Dienstag, 26. Juni 2018

Die Indogermanen, ihre Nachbarvölker, ihre Ausbreitungsgebiete

Neue Forschungen

In den Siedlungen der bronzezeitlichen Hethiter in Anatolien, die eine indogermanische Sprache gesprochen haben, und deren ganze Kultur einen klaren indogermanischen Habitus hatte, hat man auch in einer heute veröffentlichten Ancient-DNA-Studie immer noch keine dezidiert indogermanischen Gene gefunden (1):
"In Anatolia, Bronze Age samples, including from Hittite speaking settlements associated with the first written evidence of IE languages, show genetic continuity with preceding Anatolian Copper Age (CA) samples and have substantial Caucasian hunter-gatherer (CHG)–related ancestry but no evidence of direct steppe admixture."
Dieser Umstand dürfte die Kurgan-Hypothese zur Ursprungsregion der Indogermanen noch keineswegs infrage stellen. Vermutlich hat man einfach noch nicht genügend Hethiter-Skelette sequenziert. Die Hethiter bildeten ja nur eine Krieger-Elite, die in Anatolien ethnisch ganz andere Völker beherrschten. Vermutlich schreiben die Forscher deshalb ganz richtig:
"The lack of steppe ancestry in samples from Anatolia indicates that the spread of the earliest branch of IE languages into that region was not associated with a major population migration from the steppe."
Anatolien war ja damals schon dicht besiedelt. Das gilt übrigens auch für Südindien. Denn auch dort finden die Forscher ausgesprochene Yamnaya-Kurgan-Genetik nicht, sondern sie finden dort europäische Zuwanderung vor und nach der Zeit der Yamnaya. Damit wird das Bild zunächst ein wenig komplexer.

Die Botai-Kultur, die das Pferd domestiziert haben soll, war ebenfalls genetisch ganz unindogermanisch (genetisch nicht Yamnaya/Kurgan-mäßig), sondern einheimisch mittelasiatisch. Immerhin muß man sich die Einzelheiten noch einmal genau anschauen.

Abb. 1: Genetik der Völker des Mittleren Ostens zwischen Neolithikum, Bronze- und Eisenzeit (aus: 1)


In der Grafik (Abb. 1) unten sieht man bei Beginn der Bronzezeit (Kupferzeit) in Anatolien sehr wohl einen sehr deutlichen genetischen Umbruch. Der muß irgendwo her kommen. Und er kann nur aus dem Osten, aus dem Kaukasus gekommen sein. Womöglich ging also der hethitischen Einwanderung eine andere voraus und ihr parallel. Schön sieht man dort dann auch ab der Eisenzeit (!), also ab 1200 v. Ztr., den Einbruch der Turkvölker mit den Ottomanen - die gelbe Farbe, vielleicht um 1200 v. Ztr. in Form von Skythen (?).

Die Turkvölker kommen dann in ersten kleinen Anteilen in der Eisenzeit (IA) nach Anatolien (in der Grafik von Abb. 1 der gelbe Anteil). Die Ausbreitung der kaukasisch-neolithischen Völker war deutlich früher (der hellgrüne Anteil), er begann schon in der Kupferzeit (CA).

Ergänzung 2.4.2019


Auf Wikipedia findet sich dazu der Hinweis auf eine spannende These zur einem Zeitalter der Völkerwanderungen in der Mittleren Bronzezeit, die gut zu der beschriebenen Ausbreitung der kaukasisch-neolithischen Genetik - wie man seit März 2019 weiß - bis nach Sizilien passen könnte (3). Offenbar hat hier die Unruhe der Indogermanen dazu geführt, daß auch die einheimischen Kulturen der kaukasisch-neolithischen Bauernvölker in Bewegung gerieten und sich nach Westen ausbreiteten. Allerdings könnte es sein, daß man die ersten Wanderungsbewegungen schon in die Kupferzeit verlegen muß, nicht in die Mittlere Bronzezeit.


Ergänzt um die 
Ausführungen
mit Bezug zur 
Literaturangabe 3:
2.4.2019

_______________________________________________________
  1. Peter de Barros Damgaard; Eske Willerslev uvm.: The first horse herders and the impact of early Bronze Age steppe expansions into Asia. In: Science, 29.6.18, http://science.sciencemag.org/content/360/6396/eaar7711
  2. Grafik aus 1: https://d2ufo47lrtsv5s.cloudfront.net/content/sci/360/6396/eaar7711/F1.large.jpg
  3. https://en.wikipedia.org/wiki/Middle_Bronze_Age_migrations_(Ancient_Near_East)
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