Montag, 4. Februar 2008

"Gott im Kommen?", Frau Vollmer? - Na klar! - Nur: Welcher?

Ich finde es auffällig, daß sogar in der Wissenschaft, bzw. in der Sachbuch-Literatur Frauen oft - zumindest tendenziell - anders über Religion und Religiosität schreiben (und denken) als Männer. - Sie tun es sowieso derzeit immer noch vergleichsweise wenig, wenn man es mit den vielen Büchern und Artikeln von Männern vergleicht. Aber man sehe sich die haarscharfen Logik-Raisonements eines Richard Dawkins an und vergleiche sie mit den Überlegungen der amerikanischen Anthropologin Barbara King. (Der britische Anthropologe Robin Dunbar steht vielleicht in der Mitte zwischen beiden Extremen und eilt dadurch allen anderen in seinen Forschungen vielleicht auch am weitesten voraus. Denn Erkenntnis gerade auf dem Gebiet der Anthropologie ergibt sich doch wohl immer noch dann am besten, wenn man "viel Gefühl" und Empathie mit viel kalter, haarschafer und unbestechlicher Rationalität, Logik und Sachorientiertheit verbindet.)

Auf diese Gedanken komme ich, weil ich gerade durch das neue Buch von Antje Vollmer "Gott im Kommen?" (2007) schmökere und bestrebt bin, mir die Perlen und Rosinen ihrer Ausführungen herauszupicken. - Runde und klare Lösungen bietet Antje Vollmer im Grunde nicht an. Typisch der letzte Satz des Buches: "Gott kann uns nicht zwingen, die eine oder andere Haltung im Nachdenken über ihn einzunehmen. Wir müssen schon selber wählen." - Ist denn das nicht eine Banalität, eine Plattheit?

Eine "erneuerte kosmologische Weltverzauberung"?

Das wichtigste Kapitel des Buches wird sein: "Ein alter Streit: Monotheismus gegen Kosmotheismus". Darin schreibt sie über die Debatte von Jan Assmann und Peter Sloterdijk gegen die religiösen Eiferer des Monotheismus:
"Diese Debatte ist notwendig, sie ist auch keineswegs einfach zu einem allüberzeugenden Ergebnis zu bringen. Sicher entspricht ein gemäßigter vergeistigter Polytheismus im Sinne einer erneuerten kosmologischen Weltverzauberung den Bedürfnissen vieler Menschen, die von den Kriegsgeschichten der monotheistischen Religionen angewidert sind und sich nach neuen Wahrheiten und Gottesbildern aufmachen." (S. 116)
Auf vielen Gebieten verteidigt Antje Vollmer den Monotheismus gegen diese Angriffe (mit durchaus begründeten Argumenten), schreibt dann aber (S. 118): "Die entscheidende Kritik von Assmann und anderen an den monotheistischen Religionen aber betrifft ihren unbedingten Wahrheitsanspruch." Sie zitiert Assmann mit den Worten:
"Nur diese Religionen (...) kennen Ketzer und Heiden, Irrlehren, Sekten, Aberglauben, Götzendienst, Idolatrie, Magie, Unwissenheit, Unglauben, Häresie und wie die Begriffe alle heißen mögen für das, was sie als Erscheinungsformen des Unwahren denunzieren, verfolgen und ausgrenzen."
Und diese These will sie dann im nächsten Kapitel genauer überprüfen. Und sie verteidigt dann den Gott der evangelischen Bekennenden Kirche während des Dritten Reiches als den "Gott im Kommen", da er gerade durch den Eifer seiner Anhänger, wenn ich es recht verstehe, einen Rückhalt gegen Totalitarismen geboten hat. Auch dieses Argument ist - der Sache nach - wohl durchaus richtig.

Soweit ich sehe, bleibt sie selbst an diesem Punkt dann geistig stehen. Der Rest sind Absicherungen dieses, ihres "kommenden Gottes" nach verschiedenen Seiten hin.

Dennoch merkwürdig. Das ist und bleibt ein rein "anwendungs-bezogenes" Argument, keine "Grundlagen-Forschung". Dabei war es doch gerade der "unbedingte Wahrheitsanspruch", der letztlich auch sie störte. Sollte man nicht auch heute einen solchen haben in Bezug auf solche Fragen wie: Wo kommt diese Welt her? Wie konnte Leben entstehen? Warum diese gewaltige Höherentwicklung in Jahrmillionen bis hin zu uns Menschen? Was soll das alles?

Das Leben selbst erforschen, nicht "vergangenes" Leben

Wie will Frau Vollmer, um solche Fragen zu klären, allein in religiöser, religionsvergleichender oder kulturwissenschaftlicher Literatur Antworten finden, statt zunächst und vor allem in jener Literatur, die über diese Welt, über dieses Leben selbst etwas sagt?

Man sieht, Richard Dawkins hat wieder einmal recht: Die Monotheismen und ihre alten "Streitereien" versperren den Menschen, die über das Leben und die Gesellschaft nachdenken und sich damit zu ausschließlich beschäftigen, den Blick auf die eigentlichen heute aktuellen und brennenden Fragen. Gegen Totalitarismus will ich mich auch zur Wehr setzen - mit allem "Eifer". Aber ich will dabei auch wissen, wie die Welt wirklich ist, nicht wie man sie sich vor 2000 Jahren einmal vorgestellt hat. Und aus diesem heutigen Weltbild heraus will ich individuelle und gesellschaftliche Freiheit beanspruchen und begründen.

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