Montag, 2. Juli 2007

Atheistische Bekenntnisse gleich reihenweise in Wien

In Wien fand das "2. Wiener Nobelpreisträgerseminar" statt, auf dem "atheistische Bekenntnisse" gleich reihenweise abgegeben wurden (Die Presse):
Ein atheistisches Bekenntnis. Gleich noch eines. Und ein Bekenntnis als „hartgesottener Atheist“ (...). Selten wurde die (gar nicht explizit gestellte) Gretchenfrage so flott und freudig beantwortet wie von den drei Stargästen beim zweiten Wiener Nobelpreisträgerseminar: Tim Hunt (England), Roger Kornberg (USA), Richard Roberts (USA). (...) Unter Naturwissenschaftlern, vor allem Biologen, gehört es heute zum guten Ton, sich von Religion, besonders vom Christentum, geradezu angewidert zu distanzieren.

Religiöse Erziehung grenze für ihn an Kindesmissbrauch, sagte Roberts und fragte: Sollten wir die Kinder nicht lieber ins Laboratorium schicken statt in die Kirche? Heftiger Applaus.
"Die Presse" (Thomas Kramar) mutmaßt:
Das ist wohl ein Ergebnis der törichten anti-evolutionistischen Attacken christlicher Gruppen in den USA.
Wir wollen für Herrn Kramar hoffen, daß er sich da nicht allzu sehr irrt. Aber vielleicht hat man auch ohne diese "törichten anti-evolutionistischen Attacken christlicher Gruppen in den USA" allmächlich wirklich die Nase voll von all der Theologie, also von Theologie ganz allgemein und umfassend. Denn es wird doch immer offensichtlicher, daß sie auch heute noch den offenen, freien Blick auf unsere Welt versperrt, eine Barriere gegenüber der Welt aufbaut in jenem Augenblick, in dem Menschen nahegelegt wird, einem bestimmten Text mehr Bedeutung zuzusprechen, als ihm von Hause aus wie jedem beliebigen anderen Märchen zukommt. In dem Augenblick, in dem Menschen nicht mehr als Menschen, sondern "salbungsvoll" als Theologen sprechen.

Und von einem solchen weiß auch "Die Presse" - natürlich - wieder einmal zu berichten:
Da hatte es der evangelische Theologe Ulrich Körtner, den man, als Quotenchrist sozusagen, auch aufs Podium gebeten hatte, nicht leicht. Religiosität könne eine Quelle für wissenschaftliche Bemühungen sein, meinte er, und plädierte für „das Recht, nicht perfekt zu sein“.
Das ist zwar schön gesagt. Aber so etwas hört man lieber aus dem Mund eines beliebigen Geistes- oder Naturwissenschaftlers, nicht aber aus dem Mund eines Theologen, der im Grunde genommen zu keinen von beiden Gruppen gehört. Sondern er gehört zur Gruppe der Märchen-Erzähler, eine Personengruppe, die als solche in wissenschaftlichen Diskussionen normalerweise nichts zu suchen hat. Es werden ja derzeit auch nicht Erzählerinnen und Deuter der Märchen der Gebrüder Grimm auf ein solches Podium geladen.

Wir erfahren aber über einen solchen Märchenerzähler nun weiter:
Er sei aber auch für mehr Freiheit für die molekularbiologische Forschung in Österreich: Die aktuelle Gesetzeslage entspreche der katholischen Position und der Ausrichtung der letzten Regierung.
Nach diesem Abschweifen in die Märchenwelt kehrt der Artikel zur Wissenschaft zurück und berichtet:
Dass die Gesetze – für Präimplantationsdiagnostik, Genanalyse, Forschung an embryonalen Stammzellen – in Österreich zu restriktiv seien, darauf konnten sich alle auf dem Podium einigen. Tim Hunt fand es gar „absolut bizarr“, dass Präimplantationsdiagnostik – genetische Untersuchung befruchteter Eizellen vor der Implantation bei künstlicher Befruchtung – verboten ist. Zu Mittag hatte er schon gesagt, dass Klonen für ihn per se „kein Alptraumszenario“ sei. Betont affirmativ sieht auch Roberts die Zukunft seiner Branche: Schon bald werde man routinemäßig DNA von Menschen sequenzieren, um deren Neigung zu Krankheiten festzustellen.
Darüber ist ja auch hier auf dem Blog schon viel berichtet worden.

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