Freitag, 9. Februar 2018

Meine DNA-Verwandten

Neue Erkenntnis- und Handlungsmöglichkeiten 
- Und der Aufruf: "Sequenziert Eure Gene! Der Preis kann kein Hinderungsgrund mehr sein."

Soeben ist eine interessante neue Studie veröffentlicht worden (1), die aus dem berühmten isländischen Genomprojekt "deCODE genetics" (Wiki), begründet von Kári Stefánsson (geb. 1949) (Wiki), hervorgegangen ist. Dieses haben wir hier auf dem Blog schon häufiger behandelt, weil es sich bei ihm seit mehr als zehn Jahren zumindest rein wissenschaftlich um das wichtigste Genomprojekt auf der Erde handeln dürfte.

Und diese neue Studie nun (1) ermutigt mich dazu, meine eigenen neuesten Erfahrungen mit Gensequenzierung und Stammbaumforschung der letzten Wochen zu referieren. Denn wir alle können jetzt bald Forschungen wie "deCODE genetics" machen. Bei meinen eigenen Forschungen ist mir nämlich genau dasselbe gerade erst bewußt geworden, was nun mit dieser neuen Studie so schön aufgezeigt wird. Nämlich daß man mit genügend Daten von genetischen Verwandten in der Gegenwart das Genom eines Vorfahren, der vor über hundert Jahren gelebt hat, rekonstruieren kann! Ich finde das sehr begeisternd. In uns selbst können wir "Archäologie" betreiben und brauchen nur die Puzzelteile, die ein jeweiliger Vorfahre in Form von Genabschnitten in uns hinterlassen hat, mit den Puzzelteilen zusammen setzen, die ein anderer entfernter genetischer Verwandter von diesem Vorfahren vererbt bekommen hat. Ich zeige unten wie leicht das ist.

Und genau das tut auch diese neue isländische Studie (1). Und sie wirft darum Licht auf die Möglichkeiten, die in dem isländischen Genomprojekt beschlossen liegen, und darauf, daß uns allen dieselben Möglichkeiten offen stehen, um so mehr Menschen ihre Gene sequenzieren lassen und die gewonnenen Daten mit anderen teilen, und um so mehr sie das auch mit Familien-Stammbaumforschung verbinden. Also um so mehr wir alle das gleiche machen, was das isländische Genomprojekt tut. Ich hoffe, daß es dafür bald Open Source-Internetseiten gibt. (Denn zum Beispiel auf "My Heritage" muß man zum dafür nötigen vollständigen gegenseitigen Vergleichen von Stammbäumen und Genomen etwa 100 Euro jährlich zahlen. Das muß doch mit Open Source-Programmen viel kostengünstiger möglich sein.)

Jedenfalls im folgenden mein Aufsatz wie er von mir schon geschrieben war, bevor ich gerade die neue isländische Studie (1) entdeckte. Auch mein bisheriger Entwurf war schon mit Erkenntnissen aus einer spannenden Studie eingeleitet worden, die aus dem isländischen Genomprojekt schon vor zehn Jahren, 2008, hervorgegangen war (2), und die ich schon damals hier auf dem Blog behandelt hatte (3).

Abb. 1: Beispiel von meiner Profilseite auf MyHeritage. Hier werden gemeinsame Chromosomen-Abschnitte aufgezeigt, die ich mit einem meiner DNA-Verwandten (Andreas T.) teile. Zugleich erfahre ich, daß wir beide den Familiennamen Bading unter unseren Vorfahren haben und unserer beider Vorfahren aus Dörfern aus dem Umland der Stadt Brandenburg an der Havel stammen. (Mehr Erläuterungen im Text)


Nach einer isländischen Studie aus dem Jahr 2008 (2) hatten auf Island über die Jahrhunderte hinweg Ehen zwischen Cousins und Cousinen dritten und vierten Grades mit einem Verwandtschaftgrad (r) zwischen 0.0625 und 0.0039, also mit 6,25 % bis 0,39 % gemeinsamen Genen, die höchste Nachkommenzahl. Man kann also davon ausgehen, daß dieser Verwandtschaftsgrad zwischen Ehepartnern nicht der ungünstigste sein wird. Die Ehepartner auf Island, die diese Ehen eingegangen sind, haben in der Regel von dieser ihrer Verwandtschaft aufgrund von Herkunft und gemeinsamen Genen gar nichts gewußt, sie haben sich also un-, bzw. unterbewußt gegenseitig nach diesem Verwandtschaftsgrad ausgesucht.

Besitzt man nun dieses Vorwissen und hat man seine Gene sequenzieren lassen, kann man sich auf den jeweiligen Internetseiten (zum Beispiel "23andme", "MyHeritage") die dort angezeigten "DNA-Verwandten" ("DNA-Relatives"), "DNA-Matches" genauer anschauen. Das hatte ich bisher noch nie gemacht, da ich mir den durch (2) aufgezeigten Zusammenhang noch nicht genügend bewußt gemacht hatte, bzw. nicht gemerkt hatte, daß die Angabe von 6 % gemeinsamer Gene ja einem solchen Verwandtschaftsgrad entspricht! "DNA-Verwandte", bzw. "DNA-Matches" sind auf diesen Internetseiten Menschen, die beim jeweiligen Sequenzierungs-Anbieter ebenfalls ihre Gene haben sequenzieren lassen, und von denen einem nun aufgrund rein statistischer Auswertung angezeigt wird, wie viele Gene man mit ihnen gemeinsam hat. 

Ich finde dort zunächst - oh Wunder - daß ich mit meiner eigenen Mutter 47,7 % meiner Gene teile. Das ist natürlich meine nächste DNA-Verwandte, die sich ihre Gene in den letzten Monaten hat sequenzieren lassen. (Aber man frage mich jetzt bitte nicht, warum nicht genau 50 %.) Außerdem finde ich, daß schon zwei meiner Vettern ebenfalls ihre Gene hatten sequenzieren lassen und mir als solche Vettern 1. Grades dort angezeigt werden.

Aber die nächstnahe Verwandtschaft über diese engeren Verwandten hinaus ist ja nun - wie an der isländischen Studie von 2008 (2) abzulesen - auch interessant. Und nicht nur hinsichtlich von Heiratsmarkt ....

1. Fall: Rudd Evansky


Auf 23andme wird mir diesbezüglich nun zunächst ein Mensch angezeigt mit Namen "Rudd Evansky" (Name leicht verändert), mit dem ich 0,97 % meiner Gene teile, also fast 1 %. Das entspricht einem Verwandtschaftsgrad r von grob 0,01. Und das ist ja nicht wenig. Man kann es erstaunlich finden, daß sich unter den vielen Kunden dieser Firma - vor allem in den USA - einigermaßen willkürlich (?) eine so hohe genetische Verwandtschaft mit mir hier in Deutschland findet. Dieser Verwandtschaftsgrad fällt jedenfalls bestens in den Bereich evolutionär günstiger Heiratspartner für mich. Wir teilen aber weder die mütterliche mitochondriale noch die väterliche Y-chromosomale Haplogruppe. Ich schrieb ihm:
It is interesting that we have a share of nearly 1 % of DNA in common. Do you like to talk about that? May be it would be interesting to know something about your forebears. I am from Germany.
Es wird angezeigt (ähnlich wie in Abb. 1), daß wir gemeinsame Genabschnitte haben auf den Chromosomen 8, 11, 12, 13 und 17. Und wenn man allmählich mitbekommt, aufgrund welcher Zusammenhänge solche Gemeinsamkeiten zustande kommen können (siehe nächster Fall), muß ich ja fast annehmen, daß wir gemeinsame Vorfahren haben. Aber welche? Leider hat er mir noch nicht geantwortet.

2. Fall: Sylvia I. aus Ontario, Kanada


Bei der nächsten angezeigten DNA-Verwandten habe ich das inzwischen schon klären können, da sie dankenswerter Weise gleich geantwortet hat. Es ist dies die etwa 80-jährige Sylvia I. aus Ontario in Kanada. Ich sah sie schon seit über einem Jahr als DNA-Verwandte auf 23andme angezeigt. Aber wie gesagt, war mir bisher gar nicht klar, welche Bedeutungen man diesem Umstand zusprechen kann. Sie gab an, daß ihre Vorfahren aus Großbritannien stammen, daß es aber auch Verbindungen mit Deutschland gab. Sie hat auch ihren Stammbaum verfügbar gemacht. Das wird - wie etwa auf Facebook - freigeschaltet für jene, für die sie es freischalten möchte, deshalb denke ich, daß ich hier auch den Link dazu einstellen kann (MyHeritage). 

Als Länder, in denen ihre Vorfahren gelebt haben, nannte sie schon auf ihrem 23andme-Profil England, Schottland und Irland. Unter den Familiennamen, die sie schon dort als jene benannte, , die in ihrem Stammbaum vorkommen, finden sich lauter britische, die mir ansonsten unbekannt sind. Aber ich entdecke einen Familiennamen, den wir in unseren Stammbäumen gemeinsam haben. Und zwar ist dies der Familienname Morley. Mütterlicherseits stamme ich zurück in der Mitte des 19. Jahrhunderts nämlich unter anderem ab von einer Engländerin namens Morley, die auf Neuseeland geboren wurde und als junges Mädchen nach Deutschland gekommen war und dort einen Deutschen mit Familiennamen von Samson-Himmelstjerna geheiratet hatte. Es war dies der Leibarzt des Fürsten Pleß in Pleß in Oberschlesien. Dort ist noch meine eigene Großmutter 1910 geboren worden (weil ihre Mutter sich von ihrem Vater hatte entbinden lassen). Von dieser Morley-Vorfahrin habe ich und haben alle meine Verwandten über die mütterliche Seite auch unsere Mitochondrien! Zum Glück hat einer meiner Onkel den Stammbaum schon seit Jahren sehr intensiv bearbeitet (MyHeritage), wo ich dann feststellen kann: Sylvia I. und ich stammen beide von dem jungen Ehepaar Morley-Locker aus Leeds in England ab, dem 1858 in Sneulou Mautra, Neuseeland die älteste Tochter Alice geboren wurde. Diese heiratete später einen Hadgkinson. Und von diesen beiden stammt Sylvia I. ab. Hadgkinson war im auswärtigen diplomatischen Dienst in Deutschland tätig, deshalb ist einer seiner Söhne in Deutschland geboren worden. 1864 wurde dem genannten jungen Ehepaar in Otahuhu, Auckland auf Neuseeland eine zweite Tochter geboren. Und bei ihr handelt es sich um meine Vorfahrin Mary Morley, spätere verheiratete von Samson Himmelstjerna, die Urgroßmutter meiner Mutter. Ich schrieb deshalb an meine neu entdeckte Verwandte Sylvia in Kanada:
It is interesting to know that we share 0,68 % of our genes. I am from Germany, but my mothers great-grandmother has been a woman from England with family name Morley. Her father has been William Henry Morley (1834-1917), born in Leeds, died in Quito, Ecuador. He had a lot of children (10) together with Elizabeth Morley, born Locker. His eldest daughter was Alice Hadgkinson (geb. Morley), born in Sneulou Mautra, New Zealand 1858. Maybe this is one of your great-grandmothers? It would be interesting to exchange some thoughts about that. 
Und Sylvia I. hat wie gesagt sehr schnell und außerordentlich interessiert geantwortet. Sie berichtet noch von einigen Details ihrer eigenen Familiengeschichte, die sie zwischenzeitlich herausbekommen hatte über ihren Urgroßvater Hadgkinson, den britischen Diplomaten in Deutschland. Und sie erzählt, daß man sich in ihrer Familie einer entfernten deutschen Verwandtschaft bewußt gewesen ist. Nun, vielleicht kann man sich künftig einmal gegenseitig besuchen. Aber nun halte man sich einmal fest, was man alles herausbekommen kann, wenn man sich einigermaßen sicher ist, daß man gemeinsame Vorfahren hat. Unsere gemeinsamen Gene liegen nämlich auf Chromosom 16 und 17. Und das ist die Erkenntnis, die mir bei dieser Gelegenheit zum ersten bewußt wird: Man kann also sagen, daß unsere gemeinsamen Vorfahren, die Eheleute Morley/Locker (der Ehemann war britischer Forschungsreisender) auch diese Gene auf Chromosom 16 und 17 hatten. Jetzt müßte man nur noch schauen, welche Gene das sind und man wüßte schon wieder einiges mehr auch über diese Vorfahren. Und man merkt dabei: Um so mehr Menschen mitmachen würden bei diesen DNA-Tests, um so mehr könnte man auch über die Gene ganz entfernter Vorfahren heraus bekommen! Ist das nicht verrückt?!

3. Fall: Andreas T. aus Deutschland


Die nächste auf 23andme angezeigte DNA-Verwandte wäre zur Zeit eine Abigail A. (vermutlich aus den USA), mit der ich 0,44 % gemeinsame Gene habe. Ich habe sie angeschrieben aber noch keine Antwort erhalten. Auf MyHeritage ist es dann weiterhin ein Andreas T. aus Deutschland, mit dem ich 0,4 % der Gene teile (Abb. 1). Ihm habe ich geschrieben anhand jener Daten, die auf MyHeritage für DNA-Verwandte zur Verfügung gestellt sind, wenn jemand dort auch schon seinen Stammbaum eingestellt hat (wie es hier der Fall ist):
Hallo Herr T.,
alle Ihrer acht Urgroßeltern wurden in der Stadt Brandenburg an der Havel geboren oder ihrem näheren Umfeld. Ihre Großmutter war eine Martha Helene Bading (1893-1960), geboren in Kade bei Genthin. Ich selbst (geb. 1966) stamme aus einer Familie Bading in Bahnitz an der Havel, 18 Kilometer nördlich von Kade. Fast all meine Vorfahren väterlicherseits stammen aus den Dörfern grob zwischen Bahnitz und Zollchow im Elb-Havel-Winkel. 
Und nun teilen wir außerdem 0,4 % unserer Gene auf unseren Chromosomen 2, 8 und 12. Ob man heraus bekommen kann, worauf diese Gemeinsamkeit beruht?
Mein Vater war Ahnen- und Ortsfamilienbuch-Forscher, der auch mit anderen Familienforschern der Region in Kontakt stand. Und mir klingt in den Ohren als ob die Familiennamen Giese und Kabelitz, die in Ihrem Stammbaum vorkommen, ihm keine Unbekannten waren. In Bensdorf und Kirchmöser haben wir auch Vorfahren (vor allem Familienname Parey).
Es wäre nun interessant zu erfahren, ob unsere genetischen Gemeinsamkeiten erklärt werden können aufgrund direkt nachweisbarer Verwandtschaft oder einfach aufgrund des Herstammens aus derselben Region, in der es auf dem Lande vermutlich über Jahrhunderte hinweg wenig genetischen Zufluß von außen gegeben hat, wodurch es viele Heiraten zwischen weit entfernten Verwandten gegeben haben könnte, wodurch sich dann bei uns so viele gemeinsame Chromosomen-Abschnitte "angereichert" haben können.
Ich bin jedenfalls gerade überrascht und fasziniert von den Möglichkeiten der Gensequenzierung und ihrer Kombination mit Stammbaum-Forschung. Auch über den mütterlichen Stammbaum (in Österreich) habe ich da in den letzten Tagen schon interessante Entdeckungen gemacht. Da stellte sich ein gemeinsamer Genanteil von 0,4 % als Folge direkter genetischer Verwandtschaft heraus.
Vielleicht haben Sie Lust, sich darüber auszutauschen.
Auf eine etwaige Antwort bin ich schon sehr gespannt. - Da etwa die Hälfte der angezeigten DNA-Verwandten auch Fotos von sich hoch geladen haben, kann man übrigens auch desweiteren mit einigem Erstaunen feststellen, daß 0,3 % gemeinsame Gene doch auch einen sehr unterschiedlichen Phänotyp mit sich bringen kann. Ich als Mensch vorwiegend nordeuropäischer Herkunft finde unter ihnen zum Beispiel auch eine sehr mediterran aussehende Frau aus Portugal, die - nach MyHeritage - 0,3 % ihrer Gene mit mir teilt. Da darf man gespannt sein auf die weiteren Erfahrungen, die man bezüglich solcher Dinge noch mit seinen DNA-Verwandten machen kann.

Ein neuer Heiratsmarkt? - Nutzen für die Partnerwahl


Alle diese Zusammenhänge werden zur Zeit noch nicht unter "Genetic Matchmaking" (Wiki, engl.) behandelt, auch offenbar nicht von Firmen, die DNA-Tests zur Partnerfindung anbieten (soweit das zumindest meine bisherige Recherche ergibt). Aber wenn erst einmal viele Menschen ihre Gene sequenziert haben werden und wenn sie ihre Daten auf Open-Source-Internetseiten geteilt haben werden, wird man gerne unter ihnen auch nach Heiratspartnern suchen können. ;) Jedenfalls habe ich damit wieder einmal mich sehr faszinierende Möglichkeiten der "Consumer Genetics" entdeckt, sprich der modernen "Mitmach-Genetik". Es gab übrigens schon mehrere frühere Beiträge hier auf dem Blog zur Auseinandersetzung mit meinem persönlichen Genom-Daten (siehe: "Meine Gene" Teil 1Teil 2 und Teil 3).


Abschließend ein Aufruf 


Als Schlußfolgerung dieser Ausführungen habe ich heute auch noch eine Rundmail an alle mir persönlich bekannten Menschen geschrieben. Womöglich macht es Sinn, ihre wesentlichsten Inhalte auch noch einmal hier einzustellen:
Btr.: Liebe Leute, laßt Eure Gene sequenzieren, insbesondere die älteren und ältesten unter Euch!
Bitte entschuldige es jeder, wenn er unaufgefordert diese Email bekommt. Ich hoffe, daß Ihr derselben trotzdem etwas entnehmen könnt, das für Euch interessant ist. Ich selbst habe meine Gene vor einem Jahr bei der Firma 23andme für 150 Euro sequenzieren lassen, die Gene drei weiterer enger Familienmitglieder habe ich in den letzten Wochen für je 70 Euro bei MyHeritage.com sequenzieren lassen. Ich glaube, bei solchen Preisen muß nun niemand mehr warten mit der Gensequenzierung, daß sie noch günstiger wird.
Auf dem Internetblog "TheDNAGeek" wird auch ganz aktuell ein Überblick gegeben über den gegenwärtigen Preiswettkampf zwischen den wichtigsten Firmen diesbezüglich (TheDNAGeek, 8.2.2018). Wie man dort sehen kann, liegt man also mit MyHeritage nicht schlecht. Außerdem ist bei MyHeritage auch gleich die Stammbaum-Forschung möglich (bei 23andme nicht). Und außerdem kann man die Rohdaten auf Promethase oder dem deutschen OpenSNP (Bastian Greshake) hochladen und hat dann auch den dazugehörigen Gesundheitsreport. Alles Dinge, die inzwischen leicht und routiniert zu machen sind. (Ach, übrigens, für diese Werbung werde ich nicht bezahlt. Trotzdem könnten sich MyHeritage oder 23andme gerne dafür erkenntlich zeigen! :-) )
Um so mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, um so mehr versteht man, daß um so mehr mitmachen, wir alle auch um so mehr herausbekommen, nicht nur über uns selbst, sondern auch über unsere Vorfahren. Und zusätzlich kann die Gensequenzierung einem auch die besten Heiratspartner liefern (s.o.). Und ich glaube, wenn man sich mit diesen "DNA-Verwandten" beschäftigt und mit ihnen in Austausch kommt, was über 23andme und MyHeritage nun außerordentlich erleichtert ist, kann man auch sonst viel über Genetik und Verhaltensgenetik von einzelnen Menschen, Familien und größeren Bevölkerungen lernen.
Ich hoffe, daß es für solche hervorragenden Internetseiten wie MyHeritage bald Open-Source-Angebote gibt. Denn es wird immer deutlicher: Um so mehr mitmachen, um so mehr haben alle etwas davon, um so mehr kann jeder einzelne lernen.
Insbesondere möchte ich die älteren Menschen unter den Empfängern bitten, möglichst bald Eure Gene sequenzieren zu lassen. Eure Kinder und Nachkommen - oder die Kinder von Euren genetischen Verwandten - also wir alle - werden es Euch danken. In späteren Zeiten wird einmal jemand Euer - möglichst gut ausgefülltes - Profil auf MyHeritage oder 23andme finden und Dinge über Euch herausbekommen, die ihr SELBST noch nicht wußtet. (Weil die Forschung dann mehr über Eure Gene weiß als sie es heute weiß.)
Die jüngeren unter Euch sollten ihre Eltern und älteren Verwandten bitten und auffordern und ihnen helfen dabei, ihre Gene sequenzieren zu lassen. Vermutlich werdet Ihr oder Eure Nachkommen oder die Nachkommen Eurer Verwandten es später bereuen, wenn es nicht rechtzeitig geschehen ist.
Unsere Gene sind neben dem kulturellen Erbe, das wir an unsere Kinder weiter geben, der größte Schatz, den wir haben. Wir sollten ihn mehr ehren als das bislang geschehen ist und auch geschehen konnte.
Noch eine Zusatzbemerkung für Menschen, in deren Familien nachweisbar Hochbegabungen vorgekommen sind. Bei ihnen könnte es noch einmal doppelt so viel Sinn machen, ihre Gene sequenzieren zu lassen. Vielleicht wollen wir ja gerade über solche Hochbegabungen besonders viel lernen. Ich glaube jedenfalls, daß es einer Gesellschaft gut täte, über solche Hochbegabungen mehr zu lernen.
Das glaubte auch schon der Bruder von Charles Darwin, Francis Galton, als er sein berühmtes Buch "Hereditary Genius" schrieb, das ins Deutsche von einem Sozialdemokraten übersetzt wurde schon in der Zeit vor 1914. Und das glaubte auch die Ehefrau von Erich Honecker, als sie den Intelligenzforscher Volkmar Weiß mit Hochbegabtenforschung und der Erforschung der Vererbung von Hochbegabungen beauftragte (da es in der DDR aufgrund der Fluchtbewegungen in den Westen insbesondere an Hochbegabungen fehlte). Ich vermute, daß Volkmar Weiß diesen Ausführungen aus vollstem Herzen zustimmen wird. Er leitet ja das Zentralregister der Ortsfamilienbücher in Leipzig, das auch die Erforschung von Familienstammbäumen erleichtern soll.
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  1. Anuradha Jagadeesan, Ellen D. Gunnarsdóttir, S. Sunna Ebenesersdóttir, Valdis B. Guðmundsdóttir, Elisabet Linda Thordardottir et al.: Reconstructing an African haploid genome from the 18th century. Nature Genetics, 50/2018, 15. Januar 2018, pp199-205, doi:10.1038/s41588-017-0031-6, https://www.nature.com/articles/s41588-017-0031-6. https://www.researchgate.net/publication/322507343_Reconstructing_an_African_haploid_genome_from_the_18th_century
  2. Helgason A, Pálsson S, Guðbjartsson DF, Stefánsson K, Kristjánsson T (2008) An association between the kinship and fertility of human couples. Science 319(5864):813–816
  3. Bading, Ingo: Genetische Verwandtschaft - ein wichtiger Faktor auch auf Gruppenebene? Studium generale, 30. August 2008, http://studgendeutsch.blogspot.de/2008/08/genetische-verwandtschaft-ein-wichtiger.html

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