Montag, 3. März 2025

"Ein Boomer packt aus" - Der Umgang der heute älteren Generation mit der Geschlechtlichkeit

Dargestellt anhand eines einzelnen Falles, nämlich meines

Ziel dieses Videos: Tipps, die heute von jungen Menschen gegeben werden, um von Pornographie weg zu kommen, sollen ergänzt und erweitert werden, sie sollen in einen größeren, auch kulturgeschichtlichen Rahmen gestellt werden.

Vor einigen Monaten habe ich hier auf dem Blog schon den Artikel veröffentlicht "Der prägende Charakter des Ersterlebnisses der Geschlechtlichkeit als Paar" (Stg2024). Zu diesem Artikel könnte ergänzend noch viel gesagt werden und es könnten viele weitergehende Schlußfolgerungen abgeleitet werden als das in diesem geschehen ist.

Abb. 1: "Junge Liebe"
Postkarte, wohl frühe 1990er Jahre*)

Aber inzwischen bin ich auf Youtube auf manche 20- bis 30-jährige Youtuber gestoßen, insbesondere auf jenen, der mich auf meinem Nachbarblog zu einem neuen Artikel veranlaßt hat (GAj2025). Diese Youtuber machen sich über Pornographie Gedanken. Und sie machen sich ebenso Gedanken über die sogenannten Boomer (also meine Generation). Von Seiten dieser Youtuber steht unter anderem der Vorwurf im Raum, die "Boomer" würden nicht über Pornographie reden.

Das habe ich mir angehört. Diese Frage hat eine Weile in mir rumort. Und dann habe ich mir schließlich gesagt: Das läßt sich ändern. Und ich habe vor drei Tagen auf meinem Youtube-Kanal den Livestream veröffentlicht "Pornographie - Ein Boomer packt aus" (1).

Es geht in ihm grob um die Entwicklung und um den Umgang mit der Geschlechtlichkeit zwischen dem 12. und 30. Lebensjahr - und gegebenenfalls auch noch weit darüber hinaus. Es wird dieses Thema - natürlich - vor allem aus männlicher Sicht behandelt. Und eben zugleich auch aus meiner ganz persönlichen Sicht.

Im Erläuterungstext unter dem Video, in dem die Inhalte des Videos verschriftlicht worden sind, ist der zugelassene Textraum nun schon voll ausgeschöpft worden. Es konnten dabei aber nicht alle Teile verschriftlich werden. Um die Inhaltsangabe zu vervollständigen und um sie auch mit einigen mir wichtigen Bildern und auch mit der einen oder anderen Verlinkung zu ergänzen, ist der vorliegende Blogartikel entstanden.

Vielleicht kann insbesondere die Bebilderung künftig noch ergänzt werden. Denn ich bin ein sehr visueller Mensch. Und es gibt Bilder, die ich mir schon in meiner Jugend als bemerkenswert und inhaltsreich aufgehoben habe. Und wenn ich sie sehe, fühle ich mich voll und ganz in meine Jugend zurück versetzt. Solche sind hier - zumindest vereinzelt - im Blogartikel mit eingestellt.

Abb. 2: "La Baigneuse á l`éponge" nach Étienne-Maurice Falconet (1716-1791), um 1764 (ArsMundi), mitunter auch Simon Louis Boizot (1743-1809) zugeschrieben (D'art), geschaffen womöglich im Umfeld der Königlichen Porzellanmanufaktur von Sèvres (Wiki) - "Pin-up-Girl", gefunden ganzseitig in der FAZ, wohl Anfang der 1980er Jahre***)

Einleitende Bemerkungen

00:07:30 - Das Schweigen der Boomer

(An einer Stelle beziehe ich mich auf eine Komikerin [s. Fb]**))

00:07:50 - Der Begriff der Sublimierung 

00:08:53 - Die unterschiedliche Entwicklung der Geschlechtlichkeit bei Jungs und Mädchen

(00:10:07 - Bezug auf das Lied "Männer sind Schweine" [1998] [Wiki], [Genius])

1. Teil 

Schwerpunktmäßig Autobiographisches zum Thema

00:10:30 - Mit 15 oder 16 Jahren war ich für Mädchen oder Frauen nicht zu gebrauchen; Jungs allgemein mit 15 oder 16

00:12:50 - Lernen in der Schule, Konzentration auf Berufsausbildung trägt schon zur Vergeistigung bei; es verschiebt reale Erfahrungen - sinnvollerweise - auch auf spätere, reifere Jahre

00:15:03 - Und es ist natürlich gut, wenn der kulturelle Rahmen stimmt - Volkstanz ist ideal geeignet, um etwaigen Versteifungen oder Verkrampfungen im Verhältnis zwischen Jungs und Mädchen entgegen zu wirken.

00:16:10 - Der Geschlechtstrieb selbst ist ein Sucht-Geschehen, es ist die natürlichste Sucht des Menschen (s. einflußreicher Wissenschaftsartikel von 2010: "Is love passion an addictive disorder?" [1]).

00:17:09 - Besuch meiner hübschen Cousine aus Amerika, als ich 16 war

Alles, was in diesem Lebensalter bremsend statt anfeuernd wirkt, ist gut. Auch geistige Interessen sind sinnvoll.

00:19:04 - Meine wenig erhebenden Erfahrungen bei der Bundeswehr in Bezug auf dieses Thema. Ergänzung hier: diese vor allem haben mir die Bundeswehr völlig verleidet, so daß ich irgendwann nur noch weg wollte von dort.

00:23:08 - Die eigentlichen, guten Dinge in meinem Leben sind dann passiert, als ich ein wirklich gutes Mädchen kennengelernt habe.

Abb. 3: Im Wald allein, nachts - Zurückgewiesen, entmutigt, voller Trauer und Enttäuschung - Eigene Zeichnung, Titel "Im Schönbuch", angefertigt in Tübingen, Winter 1990/91

00:24:08 - In meiner Jugend gab es keine Pornos, aber "Bravo" und Sexhefte aller Orten

00:25:03 - Boomer sind auch nur Menschen - so einen Scheiß haben SIE in ihrer Jugend erlebt. Es gab auch damals schon nur wenig gute Einflüsse. (Ergänzung hier: Lächerlich darum, wenn bspw. in der AfD die 1980er Jahre glorifiziert werden, völlig lächerlich, völlig absurd.)

00:25:41 - Mit 24 kam die erste große Liebe in mein Leben. Es ist gut, wenn deine Freundin "Power" hat. Wenn deine Freundin gegenüber allem Schlechten in dir in die 150%ige Ablehnung gehen kann. Wenn sie da gnadenlos ist. Und wenn es dir DENNOCH wichtig ist, sie als den wichtigsten Menschen deines Lebens zu behalten. Das ist GUT.

00:28:09 - Ich war sehr einsam in meinen ersten Semestern an der Universität Mainz (Fortsetzung ab 00:34:11)

/ Einschub: 00:28:31 - "Was sind Boomer?" wird im Livechat gefragt. Antwort: s. Wiki. /  

00:30:37 - Die heutige junge Generation könnte sich zahlenmäßig von der älteren "erdrückt" fühlen.

00:30:54 - Mein Verhältnis zur älteren Generation als ich jung war. Mich hat eine Person aus der älteren Generation so beeindruckt, daß ich die gesamte ältere Generation als ihm irgendwie ähnlich wahrgenommen habe und ich mich deshalb von ihr bis zum 30. Lebensjahr auch nie enttäuscht, verraten oder desillusioniert gefühlt habe, sondern völlig das Gegenteil. (Einiges zu dieser Person findet man hier: BzW2019 oder hier: FürKultur2019) Desillusionierung kam bei mir dann bezüglich der älteren Generation erst, als ich 30 Jahre alt war und diese Person gestorben ist. Da war es dann aber schon zu spät dafür, daß ich in dieses Leben als gar zu verbitterter, desillusionierter Mensch hätte hinein gehen können. Dazu waren bis dahin viel zu viele gute, aufbauende Dinge passiert. 

00:32:34 - Ziel dieses Videos: Tipps, die heute von jungen Menschen gegeben werden, um von Pornographie weg zu kommen, sollen ergänzt und erweitert werden, in einen größeren, auch kulturgeschichtlichen Rahmen gestellt werden.

00:33:16 - Der Geschlechtstrieb, der einen zu Pornographie hinzieht, ist eine so starke Kraft, daß man in Bezug auf diese Kraft nichts gar zu leicht sozusagen "erzwingen" kann. Wenig Sozialkontakte sind dafür auch nicht hilfreich.

00:34:48 - Während des zweiten Semesters: Ein Sonntag-Morgen-Gang zum Zeitungs-Kiosk.

00:35:49 - Mein erstes Pin-up-Girl fand ich ganzseitig in der FAZ (s. Abb. 2).

Abb. 4: Das erste Menschenpaar - Gemälde von Michelangelo in der Sixtinische Kapelle (Wiki) - Das Bild hing auch in meiner Studentenbude in Mainz

Das ist Vergeistigung, daß man die körperlichen Reize nicht nur ganz primitiv wahrnimmt, sondern daß das dahinterliegende, wirklich schöne, blühende Leben, daß das mit in die Wahrnehmung kommt. Das ist ein längerer Weg. Das ist ein ganz langer Weg. Das ist ein Weg, der vielleicht nie aufhört.

00:37:39 - All diese Fragen haben auch sehr viel mit Philosophie zu tun.

Ein Hauptkritikpunkt an der heutigen Gesellschaft: Sie hat keine Fragen mehr.

Ist die Sorge über die weitere Kulturentwicklung in Pornographie ersoffen?

2. Teil

Schwerpunktmäßig Kulturgeschichtliches zum Thema

00:45:10 - Wenn wir die Kultur des Abendlandes weiter führen wollen, müssen wir auf Augenhöhe mit dieser Kultur stehen.

00:45:30 - Die ganze Geschichte des Abendlandes ist eine Geschichte der Vergeistigung des Geschlechtstriebes

00:46:20 - Was war das Revolutionäre an Martin Luther? Er steht an der Scheide zwischen Mittelalter und Neuzeit, in seiner Person gab es einen Wechsel von der vorherigen außerweltlichen zu der protestantischen innerweltliche Askese und der davon abgeleiteten protestantischen Arbeitsethik nach der Deutung von Max Weber, dem Begründer der Soziologie

00:48:00 - Wenn wir uns sündig fühlen, weil wir Pornographie gucken, dann sind wir mitten im Abendland, dieses Sündenbewußtsein IST schon das Abendland.

00:50:50 - Das Mittelalter begann mit Augustinus. Seine "Bekenntnisse". Ora et labora. Außerweltliche Askese.

00:54:25 - Die Funktion der Chorschranke in mittelalterlichen Kirchen.

00:59:20 - Innerweltliche Askese trägt unsere Kultur des Abendlandes

01:01:00 - Wie wertvoll es ist, ein naturwissenschaftliches Fach zu studieren, auch aus philosophischer Sicht

Der Tanz der Galaxien führt zur Geburt von Sternenkindern

01:07:20 - Evolution ist die Evolution von Nachkommen-Fürsorge, sie ist zielgerichtet, erst größere Nachkommen-Fürsorge ermöglicht Intelligenz-Evolution

01:12:55 - Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus, ein Philosophieentwurf, der von einer "künftigen Physik" sehr viel erwartete: Eine Synthese zwischen Naturwissenschaft und Philosophie wird ein neues Zeitalter begründen

01:13:50 - Zusammen gefaßt: Aus der Abwendung von Pornographie kann man eine Lebensphilosophie machen. (Und zwar eine Lebensphilosophie, die fähig ist, eine zukunftsweise kulturelle Entwicklung auch wirklich zu tragen.) 

Ein weiterer wesentlicher Grundgedanke dieser Philosophie: Das Grundprinzip allen seelischen Erlebens auf diesem Planeten und in diesem Universum ist Freiheit. Genetischer oder kultureller Determinismus stehen im Widerstreit zur Möglichkeit menschlicher Freiheit. Der Mensch ist ein frei geschaffenes, frei geborenes Wesen (s. z.B. GAj!2009).

Es muß viel Spielraum übrig bleiben für mich, für mein eigenes Handeln. Und dieser Spielraum wird aufgespannt durch das Spannungsverhältnis zwischen dem Geschlechtstrieb einerseits und den seelischen Ansprüchen, die ich an mein Leben habe.

01:16:30 - Wenn man eine höhere seelische Ebene erreicht, kommt der Geschlechtstrieb mit.

# # # 

Anhang

Meine Antworten auf einige Kommentare unter dem Video sollen auch hier noch mit eingestellt werden, weil sie manches gedanklich ergänzen und weiterführen.

Willensfreiheit und Handlungsspielräume

Eine Frau schreibt, daß Pornographie für sie nie ein Problem war, daß sie aber nach drei Beziehungen im freiwilligen Zölibat leben würde. Außerdem schreibt sie:

"Freiheit und freien Willen gibt es in der Neurobiologie nicht laut Prof. Robert Sapolsky, den ich hiermit empfehle."

Antwort: Ich glaube, Frauen können ihre Potentiale steigern, indem sie die Pornographie-Tendenzen der Männer nicht ignorieren, sondern eine faire, offene Auseinandersetzung einfordern. Das tut beiden Seiten gut und die Energien zwischen Mann und Frau können wieder fließen und unnatürliches Zölibat wird unnötig - auf beiden Seiten. Ihr Frauen seid Teil des Kraftfeldes, das durch Pornografie aktiviert wird.

Daraufhin ergänzt sie noch, daß sie ohne TV leben würde. Weitere Antwort:

Ich lebe auch seit ich das Elternhaus verlassen habe, ohne TV. Ich hätte noch erzählen können, daß mir die ständigen Sex-Szenen beim abendlichen Familienfernsehen so auf den Zeiger gegangen sind, daß ich schließlich einen Vorschlaghammer neben diesen Kasten gestellt habe. Von mir aus hätten wir ihn zum Fenster hinaus werfen können. (Nun gut, wir haben heute Youtube .... ähm ....)

Aber ich wollte auch noch etwas sagen zum Thema Willensfreiheit und Handlungsspielräume. Mich hat sehr stark geprägt die Lektüre des Buches "Das Spiel - Naturgesetze steuern den Zufall" des Nobelpreisträgers Manfred Eigen. Hier referiert er den Grundgedanken, daß alles evolutionäre Geschehen ein "Spiel" ist, in dem nichts feststeht außer den Regeln (den Naturgesetzen). 

Er spielt viele Brettspiele in diesem Buch und macht einem den Grundgedanken klar: Gar zu streng determinierte Spielabläufe wie Mühle sind ebenso langweilig wie gar zu zufällige Spielabläufe wie Mau-Mau. Die interessantesten und schönsten Spiele sind immer die, in denen es eine gelungene Kombination aus Regelhaftigkeit (Spielregeln) und Zufall gibt. Und SO sind auch unser Universum und alle Dinge in ihm beschaffen: Eine super Kombination aus Gesetzmäßigkeit und Zufall. Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Mensch da völlig rausfallen soll und daß menschliches Leben keine so super gelungene Kombination aus beidem sein soll. Und genau diese Kombination ermöglicht - meines Erachtens - Willensfreiheit.

Das müßte man natürlich noch länger ausführen. Aber ich wollte den Grundgedanken klar machen. Soweit ich mich erinnere und das damals verstanden habe, hat auch der Berliner Philosoph Volker Gerhardt diesen Grundgedanken aufgenommen (Stg2009).

Jene Philosophen werden übrigens immer häufiger, die das Anthropische Prinzip mit dem Gedanken des Neuplatonismus verbinden und in diesem Sinne sagen, daß das Universum auf das Ziel hin ausgerichtet ist, daß Gutes sei und Gutes geschehe. Unglaublich wesentlich, um unserer am Atheismus entkräfteten und entseelten Gesellschaft zu zeigen, daß es ein Irrglaube ist, wenn man glaubt, daß es der Atheismus sei, der besonders gut vereinbar wäre mit einem modernen, vollständigen naturwissenschaftlichen Weltbild.

Da die Kommentatorin auch noch auf angeborene Intelligenzunterschiede zwischen Menschen und historischen Kulturen zu sprechen kommt: Ich will nur noch einmal sagen, daß angeborene Intelligenzunterschiede in keinem Fall im Widerspruch stehen zu menschlicher Willensfreiheit. Bekanntlich können Menschen Intelligenz dazu benutzen, sowohl sehr, sehr Gutes wie sehr, sehr Böses zu tun. Viel zu oft heute, um letzteres zu tun. Somit schränkt die angeborene Intelligenz die Freiheit moralischen Handelns keineswegs ein.

Der Mensch als biologisches und als geistiges Wesen

In einem weiteren Kommentar heißt es:

Lieber Ingo Bading! Das Video ist die verbildlichte Spannung Ihres Seelenlebens: Einerseits sind Sie Biologe, andererseits Geisteswissenschaftler, Sie sind außerstande, diese Spannung in sich aufzulösen. (...) Bevor Sie über ein Thema sprechen, dürfen Sie sich erst mal bewusst werden, was Pornografie ist: biologisch die Zurschaustellung des menschlichen Geschlechtstriebes, geistig die ins Primitive abgeglittene körperlich wie seelische Vereinigung eines Mannes mit einer Frau. Sie merken, dass Sie dem Thema nicht gerecht werden, wenn Sie sich nur aufs Biologische beschränken.

Antwort: Danke für Ihre Analyse meines Seelenlebens. Ich glaube allerdings, ein etwaiges Spannungsverhältnis zwischen Geists- und Naturwissenschaft ist in früheren Jahrzehnten viel, viel deutlicher empfunden worden als heute. Ich glaube, ich spreche nicht nur für mich selbst, wenn ich sage, daß wir heute in der großen Mehrheit viel stärker die Gemeinsamkeiten als Widersprüche wahrnehmen zwischen dem Menschen als biologischem Wesen und dem Menschen als geistigem Wesen. Wenn man sich etwa mit den meisten Traumatherapeuten heute beschäftigt (etwa Gopal Norbert Klein, aber auch zahllose andere), dann ist das längst eine pure Selbstverständlichkeit. Es wird z.B. immer mit bedacht, was auf der (biologischen) Streßebene des Körpers gerade geschieht, wenn man sich im Beziehungskontext verhält. Nur als Beispiel.

Ich habe schon oft den Vortrag Ihres Namensvetters Prof. Gerhard Roth empfohlen "Wie das Gehirn die Seele macht", in dem genau dieser Grundgedanke für mich zum ersten mal sehr prägnant von einem führenden Hirnforscher zum Ausdruck gebracht worden war (um 2013 herum).

Das Geistige steht mit dem Biologischen also nicht im Widerspruch, sondern das eine ergibt sich aus dem anderen, das eine ist ohne das andere gar nicht zu denken und zu verstehen. Das Geistige IST Biologie. Und die Biologie KANN im Menschen vergeistigt werden.

Der Widerspruch, das "Spannungsverhältnis" zwischen beiden hat sich entweder durch frühkindliche Traumata ODER aber Jahrhunderte lang vor allem aus dem christlichen Denken heraus ergeben. Nach letzterem sind Seele und Körper prinzipiell getrennte Einheiten. Die "erhabene" Seele blickt im Extremfall per se mit Verachtung auf alles Körperliche (und damit oft zugleich auch auf alles Weibliche). "Der Mensch ist keine Graugans," rief in den 1980er Jahren empört ein CDU-Bundestagsabgeordneter aus. Alles überwundene Standpunkte. So will ich hoffen. Oft ja sogar bei den meisten überzeugteren Christen (abgesehen sicher von verschiedenen ultra-orthodoxen Christen, etwa denen vom Berg Athos etc. pp. ...).

Da im übrigen Nacktheit ein wesentlicher Gegenstand menschlicher Kunstausübung ist, lehne ich es völlig ab, das Pornographische an sich als etwas Primitives zu charakterisieren. (...) Das war auch in keiner Weise der Ansatz meines Videos. 

Wie der einzelne Mensch Geschlechtlichkeit erlebt, entscheidet immer er selbst. Wenn er sie als primitiv erlebt, dann ist dieser Mensch es, der sie als "primitiv" erlebt. (Wobei natürlich nicht gesagt werden soll, daß nicht auch der Prozeß der Abstumpfung beim heutigen Medienkonsum eine sehr, sehr wesentliche Rolle spielt.)

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*) Vielleicht überflüssig zu erwähnen: Da ich selbst weder Bier trinke noch rauche, habe ich mir diese Postkarte nicht aufgehoben, weil diese Dinge auf ihr für mich irgendeine Bedeutung hätten.
**) die Komikerin Helene Bockhorst (geb. 1987)
***) Die Skulptur "Die Badende" von 1764, sie wird auch "Die Badende mit dem Schwamm" genannt. Sie wird seit Jahrzehnten als Gartenskulptur angeboten. Zu der Frage, wer sie ursprünglich einmal geschaffen hat, finden sich widersprüchliche Angaben. Es wird Étienne-Maurice Falconet (1716-1791) genannt, allerdings ist sie nicht ganz in seinem Stil, insbesondere ihr Kopf und Gesicht wirken nicht so als wären sie sein Stil. Gelegentlich wird auch Simon Louis Boizot (1743-1809) genannt. Aktuell ist es nicht möglich, alles rund um die Herkunft dieser Skulptur zu klären (s. a. Veryimportant).
Die Skulptur wird dadurch interessant gemacht, daß das Gerücht verbreitet wird, sie zeige eine Mätresse des französischen Königs Ludwigs XV.. 
Außerdem findet sich die Angabe, das Original sei in Marmor 1764 in Paris geschaffen worden und würde sich heute im Besitz der "Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz" befinden. Dann wäre die Annahme naheliegend, daß diese Skulptur - wie viele andere - von Friedrich dem Großen aufgekauft worden ist. Wenn dies aber der Fall wäre, würde diese Kulturstiftung diese Skulptur ziemlich gut verstecken - denn sie scheint nirgendwo öffentlich aufgestellt zu sein, weder in Berlin noch in Potsdam.
Quasi "offizielle" Angaben über diese Skulptur - jenseits von Internetseiten, die sie als Gartenskulptur verkaufen - findet sich aktuell eine (3). Die dort abgebildete Skulptur könnte einen anderen Kopf besitzen als die Gartenskulptur, womöglich einen, der mehr zum Stil von Falconet paßt.

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  1. Bading, Ingo: Pornographie - Ein Boomer packt aus. Live übertragen am 01.03.2025 (Yt)
  2. Reynaud, Michel, et al.: Is love passion an addictive disorder? In: The American journal of drug and alcohol abuse 36.5 (2010): 261-267
  3. Die Badende mit dem Schwamm von Maurice Etienne Falconet. Marmor-Skulptur, Berlin um 1762. In: Archäologische Gesellschaft zu Berlin. Sitzung am 10. Mai 1960. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 76, S. 218 (GB)

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