimischen sagen, dort entstünde mehr Milch als Wein. Dies ist das Tal, durch das die Adda fließt, die über 40 Meilen durch das Land der Deutschen zieht.

Die Adda fließt von Bormio nach Süden durch die Lombardei, deshalb ist zunächst nicht so ganz klar, welches "Land der Deutschen" hier gemeint sein soll.

Abb. 4: Die Nordhänge des Cime di Plator

Über die Entdeckungsgeschichte der Dinosaurier-Spuren wird nun berichtet (FinestresullArte):

Die ersten Spuren wurden von Elio Della Ferrera entdeckt, einem Naturfotografen, der im Tal unterwegs war, um die alpine Fauna zu dokumentieren. Bei der Beobachtung eines felsigen Abhangs mit fast senkrechten Dolomitschichten mit dem Fernglas bemerkte Della Ferrera eine dichte Folge von Vertiefungen, die über die Felsen verteilt waren. Einige waren von beträchtlicher Größe, mit Durchmessern von bis zu vierzig Zentimetern; andere waren in regelmäßigen Reihen angeordnet, was auf einen nicht zufälligen Ursprung schließen läßt. Als der Fotograf nach einem anstrengenden Aufstieg den Aufschluß erreichte, sah er sich mit Hunderten von fossilen Fußabdrücken konfrontiert, von denen einige eindeutig Spuren von Fingern und Krallen aufwiesen. Die Hypothese, daß es sich um Fußabdrücke großer prähistorischer Tiere handelte, wurde am nächsten Tag bestätigt, als Della Ferrera den Paläontologen Cristiano Dal Sasso vom Naturhistorischen Museum in Mailand kontaktierte, mit dem er bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hatte. Die zugeschickten Bilder ermöglichten eine erste Erkennung: Es handelte sich um Dinosaurier-Fußabdrücke, von denen noch nie zuvor berichtet worden war.

Über die Entdeckung ist dann ab Dezember 2025 weltweit berichtet worden (s. SciAm2026; s. ein deutscher Bericht (Yt2025) (FrRdsch2025).

Abb. 5: Als illustratives Beispiel: Östliche Seite des "Dinosaur Ridge", Dakota Hogback, westlich von Denver, nördliches, zentrales Colorado, USA (Fotograf: James St. John) (Flickr)

Es wurden auch Einblicke über Drohnen-Aufnahmen gegeben (Yt2025), es wurde auch eine Animation von einer der Dinosaurier-Herden veröffentlicht, die diese Spuren hinterlassen hat - mit männlichen und weiblichen Tieren, sowie mit Jungtieren (Yt2025). Zu einer paläoartistischen Rekonstruktion heißt es (FinestresullArte):

Die Umgebung, wie sie vor etwa 210 Millionen Jahren ausgesehen haben könnte, heute erhalten in den Felsen des Fraele-Tals (Stilfserjoch-Park). Entlang der Küste des Tethys-Ozeans wandelt eine Herde prosauropoder Dinosaurier bei Ebbe auf einer ausgedehnten schlammigen Karbonatebene. In der Herde befinden sich auch junge Exemplare, wie einige kleine fossile Fußabdrücke zeigen. Die Männchen und Weibchen sind hier in verschiedenen Farben abgebildet. Illustration von Fabio Manucci 

Es wurde auch die erste Aufnahme der Dinosaurier-Spuren von Elio Della Ferrara veröffentlicht. Dazu heißt es (FinestresullArte):

Das erste Bild, das Elio Della Ferrera, der Entdecker der neuen paläontologischen Fundstelle, an die zuständige Oberaufsichtsbehörde geschickt hat. Es wurde am 14. September 2025 aufgenommen und zeigt die so genannte “Schicht 0”, die an den hohen Wänden der Cime di Plator zutage tritt. Allein hier gibt es etwa zweitausend fossile Fußabdrücke, von denen die meisten auf prosauropode Dinosaurier zurückgeführt werden können. Foto von Elio Della Ferrera 

Weiter wird berichtet (FinestresullArte):

Die Merkmale der Fußabdrücke deuten darauf hin, daß sie von prosauropoden Dinosauriern stammen, großen Pflanzenfressern mit langen Hälsen und relativ kleinen Köpfen, die als Vorfahren der jurassischen Sauropoden gelten. Es handelte sich um robust gebaute Tiere mit scharfen Klauen an Händen und Füßen. Einige Arten, wie z. B. Plateosaurus engelhardti, konnten bis zu zehn Meter lang werden. In der Schweiz und in Deutschland sind zahlreiche Skelette von Plateosaurus gefunden worden, der am ehesten als Urheber der im Val di Fraele gefundenen Spuren in Frage kommt.

Und weiter wird berichtet, wobei nun auch die engere Region des Fundortes bekannt wird (die sonst in der Berichterstattung noch nicht genannt wird) (FinestresullArte):

Die betroffenen Gebiete erstrecken sich über mindestens sieben Bergrücken mit Dutzenden von sich überlagernden Schichten, die sich über eine Länge von fast fünf Kilometern entlang des Südufers der Cancano-Seen zwischen dem Plator- und dem Doscopa-Gipfel erstrecken. Derzeit sind etwa dreißig Aufschlußpunkte untersucht worden. Der Plator-Doscopa-Komplex ist damit eine der umfangreichsten und reichhaltigsten Dinosaurier-Fußabdruckfundstellen der Welt für die Triaszeit.

Es handelt sich um die Nordhänge des Cime di Plator. Sie befinden sich südlich des Lago di Cancano (s. Abb. 4), eines aufgestauten Stausees. Es gibt Menschen, die im Winter Skitouren auf die Gipfel des Cime di Plator unternehmen (PaoloSonja, Fb2024). Aber auch sommerliche Touren in diese abgelegene Region werden beworben (s. Bormio).

Abb. 6: Die Bergkette zwischen dem östlichen, mittleren und westlichen Cima di Plator, sowie dem Cima Doscopa (VanityFair)

Auf geht's also! Der nächste Urlaub geht ins Veltin (Abb. 6)! Fotografien des italienischen Naturfotografen Elio Della Ferrera finden sich im übrigen offenbar auf diversen Plattformen im Internet (z.B.: Pictures).

In zahlreichen Dinosaurier-Parks gibt es Rekonstruktionen von Plateosaurus - sie sind aber auf Wikipedia Commons in der Regel als falsch charakterisiert (s. WikiCom).

Der Plateosaurus war also offenbar vor allem in Mitteleuropa verbreitet, wo er erstmals auch entdeckt worden ist (Wiki):

Der erste Fund eines Plateosaurus gelang 1834 Johann Friedrich Engelhardt in der Region Heroldsberg unweit von Nürnberg. Er übergab das Material dem Frankfurter Wirbeltier-Paläontologen Hermann von Meyer zur Bearbeitung. Dieser beschrieb es 1837 unter dem Namen Plateosaurus engelhardti. Damit war Plateosaurus der fünfte wissenschaftlich beschriebene Dinosaurier. (...) Heute ist Plateosaurus einer der am besten bekannten Dinosaurier, von dem weit über 100 teils vollständige Skelette in sehr guter Erhaltung gefunden wurden. (...) Wegen seiner Häufigkeit in Süddeutschland verlieh der Paläontologe Friedrich August Quenstedt Plateosaurus den Spitznamen „schwäbischer Lindwurm“.

Diese Dinosaurier-Art ist also schon vergleichsweise gut erforscht.

Abb. 7: Größenvergleich des obertriassischen europäischen (vorwiegend deutschen) Nicht-Sauropoden-Sauropodomorphen Plateosaurus (WikiC)

Zu dem eingestellten Größenvergleich (Abb. 7) heißt es (WikiC):

Plateosaurus gracilis (ehemals Sellosaurus ) wird hier durch den Holotypus SMNS 5175 (dunkelblau) mit einer geschätzten Länge von mindestens 4,5 m und das größere Exemplar GPIT „Aixheim“ repräsentiert, dessen Länge auf bis zu 6 m geschätzt wird. Die Silhouetten und Größenangaben basieren auf den Diagrammen in Yates (2003), die nach den Exemplaren GPIT 18318a, SMNS 5175 und GPIT 18392 gezeichnet wurden. Die unvollständige Hand wurde nach P. trossingensis rekonstruiert (Mallison, 2010). Plateosaurus trossigensis (zu dem ein Großteil des ehemals als P. engelhardti bezeichneten Materials gehört ) wies ein extrem variables Wachstum auf, und beide hier abgebildeten Exemplare sind tatsächlich ausgewachsen. Die kleinere Silhouette wurde anhand einer Oberschenkellänge von 48 cm (1,57 Fuß) skaliert, was einer Gesamtlänge von 4,8 m (16 Fuß) entspricht. Diese Länge wurde für ein nicht katalogisiertes Exemplar im MSFM, das von Klein & Sander (2007) als „Schulterblatt 1“ bezeichnet wurde, extrapoliert. Die größere Silhouette wurde anhand des 99 cm (39 Zoll) langen Oberschenkelknochens eines nicht katalogisierten Exemplars im IFG (von Klein & Sander (2007) als „Oberschenkelknochen 13“ bezeichnet) skaliert, woraus sich eine Gesamtlänge von fast 10 m (33 Fuß) ergibt. Die postkranialen Strukturen der Silhouetten basieren auf dem digitalen Modell des Plateosaurus- Skeletts von Mallison (2010), das aus Scans von GPIT-PV-30784 (ehemals GPIT 1) und GPIT-PV-30785 (ehemals GPIT 2) erstellt wurde, während die Schädel hauptsächlich auf MSF 11.4 und NAAG_00011238 (Lallensack et al., 2021) basieren.

Samstag, 21. Februar 2026

„Noch ein solcher Sieg über die Römer und wir sind erledigt!“

Einiges zur nordwestlichen Peripherie des antiken Griechenland
- Die Archäogenetik wirft Licht auf Ambrakia - Eine Kolonie Korinths und nachmalige Hauptstadt des Königs Pyrrhus I.

Die heutige griechische Stadt Arta (Wiki) in Nordwestgriechenland, gelegen am Arachthos hieß in der Antike "Ambrakia" (Wiki). Ab 295 v. Ztr. war sie Hauptstadt von Epirus. Wo immer man in der heutigen Stadt gräbt, stößt man auf antike Überreste. Ambrakia wurde 625 v. Ztr. von Kolonisten aus Korinth gegründet. Auf dem Landweg ist Ambrakia von Korinth - wenn man sich bei Patras über die dortige Meerenge setzen läßt - 270 Kilometer entfernt (GMaps). (Will man allerdings nur über Land reisen, beträgt der Weg 600 Kilometer und führt nach dem ersten Drittel an Delphi vorbei [GMaps].) Ambrakia lag außerdem 50 Kilometer südlich von der Heiligen Eiche von Dodona.

Abb. 1: Aphrodite -Mamorstatuette aus einem Haus in Ambrakia, frühes 3. Jhdt. v. Ztr., Archäologisches Museum von Arta (MuseumArta)

Mit der nordöstlichen Peripherie des antiken Griechenland haben wir uns erst letzten Herbst hier auf dem Blog beschäftigt anläßlich einer damaligen Urlaubsreise nach Dion in Makedonien (Stg25aStg25b). Durch eine neue archäogenetische Studie (1) wird die Aufmerksamkeit auf die nordwestliche Peripherie gerichtet. Diese erlebte ihre Glanzzeit ebenfalls erst, als das Kernland - mit Korinth, Athen und Sparta - seine kulturelle und politische Mittelpunktstellung schon verloren hatte. 295 v. Ztr. wurde Ambrakia von König Pyrrhos I. von Epirus (319-272 v. Ztr.) zu seiner Hauptstadt erklärt. Er ließ zwei Theater erbauen (MuseumArta). Er stellte in seinem Palast Statuen des Herkules und der neun Schwestern (der Musen) auf - im sogenannten Musagète. Aus Ambrakia war schon im 6. Jhdt. v. Ztr. der Musiker Epigonos von Ambrakia (Wiki) hervorgegangen, der das Saiteninstrument des Epigonion in Griechenland eingeführt hat. Es sind in Ambrakia auch Musikinstrumente gefunden worden (MuseumArta).

Pyrrhos hatte die Römer in einer Schlacht besiegt. Aber um der Kennzeichnung seines Sieges gegen die Römer willen ist er bekannt geblieben: "Noch einen solchen Sieg und wir sind erledigt". Die eigenen Verluste in der Schlacht waren viel zu hoch, um auf diese Weise den Krieg langfristig durchhalten zu können. Immerhin wurde Ambrakia erst hundert Jahre später, 189 v. Ztr., und auch erst nach schwerer Belagerung durch die Römern erobert und geplündert. Die Belagerung ist durch den Historiker und Zeitgenossen Polybios (200 bis 120 v. Ztr.) (Wiki) geschildert worden (s. YtYt) (2, S. 214ff). Ambrakia hat sich dann nach Verhandlungen ergeben. Die Menschen aus Epirus, die die Stadt verteidigt hatten, durften abziehen. Polybios schreibt über den siegreichen römischen Feldherrn (2, S. 218):

Die Götterbilder und sonstigen Statuen und die Gemälde, deren es um so mehr waren, als Ambrakia Residenz des Pyrrhos gewesen war, führte er aus der Stadt hinweg.

Er brachte die Statuen des Musagète und viele andere Beutestücke nach Rom, wo dort mit diesen der Musenkult eingeführt wurde (MuseumArta).

Abb. 2: Die griechische Stadt Arta am Arachthos in Epirus (Wiki), das antike Ambrakia

Weitere 150 Jahre später, im Jahr 29 v. Ztr., wurde die Stadt Nikopolis (Wiki) von den Römern am Meeresufer, vierzig Kilometer westlich von Ambrakia (GMaps) gegründet (Wiki):

Um Bewohner für die neue Stadt zu bekommen, wurden nahe gelegene Dörfer wie z. B. Kassope durch Synoikismos mit Nikopolis zusammengelegt.

Dies führte auch zur allmählichen Aufgabe Ambrakiens und der umliegenden Region, da sich die Einwohner ebenfalls größtenteils in der neuen Stadt Nikopolis ansiedelten (MuseumArta). In den armen, entwurzelten und umgesiedelten Bevölkerungsteilen von Nikopolis faßte dann offenbar das Christentum früh Fuß (Wiki).

Wie lief die Gründung einer Stadt-Kolonie ab?

Zu den Einwohnern von Ambrakia ist eine neue archäogenetische Studie erschienen, die Licht wirft darauf, daß Ambrakia tatsächlich von Korinth aus besiedelt worden ist (1). Über die Anfangszeit von Ambrakia lesen wir (Wiki):

Die Gründung (...) wurde von Gorgos, dem unehelichen Sohn des Kypselos, des Tyrannen von Korinth, in einem Gebiet gegründet, das den Dryopen gehörte. Es wurde mit einem der besten Stadtplanungssysteme der Antike erbaut. Es erlangte große Seemacht, und die dort hergestellten Damenschuhe wurden unter dem Namen Ambrakides in ganz Griechenland bekannt.

Zur Zeit der Gründung (Wiki) ...

... basierte die Wirtschaft auf Ackerbau, Fischerei, Holz für den Schiffbau und dem Export der Produkte von Epirus. Nach der Vertreibung von Gorgus’ Sohn Periander entwickelte sich die Stadt zu einer starken Demokratie.

Es geschah das parallel zur ähnlichen Entwicklung in der Mutterstadt Korinth (Wiki):

Laut Aristoteles war Ambrakia eine Demokratie, nachdem das Volk den Tyrannen Periander gestürzt hatte. Dies fiel zeitlich mit dem Sturz des bekannteren korinthischen Tyrannen Periander um 580 v. Ztr. zusammen. Die Stadt erlebte daraufhin eine Blütezeit und wurde zur bedeutendsten der korinthischen Kolonien in der Region. Im 5. Jahrhundert v. Ztr. war Ambrakia mit geschätzten 100.000 Einwohnern die größte Stadt in Epirus. Sie nahm an den Perserkriegen teil, an der Schlacht von Salamis mit sieben Schiffen und an der Schlacht von Plataiai mit 500 Soldaten.

So nahm also auch die Peripherie Anteil an den Schicksalen des Kernlandes.

Abb. 3: Körpermerkmale im antiken Korinth und seiner Pflanzstadt Ambrakia (aus 1, Anlage) - 5 von 27 Personen waren hellhaarig

Wir lesen außerdem (Wiki)

Die frühe Politik Ambrakias war geprägt von der Loyalität zu Korinth (für das die Stadt vermutlich als Handelszentrum im epirusischen Handel diente) und der daraus resultierenden Abneigung gegen Korfu (da Ambrakia 433 v. Ztr. in der Schlacht von Sybota auf korinthischer Seite zwischen der rebellischen korinthischen Kolonie Korfu (...) und Korinth kämpfte). Die Politik der Ambrakioten war von zahlreichen Grenzkonflikten mit den Amphilochiern und Akarnaniern geprägt. Daher spielte das Reich eine bedeutende Rolle im Peloponnesischen Krieg bis zur vernichtenden Niederlage bei Idomene (426 v. Ztr.), die seine Ressourcen stark beeinträchtigte.

Das hier erwähnte Korfu liegt auf einer vorgelagerten Insel in der Adria 130 Kilometer nordwestlich von Ambrakia. In der neuen archäogenetischen Studie wird am Beispiel von Ambrakia der Vorgang einer Koloniegründung erforscht (1):

Der Gründungsprozeß begann - literarischen Quellen und archäologischen Funden zufolge - wenn eine Metropolis beschloß, eine Gruppe ihrer Bürger zur Gründung einer neuen Gemeinschaft ins Ausland auszusenden (Apoikia [...]). Ein designierter Anführer, der Oikiste, wurde ausgewählt, um die Expedition zu leiten. Er erhielt weitreichende Befugnisse. Diese Person spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung und der zukünftigen Ausrichtung der Kolonie. Der Oikiste befragte üblicherweise das Orakel von Delphi, das ihm in verschiedenen Aspekten der Gründung, einschließlich des Standorts, Rat gab. Nach Erhalt des Orakels führte der Oikiste die erste Gruppe von Siedlern an, sicherte das Gebiet und setzte die grundlegenden Gesetze und Gebräuche (Nomima) der neuen Gemeinschaft fest. Diese Gebräuche umfaßten typischerweise einen Rechtsrahmen, einen Kalender religiöser Feste, Protokolle für die Verehrung der Götter und eine Stammesorganisation der Bürger. Die Nomima dienten als einigende Traditionen, die in Kolonien mit Siedlern unterschiedlicher Herkunft von besonderer Bedeutung waren und zu prägenden Merkmalen der bürgerlichen Identität einer Kolonie wurden. Anhand dieser Elemente (Kulte, Tempel, materielle Kultur) identifizieren Archäologen und Historiker eine Kolonie in Bezug zur Metropolis, wobei diese Verbindung nicht immer eindeutig herzustellen ist.

Aber die Archäogenetik kann nun Beweise für die Herkunft liefern.

Abb. 4: Wie nah oder entfernt waren die Ambrakioten mit anderen Populationen und Völker verwandt - Hauptkomponenten-Analyse (1) - (Erläuterung im letzten Teil des Blogartikels)

In Ambrakia konnten viele Gräber ausgegraben werden und die Skelette sequenziert werden. Ebenso konnten DNA-Proben gewonnen werden aus Tenea, einer Stadt, die nahe zu Korinth gelegen ist und weiterhin auch zwei DNA-Proben aus Ammotopos, die die vor-korinthische Bevölkerung in Epirus repräsentieren.

Was sagt die Archäogenetik über Ambrakia?

Für die gewonnenen DNA-Proben ergaben sich nun im wesentlichen zwei Verwandtschafts-Cluster (1):

Das erste Cluster (die erste Verwandtschaftsgruppe) umfaßt den Großteil der Ambrakia-Proben (eine der drei archaischen, alle sechs klassischen und vier der fünf hellenistischen Proben), die beiden bronzezeitlichen Ammotopos-Proben sowie einige der Tenea-Proben (beide archaischen, zwei der drei hellenistischen und die späthellenistisch-frührömische). Diese Gruppe ist vor allem mit Genomen der späten Bronzezeit (1700-1050 v. Ztr.) aus dem heutigen Griechenland, Genomen der frühen Eisenzeit (1100-500 v. Ztr.) aus dem heutigen Bulgarien und den Genen der Bewohner der antiken griechischen Kolonie Himera auf Sizilien (780-400 v. Ztr.) verwandt.
The first cluster includes the majority of the Amvrakia samples (one of the three Archaic, all six Classical, and four of the five Hellenistic samples), the two BA Ammotopos samples, and some of the Tenea samples (both Archaic, two of the three Hellenistic, and the Late Hellenistic-Early Roman). This cluster is primarily close to LBA (1700-1050 BCE) genomes from across present-day Greece, Early Iron Age (1100-500 BCE) genomes from present-day Bulgaria, and the locals of the Ancient Greek colony of Himera in Sicily (780-400 BCE).

Mit diesen Proben ist eine große genetische Kontinuität einerseits zwischen Ambrakia und Korinth festgestellt, zum anderen auch von der archaischen bis in die hellenistische Zeit in Ambrakia. Es gab offenbar wenig Vermischung mit den vormaligen Einwohnern von Epirus oder mit Menschen anderer Herkunft. Als weiteres Verwandtschafts-Cluster ergab sich (1):

Der zweite Cluster (die zweite Verwandtschaftsgruppe) umfaßt alle vier römischen Individuen aus Tenea und eines der drei hellenistischen Individuen aus Ambrakia. Dieses ist zeitlich eng mit archaischen (750-480 v. Ztr.), römischen (27-476 n. Ztr.) und anderen anatolischen Genomen [darunter ein hellenistisches (510–30 v. Ztr.) und ein frühbronzezeitliches (3350–2000 v. Ztr.) Genom], einem römischen Genom aus der Kaiserzeit (1–530 n. Ztr.) aus Italien sowie einigen griechischen Genomen aus der römischen (250-400 n. Ztr.), frühbronzezeitlichen und mittelbronzezeitlichen (2900–1700 v. Ztr.) und spätbronzezeitlichen (1700–1050 v. Ztr.) Periode verwandt.
The second cluster comprises all four Roman Tenea individuals and one of the three Hellenistic Amvrakia individuals. It is placed close to Archaic (750-480 BCE), Roman (27-476 CE), and other Anatolian genomes [including a Hellenistic (510-30 BCE) and an Early Bronze Age (EBA, 3350-2000 BCE) genome], a Roman Imperial (1-530 CE) genome from Italy, and a few Greek genomes from the Roman (250-400 CE), EBA_MBA (2900-1700 BCE), and LBA (1700-1050 BCE) periods.

Es handelt sich also um Menschen, die aus Anatolien stammten, wo es so gut wie keine Steppengenetik gab. Ebenso gab es keine Steppengenetik noch bei einigen bronzezeitlichen Menschen in Griechenland. In der Bronzezeit gab es ja in Griechenland - wie wir aus vorausgegangenen Studien wissen - sowohl Individuen mit 20 %, ebenso wie mit 10 % und mit 0 % Steppenherkunfts-Anteil. Erst ab der archaischen Zeit war sich die Steppenherkunft mit 8 % auf alle Bewohner des antiken Griechenland gleichmäßig verbreitet.  

Abb. 5: Pyrrhus I. von Epirus (295-272 v. Ztr.) (Wiki)

Die anatolischen Genome kamen sicherlich im Gefolge der Eroberungen Alexanders des Großen und mehr noch nach der Eroberung Griechenlands durch die Römer aus Anatolien nach Griechenland und ebenso nach Italien hinein. (Gleichzeitig breitete sich ja auch die antik-griechische Genetik nach Süditalien und bis in die Balkan-Länder aus, unter anderem dadurch daß die Römer im umfangreichem Maße versklavte Griechen mit nach Italien nahmen.) 

Als Ergebnis wird in der Zusammenfassung der Studie formuliert (1):

Ambrakia scheint während seiner Gründung in der archaischen Zeit genetisch von einer einzigen Quelle geprägt worden zu sein. Diese Quelle stammte aus dem korinthischen Gebiet und wurde durch die archaische Bevölkerung von Tenea repräsentiert, was durch eine Identitätsanalyse (IBD) belegt wird. Eine direkte Abstammung aus dem spätbronzezeitlichen Griechenland, einschließlich einer lokalen spätbronzezeitlichen Bevölkerung, die durch die nahe gelegene Siedlung Ammotopos repräsentiert wird, konnte trotz zahlreicher unabhängiger populationsgenomischer Analysen nicht nachgewiesen werden. In der darauffolgenden klassischen und hellenistischen Zeit scheint sich die Bevölkerung Ambrakias nur geringfügig verändert zu haben, und es lassen sich Hinweise auf genetische Kontinuität über die Zeit beobachten. Die Migration von Korinthern nach Ambrakia trug maßgeblich zum ursprünglichen Genpool der Kolonie bei, was darauf hindeutet, daß die korinthische Kolonisation sowohl einen genetischen als auch einen kulturellen Austausch zwischen der Metropole und ihrer Kolonie umfaßte.

Sowohl im Haupttext wie im Supplement (Anhang) werden dann auch die Körpermerkmale der untersuchten, antiken DNA-Proben behandelt.

Dunkle Menschentypen im antiken Griechenland

Im Supplement heißt es (1, Suppl.):

Alle Individuen wiesen die höchste Wahrscheinlichkeit dafür auf, daß sie braune Augen hatten. Die meisten hatten vermutlich einen mittleren Hautton, drei von ihnen jedoch eine dunklere Hautfarbe (zwei aus dem klassischen Ambrakia und einer aus dem römischen Tenea). Ebenso hatten die meisten vermutlich braunes Haar mit einem dunklen Schimmer. Bemerkenswerterweise zeigte das späthellenistisch-frührömische Individuum aus Tenea trotz unserer Bemühungen, falsch-positive Ergebnisse für rote Haare auszuschließen, weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit für diesen Phänotyp.
All individuals showed the highest probability for brown eyes. Most individuals likely had an intermediate skin tone, while three of them had a darker skin color (two from Classical Amvrakia and one from Roman Tenea). Similarly, most individuals likely had brown hair with a dark shade. Notably, despite our attempts to eliminate false positive results for red hair, the Late Hellenistic - Early Roman individual from Tenea still exhibited a high probability for this phenotype.

Vielleicht paßt letztere Angabe zu dem Umstand, daß ja sich auch der Name des oben erwähnten Königs Pyrrhus von "Feuerkopf", bzw. "rothaarig" ableitet. Auch beispielsweise Alexander der Große wird ja offenbar als blond beschrieben - wie überhaupt der Steppengenetik-Anteil bei den ursprünglichen Einwohnern der nördlichen Peripherie von Griechenland höher geblieben sein könnte (?).

Abb. 6: Mosaik in Ambraktia, 4. Jhdt. v. Ztr. (MuseumArta)

Es wird interessanterweise ausgeführt, daß die genetisch festgestellte Hautfarbe der DNA-Proben nicht mit der hellen Hautfarbe der Personen übereinstimmt, die in einem Mosaik im Kleinen Theater in Ambrakia (MuseumArta, Hermes) dargestellt gefunden worden sind (s. Abb. 6) (1):

Obwohl die phänotypischen Ergebnisse faszinierend sind, sollte ihre Zuordnung zu künstlerischen Darstellungen aus den Untersuchungsgebieten mit Vorsicht erfolgen. Künstlerische Darstellungen von Menschen aus diesen Regionen sind rar, und in den wenigen Fällen, in denen sie existieren, spiegeln sie oft eher symbolische oder idealisierte Bilder als realistische Darstellungen wider. So zeigt beispielsweise ein Mosaik aus weißen und schwarzen Kieselsteinen aus dem Kleinen Theater in Ambrakia mythologische Szenen mit menschlichen Figuren (dem jungen Eros). Die Verwendung weißer Kieselsteine, die helle Hauttöne andeuten sollen, unterstreicht den vorwiegend symbolischen und narrativen Ausdruck im Gegensatz zum physischen Realismus. Ähnlich verhält es sich in Tenea, wo ein seltenes Beispiel monumentaler Grabmalerei aus dem frühen 6. Jahrhundert v. Chr. ebenfalls mythologische Themen ohne die Darstellung menschlicher Figuren zeigt. Diese Kunstwerke sind zwar kulturell bedeutsam, liefern aber keine verläßlichen Belege für das physische Aussehen, da sie fantasievollen und symbolischen Darstellungen den Vorrang vor dem Realismus einräumen. Zudem sind in der Region kaum Skulpturen oder Tonfiguren erhalten, die Pigmentreste aufweisen, welche für eine phänotypische Analyse ausreichen würden. Aus den genannten Gründen sind direkte Korrelationen zwischen unseren phänotypischen Befunden und der künstlerischen Dokumentation leider nicht möglich.

Immerhin ist den Forschern die Problematik des Mißverhältnisses zwischen der antiken phänotypischen Alltags-Welt auf der Straße und der Art der Menschendarstellung im Kunstschaffen bewußt. Es sei noch darauf hingewiesen, daß die Mosaik-Darstellung auch eher fast blonde Haare andeutet (Abb. 6).

Wie hoch war jeweils der Steppengenetik-Anteil?

Wir wollen noch anmerken, daß merkwürdigerweise in der ganzen Studie nie von Steppen-Herkunft die Rede ist. So wird nicht klar, welcher Steppengenetik-Anteil jeweils festgestellt worden ist. 

Vielleicht können wir die Steppengenetik-Anteile "erahnen", wenn wir auf die Abbildung der Hauptkommponenten-Analyse schauen (Abb. 4). Auf dieser sehen wir zunächst ganz außen an den Rändern jeweils die ursprünglichen Jäger-Sammler-Völkergruppen, die in Europa und dem Nahen Osten vor dem Übergang zum Ackerbau lebten. Die Genetik der osteuropäischen Jäger und Sammler, die einen wesentlichen Teil der Steppen-Herkunft bildet, ist mit weißen, offenen Quadraten markiert (in der Grafik oben links: "RUS_M_EHG_7050-5500BCE").

In der Grafik sehen wir im linken Bildteil die europäischen Völker und im rechten Bildteil die anatolischen und iranischen Völker der Antike. Die anatolischen Völker haben in der Antike so gut wie keine Steppengenetik aufgewiesen (dunkelgrün, hellgrün und blau markiert). (Sie weisen unterschiedliche Anteile von anatolisch-neolithischer und iranisch-neolithischer Herkunft auf, vermischt mit natufischer, bzw. levantinisch-neolithischer Herkunft.) Dieser Herkunft ist in der Studie das Cluster 2 zugeordnet (im vergrößerten Ausschnitt der Grafik oben rechts).

Im mittleren linken Teil der Grafik sehen wir Menschenfunde aus dem antiken Italien (dunkelgrün), dem antiken Albanien (rosa), sowie dem antiken Sizilien (hellgrün). Zwischen diesen beiden Clustern nun - Anatolien einerseits und Adria/Italien andererseits - sind die antiken Griechen und Ambraktionen verwandtschaftlich verortet (rot und dunkles Dunkelblau).

Im vergrößerten Ausschnitt derselben sehen wir, daß die beiden Ammotopos-Individuen (hellgrüne, offene Kreise) ein wenig Richtung Italien und Sizilien verschoben sind. In Italien hat es in der Bronzezeit und bis in republikanische Zeit hinein zwischen 10 und 20 % Steppengenetik gegeben. Die beiden Ammotopos-Individuen werden also einen Steppengenetik-Anteil gehabt haben, der etwas höher war als der 8-Prozent-Durchschnitt im klassischen antiken Griechenland. Mehr können wir aus dieser Grafik aktuell zu dieser Frage nicht heraus lesen. 

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  1. Genetic affinities between the ancient Greek colony of Amvrakia and its metropolis. P Nikolaos, T Eugenia, V Despoina, P Stefanos et al.. In: Genome Biology, 7.2.2026 (GenBio2026)
  2. Des Polybios Geschichte. Übersetzt von A[dolf] Haakh. Hoffmann, Stuttgart 1858 (Neueste Sammlung ausgewählter Griechischer und Römischer Classiker. Band 25) (Digitalisate im Münchener DigitalisierungsZentrum: Bd. 7 [Buch XX–XXX]

Sonntag, 15. Februar 2026

10.000 Jahre Buschleute im südlichen Afrika

Inzwischen sind über 30 südafrikanische Genome aus der langen Zeitspanne zwischen 10.000 Jahren vor heute bis 600 n. Ztr. bekannt.

Abb. 1: San-Gruppe aus dem südlichen Afrika, 2011, fotografiert von Aino Tuomine (Wiki)*)

Auch in einer neuen archäogenetischen Studie wird durch diese einmal erneut die große genetische und kulturelle Kontinuität der Herkunftsgruppe der südafrikanischen Buschleute deutlich (1):

Alle vorgeschichtlichen südlichen Afrikaner, deren Alter auf mehr als 1.400 cal.  vor heute datiert wurde, weisen eine genetische Ausstattung auf, die außerhalb der genetischen Variationsbreite heutiger Menschen liegt (einschließlich der südafrikanischen Khoe-San, obwohl einige bis zu 80 % ihrer Abstammung aus dem vorgeschichtlichen südlichen Afrika aufweisen). (...) Die vorgeschichtlichen südafrikanischen Individuen zeigen über 9.000 Jahre hinweg nur eine geringe räumlich-zeitliche Gliederung, was mit einer großen, stabilen Holozän-Population übereinstimmt, die archäologische Phasen überdauert. Während das südliche Afrika lange Zeit als geografisches Refugium diente, gab es vor über 8.000 Jahren einen Genfluß nach außen; ein Genfluß nach innen manifestiert sich jedoch erst nach etwa 1.400 Jahren.

Mit letzterem ist der Genfluß zuwandernder ostafrikanischer Stämme ab 600 n. Ztr. gemeint, später westafrikanischer Stämme. Wir lesen dementsprechend weiter (1):

Die meisten der untersuchten vorgeschichtlichen Südafrikaner (25 von 28) trugen Haplotypen der mitochondrialen Haplogruppe L0d (...), die auch bei heutigen Khoisan verbreitet ist (...). Die älteste Person (Matjes River 6) und vier weitere Personen (Great Brak River Cave, Cape St. Francis und zwei aus der Ballito Bay 4 ) trugen ein Y-Chromosom mit der Haplogruppe A1b1b2a, die ebenfalls häufig bei heutigen Khoisan vorkommt.

Nach 600 n. Ztr. kam es zur Einmischung von zunächst ostafrikanischer, später westafrikanischer Herkunft, so daß die Buschleute bis heute höchstens 80 % ihrer ursprünglichen Herkunft behalten haben.

Insgesamt haben wir in Südafrika also vorliegend ähnlich lange andauernde genetische und kulturelle Kontinuität wie in den Herkunftsgruppen anderer Weltteile, etwa den zeitgleichen westeuropäischen oder den osteuropäischen Jägern und Sammlern. Und ähnlich wie in anderen Weltteilen ist diese genetische und kulturelle  Kontinuität erst mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht mit Veränderungen konfrontiert. 

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*) Auf der überwiegenden Mehrheit der Fotos sitzen die Buschleute auf dem Boden mit angewinkelten Knien. Auf dem Boden sitzen ist sehr gut für die Gesundheit. Allerdings fragt man sich, ob die angewinkelten Kniee nicht auch zu Knieproblemen führen. 

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  1. Jakobsson, M., Bernhardsson, C., McKenna, J. et al. Homo sapiens-specific evolution unveiled by ancient southern African genomes. Nature 650, 156–163 (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09811-4, Published 03 December 2025 (Nature2025)

Sonntag, 8. Februar 2026

Die Manioten - Gibt es heute noch genetisch antike Griechen in Griechenland?

Von der Halbinsel Mani nahm der griechische Befreiungskampf des Jahres 1821 seinen Ausgang
- Und hier findet sich Genetik, die im übrigen Griechenland seit dem Frühmittelalter offenbar verloren gegangen ist

Das Taygetos-Gebirge verläuft von Norden nach Süden über die Halbinsel Peloponnes und trennte in der Antike die Spartaner von den ihnen feindlichen Messeniern im Westen. Der Taygetos und der Fluß Eurotas bildeten die landschaftlichen Wahrzeichen des antiken Sparta.

Abb. 1: Manioten zu Pferde (Pintr) - Vermutlich anläßlich des Jahrestages des Revolutionsschwures "Freiheit oder Tod" in Areopolis auf der Halbinsel Mani im Jahr 1821

Ein Spartaner namens Geradas unterhielt sich einstmals mit einem Nicht-Spartaner über die Ehe (nach GB). Der Fremdling fragte, welche Strafe es für Ehebrecher in Sparta gäbe. (Wer weiß denn schon, welche Gedanken er dabei gerade im Hinterkopf hatte ...) Der Spartaner Geradas antwortete ihm: "Bei uns gibt es keine Ehebrecher." Der Fremdling war mit dieser Antwort nicht wirklich zufrieden und fragte weiter: "Wenn es aber doch einmal einen gäbe ..." - Geradas antwortete: "So müßte er zur Strafe einen Stier geben, der so groß wäre, daß er über den Taygetos hinweg und über Sparta hinweg aus dem Eurotas trinken könnte." - "Aber wie könnte denn ein Stier jemals so groß werden?", fragte der Fremdling. "Und wie könnte in Sparta jemand Ehebrecher werden?" fragte Geradas zurück. - - -

Diese Geschichte fällt dem Verfasser dieser Zeilen ein, wenn vom Taygetos die Rede ist. (Das ist übrigens auffallender Weise dieselbe Selbstverständlichkeit bezüglich der Ehe, wie es sie bei den republikanischen Römern und auch später noch bei den heidnischen Germanen und vielen anderen Völkern gegeben hat. Doch all das ist gar nicht Thema des vorliegenden Beitrages.)

Das Taygetos-Gebirge zieht sich von Norden nach Süden über die Peloponnes, als hätte es einen so langen Hals wie der genannte Stier. Die südlichen Ausläufer des Taygetos-Gebirges bestimmen den landschaftlichen Charakter des südlichsten Teiles der Peloponnes, nämlich der Halbinsel Mani. Bei ihr handelt es sich um den mittleren "Finger" der drei "Finger", der drei südlichen Halbinseln der Peloponnes. Und hier lebt noch heute ein Volksstamm, nämlich die "Südlichen Manioten", die Einwohner des südlichsten Teiles der Halbinsel Mani (Englisch "Deep Mani") (Abb. 2), deren Genetik sich - nach einer neuen genetischen Studie (1) - im wesentlichen seit dem antiken Griechenland erhalten haben soll (2) (Phys). Es könnte sich also bei ihnen um direkte Nachfahren der Spartaner handeln. Auf jeden Fall findet sich bei ihnen nicht jener recht hohe slawische genetische Herkunftsanteil, der sich sonst bei allen Griechen seit dem Frühmittelalter findet. Dieser Umstand ist schon seit einer Studie aus dem Jahr 2017 bekannt. 

Abb. 2: Die drei wesentlichen geographischen Teile der Halbinsel Mani (HTravels)

In der genannten neuen Studie wird diesen Zusammenhängen weiter nachgegangen (Nature2025):

Aufgrund ihrer einzigartigen historischen Umstände und sprachlichen Besonderheiten stellen die Südlichen Manioten möglicherweise eine genetische Momentaufnahme der griechischen Welt vor der Völkerwanderungszeit dar und liefern wertvolle Einblicke in die menschliche Mobilität im nachklassischen östlichen Mittelmeerraum.
Based on their unique historical circumstances and linguistic particularities, the Deep Maniots may represent a genetic snapshot of the pre-Migration Period Greek world, providing invaluable insights into human mobility of the post-classical Eastern Mediterranean.

Es wird dies in der neuen Studie allerdings nur anhand der Genetik der väterlichen Y-Chromosomen-Linien und der mütterlichen mitochondrialen Linien abgeleitet, nicht aus Gesamtgenom-Sequenzierungen. Warum letztere nicht mit in Augenschein genommen worden sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Schließlich kann das doch heute schon jeder MyHeritage-Test oder ähnliches leisten, soweit wir das überblicken.

Jedenfalls: Die Südlichen Manioten scheinen - im Gegensatz zu den übrigen heutigen Griechen - so gut wie gar nicht von Slawen abzustammen. 

Abb. 3: Frauen aus dem Dorf Driali an der Ostküste der Südlichen Mani-Halbinsel (WikiC) - Eingestellt auf dem griechischen Wikipedia-Artikel (Wiki)

Im 5. Jahrhundert n. Ztr. haben die Einwohner der Halbinsel Mani einen Eroberungsversuch durch die Wandalen abgewehrt (Nature2025). Vermutlich hatten sie zuvor auch schon - wie die übrigen Griechen - viel mit der Abwehr von plündernden Goten zu tun.

Aber schon im 10. Jahrhundert hat der oströmische Kaiser Porphyrogenitus festgehalten, daß die Manioten (zit. n. Nature2025) ...

„... nicht von den Slawen, sondern von den alten Römern abstammen, die selbst heute noch von den Einheimischen Hellenen genannt werden wegen ihrer früheren Götzenverehrung“.

Auf der Halbinsel Mani ist man also auch vergleichsweise spät zum Christentum übergegangen. Die Hälfte der Männer der heutigen eingeborenen Südlichen Manioten stammen nach der neuen Studie von einem einzigen Mann ab, der um 650 n. Ztr. gelebt haben könnte. Die Population der Südlichen Mani hat demnach einen populationsgenetischen Flaschenhals durchlaufen, der zeitlich parallel läuft zu der äußerst geringen Besiedlungsdichte während des 7. Jahrhunderts auf der Peloponnes überhaupt (ScMag2026):

Einer der Autoren der neuen Studie, Thanasis Kofinakos, ist selbst Maniote aus der Südlichen Mani. Er wuchs mit den Erzählungen über die uralten Ursprünge seines Volkes auf. Um zu überprüfen, ob diese mündlichen Überlieferungen der Wahrheit entsprechen, begaben sich Kofinakos, ein unabhängiger Genealoge, und seine Kollegen auf die Suche nach der Herkunft der Südlichen Manioten. In Zusammenarbeit mit Leonidas-Romanos Davranoglou, einem Biologen der Universitäten Tel Aviv, Oxford und Athen, verglichen er und seine Kollegen die Genome der Tiefmanioten mit über einer Million moderner Genome und Tausenden alter Genome.
One of the new study’s authors, Thanasis Kofinakos, is himself Deep Maniot. He grew up hearing about his people’s ancient origins. To test whether these oral traditions held any truth, Kofinakos, an independent genealogist, and his colleagues set out to learn where Deep Maniots come from. Working with Leonidas-Romanos Davranoglou, a biologist at Tel Aviv University, the University of Oxford, and the University of Athens, he and colleagues compared Deep Maniot genomes with more than 1 million modern genomes and thousands of ancient genomes.

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Abb. 4: Klagende, trauernde Frauen der Manioten (Greekreporter)

Wir lesen über die neue Studie (GreekCityTimes):

Das Forschungsteam untersuchte venezianische, osmanische und moderne Archive und befragte mindestens 60 ältere Einwohner aus fast jedem Dorf im Südlichen Mani. Das Team arbeitete eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen, um sicherzustellen, daß die Stichprobe verschiedene Familiengruppen und Siedlungen repräsentierte. Dr. Anargyros Mariolis, Direktor des Gesundheitszentrums Areopoli, unterstützte die Datenerhebung. Die Forscher stellten fest, daß mündliche Überlieferungen häufig mit den genetischen Befunden übereinstimmten. Co-Autor Athanasios Kofinakos erklärte, daß viele lange bestehende Erzählungen über gemeinsame Abstammung nun genetisch bestätigt seien.

Für Außenstehende stellen die Südlichen Mani noch bis heute wohl manches geheimnisvolle Rätsel dar

Aufgrund der Unzugänglichkeit ihrer Halbinsel haben die Manioten noch bis ins vorletzte und letzte Jahrhundert nach vergleichsweise eigenen Gesetzen gelebt. Die Blutrache zwischen den großen Sippenverbänden spielte bei diesen eine große Rolle. Sie war bei den Manioten ähnlich "selbstverständlich" wie etwa bei den frühmittelalterlichen Isländern. Der Griechenland-Kenner und vormalige britische Soldat des Zweiten Weltkrieges, der Schriftsteller Patrick Lee Fermor (1915-2011) (Wiki), schrieb über die Halbinsel Mani (zit. n. Wiki):

Ein Durchreisender kann Mani in drei Tagen sehen,
ein Wanderer in drei Monaten,
und um seine Seele zu erfassen, braucht man drei Leben.
Eins für das Meer, eins für seine Berge und eins für seine Menschen.

Vielleicht hat er ein bisschen übertrieben ... ? 

Abb. 4a: Der renommierte Bildhauer und -Maler Michalis Kassis von der Südlichen Mani (s. GrTrav), dessen profunde Kenntnisse der mündlichen Überlieferung, Genealogie und Siedlungsstrukturen der Manioten einen unschätzbaren kulturellen Kontext lieferten, der die Konzeption der Studie maßgeblich prägte (mit dem Hauptautor Dr. Leonidas-Romanos Davranoglou) Bildnachweis: Vinia Tsopelas (Phys)

Ein besonderes Volksgut der Mani sind ihre "Klagelieder" (Abb. 4). Über diese heißt es auf dem griechischen Wikipedia (Wiki):

Klagelieder sind Verse, Trauergesänge, die beim Tod von Angehörigen vorgetragen werden. Die ersten Klagelieder finden sich bei Homer, wo Totenlieder für Hekabe, Achilles, Andromache usw. erwähnt werden, deren Inhalt den späteren Klageliedern nahezu identisch ist. In der maniatischen Gesellschaft ersetzen Klagelieder andere Lieder und bilden die einzige Form der Volksdichtung. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, und auch heute noch improvisieren vor allem die Frauen der maniatischen Gesellschaft und schaffen „Lobgesänge auf die Toten“

In einer Filmdokumentation kann man sich von diesen Klageliedern der Frauen einen Eindruck verschaffen (Abb. 8) (aus: Yt2021).

Abb. 5: Der Eid "Freiheit oder Tod" aus Anlaß der Revolutionsausrufung in Areopolis 1821 - Nachgestellt (aus: Yt2021)

Bezeichnenderweise trägt die Hauptsängerin während ihres Klageliedes eine Pistole im Gürtel - ein Zeichen, daß die Frauen vollständig hinter den Männern standen was die Wehrhaftigkeit und die Gesetze der Blutrache betrifft. Als Beispiel für ein allegorisches Klagelied werden die folgenden Zeilen gebracht (Wiki):

Ich hatte einen Apfelbaum vor meiner Tür und einen Baum in meinem Garten,
ein scharlachrotes Zelt über dem Haus, 
eine goldene Zypresse, an die ich mich lehnte, und
ein silbernes Tuch hing im Haus.
Nun ist der Apfelbaum verdorrt, der Baum entwurzelt,
das scharlachrote Zelt
schwarz geworden, die goldene Zypresse umgestürzt und zerbrochen,
das silberne Tuch erloschen, das Haus erstrahlt nicht mehr.

Der genannte Schriftsteller Patrick Lee Fermor übrigens (Wiki) ...

... bereiste viele Jahre Mani und lebte hier mit seiner Frau Joan, worüber er ein Reisebuch mit dem Titel „Mani“ (1958) verfaßte. Er liebte Mani so sehr, daß er sich schließlich dauerhaft in Kardamyli niederließ, wo er im Alter von 96 Jahren auch starb.

Kardamyli liegt im nördlichen Teil der Halbinsel Mani.

Abb. 6: Zwei alte Frauen - Aus: Fermor / Mani 1958

Im Klappentext zu diesem "legendären" Mani-Buch von Fermor heißt es (Az):

Sommer 1952. Als Patrick Leigh Fermor 37-jährig über das Taygetos-Gebirge in das bitterschöne Land der Manioten bis an den südlichsten Zipfel der Peloponnes wandert, ist er in seiner Heimat bereits ein Kultautor. "Es gibt kaum einen Fels oder Bach, zu dem es keine Schlacht und keinen Mythos gibt, kein Wunder, keinen Aberglauben, keine Geschichte... Meine Streifzüge durch Griechenland gelten den entlegensten Landstrichen, denn dort findet man, wonach ich suche." Gerade in der rauen, vom übrigen Griechenland durch den Taygetos abgeschnittenen Mani wittert Fermor Lebensformen und Bräuche, die direkt aus dem untergegangenen Byzanz oder dem mythischen Altertum zu kommen scheinen. So findet sich in der aus dem Stegreif gesungenen Totenklage, wenn die Sängerin sich die Haare rauft, Andromaches Trauer um Hektor wieder.

Auf dem griechischen Wikipedia heißt es auch (Wiki):

Die karge, felsige Halbinsel und die historische Verbindung zum antiken Sparta prägen die Bewohner mit einem kompromißlosen Charakter, strengen Moralvorstellungen, harten Sitten, Freiheitsliebe, Opferbereitschaft sowie Ehrlichkeit, mentaler Stärke, Stolz und Patriotismus. Sie zeigen großen Respekt vor Traditionen, Familienehre und den Toten und ein starkes Lokalbewußtsein, das aus dem Stolz erwächst, nie von Fremden versklavt worden zu sein und stets in Freiheit gelebt zu haben.

Das Dorf Areopolis an der Westküste der Südlichen Mani-Halbinsel bildet das Verwaltungszentrum der Südlichen Mani. Von hier bis zum südlichsten Zipfel der Halbinsel Mani, dem Kap Tainaron, sind es 40 bis 50 Kilometer (GMaps). In Areopolis finden alljährlich Festlichkeiten zum Jahrestag der Revolutionsausrufung gegen die Herrschaft der Türken statt, und zwar am 17. März 1821.

Abb. 7: Alljährliche Feierlichkeiten zum Gedenktag der Revolutionsausrufung am 17. März 1821 in der Ortschaft Areopolis (Trigilidas)

Zu diesen Festlichkeiten kommen Abordnungen aus ganz Griechenland, ja, im Jahr 2025 hat an diesen Festlichkeiten auch der ungekrönte König Griechenlands teilgenommen, der Prinz Paul von Griechenland (geb. 1967) (Wiki) (Akrolithi):

Während die Revolution und ihre Helden landesweit am 25. März, dem Fest Mariä Verkündigung, gefeiert werden, ehrt Mani den 17. März als sein eigenes Leuchtfeuer des Mutes.

Man sieht auf Fotos und Filmaufnahmen von diesen Feierlichkeiten viele einheimische Manioten versammelt, sogar in der traditionellen Tracht und Bekleidung des 19. Jahrhunderts (siehe z.B. Fb2024).

Paul von Griechenland wurde von den örtlichen politischen Repräsentanten als "Prinz Paul" und "Exzellenz" angesprochen, obwohl die Monarchie in Griechenland abgeschafft worden ist (Yt2025):

Der 17. März 1821 markiert einen Meilenstein der griechischen Revolution. An diesem Tag hißten die Würdenträger von Mani unter der Führung von Petrobey Mavromichalis in Areopolis (damals Tsimova) die Revolutionsflagge und läuteten damit den Kampf gegen das osmanische Joch ein. Der lokalen Überlieferung zufolge versammelten sich die Stammesführer von Mani in Areopolis und schworen „Sieg oder Tod“, um ihre Entschlossenheit für die Freiheit ihrer Heimat zu bekräftigen.

Eine Fortsetzung dieses Berichtes stellen wir in eine Anmerkung.*)

Abb. 8: Totenklage der Frauen von Mani - Nachgestellt in einer Dokumentation aus dem Jahr 2021 (aus: Yt2021)

Es ist nicht ganz einfach, Fotos von vermutlich einheimischen Manioten im Internet zu finden. Wir haben uns im vorliegenden Beitrag an einer Auswahl versucht. Sie könnten also ein Bild geben von der durchschnittlichen Physischen Anthropologie, dem alltäglichen äußeren Erscheinungsbild von - - - antiken Griechen (!). Es scheint uns, als ob man unter einheimischen Manioten oft stämmige, gedrungene, meist dunkelhaarige, bärtige Männer von nicht sehr großer Körpergröße sieht - ähnlich die Frauen.

Abb. 9: Gedenktag der Revolutionsausrufung am 17. März 1821 in der Ortschaft Areopolis auf der Halbinsel Mani (Trigilidas)

Insgesamt erhoffen wir uns bezüglich der Südlichen Manioten von Gesamtgenom-Untersuchungen und daraus abgeleiteten "Polygenic Scores", also von polygenetischen Merkmalsauslesungen noch viele weitere, zuverlässigere Erkenntnisse als es bis dato über sie zu geben scheint.

Abb. 10: Tag der Revolutionsausrufung, wohl in Aktrolithi, zehn Kilometer nördlich von Areopoli (Akrolithi)  

Es dürfte auf jeden Fall Sinn machen, das Thema im Auge zu behalten. Deshalb auch der vorliegende, vermutlich eher nur in die Thematik "einleitende" Beitrag.

Denn die Thematik der Archäogenetik der antiken Griechen bleibt so spannend wie eh und je mit der Feststellung, daß sie nur acht Prozent Steppengenetik, also Genetik der Indogermanen in sich getragen haben. Dieser Umstand wird es vor allem sein, der auch die Erstellung der hier ausgewerteten Studie angeregt hat.

Was sagt die Physische Anthropologie?

/ Ergänzung 9.2.2026 / 1914 ist ein Aufsatz zur Physischen Anthropologie der Mani veröffentlicht worden, auf den dieser Blog dankenswerter Weise von Andreas Vonderach hingewiesen wird. Hier heißt es zunächst (6, S. 18f):

Tsimova, der norwestliche Grenzort der inneren Mani, dessen Name neuerdings durch das alte Areopolis ersetzt worden ist, ist einer der südlichsten Orte mit sicher slavischem Namen. Weiter nach Norden zu häufen sie sich. (...) Bei älteren Schriftstellern findet sich die Angabe, daß die Maniaten stets in Waffen gingen, die Priester nicht ausgenommen. (...) Als im Jahre 467 die Wandalen durch den ganzen Peloponnes gezogen waren, ohne Widerstand zu finden, waren es erst die Eleutherolakonen, die den Plünderungen ein Ende setzten und die Wandalen zur Umkehr nötigten.

Von den Ortschaften, aus denen Reservisten, Gefangene oder Soldaten kamen, die von dem Anthropologen Fritz Schiff 1913 vermessen wurden, liegt nur Lagia eindeutig im Südlichen Mani. "Messa" ist - zumindest heute - die Bezeichnung für die ganze südliche Mani (das "Innere" Mani). Itylos liegt zehn Kilometer nördlich von Areopoli (GMaps). Kardamyli liegt an der Nordwestküste von Mani, Gythion liegt im Nordosten. (Karioupoli liegt an der Grenze zum nordöstliche Mani.) Schiff hat schon eine ähnliche Fragestellung wie sie auch noch 2026 gestellt wird (6, S. 23):

Ich will mich im wesentlichen darauf beschränken, der Frage nahezutreten, wieweit Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden der Mani sich nachweisen lassen, weil dieser Frage unabhängig von den speziellen Problemen der griechischen Anthropologie eine anthropogeographische Bedeutung zukommt.

Er gibt dann eine Tabelle zu der von ihm festgestellten Häufigkeit von Körpermerkmalen in Süd- und Nord-Mani (Abb. 11).

Abb. 11: Häufigkeit von Haar- und Augenfarben in der Südspitze von Süd-Mani (Lagia und Messa) im vergleich zu Nord-Mani (6, S. 30)

In Textform schreibt er über diese Tabelle (6, S. 29f):

Wenn wir nun die beiden Gebiete näher betrachten, bei denen wir von vornherein den größten Unterschied erwarten dürfen, nämlich einerseits die Südspitze (Lagia und Messa), andererseits den an die messenische Ebene stoßenden Teil der Nord-Mani (Awia), so bestehen hier in der Tat die größten überhaupt auftretenden Differenzen, nämlich im Süden 78 % Dunkle und nur 4 % Helle, im Norden fünfmal so viel Helle und nur 29 % Dunkle. Der auch noch zur inneren Mani gerechnete Dimos Itylos schließt sich mit seinen Zahlen eng an die Südspitze an mit fast ebenso viel Dunklen. (...) Das Resultat der Tabelle entspricht für die Farbe der Iris genau dem der Haarfarbe. Helle Augen sind im Süden viel seltener als im Norden, bei den dunklen ist es umgekehrt. Itylos verhält sich genau so wie die äußerste Südspitze. (...) Dürfen wir nun diesen nur für je 50 Menschen erhobenen Befund verallgemeinern und annehmen, daß wirklich in der Verteilung der Haar- und Augenfarbe ein so deutlicher Unterschied zwischen Nord- und Südmaniaten besteht?

Wir möchten meinen: Solange es keine umfangreicheren Datensätze gibt: Ja. Denn es handelt sich ja doch schon einmal um ein sehr eindeutiges Ergebnis.

Ein Schönheitsideal der antiken Griechen: Zusammengewachsene Augenbrauen 

Schiff stellt auch noch folgendes fest (6):

Es gibt nur wenige Maniaten, bei denen die Gegend zwischen den Brauenbogen nicht mehr oder weniger stark behaart wäre.

Der Fachausdruck, den Schiff dafür verwendet, ist "Räzel". Und Schiff schreibt (6):

Nichträzel gibt es im Süden gegen 20, im Norden der Mani 40, in Meligala über 50 %.

Schiff gibt die Ergebnisse zu diesen zusammengewachsenen Augenbrauen auch noch einmal in einer Tabelle wieder (Abb. 12).

Abb. 12: Zusammengewachsene Augenbrauen ("Räzel") in Süd- und Nord-Mani (6, S. 32)

Was lesen wir nun in dem Wikipedia-Artikel über "Augenbrauen" (Wiki):

Bei den meisten Menschen ist die Glabella (die Grube zwischen Nasenwurzel und Stirnbein) nicht oder nur sehr spärlich behaart, doch es gibt mitunter Ausnahmen, bei denen die Augenbrauen eine zusammenhängende Haarlinie bilden. Man spricht dann von „Monobrauen“, regional auch „Rätzeln“; der medizinische Fachausdruck ist „Synophrys“ (von griechisch συν „zusammen“ und οφρυς „Augenbraue“). Monobrauen sind genetisch bedingt (zuständig ist das Pax-3-Gen).

Und nun stellen wir ChatGPT "unverfroren" die Frage, ob Synophrys bei den antiken Griechen verbreitet war.

Abb. 13: Kore mit den Augen einer Sphinx, um 500 v. Ztr., Athen (Wiki)

Und wir erhalten unverfroren - und völlig unerwartet - die klare Antwort:

Ja, Synophrys (zusammengewachsene Augenbrauen, also eine durchgehende Braue) war bei den antiken Griechen tatsächlich verbreitet und sogar oft als Schönheitsideal angesehen – besonders bei Frauen.
Ein paar wichtige Punkte dazu:
In der griechischen Kunst und Literatur galt eine dichte, durchgehende Augenbraue als Zeichen von Schönheit, Ernsthaftigkeit und Intelligenz.
Frauen, die keine natürliche Synophrys hatten, malten sich oft künstlich eine zusammenhängende Braue (z. B. mit Ruß oder Pflanzenfarben).
In Skulpturen und Vasenmalerei sieht man häufig idealisierte Gesichter mit betonter, durchgehender Augenbraue.
Erst in späteren Epochen (z. B. römisch und noch stärker in der Neuzeit) wandelte sich dieses Schönheitsideal hin zu klar getrennten Augenbrauen.

ChatGPT nennt als Textquellen hierfür Aristophanes ("Die Wolken") ("Dort wird eine schöne Frau mit „zusammengewachsenen Augenbrauen“ beschrieben - als positives Merkmal."), Theokrit ("Idyllen") Ovid ("Ars amatoria") und antike Kommentare zur Ilias.

Abb. 14: Portrait des Terentius Neo und seiner Frau, Wandmalerei in Pompeji um 75 n. Ztr. (Wiki) 

ChatGPT nennt auf Nachfrage auch viele Zeugnisse aus der bildenden Kunst, insbesondere aus der archaischen Skulptur-Kunst, etwa die Koren. Viele dieser von ChatGPT angeführten Zeugnisse können wir nicht gleich als überzeugend erachten. Aber ChatGPT führt als Zeugnis auch die "Kore mit den Mandelaugen" an aus der Zeit um 500 v. Ztr., auch genannt "Kore mit den Augen einer Sphinx" (Abb. 10). Hier scheint der behauptete Umstand schon recht eindeutig zu sein.

ChatGPT glaubt das Vorliegen von Synophrys vor allem anhand der rekonstruierten Farbgebung vieler Skulpturen behaupten zu können. Hier müßte man sich noch etwas tiefer in die wissenschaftliche Literatur einarbeiten. Es macht vielleicht Sinn, künftig bei der Betrachtung antik-griechischer Kunst ein bisschen genauer auf solche zusammengewachsenen Augenbrauen zu achten. 

Aber wir finden dann, daß zusammengewachsene Augenbrauen auf Englisch "Unibrow" heißen. Und es gibt dafür auch einen eigenen Wikipedia-Artikel (Wiki). Aufgrund einer Studie von 2017 (IJoT2017) wird hier die Häufigkeit von Synophys in Oman mit 12 % angegeben. Demgegenüber wäre diese Häufigkeit bei den Manioten ja deutlich höher. 

Aber mit dem Suchwort "Unibrow" finden wir nun auch weitere Zeugnisse zu zusammengewachsenen Augenbrauen in der griechischen Antike (HumanMatLoop). So etwa in der Darstellung der Frau des Terentius Neo in dem berühmten Wandgemälde aus Pompeji (Wiki), das aus der Zeit um 75 n. Ztr. stammen soll (Abb. 14).

Abb. 15: Skulpturen der Sumerer - Die große Mehrheit von ihnen weisen zusammengewachsene Augenbrauen auf

Übrigens weisen fast alle menschlichen Skulpturen der Sumerer zusammengewachsene Augenbrauen auf (etwa die "Frau von Warka" uvam). Das kann dort natürlich auch womöglich auf einen bestimmte durchstilisierte Art der Menschendarstellung zurückzuführen sein, scheint aber zugleich auch dort ein Schönheitsideal dargestellt zu haben.

Die Manioten: "Dunkle, kleinwüchsige Langköpfe"

Die Manioten in der südlichen Mani weisen nach den Ergebnissen von Schiff 22 % Langköpfige auf, obwohl es solche bei den nördlichen Manioten und bei den noch weiter nördlich wohnenden Messeniern nicht gibt. Auch dies ist womöglich ein Zeichen der genetischen "Slawisierung". Denn schon die Bandkeramiker waren Langköpfe (was sicherlich durch die Ausbreitung von iranisch-neolithischen Herkunftsanteilen im östlichen Mittelmeerraum nicht abgeschwächt wurde). Die Kurzköpfigkeit ist - geschichtlich gesehen - eine späte Erscheinung (s. Stg2026). Schiff wirft in seiner Zusammenfassung einen vergleichenden Blick nach Kreta und schreibt (6, S. 37f):

Dunkle langschädelige Leute mit niedrigen Nasen wie in der Süd-Mani finden wir in einiger Reinheit in bestimmten Gebieten von Kreta, z.B.  in Lasithi (v. Luschan). In Kreta sind die Leute außerdem kleinwüchsig. Für die Maniaten habe ich leider aus Zeitmangel keine Bestimmung der Körpergröße vornehmen können. Wenn es berechtigt ist, die langschädeligen dunklen Südmaniaten in nähere anthropologische Beziehung zu den langschädeligen, dunklen Kretern zu setzen, so wird sich (...) bei weiteren Untersuchungen auch in der Südmani ein größerer Prozentsatz von Kleingewachsenen finden als im Norden. (...) Dunkle Langschädel finden sich am reinsten gerade in den isoliertesten Berggegenden auf Kreta, und der Gegensatz dieser Bergbevölkerung gegen die Bewohner der weniger abgeschlossenen Nachbargegenden ist so ausgesprochen, daß er ohne weiteres den Schluß zuläßt, es handle sich um ein sehr altes, hier noch rein erhaltenes Bevölkerungselement.

Mit von Luschan spricht Schiff diese Körpermerkmale vor allem den Minoern zu. Bezeichenenderweise. Auch von Luschan und Schiff konnten sich die Körpermerkmale von antiken Griechen offenbar nicht als solche vorstellen wie sie bei den Manioten und auf Kreta vorgefunden worden sind. Vielleicht hat übrigens diese "Langschädeligkeit", die die Anthropologen seit Jahrzehnten womöglich recht häufig bei den antiken Griechen festgestellt haben, die "Rasseforscher" der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dazu verleitet, die "nordische" Herkunft der antiken Griechen (also aus heutiger Sicht ihre "Steppenherkunft") viel höher einzuschätzen als sie sich heute mit acht Prozent heraus gestellt hat.

Das ganze Thema bleibt weiter sehr spannend.

_______

*) Weiter heißt es in dem Bericht (Yt2025): >>An der Gedenkfeier zum 17. März in Areopolis, dem Tag der Revolutionsausrufung von 1821, nahmen zahlreiche Würdenträger teil, darunter Paul von Griechenland ("Pavlos De Gres"), der vom Bürgermeister von Ost-Mani, Petros Andreakos, öffentlich als „Prinz Paul“ begrüßt wurde. Paul von Griechenland war Ehrengast und erhielt ein Geschenk vom Ehrenrat der Gemeinde Ost-Mani. In seiner Rede betonte er die Bedeutung von Heimat und Religion: „Die Heimat bedeutet mir alles, und unsere Heimat und Religion sind das Einzige, was uns alle zusammenhält. Es lebe Griechenland, es lebe Mani!“ - Bürgermeister Petros Andreakos erklärte in seiner typischen Art: „Ich glaube, daß Titel nicht vergehen und einen Menschen ein Leben lang begleiten. Und damit heiße ich Prinz Paul willkommen.“
Athena Andreakou-Kalogerogianni, Ehefrau des Bürgermeisters von Anatoli Mani und Ehrenpräsidentin des Ehrenvereins von Anatoli Mani, ehrte Paul mit einem Erinnerungsgeschenk und sagte in ihrer Ansprache: „Eure Exzellenz, im Namen des Ehrenvereins unserer Gemeinde möchte ich Ihnen mit Respekt, Rührung, Liebe und Stolz dieses Geschenk überreichen, das ein Symbol des heutigen Tages ist. Vielen Dank für Ihre Bescheidenheit.“
Von offizieller Seite waren anwesend: der stellvertretende Verteidigungsminister und Abgeordnete für Lakonien, Thanasis Davakis, die Abgeordnete Nagia Grigorakou, der Gouverneur der Peloponnes, Dimitris Ptochos, der stellvertretende Gouverneur von Lakonien, Theodoros Veroutis, der Bürgermeister von Piräus, Yiannis Moralis, und der Vorsitzende der Spartanerpartei, Stigas. Ehemalige Abgeordnete wie Petros Mantouvalos und Apostolos Andreoulakos sowie zahlreiche lokale Persönlichkeiten und Bürger nahmen ebenfalls teil. Der Metropolit von Mani sprach Pavlos mit „Seine Exzellenz Pavlos“ an.
Die Veranstaltung begann mit der offiziellen Doxologie in der Heiligen Kirche der Großen Erzengel von Areopolis, wo vor 204 Jahren die Oberhäupter der Familien von Mani den Schwur „Sieg oder Tod“ leisteten und damit die Parole für den Befreiungskampf der Nation formulierten. Am Ort „Kotroni“ überbrachte der Bürgermeister von Ost-Mani, Petros Andreakos, Grußworte, während der Erzbischof von Kreta, Eugenios II., die feierliche Zeremonie leitete. Ihm wurde in Anerkennung seiner Verdienste die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Ost-Mani verliehen.
Ein besonderer Moment war die Nachstellung des historischen Eides durch Schüler aus Mani, die die heldenhaften Momente des Jahres 1821 eindrucksvoll wieder zum Leben erweckte. Gleichzeitig fand die Städtepartnerschaftszeremonie zwischen der Gemeinde Ost-Mani und der Gemeinde Parga statt.
Die historischen und kulturellen Verbindungen zwischen den beiden Regionen wurden gestärkt. Auf dem Platz der Unsterblichen in Areopolis fand im Heroon eine Gedenkfeier statt, bei der die Helden von Mani geehrt wurden, die den Freiheitskampf angeführt hatten. Die Jubiläumsfeierlichkeiten gipfelten in einer großen Parade, an der Menschen mit Behinderungen und Kriegsopfer aus Lakonien, Schüler und Studenten aller Schulstufen, Militäreinheiten und Kulturvereine aus ganz Griechenland teilnahmen. Wie jedes Jahr war auch dieses Jahr der Verband der Region Mani, „MANI“, stark vertreten und würdigte die Wurzeln und Kämpfe der Vorfahren.<<

________

  1. Davranoglou, LR., Kofinakos, A.P., Mariolis, A.D. et al. Uniparental analysis of Deep Maniot Greeks reveals genetic continuity from the pre-Medieval era. Commun Biol 9, 157 (2026). https://doi.org/10.1038/s42003-026-09597-9, Published 04 February 2026 (Nature2025)
  2. Berthold Seewald: Gefangene Bayern wurden nackt zusammen mit Katzen in Säcke gesteckt (Welt 07.02.2026)
  3. Philip Chrysopoulos: Mani - Greece’s Untamed Peninsula of Towers, History, and Deep Traditions. 29. November 2025 (Greekreporter)
  4. Fermor, Patrick Leight: Mani. Reisen auf der südlichen Peloponnes. Deutsch von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié, Dörlemann Verlag, Zürich 2011 (Etsy, Ajax)
  5. Das Fanal von 1821 - eine Hommage an Mani (Τοπόσημα του 1821 αφιέρωμα στη Μάνη) (Yt2021) [mit Beispielen von Klageliedern]
  6. Schiff, Fritz: Beiträge zur Anthropologie des südlichen Peloponnes. (Die Mani.) In: Zeitschrift für Ethnologie Bd. 46, 1914, S. 14-40 (Archiv

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