Mittwoch, 15. August 2007

Angeborene Rasseunterschiede im emotionalen Gedächtnis

Gibt es Rasseunterschiede darin, wie langanhaltend und tief lebenseinschneidende Ereignisse von Menschen erinnert werden? Aus Alltagsbeobachtungen wird man zu der Vermutung gelangen, daß es allgemein "emotionaleren" Menschen schwerer fällt, emotionale Lebensereignisse zu vergessen, bzw. daß es ihnen leichter fällt, sich an solche zu erinnern, als weniger "emotionale" Menschen. Doch wie sieht es damit auf genetischer Ebene aus?

Eine genetische Variante, die mit der diesbezüglichen - teilweise angeborenen - Leistung des "emotionalen Gedächtnisses" korreliert, kommt zu 30 % bei Europäern aber nur zu 12 % bei Afrikanern vor, so neueste Forschungsergebnisse des Schweizer Psychiaters Dominique de Quervain. (New Scientist, Economist, Nature Neuroscience) Er erforscht an der Universität Zürich die "Genetik des Gedächtnisses" und die Wirkung von Streßhormonen auf die Gedächtnisleistung.

Streß reduziert im allgemeinen die Gedächtnisleistung. Es handelt sich bei den Streßhormonen unter anderem übrigens wieder einmal um jenes Streßhormon Cortisol, das auch bei Krippenkindern im zweiten Lebensjahr in gehäuften Mengen festgestellt wird, wenn sie von ihren Eltern (bzw. den ersten Bezugspersonen) getrennt sind, in Mengen, die in anderen Zusammenhängen ganz selbstverständlich mit einem "kranken" Zustand assoziiert werden. (Siehe früherer St. gen.-Beitrag.)

de Quervain sagte nun schon 2005 in einem Interview (Unimagazin Zürich 2004, 2005) :
Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass rund 50 Prozent der menschlichen Gedächtnisleistung genetisch festgelegt ist. Allerdings war nicht bekannt, welche Gene dabei eine Rolle spielen. Meinem Forschungskollegen Andreas Papassotiropoulos und mir ist es 2003 gelungen, ein solches «Gedächtnis-Gen» zu identifizieren. Jetzt wird es darum gehen, weitere beteiligte Gene zu finden und ihre genaue Funktionsweise zu erforschen.
New Scientist berichtete:
Your ability to recall emotional events – such as meeting the love of your life, or the trauma of a painful car crash – is governed by a common variation in a single gene, according to a new study. (...) Recall of emotional events varies a great deal from person to person. So de Quervain wondered if common variations in a gene called ADRA2B, which codes for the noradrenaline receptor, could be responsible. Some 30 per cent of Caucasians and 12 per cent of Africans possess this variant.
Dazu untersuchte die Forschungsgruppe Schweizer Bürger und traumatisierte Völkermord-Überlebende in einem Flüchtlingslager in Uganda. Sie zeigten ihnen jeweils Fotos, die positive, neutrale oder negative Erinnerungen weckten:
The researchers found that, in both groups, people carrying the ADRA2B gene variant were "substantially more likely" to remember both positive and negative pictures than people with other forms of the gene. Neutral images were recalled to the same degree by people with and without the variant.

However, Rwandans with the variant had far higher recall of negative emotional events than the Europeans who carried it – and this was unrelated to whether or not they suffered from post traumatic stress disorder.

"The genetic variant is related to enhanced emotional memory," concludes de Quervain. "But it also appears to predispose people to stronger traumatic memories when something terrible happens."

Es muß also noch andere genetische Unterschiede zwischen den Bürgern Ruanda's (= Watussi's?) und Europäern in Bezug auf diese Erbeigenschaft geben als nur dieses eine Gen, sonst würden die Bürger Ruanda's ja nicht noch stärker emotional auf negative Erinnerungen reagieren als Europäer, auch wenn sie die gleiche erforschte genetische Variante (ADRA2B) haben und unabhängig von ihren persönlichen Lebenserfahrungen. - Man könnte aber diesbezüglich auch wohl immer noch Kultur-Unterschiede annehmen - ganz sicher jedoch nicht, was die Häufigkeit der genannten Gen-Variante in den beiden verglichenen Bevölkerungen betrifft.

Der "Economist" stellt am Schluß folgende Fragen, die einem etwas vorschnell vorkommen können - aber zum Nachdenken anregen:
The statistics suggest Rwanda may have been lucky: the long-term mental-health effects of the war may not be as widespread as they would have been in people with a different genetic mix. On the other hand, are those who easily forget the horrors of history condemned to repeat them?
Diese Frage ignoriert ja auch das zweite genannte Forschungsergebnis, daß die Einwohner Ruanda's, die die Gen-Variante haben, stärker auf emotionale Erinnerungen reagieren, als Europäer, die diese Gen-Variante haben. Die Welt ist meistens komplizierter als man es haben möchte ...

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