Dienstag, 12. Juni 2007

"Spannender als die Papstwahl" - Ein Kleinod wurde gewählt

Der Wettbewerb "Das bedrohte Wort"

In seinem jüngsten Rundbrief (nicht: Newsletter!) schreibt Richard Zinken von "Spektrum der Wissenschaft":
Liebe Leserin, lieber Leser,

Kleinod...
Welch wundervolles Wort. Und zu Recht Sieger im Wettbewerb "Das bedrohte Wort". Sicher werde ich mein Möglichstes tun, sein Verschwinden zu verhindern. ...
Hm! Das klingt ja spannend. Gleich mal recherchieren (Bedrohte-Woerter.de, Spiegel, Wikipedia 1, 2).
Folgende Wörter prämierte die Jury:

Platz 1: Kleinod
Platz 2: blümerant
Platz 3: Dreikäsehoch
Platz 4: Labsal
Platz 5: bauchpinseln
Platz 6: Augenstern
Platz 7: fernmündlich
Platz 8: Lichtspielhaus
Platz 9: hold
Platz 10: Schlüpfer
Nun gut, warum unter mehr als 2.000 verschiedenen eingereichten Worten der Schlüpfer ausgerechnet noch Platz 10 erreichen muß, bleibe dahingestellt. Ist der Jury wohl "hindurchgeschlüpft". Aber sonst: eine tolle Idee. Ich glaube, ich werde dann künftig auch mal wieder Dinge fernmündlich klären. Und mein Augenstern, wo ist er? Na, lassen wir das Thema. Aber das Lichtspielhaus: wunderbar!!! Holde Frauen wird man dort zu sehen bekommen. Aber manchmal auch weniger holde. Denn hier soll ja niemand gebauchpinselt werden. Obwohl: Ein Labsal wäre das schon, wenn so ein Dreikäsehoch anfängt blümerant daherzureden. Manchmal sind so kleine Dreikäsehochs auch die Kleinode der Schöpfung. Nur der Schlüpfer wie gesagt. Aber lassen wir das ...
Die Worte, die am häufigsten eingereicht wurden: Backfisch (35 Nennungen), hanebüchen (28), Sommerfrische (20), blümerant (16), Pfennigfuchser (15).
- Und was lernen wir daraus über die deutsche Volksseele? - Alles hanebüchen!!!!

Ich werde dann fürderhin mal öfter wieder versuchen, Begriffe zu gebrauchen wie Anmut, danke (!!! - grins), Demut, Kinkerlitzchen, Kokolores, Muckefuck, Münzfernsprecher (!!!), nichtsdestoweniger, sintemalen, Techtelmechtel ...

Die preußischen Damen der alten Zeiten
... Der Jury-Vorsitzende wird mehrfach überstimmt, allmählich zeichnet sich ein Ergebnis ab. Ein Juror bringt die Stimmung auf den Punkt: "Es ist spannender als die Papstwahl." Am Ende steigt zwar kein weißer Rauch auf. Doch das Wort auf Platz eins ist konsensfähig. Es lautet Kleinod. Warum? ...
Ja, Ritter, Mittelalter und so.
Auf den zweiten Platz wählt die Jury das alte Adjektiv blümerant. (...) Es leitet sich vom Französischen "bleu-mourant" her und bedeutet wörtlich übersetzt "sterbendes Blau". Friedrich II. ließ sein Porzellan in diesem Pastellblau bemalen. Hugenottische Einwanderer hatten das Wort nach Preußen mitgebracht. Wenn in jener Zeit eine Dame im zu eng geschnürten Korsett in Ohnmacht fiel, so wurde ihr nicht schwarz, sondern blassblau vor Augen. "Mir wird janz blümerant" hieß es dann. "Das sterbende Blau ist eine sehr noble Begründung um zu sagen: Mir schwinden die Sinne!".
Und ich dachte, blümerant heißt geschwollen, blumig. Nein, in meinem Duden steht: schwindlig, flau. Hm! Das hat man von diesen Fremdworten. - Ach, die preußischen Damen der alten Zeiten ...

Na gut, so kann man mich auch für den 10. Platz überzeugen:
Das als String, Tanga oder Boxershorts entfremdete und sprachlich wie symbolisch oftmals überhöhte Kleidungsstück, wird mit dem alten Wort Schlüpfer gewissermaßen geerdet. (...) Eine Jurorin lobt sogar die erotische Qualität des Wortes. Überzeugend in jedem Fall die Begründung der Einsenderin aus Sarstedt: "Das Wort passt so schön zu Büstenhalter."
Naja. Schlüpfrig bleibt's in jedem Fall. In Preußens alten Tagen hätte man solche Worte nicht prämiert! Da wäre verschiedenen Leuten ganz blümerant zu Mute geworden.

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