Mittwoch, 17. April 2019

Der Höhlenbär - Er wurde kleiner und starb aus ...

Ancient DNA kann sich 700.000 Jahre lang erhalten
- Ein neuer Überblicksartikel zum Forschungsstand

Der Ancient-DNA-Forscher David Reich hat einen Überblicksartikel veröffentlicht zum Stand der Ancient-DNA-Forschung, insbesondere hinsichtlich nichtmenschlicher DNA (1). Der Artikel enthält aber auch eine schöne Grafik zu Ort und Zeitstellung jener menschlichen Skelette, deren DNA schon publiziert worden ist (Abb. 1).

Abb. 1: Überblick über menschliche Alte DNA publiziert bis 15.12.2018 (aus: 1)




Das sind schon eine ganze Menge, möchte man meinen. Weitere Dinge, die man in diesem Artikel erfährt*):
  • DNA-Reste werden sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht in organischem Material finden, das älter als 700.000 Jahre alt ist.
  • Am Besten erhalten sich DNA-Reste nach derzeitigem Wissensstand in Knochen.
  • Andere organische Materialien sind zu weich und Bakterien kommen zu leicht an die DNA-Reste heran und können sie zerstören.
  • Deshalb wird es künftig schwieriger sein, erhaltene DNA in Pflanzen- als in Tierresten zu finden.
  • Am meisten wird man mittels AncientDNA-Forschung in den nächsten Jahren über Tiere und Pflanzen des arktischen Lebensraumes der letzten 700.000 Jahre lernen, weil sich dort die DNA aufgrund der Kälte am besten erhält.
  • Auch spielt die wichtige Erkenntnis eine Rolle, daß AncientDNA sich am besten im Innenohrknochen (petrous bone) hält, dem härtesten Knochen des menschlichen Körpers (und vermutlich anderer Tiere). Deshalb konnten in den letzten Jahren auch DNA-Reste im tropischen Pazifik, sowie in semiariden Regionen Südost-, Mittel- und Westasiens gewonnen werden.

Das Schicksal des europäischen Höhlenbärs


Als Beispiel wird angeführt, daß die genetische Geschichte des eiszeitlichen Höhlenbärs auf diese Weise teilweise schon hat aufgeklärt werden können. Er wurde von Menschen verdrängt, wurde über die Jahrtausende kleienr und ist vor 25.000 Jahren ausgestorben. Der Grund liegt vermutlich darin, daß er dieselben Höhlen bewohnte wie die Menschen selbst. Der Braunbär hingegen hat sich bis heute gehalten, hat seine Körpergröße auch nicht verändert. Denn er nutzt andere Schlafplätze. Im heutigen Braunbär sind allerdings auch 1 bis 2 % Gene des Höhlenbären enthalten (1):
Stiller et al. found that European cave bear population sizes decreased significantly over the 25.000 years prior to their extinction, while brown bear populations did not experience the same dramatic collapse. They proposed that the different hibernation strategies of cave bears and brown bears (cave bears hibernate in caves whereas brown bears hibernate in a variety of locations) may have put cave bears in direct competition with humans for access to cave sites.

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*) Das folgende paraphrasiert dieses Zitat:
Despite a wide range of potential sources of aDNA data, there are spatial and temporal limits to aDNA research. To date, the oldest ancient genome comes from an approximately 700 000-year-old horse bone preserved in permafrost. It is unlikely that DNA will preserve in samples that are much older than this, which means aDNA can only be used to study animals and plants that lived during the Middle Pleistocene and especially during the Late Pleistocene and the Holocene. The time periods available for study are even more restricted when working with natural history and museum specimens that represent flora and fauna collected during the past few hundred years. We still do not fully understand the processes that lead to DNA degradation in various types of materials, but preservation conditions in bone seem anecdotally to be better than in other soft tissues from plants and animals, even when they are somewhat intact such as in natural or anthropogenic mummies. As a result, it may be more difficult to obtain very old DNA from plants than animals. While age, temperature, and microbial attack are major factors that destroy DNA, it is unclear how other factors, especially storage conditions for materials after excavation and when they enter museum collections, contribute to DNA destruction. Therefore, it may not always be possible to extract aDNA from otherwise well-preserved archaeological, ethnographic, and natural history collections. The types of ancient habitats that can be studied using aDNA are also limited because of unequal DNA preservation under different environmental conditions. DNA survival depends on thermal age, with higher levels of DNA preservation in temperate and cold environments than in hot equatorial climates. We may be able to learn a great deal about plants and animals that lived in arctic environments, but relatively less about ecological diversity in ancient desert or tropical ecosystems at lower latitudes. For animals with large ranges that extend across multiple environmental zones, high resolution analysis may therefore be much easier for subpopulations that lived in the cooler parts of their original range. Encouragingly, recent technical improvements in aDNA analysis (including more efficient methods of extraction of DNA, conversion of the DNA into a form that can be sequenced, and the realization that the inner ear region of the petrous bone can preserve up to 100 times more DNA than other skeletal elements) have made aDNA analysis in humans sufficiently efficient that high-quality data are now regularly being obtained from hot or tropical regions, and from Middle Pleistocene and Late Pleistocene material in temperate zones. It is reasonable to think that application of similar approaches will enable paleogenomic research in warm regions for non-human species as well. 
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  1. The Promise of Paleogenomics Beyond Our Own Species. Autoren: Katherine Brunson, David Reich. In: Trends in Genetics, Volume 35, ISSUE 5, P319-329, May 01, 2019, DOI:https://doi.org/10.1016/j.tig.2019.02.006, https://www.cell.com/trends/genetics/fulltext/S0168-9525(19)30035-6

Sonntag, 14. April 2019

10.000 Jahre lang lebte ein großes Volk in Europa

Das Volk der west- und mitteleuropäischen mesolithischen Fischer, Jäger und Sammler (12.000 bis 2.000 v. Ztr.)

Der genetischen Geschichte der europäischen Völker vor dem Übergang zum Ackerbau hat hier auf dem Blog in den letzten Monaten und Jahren nicht mehr jene Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient. Womöglich sollte man einmal das Neandertaler-Museum in Mettmann besuchen. Denn bei der sonst nicht so erfolgreichen Bildersuche zu dem vorliegenden Blogartikel finde ich etwa die - wie ich finde - aufregende Abbildung 1.


Abb. 1: Rekonstruktion eines frühen europäischen Homo sapiens, 40.000 Jahre alt, nach den Funden des Jahres 2002 aus der Höhle Peștera cu Oase (Rumänien), ausgestellt im Neanderthal Museum, Mettmann. Herkunft: Pressebilder Neanderthal Museum, Mettmann, https://www.neanderthal.de/de/urmenschen.html, Fotograf: Daniela Hitzeman (Wiki)

Man darf die negroiden Merkmale als nicht unwahrscheinlich ansehen, waren doch die ersten Auswanderer aus Afrika Richtung Australien eben Negrito (Wiki).

Waren die ersten Europäer Negrito's?


Von der Hautfarbe ähnliche Abbildungen wie Abb. 1 findet man ja auch, wenn man Bildersuche nach dem "Cheddar Man" macht, also nach einem typischen westeuropäischen Jäger und Sammler aus der Zeit vor dem übergang zum Ackerbau (Mesolithikum). Und diese Abbildungen haben ja insbesondere in England hohe Wellen geschlagen. Aber dies ganz unnötigerweise wie man finden kann.

Die Menschen, die die europäischen Höhlenmalereien der Eiszeit hervorgebracht haben, die Rentier-Jäger, die Jäger der Höhlenbären, ja, auch noch die letzten Fischer, Jäger und Sammler, die sich nach der lückenlosen Wiederbewaldung Europas nach der Eiszeit vor allem an die Fluß-, See- und Meeresufer zurück gezogen hatten, waren uns vom äußeren Erscheinungsbild her - alle Ancient-DNA-Daten sagen da offensichtlich dasselbe - noch sehr unähnlich.

Es waren andere Völker, ja, andere Rassen als wir selbst. Aber deshalb nicht weniger spannend, ja, ich finde es geradezu unheimlich und aufregend, daß in unserer eigenen, Jahrtausende langen Heimat einstmals so ganz andere, fremde Völker gelebt haben. Diesen Umstand darf man sehr wohl sehr lange auf sich wirken lassen. Evolution ist aufregend, wohin wir schauen. Und man wird dabei immer wieder an den Roman "Rulaman" erinnert.

Es mußte sich genetisch also noch sehr viel ändern, damit das heutige äußere Erscheinungsbild und die angeborene Psychologie der Europäer, insbesondere der Nordeuropäer entstand. In den nächsten Jahren wird das von Seiten der Archäogenetik sicher noch in besseren Überblicksartikeln dargestellt werden als man das derzeit irgendwo finden kann.

Nur einen Tag nach Veröffentlichung dieses Artikels erschien schon wieder eine neue Studie über die genetisch klar westeuropäischen Jäger und Sammler auf den britischen Inseln (9):
We infer that Cheddar Man mostly probably had blue/green eyes, dark brown (possibly black)  hair  and  dark  or  dark  to  black  skin,  whereas  our  highest- coverage Early Neolithic individual had brown eyes, black (possibly dark brown) hair and dark to intermediate skin.
Der vorliegende Artikel war geschrieben worden, als entdeckt wurde (1), daß die Genetik der ausgestorbenen, letzten west- und mitteleuropäischen dunkelhäutigen, aber blauäugigen Jäger und Sammler, des sogenannten "Villabruna-Cluster's", die sich auch auf den britischen Inseln fand, auf den kanarischen Inseln offenbar noch bis ins 19. Jahrhundert unserer Zeitrechnung fortbestanden hat (und sich dort schon vor Jahrhunderten vor allem mit der Genetik nordafrikanischer Zuwanderer vermischt hat), während diese Genetik in Mittel- und Nordeuropa an den genannten Ufern der Gewässer (zum Schluß an der östlichen Ostsee) nur bis zum Mittelneolithikum fortbestanden hat (1):
"Die vorkolonialen Guanchen der Kanarischen Inseln hatten einige genetische Verwandtschaft mit europäischen Jäger-Sammlern zusätzlich zu ihrer vorwiegend nordafrikanischen genetischen Herkunft."
"... The pre-colonial Guanche inhabitants of the Canary Islands had some European hunter-gatherer affinity in addition to their mainly North African origin."
Nun gut, die Studie, auf die sich hier bezogen wird, hat die DNA von 12 Skeletten der Guanchen des 19. Jahrhunderts sequenziert und fand (2):
"Wir stellen außerdem fest, daß ein von uns sequenziertes Guanchen-Skelett einen größeren Anteil von Jäger-Sammler-ähnlicher genetischer Herkunft aufweist als die anderen Individuen, was womöglich auf einen geringen europäischen genetischen Zufluß hinweisen könnte in der Zeit vor der europäischen Kolonisierung."
"We also note that one Guanche individual (gun005) carried a greater proportion of hunter-gatherer (HG)-like ancestry than the other individuals, possibly suggesting low-level gene flow from a European source that predates the European conquest."
Die heutigen Einwohner von Gran Canaria tragen übrigens immer noch 15 bis 30 % der vorkolonialen Genetik in sich (3).

Auch auf die Ethnogenese der anatolisch-neolithischen Bauernvölker sollen die mesolithischen Villabruna-Leute einen gewissen genetischen Einfluß ausgeübt haben (1). Deshalb darf man sie weiterhin sehr spannend finden und ihre weitere Erforschung gerne im Auge behalten. Der genetische Anteil, den wir heutigen, modernen Europäer noch von ihnen in uns tragen, dürfte größer sein als jener genetische Neandertaler-Anteil, den jeder von uns heute schon bei 23andme und andwärts mitgeteilt bekommt, wenn er sich seine Gene sequenzieren läßt. Insofern leben sie durchaus "in uns" weiter.

Auf Wikipedia ist dieses großartige europäische Volk, das in Europa 10.000 bis 15.000 Jahre lang lebte, noch nicht sehr rund und eingängig dargestellt (4-7). Über ihre Nachbarn, die osteuropäischen Jäger und Sammler, erfahren wir (1):
"Die osteuropäischen Jäger und Sammler, eine Population, die eine Mischung darstellt aus westeuropäischen Jägern und Sammlern und Menschen mit sibirischer Herkunft des Oberen Paläolithikums (verwandt mit dem Funden von Mal'ta und Afontova Gora vom Baikalsee, die in der Zeit vor 24.000 bis 17.000 Jahren lebten), sind im europäischen Rußland vor 8.000 Jahren nachgewiesen. Dieses Volk trug zur Herkunft der Jäger und Sammler in Schweden vor 8.000 bis 5.000 Jahren bei, sowie in Norwegen, auf dem Balkan, in der Ukraine und an der Ostsee."
"Eastern European hunter-gatherers (EHG), a population of mixed WHG and Upper Paleolithic Siberian ancestry (related to the Mal’ta and Afontova Gora specimens from Lake Baikal (∼24–17 kya) are attested in European Russia ∼8 kya. This group contributed ancestry to hunter-gatherers in Sweden ∼8–5 kya, Norway, the Balkans and Ukraine, and the Baltic."
In früheren Blogartikeln referierten wir schon, daß die hier angeführten großen Jäger-, Sammler- und Fischer-Völker des europäischen Mesolithikums sich untereinander genetisch so stark voneinander unterschieden wie wir heutigen Europäer uns von den Ostasiaten unterscheiden.

Übrigens stellte einen wesentlichen Lebensraum der west- und mitteleuropäischen Jäger und Sammler auch das "Doggerland" dar, das heute untergegangene Land zwischen Deutschland und England (8) (Wiki), in dem die Themse noch in den Rhein mündete, sowie Ems und Weser in die Elbe, in dem die Felsen von Helgoland ähnlich prägnant aus der Landschaft heraus ragten wie heute noch die Externsteine im Teutoburger Wald.
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  1. The evolutionary history of human populations in Europe. By Iosif Lazaridis, Current Opinion in Genetics & Development, Volume 53, December 2018, Pages 21-27 https://doi.org/10.1016/j.gde.2018.06.007, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959437X18300583 (dankenswerter Weise frei zugänglich)
  2. Current Biology 2017, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982217312575
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Guanchen
  4. https://en.wikipedia.org/wiki/European_early_modern_humans
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/Genetic_history_of_Europe
  6. https://en.wikipedia.org/wiki/Portal:Mesolithic
  7. https://de.wikipedia.org/wiki/Cheddar_Man  
  8. Filser, Huberg: Der erste Brexit. In: Die Zeit, 5. April 2019, https://www.sueddeutsche.de/wissen/doggerland-archaeologie-1.4397840
  9. Selina Brace, Yoan Diekmann, Thomas J. Booth (...) Chris Stringer, David Reich, Mark G. Thomas & Ian Barnes: Ancient genomes indicate population replacement in Early Neolithic Britain. In: Nature Ecology & Evolution, April 2019, DOI: 10.1038/s41559-019-0871-9, https://www.researchgate.net/publication/332430722_Ancient_genomes_indicate_population_replacement_in_Early_Neolithic_Britain

Freitag, 12. April 2019

Mein erster Archäogenetik-Test ....

Er sagt, ich bin ein Germane

Angesichts des rasanten Fortschritts im Bereich der Archäogenetik war es nur eine Frage der Zeit, wann es die ersten Angebote geben würde, seine eigenen sequenzierten Gene mit denen von archäologischen Kulturen zu vergleichen. Nun wird mir das erste diesbezügliche Angebot bekannt (über die Facebook-Gruppe "Ancient DNA"). 

Auf der Internetseite "My True Ancestry" ( https://mytrueancestry.com ), betrieben von einer Schweizer Firma mit Namen "DNA Check LLC" (registriert im US-Bundesstaat Delaware), kann man seine eigenen sequenzierten Gene hochladen und auf Ähnlichkeit vergleichen mit den sequenzierten Genen inzwischen schon archäogenetisch erforschter archäologischer Kulturen. Natürlich habe ich das Angebot sofort wahrgenommen. Der Abgleich dauert nach dem Hochladen des Gendatensatzes nur fünf Minuten und er ist in der Einstiegs-Variante kostenlos. Hier nun die zur Verfügung gestellte Ergebnis-Karte (Abb. 1).

Abb. 1: Die archäologischen Kulturen, mit denen ich am nahesten genetisch verwandt bin

Zur Karte wird als Erläuterung in der Rubrik "FAQ" gesagt:
Blaue Punkte benennen eine klar definierte Gruppe von archäologischen Menschen. Rote Punkte benennen archäologische Funde, bei denen die Identität aufgrund der archäologischen Zusammenhänge allein schwer festzustellen ist. Helle Punkte bedeuten entferntere Verbindungen, dunkle Punkte bedeuten engere DNA-Nähe zu dir.
Blue dots link to a clearly defined set of ancient peoples. Red dots refer to ancient samples where identity is difficult to determine based on archaelogical evidence. Faded dots mean distant connection, brighter dots mean very close DNA distance to you.
Als archäologische Kulturen, die mir genetisch am nächsten stehen, werden mir unter den Rubrik "Your closest Ancient populations ..." genannt:
  1. Celt + Longobard (7.685)
  2. Longobard + Frank (7.795)
  3. Frank (9.07)
  4. Longobard (9.487)
  5. Celt (9.985),
kurz gefaßt:
  1. Die Langobarden
  2. Die Franken
  3. Die Kelten
Die sind ja auf der Karte auch blau gekennzeichnet. In einer weiteren Rubrik werden mir "Your closest Archaeogenetic matches ..." genannt. Hier geht es vermutlich um die roten Punkte auf der Karte. Daß die archäologische Zuordnung zu bestimmten Stämmen und Völkern nicht sicher ist, halte ich übrigens für wenig wichtig. Schließlich ist die Genetik selbst der sicherste Hinweis, in welchen vermutlich auch kulturellen Zusammenhängen sie sich bewegt haben, zumal wenn die jeweilige Zeitstellung hinzugenommen wird. Hier werden mir dann noch einmal andere Volksstämme angeführt, mit denen ich am nahesten genetisch verwandt bin:
  1. Alemannic Bavaria (450 AD) (6.469) 
  2. [Hidden] - upgrade your account (7.637) 
  3. Halstatt (775 BC) (7.957) 
  4. [Hidden] - upgrade your account (9.07) 
  5. Bell Beaker Germany (2500 BC) (9.483) 
  6. [Hidden] - upgrade your account (9.487) 
  7. Alemannic Bavaria (500 AD) (9.929) 
  8. [Hidden] - upgrade your account (9.985) 
  9. Celtic / Hungary (590 AD) (10.19)
  10. .... die Liste wird noch bis 20. forgeführt, allerdings mit "verborgenen" Positionen

Kurz und gut: Ich bin ein Germane. Wie stark sich Germanen und Kelten genetisch überhaupt voneinander unterscheiden, darüber habe ich noch nie eine Studie gelesen. Aber solche sollte es ja - angesichts dieser Auswertung - auch schon geben. Da muß ich noch einmal recherchieren. Es dürfte überhaupt interessant sein, ob man die einzelnen germanischen Stämme der Völkerwanderungszeit rein genetisch voneinander unterscheiden kann. Kann man das?  Das wäre mir neu.

Sicher ist, daß man die oft männlichen, nach Süden zugewanderten Völkerwanderungsgermanen aus dem Norden, die man in den Reihengräberfeldern schon von Seiten der Physischen Anthropologie her als sehr einheitlich erkennen konnte, auch genetisch (als zugleich groß, blond und blauäugig) klar von den Frauen unterscheiden kann, die sie südlich von Main und Donau geheiratet haben, und die genetische Verwandtschaft zum Balkan aufwiesen. Eine solche genetische Verwandtschaft wird mir nicht angezeigt, auch nicht zu anderen heutigen Osteuropäern. Es würde mich interessieren, ob das für heutige Deutsche typisch ist und wie dieser Befund dann zu bewerten wäre angesichts der durch die Archäogenetik schon aufgezeigten Tatsache, daß es in der Völkerwanderung ja doch zu Vermischungen gekommen ist und man das ja auch heute noch im Bereich der Physischen Anthropologie sehen kann. (... Oder hat die heutige Vielfalt in der Physischen Anthropologie auch schon bei den Glockenbecher-Leuten vorgelegen? Das wäre ja interessant.)

Die Punkte hinter der Klammer geben übrigens, wenn ich es recht verstehe, statistische Verwandtschaftsbewertungen an. In der Erläuterung ("Info") werden anstelle dieser Zahlen die Zahlen 5, 10 und 15 genannt, die Punkte in der Zahlenreihe sind also offenbar als Komma zu verstehen.

Jedenfalls, das Ergebnis wird im Groben schon stimmen: Verschiedene germanische Stämme der Völkerwanderungszeit, Hallstadt-Kelten, Glockenbecher-Kultur, Indogermanen halt - und zwar genetisch jeweils etwas entfernter, je weiter man zeitlich zurück geht.

Exkurs: Germanen - Kelten - Homer


Gerade in den letzten Wochen, in denen ich mich mit den bronze- und eisenzeitlichen Höhenburgen der deutschen Mittelgebirge beschäftigte (siehe frühere und etwaige künftige Blogartikel), wo ja die ethnischen Übergänge, Kontinuitäten zwischen Urnenfelderkultur und Kelten gut greifbar sind, von der Forschung als sicher angenommen werden, wurde mir erst wieder bewußt, wie unsinnig es ist, Germanen und Kelten als genetisch gar so besonders unterschiedlich voneinander anzusehen. Zu dieser Frage erschien 2015 eine umfassendere genetische Studie (2-4). Sie zeigt durchaus auf, daß sich die Angelsachsen in England markanter genetisch unterscheiden lassen von diversen, einander genetisch markanter unterscheidenden keltischen regionalen Gruppen (Schotten, Waliser, Iren etc.). Aber das war keine Ancient-DNA-Studie und der Begriff "Yamnaja" findet sich in dieser Studie von 2015 noch gar nicht. Mit ihm würde aber die gemeinsame genetische Herkunft all dieser Gruppen betont werden.

Die Kelten waren den Germanen deshalb vermutlich dennoch vergleichsweise nahe genetisch verwandt, da sie alle im Wesentlichen Indogermanen waren. Sie waren ja auch ähnlich kriegerisch gesonnen und waren auch religiös nicht gar so unterschiedlich, abgesehen davon, daß sie - im Gegensatz zu den Germanen - schon einen Priesterstand, die Druiden, kannten. Solche "Seher" sind aber aus vielen indogermanischen Völkern bekannt. Wie man überhaupt bei den eigentlichen Germanen vieles nicht findet, was man bei allen übrigen indogermanischen Völkern sehr wohl findet. Womit eine einigermaßen neue Frage aufgeworfen sein könnte: Warum gibt es so vieles bei den Germanen nicht, obwohl es fast alle anderen indogermanischen Völker aufweisen?

Das sind Fragen, die einem schon bei der Forschungshypothese, daß die Ilias mündliche Überlieferungen aus der Bronzezeit enthalten könnte (1), kommen konnten. Dann würde sich nämlich die Frage stellen: Warum findet sich ein Geist wie der der Ilias nicht bei den nordeuropäischen Germanen? Oder warum konnte dieser bei ihnen - womöglich erst nach der Bronzezeit? - wieder verloren gehen?

Aber vielleicht schält sich allmählich heraus: "Germanen" sind einfach nur jene indogermanischen Stämme Skandinaviens, die am spätestens - nämlich erst in der Wikingerzeit - jene protourbane Stadtkultur angenommen haben, die in der Frühbronzezeit schon in Form der Höhenburgen der deutschen Mittelgebirge und in Südengland vorzufinden ist (einschließlich von Hausmäusen).  Vielleicht sind sie deshalb genetisch einheitlicher geblieben, weil es keine so breiten Unterschichten gab wie in stadtähnlichen Gesellschaften. Und womöglich mögen solche Umstände auch dazu beigetragen haben dazu, daß bei den Germanen kulturell alles ein wenig "rustikaler" ausgefallen sein könnte, daß - beispielsweise - eine Himmelsscheibe von Nebra eben in ihrem Kulturraum weniger denkbar ist als in den Herrschaftsräumen der (vorkeltischen) Salzfürsten der Aunjetzer Kultur.

Verwandtschaft mit heutigen Völkern (Ethnizitätsabschätzung)


Unter der Rubrik "Your closest genetic modern populations ..." werden mir dann übrigens genannt:
  1. German_Central (3.374)
  2. East_German (5.432)
  3. North_German (9.654)
  4. West_German (10.08)
Da ich ja mütterlicherseits eine "großdeutsche Mischung", zugleich bin mit englischen, venezianischen, evtl. ungarischen genetischen Einsprengseln, väterlicherseits seit Jahrhunderten nur aus einer kleinen bäuerlichen Region des Westhavelland stamme, könnte es schon gut hinkommen, daß "German_Central" die mir genetisch am nächsten stehende heutige Population ist. Unter "FAQ" wird auch zu der Frage Stellung genommen, warum man nicht eine der großen Consumer genetics-Firmen bezüglich dieser Frage nutzen soll. Antwort:
Why do we use Google today and not Altavista? Innovation. MyTrueAncestry represents the latest algorithms to solve these problems with over 250 ethnicities. Other 'big companies' typically have about 20 categories. e.g. if you are German it will say you are half English and half Finnish.
Ganz genau, so war ja auch meine Erfahrung und ich empfand sie immer schon als unbefriedigend. 

... Und noch ein Seitenblick auf die aschkenasischen Juden


Was mich ein wenig stutzig macht, ist, daß auf der Internetseit unabhängig von meiner eigenen, persönlichen Auswertung unter der Rubrik "How do populations relate to each other?" als nächste archäogenetische Verwandte der aschkenasischen Juden genannt werden:
  1. *Hellenic Roman (7.562)
  2. *Roman (7.562)
  3. Hellenic Roman + Roman (7.562)
  4. Ancient Greek + Roman (11.27) 
  5. Hellenic Roman (11.9) 
  6. Roman (14.05) 
  7. Ancient Greek (16.33)
Ein Wert von 7 ist nicht gerade der höchste Verwandtschaftswert auf dieser Internetseite. Und ich dachte bislang immer noch, daß eine deutlich mittel- oder nordeuropäischere genetische Komponente, die mit den germanischen Langobarden zu tun gehabt hätte, bei den aschkenasischen Juden auch eine Rolle gespielt hätte. Scheinbar nicht. Auch als nächste heutige Verwandte werden genannt:
  1. East_Sicilian (5.157)
  2. Central_Greek (5.924)
  3. Greek_Crete (6.191)
  4. Greek_Islands (7.254)
  5. Italian_Abruzzo (8.393) 
  6. South_Italian (8.437) 
  7. Greek_Thessaly (9.336) 
  8. West_Sicilian (9.423) 
Und für sephardische Juden archäogenetisch:
  1. *Canaanite / Semite (13.97) 
  2. Hellenic Roman + Canaanite / Semite (11.69) 
  3. Canaanite / Semite + Hittite (12.31)
  4. Canaanite / Semite (13.97) 
  5. Hittite (16.63) 
  6. Hellenic Roman (17.65)
Oh, ein Wert von 13 zeigt ja schon eine recht entfernte genetische Verwandtschaft an. Näher verwandte Völker scheint man noch nicht gefunden zu haben. Und heutige Völker:
  1. Lebanese_Muslim (5.417)
  2. Kurdish_Jewish (6.955)
  3. Syrian (7.132) 
  4. Iranian_Jewish (7.469) 
  5. Assyrian (7.715) 
  6. Lebanese_Christian (11.01) 
  7. Cyprian_Greek (11.08) 
  8. Jordanian (11.44)
Auffällig, daß hier sephardische und aschkenasische Juden gar nicht als gegenseitig näher miteinander verwandt angezeigt werden. Auf Wikipedia ist zu erfahren, daß die Forschung auch heute noch nicht wirklich klare Ergebnisse aufweisen kann zur genetischen Herkunft und Entstehung der aschkenasischen (oder auch: der sephardischen) Juden. Es heißt dort immer noch (Wiki):
In the case of Ashkenazi and Sephardi Jews (...), who are closely related, the source of non-Jewish admixture is mainly southern European. Behar and colleagues have remarked on an especially close relationship between Ashkenazi Jews and modern Italians.
Da deuten sich endgültigere Einordnungen an, aber es scheint auch noch vieles offen zu sein. Die Frage der Ethnogenese der aschkenasischen Juden ist ja schon mehrmals anderwärts hier auf dem Blog behandelt worden.
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  1. Joachim Latacz: Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels. Koehler & Amelang, München u. a. 2001
  2. Pallab Ghosh: DNA study shows Celts are not a unique genetic group. BBC News, 18.3.2015, https://www.bbc.com/news/science-environment-31905764
  3. The fine-scale genetic structure of the British population. Autoren: Stephen Leslie, (...) Barry Cunliffe, Wellcome Trust Case Control Consortium, International Multiple Sclerosis Genetics Consortium, (....) Peter Donnelly & Walter Bodmer. In: Nature volume 519, pages 309–314 (19 March 2015)  Published: 18 March 2015, https://www.nature.com/articles/nature14230
  4. http://eurogenes.blogspot.com/2018/09/celtic-vs-germanic-europe.html 

Mittwoch, 3. April 2019

2.200 v. Ztr. - Kriegerische Glockenbecherleute im westlichen Mittelmeer-Raum, kriegerische Hethiter in Anatolien

Eine neue Ancient DNA-Studie zur Geschichte der Indogermanen im Mittelmeer-Raum der Bronzezeit

Dem Autor dieser Zeilen war es gar nicht bewußt, was auf Wikipedia schon verzeichnet ist (Wiki):
Im 3. Jahrtausend v. Chr. (...) gelangte auch die Glockenbecherkultur nach Westsizilien.
Nach Westsizilien, mitten in den Mittelmeer-Raum? Die indogermanische Glockenbecher-Kultur? Und noch die heutigen Menschen im westlichen Mittelmeer-Raum stammen - auch - von diesen Zuwanderern ab?

Ein solches Geschehen, eine solche frühe Ausbreitung dieser indogermanischen Kultur innerhalb des Mittelmeer-Raumes dürfte selbst kenntnisreicheren Menschen noch gar nicht in jedem Fall wirklich bewußt geworden sein. Aber so ist es auf dem entsprechenden Wikipedia-Artikel in der Karte des Verbreitungsgebietes auch schon erfaßt (Wiki) (Abb. 1). Und soeben ist eine neue Ancient-DNA-Studie erschienen, die die Ausbreitung der Indogermanen innerhalb des westlichen Mittelmeer-Raumes genau in dieser Weise bestätigt (1). Und diese erst lenkt die Aufmerksamkeit auf diesen Umstand.

Abb. 1: Ausbreitungsräume der Glockenbecherkultur, 2.600 bis 2.200 v. Ztr., bzw. in England bis 1.800 v. Ztr. (Herkunft: Wiki)

Am 21. März 2019 ist die neue Ancient-DNA-Studie zur Verbreitung der ersten Indogermanen im westlichen Mittelmeer-Raum im Preprint erschienen (1-3). In einem Video-Referat werden die Inhalte der Studie vom Bloginhaber erläutert und erörtert (4).



Inhalte des Videos:

A. Überblick zum derzeitigen Kenntnisstand allgemein


1:30 - Wiederholung des Wissensstandes zur Geschichte der Völker in Europa seit 14.000 Jahren. (2:46 - Achtung, kleiner Fehler: die anatolisch-neolithischen Bauern haben NICHT die Balearen besiedelt, die sind scheinbar von Menschen erst in der Bronzezeit durch die Indogermanen besiedelt worden, nicht früher.)
3:30 - Rodungsbauern - was heißt das? Beispiel: die deutschen Rodungsbauern in Wolhynien im 19. Jhdt.. Das Leben an der "Frontier", an der Siedlungsgrenze ist vermutlich in der Geschichte immer ähnlich gewesen: Bandkeramik, deutsche Ostsiedlung, Rodungsbauern in Wolhynien, Besiedlung der USA ., hier herrscht großer Kinderreichtum vor.
6:30 - Geringe Einmischung einheimischer Fischer-Völker in die neolithischen Bauernvölker, größere Eimischung bei der Ethnogenese der mittelneolithischen Völker. Fürstentümer und Königreiche des Mittelneolithikums: der Alltag war bestimmt vom Rinderwagen.
9:00 - Wir Indogermanen lassen uns noch heute gerne durch Pferde erziehen.
10:45 - Die Indogermanen unterwarfen als erstes die Kugelamphoren-Kultur, zuvor wurden sie schon Könige in Varna in Bulgarien.
11:15 - Königs- und Fürstendynastien in den Volksstämmen der Indogermanen. Sehr umtriebige Stämme und Völker.
15:00 - Wie kann man sich das Verhältnis vorstellen zwischen den beiden großen zeitgleichen indogermanischen Völkern, den Schnurkeramikern und den Glockenbecherleuten?

B. Die Erkenntnisse der neuen Studie


16:45 - Nach dieser langen Einleitung nun die wesentlichsten Erkenntnisse der neuen Studie:

1.
Die Glockenbecherkultur breitete sich - vermutlich von Spanien aus - über die Welt der Mittelmeer-Völker aus, vor allem auch auf die Balearen-Inseln (die damit erstmals besiedelt wurden) und nach Sizilien. Dort hatte die Bevölkerung nach ihrer Zuwanderung ab etwa 2.200 v. Ztr. etwa zwischen 25 und 35 % indogermanische Gene (1). Nur auf Sardinien haben Jahrtausende lang Indogermanen und ihre Nachkommen fast gar nicht Fuß gefaßt.

2.
Ab 1800 v. Ztr. breiteten sich Menschen mit iranisch-neolithischer genetischer Herkunft im Mittelmeer-Raum aus, so daß die Menschen auf Sizilien nach 1500 v. Ztr. etwa 15 % Gene dieser Herkunftsgruppe in sich trugen (1). Ob sich diese Genetik mit der Kura-Araxes-Kultur aus und dann mit den Hethitern vom Nordiran in den mykenischen und minoischen Mittelmeer-Raum und darüber hinaus ausbreitete, ob die Hethiter selbst diese Genetik trugen und nur noch zusätzlich eine indogermanische Sprache sprachen oder ob sich diese Genetik mit dem Sklavenhandel im Mittelmeer-Raum der Mittelbronzezeit ausbreitete, all das scheint gegenwärtig noch ganz offen zu sein.

3.
Zur Zeit der Vorherrschaft der Phönizier im Mittelmeer-Raum gelangte nach Sizilien auch Genetik aus Nordafrika, die sich dort bis heute gehalten hat, vielleicht durch Sklavenhandel. In dieser Zeit breitete sich die iranisch-neolithische Genetik auch nach Sardinien aus. In Römischer Zeit erst kamen indogermanische Gene auch nach Sardinien, so daß dort die Menschen heute 10 % indogermanische Gene, 20 % iranisch-neolithische Gene und 70 % anatolisch-neolithische Gene in sich tragen.

C. Die Westwanderung der nordwestkaukasischen Hattier und der Hurriter (1.900 v. Ztr.)


Die im Video aufgekommenen Fragen nach den Vorgängen, die dazu führten, daß um 1.800 v. Ztr. kaukasisch-neolithische Genetik angetroffen wird, werden in einem zweiten Video weiter verfolgt (5-7). Auf Wikipedia findet sich nämlich der Hinweis auf eine spannende These zur einem Zeitalter der Völkerwanderungen in der Mittleren Bronzezeit (6) (Abb. 2). Diese paßt gut zu der beschriebenen Ausbreitung der kaukasisch-neolithischen Genetik bis nach Sizilien um 1.800 v. Ztr., die im letzten Video angesprochen worden war. 

In ganz grob ähnliche Richtung hatten die Überlegungen schon gehen müssen vor knapp einem Jahr (7) damals anhand derselben archäogenetischen Studie, auf die man sich nun auch auf dem genannten Wikipedia-Artikel bezieht (6).

Abb. 2: Ungefähr um 2000 und 1900 v. Ztr. führte eine Abfolge von Ereignissen zu einer großen Welle der Zerstörung, die in Ost-Anatolien begann und sich bis zur Ägäis erstreckte. Erstellt anhand von Angaben in: Mellaart, James (Januar 1958). "The end of the early Bronze Age in Anatolia and the Aegean". American Journal of Archaeology vol 62 (no 1). Erstellt von Esemono, Herkunft: Wiki.

In Anatolien sind offenbar zahlreiche Städte in jener Zeit zerstört worden, es scheint Hinweise zu geben, daß die Hattier und Hurriter, die beide jeweils eine nordwestkaukasische Sprache (!) sprachen, nach Westen, nach Griechenland und womöglich darüber hinaus verdrängt wurden, oder nach dort geflüchtet sind. Diese Völker selbst oder zumindest Teile dieser Völker. Jedenfalls hat diese These 1958 der sicherlich verdiente britische Archäologe James  Mellaart (8) vertreten. Dieser ist allerdings zwischenzeitlich auch in den Verdacht gekommen, der Forschung bewußt wissenschaftliche Fälschungen untergejubelt zu haben. Seine These von 1958 bleibt dennoch auf den ersten Blick bestechend und man möchte doch wissen, ob die heutige archäologische Forschung derselben etwas Besseres gegenüber stellen kann.

Wie aber kam die kaukasisch-neolithische Genetik in der Kupferzeit (7) nach Anatolien? Die anatolischen Hurriter (Wiki) stammen vielleicht ab von der kupferzeitlichen Kura-Araxes-Kultur (Wiki) im Südkaukasus ab, die zwischen 3.400 und 2.000 v. Ztr. existierte. Dies ist jedenfalls eine von mehreren Forschungsthesen, die auf Wikipedia erwähnt werden. Die Kura-Araxes-Kultur jedenfalls existierte zeitgleich mit der indogermanischen Maikop-Kultur im Nordkaukasus.

Abschließend sei erwähnt, daß auch eine neue Ancient-Studien zu den Schnurkeramikern in Osteuropa erschienen ist (9, 10). Und auch der Ramsch-, Billig- und Massentourismus kann es nicht verhindern, daß die Insel Mallorca eine der bezauberndsten, sehenswertesten Insel des Mittelmeeres ist und bleibt (11), geheiligt etwa auch durch den Aufenthalt von Frederic Chopin daselbst. Vergiß also nie: ... Du siehst die Welt wie du bist ...

Ergänzung 11.4.2019: Laut (Erb-Satullo 2019) (12) gab es zwischen 2.500 v. Ztr. und 500 v. Ztr. im südlichen Kaukasus, im heutigen Georgien Höhenburgen ganz genauso wie es solche im europäischen Mittelgebirge zu gleicher Zeit gegeben hat.
_____________________________________________
  1. The Arrival of Steppe and Iranian Related Ancestry in the Islands of the Western Mediterranean. By Daniel M. Fernandes (...) Ron Pinhasi, David Reich, bioRxiv 584714; doi: https://doi.org/10.1101/584714, 21.3.2019, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/584714v1 
  2. Population history from the Neolithic to present on the Mediterranean island of Sardinia: An ancient DNA perspective. By Joseph H. Marcus, (...) Wolfgang Haak, David Reich, David Schlessinger, Francesco Cucca, Johannes Krause, John Novembre. 21.3.2019, doi: https://doi.org/10.1101/583104, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/583104v1
  3. The most violent group of people who ever lived. By Joe Pinkstone, Daily Mail, 29.3.2019, https://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-6865741/The-violent-group-people-lived.html
  4. Bading, Ingo: Die ersten Indogermanen auf Mallorca, 2.400 v. Ztr., Videoreferat, 02.04.2019, https://youtu.be/IO5jPLwX16Q
  5. Bading, Ingo: Wie kamen Nachkommen von Kaukasus-Bauern nach Sizilien, 1.800 v. Ztr.? Video-Referat, 02.04.2019, https://youtu.be/DKKKEg3Wwgs.
  6. https://en.wikipedia.org/wiki/Middle_Bronze_Age_migrations_(Ancient_Near_East) 
  7. Bading, Ingo: Die Indogermanen, ihre Nachbarvölker, ihre Ausbreitungsgebiete. 26.6.18, https://studgendeutsch.blogspot.com/2018/06/die-indogermanen-ihre-nachbarvolker.html
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/James_Mellaart
  9. Mitochondrial genomes reveal an east to west cline of steppe ancestry in Corded Ware populations. By Anna Juras (...) Aleksander Kośko. In: Scientific Reports, Volume 8, 11603 (2018), 2.8.2018, https://www.nature.com/articles/s41598-018-29914-5 
  10. Yamnaya steppe ancestry, 1.3.2019, https://indo-european.eu/maps/yamnaya-steppe-ancestry/
  11. Deia, Mallorca, 16.10.2006, https://youtu.be/mYXNuLmylvs
  12.  
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