Sonntag, 7. August 2011

Der 4. Mai 1945: Das Kriegsende in den Dörfern des Havelbogens Möthlitz, Kützkow und Bahnitz

Eine regionale Studie zu den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges
Im Morgennebel des 4. Mai 1945 gehen die sowjetischen Truppen unter starken Kämpfen bei dem Dorf Tiekow über die Havel und nehmen in der Folge das Gut Kützkow, sowie die Dörfer Bahnitz, Möthliz, Nitzahn und Jerchel ein. Im folgenden Beitrag sollen diese regionalen Ereignisse in den größeren militärgeschichtlichen Zusammenhang eingeordnet werden und mit den oftmals sehr persönlich gefärbten und detaillierten Erinnerungen der Bevölkerung vor Ort abgeglichen werden. 
In der vorliegenden Ausarbeitung verbindet sich lokalgeschichtliches mit allgemeinerem zeitgeschichtlichen Interesse. Überall im Land Brandenburg finden sich auf den Friedhöfen der Dörfer und Städte Gräber deutscher Soldaten aus der Endzeit des Zweiten Weltkrieges. Dies gilt nicht nur für die Dörfer im östlichen Brandenburg (insbesondere der gefallenen Soldaten des "Kessels von Halbe"), sondern in geringerem Umfang auch für die Dörfer zwischen Brandenburg und Rathenow, zwischen Havel und Elbe. Also noch hundert Kilometer westlich von Berlin. Auch hier hat es Kämpfe gegeben, zum Teil sehr schwere mit vielen Toten. Auch hier sind in den Endtagen des Zweiten Weltkrieges noch viele Menschen gestorben. Auf einem Soldatenfriedhof in Genthin sind die in dieser Gegend gefallenen russischen Soldaten gesammelt bestattet worden.

Abb. 1: Der 4. Mai 1945: Angriff auf die Dörfer des Havelbogens Kützkow, Bahnitz, Möthlitz, Nitzahn von Tieckow aus
Wer vor solchen Gräber steht, fragt sich unwillkürlich: In welchem Zusammenhang sind diese Menschen gestorben? Welche Ereignisse verbinden sich mit diesen Gräbern? Wie kann man sie in Abgleich bringen mit den Erinnerungen, die in den örtlichen Familien von Generation zu Generation weitererzählt und in Ortschroniken festgehalten werden (1-18)?

Vielleicht kann die vorliegende Ausarbeitung auch anderen Anregung geben, den hier zusammengetragenen Sachverhalten weiter nachzugehen. Vielleicht ergänzen die hier gegebenen Schilderungen auch Erkenntnisse aus allgemeineren, kriegsgeschichtlichen Darstellungen. Für die vorliegende Darstellung ist bislang noch keine systematische und damit erschöpfende Literatur-Suche (oder gar Archiv-Studium) betrieben worden. Dafür sind aber manche erschienene Dorfchroniken benutzt worden und sonstiges Material, das Menschen, die von überörtlicher Warte aus sich mit den militärischen Ereignissen der letzten Tage des Zweiten Weltkrieges befassen, auf den ersten Zugriff nicht unbedingt zugänglich sein muß.

Noch eine Vorbemerkung: Fotografien aus dem Jahr 1945 aus der hier behandelten Region sind uns nicht bekannt geworden. Die in diesem Beitrag eingebundenen Fotografien entstanden alle andernorts und sollen nur veranschaulichen, wie es ungefähr damals auch in der hier beschriebenen Region ausgehen haben kann. 

A. Der Elb-Havel-Winkel - Bismarcks Heimat


Der Elb-Havel-Winkel war eine Kernregion Preußens. Hier einmal eine recht hübsche Charakterisierung (29, S. 24):
Tausende Urlauber, die sich jahrzehntelang in fernen Ländern tummelten und ihr unmittelbares Nachbarland kaum kannten, reiben sich verwundert die Augen angesichts der Schönheit und Stille der märkischen Landschaft! Endlose Alleen führen durch weite ebene Flächen, die schließlich in ein welliges Hügelland übergehen. An den Säumen leuchtender Getreidefelder wiegen sich Margeriten, Mohn und Kornblumen im Wind. Sogar der vom Aussterben bedrohte Feldrittersporn traucht hin und wieder auf und bereichert die Palette der Wildblumen um einen violetten Farbtupfer. Durch die ausgedehnten Forste führen markierte Rad- und Wanderwege. Zahlreiche von Wald umsäumte Seen vermitteln bei einer Bootsfahrt besonders schöne Eindrücke. Nur an ausgemachten Uferplätzen trifft man auf Urlauber und Badegäste.
So ein noch recht aktueller Eindruck (aus dem Jahr 2016). In dieser verschlafenen Landschaft wuchs eine so bedeutende geschichtliche Persönlichkeit auf wie Otto von Bismarck. Und ebenso viele andere Angehörige des vormaligen "ostelbischen Adels", der ein Preußentum verkörperte, an dem sich zumal im 20. Jahrhundert die Geister schieden. Hier stammen die berühmten "Ziethen-Husaren" her ebenso wie berühmte preußische "Kürassier"-Regimenter. Es sei nur angedeutet, daß in dieser verschlafenen Landschaft Schwerindustrie ebenso beheimatet ist, wie Optik und Chemiefaserwerke. Daß es sich aber vor allem um ein Land von Bauern und Fischern handelt. Das Land, wo man "Kartoffeln mit Stippe" aß, und wo die Namen der lang hingestreckten Straßendörfer auf "-itz" und -"ow" enden, wo einstmals Theodor Fontane gewandert ist, und wo sich heute Naturschutzgebiete befinden wie das "Westhavelland" benannte.

Nach 1941 war auch der Alltag in dieser vergleichsweise abgelegenen Gegend neben Urlaubsidylle beherrscht von Einberufungen, sowie von dem Beobachten der allnächtlichen, auf Berlin anfliegenden Bomberverbände. Russische Kriegsgefangene kamen auf fast jeden größeren Hof als Arbeitskräfte. Die Kinder freundeten sich häufig mit ihnen an. Die eigenen Väter standen zur gleichen Zeit oft "im Felde" und sahen ihre Kinder nur selten (15). Einer der Helden dieser Zeit hieß Werner Mölders, ein berühmter Jagdflieger, nach dem eine Schule in Brandenburg benannt wurde. Fast jede Familie hatte den Verlust von Angehörigen zu beklagen. Im Dorf Bahnitz waren das etwa folgende Personen (31):
  • Walter Siebert - Kam am 4. Dezember 1941 vor Moskau ums Leben.
  • Adolf Sengespeick gilt seit dem 3. November 1942 in Nordafrika als vermißt.
  • Adolf Schütze (geb. 1922) kam am 18. Januar 1943 im Kaukasus ums Leben.
  • Erwin Lux (geb. 1911) und Erwin Altenkirch (geb. 1912) gelten seit dem Fall von Stalingrad als vermißt. Sie sind also entweder in den Kämpfen oder in den nachherigen furchtbaren Lagern ums Leben gekommen.
  • Otto Wittenborn (geb. 1909) gilt seit 1944 in Rumänien als vermißt.
  • Gerhard Gantzer kam am 21. Dezember 1944 in der Ardennen-Offensive ums Leben.
  • Der Obergefreite Walter Bärmann (geb. 1902) kam am 13. Januar 1945 in Bjerzichowo in Weißrußland ums Leben.
  • Als gefallen oder vermißt gelten weiterhin die Bahnitzer Max Wedel (geb. 1886), Fritz Griese (geb. 1924), Otto Zietemann (geb. 1915), Karl Rohrschneider (geb. 1916) (Ort und Datum sind vorderhand nicht bekannt).
  • Otto Krüger (geb. 1908) starb in russischer Kriegsgefangenschaft bei Moskau.
Spätestens mit dem Kriegseintritt der USA schwante vielen Deutschen, dass dieser Krieg ebenso ausgehen könnte wie der Erste Weltkrieg. Die USA unterstützten mit großen Materialmengen die Sowjetunion und Großbritannien.

1943/1944: Behelfsheime werden in allen Dörfern errichtet

Abb.3: Ausgestellt am 3.7.1944
(als Beispiel)
Abb. 2: Baukarte von 1944
Die in den Städten Ausgebombten und Evakuierten mussten auf dem Land untergebracht werden. Hierfür gab es in der Zeit von 1943 bis in die 1950er Jahre in fast allen Ortschaften "Behelfsheime". Spätestens 1944 mußte jedes Dorf ein solches "Behelfsheim" für ausgebombte Familien errichten (19-25). In Bahnitz wurde ein solches errichtet an der Dorfseite des Friedhofes am Ortseingang (im Dreieck zwischen den Wegen nach Möthlitz und nach Jerchel). Heute ist es längst abgerissen.

Abb. 4: Behelfsheim bei Duisburg (1944) (als Beispiel)
Das Behelfsheim, das im Dorf Knoblauch errichtet worden ist (drei Kilometer südlich von Nitzahn), ist noch heute neben dem dortigen Friedhof erhalten (siehe Abb. 5).

(Es stellt sich übrigens die Frage, ob es nicht unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. In anderen Bundesländern sind solche Behelfsheime schon in Freilichtmuseen für die Nachwelt erhalten worden. Die Thematik der Behelfsheime gibt wohl für nachgeborene Generationen überhaupt einen guten visuellen Eindruck von der durch und durch "provisorischen" Zeit zwischen 1939 bis 1950, in der Millionen Menschen in provisorischen Unterkünften wie Behelfsheimen und Mannschafts-Baracken lebten.)

Abb. 5: Behelfsheim im Dorf Knoblauch (Zustand im August 2011: "zu verkaufen")
(eigene Aufnahme)
Im Juni 1944 landeten dann die Engländer und Amerikaner in der Normandie, während es gleichzeitig im Osten zum Zusammenbruch der "Heeresgruppe Mitte" kam.  Die Fronten bewegten sich nun von Westen und Osten auf die deutschen Reichsgrenzen zu. Im November 1944 wurde der Volkssturm auch in den Haveldörfern aufgestellt. Zum Führer des Volkssturmes in Bahnitz wurde - offenbar - der dortige Lehrer der Volksschule Hermann Pape ernannt (30).

Anfang 1945 überschritt der Landkrieg dann - erstmals wieder seit 1914 - von Osten und von Westen die Grenzen des Deutschen Reiches. Überall in den Ortschaften richtete man sich auf örtliche Verteidigung ein. Es gab viele Menschen, die bereit waren, „bis zum letzten Atemzug“ zu kämpfen. Menschen mit skeptischeren, kritischeren Einstellungen äußerten sich nicht offen. Das hätte sonst schlimme Folgen für sie haben können.

Der Krieg nähert sich den Dörfern

Abb. 6: Ehemalige Schützengräben bei Bonn um 1947
(als Beispiel) 
Am 9. Februar 1945 schreibt die 50-jährige Agathe Zander (1894-1945), Ehefrau des Bürgermeisters und Ortsvorstehers von Nitzahn, sowie Bäuerin eines über 50ha großen Hofes dasselbst an eine Verwandte (zit. n. Zander, S. 14):
"Aber wer weiß, wie lange wir hier noch sein können, denn der Russe nähert sich uns bedenklich. Was sind da 150 km. Wir erleben hier täglich die Tragödien der zurückflutenden Menschen aus dem Osten. In schier endlosen Wagenkolonnen kommen sie angezogen und wollen alle über die Elbe. Jeden Abend haben wir ca. 50 Pferde und 100 Menschen unterzubringen und zu verpflegen. (...) Wenn man die Menschen sieht, dann kommen einem die Tränen (...). Ein Bild des Jammers. Vielleicht geht es uns auch recht bald noch so. Ich möchte ja nicht weg und bin der Ansicht, wir können westlich der Elbe ja auch nicht existieren. Es gibt ja bestimmt eine Hungersnot. Aber da wird man wohl kaum danach gefragt. Also denkt an uns, wenn die Russen in Berlin sind. Wer hätte das gedacht? Also alles Gute! Gott behüte Euch! Herzliche Grüße von Euren Zanders."
Einen Tag später schreibt ihre 52-jährige unverheiratete Schwägerin Else Zander (1892-1945) aus Nitzahn an eine Verwandte (zit. n. Zander, S. 14f):
"Wann wird dieses entsetzliche Morden wohl ein Ende haben und was wird noch kommen? Wir sind hier sehr in Sorge, dass wir auch noch Haus und Hof verlassen müssen, es heißt hier, bis zur Elbe muss geräumt werden, wo sollen wir nur noch hin, denn alles ist doch hier vollbelegt mit Evakuierten und täglich verpflegen wir große Trecks vom Osten, die dann nachts hier bleiben und morgens weiter fahren. Ach, dieses unsagbare Elend, was die Leute durchgemacht haben und wie sie auf ihren Wagen ankommen, es ist nicht zu beschreiben. 3 Wochen sind sie so unterwegs, es geht schon die ganze Woche (?) so, alle Straßen sind überfüllt mit den Trecks und tagsüber dauernd Fliegeralarm, die armen Menschen! Sie kamen aus dem Kreis Gnesen, dazu oft Regenwetter und erst die entsetzliche Kälte. 2 Stunden hatten sie Zeit zu packen, da waren die Russen schon oft drin als sie kaum raus waren aus den Dörfern.
Die Flieger hausen hier jetzt ordentlich. Am letzten Sonnabend kamen tausende von Flugzeugen hier rüber geflogen, so viel sahen wir noch nie und haben Berlin ordentlich heimgespielt und soll furchtbar gewesen sein. Auch Magdeburg ist total hin und die Elbebrücken auch, sie sind Tag und Nacht hier, es wird im Wehrmachtbericht nur erwähnt, wenn es schlimm ist. Gestern war es in Magdeburg mittags auch wieder toll. Wenn wir weg müssen, wollen wir nach Dedeleben oder nach Gotenz zu Hellmut N. (Bruder von Agathe). (...) Wer weiß, wie schnell und bald wir auch alles im Stich lassen müssen! Man darf gar nicht darüber nachdenken."
Und zehn Tage später am 20. Februar (zit. n. Zander, S. 15):
"Es wäre ja auch ein Jammer, wenn wir Haus und Hof verlassen müssten, der nächstes Jahr 300 Jahre in der Familie ist und dann den Feinden in die Hände fiele. Der Volkssturm muss hier auch schon schanzen bei B. (Bahnitz) an der Havel. Jetzt kommen auch in alle Nachbardörfer Soldaten hin. Nitzahn blieb noch bisher frei. (...) Hoffentlich hält die Front nun, wer weiß, was sonst aus uns wird und wie wir ums Leben kommen. (...) Eure Else."
Diese Familien-Briefe hat der 1950  geborene Enkelsohn C. F. Zander veröffentlicht.

Zur Verteidigung eingerichtet

Über die Verteidigungsvorbereitungen heißt es in der Chronik des Dorfes Möthlitz (1):
„Im Frühjahr mußten alle Orte, so auch Möthlitz, zur Verteidigung hergerichtet werden. An jedem Ortseingang wurde eine Panzersperre errichtet. Rund um den Ort wurden Schützenlöcher ausgehoben. Diese Arbeiten und auch die spätere Bewachung mußte der Volkssturm übernehmen. Dazu gehörten die noch im Ort verbliebenen Männer bis 60 Jahre. Ihre Ausrüstung und Bewaffnung war mangelhaft und improvisiert. Es war das letzte Aufgebot zur Verlängerung des Krieges.“

Eine damalige Bahnitzerin (Christel D.) musste Splittergräben auf dem Feld von Bahnitz aus gesehen Richtung Schleuse ausgraben und dabei wurden sogar vorgeschichtliche Urnen gefunden. Der hier befohlene Einsatz von Volkssturmmännern führte dazu, daß unter den letzten Opfern des Krieges auch viele Menschen dieses Personenkreises gehörten.

Abb. 7: Panzersperre bei Görlitz 1945 (als Beispiel)
Auf den Dörfern waren in viele Bauernhöfen schon Kinder und ältere Leute aus der Verwandtschaft in den Städten aufgenommen worden. Zum Teil handelte es sich um Ausgebombte. Auf den Dörfern lebten also zu jener Zeit überall Menschen ganz verschiedener Herkunft zusammen. Und die Bevölkerungszahl war gegenüber Friedenszeiten oft verdoppelt. Ab 20. Februar kam dann in die Dörfer, wie wir hörten, Militär.

Um so näher die Fronten kamen, um so dringender bereiteten sich die Menschen auf das Kommende vor. Man hörte ja von den Flüchtlingen, wie es denen erging, die zu Hause blieben und in den Machtbereich der sowjetischen Armee gelangten. Man hoffte auf das Vorrücken der Amerikaner über die Elbe hinaus.

In aller Heimlichkeit wurden nachts auch Besitztümer und Jagdwaffen im Garten vergraben. Es wurden Dokumente und Unterlagen verbrannt, die als politisch belastend hätten eingestuft werden können. Oft verbrannten die Frauen ganze Bibliotheken ihrer Männer, die irgendwo an der Front Dienst leisteten oder schon gefallen waren oder sich in Kriegsgefangenschaft befanden. Vieles mußten die Frauen allein entscheiden.


B. "Wenck, wo bleibt Wenck?"

Ende April 1945 wurden mit dem „Kampf um Berlin“ und mit der Eroberung des Ruhrgebietes die deutschen Fronten im Osten und im Westen immer mehr in Richtung Elb-Havel-Winkel gedrückt. Die amerikanischen Truppen, auf die sich die Menschen auch östlich der Elbe Hoffnungen gemacht hatten, blieben aber bei Magdeburg und Tangermünde an der Elbe stehen. Dadurch konnten verbliebene deutsche Truppen und Stäbe, die zuvor im Westen gegen die Amerikaner und Engländer gekämpft hatten, und die sich bis hinter die Elbe hatten absetzen können, noch einmal nach Osten gewendet werden.

Aus diesen wurde die 12. Armee des Generals Wenck gebildet. Diese sollte auf Befehl Hitlers das von der Roten Armee eingeschlossene Berlin noch in letzter Minute befreien. Im historisch ziemlich genauen Kinofilm „Der Untergang“ wird dargestellt, wie das Staatsoberhaupt in seinen letzten Lebenstagen im Bunker in der Reichskanzlei in der Wilhelmsstraße alle seine Hoffnungen auf diese „Armee Wenck“ setzte und wie es immer wieder wie wahnsinnig schrie: „Wo bleibt Wenck? Warum kommt Wenck nicht?“ Wie ist dieses Verhalten zu erklären? Hitler, Goebbels, Himmler, Heß und viele andere in der Führungsebene haben ihr Leben lang viele Kontakte zu den verschiedensten Astrologen gehabt haben sich von diesen politisch beraten lassen (32).

Es gab eine bis heute wenig bekannte "Deutsche Gesellschaft für wissenschaftlichen Okkultismus", die noch in den 1940er Jahren die Aktivitäten der Okkultberatung der militärischen und politischen Führung des Deutschen Reiches koordinierte (32). Und man hatte die Führungsebene zuvor schon mit vielen "Voraussagen" "angefüttert", die auf "wunderbare Weise" in Erfüllung gegangen waren (etwa die Machtübernahme, das Elser-Attentat und andere). So dass ein vergleichsweise großes Vertrauen zur Astrologe entstanden war. Und diese Astrologen hatten gesagt, dass es ab 1941 abwärts ginge mit Deutschland, ab 1945 aber wieder "aufwärts" (32). Deshalb hofften insbesondere Hitler und Goebbels - gut bezeugt - noch in diesen Endtagen des Krieges auf ein zweites "Wunder", "Mirakel des Hauses Brandenburg" wie es ein solches am Ende des Siebenjährigen Krieges gegeben hatte, sie hofften auf ein Auseinanderbrechen der Anti-Hitler-Koalition in letzter Minute. Die Astrologen hatten vergessen zu erwähnen, dass es zwar nach 1945 wieder aufwärts ginge, allerdings in anderer personeller Besetzung ... Ihre Aktivitäten waren vielfach eingebunden in die Aktivitäten völkischer Okkultlogen oder überschnitten sich mit diesen.

Abb. 8: Durchbruchkämpfe in Hennickendorf
- Abgeschossener T34/85 (aus: 18)
Den fünf größtenteils aus rückwärtigen Einheiten, Ausbildungs- und Reichsarbeitsdienst-Einheiten neu aufgestellten Angriffsdivisionen der Armee Wenck mit den Namen Jahn, Hutten, Scharnhorst, Körner und Schill, die alles das in der Führungsebene nicht ahnten, gelang es nur noch, bis kurz vor Potsdam vorzustoßen. Sie kamen bis zu den Orten Petzow und Caputh. Dadurch konnten sie wenigstens noch Teile der in Potsdam eingeschlossenen Korpsgruppe Reymann und südlich davon die Reste der aus dem Kessel von Halbe ausgebrochenen 9. Armee aufnehmen. Zu weiterem Vordringen reichte die militärische Kraft nicht mehr.

"Völkerwanderung" über die Havel

Abb. 9: Flüchtlingstreck in Scheuerfeld (als Beispiel)
Der Besitzer des Gutes von Kützkow an der Westseite der Havel, gegenüber der Ortschaft Pritzerbe (siehe Abb. 1), ein Hermann von Schnehen, berichtet, was sich während des „Kampfes um Berlin“ in den noch nicht von der Roten Armee besetzten Gebietsteilen abspielte (2, S. 112):
„Am 20. April 1945 erreichte die Völkerwanderung der Vertriebenen und Flüchtlinge ihren Höhepunkt! (...) Menschenmassen strömten über die Havel nach Kützkow, ließen sich im Schloß, im Park, in den Scheunen und Ställen nieder. Die Fähren fuhren ohne Pause hin und her, zum Überschwappen voll! Mir lief jede Organisation aus dem Ruder, so daß ich alles duldete, was da auf mich zukam!“ 

An der Havel zwischen Pritzerbe und Kützkow ist die landschaftlich schön gelegene Autofähre noch heute rege in Betrieb. An dieser Stelle ging schließlich auch General Wenck mit seinem Armeegefechtsstab über die Havel zurück. Nachdem klar geworden war, daß ein weiteres Vorstoßen nach Berlin nicht durchführbar war (1):
Abb. 10: Flüchtlingstreck in Altötting (als Beispiel)
„Am 28. April 1945 verließ das Oberkommando der 12. Armee unter General Wenck seinen Gefechtsstand in Seelensdorf bei Pritzerbe und setzte sich nach Genthin ab. Zuvor waren viele Flüchtlinge und Angehörige der zerschlagenen Einheiten der Wehrmacht bei Pritzerbe und Tieckow mit den Fähren über die Havel gekommen und in Richtung Elbe weitergezogen. Die Havellinie war anfangs nicht von der Wehrmacht besetzt, lediglich der Volkssturm führte Patrouillen durch.“

Der Gefechtsstand von General Wenck lag dann, das soll hier gleich vorgreifend erwähnt werden, vom 30. April bis 5. Mai im Dorf Klein-Wulkow, vom 6. bis 7. Mai im Dorf Klietznick auf dem Hof des Bauern Dertz (3). Mit einem Schlauchboot setzte General Wenck dann am 7. Mai gegen 17 Uhr unter russischem Beschuß als einer der letzten Soldaten seiner Armee bei dem Dorf Ferchland über die Elbe zu den Amerikanern über. - Dies nur als Vorgriff. Zurück zu dem Geschehen an der Havel eine gute Woche zuvor.

Zeitzeuge Gutsbesitzer Hermann von Schnehen schreibt in seinen Erinnerungen (2, S. 112): „Das Havelufer war bunt belebt wie ein Jahrmarkt. (...) Abschaum trieb nach oben wie in einem stinkenden, schmutzigen Gewässer!“ 
 
Abb. 10a: Einsatz-Skizze der 309. Inf.Div.

Alarmeinheiten gehen in Stellung

Der Havel entlang wurden nun Alarmeinheiten der Wehrmacht aufgestellt. Ihre Aufstellung ist der "Einsatzskizze der 309. Inf. Div.", der Division, die den Abschnitt nördlich von Bahnitz und südlich von Rathenow verteidigte zu entnehmen" (siehe Abb. 10a). Der Gutsherr von Kützkow, von Schnehen, berichtet von einem sich als „Kampfkommandant“ ausgebenden angeblichen „Ganoven“, der zugleich aktiver Parteigenosse der NSDAP gewesen sei, und der dann „in der Nacht“ (wohl in den Morgenstunden des 4. Mai) mit den von ihm beschlagnahmten Kassen des Gutes geflohen sei (siehe unten) (2, S. 112). (Hierbei handelt es sich möglicherweise auch um eine teilweise sehr persönlich gefärbte Erinnerung dieses Gutsbesitzers.) Der Dorfchronik von Möthlitz ist dazu zu entnehmen (1):
„Ende April 1945 bezogen Alarmeinheiten der Wehrmacht an der Havel Stellung. Der“ (Bataillons-?) „Gefechtsstand dieser Einheiten befand sich in der Kützkower Schäferei (Vorwerk), welches heute nicht mehr existiert.“
Und der Ortschronik Fohrde (4, S. 36):
"Deutsche Wehrmacht sprengt am 28. April 1945 die beiden Brücken zwischen Fohrde und Pritzerbe."
Über diese läuft noch heute der Kraftwagen- und Schienenverkehr zwischen Rathenow und Brandenburg. Und:
"Im April 1945 befinden sich bis zu 300 Evakuierte, meist Berliner im Dorf. Vom 30. April zum 1. Mai 1945 erreicht eine Stoßspitze der Roten Armee Fohrde. Die Deutsche Wehrmacht hatte sich zuvor über die Havel abgesetzt. Es kommt zu keinen Kampfhandlungen."

Den Menschen und Truppen im abseits gelegenen Havelbogen am westlichen Havelufer blieben nun noch ein paar Tage Verschnaufpause. Noch wurden die sowjetischen Hauptkräfte gebraucht, um den Ring um Berlin bei Potsdam zu schließen und die hier durchbrechenden deutschen Verbänden zu bekämpfen. In innerer Anspannung stellte man jedoch auch weiter nördlich an der Havel die Frage, an welchen Stellen die Rote Armee zuerst versuchen würde, über die Havel zu setzen. An der Fährstelle bei Milow - westlich von Premnitz - (s. Abb. 10a) begann dies mit Kämpfen am 3. Mai.

General Karl Arndt

Abb. 11: General Karl Arndt
Das der 12. Armee unterstellte 39. Panzerkorps war in den letzten Kämpfen der Westfront von den Amerikanern auf die Elbe zurückgedrängt worden. Am 26. April hatte der Ritterkreuzträger Generalleutnant Karl Arndt (1892-1981) (Wiki) die Führung dieses Korps übernommen (Abb. 11 und 12). Sein Manuskript zu den weiteren Vorgängen zwischen Havel und Elbe, offenbar erstellt in amerikanischer Kriegsgefangenschaft auf Veranlassung der amerikanischen militärgeschichtlichen Abteilung, liegt in den „National Archives“ in Washington D.C. (erstellt in der Reihe „Foreign Military Studies, Historical Division, US Army in Europe“). Es wäre sicherlich sinnvoll, dasselbe für die folgende Darstellung auszuwerten, bzw. zu veröffentlichen. 

Diese Korpsgruppe hatte am 29. April höchstens noch Divisionsstärke (5, S. 222). Am 1. Mai übernahm General Arndt mit dem Stab des 39. Panzerkorps die Führung der Havelfront von Rathenow bis Brandenburg und die Führung der nicht mehr kämpfenden Elbefront von Havelberg bis Tangermünde. Sein Korpsgefechtsstand befand sich vom 1. bis 7. Mai in dem Dorf Sydow bei Zollchow. Also nördlich des Havelbogen bei Tieckow. Ihm standen zunächst zwei Divisionen zur Verfügung (jeweils dem Namen, nicht der Ist-Stärke nach). Die eine bestand aus vier, die andere aus zwei Regimentern:

Abb. 12: General Karl Arndt
Die 309. Infanteriedivision (Berlin) mit drei Infanterie- und einem Artillerieregiment verteidigte Rathenow und Abschnitte nördlich davon bis Havelberg in schweren Kämpfen gegen starke sowjetische Angriffe. (Der Ort des Divisionsgefechtsstandes ist noch zu ermitteln.)

Die Division Konitzky mit zwei Infanterie- und einem Artillerieregiment verteidigte mit einem Regiment Brandenburg und mit einem weiteren die Havel bis südlich Rathenow (der Ort des Divisions-Gefechtsstandes ist auch hier noch zu ermitteln. Er könnte bei Plaue gelegen haben) (6, S. 98):
„Die angegebenen Frontabschnitte waren laut Weisung vom Armeeoberkommando 12“ (General Wenck) „so lange zu halten, bis die Korpsgruppe Reymann (aus Potsdam) und die Reste der 9. Armee gerettet waren. Später sollte gegenüber den Amerikanern kapituliert werden.“
Das war ein in seiner Logik leicht nachzuvollziehender Auftrag. Das Korps sollte den Rückzug der 12. Armee zur Elbe decken (6, S. 98): „Die Division Konitzky bestand aus zwei Infanterie-Regimentern zu je zwei Bataillonen, von denen das eine Regiment aus Magenkranken bestand und daher nur bedingt einsatzfähig war.“ Möglicherweise befanden sich unter diesen auch Angehörige der spanischen „Blauen Division“ (250. Infanteriedivision) mit einem „schneidigen Leutnant“, der im Dorf Bahnitz an der Havel den Befehl übernahm (7). (Die spanische „Blaue Division“ hatte ihre eigene Geschichte hinter sich, die noch zu rekapitulieren wäre.)

Zu einem Angehörigen des Magenkranken-Regiments, der dann bei der Fährstelle Tieckow am 4. Mai gefallen ist, haben wir im Januar 2017 in einem Kommentar zu diesem Blogbeitrag mehr erfahren könnten. Dieser lautete:
"Einer der 8 unbekannten Soldaten im Grab in Abb. 17 ist mein Großvater. Er diente im Ers. u. Ausb. Btl. (M) 287 (M für Magenkranke). Dieses Bataillon wurde am 20. Mai 1944 in Wien (Wehrkreis XVII) aufgestellt. Es entstand durch Verfügung vom 30. April 1944 zur Erfassung magenkranker Soldaten des Wehrkreises XVII, unterstand der Division 177 und wurde am 25. März 1945 in Rahmen der Ostgoten-Bewegung in Wien mobil gemacht. Die letzte Feldpostkarte ist datiert vom 30.3./1.4. 1945 aus Döberitz nahe Berlin, mit Bemerkung 'werden heute abgezogen, wohin weiß ich noch nicht'. Die Bestätigung der Grabstelle meines Großvaters 'Kommunalfriedhof Pritzerbe, Ortsteil Kützkow' erfolgte am 1. April 1954 durch den 'Suchdienst für vermisste Deutsche in der DDR, Berlin' und 2013 durch die 'Deutsche Dienststelle (WASt)' in Berlin sowie das zuständige Amt für Sicherheit und Ordnung Beetzsee."
Also sogar aus Wien konnte man in diesen letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges noch als Soldat bis in eine abgelegene Region an der Havel verschlagen werden. Am nordöstlichen Rand des Dorfes Bahnitz (im sogenannten „Ausbau“) fiel während der späteren Kampfhandlungen auch ein Berliner Oberleutnant (siehe unten). Bei ihm handelt es sich sicherlich um einen weiterer Zug- oder Kompanieführer der Wehrmacht-Einheiten, die im Dorf Bahnitz Stellung bezogen hatten, oder die sich von Kützkow aus während der Kampfhandlungen zurückzogen.

Die Havel als natürliches Hindernis

Für die „große“ Kriegsgeschichte sind die Dörfer im Havelbogen nur Nebenkriegs-Schauplatz: „Die Verteidigung der übrigen Front der Division“ (Konitzky) „- nördlich Brandenburg bis südlich Rathenow - war deshalb relativ problemlos“ (- bzw. wurde so eingeschätzt), „weil sie die Havel und ihre sumpfigen Ufer als unmittelbares Hindernis vor der eigenen Front hatte. Daher wurde hier das Magenkranken-Regiment eingesetzt.“ (6, S. 99)

Der eben zitierten Studie sind sonst keine weiteren Auskünfte zur Verteidigung der Havellinie zwischen Brandenburg und Rathenow zu entnehmen. Friedensmäßig besteht ein Regiment aus zwei Bataillonen zu je grob 500 Soldaten, die durch je eine Feldküche versorgt werden. Da die Einheiten, wie oben erwähnt, drastisch zusammen geschmolzen waren, könnte man mit je nur 250 Soldaten rechnen.
Abb. 12a: Einsatz-Skizze der 309. Inf.Div. (Ausschnitt von Abb. 10a)
Zwei Bataillone zu je 250 Soldaten, also 500 Soldaten, so könnte man grob annehmen, verteidigten die Linie zwischen südlich Rathenow und nördlich Brandenburg. Für die Ortschaft Milow wird an anderer Stelle eine SS-Einheit von etwa 100 Mann erwähnt, die schließlich „kampflos“ abgezogen sei (8). Es könnte sich um ein auf Kompaniestärke zusammengeschmolzenes Bataillon gehandelt haben. Ähnliches wird auch für das Dorf Bahnitz, das Gut Kützkow und die Fährstelle Tieckow zu gelten haben, die dann jeweils auch eine Feldküche mit sich geführt haben dürften.

Auf der Einsatz-Skizze der 309. Infanterie-Division (Abb. 12a) ist zu erkennen, dass ein Bataillon an der Havel bei Marquede (nördlich von Bahnitz) in Stellung lag, ein Bataillon im Dorf Bahnitz in Stellung gegangen war und ein weiteres an der Fährstelle Tieckow in Stellung lag. Für das Gut Kützkow ist keine eigene Einheit eingetragen.

Über Fährstelle Tieckow wurde dann schließlich der sowjetische Angriff vorgetragen. Denn die südlicher an der Havel gelegenen Ortschaft Plaue wurde mit der dort verlaufenden Hauptrückzugsstraße noch erbittert von dem Nachbarregiment und anderen Einheiten der 9. Armee verteidigt. Es ist noch zu klären, wie überraschend der Angriff bei der Fährstelle Tieckow für die dortigen Einheiten kam, oder ob er dort erwartet worden war.

Verteidigungs-Vorbereitungen auf dem Gut Kützkow an der Havel

Zivilbeobachter überschauten die größere Lage nicht und gaben darum dem von ihnen beobachteten Handeln von Soldaten vor Ort eine Bewertung, die mit dem übrigen Geschehen nicht besonders leicht in Einklang zu bringen sein muss. Sie erfahren ja auch nicht die jeweils gegebenen Befehle im Wortlaut.

Abb. 13: 16-Jähriger beim Volkssturm
(1944)
Die Schwester des schon angeführten Gutsbesitzers Hermann von Schnehen in Kützkow, Ilse von Bismarck (geborene von Schnehen), schreibt von Hitlerjungen-Einheiten. Dabei könnte es sich wiederum um vielleicht hundert Jugendliche gehandelt haben: „Im Kützkower Schloß, meinem Elternhaus, hatte sich der Werwolf verbarrikadiert.“ Und weiter: „Als es brenzlich wurde, verdrückten sich diese fanatischen Leute.“

Etwas anderes als Abzug wird ihnen ab einem bestimmten Zeitpunkt auch gar nicht übriggeblieben sein. Denn diese Zeitzeugin schreibt ja auch weiter: „An der Havel“ - sie meint sicherlich die südlich gelegene Fährstelle Tieckow - „ tobte der Kampf“ (9, S. 138). Dort lagen, so ist zu vermuten, ebenfalls vielleicht 100 deutsche Soldaten in Verteidigung. Sie erlitten nicht unbeträchtliche Verluste, als der sowjetische Angriff dort unter Einsatz schwerer Waffen über die Havel vorgetragen wurde. Die dortigen 14 Gefallenen liegen heute auf dem Friedhof in Kützkow begraben, darunter, wie gesagt, auch ein Wiener.

Nachdem an der Fährstelle Tieckow der Kampf entschieden war, ist an anderen Stellen ein Widerstand sicherlich als sinnlos erkannt worden. Denn von dem Havelknie Kützkow aus konnte man nur über Bahnitz und Möthlitz noch herauskommen, wenn man hier nicht abgeschnitten werden wollte. Die (wohl etwa 100) Hitlerjungen im Gut Kützkow erwähnt auch der unverheiratete Bruder Hermann von Schnehen in seinen Erinnerungen (siehe unten). Aber auch bei ihm stehen im Vordergrund der Erinnerung eher Umstände, die nicht aus der Gesamt-Lage abgeleitet sind. Hier steht der angebliche „Ganove“ im Vordergrund, der als Militärkommandant eingesetzt war (2, S. 114): 
„Über Nacht quartierte sich dann mit überheblicher Miene und ohne Vorwarnung ein ganz fieser Militär-Kommandant ein, der Zivilisten und Flüchtlinge für das Graben von Schützengräben anforderte. Er führte sich rigoroser auf als wenig später die Russen.“ 

Wo der Regimentsgefechtsstand des Regimentes der „Magenkranken“ zwischen Rathenow und Brandenburg lag, ist noch zu ermitteln. Vielleicht bei Plaue. Ebenso ist zu ermitteln, welche artilleristische Unterstützung es an der Fährstelle Tieckow und auch sonst für die deutschen Verteidiger gab. Da in Bahnitz ein Flakgeschütz stationiert war (15), darf man ähnliches auch von anderen Uferstellen vermuten, etwa für die Fährstelle Tieckow oder für das Gut Kützkow.

Zu ermitteln wären auch die Befehle, ob es sich um Haltebefehle oder Abzugsbefehle gehandelt hat. Der Befehlsweg jedenfalls ging von General Wenck in Klein-Wulckow über General Arndt in Sydow zum Gefechtsstand der Division Konitzky, der vielleicht in Plaue lag, hinunter zu den „Bataillonen“ (eigentlich Kompanien) in den Dörfern Bahnitz und an der Fährstelle Tieckow. Die Meldewege gingen dann über die gleichen Wege zurück zu den „höheren“ Befehlsstellen.

Aus der Ortschronik des Dorfes Tieckow ist zu erfahren (4, S. 92f): 
"In den letzten Kriegstagen vom April 1945 setzte die 'Heufähre' die Einwohner von Tieckow zur anderen Havelseite über. Die deutsche Wehrmacht räumte das Dorf und die größte Zahl der Bürger siedelte für Tage nach Bahnitz und Nitzahn. Dann wurde die Fähre von den Soldaten versenkt."

Verteidigungsvorbereitungen im Dorf Bahnitz

Abb. 14: Vierlings-Flak-Geschütz
Im Dorf Bahnitz standen zwei Vierlings-Flakgeschütze, Kaliber 3,7 cm, zwischen den Pappeln am Havelufer rechts von der Ablage. Sie konnten bis zur Fährstelle bei Milow hinüber schießen und dann wohl auch bis zur Fährstelle Tieckow. „Direkt in der Mitte der Ablage wurde ein schweres MG postiert, der Schütze war durch eine dicke Mauer geschützt. Der Schwanebeck’sche Pferdestall wurde zur Munitionskammer und zum Vorratsraum umfunktioniert.“ (7) Von der heute noch schönen, höher gelegenen Bahnitzer Ablage aus hat ein Maschinengewehrschütze ein weites Schußfeld über die Havel hinüber. Es war naheliegend, diesen Umstand militärisch auszunutzen. Aber von dieser Seite sollte der entscheidende Angriff dann gar nicht vorgetragen werden.

Abb. 15: Vierlings-Flak-Geschütz
Truppen richteten sich möglicherweise (?) auch an der Bahnitzer Schleuse zwischen Bahnitz und Kützkow zur Verteidigung ein. Sie wurden später umgangen und hielten sich auf der Schleuse noch bis zum 8. Mai versteckt, bevor sie gefangengenommen wurden (15). (Es könnte sich aber auch um sonst versprengte Truppenteile handeln, die nach den Kämpfen von Berlin versuchten, noch in den Westen zu gelangen.)

Rückzug aus dem Raum Schwielosee-Belzig (1. Mai)

Die kampfkräftigeren Divisionen der 12. Armee, die unter Führung des 20. Panzerkorps den Angriff auf Potsdam geführt hatten, und die Teile der 9. Armee des Kessels von Halbe aufgenommen hatten, wurden ab dem 1. Mai nachmittags (zumeist in Nachtmärschen) nach Norden verschoben Richtung Genthin, Rathenow und Tangermünde, wo die Russen den Rückzug der 12. Armee zur Elbe gefährdeten. Dabei handelte es sich - wie oben schon angeführt - um mehrere neu gebildete Divisionen (die Divisionen Jahn, Körner, Scharnhorst, von Hutten und von Schill) mit insgesamt 100.000 Mann, sowie mit Sturmgeschützen und Artillerie. Auf dem Rückmarsch verteidigte die Division Schill mit ihren neu aus dem Panzerwerk Brandenburg bezogenen Sturmgeschützen zunächst (am 2. und 3. Mai?) die Stadt Brandenburg (5).

Kämpfe um die Ortschaften Plaue, Rathenow, Premnitz und Milow (3. Mai)
 
Am 3. Mai war die Rote Armee nur noch einen Tag vom Havelbogen hinter Kützkow entfernt. Die Bahnitzer Vierlingsflak schoß in Richtung der umkämpften Milower Fähre, die an diesem Tag von den Deutschen gesprengt wurde. Die Stadt Brandenburg hatte inzwischen geräumt werden müssen. Die Ortschaft Plaue, westlich von Brandenburg, wurde durch Teile der Division Jahn (Grenadierregiment 1) erbittert gegen starke russische Angriffe gehalten (5, S. 298). In Plaue konzentrierten sich alle Kampfhandlungen auf die Havelbrücke. Diese wurde einen Tag später von den Deutschen gesprengt.

Der sowjetischen Führung stellte sich die Frage, ob sie noch auf einem anderen Weg als über Plaue dem Rückzug der 12. Armee in den Rücken fallen konnte. Und auch für die Deutschen stellte sich die Frage, ob und wann die Sowjets noch an anderer Stelle versuchen würden, über die Havel zu setzen. Viele Einwohner von Plaue flüchteten in die angrenzenden Dörfer, nach Möthlitz und auch nach Bahnitz. Russische Granaten schlugen in dem Dorf Kirchmöser ein (10, S. 154) und nun sicherlich auch schon in die Dörfer weiter nördlich hinter der Havel.

Wann genau die ersten sowjetischen Granaten in Bahnitz einschlugen, ist den Unterlagen nicht zu entnehmen. Die erste jedenfalls traf in Bahnitz friedlich in der Sonne auf der Dorfstraße spielende Kinder. Der Beschuss könnte also schon am 3. Mai oder früher eingesetzt haben. (Er könnte aber auch nur am Tag der Einnahme selbst vor sich gegangen sein.) Ein zweijähriger Flüchtlings-Junge, der Sohn einer Berlinerin (Frau Scharschmidt) war nach dem ersten Granateinschlag sofort tot (7).

Viele Bahnitzer versuchten noch nach Westen über die Elbe zu flüchten. So die Bäuerin Johanna Bading (1912-1984, die Oma des Verfassers dieser Zeilen). Ihr Mann galt seit der Ardennen-Offensive als vermisst. Er befand sich, was die Familie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, in französischer Kriegsgefangenschaft. Auch sie fuhr mit ihren vier Kindern (11 bis 4 Jahre alt) mit dem Pferdefuhrwerk Richtung Elbe. Dasselbe taten die Großeltern Schwanebeck (7) und viele andere.

Aber schon auf der Fahrt dorthin erfuhren die Flüchtenden, dass die Amerikaner keine Flüchtlinge mehr über die Elbe lassen würden. Deshalb quartierte sich Johanna Bading in ihrem Elternhaus in dem Dorf Zollchow ein.

Der Bahnitzer Siegfried Laskowski war Soldat und lag mit seiner Einheit zufällig bei dem Dorf Knoblauch. Er erhielt die Erlaubnis, noch kurz in Bahnitz seine Familie besuchen zu dürfen. Viele kehrten damals schon nicht mehr zu ihren Einheiten zurück. Er tat es aber dennoch und zog dann mit seiner Einheit weiter Richtung Elbe. Das Dorf Knoblauch lag auf einer der beiden Durchgangs-Straßen, über die die Divisionen und Regimenter der Armee Wenck sich Richtung Elbe absetzten.

C. Der 4. Mai auf den Dörfern im Havelbogen


Am Morgen des 4. Mai sollte der Roten Armee schließlich überraschend der Übergang über die Havel bei der Fährstelle Tieckow gelingen. Bis zum Abend, bzw. bis um Mitternacht nach Ende dieses Tages sollten sie von dort aus bis in die Dörfer Altbensdorf, Möthlitz, Kützkow, Bahnitz und Jerchel gelangen. Für diese Dörfer war also der 4. Mai der Tag der entscheidenden Kämpfe.

Die Kämpfe um die Fährstelle Tieckow

In den frühen Morgenstunden des 4. Mai erzwangen sich die sowjetischen Truppen den Havelübergang an der Fährstelle Tieckow (siehe Abb. 1). An der schmalsten Stelle der Havel befand sich bei dem Dorf Tieckow bis 1945 eine Bauernfähre ("Heufähre"). Heute ist sie lange aufgegeben. Die Fährstelle nutzten die Tieckower Bauern seit Jahrhunderten zum Erreichen ihrer Heuwiesen nordwestlich des Dorfes Bahnitz. Von der Fährstelle aus führt dorthin der so genannte „Tieckower Heuweg“, heute immer noch ein ungepflasterter, selten benutzter, einsamer Sandweg, der zunächst durch Wald, dann durch Felder führt. In der Tieckower Ortschronik heißt es (4, S. 42):
"Die Tieckower Wiesenflur reichte für die Viehwirtschaft der Bauern nicht aus. Man nutzte Wiesen auf der anderen Havelseite in der Nähe des Dorfes Bahnitz. Das Heu wurde mittels einer sogenannten 'Heufähre' übergesetzt."
Abb. 16: Soldaten bei einer Besprechung (Bundesarchiv)
Die Gegend des westlichen Havelufers und weiter von dort in den Wald hinein ist heute eine außerordentlich einsame Gegend. Flußaufwärts (nach Süden), da wo die Havel wieder etwas breiter wird, ist sie heute ausgewiesen für Wasser-Ski, wodurch tagsüber im Sommer manche Unruhe dort entsteht. Flußabwärts (nach Norden) gibt es viele sogenannte "Datschen", die sich am Havelufer entlang reihen. Im Wald, durch den man ans Ufer kommt, findet man außerordentlich selten Menschen vor.

Das heutige Westufer der Tieckower Fährstelle ist heute von Baumgruppen, sowie einer feuchten Schilf- und Wiesenniederung gesäumt. 30 Meter vom Ufer entfernt beginnt mit einer Bodenerhöhung der Wald. Im Randbereich dieses Waldes, insbesondere über den Bereich der ersten etwa 30 Meter nördlich des heutigen Tieckower Heuweges lagen an jenem 4. Mai 1945 die Granateinschläge der sowjetischen Artillerie dicht an dicht. Noch heute sieht man hier die Einschlaglöcher der Granaten von 1945. Heute wachsen dort etwa 60 Jahre alte Eichen, Kiefern und Birken. Aber auch der eine oder andere ältere Baum steht dazwischen.

Von dieser Bodenerhöhung aus, sichtgeschützt aus dem Wald heraus hatten die deutschen Verteidiger ein geeignetes Schussfeld auf die Havel und ihre beiden Ufer. Mit Gewehren, Maschinengewehren und Flakgeschützen werden sie sich hier zur Verteidigung eingerichtet haben. Von den sowjetischen Truppen wurde der Flussübergang mit Materialüberlegenheit artilleristisch vorbereitet. Schon während dieses Beschusses durch die Artillerie werden die deutschen Soldaten Verluste erfahren haben. Zum Zeitpunkt des sowjetischen Angriffes herrschte außerdem dichter Morgennebel, der den Verteidigern die Sicht entzog.

Die sowjetischen Einheiten werden dann mit Sturmbooten über die Havel gesetzt sein. (Oft haben sie in diesem Krieg aber auch mit wesentlich einfacheren Mitteln Flüsse überwunden. Zum Teil sogar bloß mit den Waffen schwimmend.) Viele Einzelheiten dieses Angriffs über die Havel sind der verwendeten Literatur nicht zu entnehmen. Der Havelübergang wurde aber von den sowjetischen Truppen in den 1960er Jahren in einer militärischen Übung noch einmal nachgestellt. Zu ihm wird es also Angaben in der russischen militärgeschichtlichen Literatur geben.

Offen bleiben muss einstweilen auch, wie stark die Deutschen Widerstand geleistet haben oder überhaupt leisten konnten, nachdem die sowjetischen Soldaten das Ufer erreicht hatten. Auch wie hoch die Verluste der russischen Truppen bei diesem Havelübergang waren und ob und wie viele von den deutschen Soldaten in Gefangenschaft gerieten, muss vorerst ungeklärt bleiben.

Abb. 17: Gutsfriedhof Kützkow
14 deutsche Gefallene aus diesen Kämpfen sind heute neben dem Dorffriedhof von Kützkow bestattet (siehe Abb. 17-19). Diesen deutschen Soldaten wird ein Ausweichen gar nicht erlaubt gewesen sein, da der Havelübergang einen Stoß in die Flanke der zurückgehenden deutschen Truppen darstellte.

Die Soldaten vor Ort und ihre übergeordneten Stellen wussten ja, dass die sowjetischen Truppen durch diesen Havelübergang den abziehenden deutschen Truppenteilen den Rückweg zur Elbe abschneiden wollten. Umso unerbittlicher werden die Befehle zum Ausharren gelautet haben.

Abb. 18: Gutsfriedhof Kützkow
Als Gefallene sind auf dem Kützkower Friedhof bestattet: Albert Schnidke, Wilhelm Jahner, Helmut Lehmann, Wilhelm Lenz, Karl Prochnow, Fritz Schäfer und Heinz Scholt. Außerdem acht unbekannte Soldaten, darunter der genannte Wiener.

Auf der Tafel für den Schützen Albert Schnidke ist auch die militärische Einheit angegeben, der er angehörte. Die Abkürzung könnte lauten: „107. Landesschützen-Ersatzbataillon, 2. Maschinengewehr-Kompanie“. Zu einem „Landesschützen-Ersatzbataillon 107“ finden sich  im Internet derzeit keine Angaben.

Stark zerschlagene deutsche Truppenteile, so wird kann man vermuten, werden sich dann noch - womöglich Widerstand leistend - aus ihren Stellungen zurückgezogen haben und auf das Dorf Möthlitz zurückgegangen sein.

Die Möthlitzer Dorfchronik wertete die persönlichen Aufzeichnungen des Möthlitzers Berthold Schulz aus. Berthold Schulz wurde 1929 geboren. Er war also damals 14 Jahre alt. Er berichtet (9):

Abb. 19: Gutsfriedhof Kützkow
„Im Morgengrauen des 4. Mai 1945, bei dichtem Nebel, erzwang die Rote Armee den Übergang“ (gemeint ist: über die Havel). Die Einheiten der Roten Armee stießen in zwei Richtungen vor, einmal entlang des Tieckower Heuweges in Richtung“ der Dörfer Kützkow und „Bahnitz und zum anderen (...) in den Möthlitzer Park. Gegen Mittag erreichten sie beide Orte.“ 

Im Wald an der Fährstelle Tieckow lagen noch in den 1950er Jahren militärische Ausrüstungsgegenstände, etwa durchlöcherte Stahlhelme. Als der Kampf um den dortigen Übergang über die Havel von den sowjetischen Truppen noch einmal in den 1960er Jahren nachgespielt wurde, machte ein Helmut Polanek heimlich Aufnahmen. (lt. Blasek 2.1.07 [?])) Außerdem ist über die Rückkehr der Einwohner des Dorfes Tieckow, die nach Bahnitz und Nitzahn ausgewichen waren, nach dem Ende der Kampfhandlungen zu erfahren (4, S. 42f):
"Die Rückkehr der Einwohner um den 3. - 5. Mai 1945, nach Kriegsende vollzog sich über eine Behelfsbrücke. Die sowjetischen Soldaten hatten diese nahe dem Steindamm über die Havel zum Übersetzen ihres Stoßtrupps, der über die Kolonie Tieckow das Dorf erreichte, zeitweilig errichtet."
Nun, dass es sich nicht nur um einen Stoßtrupp handelte, sondern um tausende von Soldaten, wird den folgenden Ausführungen noch entnommen werden können.

Das Gut Kützkow wird geräumt

Dem deutschen Militär, das in Kützkow lag, blieb nach diesem Havelübergang nichts anderes übrig, als Kützkow zu räumen. Der Kützkower Gutsbesitzer Hermann von Schnehen, der die militärische Lage nicht vollständig überblicken konnte, merkt abschätzig an (2, S. 114): „Bevor es aber zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm“ (dem von ihm als „widerlich“ empfundenen deutschen Kampfkommandanten von Kützkow) „und mir kam, zog er mit Hitlerjungen und Volkssturm unter Mitnahme von Wagen, Pferden und den Fahrrädern der Flüchtlinge feige“ (- ?) „von dannen, in Richtung Westen. Für die jungen Pimpfe (Jungvolk) und die alten Männer war das gewiss das Beste! Aber dieser widerliche Patron tat es bestimmt nicht ihretwegen!“ 

Granatbeschuss auf das Dorf Bahnitz

Abb. 20: Schweres deutsches Infanteriegeschütz (Bundesarchiv)
Nach den Erinnerungen der Familie ist Johanna Bading (siehe oben) am 4. Mai in der Frühe noch einmal allein nach Bahnitz zurückgekehrt, um nach den Tieren auf dem Hof zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt lag das Dorf schon unter Granatbeschuss. Eine Granate traf den 45-jährigen Paul Fahrholz tödlich direkt vor der Haustür seines Hauses am Havelufer. Eine andere Granate traf das Dach des Wohnhauses der Familie Bading und schlug bis in die Küche hindurch. Auch die Scheune auf diesem Hof hatte einen Treffer erhalten. Die Kirche erhielt mehrere Treffer. Eine Granate schlug nahe der Friedenseiche (an der Kirche) ein und verwundete mit einem Splitter den Bauern Adolf Sengespeick am Bein.

Nachdem die deutschen Militäreinheiten von dem Übergang der Russen an der Fährstelle Tieckow erfahren hatten, werden sie Abzugsbefehle erhalten haben oder sich auch schon ohne dieselben abgesetzt haben. Sie forderten Johanna Bading auf, den in ihrer Hofgarage stehenden PKW herauszugeben. Sie weigerte sich zunächst, setzte dann aber durch, dass der soeben durch einen Granatsplitter im Bein verwundete Adolf Sengespeick zumindest noch bis nach Milow in das Lazarett mitgenommen wurde. Dann verließ auch sie selbst wieder das kurz vor der Einnahme durch die Sowjets stehende Dorf. Sie erzählte immer, wie sie mit dem Pferdefuhrwerk gefahren sei - wahrscheinlich auf dem Weg von Bahnitz nach Jerchel (oder über Möthlitz und Nitzahn nach Jerchel?): Von der westlichen Seite hätten deutsche Geschütze über sie hinweg geschossen, von der östlichen Seite die russischen.

Auf der Abb. 10a ist eine Eisenbahnflak-Abteilung eingezeichnet, also ein Flakzug, der zwischen der Stadt Rathenow und Schönhausen, dem Geburtsort von Otto von Bismarck an der Elbe hin und herpendeln konnte. Auch von diesem könnte der Beschuss ausgegangen sein.

Von der Fährstelle Tieckow aus fächerten sich also die russischen Truppen auf und stießen sowohl Richtung Möthlitz als auch Richtung Kützkow vor. Sie überquerten in Kützkow die Havel in Richtung Pritzerbe und nahmen die Stadt am östlichen Ufer der Havel ein, deren Zufahrtsbrücken auf der östlichen Havelseite gesprengt worden waren. Die russischen Truppen drangen schließlich auch in Richtung Bahnitz vor.

Tote im „Ausbau“ von Bahnitz - "fast kampflose Einnahme"?

Abb. 21: Volkssturmmann vor Berlin mit Panzerfaust (als Beispiel)
Im Verlauf der nun beginnenden Rückzugsgefechte des magenkranken (?) Bataillons fielen in Bahnitz drei deutsche Soldaten. Zwei von ihnen sind auf dem Bahnitzer Dorffriedhof bestattet. Der dritte, ein Oberleutnant, wurde von seinen Angehörigen noch im Jahr 1945 nach Berlin umgebettet. Ob man also den richtigen Eindruck erhält, wenn in Erinnerungen von der „fast kampflosen“ Einnahme des Dorfes Bahnitz die Rede ist (7), wird infrage gestellt werden können. Außerdem wurden noch am 8. Mai 1945 einige gefangene deutsche Soldaten, die sich an der Havelschleuse (zwischen Bahnitz und Kützkow) versteckt gehalten hatten und abgeschnitten waren, durch das Dorf geführt.

Gefechte hat es also am 4. Mai zunächst um den „Ausbau“ am nordöstlichen Dorfrand von Bahnitz gegeben, von wo aus zurückgebliebene deutsche Einheiten russische Einheiten, die auf Bahnitz vordrangen, beschossen haben können. Davon bekamen die Menschen in den Kellern in der Dorfmitte wahrscheinlich nur wenig mit.

Man kann sich denken, dass zurückgebliebene deutsche Einheiten in den Gehöften des Ausbaus am Dorfrand nach Osten, nach Kützkow hin, mit Maschinengewehren das Feuer auf den Weg nach Kützkow eröffneten, nachdem sie dort gesehen haben, wie sich russische Einheiten auf einige hundert Meter dem Dorf genähert hatten. Diese mögen das Feuer erwidert haben. Auch die sowjetische Artillerie mag auf das Dorf geschossen haben. Dabei mag der Berliner Oberleutnant ums Leben gekommen sein.

Abb. 22: Gefallener deutscher Soldat
(1944)
Ein deutscher Soldat lag nach den Kämpfen auf einem der Ausbau-Höfe. Es soll ein Litauer (oder Spanier?) gewesen sein, wie Edith Thiedecke, die damalige Tochter des Ausbau-Hofes, später erzählt hat. Ein zweiter deutscher Soldat, der genannte Berliner Oberleutnant, lag auf dem Nachbarhof. In seiner Nähe lag auch der 40-jährige Walter Löbert aus Plaue. Er war hier vielleicht als Volkssturmmann eingesetzt gewesen. Er war bis 1942 Soldat in Russland gewesen, dann aber als Rüstungsarbeiter in Brandenburg "unabkömmlich" gestellt worden. Viele Einwohner Plaues waren bei Beginn der Kämpfe um Plaue am 2. Mai 1945 (?) in die nördlichen Nachbardörfer ausgewichen. Und Walter Löbert hatte in Bahnitz Verwandte, bei denen er unterkommen konnte (Krüger, Hof Nr. 9).

Tote auf dem Weg nach Jerchel

Die letzten deutschen Einheiten haben sich dann vermutlich durch das Dorf zum Friedhof hin zurückgezogen, um sich von dort durch den Wald nach dem Dorf Jerchel abzusetzen, bevor ihnen auch nach dort der Weg abgeschnitten werden konnte. Wenn russische Truppen von der Tieckower Fährstelle schon weit in Richtung Möthlitz vorgedrungen waren, dann war dieser Weg vom Bahnitzer Friedhof hinüber zum Jercheler Wald einzusehen und zu beschießen und möglicherweise nicht mehr leicht für die letzten, abziehenden, deutschen Soldaten zu überwinden.

Von der Friedhofsmauer am Südwestrand des Dorfes aus könnte die letzte Nachhut Feuerschutz für die nach Jerchel abziehenden Truppen gegeben haben und dadurch selbst unter Beschuss gekommen sein. Die deutschen Soldaten hatten sich innerhalb des Friedhofs hinter der Friedhofsmauer verschanzt und wurden von sowjetischen Maschinengewehren und Granatwerfern beschossen. Das ist zum Teil bis heute an den Einschlagspuren in der Friedhofsmauer sichtbar. Ebenso sind Granatsplitter-Einschläge an den der Straße zugewandten Ställen der Höfe Nr. 5 und Nr. 27 zu erkennen.

Abb. 23:
 Gefallener russischer Soldat
Nur einige hundert Meter vor der Friedhofsmauer ist ein russischer Soldat gefallen. Seine Leiche wurde erst beim Pflügen im Herbst an der Stelle entdeckt, wo sich heute der „Tannenweg“ befindet. Ein deutscher Soldat lag zweihundert Meter vom Friedhof entfernt auf dem Weg Richtung Jerchel tot am Straßenrand. Er war dort seinen Verletzungen erlegen, die er vielleicht schon am Friedhof selbst erhalten hatte.

Die zum Jercheler Wald abziehenden deutschen Truppen gerieten noch vor dem Waldrand an der Dunke-Brücke in weitere Kämpfe. Oder zumindest unter Beschuss. Hier fiel noch einmal ein deutscher Soldat. Und noch drei weitere deutsche Soldaten fielen bei Kämpfen rund um das Dorf Jerchel. Auf dem Friedhof von Jerchel liegen insgesamt „vier unbekannte deutsche Soldaten“ begraben.

In Erinnerungen ist von der „fast kampflosen“ Einnahme des Dorfes Bahnitz die Rede (7). Doch bei dieser Einnahme sind drei deutsche Soldaten und der Volkssturmmann [?] Walter Löbert gefallen, sowie ein russischer Soldat. Außerdem ist bei dem Granatbeschuss ein zweijähriger Junge und der 45-jährige Paul Fahrholz ums Leben gekommen. Und es sind weitere Personen verletzt worden.

Die Russen in Bahnitz

Horst R. Baumann lebte 1943 bis Juni 1945 als 12 ½-jähriger Hitlerjunge - zum Schluss zusammen mit seiner Schwester Gudrun - bei seinen Großeltern Schwanebeck in Bahnitz auf dem Hof Nr. 11 (der drittletzte Hof links vor der Ablage an der Havel). Die Mutter arbeitete in Berlin. Die Großeltern versuchten noch, über die Elbe zu kommen, während Baumann mit seiner Schwester bei der Urgroßmutter auf dem Hof verblieb.

Baumann erinnert sich (7): „Inzwischen hatten viele Bahnitzer ihr Heil in der Flucht gesucht, und die ersten russischen Infanteristen, mehrheitlich Mongolen, nahmen das Dorf am 5. Mai 1945“ (- ? wohl falsch, gemeint wird sein, wenn man den Verlauf der übrigen militärischen Ereignisse berücksichtigt: der 4. Mai*)) „fast kampflos ein, nachdem sich die deutsche Truppe abgesetzt hatte, der Krieg war ohnehin schon längst verloren. In den damaligen Kriegsnachrichten hätte man das als ‚planmäßige Absetzbewegung zur Begradigung der Front’ bezeichnet. Soweit wir das damals nachvollziehen konnten, waren wohl ein paar versprengte Soldaten von den Russen überrannt worden, denn wir fanden in den Tagen nach der Kapitulation drei tote Soldaten in der unmittelbaren Umgebung des Dorfes. Wer sich um die Beisetzungen kümmerte, ist mir nicht bekannt. (...) In Schwanebecks Gewölbekeller befanden sich zu dieser Zeit ...“ - es werden Flüchtlinge und Hausbewohner genannt. „Bis dahin hatten wir nur einige Uräschreie der Russen gehört, im Dorf bzw. Keller hatten wir keinen Schuss gehört, als sich plötzlich ein altes russisches Maschinengewehr auf einem Karren durch unser Kellerfenster schob ...“

Es wird auch zu berücksichtigen sein, dass die Menschen damals seit sechs Jahren nichts anderes als vom Krieg hörten. Wenn es dann "nur" so wenige Tote bei der Einnahme des eigenen Dorfes gab, konnte man das dann - im Vergleich zu dem, was sonst so erlebt, erzählt und gesendet wurde - "unspektakulär" empfinden - ohne dass es das nun tatsächlich war.

Deutscher Gegenangriff bei Möthlitz


Die Einnahme der Dörfer Bahnitz und Möthlitz bedrohte nun die deutsche Rückzugsstraße zwischen Altbensdorf und Milow. Deshalb wurde mit verfügbaren Einheiten von den Dörfern Knoblauch und Nitzahn aus ein deutscher Gegenangriff Richtung Möthlitz bereit gestellt und durchgeführt. Bei ihrem Marsch nach Norden erhielten Truppenteile der Division Schill, vor allem das Grenadierregiment 1, im Verlauf des Vormittags des 4. Mai den Befehl, den bei „Bahnitz“ (bzw. Tieckow) gebildeten sowjetischen Brückenkopf zurückzudrängen (5, S. 297):

„Zwischen Plaue und Premnitz erwehrte sich das nordwärts marschierende Grenadierregiment Schill 1 nur mühsam der über die Havel hinweg geführten russischen Angriffe und versuchte - mangels schwerer Waffen vergeblich -, einen bei Bahnitz“ (gemeint ist bei der Tieckower Fährstelle) „über den Fluss gebildeten sowjetischen Brückenkopf einzudrücken.“ 

Der damals 14-jährige Möthlitzer Berthold Schulz erinnert sich: „Da die Absetzbewegungen der 12. Armee zur Elbe“ durch den Vorstoß der Sowjets über die Havel bei der Fährstelle Tieckow „gefährdet waren, begann die Wehrmacht mit eilig herbeigeführten Kampfgruppen und mit Unterstützung von drei Sturmgeschützen“ (der Division Schill) „am frühen Nachmittag aus Richtung Nitzahn, entlang des Knoblaucher Weges einen Gegenangriff. Dieser kam durch das schwere Abwehrfeuer der Roten Armee mit Artillerie, Salvengeschützen und Granatwerfern kaum voran“ (muss besser heißen: schwer voran) „und brach am Waldrand des Kützkower Weges endgültig zusammen.“ (1)

Das Dorf Möthlitz liegt von Nitzahn, also den Ausgangsstellungen drei Kilometer, der Waldrand Richtung Kützkow fünf Kilometer entfernt. Der Gegenangriff kam also sehr wohl voran. Allerdings gelang es nicht, den von den Sowjets gebildeten Brückenkopf wieder ganz zu beseitigen. Berthold Schultz schreibt weiter: „Die Rote Armee grub sich am Waldrand ein und zündete diesen teilweise an.“

Abb. 24: Deutsches Sturmgeschütz (1944, Bundesarchiv)
Diese sowjetischen Truppenteile fühlten sich also in die Defensive gedrängt. Ein dabei auf dem Weg von Möthlitz nach Plaue gefallener russischer Soldat wurde erst Ende des Jahres 1945 entdeckt. Berthold Schulz erinnert sich:

„Die Wehrmacht zog sich am Nachmittag in den Ort“ (Möthlitz) „zurück und beließ ihre Einheiten und Sturmgeschütze im Bereich des Gutshofes“ (von Möthlitz). „(...) Nach Einbruch der Dunkelheit setzte sich die Wehrmacht Richtung Elbe, in den Brückenkopf Tangermünde ab.“ (1)

Abb. 25: Am Grab eines gefallenen Kameraden (1939, Bundesarchiv)
In diesen Kämpfen in und um Möthlitz sind am 4. Mai fünf deutsche Soldaten gefallen. Unter ihnen befanden sich zwei 20-jährige Angehörige des Reserve-Flieger-Ersatz-Bataillons 7, die möglicherweise zur Division Schill gehörten. Sie liegen auf dem Möthlitzer Friedhof begraben. Auch fielen insgesamt sechs russische Soldaten. Sie wurden später auf den Sammelfriedhof Genthin umgebettet.

Fast alle Möthlitzer Grundstücke und Gebäude sind in diesen Kämpfen durch Beschußschäden in Mitleidenschaft gezogen worden. Ganz zerstört wurden fünf Gebäude (1).

In der Erinnerung von Berthold Schultz (1): „Die Rote Armee stieß langsam nach und erreichte um Mitternacht den Ort“ (Möthlitz) „und besetzte ihn. Am 5. Mai 1945 kamen dann die schweren Einheiten über die Havel, nachdem an beiden Fährstellen (Pritzerbe und Tieckow) Holzbrücken errichtet worden waren. Diese Einheiten zogen weiter nach Westen.“

Die drei Sturmgeschütze der Division Schill schufen kurzfristig und örtlich eine Überlegenheit, die aber nicht nachhaltig aufrecht erhalten werden konnte. "Vor Möthlitz wurde noch ziemlich gekämpft, es gingen dort auch einige Häuser in Trümmer, Nitzahn blieb frei von Beschuss," schrieb die Nitzahnerin Rosemarie Moebus am 6. Dezember 1945 an Verwandte der Familie Zander (zit. in Zander, S. 1).

Die Plauer Brücke wird gesprengt

Abb.: Gesprengte Freybrücke in Spandau, 1945 (als Beispiel)
Am Abend des 4. Mai „um 22.45 Uhr wurde die Plauer Brücke“ - über die Havel von deutschen Einheiten - „gesprengt; in geringen Zeitabständen flogen dann die Brücken nach Kirchmöser und die Kanalbrücken (bei Großwusterwitz und Woltersdorf) in die Luft. (...) Unmittelbar nach der Sprengung hatten alle zur Verteidigung des Havelübergangs eingesetzten Soldaten Plaue verlassen.“ (10, S. 154)

Die Russen rücken zögernd nach Plaue, Bensdorf, Milow und Kirchmöser

Nun rücken also die sowjetischen Truppen den abziehenden deutschen Truppen hinterher, zum Teil mit einem halben Tag Verzögerung: „Die Wehrmacht zog sich Richtung Elbe zurück und in der Nacht zum 5. Mai 1945 zog ein letzter SS-Trupp durch Altbensdorf. Gegen Nachmittag“ (des 5. Mai) „kam die Nachricht ‚der Russe ist da’. Von Knoblauch her marschierte ein Trupp Russen auf das Dorf zu.“ (11, S. 11)

In Premnitz und Rathenow sah man Brände, Rote Fahnen und Rote Truppen. Um Milow selbst scheint dann ebenfalls nicht mehr gekämpft worden zu sein. „In der Nacht zum 5. Mai rückt die SS“ auch aus Milow „ab. (...) Gegen sechs Uhr“ abends am 5. Mai „zieht die Rote Armee in Milow ein.“ (8, S. 162f, ebenso 12)

D. Verteidigung Zollchows Richtung Rathenow (5. Mai)

Die Division Schill sammelte um das Gut Grille bei dem Dorf Zollchow. Sie wehrte am 5. Mai (?) sehr verlustreich Angriffe aus Richtung Rathenow ab. Dabei hatte sie 30 Gefallene zu beklagen. Diese liegen auf dem Dorffriedhof von Zollchow begraben (?).

Mit anderen Familien grub sich die Familie Bading in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai im Wald zwischen Zollchow und Sydow ein. Der 11-jährige Sohn bekam dabei von deutschen Soldaten, die ihren Panzerspähwagen abrüsteten, Scherenfernrohre, die er im Wald vergrub.

Die Rückzugskämpfe der 12. Armee setzten sich vom 5. auf den 6. Mai fort über die Dörfer Böhne, Bützer, Vieritz und Zollchow und mündeten in der Verteidigung des letzten Brückenkopfes bei Tangermünde am 7. Mai.

Rückkehr der Zivilbevölkerung nach Bahnitz am 6. Mai

Im Wald von Zollchow ging am Morgen des 6. Mai russische Infanterie vor und schickte die Zivilbevölkerung zurück. Die Familie Bading fuhr unter Granatfeuer zurück ins Dorf Zollchow und sofort weiter mit dem Pferdewagen nach Bahnitz. Zwischen den Dörfern Zollchow und Vieritz lagen links im Wald Stalinorgeln (Salvengeschütze) und schossen über die Familie hinweg zur Elbe.

Kurz vor Bahnitz lag ein toter deutscher Soldat, der kurze Zeit später neben dem Weg begraben wurde. (Die Russen kippten auf das blumengeschmückte Grab, so die Erinnerungen, Mist. Später wurde der Soldat auf dem Friedhof unter einer Linde mit einem weiteren unbekannten deutschen Soldaten begraben.)

Im Bading’schen Hof in Bahnitz war der Hofhund von den russischen Soldaten erschossen worden und alles Vieh war auf die Havelwiesen hinausgetrieben worden. Dies war auf allen Höfen geschehen.

Nur mühsam sollten die Bauern in den nächsten Jahren wieder ihren früheren Viehbestand aufbauen können.

Eine von Johanna Bading erzählte Erinnerung war, wie die russischen Soldaten versuchten, auf der Toilette mit Wasserspülung Kartoffeln zu waschen. Als sie an der Spülung zogen, waren die Kartoffeln weg und der betreffende Russe guckte ganz verdutzt. Johanna Bading musste noch im späteren Lebensalter lauthals lachen, wenn sie davon erzählte. Es war wohl eines der seltenen Ereignisse, bei denen sie in dieser Zeit lachen konnte.

Insbesondere im Dorf Mögelin - zwischen Premnitz und Rathenow - gelegen kam es in den folgenden Tagen zu schwersten Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung wie aus Zeitzeugenberichten zu entnehmen ist. Auch das Schicksal der schon oben angeführten Familie Zander in Nitzahn war damals ein nicht untypisches. In Familienbriefen wurde dem Sohn, der damals nicht in Nitzahn auf dem elterlichen Hof arbeitete, sondern in der Nähe von Halle, wo er auf einen Hof einheiraten konnte und weil auf dem elterlichen Hof nur ein Mann "unabkömmlich" sein konnte (sein Vater oder er selbst), davon berichtet wie es dort am 11. Mai zum gemeinsamen Selbstmord seiner Eltern, seiner Schwester und seiner unverheirateten Tante gekommen ist.

Die Familie Zander in Nitzahn nimmt sich das Leben (11. Mai 1945)

 

Schon immer hatte es auf den drei großen, über 50ha großen Höfen in Nitzahn - oder auch auf dem Gut in Möthlitz - polnische Erntehelfer gegeben. Solche polnischen Familien waren nun auch während des Zweiten Weltkrieges im Dorf, womöglich galten sie nominell als Zwangsarbeiter. Der große Anteil an Kriegsgefangenen auf allen Dörfern und Höfen brachte natürlich auch zahlreiche Sorgen und Probleme mit sich. So ist es im Dezember 1944 in Nitzahn zu einem Diebstahl durch einen Polen gekommen, worauf zunächst die Forderung laut geworden ist, dass er aufgehängt werden solle. Er wurde aber schließlich doch noch ins Gefängnis nach Genthin (Zander, S. 3). Womöglich gab solches Geschehen die Grundlage auch für manche späteren Racheakte.

Viele Nitzahner waren in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai in den Wald geflüchtet, so auch die Familie Zander. Als sie am nächsten Morgen in das Dorf zurück kamen, "war alles auf den Kopf gestellt, da hatten die Polen drin gehaust." So schreibt die Frau des Jahrzehnte langen Hofverwalters der Familie Zander (Zander, S. 2). Und die Nitzahnerin Rosemarie Moebus berichtete: "Die eine Polenfamilie Pokorski holte auch Zander und sagte Allerlei Schlechtes aus, was die Russen natürlich glaubten." Aufgrund dessen wurden die Familie Zander am 6. Mai von den Russen aus ihrem Haus "gejagt": "Das hatten ihnen alles die Polen eingebrockt. Wegen schlechter Behandlung hatten sie ihn bei den Russen angeschwärzt." "So wurden sie sehr von den Russen schikaniert."

Die Familie Zander floh in ein kleines Landarbeiter-Häuschen auf der anderen Seite der Dorfstraße. "Aber auch da suchten sie die Russen. Wie sie die Menschen gepeinigt haben, lässt sich auf Papier nicht wieder schreiben." "Herrn Zander holten sie nachts aus dem Bett, er musste den Mist" (auf dem Hofmisthaufen) "glatt ziehen und fest trampeln unter Bewachung 3. mit aufgepflanztem Gewehr." Die Russen hatten sich im Haus festgesetzt und hielten dort Feste ab. Bei diesen mussten die Frauen servieren in "unwürdiger" Weise, wie es nur angedeutet wurde, also nackt. In mündlicher Überlieferung wurde es deutlicher gesagt:
Ernst Zander musste eine Nacht lang auf dem Misthaufen Mist festtreten, während die drei Frauen vergewaltigt wurden.
Sie "mussten mit ansehen, wie alles ausgeplündert wurde, am meisten von den eigenen Leuten." "Sie mussten alle Tage mit ansehen, wie ihr Haus geplündert wurde. Frau Zanders Flügel, Möbel und Sachen, alles raus." "Dies gab wohl Herrn Zander den Rest." Er habe keine Nacht mehr Ruhe gefunden, mal hier, mal dort geschlafen. Schließlich sollte er am 11. Mai auch noch den Goldschmuck herausgeben. Die Frau des Hofverwalters berichtet (S. 7):
"Am 11. Mai kommt mein Mann abends runter, Herr Zander gibt meinem Mann die Zigarrentasche und sagt zu ihm, hier Mangelsdorf haben Sie ein Andenken von mir, heute Abend wollen sie mir totschiessen, wenn ich unsere goldenen Uhren und Wertsachen nicht raus gebe. Mein Mann hat ihm noch zugeredet, aber Herr Zander war total mit den Nerven kaputt. Am anderen Morgen waren sie verschwunden. (...) Am nächsten Morgen hat sie Meier entdeckt, lagen sie alle vier hinter dem Garten bei Wächters Haus auf dem Roggenfeld, hatten sich die Pulsadern geöffnet. (...) Am Nachmittag haben wir sie beerdigt."
Der Sohn war - wie gesagt - in der Gegend von Halle. Eines nachts wachte er auf, ihm schien es, als wäre seine Mutter da und als hörte er sie rufen. Und er wusste auch am Morgen noch, dass etwas passiert war (Zander, S. 21). In einem anderen Familienbrief (vom 10.2.1948) wird berichtet (Zander, S. 1):
"Deine Lieben lagen hinter dem kleinen Haus an der Stege, das früher Kohlhases gehörte, auf dem Acker. (...) Es war eine Verzweiflungstat, denn ihr Haus und die Wirtschaft waren vollkommen ausgeraubt; kein Stück Vieh war mehr auf dem Hofe und die Familie selbst aus dem Haus gejagt und musste in dem Hause von Altenkirchs gegenüber wohnen. Ernst soll so gelitten und an Kräften abgenommen haben, dass er wie ein alter Mann aussah. Auch seine Frau, seine Tochter und Else sollen in kurzer Zeit sehr an Gewicht verloren haben." "Die nächste Woche darauf haben die Russen die goldenen Uhren und Wertsachen gefunden, sie lagen im Göpel beim Hühnerstall eingegraben."
Und in einem Brief vom 7. März 1954 schreibt die Ehefrau des Hofverwalters (Minna Mangelsdorf) aus Nitzahn: "Ganz unheimlich ist mir immer zu Mute, wenn ich die Kleider und Mäntel von Frau Zander auf der Straße sehe. Auch die Sachen von Fräulein Else" (die 52-jährige unverheiratete Schwester) "sind in Nitzahn geblieben. Aber keiner gibt was raus." Der verbliebene Sohn der Familie erfuhr in Halle erst Wochen später vom Tod seiner Angehörigen. Er kam Anfang August nach Nitzahn. Dort trauerte auch das Hofverwalter-Ehepaar, das schon zu seiner Geburt auf dem Hof war, über das Schicksal der Familie (Zander, S. 22). Der Sohn wurde im September 1945 durch die Bodenreform von seinem elterlichen Hof enteignet. Er bemühte sich trotzdem darum, den elterlichen Hof weiter führen zu dürfen, im Januar 1946 versuchte er, selbst in Nitzahn zu "siedeln", aber auch eine solche Möglichkeit wurde noch im selben Monat verboten.


Im NKWD-Speziallager 1946 gestorben


Aber mit solchen Geschehnissen nicht genug. Wie der Schauspieler Heinrich George wurden 10.000e von bekannten und weniger bekannten deutschen Mitbürger interniert (Wiki). Darunter auch der allseits geschätzte Bahnitzer Lehrer Hermann Pape (1886-1946), der zugleich auch eine Chronik des Dorfes Bahnitz verfasst hatte. Nach seiner NKWD-Akte (30) hatte er den ganzen Ersten Weltkrieg als Soldat mitgemacht und war Leutnant der Reserve. Seit 1922 war er als Lehrer in Bahnitz tätig. Er war verheiratet und hatte eine erwachsene Tochter, die Krankenschwester geworden war. 1940 war er der NSDAP beigetreten. Im November 1944 wurde er zum "Volkssturm-Bataillon Jerichow II" eingezogen und zum Bataillons-Kommandeur desselben ernannt (30). Vom 16. Mai bis 1. August 1945 hat er sich das erste mal in russischer Kriegsgefangenschaft befunden. Am 14. September 1945 wurde er erneut in Haft genommen. Er kam in das NKWD-Lager Nr. 69 nach Frankfurt an der Oder. Und von dort wurde er nach Riga transportiert, wo er am 18. September 1946 im NKWD-Lager Nr. 349 ankam. Am 25. November 1946 wurde er ins Krankenhaus in Riga (Nr. 4379) transportiert, wo er am 6. Dezember 1946 im 66. Lebensjahr verstarb. Als Todesursache werden angegeben (30) Myokarditis (Herzentzündung), Perikarditis (Herzbeutelentzündung) und Dystrophie (Unterernährung). Dies wurde durch die diensthabende Ärztin Danilowa festgestellt (30). Er wurde einen Tag später auf dem zugehörigen Friedhof "im Quadrat Nr. 5 Grab Nr. 4" bestattet. Folgende Bahnitzer kamen in den Endtagen des Zweiten Weltkrieges oder danach ums Leben (31):
  • Paul Fahrholz - Er starb durch einen Granateinschlag vor seinem Haus im Mai 1945.
  • Elfriede Kersten - Sie nahm sich Anfang Mai 1945 in der Havel das Leben.
  • Gustav Ganzer - Er starb am 28. Juni 1945 an der Elbe.
  • Hermann Pape - Er verhungerte starb am 6. Dezember 1946 in einem sowjetischen Lager in Riga.
Abb. 26: Soldatengrab an der Havel (1945)
Die oben erwähnte Tieckower Heufähre wurde übrigens bald wieder nutzbar gemacht und noch bis 1960 benutzt (4, S. 43f):
"Die Bauern Fritz Els, Albert Freidank und Otto Müller machten ihre Fähre wieder nutzbar. Als in der Ziegelei Krahnepuhl Übersetzprobleme auftraten, der Grundstoff wurde inzwischen von der anderen Seite der Havel geholt, transportierte die 'Heufähre' um 1960 beladene Dumper mit Tonerde. Um 1960 wurde die nur landwirtschaftlichen Zwecken dienende Fähre außer Betrieb gestellt und liegt nun seither hinter dem Grundstück von Hans-Georg Müller auf Grund."

- - - Die ersten Nachkriegsjahre waren für die Menschen auf den Dörfern schwer. Das russische Militär hat gleich nach dem Einmarsch alles Vieh aus den Ställen auf die Havelwiesen getrieben und selbst genutzt. Die Bauern konnten nur langsam und über Jahre hinweg mühsam ihren Viehbestand wieder aufbauen, mussten aber gleichzeitig Ablieferungssoll erfüllen. 1953 schließlich sollten alle Bauern der LPG beitreten. In Bahnitz gingen alle großen Bauern daraufhin mit ihren Familien in den Westen. Nur ganz wenige sind nach 1989 nach Bahnitz zurück gekehrt.

Niemals zuvor und seither haben die Dörfer des Havelbogens in ihrer Geschichte so sehr im "Zentrum" von weltgeschichtlichen Ereignissen gestanden, bzw. mussten diese miterleben wie in den geschilderten Endtagen des Zweiten Weltkrieges. Die damit verbundenen Erschütterungen rüttelten an den Menschen. Jene Generation, die damals noch Kind war oder erst nach 1945 geboren wurde, wuchs seither in ganz anderem Denken und Fühlen auf als es die Generationen bis 1945 getan hatten. Das war wohl die nachhaltigste Folge des Zweiten Weltkrieges. Und man ist heute allseits sehr zufrieden mit dieser Folge. Die Deutschen bekommen dafür von allen Seiten - national und international - Schulterklopfen und widersetzen sich so gut wie gar nicht mehr dem, was heute - und mit gutem Grund - Umvolkung genannt wird.

/erstmals veröffentlicht: 15.09.2008,
 überarbeitet: 30.7. und 7.8.2011; 
zuletzt: 3.2. und 20.4.2017/


*) Da es ja schon am 4. Mai sowohl in Möthlitz wie auch in Jerchel Kämpfe gegeben hatte, wird einem nicht so recht nachvollziehbar, daß dies erst am 5. Mai geschehen sein soll.


Literatur

  1. Gaubatz, Petra: Chronik der Gemeinde Möthlitz. Möthlitz, Dezember 1996
  2. von Schnehen, Hermann: Erlebnisse und Erinnerungen von 1944 – 1949. In: von Schnehen, Margarete: Im Strom der Zeit. Familienschicksale im Elb-Havelland. Wallstein Verlag, Göttingen/Klein Schneen 2004, S. 108 – 131
  3. Kaiser, Barbara: am 4.7.1998
  4. Blasek, Willi: Zusammenfassende Darstellung der Chronik des Dorfes Fohrde mit Ortsteil Tieckow. Gemeinde Fohrde anlässlich des 770-jährigen Bestehend, 1997
  5. Voss, Klaus; Kehlenbeck, Paul: Letzte Divisionen 1945. Die Panzerdivision Clausewitz. Die Infanteriedivision Schill. Amun-Verlag, Schleusingen 2000
  6. Gellermann, Günther W.: Die Armee Wenck – Hitlers letzte Hoffnung. Aufstellung, Einsatz und Ende der 12. deutschen Armee im Frühjahr 1945. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz (2. erw. Aufl.) 1990
  7. Baumann, Horst R.: Was sich wirklich in Bahnitz am Kriegsende abspielte. Brief an F. B., Jonesboro, GA/USA, 16.3.2005
  8. Pientka, Andrea: Chronik der Gemeinde Milow. Milow Mai 1995
  9. von Bismarck, Ilse: Auszüge aus Tagebüchern. In: von Schnehen, Margarete: Im Strom der Zeit. Familienschicksale im Elb-Havelland. Wallstein Verlag, Göttingen/Klein Schneen 2004, S. 137 – 147
  10. Deichgräber, Albert (1870 – 1950): Tagebuchaufzeichnungen vom 26. April 1945 bis zum 20. Mai 1945. (Geschehnisse in Kirchmöser und Plaue) In: 7. Jahresbericht des Historischen Vereins Brandenburg (Havel) e.V. 1997-1998, Brandenburg a.d.H. 1998, S. 152 - 162
  11. Abb. 27: Russische Besatzungssoldaten
  12. Winkler, Angela: Dorfchronik Altbensdorf. Altbensdorf 2005
  13. Pritzkow, Prof. Dr. W.: Erinnerungen an die Zeit vor 50 Jahren (in Milow). Manuskript, Merseburg 14. 4. 1995
  14. Kurowski, Franz: Armee Wenck. Die 12. Armee zwischen Elbe und Oder - Endkampf um Berlin 1945. Förderkreis für deutsche Geschichte e.V., Emmelshausen 2005
  15. Guderian, Günther: Das letzte Kriegsjahr im Westen. Die Geschichte der 16. Panzer-Division 1944 – 1945. SZ Offsetdruck-Verlag, Sankt Augustin (2. überarb. Aufl.) 1997
  16. B., F.: Erinnerungen eines 70-Jährigen. Bahnitz, Frühjahr 2004
  17. Gralow, Helmut B.: Ich war damals erst fünfzehn Jahre alt. Kriegsschauplatz Elb-Havel-Winkel im Frühjahr 1945. In: Altmark-Blätter, Heimatbeilage der Altmark-Zeitung 30. 5. 1998 – 11. 7. 1998 (in Fortsetzungen)
  18. Musial, Bogdan: Kampfplatz Deutschland. 2008
  19. Schulze, Henrik: 19 Tage Krieg. Die RAD-Infanteriedivision "Friedrich Ludwig Jahn" in der Lücke zwischen 9. und 12. Armee. Die Mark Brandenburg im Frühjahr 1945. Projekt + Verlag Dr. Erwin Meißler, Hoppegarten bei Berlin 2011 (www.meissler.de
  20. Ossenberg, Stefan: Tapetenwechsel im Museum. In: RP Online, Duisburg, 09.01.2010
  21. Kleber, Walter: Bereit für den Umzug. Behelfsheim aus Gessertshausen steht kurz vor seiner Umsiedlung ins Bauernhofmuseum Illerbeuren. In: Augsburger Allgemeine, 7.8.2011
  22. Plattenhaus Poppenbüttel (Wikipedia)
  23. Klaus Peter Synnatzschke: Historisches aus der Stadt Sandersdorf-Brehna - Die Siedlung
  24. Deutsches Wohnungshilfswerk (Wikipedia)  
  25. Arne Keilmann: Der Architekt Ferdinand Keilmann im Systemwandel des 20. Jahrhunderts - Behelfsheimplanung
  26. Peter Lehanka (Zirndorf): Baukarte zur Errichtung eines Behelfsheimes aufgrund des Erlasses vom 9.9.1943 (Auktion)
  27. Zander, Christian Frank: Briefe aus drei Jahrhunderten. Vom alten Fritz zum Führer. Fundstücke einer Bauernfamilie. Als Manuskript, DinA4, 124 S., o.O. (Sölden) o.J.; s.a.: Zander, Christian F.: Fundstücke – Dokumente und Briefe einer preußischen Bauernfamilie (1747–1953). Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2015 (352 Seiten) [Schriften zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Band 27]
  28. Reichhelm, Oberst: Bericht über die Kämpfe der deutschen 12. Armee (13.4. - 7.5.1945), Karten-Anlage 1 bis 4, auf: http://f15919.nexusboard.de/t603f7-Lagekarte-Armee-April-Mai.html
  29. Einsatzbericht der deutschen 309. Infanterie Division zwischen Havel und Elbe vom 27.04. bis 07.05.1945. Kartenanlage, auf: http://f15919.nexusboard.de/t603f7-Lagekarte-Armee-April-Mai.html
  30. Requard, Karl-Heinz: Märkische Heide, märkischer Sand. Wandern mit Theodor Fontane durch die Mark Brandenburg. In: Die Deutsche Volkshochschule (Ratekau), Folge 154, September 2016, S. 24-40
  31. Personalakte zu Hermann Pape der Hauptabteilung des NKWD der UdSSR für Kriegs- und Internierungsangelegenheiten, 1946, Archiv-Nr. 459079
  32. Zusammengestellt durch einen Bahnitzer nach seinen eigenen Erinnerungen und durch Umfragen in den jeweiligen Familien um 2010.
  33. Bading, Ingo: "Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht absitzen". Adolf Hitler angefeuert von Astrologen und Hellsehern. 2013, http://www.lulu.com/shop/ingo-bading/wer-auf-dem-tiger-reitet/paperback/product-21122132.html

Kommentare:

Hans hat gesagt…

vielen Dank! Sehr schöner Beitrag. Ich habe es mit Spannung gelesen. Ich würde mir noch einer Erweiterung der Ausführungen zu den Kämpfen um Brandenburg wünschen.

Ingo Bading hat gesagt…

Vielen Dank für die Rückmeldung. Ich veröffentliche hier gerne noch weitere Beiträge. Werde aber sicher auf lange Zeit nicht dazu kommen, einen solchen Beitrag zu verfassen. Eher habe ich schon Vorarbeiten liegen zu den Kämpfen um Rathenow.

may flower hat gesagt…

Abb. 21 ist kein panzerfaust ,
aber ein Panzerschreck.

Ingo Bading hat gesagt…

Danke!

GueHo hat gesagt…

Einer der 8 unbekannten Soldaten im Grab in Abb. 17 ist mein Großvater. Er diente im Ers.u.Ausb.Btl.(M) 287 (M für Magenkranke). Dieses Bataillon wurde am 20. Mai 1944 in Wien (Wehrkreis XVII)aufgestellt. Es entstand durch Verfügung vom 30. April 1944 zur Erfassung magenkranker Soldaten des Wehrkreises XVII, unterstand der Division 177 und wurde am 25. März 1945 in Rahmen der Ostgoten-Bewegung in Wien mobil gemacht. Die letzte Feldpostkarte ist datiert vom 30.3./1.4. 1945 aus Döberitz nahe Berlin, mit Bemerkung "werden heute abgezogen, wohin weiß ich noch nicht".
Die Bestätigung der Grabstelle meines Großvaters "Kommunalfriedhof Pritzerbe, Ortsteil Kützkow" erfolgte am 1. April 1954 durch den "Suchdienst für vermisste Deutsche in der DDR, Berlin" und 2013 durch die "Deutsche Dienststelle (WASt" in Berlin sowie das zuständige Amt für Sicherheit und Ordnung Beetzsee.

Am Ostersonntag dieses Jahres werden ich und mein Vater zum erstenmal die Grabstelle besuchen...

Vielen Dank für Ihren Beitrag, er gibt ein erschütterndes Bild dieser Tage wieder und hat mir sehr geholfen...vielleicht gibts ja noch weitere "Updates".
Beste Grüße aus Österreich
GueHo

Ingo Bading hat gesagt…

Vielen Dank für Ihren sehr interessanten Kommentar. Ich habe ihn - mit weiteren Updates - heute eingearbeitet. Wenn Sie mich persönlich anschreiben, können wir uns ggfs. gerne für Ostern vor Ort verabreden.

Gueho hat gesagt…

Hallo Herr Bading, gerne erzähle ich ihnen die Geschichte, warum ihr Beitrag (auf den ich zufällig über google gestoßen bin) für mich überaus wichtig war....und was alles passierte bis es 2013 soweit war, dass wir überhaupt wussten, dass mein Opa auf dem Friedhof Kützkow begraben liegt. Wie kann ich sie privat erreichen?
Grüße aus Österreich
Günter H

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