Samstag, 17. Mai 2008

Die Moderation des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses zu Fragen von Evolution und Religion

Der Workshop der Templeton Foundation in Frankfurt und die Wissenschafts-Blogger

Die Teilnahme am Workshop der Templeton Foundation zur Evolution der menschlichen Religiosität in Frankfurt war ein tolles Erlebnis, für das ich den Veranstaltern Michael Blume, Elisabeth Gräb-Schmidt und Wolfgang Achtner an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte. Und ebenso Dank an Lars Fischer für die Möglichkeit, darüber in einem Gastbeitrag in seinem Blog berichten zu können. Ich war ja von den Veranstaltern ausdrücklich als "Wissenschafts-Blogger" eingeladen worden, was vielleicht auch schon als eine gewisse Aufwertung des Mediums Wissenschafts-Blog gewertet werden kann.

Mir sind aber auch sonst auf der Rückfahrt noch mancherlei Gedanken dazu gekommen, wie man eigentlich ein solches, heute so wesentliches, interdisziplinäres Gespräch in dem weiten Feld zwischen Theologie, Religionswissenschaft, Philosophie und Naturwissenschaft moderieren sollte. Dazu will ich in den nächsten Tagen noch einmal Stellung nehmen und Vorschläge machen.

"Studium generale"

Gerade eine solche Moderation ist es ja, muß es ja sein, so wurde mir wieder einmal klar, die auch das Ziel eines jeden guten "Studium generale" ist. (Und während meines Studiums in Mainz habe ich ein solches gutes "Studium generale" kennenlernen können.) Diese Frage der Moderation berührt also die Kernfragen auch dieses Blogs. Und es war toll, in den persönlichen Begegnungen in Frankfurt (und am nächsten Tag in Gießen) dazu so viele neue Anregungen bekommen zu können. - Und auch jetzt noch in der Nachbereitung.

Denn gerade finde ich, daß Martin Ragg vom "Humanistischen Pressedienst" auf diese Veranstaltung hingewiesen hat und auf ihre Thematisierung in den "Wissenslogs" von "Spektrum der Wissenschaft". Dies geschah mit folgenden Worten von Seiten dieses atheistischen Pressedienstes:
Wissenslogs: Was nützt der Glaube? Ist Atheismus ein biologischer Nachteil?

Der Spektrum-Verlag betreibt unter www.wissenslogs.de eine Reihe von Blogs, in denen sich unterschiedliche Autoren mit "Wissenschaftsthemen" auseinandersetzen. Die Plattform wird ab dem 16. Mai die Ergebnisse eines Workshops "Gibt es eine Wissenschaft der Religion – Die Evolutionäre Grundlage des religiösen Glaubens" dokumentieren.

Aus der Ankündigung:

"Religion und Spiritualität gehören zur Grundausstattung menschlicher Kulturen überall auf der Welt. Ob Jesus, Mohammed, Buddha, geglaubt wird überall. Doch warum eigentlich? Ist Religiosität womöglich angeboren? Am Donnerstag, den 15. Mai treffen sich an der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt Biologen, Pädagogen und Religionswissenschaftler im Rahmen der Templeton Research Lectures 2008 zum Workshop „Evolution der Religionen“, um diese Fragen interdisziplinär zu diskutieren."
Ein spannendes Thema - interessant dürfte auch sein, wie die "Blogs" die Diskussion aufgreifen und wie hier im Rahmen der Tagung die "neuen Medien" genutzt werden.
Hoffentlich sind die in diesen Worten mitschwingenden Erwartungen nicht zu hoch gesetzt worden. Es sollte nämlich nicht übersehen werden, daß trotz der guten Besetzung unter den Diskutanten der Workshop insgesamt nur drei Stunden dauerte, und daß die Diskutanten in ihren jeweiligen, höchstens fünfminütigen Stellungnahmen ihre eigenes Denkmodell nicht gründlich präsentieren, sondern bestenfalls andeuten konnten.

Das ist noch längst nicht ausreichend, um das interdisziplinäre Gespräch und auch das Gespräch "aus dem Elfenbein-Turm der Wissenschaft" heraus in die Öffentlichkeit wirklich nachhaltig befruchten zu können. - Und das wäre dann gleich auch schon ein erstes Nachhaken hinsichtlich der Frage, wie man solche interdisziplinären Gespräche überhaupt moderieren könnte oder sollte. - Vielleicht macht sich dazu auch der "Humanistische Pressedienst" oder die "Giordano Bruno Gesellschaft" einmal erneut Gedanken?

Regelmäßigere Wissenschafts-Blogger-Stammtische?

Eines steht jedenfalls fest: Das Interesse an der Thematik ist überall so heftig spürbar, ob nun bei Gläubigen oder Ungläubigen, ob unter Wissenschaftlern oder interessierten Laien, daß es nur noch an der geeigneten Plattform - und vor allem auch an der gut durchdachten Moderation - fehlt, um damit vielleicht noch mehr Menschen "fesseln" zu können (wissenschaftlich wie außerwissenschaftlich), als das bisher schon geschehen ist.

Ganz unprätentiöser Vorschlag, solange man nicht von besseren hört: Sollte man vielleicht einfach früher oder später z.B. in jeder größeren Stadt so etwas wie "Wissenschafts-Blogs-Leser-Stammtische" gründen oder so etwas wie "Evo-Theo-Stammtische"?

Ist ja nur so eine Frage ... Wenn "Studium generale" den sich selbst gestellten Anspruch ernst nimmt, sollte man jedenfalls in diese Richtung weiterdenken.

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