Sonntag, 21. Oktober 2007

Die Westgoten, die sephardischen und die aschkenasischen Juden

Die Geschichte des antiken Judentums ist gut erforscht, ebenso die Geschichte des mittelalterlichen Judentums. Aber wie gut ist eigentlich die Geschichte des Judentums in der Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter erforscht? Da sich in dieser Zeit die genetische und kulturelle Neubildung des aschkenasischen (traditionell deutsch-/jiddisch-sprachigen) Judentums vollzog (also eine klassische Ethnogenese), das eine für die Wissenschaft heute so interessante Genetik aufweist, stellen sich neue Fragen an die Geschichtswissenschaft. Mit dem Thema kenne ich mich noch gar nicht so richtig aus, bin aber gerade auf die Rezension ("Early Medieval Europe", frei zugänglich) einer deutschen Doktorarbeit von 2001 gestoßen , die inzwischen ins Englische übersetzt worden ist von Wolfram Drews zum Thema "Juden und Judentum bei Isidor von Sevilla". (Amazon 1, 2)

Es ist erstaunlich zu erfahren, daß sich die Westgoten in Spanien, als sie zum Katholizismus übertraten, als Volk neu definierten und zwar insbesondere als unterschiedlich gegenüber den Juden, die also im weströmischen Reich keine besonders unbekannte Komponente gebildet haben können. Könnte man nicht ähnliche Vorgänge vermuten bei der Ethnogenese des deutschen Volkes und des aschkenasischen Judentums in den Jahrhunderten danach?

Aus der englischen Version wird Wolfram Drews folgendermaßen zitiert:
"In the 6th century the self-perception of the Goths had been subjected to constant change and even erosion, which provided the basis for the creation of a new paradigm in 589, the invention of a new ‘origin of the Goths’ . . . When they converted to Catholicism, a new form of religious and ‘ethnic’ demarcation suggested itself: the opposition to Judaism, which became a new and constant feature in the 7th century, but which in fact continued the anti-Roman strategy of earlier centuries. Traditional Roman and Catholic anti-Judaism was taken over at the time of conversion and adapted to the political agenda of the Catholic Gothic monarchy."
In diesem Prozeß spielte Isidor, Bischof von Sevilla, eine entscheidende Rolle.

All das handelt ja wahrscheinlich vom sephardischen Judentum. Für mich ist die ganze Thematik nur deshalb interessant, weil dies genau jener Zeitraum ist, in dem sich zu gleicher Zeit in Deutschland am Rhein die Abspaltung der aschkenasischen von den sephardischen Juden vollzogen haben muß.

Vielleicht erfährt man über all das noch Genaueres in dem neuen Buch von Jon Entine über die aschkenasischen Juden und ihre "genetische Geschichte" (siehe früehrer St. gen.-Beitrag).

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