Samstag, 5. Mai 2012

Die lange "Vorbrennphase" der "Neolithischen Revolution"

Ein um zehntausend Jahre verlängerter Vorlauf des Neolithikums im Vorderen Orient

Das Wichtigste in Kürze: Um 18.000 v. Ztr. hat es in einer Oase 70 Kilometer östlich von Amman (am östlichsten Rand des bis heute bekannt gewordenen Verbreitungsgebietes der damaligen Kulturstufe des "Kebaran") eine halbseßhafte Siedlung von einer Größe gegeben, wie sie - nach heutigem Wissensstand - erst wieder ab 9.500 v. Ztr. mit der vollneolithischen Lebensweise erreicht worden ist (s. Wiki). Die halbseßhafte "Vorlaufphase" zur vollneolithischen Lebensweise, in der offenbar die neue Lebensweise in vielen tausenden von Jahren um evolutionäre Stabilität rang, dauerte somit nicht 3.000, sondern 13.000 Jahre.
 
Vor fünfzehn Jahren war die Erkenntnis spannend, daß die ersten Ackerbaukulturen nicht fünf-, sondern zehntausend Jahre alt sind. Bis in die 1980er Jahre hinein wurde dabei die "neolithische Revolution" von der Forschung auch als ein einmaliger großer gewaltiger Akt angesehen. Aber in den 1980er und 1990er Jahren breitete sich dann die Erkenntnis aus, nicht nur daß die Neolithische Revolution fünftausend Jahre vorher stattgefunden hat als bis dahin gedacht, sondern daß die neolithische Lebensweise der Menschheit dabei auch - sozusagen - wie eine dreistufige Rakete startete (4-6). Diese Erkenntnis wurde damals unter anderem recht anschaulich popularisiert durch den Wissenschaftsjournalisten Roger Lewin (Abb. 1).


Abb. 1: Neolithische Revolution - frühere und heutige Vorstellung (aus: Roger Lewin, 1992)

Diese drei Stufen hießen (und heißen noch heute) im Fachjargon: Kebaran --> Natufium --> PPNA / PPNB. Also: kleine umherziehende Jäger-Sammler-Verbände --> halbseßhafte Erntevölker --> Dorfkultur / Stadtkultur. Einen vielleicht ganz brauchbaren Forschungsüberblick habe ich dazu einmal 1995 in einer Seminararbeit gegeben (6). Diese Stufenabfolge ist auch noch einmal in Abbildung 2 differenzierter - zusammen mit den jeweiligen Siedlungsgrößen dargestellt.


Abb. 2: Die Kulturstufen der neolithischen Revolution (aus: T. Molleson, 1994, ergänzt durch I.B.)

Bis zum gegenwärtigen Jahr 2012 hatte man nun angenommen, daß diese "Rakete" zwar dreistufig gestartet sei, aber praktisch "aus dem Stand" losgeflogen wäre, daß die Menschen im Vorderen Orient bis zum Start jener "Rakete" um 12.000 v. Ztr. (14.000 v. h.) dort immer noch so gelebt hätten - vor allem mit ähnlicher Siedlungsdichte -, wie noch heute die Buschleute in Südafrika in der Kalahari.

Doch spätestens seit Anfang dieses Jahres wissen wir: die erste Stufe dieser Rakete "Neolithische Revolution" mußte sage und schreibe siebentausend Jahre länger brennen, als bislang bekannt, um jene ausreichende Beschleunigung zu erlangen, die schließlich dazu ausreichte, den weit entfernten Planeten "Dorfkultur"/Ackerbau zu erreichen (und von dort aus dann - über weitere Brennstufen - den noch viel weiter entfernten Planeten "industrielle Revolution", auf dem wir heute leben). Was also haben wir dieser dreistufigen Rakete alles zu verdanken! Was wäre passiert, wenn ihr zwischendurch der Brennstoff ausgegangen wäre? (Wenn wir nur diesen Brennstoff überhaupt schon kennen würden.) Aber wieviel mehr noch haben wir vielleicht nun ihrer vieltausendjährigen "Vorbrenn"-Zeit zu verdanken?!

Diese erste genannte Stufe "Natufium" hatte beinhaltet: Halbseßhaftigkeit aufgrund des Jagens großer Gazellenherden und des Erntens von wildem Getreide. Diese Kennzeichen galten als das menschheitsgeschichtlich Neue der Kulturstufe des Natufium (12.000-9.000 v. Ztr.) (Wiki). Jene Kulturstufe, in der in der heutigen Südtürkei auch das berühmte Bergheiligtum von Göbekli Tepe (11.000 v. Ztr.-8.000 v.Ztr.) (Wiki) entstanden ist. Seit Kurzem wissen wir nun: Auch das Entstehen dieses Bergheiligtums war der Endpunkt nicht eines vielleicht 2.000-tausendjährigen "Brennens" der Raketenstufe "Natufium", sondern der Endpunkt eines sieben- bis zehn-tausendjährigen "Brennens", nämlich mitsamt der Kulturstufe des vorausgehenden Kebaran (21.000-12.000 v. Ztr.) (Wiki) zusammen. Klar ist: die ersten Tempel entstanden, noch bevor die Siedlungs- und Lebensformen Stadt, Dorf oder Vollseßhaftigkeit überhaupt erreicht waren. Sprich: Die Rakete der Götter der Menschen beschleunigte noch früher, als die der Menschen selbst ... (- ... Und vielleicht war das ja schon ein Teil des Brennstoffes? ....)

Die dreistufige Rakete "Neolithische Revolution"

Jedoch: Von den Göttern der Menschen, die in den zehntausend Jahren Vorbrennzeit vor dem Natufium lebten, also in der ihm vorausgehenden Kulturstufe des Kebaran (21.000-12.000 v. Ztr.)(Wiki), wissen wir bis heute noch so gut wie nichts. Auffallenderweise. Wenn aber auch diese Kulturstufe schon gekennzeichnet sein sollte durch das Merkmal der Halbseßhaftigkeit, wie seit Anfang dieses Jahres bekannt (1), dann bekommt das Neolithikum einen (Brenn-)Vorlauf, der bis in die Zeit zurückreicht, in der in Europa die Renntierjäger der Eiszeit ihre kunstvollen Höhenmalereien und Elfenbeinfigurinen ausgestalteten.


Abb. 3: Verbreitungsgebiet der Kultur des Kebaran mit dem östlichen Außenposten Kharaneh IV

Schon vor zehn Jahren war an einer Ausgrabungsstätte am See Genezareth (Ohalo, engl., Arch.) eine 21.000 Jahre alte Siedlung gefunden worden (bdw 2001), die 2.000 Quadratmeter (0,2 Hektar) umfaßte. So ungewöhnlich sie erscheinen mußte, hatte sie doch bis heute noch als eine Art "merkwürdiger Einzelfall" gelten können. Doch in diesem Jahr wird eine etwa zeitgleiche Siedlung 70 Kilometer östlich von Amman in Jordanien (vgl. Abb. 1) bekannt, die sogar schon zehnmal so groß war wie jene Siedlung am See Genezareth, nämlich 21.000 Quadratmeter (2,1 Hektar) umfaßte. Ihr Name: "Kharaneh IV" (s.a. Wiki) (1):
Kharaneh IV is unparalleled in size and artifact density for the entire Epipalaeolithic, Natufian included.
"Natufian included" schreiben die Forscher! Was in diesen beiden Worten enthalten ist. Das heißt, für die Zeit seit 18.000 v. Ztr. hat es bis zum Beginn der vollneolithischen Lebensweise des PPNA ab etwa 9.500 v. Ztr. nach heutigem Kenntnisstand nie wieder eine so große Siedlung gegeben, wie am östlichsten Rand des derzeit bekannten Verbreitungsgebietes der Kultur des Kebaran um - - - 18.000 v. Ztr. (s. Abb. 2). Und das, obwohl das Natufium mehrere Jahrtausende umfaßte und archäologisch vergleichsweise gut erforscht ist. - Mußte etwa bei der Raketenzündung selbst mehr Energie aufgewendet werden, als im nachmaligen "Brennvorlauf"? Die Forscher schreiben (2):
Die letzte Phase des Epipaläolithikums, die dem Neolithikum unmittelbar voraus geht
(also das Natufium ab 12.000 v. Ztr.)
ist bei weitem die am besten erforschte was ihren kulturellen und wirtschaftlichen Beitrag betrifft zu Fragen des Ursprungs des Ackerbaus. Erst jüngst erkennen die Archäologen die früheren Phasen des Epipaläolithikums 
(also das Kebaran ab 20.000 v. Ztr.)
als kulturell dynamischer und der späteren Natufium-Phase ähnlicher als bislang gedacht. Das frühere Epipaläolithikum wird zunehmend erkannt als eine Phase, die jene Variabilität der Lebensweise und der Innovationen demonstrieren, die helfen, den wirtschaftlichen, technologischen und sozialen Wandel zu verstehen, der mit den komplexen Jäger-Sammlern des Natufium und der Bauern des Neolithikums verbunden ist.
Das heißt: Die achttausend Jahre Kulturstufe des Kebaran helfen uns, den Raketenaufbau und das Funktionieren der Rakete insgesamt besser zu verstehen. Es wird somit deutlicher, daß das Natufium und das Kebaran zusammen gesehen werden müssen, daß die erste Stufe der genannten Rakete nicht "Natufium" heißt, sondern "Natufium & Kebaran". Daß das Natufium womöglich nur die gesellschaftlich stabilisiertere "Endphase" des Kebaran darstellt. Es wird also inzwischen deutlich mehr die Kontinuität zwischen Kebaran und Natufium betont, als die Diskontinuität. Das Natufium, bzw. dann das nachfolgende PPNA mögen nur die endlich "stabil" gewordene Endphase dessen aufzeigen, was in 13-tausend Jahren zuvor noch größere Instabilität und Seltenheit aufgewiesen haben mag.

Die Rakete - Wie startete sie? Wie beschleunigte sie? ...

Abb. 2: Vereinzelte Gräber oder Menschenknochen
Diese herausragende Siedlung "Kharaneh IV" befindet sich in einer heutigen Steppen- bzw. Wüstenregion in der Nähe einer (vormaligen) Oase. Zur Zeit ihres Bestehens vor 20.000 Jahren war es dort (auf dem Höhepunkt der Eiszeit in Nordeuropa) deutlich feuchter. Somit verdichtet sich das Bild darüber, daß die halbseßhafte Vorläuferkultur im Vorderen Orient viel längere "Anlaufzeiten" zur Erreichung der Vollseßhaftigkeit genommen hatte, als man das bisher ahnen konnte. Es wird berichtet (Archäologie Online, Febr. 2012):
Das Areal wurde regelmäßig saisonal von einer großen Gruppe besiedelt und für rituelle Zwecke genutzt. Die Ergebnisse der Ausgrabungen von Kharaneh und von anderen gleichzeitigen Fundstellen wie Ohalo II am See Genezareth deuten immer stärker darauf hin, daß der Beginn von - zumindest saisonaler - Sesshaftigkeit und "dörflichen Strukturen" deutlich früher zu suchen ist als bisher allgemein angenommen.
Und in einem aus dem Englischen übersetzten Bericht (Astropage, 24.2.12):
Die Archäologen gruben hunderttausende von Steinwerkzeugen, Tierknochen und anderen Funden in Kharaneh IV aus, das sich heutzutage nur mehr als ein 3 Meter hoher Erdhügel über die Wüstenlandschaft erhebt. (...) Bis jetzt hat das Team zwei Hütten komplett ausgegraben, doch unter dem Wüstensand könnten sich noch einige mehr verbergen. "Sie sind nicht unbedingt groß. In der Länge messen sie maximal zwei bis drei Meter und sie wurden in den Boden gegraben. Wände und Dach waren aus Geäst, das verbrannt ist und einstürzte und dunkle Markierungen hinterließ", beschreibt Dr. Tobias Richter von der Universität Kopenhagen und einer der Co-Direktoren des Projekts. (...)
Obwohl ein Archäologenteam bereits 1989 bei Ausgrabungen in Ohalo II am Ufer des Sees Genezareth das mit 23.000 Jahren älteste hüttenartige Bauwerk gefunden hatte, glaubt das Team an der Grabungsstätte Kharaneh IV, daß ihre Entdeckung nicht weniger bedeutend ist, wie Dr. Maher erklärt: "Im Inneren der Hütten fanden wir Stapel von sorgfältig ausgebrannten, ausgehöhlten Gazellen-Hörnern, Klumpen von rotem Ocker-Farbstoff und einen Vorrat von hunderten, gelochten Meeresmuscheln. Diese Muschelperlen wurden über eine Strecke von mehr als 250 Kilometern vom Mittelmeer und dem Roten Meer an diesen Ort gebracht was beweist, daß die Menschen dort sehr gute regionale soziale Netzwerke hatten und Gegenstände über beträchtliche Entfernungen hinweg austauschten."
Wie noch Jahrtausende lang später während der Vollseßhaftigkeit (bis etwa 6.000 v. Ztr.) in dieser Region stellte wahrscheinlich die Jagd auf Gazellenherden die Hauptsubsistenzgrundlage dar:
Gazellen machen bis zu 90 % der Tierfunde in Khanareh IV aus und die Forscher glauben, daß jene Gazellen, die die Wasserlöcher im Talboden aufgesucht haben, der ursprüngliche Anziehungspunkt für die Jäger-Sammler waren.
In der neuen Studie (1) wird aber auch auf deutliche Unterschiede zwischen Kebaran und Natufium hingewiesen:
Archaeologists have tended to contrast the flimsy, ephemeral, short-term dwellings of the Early and Middle Epipalaeolithic
(also des Kebaran)
with the more durable, long-lived and solidly-built constructions of the (Early) Natufian. This is further exemplified by reference to earlier Epipalaeolithic structures as ‘huts’ and later Natufian and early Neolithic structures as ‘houses/homes’. However, that supposedly more ‘solid’ constructions do not imply more permanent occupation or long-term use has not gone unnoticed by researchers. The apparent contrast between earlier Epipalaeolithic and Natufian structures is further highlighted by an increasing emphasis on the non-domestic, ritual use of structures during the Natufian and the Pre-Pottery Neolithic A, and lack of evidence for (but acknowledgement of the possibility of) these ‘special’ uses in earlier phase.
Also die Wohnstrukturen des Natufium sind die Archäologen eher geneigt, als Häuser anzusprechen, als jene des Kebaran, die eher nur "Hütten" gewesen zu sein scheinen, wenn auch die Dauer der Benutzung bei beiden ähnlich gewesen sein mag. Außerdem gibt es im Natufium bisher noch deutlichere Hinweise auf nichthäusliche, rituelle (sprich religiöse) Betätigung - sprich in letzter Instanz Tempel - als im Kebaran. (Sprich: Die Götter des Kebaran bleiben - zumindest den Archäologen bisher - unsichtbar.) Die gejagten Gazellen lebten das ganze Jahr über in der unmittelbaren Nähe der Oase, sie unternahmen also keine Wanderzüge (9). Sie wurden auch nicht nur im Frühling, sondern auch in anderen Jahrezeiten gejagt (9). Das sind Hinweise darauf, daß der Reichtum an Gazellen eine vergleichsweise seßhafte Lebensweise ermöglicht haben könnte. - Wie sieht es diesbezüglich bei den vergleichbaren Buschleuten in der Kalahari diesbezüglich aus (Wiki):
Die Siedlungsstellen unterscheiden sich in ihrer Dauerhaftigkeit von nächtlichem Regenschutz im warmen Frühling (wenn die Menschen regelmäßiger unterwegs sind auf der Suche nach knospenden Grünpflanzen) bis hin zu formalisierten Ringen, zu denen sich Menschen in der trockenen Jahreszeit um Wasserlöcher sammeln, die das ganze Jahr über nicht austrocknen.
- Original: Villages range in sturdiness from nightly rain shelters in the warm spring (when people move constantly in search of budding greens), to formalised rings, wherein people congregate in the dry season around permanent waterholes.
Daß eine Lokalgruppe, bzw. "Horde" (engl. "camp") mit 30 bis 60 Menschen (10 bis 15 Familien) bei den Buschleuten zeitweise gemeinsame Siedlungsstellen haben, ist gut bezeugt (6, S. 9). Um die Siedlungsgröße von Khanareh IV zu erreichen, müssen wohl zehn oder mehr solcher Lokalgruppen ("Horden") zusammen siedeln. Es wäre noch zu klären, ob so etwas bei den Buschleuten vorkommt oder bei vergleichbaren Wüstenvölkern (etwa den Tuareg). Natürlich mag man mutmaßen, daß bloßes Zusammensiedeln aufgrund von Wildreichtum noch nicht zwangsläufig größere soziale Komplexität mit sich bringen muß. Wobei dieses Zusammensiedeln ja womöglich auch wieder aufgegeben wurde nach dem Ende dieser in dieser Region klimatisch günstigen Jahrtausende.

... - Und: Was war der Brennstoff?

Es wäre noch zu klären, ob die ungewöhnliche Siedlungsgröße von 21.000 Quadratmetern (2,1 Hektar), die während der gut erforschten 3.000 Jahre Natufium nie erreicht wurde (nur bis 0,5 Hektar), auch schon gelegentlich in der Kalahari erreicht wird oder in vergleichbaren Wüstenregionen (etwa von den Tuareg, wenn sie sich sammeln). Und es wird spannend sein zu erfahren, ob eine solche Siedlungsgröße ein einmaliges Auftreten darstellt oder in jener Zeit häufiger in dieser Region vorkam und nur bis heute noch nicht entdeckt wurde.

2017 - Auch Nachweise auf ähnlich frühes Ernten von wildem Getreide finden sich ..... 


Ergänzung 30.10.2017: Neuerdings zeigen ancient-DNA-Studien an Pflanzenresten aus dem Vorderen Orient und aus Ostasien (7, 8) auf, daß jene Gene, die für das Ernten von wildem Getreide oder Reis zwangsläufig durch Menschen selektiert werden an diesen Pflanzen, ebenfalls schon mehrere zehntausend Jahre früher selektiert worden sein können als bislang gedacht. Es handelt sich um Gene, die dafür sorgen, daß die Getreide- oder Reiskörner in den Ähren haften bleiben und sich nicht von selbst zerstreuen. Die ancient-DNA-Studien bestätigen zunächst, daß in der bisher bekannten Domestikationsphase dieser Pflanzen die Selektionsrate dieser Gene vergleichsweise hoch war. Zugleich aber stießen die Studien darauf, daß die Selektionsrate zum Teil schon mehrere zehntausend Jahre vorher über einer natürlichen Selektionsrate diesbezüglich lagen.

Wildes Getreide gilt bei vielen Völkern, die normalen Ackerbau nicht kennen, als Hungerpflanze, deren Samen nur in größten Notzeiten gesammelt wurde. Die neuen Forschungsergebnisse würden aber nun zeigen, daß das Ernten von wildem Getreide über die Jahrtausende hin doch einen einigermaßen regelmäßigen Bestandteil der Nahrungsversorgung jener Völker bildete, deren Siedlungsdichte - nach den bisherigen archäologischen Zeugnissen - in der Regel nicht höher war als die der heutigen Buschleute in der Kalahari in Südafrika.

Und übrigens: Wenn Getreidegene schon so früh selektiert wurden, warum sollte das dann für Gehirngene des Menschen (in der von ihm betriebenen Selbstdomestikation) nicht ebenfalls gelten?


/Letzte Überarbeitung,
unter anderem anhand von (9):
7.12.2017/

_____________________________________________________
ResearchBlogging.org 

  1. Maher, L., Richter, T., Macdonald, D., Jones, M., Martin, L., & Stock, J. (2012). Twenty Thousand-Year-Old Huts at a Hunter-Gatherer Settlement in Eastern Jordan PLoS ONE, 7 (2) DOI: 10.1371/journal.pone.0031447
  2. Maher LA, Richter T, Stock JT (2012): The Pre-Natufian Epipaleolithic: Long-Term Behavioral Trends in the Levant. In: Evolutionary Anthropology 21: 69 - 81
  3. Michael Balter: New Light on Revolutions That Weren't. In: Science 4 May 2012: Vol. 336 no. 6081 pp. 530-531 DOI: 10.1126/science.336.6081.530
  4. Lewin, Roger: Spuren der Menschwerdung. Die Evolution des Homo sapiens. Heidelberg 1992
  5. Molleson, T.: Die beredten Skelette von Tell Abu Hureyra. In: Spektrum der Wissenschaft, Oktober 1994, S. 98 - 103
  6. Bading, Ingo: Die Neolithische Revolution im Vorderen Orient 12.000 bis 6.000 v. Ztr.. (Eigentlicher Titel: Populationsstrukturen und Transitions-Vorgänge im Levanteraum vom Epi-Paläolithikum bis zum PPNB.) Seminararbeit für den Anthropologischen Kurs II (Populationsstrukturen) von PD Dr. Winfried Henke, Universität Mainz, SS 1995
  7. Crops evolved 10 millennia earlier than thought October 23, 2017, https://phys.org/news/2017-10-crops-evolved-millennia-earlier-thought.html
  8. Geographic mosaics and changing rates of cereal domestication Robin G. Allaby, Chris Stevens, Leilani Lucas, Osamu Maeda, Dorian Q. Fuller Published 23 October 2017.DOI: 10.1098/rstb.2016.0429, http://rstb.royalsocietypublishing.org/content/372/1735/20160429
  9. Elizabeth Hentona, Louise Martina, Andrew Garrarda, Anne-Lise Jourdan, Matthew Thirlwallc, Oliver Boles: Reports Gazelle seasonal mobility in the Jordanian steppe: The use of dental isotopes and microwear as environmental markers, applied to Epipalaeolithic Kharaneh IV. In: Journal of Archaeological Science: Reports Volume 11, February 2017, Pages 147-158, http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352409X16306903

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