Mittwoch, 25. Juli 2007

Bonobos - wirklich die "politisch korrekten" Primaten?

Der Titel dieses Blog-Eintrags ist in Anlehnung an Larry Arnhart formuliert. Anlaß ist ein sehr langer Artikel im New Yorker über die Bonobo-Forschung. Das Bild von den Bonobo's ist ja geprägt von den Forschungen des niederländischen Primatologen Frans de Waal. Er hat aber Bonobo's immer nur im Zoo beobachtet. Und es mehren sich jetzt Hinweise, daß sich Bonobo's in Gefangenschaft einfach sehr deutlich anders verhalten als Schimpansen, daß sie aber in der freien Natur ein so deutlich unterschiedliches Verhalten zu den Schimpansen nicht aufweisen.

Die Feldforschungen im Kongo betreibt ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Deutschen Gottfried Hohmann. Trotz Jahre langer Forschung sind die Ergebnisse noch mager, da das Beobachten der Bonobo's in der freien Natur sehr schwierig ist. Aber einiges können die Forscher schon sagen und das ist im "New Yorker"-Artikel - im hinteren Drittel vor allem - zusammen getragen: Die in den Zoos beobachtbaren "Sexorgien" konnten in der freien Natur noch nicht beobachtet werden. Da sieht man die Bonobo's immer nur gruppenweise in den Bäumen sitzen und essen oder schlafen oder hinunter auf den Boden klettern, um weiterzuziehen. Möglicherweise ist also das Verhalten in Gefangenschaft auch durch den engen Raum bedingt, in dem die Bonobo's gehalten werden.

Was schon beobachtet werden konnte, ist, daß Bonobo's durchaus auch jagen (wie die Schimpansen), und daß sie auch in der freien Natur Aggressionen untereinander kennen, möglicherweise auch Mord und Kindesmord - wie bei den Schimpansen. Aggressiv sind die Bonobo's übrigens auch in den Zoo's, wofür in diesem Artikel zahlreiche Beispiele gegeben werden. (Zahlreiche abgebissene Finger- und Zehenglieder sowohl bei Bonobo's wie auch bei menschlichen Betreuern.)

Möglicherweise ist also unser Bild von den Bonobo's nur das Bild von "verhausschweinerten" Bonobo's. ("Verhausschweinerung" ist ein Begriff von Konrad Lorenz, der hier ganz passend erscheinen könnte ...) Also von Bonobo's, die in irgend einer Weise schon "Domestikations-Erscheinungen" aufweisen. Man darf gespannt sein, was die weiteren Forschungen im Kongo erbringen werden. Man gewinnt den Eindruck, daß dort noch eine so geduldige und einfallsreiche Beobachterin wie Jane Goodall fehlt ...

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