Dienstag, 4. März 2008

Vorstudien zu einer "Vergleichenden Religionsdemographie" (Teil 2)

„Erfolgsmodelle der Evolution“

Reproduktionserfolge in ausgewählten Populationen (Ausbreitungschancen der Gene)

(Manuskript, entstanden Dezember 1996, Erstveröffentlichung. Erläuterung siehe voriger Beitrag)

Einleitung und Zusammenfassung

Die entscheidenden Abschnitte in der Geschichte der menschlichen Kulturen sind die Phasen des rapiden Bevölkerungs-Wachstums.

Von 1700 bis 1972 hat sich die Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Deutschland verfünfacht: von 15 Millionen auf 75 Millionen. Eine Verfünfachung der Bevölkerung lag auch bei der Besiedlung Schlesiens durch die Deutschen im 13. und 14. Jahrhundert vor. Eine Verzehnfachung der Bevölkerung ergab sich bei den ersten landwirtschaftlichen Siedlungen im Vorderen Orient (nach 8.000 v. Ztr.). Von einer Verhundertfachung der Bevölkerung über Zwischenstufen geht man für die Zeit der ersten landwirtschaftlichen Siedlungen Mitteleuropas aus (nach 6.000 v. Ztr.). Bevölkerungs-Wachstum kann sich ergeben entweder
1. wenn sich die Produktion ausweitet,
2. wenn neue Besiedlungsmöglichkeiten erschlossen werden (Übersee-Kolonien, Deichbau, Entwässerung von Flußniederungen, Sümpfen, Rodung von Wäldern)
3. bei Verarmung der Bevölkerung, d. h. auf Kosten des Wohlstandes (und sogar auf Kosten ausreichender Nahrungsmittelversorgung), wenn sich während des Bevölkerungswachstums die Produktion nicht ausweitet (s. Dritte Welt).
Merkmale, die mit Reproduktions- und Produktionserfolg in menschlichen Populationen korrelieren

Wodurch sind Gemeinschaften bestimmt, die in einem starken Bevölkerungswachstum stehen und dabei nicht verarmen? Durch intensives Gemeindeleben (vgl. 1, 2):
a) Sie haben eine hohe Kinderzahl.
b) Sie sind religiös bestimmt.
c) Sie sind arbeitsteilig gegliedert.
d) Nachbarschaftshilfe, häufige Verwandten-Besuche, gemeinsame kulturelle Betätigungen herrschen vor.
e) Erschwerte äußere Bedingungen und/oder selbst auferlegte Anstrengungen sind vorherrschend.
f) „Barrieren“ (geographische, kulturelle, Heiratsschranken) zu anderen Gruppen liegen vor.

Beispiele

1. Die Hutterer

a) Die Population mit dem größten Bevölkerungswachstum der Welt: „Alle 15 bis 20 Jahre verdoppelt sich die Bevölkerung in den fruchtbaren Kolonien.“ (3, S. 142) 10 bis 12 Kinder pro Frau keine Seltenheit.
b) radikale Christen (pazifistische, protestantische Wiedertäufer) (3)
c) „Welche Bauern der Umgebung können sich so moderne Maschinen leisten? ... Wer hat die stärksten Ochsen, und wer erntet den besten Weizen?“ (3, S. 53) Vielseitigkeit, Ökonomie des verteilten Risikos
d) „... erinnert mich diese Gesellschaft hier an einen fleißigen Ameisenhaufen oder einen emsigen Bienenstock, in dem jeder dem anderen zuarbeitet ... für ‚unsre hailiga Gmah’“ (3, S. 110)
e) legen sich selbst Steine in den Weg: "gute Zeiten machen schlechte Christen", das „böse Fleisch“ soll leiden
f) gegenüber den „Englischen“

Geschichtlicher Hintergrund: 1875 - 1877 Einwanderung in die USA aus der Ukraine („Odyssee“ der Hutterer: zuvor in Siebenbürgen, davor bis 1593 in Mähren). 1756 stieß in Siebenbürgen eine aus Kärnten vertriebene 65-köpfige Gruppe von Kryptoprotestanten dazu, von der heute die meisten der 30.000 bis 33.000 Hutterer in den 300 (200?) Kolonien im Grenzgebiet USA/Kanada (1986) (4, S. 2, 19) abstammen (4, S. 199, 203): Es gibt bei ihnen im Wesentlichen nur 15 Familiennamen, die auf drei Dörfer im Drautal in Kärnten zurückverfolgt werden können. Von den 33.000 leben 11.300 in Kanada (4, S. 124, 305).

2. Die Amischen

a) 7 Kinder pro Ehe (1, S. 37) „Verdreifachung in jeder Generation“ (5, S. 76)
b) radikale Christen (pazifistische, protestantische Wiedertäufer, s. a. pazifistische Hinnahme des „Hochstetler Massacre“ an ihnen durch Indianer 1757 ohne Gegenwehr).
c) In einer Gemeinde von 200 Personen ein „Völliger Diener“ (Bischof), zwei „Prediger“, ein „Armendiener“ (Arbeitsorganisator) (5, S. 60f), Lehrer(in) (5, S. 78, 108; 6), landwirtschaftliche und handwerkliche Selbstversorgung (5, S. 54 - 66), Barn-raising („Dieses eindrucksvolle Ergebnis kann nur erreicht werden, weil bis zu 200 Amish-Männer gleichzeitig zusammenarbeiten.“) (5, S. 82 - 85; 2, S. ..), “Quilts” (Patchworkdecken) (5, S. 100) “Today, although 30 percent of married Amishmen are not farming, many of their jobs indirectly support farm economy.” (6, S. 197)
Luftpumpen und Luftpumpen-Systeme, Bäckerei, Batterien und Elektronik, Bienenhaltung-Zubehör, Buchhändler, Metzger, Tischlerei, Kutschen, Uhrenreperatur, Stoffe, Textilien, Motorreperatur, Zäune, Fließenleger, Gießerei, Möbel, Lebensmittelläden, Eisenwaren, Hut-Herstellung, Apotheke, Hufschmied, Haushaltsgeräte, hydraulische Systeme, Laternen-Herstellung, Leder und Pferdegeschirr, Holzhaus-Bau, Maschinen-Montage, Maschinen-Bau, Maschinen-Reperatur, Maurer, Klemptner, Drucker, „Quilts“, Einzelhandel, Straßenstände, Dachdecker, Wasserkraft, Anstreicher, Speicherhaus-Bau, Sturm-Fenster und Glas, Blech-Fabrikation, Grabsteine, Spielzeug, Polstermöbel, Gemüse, Floristen, Waschmaschinen-Handel u. v. m.
„In general, the products and services must be compatible with Amish values. ... Few Amish work in service or information roles that require formal education and extensive interaction with the outside world. ... Not all the nonfarm jobs cater to the peculiar needs of the Amish community; many serve the larger society.” (6, S. 201 - 206)
Es gibt „keine Armut unter den Mitgliedern der untersuchten Gruppe. Im Gegenteil, die Amish sind relativ vermögend.“ (5, S. 101)
d) „Diese Besuche bei Verwandten oder Freunden in anderen Gemeinden spielen eine hervorragende Rolle im Leben der Old Order Amish People.“ (5, S. 63, 53, 59) Abendliches Bibel-Lesen in der Familie (5, S. 99, 105); „Rum-Springa“ der Jugend (5, S. 110ff); „Barn-Dance“ (6).
e) Kein elektrischer Strom, kein Blitzableiter, keine Schädlingsbekämfungsmittel, Pferdewagen usw.
f) gegenüber den „Englischen“

Hintergrund: Seit 1713 aus der Schweiz und dem Elsaß in den USA eingewandert. (5, S. 34f) 1980 87.000 Personen Old Order Amish (5, S. 23). Während die Hutterer ihr Bevölkerungs-Wachstum in die Gründung neuer Kolonien einmünden lassen, geht dieser bei den Amischen derzeit in weitere berufliche Spezialisierung ein, da für sie neuer Landkauf meistens zu teuer ist.

3. Die Mennoniten allgemein

Besiedlung des Dollart?, Eindeichungen in Ostfriesland, in der Weichselniederungen, in Rußland und in den USA (Pennsylvania, Ohio u. a.)
a) ?
b) protestantisch
c) ?
d) ?
e) ja
f) ja? (7)

4. Bergbauern-Gemeinde Embd (Schweiz, Wallis)

a) Geburten-Überschuß von 18,9 auf Tausend (1931 - 1954) (Schweiz allgemein: 6,1 auf Tausend); jede 4. Ehe 9 und mehr Kinder (8, S. 21f)
b) katholisch (8, S. 25)
c) Schreiner, Maurer, Zimmerleute, Schmiede, Schuhmacher, Stör-Metzger, Korbmacher, zwei Mühlen, Steinbruch (8, S. 59f), sowie zwei Lehrer (8, S. 97), eine Hebamme
d) „... Dagegen hilft man sich heute noch bei den verschiedensten Arbeiten gegenseitig aus.“ (8, S. 29, 83) Zahlreiche „Geteilschaften“ (8, S. 83f) Kulturelles Gemeindeleben (8, S. 82f).
e) sehr stark (z. T. urtümlichste Wirtschaftsweise infolge stärkster Neigung der bewirtschafteten Hänge)
f) geographische Abgeschlossenheit, geringe verkehrsgeographische Erschließung (keine Straße, nur Seilbahn und Bergpfade).

1798: 149 Einwohner (8, S. 16), 1950: 395 Einwohner (= 84 Familien, aber nur 10 Familiennamen) (8, S. 19, 63, 76) (Geburtenüberschuß mündete in starke Abwanderung in die Täler, zum Teil in Auswanderung nach Übersee.)

5. Familie schlesischer Leinenfabrikanten im Eulengebirge (1709 - 1958) (n = 6 Ehefrauen)

a) 8,1 Kinder pro Frau
b) evangelisch
c) Weber, Firmengründung mit Filiale in Warschau, Gutsbesitz
d) wahrscheinlich
e) wahrscheinlich (- die berühmten schlesischen Weberunruhen im Nachbardorf)
f) Heiratsschranken (?) (9)

6. Eine deutsch-baltische Adelsfamilie (1520 - 1918) (n = 9 Ehefrauen)

a) 7,2 Kinder pro Frau
b) Evangelisch. (Der gemeinsam mit dem schwedischen Kanzler Axel Oxenstierna geadelte Stammvater der Familie war Superintendent in Riga.)
c) Bürgermeister, Burggrafen, Gerichtsassesoren, Landrichter, Landmarschälle von Livland, Ärzte
d) ?
e) ?
f) lettische Bauern (9)

7. Eine englische Fabrikantenfamilie (1730 - 1930) (n = 4 Ehefrauen)

a) 5,2 Kinder pro Frau
b) Puritaner
c) „manufacturer“, Landräte, Regierungs-Geologen (9)

8. Besiedlung der USA im 19. Jahrhundert

a) “American birth rates began the century far above European rates.” (10, S. 18) “By European standards, American birth rates were exceptionally high at the start of the nineteenth century.” (10, S. 13) “Also relativly unambiguous is the proximate cause of this exceptional growth: a birth rate which, by European standards, was high at the beginning of the century.” (10, S. 15) Die Einwanderung “was a factor of secondary importance, contributing one quarter of the total population increase in the first half of the century.” (10, S. 18f, 15)
b) überwiegend protestantisch
c) Landwirtschaftliche und Industrielle Revolution gleichzeitig.
d) ?
e) hohe Wochenstunden-Zahlen
f) (Indianer)

9. Erste landwirtschaftliche Siedlungen in Mitteleuropa (Bandkeramiker)

a) Verhundertfachung der Bevölkerung über Zwischenstufen (11, S. 28, 87), z. T. in nur 100 bis 200 Jahren
b) z. B. Jungfrauen- und andere "Bau"-Opfer
c) Steinbeil-, Keramik- und Feuerstein-Produktion zentral für ein ganzes Tal (für mehrere 100 Personen) (12).
d) ?
e) vermutlich sehr stark
f) vermutlich gegenüber den einheimischen Spätmesolithikern (Jäger-Sammler-Völker)

10. Rodungsbauern in Wolhynien (Ostpolen/Ukraine) im 19. und frühen 20. Jahrhundert

a) „allgemein hohe Kinderanteile“, Geburtenüberschuß von 22,2 auf 1.000 (13, S. 111f, 72)
b) evangelisch, „betonte Kirchlichkeit“ (13, S. 72)
c) Schuster, Schneider, Schlosser, Wagner, Brunnenmeister, Zimmerleute, Mühlenbauer, Müller (1, S. 75)
d) Nachbarschaftshilfe (13, S. 51)
e) „Sibirienarbeit“ (13, S. 43)
f) Ukrainer, Polen, Juden (13, S. 27f, 75f)

20 Familien pro Dorf (13, S. 14f)

11. Siebenbürger Sachsen

a) ?
b) ?
c) und d) Das "Nachbarschaftswesen":
„Aus ihrer Sorge um die Sicherheit und ein reibungsloses Zusammenleben waren in der Siedlung - vom Brunnen bis zur Bäckerei - gemeinsame Einrichtungen entstanden, das Schroten von Weinfässern gehörte ebenso zur Aufgabe der gesamten Nachbarschaft wie etwa die Dorfwache oder Beschlußfassung über gemeinsame Angelegenheiten. An der Spitze der Gemeinde stand der aus ihrer Mitte demokratisch gewählte ‚Nachbarhann’ - das ‚Hann’ erinnert an Hunno, den Vorsteher der alten Hunschaft -, der sein Amt, wenn er einmal dazu bestellt war, genau wie bei den Hutterern nicht ablehnen durfte. Und wie bei den Täufern erstreckte sich sein Aufsichtsrecht bis in die Wohnstuben, wurde hier mit Hilfe einer Lebensordnung rechtzeitig gebannt, was den Frieden und die Sicherheit der Gemeinschaft beeinträchtigen konnte. Der Nachbarhann wachte darüber, daß sich kein fremdes Element in seine vom deutschen Gruppengeist geprägte Dorfgemeinde drängte, wobei ihm eine ‚Altschaft’ - vergleichbar mit den hutterischen Zeugbrüdern - beratend zur Seite stand. Dieses Nachbarschaftswesen weckte den Sinn für die Notwendigkeit gemeinsamer Ordnungen, für Selbstbeschränkung, Zucht und Sitte.“ (4, S. 220) (Dorfwache, der Nacht- oder Taghut; Halten und Stellen von Soldaten)
e) Militärgrenze zum Osmanischen Reich; aus Moselfranken im 12. Jahrhundert „als rodender Arm und kriegerische Faust“ in Siebenbürgen eingewandert (4, S. 204)
f) gegenüber Rumänen

12. Schlesien im 14. Jahrhundert

a) Verfünfachung der Bevölkerung im 13. und 14. Jahrhundert
b) Klöster als Vorreiter der Besiedlung
c) Städtegründungen (Handwerk)
d) wie in Siebenbürgen?
e) Rodung
f) ?

13. Deutschland 1770 – 1972

a) Von 1700 bis 1972 hat sich die Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Deutschland verfünfacht: von 15 Millionen auf 75 Millionen. (1, S. 67ff) „Diese Bevölkerungsvermehrung erfolgte nicht in allen deutschen Staaten gleichmäßig. Sie stieg zwischen 1816 und 1910 beispielsweise in Bayern und Württemberg um das Doppelte, in Preußen und Sachsen aber um das Vierfache der ursprünglichen Bewohnerschaft.“ (14, S. 192) Geborenenüberschuß (Zuwachsrate) nach 1750: 3 auf Tausend; 1816 - 1825: 16 auf Tausend; 1900/1910: 14,2 pro Tausend, 1925/1933: 5,1 pro Tausend (14, S. 150 - 153) Auswanderung im 19. Jahrhundert: rd. 5 Mio. (1, S. 69)
b) normal
c) Industrielle Revolution
d) ...
e) hohe Wochenstunden-Zahlen
f) wenig

14. Erste landwirtschaftliche Siedlungen im Vorderen Orient (akeramisches Neolithikum)

a) Verzehnfachung beim Übergang von Erntewirtschaft zu Getreideanbau (15, S. 15)
b) viele Hinweise auf Ahnenkult u. a.
c) Arbeitsteilung in Jagd und Ackerbau, zentrale Nahrungsaufbereitung für die ganze Siedlung (15, S. 24f)
d) enges stadtartiges Zusammensiedeln, Bau der Mauer von Jericho (15, S. 15)
e) sehr arbeitsintensive landwirtschaftliche Produktion (16) („Desperate times forced rise of farming“, [New Scientist, 25. 6.1994, S. 17])
f) umwohnende Jäger-Sammler- und Erntevölker-Populationen

15. Frankreich (1650 – 1730)

a) „Wir sind allesamt Kinder der ‚kinderreichen’ Familien der Vergangenheit.“ Hier „werden über 53 vom Hundert aller Kinder in kinderreichen Familien mit 6 und mehr Kindern geboren. Von 1.000 im 17. Jahrhundert in Frankreich geborenen Kindern sind beziehungsweise entstammen
42 Einzelkinder
68 Familien mit 2 Kindern
94 Familien mit 3 Kindern
131 Familien mit 4 Kindern
131 Familien mit 5 Kindern
133 Familien mit 6 Kindern
136 Familien mit 7 Kindern
120 Familien mit 8 Kindern
75 Familien mit 9 Kindern
29 Familien mit 10 Kindern
21 Familien mit 11 Kindern
11 Familien mit 12 Kindern
6 Familien mit 13 Kindern
3 Familien mit 14 Kindern.“ (17, S. 102f)

b), e) und f) „Regulierungsmechanismus Heirat“: Keine Empfängnis außerhalb der Ehe. Keine Eheschließung ohne ‚Niederlassung’. (17, S. 95f) Hohe Zahlen Unverheirateter. „Modell der Enthaltsamkeit, das die Landgeistlichen dem Bauernvolk vorlebten.“ (17, S. 85) „Uneheliche Geburten überaus selten.“ „In den Jahren 1650 - 1730 - es sind die Jahre, in denen die Instinktbeherrschung durchschnittlich am höchsten liegt - schwankt das christliche Europa zwischen 7 - 8 vom Hundert mit vorehelichem Geschlechtsverkehr in den am stärksten triebbeherrschten Kreisen und 20 - 25 vom Hundert in den laschesten Gegenden.“ (17, S. 96f)

Beispiele für eher stationäre oder schrumpfende Bevölkerungen

1. Eine niederösterreichische Bauernfamilie (1826 - 1996) (n = 3 Ehefrauen)

a) 4,3 Kinder pro Frau
b) katholisch
c) Kleinhäusler, vermögende Bauern, Offiziere, Beamte (9)

2. Eine brandenburgische Bauernfamilie (1810 - 2000) (n = 6 Ehefrauen)

a) 3,3 pro Frau
b) evangelisch
c) Bauern
d) ?
e) ?
f) nein (9)

3. Vorindustrielle Handwerkerfamilien in Oppenheim am Rhein(1650 – 1794)

a) 2 überlebende Kinder pro Ehe (4 Kinder überhaupt) (18, S. 193f)

4. Bauern der Krummhörn (Ostfriesland) (18. und 19. Jahrhundert)

a) 3,2 bis 4,2 überlebende Kinder pro Familie (4,3 bis 5,9 Lebendgeburten) (19, S. 69)
b) calvinistisch
c) Bauern
d) ?
e) ?
f) gewisse Heiratsschranken

5. USA (Los Angeles, weiße Mittelklasse) (heute) (n = 300)

a) 2,16 Kinder pro Frau (katholisch: 2,36; konfessionslos: 1,83) (2, S. 227, 232)
b) protestantisch 44 %, konfessionslos 25 %, katholisch 18 %, jüdisch 10 % (2, S. 225)
c) (70 % haben irgendwann in ihrem Leben professionelle psychiatrische Beratung aufgesucht: Psychologen [31 %], Pfarrer [25 %], Psychiater [21 %]) (2, S. 226)
d) lebende enge Verwandte (bis r = 0, 25): 14,1 (2, S. 226)
e) ?
f) ?

6. Amerikanische Ureinwohner (1490 – 1570)

a) Bevölkerungszusammenbruch von 80 bis 90 Millionen auf 12 - 15 Millionen innerhalb von 70 Jahren. „Dieser Zusammenbruch eines Fünftels der Menschheit binnen 70 Jahren ist historisch mit nichts exakt vergleichbar.“ (17, S. 118)

7. Römisches Weltreich im 4./5. Jahrhundert

a) Bevölkerungszusammenbruch von 65 bis 70 Millionen auf 18 bis 20 Millionen. Dies betrifft ein Viertel der damaligen Menschheit. (17, S. 60, 118)
_________
Literatur:

1. Miegel, Meinhard; Wahl, Stefanie: Das Ende des Individualismus. Die Kultur des Westens zerstört sich selbst. Verlag Bonn Aktuell, München 1993
2. Essock-Vitale, Susan M.; McGuire, Michael T.: What 70 million years hath wrought: sexual histories and reproductive sucess of a random sample of American women. In: Betzig, Laura; Borgerhoff Mulder, Monique; Turke, Paul (eds.): Human reproductive behaviour. A Darwinian perspective. Cambridge University Press, Cambridge 1988, S. 221 - 235
3. Holzach, Michael: Das vergessene Volk. Ein Jahr bei den deutschen Hutterern in Kanada. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München (11. Aufl.) 1992
4. Längin, Bernd G.: Die Hutterer. Gefangene der Vergangenheit, Pilger der Gegenwart, Propheten der Zukunft. Goldmann-Verlag, Hamburg 1986
5. Merk, Kurt Peter: Die Amish People. Modell einer alternativen Lebensform. Verlag Peter Lang, Frankfurt/M. 1986
6. Kraybill, Donald B: The Riddle of Amish Culture. The John Hopkins University Press, Baltimore, London 1989
7. Gerlach, Horst: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. 300 Jahre Amische. 1693 - 1993. Weierhof 1993
8. Imboden, Adrian: Die Produktions- und Lebensverhältnisse der Walliser Hochgebirsgemeinde Embd und Möglichkeiten zur Verbesserung der gegenwärtigen Lage. Verlag Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Bergbauern, Brugg 1956
9. Bading, Ingo: Meine Ahnen und ihre Zeit. Facharbeit für die Mittlere Reife. (Aufarbeitung der genealogischen Unterlagen der eigenen Familie) Realschule Homberg/Efze 1982
10. McClelland, Peter D.; Zeckhauser, Richard J.: Demographic Dimensions of the New Republic. American Interregional Migration, Vital Statistics, and Manumissions, 1800 - 1860. Cambridge University Press, Cambridge 1982
11. Lüning, Jens: Frühe Bauern in Mitteleuropa im 6. und 5. Jahrtausend v. Chr. Jb. Röm. Germ. Zentralmus. Mainz 35/1988 (I), S. 27 - 93
12. Keeley, Lawrence H.; Cahen, Daniel: Early Neolithic Forts and Villages in NE Belgium: A Preliminary Report. Journal of Field Archaeology 16/1989, S. 157 - 176
13. Seraphim, Hans-Jürgen: Rodungssiedler. Agrarverfassung und Wirtschaftsentwicklung des deutschen Bauerntums in Wolhynien. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, Berlin 1938
14. Marschalck, Peter: Bevölkerungsgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt/M. 1984
15. Bading, Ingo: Populationsstrukturen und Transitionsvorgänge im Levanteraum vom Epi-Paläolithikum zum PPNB. Anthropologisches Seminar, Mainz 1995 (unveröffentlichtes Manuskript)
16. Wright, Katherine I.: Ground-stone tools and hunter-gatherer subsistence in Southwest Asia. Implications for the transition to farming. American Antiquity, 59(2), 1994, S. 238 - 263
17. Chaunu, Pierre: Die verhütete Zukunft. Seewald-Verlag, Stuttgart 1981
18. Zschunke, Peter: Konfession und Alltag in Oppenheim. Beiträge zur Geschichte von Bevölkerung und Gesellschaft einer gemischtkonfessionellen Kleinstadt in der Frühen Neuzeit. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1984
19. Voland, Eckart: Differential reproductive success within the Krummhörn population (Germany, 18th and 19th Centuries. Behavioral Ecology and Sociobiology 26/1990, S. 65 - 72

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