Mittwoch, 17. September 2008

Single-Mütter sind intelligenter - bei Buntbarschen

ResearchBlogging.org
Gerade hatten wir noch stolz verkündet, daß über weite Bereiche des Arten-Stammbaumes hinweg Gehirngröße positiv mit der Intensität der monogamen Lebensweise korreliert (Stud. gen. 1, 2), ja daß sogar soziale Komplexität bei soziallebenden Insekten etwas mit Monogamie zu tun hat (Stud. gen.), da macht uns neuerdings die Tiergruppe der Buntbarsche einen Strich durch die Rechnung. Diese Ausreißer! (Proc. B., frei zugänglich) - Nieder mit den Buntbarschen!

Allein erziehende Mütter haben bei ihnen größere Gehirne als kooperative Elternpaare. Was ziehen wir daraus für Schlußfolgerungen? Wir sagen, hier sind nur 39 Buntbarsch-Arten miteinander verglichen worden und das ist uns noch zu wenig. Wir warten auf Nachfolge-Studien.

Aber trotzdem: Was könnte es uns noch sagen? Traue niemals einem Forschungsergebnis, solange Du nicht um die nächste Ecke geschaut hast. Natürlich ist dies keine Falsifizierung der Monogamie-These von Robin Dunbar. Aber immerhin doch eine Differenzierung. Die Natur (oder doch zumindest bis zu diesem Punkt die Wissenschaft) erlaubt es sich - wieder einmal! - unsere Erwartungen nicht zu bestätigen. - Klasse. So macht Wissenschaft Spaß.

Für fleischfressende Säugetiere gibt es größere Gehirngrößen bei alleinerziehenden Müttern offenbar ebenfalls.

"Social Brain-Hypothese" dennoch bestätigt

Aber die Forscher glauben dennoch, mit ihrer Studie die "Social Brain-Hypothese" von Robin Dunbar an den Buntbarschen bestätigt zu haben. Sie fanden nämlich das "counter-intuitive" Ergebnis - wie sagt man das ebenso kurz auf Deutsch,? - das unerwartete Ergebnis, daß jagende Buntbarsche geringere Gehirngröße haben, als Algen-abgrasende Buntbarsch-Arten. Dabei gibt es doch die weitgehend unbestätigte Hypothese, daß es der Fleischfresser Mensch war, der auf diese Weise sein großes Gehirn evoluiert hat. - Deshalb jedenfalls für die Forscher "counter-intuitive", unerwartet.

Aber sie haben eine tolle Erklärung, die wieder einmal in die Nähe der These von Gruppenselektion reicht. Sie sagen, daß Algen-abgrasende Buntbarsch-Arten in sehr, sehr komplexen Habitaten mit sehr, sehr vielen, ihnen selbst ähnlichen Buntbarsch-Arten zusammen leben müssen in Kooperation (Gegenseitigkeit) und Aggression, und daß dieses enge Zusammenleben mit anderen Arten ihre Gehirnevolution beschleunigt haben könnte. Das ist einmal eine ganz andere Sichtweise auf die Dinge. So ähnlich stellten sich ja manche Evolutionsforscher auch die Gehirnevolution beim Menschen vor vor einigen Jahrzehnten (Richard Alexander zum Beispiel), nämlich als "runaway"-Gruppenselektions-Prozess: Die Menschengruppen mit den größten Gehirnen, mit dem höchsten IQ überlebten.

Nun, wir sehen das heute mit den niedrigen Kinderzahlen von Akademikern etwas, ähm - - - "differenzierter", können aber diese These von Richard Alexander keineswegs schlüssig falsifizieren. Weshalb man künftig noch mehr Gründe haben könnte, als früher schon, sich die Buntbarsche sehr genau anzuschauen. - Übrigens könnte die IQ-Evolution der Buntbarsche ja ähnlich wie bei den aschkenasischen Juden (und vielleicht anderen Völkern) etwas mit Inzucht zu tun haben, mutmaßte "Studium generale" schon vor anderthalb Jahren. (Stud. gen.)

Noch ein Gedanke, zu dem sich in dem Paper keinerlei bestätigende oder abschwächende Hinweise fanden: Vielleicht paßten die Männchen mit ihren geringeren Gehirngrößen einfach nicht mehr in die komplexen, engen Sozialsysteme der weiblichen, algen-abgrasenden Buntbarsche hinein und werden in die guten Territorien nur hereingelassen zum Zeugen von Nachwuchs? Denn gemeinsame Brutpflege ist auch hier der stammesgeschichtlich ursprüngliche Zustand.

Jedenfalls, es bleibt alles ein wenig - "counter-intuitive".

1. Alejandro Gonzalez-Voyer, Svante Winberg, Niclas Kolm (2008). Social fishes and single mothers: brain evolution in African cichlids Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, -1 (-1), -1--1 DOI: 10.1098/rspb.2008.0979

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