Montag, 25. Juni 2007

IQ-Unterschiede kann auch die beste Kinderkrippe nicht verändern

Aus der folgenden Argumentation in der TAZ wird mir deutlich, wie wichtig es ist, daß auch bei der Diskussion moderner Familienpolitik die Erkenntnisse moderner IQ-Genetik berücksichtigt werden.

Sagt doch in einem Interview (TAZ, November 2006) der Soziologe Gøsta Esping-Andersen:

... Zudem haben wir früher geglaubt, der allgemeine Zugang zum Bildungssystem werde mehr Gleichheit zur Folge haben. Es hat sich herausgestellt, dass das nicht unbedingt der Fall ist.

Die Schulen reproduzieren die Ungleichheiten nur?

Wir wissen heute, dass es sich in den Familien entscheidet, ob ein Kind gute Chancen oder schlechte Chancen hat, und dass die Schulen kaum mehr etwas korrigieren können. Die Grundlage für soziale Ungleichheit wird in den ersten sechs Jahren gelegt, also in jener Phase, in der die Kinder de facto privatisiert sind. Für Chancenarmut gibt es somit zwei Gründe. Erstens materielle: Kinderarmut hat ganz furchtbare Auswirkungen. Zweitens kulturelle: Das Lernmilieu spielt eine große Rolle.

Was heißt das?

Kinder, die in der Familie nicht gefördert werden, keine kognitive Basis bilden, haben praktisch keine Chance. Wenn wir also in einer Wissensgesellschaft leben, müssen wir entschieden mehr in die Kinder investieren, wenn wir nicht grobe Ungleichheiten ernten wollen.

Man wird die Eltern nicht zwingen können, ihren Kindern vorzulesen ...

Deswegen ist hochwertige Kinderbetreuung wichtig, besonders für die am meisten Unterprivilegierten. Die haben einen überdurchschnittlichen Gewinn durch qualitativ hochwertige Kinderbetreuung.

Dazu ist zu sagen, daß diese Argumentation von ganz falschen Prämissen ausgeht. Der Mensch kommt nicht als "unbeschriebenes Blatt" auf die Welt und ist nicht beliebig durch die Umwelt form- und erziehbar. Auch nicht, wenn man - wie neuerdings - sich immer stärker auf die Umwelt in den ersten sechs Lebensjahren konzentriert, was ja grundsätzlich sehr löblich sein mag. In diesen Tagen wurde ein zweijähriges Kind mit einem IQ von über 150 in England in einen Hochbegabten-Club aufgenommen. Alle Zeitungen berichteten. So etwas ist doch nur sinnvollerweise möglich, wenn man weiß, daß dieser IQ eben über das Leben hinweg weitgehend stabil bleibt und schon mit zwei Jahren einigermaßen zuverlässig für das ganze künftige Leben festgestellt werden kann.

Von daher werden wichtige Prämissen und Voraussetzungen sogenannter "frühkindlicher Bildung" heute ganz falsch in den Vordergrund gestellt. Daraus kann nur noch mehr und mehr Unheil entstehen. Der angeborene IQ ist im wesentlichen nicht änderbar - weder durch frühkindliche Erziehung, noch durch spätere. Das ist ein Wahn. Geradezu grotesk. Und der sogenannte "emotionale IQ" wird doch wohl am besten durch emotionale Geborgenheit in der Familie gefördert.

Interessanterweise führte das Interview der Journalist Robert Misik, der schon vor einem Jahr in der TAZ über die IQ-Genetik der aschkenasischen Juden berichtet hat. Warum stellt er dann so kritiklose Fragen? Er wird doch wohl auch nicht selbst glauben, daß eine Erblichkeit der Intelligenz nur für aschkenasische Juden gilt - ?

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