Freitag, 12. November 2010

Die Bandkeramiker - ein genetisch einzigartiges Volk

Neue Genreste eines untergegangenen Volkes analysiert

Abb. 1: Erntemesser und Beile der Bandkeramiker (Wiki)
Weitere Genreste von Skeletten der ersten Bauern Mitteleuropas, der Bandkeramiker (Wiki), und zwar aus dem Umland des Harzes, sind vor kurzem vor allem wieder durch Mainzer Forscher analysiert worden (1 - 4). Die Forschungsergebnisse bestätigen  zunächst wesentliche bisherige Erkenntnisse (5 - 7), nämlich:

a) Daß die Bandkeramiker offenbar nach derzeitigem Kenntnisstand nicht - oder nur wenig - von ihrer Vorgängerkultur, den Jägern und Sammlern, sprich "Mesolithikern" Mitteleuropas, abstammen. Letztere sind zumindest in Mitteleuropa zu großen Teilen ausgestorben, wahrscheinlich jeweils etwa zeitgleich mit dem Auftreten der Bandkeramiker. (Allerdings sind aus dem näheren Ursprungsgebiet der Bandkeramiker noch keine mesolithischen Genreste analysiert worden - siehe dazu mehr unten.)

b) Daß die Bandkeramiker einige genetische Eigentümlichkeiten aufweisen, die in keiner archäologischen, geschichtlichen oder heutigen Bevölkerung weltweit bisher aufgefunden worden sind (große Häufigkeit des mitochondrialen Haplotypen N1a, der sonst nur sehr selten auftritt). Daß sie also nicht nur kulturell, sondern auch genetisch ein einzigartiges Volk waren, (das deshalb wahrscheinlich auch aus einer Flaschenhals- und Gründerpopulation am Neusiedler See erst als solches durch Ethnogenese hervorgegangen ist und wohl auch nicht genetisch identisch sein kann mit irgendeiner anderen archäologischen Kultur auf dem Balkan oder aus dem Schwarzmeer-Raum). 

c) Daß die Bandkeramiker - ebenso wie die schon erwähnten vormaligen mesolithischen Fischer, Jäger und Sammler des mitteleuropäischen Raumes - genetisch heute als zu großen Teilen ausgestorben angesehen werden müssen.

Wem waren die Bandkeramiker genetisch am meisten verwandt?

Als differenziertere Neueinsichten treten mit der neuen Analyse hinzu:

d) Daß von den insgesamt 42 bislang analysierten Individuen der Bandkeramiker in Mitteleuropa  (1, S.4)
- sechs Individuen (knapp 15 %) den fast "einzigartigen" Bandkeramiker-Haplotypen N1a aufweisen,
- (mindestens) 11 Individuen (25 %) Haplotypen aufweisen, die heute zu gleichmäßig in Europa verteilt sind, als daß ihnen eine enger umgrenztere Herkunfts- oder (Rest-)Fortexistenz-Lokalität irgendwo in Europa zugeschrieben werden könnte,
- nur (mindestens) 10 weitere Individuen (25 %) genetische Verwandtschaften aufweisen zu solchen Populationen, die tatsächlich enger eingegrenzt werden können, nämlich:
a) - (mindestens) drei (knapp 10 %) zu Populationen, die heute noch in Mitteleuropa leben (etwa Slowenen, Slowaken, Ungarn und andere)
b) - (mindestens) eines zu heutigen Engländern,
c) - (mindestens) fünf (gut 10 %) zu heutigen Südrussen, Osseten, Georgiern, Armeniern, Türken, Irakern, Iranern - also ganz grob zum heutigen Schwarzmeer- und Kaukasus-Raum.
Von diesen letzteren fünf Haplotypen leiten die Forscher als "Hauptergebnis" ihrer Studie ab, daß nicht nur die domestizierten Pflanzen und Tiere der Bandkeramiker aus der Südtürkei und dem Levanteraum stammen - was sich in der Tat in den letzten Jahrzehnten unwiderlegbar erwiesen hat -, sondern daß "im Wesentlichen" auch ihre eigenen Gene von dort her stammen:
Herausragendes Ergebnis der Studie ist der erstmalige molekulargenetische Nachweis, wonach das genetische Profil der frühen neolithischen Siedler aus Derenburg große Ähnlichkeit mit heute lebenden Populationen im Nahen Osten aufweist. 
Diese Deutung ist, soweit übersehbar, aus 10 % der genannten 25 % analysierten Genreste abgeleitet worden, die Verwandtschaft zu lokalisierbaren Populationen aufweisen. Angesichts dieses geringen Anteils verliert diese apodiktische Aussage dann doch ziemlich viel an Aussagekraft. Wenn es dann aber noch weiter heißt:
Die größte ökonomische Umwälzung in der Menschheitsgeschichte - die Neolithische Revolution - hat ihren Ursprung in einer Region, die vermutlich die Heimat aller Europäer bildet und wurde in Migrationswellen nach außen getragen,
so sind die letzten beiden Halbsätze mißverständlich bis grundlegend falsch schon deshalb, weil ja die angenommenerweise im Wesentlichen aus dem Vorderen Orient "zugewanderten" Bandkeramiker inzwischen auch schon ausgestorben sind - so sagt es auch die Studie - und durch ganz andere Bevölkerungen ersetzt worden sind.

Kritische Einwürfe zum Hauptergebnis der Studie

Es ist aber zusätzlich noch anzumerken, daß zur Deutung der genetischen Verwandtschaft von Spätmesolithikern in Mecklenburg - nicht zu dortigen heutigen Bevölkerungen, sondern zu Bevölkerungen im heutigen Lettland - auch vorgeschlagen worden ist (7), daß sich ihr genetisches Erbe in Randgebieten Europas eher hat halten können, als im mittleren Europa (statt bloß von dort her zu stammen). Warum sollte man also ein ähnliches Szenario auch für die Bandkeramiker von vornherein ausschließen, zumal jüngst eine Studie an Genresten aus einem Megalithgrab in Westfrankreich außerhalb des bandkeramischen Verbreitungsgebietes ebenfalls typische Bandkeramik-Gene aufzeigen konnte (8) (ähnlich übrigens auch bei den Spätmesolithikern in Mecklenburg: 7), was beides dahingehend gedeutet worden ist, daß sich die Gene der Bandkeramiker über das archäologisch festgestellte dichtbesiedelte Verbreitungsgebiet der Kultur der Bandkeramiker - zumal auch nach dem Untergang der bandkeramischen Kultur und in Nachfolgekulturen - hinaus ausgebreitet haben könnte (bzw. dort auch in "verdünnter" Weise fortexistiert haben könnte).

Für die aufgezeigte genetische Verwandtschaft  von 10 % der analysierten Bandkeramiker-Genreste zu heutigen Populationen im Schwarzmeerraum kann also durchaus auch ein überlagerter Prozeß von "Wanderung und Rückwanderung" angenommen werden. Da sich die bevölkerungsreiche Bandkeramik-Kultur auch weit in die Ukraine hinein ausgebreitet hat, könnte nämlich auch umgekehrt gefragt werden, ob nicht die heutigen Bandkeramiker-Verwandten im Schwarzmeer-Raum von Zuwanderern aus Mitteleuropa abstammen.

Kommentatoren auf "Dienekes Anthropology Blog"

Manche Kommentatoren auf "Dienekes Anthropology Blog" (2), wo viele kenntnisreiche Leute mitdiskutieren, äußern ähnlich gelagerte Vorbehalte. Diese sollen hier noch zur Bekräftigung angeführt werden. Ein Kommentator "Polak" hebt zu dieser Studie etwa unter anderem die wichtigen Tatsachen hervor: 
- It showed that modern Europeans don't have strong links to these LBK farmers, nor do modern groups from the Caucasus and Iran.
- It didn't show that any of the other lineages common in Europe today came later to Europe than these Near Eastern LBK farmers.
- R1a tribes most likely largely snuffed out the descendants of the G and F* LBK farmers in Central-Eastern Europe, after learning a few tricks (ie. metallurgy), and expanding from north and east of the Carpathians during the late Neolithic.
Die heutigen Mitteleuropäer haben keine auffällige genetische Verwandtschaft mit Iranern

Mit den "R1a tribes" sind die kupfer- und bronzezeitlichen Indoeuropäer gemeint, die Schnurkeramiker und deren kennzeichnender Y-Chromosomen-Haplotyp, die zu noch nicht bekannten Anteilen die heutigen genetischen Vorfahren der Europäer bilden. Dienekes selbst hebt zu den analysierten Y-Chromosom-Haplotypen der Bandkeramiker noch die erstaunliche Tatsache hervor:
It is also fascinating that the presence of 33.3% haplogroup G2 in the German Neolithic is matched by a presence of 33.3% haplogroup G2 in 7th c. Bavarian knights, and maybe even the latest French royalty.
Haben sich also die Gene der Bandkeramiker über die männliche Linie besser in Mitteleuropa gehalten als über die weibliche? Kommentator "eurologist" hebt ebenso die wesentliche Tatsache hervor, daß noch keine Genreste in mesolithischen Skeletten im Umkreis des Ursprungsgebietes der Bandkeramiker, also im Donauraum analysiert worden sind:
There is no reason to assume the currently available mesolithic data apply to the pre-neolithic Danubian. If anything, evidence indicates that Europe was not homogeneous. The middle Danubian had 8,000 years of opportunity after LGM of easy contact with people along the Black Sea. So just based on that, one would assume the pre-neolithic middle Danubian to show some proximity to Anatolia and to the Southern Caucasus. 
Außerdem sagt er etwas noch Wichtigeres, auf das auch wir das Schwergewicht der Argumentation legen:
They declare those haplogroups that are widely distributed in the NW (but much less so in the SE) as uninformative, and those with more significant local occurrence (incidentally more so in the SE) as informative. Then they claim the ratio between these two is pertinent*. Clearly this ratio just by construct hugely favors the SE.
(*) the "uninformative" far outnumber the "informative".
Die nicht auf heutige Populationen beziehbaren Bandkeramiker-Gene bilden die Mehrheit

Das ist wohl die wichtigste Anmerkung, die man zu dieser Studie machen muß. Wollte man Ergebnisse hervorheben, die möglichst in das politisch korrekte Bild unserer vorgeblichen "Einwanderungsgesellschaft" von heute passen? Und weiter:
On the flip side, the weird N1a, thought to be so significant, has almost no match SE of Hungary (2 in Iran versus 9 in Hungary and NW of there). And, Iran is high because it matches three U5a - not exactly your typical, expected neolithic line! The other high scorers in the SE are mostly T and T2.
Und dann sagt er, er bliebe bei seiner Interpretation, daß die Bandkeramik im wesentlichen als eine lokale donauländische Population entstanden wäre, eine Interpretation, die auch dem Schreiber dieser Zeilen vorerst noch als die plausibelste erscheint, solange nicht stärkere Argumente für eine vorwiegende Herkunft aus dem Schwarzmeerraum vorgelegt werden:
I stick by my interpretation that LBK started essentially with a local middle-Danubian population, just very slightly modified by agriculturalist newcomers from Anatolia. That also matches the finding that a large 16% of lineages found are unique to LBK.
Jedenfalls: Daß derartige in vielerlei Hinsicht noch ganz vorläufige Forschungsergebnisse von einigen der Forscher ziemlich direkt als Argumente in der Sarrazin-Debatte verwandt werden (4), wird man auf den ersten Blick fast als ein wenig "dümmlich" auffassen müssen. Wenn aber die Verwendung derartiger Argumente die öffentliche Aufmerksamkeit für derartige Forschungen erhöht, mag ja auch das dazu dienlich sein, die oft so hermetisch abgeriegelten Mauern des Elfenbeinturmes der Wissenschaft aufzubrechen, um dem von unserer Bundeskanzlerin favorisierten "christlichen Menschenbild" ein moderneres und evolutionär angepaßteres entgegenzusetzen.
Wie in Bezug zu setzen zur Sarrazin-Debatte?

Denn nicht nur Thilo Sarrazin hat erkannt, daß die Wissenschaft dazu dient, die Überlebensgesetze von komplexen Gesellschaften, die Ursachen, Folgen und die Bedeutung ihres kulturellen und genetischen Entstehens ("Ethnogenese"), sowie ihres Untergangs ("Kollaps") zu erforschen. Hier ist natürlich insgesamt noch viel Arbeit zu leisten. Schlußfolgerungen aus Einzelergebnissen wie die dieser Studie können deshalb nur sehr überlegt und behutsam gezogen werden. Und schon gar nicht, so lange die Ergebnisse noch auf so schmaler Materialbasis beruhen und ein so widersprüchliches Bild aufzeigen. Um so umfangreicher das Wissen von der kulturellen und genetischen Geschichte der Menschheit insgesamt dabei mit in Rechnung gestellt wird und auf einen Nenner gebracht werden kann, um so gültiger werden die Schlußfolgerungen sein, die man aus diesem Wissen dann ableitet.

Als gemeinsame Nenner stehen die Konzepte von "Gen-Kultur-Koevolution", sowie von "gruppenevolutionären Strategien" im Raum. Welche Spielräume solche Konzepte der Humanevolution lassen, was etwa das Verschieben von großen Bevölkerungsteilen von einem Land zum anderen betrifft, ohne daß sich dies mittelfristig evolutionär nachteilig auf die künftige Humanevolution auszuwirken wird, das wird sicherlich von der Forschung in den nächsten Jahren noch genauer auszuloten sein.
________________________________________
  1. ResearchBlogging.orgHaak, W., Balanovsky, O., Sanchez, J., Koshel, S., Zaporozhchenko, V., Adler, C., Der Sarkissian, C., Brandt, G., Schwarz, C., Nicklisch, N., Dresely, V., Fritsch, B., Balanovska, E., Villems, R., Meller, H., Alt, K., Cooper, A., & , . (2010). Ancient DNA from European Early Neolithic Farmers Reveals Their Near Eastern Affinities PLoS Biology, 8 (11) DOI: 10.1371/journal.pbio.1000536
  2. Dienekes: Near Eastern origin of European Neolithic farmers, Dienekes Anthropology Blog, 9.11.2010
  3. Khan, Razib: European man of many faces: Cain vs. Abel, Gene Expression, 9.11.2010
  4. Bading, Ingo: "Deutschland schafft sich ab"-Debatte: Mainzer Humangenetiker mischen sich ein. Auf: GA-j!, 11.11.2010
  5. Bading, Ingo: Die weltgeschichtliche Bedeutung der bandkeramischen Kultur. Auf: Studium generale, 22.1.2009
  6. Bading, Ingo: 4.100 v. Ztr.: Die modernen Nordeuropäer entstehen in Ostholstein. In: Studium generale, 18.9.09.
  7. Bading, Ingo: 3.100 v. Ztr.: Mecklenburger Jäger und Fischer tragen einige den Bandkeramiker-Genen verwandte Gene in sich. Auf: Studium generale, 21.11.2009
  8. Deguilloux MF, Soler L, Pemonge MH, Scarre C, Joussaume R, & Laporte L (2010). News from the west: Ancient DNA from a French megalithic burial chamber. American journal of physical anthropology PMID: 20717990

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Herr Bading, wissen Sie darüber mittlerweile eigentlich noch etwas mehr? Ich habe nämlich gerade Harald Haarmanns neues Buch "Auf den Spuren der Indoeuropäer: Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen" in der Hand und da wird behauptet, die Bandkeramiker wären keine neue Population, sondern die alten Jäger und Sammler, die das "Agrarpaket" angenommen hätten?! Das scheint mir nicht der neusten Forschung zu entsprechen.

Ingo Bading hat gesagt…

Nö, entspricht nicht dem neuesten Stand.
Das dürfte auch für jene, die die Erforschung alter DNA nicht sehr genau im Auge behalten, sehr schwierig sein, hier monatsaktuell zu bleiben. In diesen Jahren ein solches Buch herauszubringen, wo sich so viel ändert, kann nur dazu führen, dass ein Buchtext schon bei Erscheinen veraltet ist.

Anonym hat gesagt…

Ja, sicherlich. Nun ist Haarmann ja in erster Linie Linguist, das Buch gerade mal eine Woche auf dem Markt, und Studien von 2015, wie die von Haak et al. bereits eingearbeitet. Die Sache mit den Bandkeramikern ist ja schon seit viel längerer Zeit bekannt. Von daher hinterlässt das einen etwas faden Beigeschmack, ehrlich gesagt. Gut, zum eigentlichen Thema macht es jetzt nicht so einen großen Unterschied.

Ingo Bading hat gesagt…

Sagen wir so: Von seinem Buch "Das Rätsel der Donauzivilisation" aus dem Jahr 2011 hatte ich mir irgendwie auch mehr versprochen. Ich bin bis heute nie ganz durchgekommen durch das Buch und kann mich nicht erinnern, irgendeine überzeugende Kernbotschaft behalten zu haben. Aber das mag an mir liegen ...

Oder vielleicht so: Wenn man Bücher zu spannenden Themen schreibt, müssen diese Bücher selbst noch lange nicht zwangsläufig spannend sein.

Anonym hat gesagt…

Ah, die Donauzivilisation. Da scheint der Hund begraben zu sein. Die erwähnt er nämlich mehrmals und zwar vollkommen ohne Bemerkung, dass es sich dabei ja um etwas gänzlich ungesichertes handelt, welches von den meisten Historikern nicht akzeptiert wird.

Ich weiß jetzt nicht in wie weit die Existenz der Donauzivilisation jetzt einem neolithischen "Replacement" widersprechen würde (bzw. andersrum), aber falls das der Grund ist, wieso Haarmann die Beweise über die Migration nach Europa verschweigt, dann wäre das ein starkes Stück. Denn weder aus ideologischen noch persönlichen Motiven darf man als Wissenschaftler so etwas tun. Ich habe schon gar keine Lust mehr, das Buch fertig zu lesen, da ich ja gar nicht weiß, was er sonst noch so in seine Muster presst.

Ingo Bading hat gesagt…

Meiner Erfahrung nach verfolgt jede Disziplin ihren Tunnelblick. Die Archäologen können den Humangenetikern kaum folgen und die Sprachwissenschaftler sind mit anderen Dingen beschäftigt als die beiden anderen. Meistens fehlt allen dreien "der große Wurf", der sie die Zusammenhänge ganz verstehen lässt.

Ich habe vor gut zwei oder drei Wochen einen Vortrag von Johannes Krause in Potsdam gehört darüber, dass wir heute in Mitteleuropa genetisch zu großen Teilen von der indogermanischen Streitaxtkultur abstammen, die sich damals aus der Ukraine heraus bis nach Irland ausbreitete. Krause wusste zwar oberflächlich, was Archäologen und Sprachwissenschaftler auf ähnlichem Gebiet wissen und mutmaßen - aber sicher wirkte er auf deren Gebieten nicht.

Dass sich alle in der jeweiligen Nachbardisziplin genauso sicher bewegen wie in der eigenen, darauf wird man wohl noch eine Forschergeneration warten müssen. Oder sagen wir: mindestens eine halbe.

Der Ansatz dieses Blogs "Studium generale" war es immer schon, den jeweils "großen Wurf" zu verfolgen. Aber ein so interdisziplinärer Ansatz ist nicht sehr häufig zu finden.

Im übrigen glaube ich nicht, dass Haarmann irgendetwas aus "ideologischen" Gründen und noch dazu wider eigenes besseres Wissen tut. Ich wüsste auch nicht so recht, warum er das tun sollte.

Ingo Bading hat gesagt…

Hier übrigens
https://de.wikipedia.org/wiki/Alteuropa_(Sprachforschung)
lese ich gerade noch den folgenden interessanten Hinweis, dass Haarmann gegen Kritiker der Matriarchatsthese von Marijan Gimbutas argumentiert, mit vielleicht nicht den aller schlechtsten Argumenten:

"Demgegenüber versuchte der Sprachwissenschaftler Harald Haarmann in seiner umstrittenen These einer Donauzivilisation den friedlichen, egalitären und matristischen Charakter Alteuropas zumindest für den Donauraum zu bestätigen. Hierfür sprechen seiner Meinung nach zahlreiche Merkmale: Das Fehlen einer Differenzierung zwischen Arm und Reich, etwa in der Ausstattung der Gräber, das Fehlen von Herrscherinsignien, das Fehlen herrschaftlicher Bauten (z. B. Paläste), die in ihrer überwältigenden Mehrheit weiblichen Figurinen und die vermutlich überwiegend weiblichen Gottheiten."

Allerdings habe ich in meinem Blogbeitrag über die "Rinderwagen-Prozessionen an den (Megalith-)Gräbern der Stammesheroen" (3.100 v. Ztr.) darauf hingewiesen, dass man sich diese Gesellschaften Alteuropas auch nicht GAR zu egalitär vorstellen braucht. Königtümer - wie etwa im traditionellen Indien - kann es in Alteuropa auch auch dann gegeben haben, wenn sie sich nicht gar zu deutlich in "Palästen" wiederspiegeln.

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