Sonntag, 14. April 2019

40.000 v. Ztr.: In Rumänien vermischten sich anatomisch moderne Menschen mit Neandertalern

Waren die ersten Europäer Negritos?

Das aufregende Wechselspiel von modern(er)en Menschenformen, die sich ausbreiten, während sogenannte ursprünglichere Bevölkerungen zu Randbevölkerungen oder Reliktbevölkerungen werden oder schließlich ganz aussterben, ist nach der neuesten Ancient-DNA-Forschung sowohl in Asien wie in Europa zu beobachten. In Asien konnte für eine nur noch wenige hundert Menschen umfassende Volksgruppe von Fischern am Amurfluß festgestellt werden, daß diese dort genetisch weitgehend unverändert seit 8.000 Jahren gelebt hat (siehe anderer Beitrag hier auf dem Blog). Eine vergleichbare altertümliche Menschenform, die vor dem Übergang zum Ackerbau große Teile Europas bewohnt hat, hat sich als kleine und zudem vermischte Reliktbevölkerung heute nur noch an einem Ort in der Welt erhalten, nämlich: vermutlich auf den Kanarischen Inseln.


Abb. 1: Die Menschen von Peștera cu Oase (Rumänien), die vor 40.000 Jahren lebten, und deren Knochen seit 2002 untersucht werden (Wiki), hatten doppelt so viel Neandertaler-DNA in sich als wir (9 %) (17) - Herkunft: Pressebilder Neanderthal Museum, Mettmann, https://www.neanderthal.de/de/urmenschen.html, Fotograf: Daniela Hitzeman (Wiki). Rekonstruktion geschaffen von Adrie und Alfons Kennis ("Kennis & Kennis") 2017

Diese Erkenntnis veranlaßte die Zusammenstellung des vorliegenden Blogbeitrages. Bei der Suche nach einer bildkräftigen Bebilderung (siehe Abbildung 1) stießen wir dann aber noch viel tiefer in die europäische Vorgeschichte hinein, nämlich 40.000 Jahre tief, als wir auf die überraschend eindrucksvolle Abbildung 1 stießen. Genauere Recherche bringt nun zutage, daß diese Rekonstruktion von - mit Recht - berühmten Rekonstrukteuren geschaffen wurde, nämlich von Adrie und Alfons Kennis, und zwar erst im Jahr 2017 (KennisandKennis). Die Einstellung dieser Brüder kann einem sehr gefallen (16):
"Symmetrische Brüste sind langweilig", sagt Alfons. Die Zwillinge zeigen Bilder indigener Völker etwa aus Papua-Neuginea, die sie zu Hunderten auf ihrem Rechner gespeichert haben. "Wunderschön, oder?" sagt Adrie. "Schauen Sie sich diese Gesichter an!" Sie würden das gern genau so unverblümt darstellen, mürrisches oder lachendes Gesicht, unverhüllter Penis, hängende Brust. 
Aber fangen wir erst einmal mit dem Augsgangsthema an (A), um dann auf diese aufregende Rekonstruktion (B) einzugehen.

A. Das Volk der europäischen mesolithischen Fischer, Jäger und Sammler (12.000 bis 2.000 v. Ztr.)


10.000 Jahre lang lebte ein großes Volk in Europa. Die Genetik der ausgestorbenen, letzten west- und mitteleuropäischen dunkelhäutigen, aber blauäugigen Jäger und Sammler, des sogenannten "Villabruna-Cluster's", die sich auch auf den britischen Inseln fand, und von denen "Kennis&Kennis" ebenfalls eine aufsehenerregende Rekonstruktion angefertigt haben, nämlich vom "Cheddar Man", hat jedenfalls auf den kanarischen Inseln offenbar noch bis in die letzten Jahrhunderte recht unvermischt fortbestanden (1). Sie hat sich dort allerdings schon vor Jahrhunderten vor allem mit der Genetik nordafrikanischer Zuwanderer vermischt. Diesselbe Genetik hat aber in Mittel- und Nordeuropa an den Ufern von Flüssen und Gewässern - zum Schluß an der östlichen Ostsee - nur bis zum Mittelneolithikum fortbestanden und hat sich dort dann sehr weitgehend mit nachfolgenden Völkern vermischt. Dazu finden wir nun (1):
"Die vorkolonialen Guanchen der Kanarischen Inseln hatten einige genetische Verwandtschaft mit europäischen Jäger-Sammlern zusätzlich zu ihrer vorwiegend nordafrikanischen genetischen Herkunft."
"... The pre-colonial Guanche inhabitants of the Canary Islands had some European hunter-gatherer affinity in addition to their mainly North African origin."
So wie sich also auf Sardinien am unvermischtesten die ansonsten ausgestorbenen Menschen der ersten Bauern Europas und des Mittelmeeres gehalten hat, so auf den Kanarischen Inseln die ansonsten ausgestorbenen Menschen der letzten westeuropäischen Jäger und Sammler. Nun gut, die Studie, auf die sich hier bezogen wird, hat die DNA von 12 Skeletten der Guanchen des 19. Jahrhunderts sequenziert. Sie fand (2):
"Wir stellen außerdem fest, daß ein von uns sequenziertes Guanchen-Skelett einen größeren Anteil von Jäger-Sammler-ähnlicher genetischer Herkunft aufweist als die anderen Individuen, was womöglich auf einen geringen europäischen genetischen Zufluß hinweisen könnte in der Zeit vor der europäischen Kolonisierung."
"We also note that one Guanche individual (gun005) carried a greater proportion of hunter-gatherer (HG)-like ancestry than the other individuals, possibly suggesting low-level gene flow from a European source that predates the European conquest."
Die heutigen Einwohner von Gran Canaria tragen noch 15 bis 30 % der vorkolonialen Genetik in sich (3).

Aber auch auf die Ethnogenese der anatolisch-neolithischen Bauernvölker sollen die mesolithischen Villabruna-Leute (die letzten westeuropäischen Jäger und Sammler, zu denen auch der Cheddar Man gehörte) einen gewissen genetischen Einfluß ausgeübt haben (1). Der genetische Anteil, den wir heutigen, modernen Europäer noch von ihnen in uns tragen, dürfte jedenfalls um etliches größer sein als jener genetische Neandertaler-Anteil, den jeder von uns heute schon bei 23andme und andwärts mitgeteilt bekommt, wenn er sich seine Gene sequenzieren läßt. Künftig wird uns sicherlich unser westeuropäischer Jäger-Sammler-Anteil im Genom ebenfalls mitgeteilt werden. Denn in dieser Form leben sie durchaus "in uns" weiter.

Auf Wikipedia ist jenes großartige europäische Volk, das in Europa 10.000 bis 15.000 Jahre lang lebte, noch nicht sehr rund und eingängig dargestellt (4-7). Über ihre Nachbarn, die osteuropäischen Jäger und Sammler, erfahren wir (1):
"Die osteuropäischen Jäger und Sammler, eine Population, die eine Mischung darstellt aus westeuropäischen Jägern und Sammlern und Menschen mit sibirischer Herkunft des Oberen Paläolithikums (verwandt mit dem Funden von Mal'ta und Afontova Gora vom Baikalsee, die in der Zeit vor 24.000 bis 17.000 Jahren lebten), sind im europäischen Rußland vor 8.000 Jahren nachgewiesen. Dieses Volk trug zur Herkunft der Jäger und Sammler in Schweden vor 8.000 bis 5.000 Jahren bei, sowie in Norwegen, auf dem Balkan, in der Ukraine und an der Ostsee."
"Eastern European hunter-gatherers (EHG), a population of mixed WHG and Upper Paleolithic Siberian ancestry (related to the Mal’ta and Afontova Gora specimens from Lake Baikal (∼24–17 kya) are attested in European Russia ∼8 kya. This group contributed ancestry to hunter-gatherers in Sweden ∼8–5 kya, Norway, the Balkans and Ukraine, and the Baltic."
In früheren Blogartikeln referierten wir schon, daß die hier angeführten großen Jäger-, Sammler- und Fischer-Völker des europäischen Mesolithikums sich untereinander genetisch so stark voneinander unterschieden wie wir heutigen Europäer uns von den Ostasiaten unterscheiden.

Übrigens stellte einen wesentlichen Lebensraum der west- und mitteleuropäischen Jäger und Sammler auch das "Doggerland" dar, das heute untergegangene Land zwischen Deutschland und England (8) (Wiki). Damals mündete die Themse noch in den Rhein, sowie Ems und Weser in die Elbe. Auf ihm ragten die Felsen von Helgoland ähnlich prägnant aus der Landschaft heraus wie heute noch die Externsteine im Teutoburger Wald.

Es mußte sich jedenfalls genetisch auch noch nach dem Übergang zum Ackerbau noch sehr viel ändern, damit das heutige äußere Erscheinungsbild und die angeborene Psychologie der Europäer, insbesondere der Nordeuropäer entstand. In den nächsten Jahren wird das von Seiten der Archäogenetik sicher noch in besseren Überblicksartikeln dargestellt werden als das derzeit irgendwo zu finden ist.

Aber nur einen Tag nach Veröffentlichung dieses Beitrages erschien schon wieder eine neue Studie über die genetisch klar westeuropäischen Jäger und Sammler auf den britischen Inseln. Sie bestätigt schon zuvor gemachte Feststellungen, die auch in die Rekonstruktion von Kennis&Kennis einflossen (9):
Wir schlußfolgern, daß der Cheddar Man höchstwahrscheinlich blaue/grüne Augen hatte, dunkelbraunes (vielleicht schwarzes) Haar und dunkle oder dunkle bis schwarze Haut, während unser bestsequenziertes neolithisches Individuum braune Augen, schwarze (vielleicht dunkelbraune) Haare und dunkle bis weniger dunkle Haut hatte.
Original: We infer that Cheddar Man mostly probably had blue/green eyes, dark brown (possibly black)  hair  and  dark  or  dark  to  black  skin,  whereas  our  highest-coverage Early Neolithic individual had brown eyes, black (possibly dark brown) hair and dark to intermediate skin.

B. Die Peștera cu Oase (Knochenhöhle) in Rumänien, 40.000 v. Ztr.


Nun aber zu den Menschen von Peștera cu Oase (Knochenhöhle) in den Südkarpaten, gelegen im heutigen Rumänien, die vor 40.000 Jahren lebten, und deren Knochen seit 2002 untersucht werden (Wiki), hatten sich wenige Generationen zuvor mit den einheimischen Neandertalern vermischt und hatten deshalb doppelt so viel Neandertaler-DNA in sich als wir (nämlich 9 %). Für das Werden der europäischen Völker werden diese Neandertaler-Mischlinge als "Ausreißer" betrachtet, als nicht typisch für die ersten anatomisch modernen Menschen, die Europa besiedelten (15). In einem Neandertaler-Museum darf eine Rekonstruktion von ihnen ihren Platz finden, nur darf man von ihrer Rekonstruktion nicht zurückschließen auf den typischen Europäer, der damals Europa besiedelte. Vorhergehende Rekonstruktionen betonten auch die archaischen, negroiden Merkmale nicht so deutlich wie das das niederländische eineiige Zwillingspaar Adrie and Alfons Kennis in ihrer Rekonstruktion taten (18, 19) (siehe Abb. 2). Trotz der besonderen Wirklichkeitsnähe ihrer Rekonstruktionen, werden diese auch häufig kritisiert. Über die des Ötzi wird berichtet (16):
Manche Forscher sehen die Rekonstruktionen etwas kritisch. Der Mumienforscher Albert Zink aus Bozen etwa hätte sich bei Ötzi eine "stärkere Berücksichtigung der Forschungsergebnisse" gewünscht. "Es gibt keinen Hinweis, daß er bereits graue Haare hatte, auch die Hände sind zu groß und fleischig", sagt er. "Wir denken nicht mehr, daß Ötzi ein älterer Herr mit Gesundheitsproblemen war." 
Da "Kennis&Kennis" wirkungsmächtigste Rekonstruktionen schaffen, die ob ihrer lebendigen Bildhaftigkeit weit über die Wissenschaft hinaus wirken, wünschte man sich zu jeder dieser Rekonstruktionen sehr genaue kritische Beurteilungen aus wissenschaftlicher Sicht (17).

Abb. 2: Schädel "Peștera cu Oase 2" - Rekonstruktion von 2014 (aus: 19)

Jedenfalls: Ob es solche Menschen wie in Abbildung 1 waren oder eher solche aus Abbildung 2, die zu gleicher Zeit in der Höhle Hoher Fels in der Schwäbischen Alp die "Venus vom Hohen Fels" geschaffen haben (14), darf zunächst wohl doch ein wenig bezweifelt werden. Vielleicht waren die archaischen Merkmale auch geringer. In Gesichtsdarstellungen der Aurignacien-Kultur findet man sie jedenfalls sonst so nicht.

Die in Abbildung 1 dargestellten negroiden Merkmale könnten aber auch etwas zu tun haben mit der Tatsache, daß die ersten Auswanderer aus Afrika Richtung Südasien und Australien sogenannte "Negrito" (Wiki) waren. Und findet sich jene weibliche Fettleibigkeit, die in vielen Kunstwerken des Aurignacien dargestellt wurde - wie in der Venus vom Hohen Fels - nicht heute vor allem auch ausgeprägt in Afrika (13, 14)?

Jedenfalls: Die Menschen, die die europäischen Höhlenmalereien der Eiszeit hervorgebracht haben, die Rentier-Jäger, die Jäger der Höhlenbären, ja, auch noch die letzten Fischer, Jäger und Sammler, die sich nach der lückenlosen Wiederbewaldung Europas nach der Eiszeit vor allem an die Fluß-, See- und Meeresufer zurück gezogen hatten, waren uns vom äußeren Erscheinungsbild her - alle Ancient-DNA-Daten sagen da bislang dasselbe - noch sehr unähnlich.

Es waren andere Völker, ja, andere Rassen als wir selbst (15). Sie sind aber deshalb nicht weniger spannend, ja, man kann es geradezu unheimlich und aufregend finden, daß in unserer eigenen, Jahrtausende langen Heimat einstmals so ganz andere, fremde Völker gelebt haben. Sogar Menschen, die sich mit dem noch viel fremderen Neandertaler vermischt hatten! Solche Umstände darf man gerne sehr lange auf sich wirken lassen. - Hat zum Beispiel womöglich die Vermischung mit diesem ganz "Fremden" zu einem Evolutionsschub geführt? Evolution ist aufregend, wohin wir schauen.

In diesen Zusammenhang gehört auch die hoch interessante Feststellung, daß der archäogenetisch festgestellte Menschentyp des "Basal Eurasian" (Wiki) in den Menschen, die vor 12.000 Jahren im "Fruchtbaren Halbmond" als erste zum Ackerbau übergegangen sind (sogenannte "Natufier"), genetisch noch zu etwa 50 % fortbestand, in den anatolisch-neolithischen Bauernvölkern zu 44 % (Wiki). Die archäologisch festgestellte Lebensweise und Siedlungsdichte der letzten Jäger und Sammler im Vorderen Orient glich auch noch sehr stark der Lebensweise und Siedlungsdichte der heutigen Buschleute in Südafrika (10, 11).

/Beträchtlich ergänzt und umgeschrieben:
30.6.2019/

________________________________________________
  1. The evolutionary history of human populations in Europe. By Iosif Lazaridis, Current Opinion in Genetics & Development, Volume 53, December 2018, Pages 21-27 https://doi.org/10.1016/j.gde.2018.06.007, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959437X18300583 (dankenswerter Weise frei zugänglich)
  2. Current Biology 2017, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982217312575
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Guanchen
  4. https://en.wikipedia.org/wiki/European_early_modern_humans
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/Genetic_history_of_Europe
  6. https://en.wikipedia.org/wiki/Portal:Mesolithic
  7. https://de.wikipedia.org/wiki/Cheddar_Man  
  8. Filser, Huberg: Der erste Brexit. In: Die Zeit, 5. April 2019, https://www.sueddeutsche.de/wissen/doggerland-archaeologie-1.4397840
  9. Selina Brace, Yoan Diekmann, Thomas J. Booth (...) Chris Stringer, David Reich, Mark G. Thomas & Ian Barnes: Ancient genomes indicate population replacement in Early Neolithic Britain. In: Nature Ecology & Evolution, April 2019, DOI: 10.1038/s41559-019-0871-9, https://www.researchgate.net/publication/332430722_Ancient _genomes_indicate_population_replacement_in_Early_Neolithic_Britain
  10. Bading, Ingo: Die Neolithische Revolution im Vorderen Orient 12.000 bis 6.000 v. Ztr.. (Eigentlicher Titel: Populationsstrukturen und Transitions-Vorgänge im Levanteraum vom Epi-Paläolithikum bis zum PPNB.) Seminararbeit für den Anthropologischen Kurs II (Populationsstrukturen) von PD Dr. Winfried Henke, Universität Mainz, SS 1995, http://independent.academia.edu/IngoBading/Papers/1599513/Die_Neolithische_Revolution_im_Vorderen_Orient_12.000_-_6.000_v._Ztr._
  11. Bading, Ingo: Die lange "Vorbrennphase" der "Neolithischen Revolution". 5.5.2012, https://studgendeutsch.blogspot.com/2012/05/die-dreistufige-rakete-neolithische.html 
  12. Roswitha Budeus-Budde: Die Guanchen - Woher stammen die Ureinwohner der Kanaren, die im 15. Jahrhundert von den Spaniern vernichtet wurden? Süddeutsche Zeitung, 24. Juni 2016, https://www.sueddeutsche.de/stil/dem-geheimnis-auf-der-spur-die-guanchen-1.3046274
  13. Bading, Ingo: Von der Geschlechtlichkeit des Menschen überwältigt. Studium generale, April 2009, https://studgendeutsch.blogspot.com/2009/05/von-der-geschlechtlichkeit-des-menschen.html
  14. Bading, Ingo: Zur Evolution des weiblichen Hintern, 2014, https://studgendeutsch.blogspot.com/2014/10/zur-evolution-des-weiblichen-hinterns.html  
  15. Bading, Ingo: Die genetische Geschichte der europäischen Eiszeit. Die Aufeinanderfolge unterschiedlicher Völker und Rassen in Europa seit 43.000 v. Ztr.. 19.6.2016, https://studgendeutsch.blogspot.com/2016/06/die-genetische-geschichte-der.html
  16. Hubert Filser: So sahen wir aus. Die Brüder Adrie und Alfons Kennis sind weltberühmt für ihre realistischen Rekonstruktionen von Vor- und Frühmenschen in Lebensgröße. Ein Werkstattbesuch. In: Süddeutsche, 11. Januar 2019, https://www.sueddeutsche.de/wissen/palaeoanthropologie-so-sahen-wir-aus-1.4283745
  17. Buchan, Kit: Meet the ancestors… the two brothers creating lifelike figures of early man. In: The Guardian, 5.5.2018, https://www.theguardian.com/science/2018/may/05/meet-the-ancestors-two-brothers-lifelike-figures-early-man-adrie-and-alfons-kennis
  18. Neave, Richard: Reconstruction of an early European skull. Auf: Mathilda's Anthropology Blog, 5.5.2009, https://mathildasanthropologyblog.wordpress.com/2009/05/05/reconstruction-of-an-early-european-skull/
  19. Bogdan Petry: Oase Skull, 14.12.2014, https://youtu.be/5wIXCiYCiiw

1 Kommentar:

Ingo Bading hat gesagt…

Privat erhalte ich dazu eine Zuschrift:

"Dr. Spindler, der erste, der Ötzi untersuchte an der Uni Innsbruck (er ist inzwischen gestorben), betonte in einem Vortrag, daß Ötzi blaue Augen hatte, welche dann aber (durchs Austrocknen ?) braun wurden und Ötzi nun offiziell braune Augen hatte. Braun = mehr Pigment."

Meine Antwort dazu:

Ich nehme an, daß der Vortrag von Dr. Spindler schon vor 2012 stattgefunden hat? 2012 ist das gesamte Genom von Ötzi sequenziert worden und es wird - aufgrund dessen - seitdem gesagt, daß er braune Augen hatte (1). Außerdem weiß man seit dem, was auf Wikipedia steht, und was die Forschung - und auch ich selbst - erst seit 2015 richtig einordnen kann (3):

"By autosomal DNA, Ötzi is most closely related to southern Europeans, especially to geographically isolated populations like Corsicans and Sardinians."

Zur Zeit vom Ötzi lebten zwar im östlichen Ostseeraum noch die in diesem Blogartikel behandelte Völkergruppe der europäischen Jäger, Sammler und Fischer. In Mitteleuropa lebten aber - abgesehen von Rückzugsräumen - schon seit 5.700 v. Ztr. Völker der heute ebenfalls ausgestorbenen anatolisch-neolithischen Völkergruppe. Diese hatten sich ursprünglich als Bandkeramiker vom Plattensee aus über ganz Deutschland verbreitet und haben den Wald gerodet. Und zu dieser Völkergruppe gehörte ganz offensichtlich auch der Ötzi. Die nächsten Verwandten der ausgestorbenen früh- und mittenneolithischen europäischen Bauernvölker (die übrigens den Ackerbau auch nach Skandinavien gebracht haben!!) leben heute auf Sardinien so wie auch in dem eben gebrachten Zitat genannt.

Die Jäger und Sammler Europas und die ersten Bauern Europas waren sich genetisch so unterschiedlich wie wir uns heute von den Ostasiaten unterscheiden. Aber die früh- und mittelneolithischen Bauern hatten anfangs 7 Prozent, später (in Skandinavien) bis zu 20 % Gene der einheimischen Jäger und Sammler in sich aufgenommen.

Diese wurden dann alle von den Indogermanen überlagert, die die mittelneolithischen Bauernvölker in Nordeuropa genetisch zu 70 % ersetzt haben, während sich etwa 30 % der mittelneolithischen Genetik bis heute in uns gehalten hat.

______________________________________

1. https://www.mirror.co.uk/news/world-news/new-dna-profile-reveals-clues-746637
2. https://www.nytimes.com/2012/03/06/science/iceman-had-brown-eyes-and-hair-and-was-lactose-intolerant.html
3. https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%96tzi#Genetic_analysis

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