Donnerstag, 23. Januar 2014

Wie kam die Erwachsenen-Rohmilch-Verdauung nach Spanien und Frankreich?

Jan Osterkamp berichtet gerade auf Spektrum der Wissenschaft aufgrund einer neuen schwedischen Studie (1) über DNA aus ausgegrabenen Skeletten des Neolithikums in Spanien, 
dass die häufigste zur Laktosetoleranz führende Mutation in Europa, LCT-13910*T, im Neolithikum auch auf der damals wie heute sonnigen Iberischen Halbinsel verbreitet war: In acht von acht untersuchten menschlichen Skeletten von dort einst lebenden Jungsteinzeitmenschen fand sich die Laktase-Persistenz-Mutation. Nachträgliche Analysen von schon früher erhobenen Genanalysen zeigen überdies, dass auch im Gebiet des heutigen Frankreichs zumindest einige Erwachsene schon in der Steinzeit Milchzucker vertrugen. Modelliert man die Verbreitung der Mutation, so zeigt sich, dass diese sich wohl schnell im Süden wie Norden verbreitet haben muss.
Auch in von der Sonne verwöhnten Regionen muss die Mutation also einen so entscheidenden Vorteil gehabt haben, dass sie sich im Genpool der Europäer in einem natürlichen Selektionsprozess nach und nach durchgesetzt hat.
Die Originalstudie (1) müssen wir uns unbedingt noch ansehen. Ob nicht auch die genetische Mutation, die Erwachsenen-Rohmilchverdauung ermöglicht, ein ähnlich "einmaliges" Ereignis war, wie jene Mutation, die die blaue Augenfarbe weltweit hervorruft und zu ähnlicher Zeit stattgefunden hat? Dann würde man sagen können, daß die hier in Spanien gefundenen Mutationen auch schlicht auf Zuwanderung und Demographie aus dem Norden beruhen könnten (Ausbreitung der Trichterbecherkultur oder womöglich auch der Michelsberger Kultur oder ähnlicher mittel- und nordeuropäischer Kulturen der mittleren Jungsteinzeit).

Weiteres dazu nach Studium der im Netz leider nicht frei zugänglichen Originalstudie (1).
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Kommentare:

Joaquin hat gesagt…

Wenn der Seeweg ausgeschlossen ist, dann wird es wohl der Landweg sein, zumal eine Mutation aus Spanien heraus zwar möglich, aber wohl kaum wahrscheinlich ist.

Ingo Bading hat gesagt…

Hm, der Seeweg war nicht ausgeschlossen. England wurde von Ackerbauern auf dem Seeweg besiedelt. Ebenso hat sich der Ackerbau rund ums Mittelmeer - offenbar - auf dem Seeweg ausgebreitet, wofür auch die Verbreitung mancher Pflanzenarten im Mittelmeer spricht.

Ich habe leider die Originalstudie noch nicht lesen können.

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