Freitag, 6. April 2007

Deutsche Kriegstote heute - "politsch nicht gewollt", sich ihrer zu erinnern?

In unserer Zeit der öffentlichen und privaten Oberflächlichkeit erscheint mir nichts wichtiger als die Aufmerksamkeit - öffentlich und privat - auf weniger "Oberflächliches" und auf dasjenige zu richten, was Verantwortungsgefühl und Ernst weckt, persönliche Besinnung fördert. Das neueste Heft der Zeitschrift "Stimme & Weg" des "Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge" ist erschienen.

In diesem Heft wird - neben den vielen anderen wertvollen Inhalten - der Finger in eine sehr offene - sehr aktuelle - Wunde gelegt. Da ist vor allem das Interview mit Professor Reiner Sörries (Kassel) über die
"Zukunft der Trauerkultur" in Deutschland. Ja, Trauer ist ein Teil des Lebens. Manchmal hat man das Gefühl, unsere Gesellschaft schreit so laut, um genau diesen Aspekt des Lebens so tief vergessen zu machen wie nur immer möglich - und alles, was damit verbunden ist, in die psychiatrischen und psychotherapeutischen Abteilungen "abzuschieben". Ist ja schon fast ein schizophrener Zustand, wenn Depression rund- udn schlichtweg wie jede andere psychische "Krankheit" behandelt wird. Das heißt: Wer gesund ist, hat glücklich zu sein in dieser "Schönen neuen Welt". Aber selbst die Glücklichen sind in Gefahr, pathologisiert zu werden, sie sind dann zum Beispiel "manisch"-(... depressiv). Daß es nicht unbedingt jeweils der "Einzelfall" sein muß, der da wirklich krank ist, sondern daß das sowohl in der Befundlage wie in der Diagnose Symptome von Krankheit einer ganzen Gesellschaft sein könnte, soweit ist das gesellschaftliche Bewußtsein im Allgemeinen noch nicht vorgedrungen ...

Im Heft ist zu erfahren: "Tausende Angehörige der Bundeswehr sind in weltweiten Krisengebieten im Einsatz, mindestens 60 Soldaten sind dabei ums Leben gekommen." Deshalb taucht in dem genannten Interview dann die folgende Fragestellung auf: "Das Kriegsgräbergesetz sieht für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ein ewiges Ruherecht vor. Die Opfer der heutigen Bundeswehr-Einsätze im Ausland sind davon ausgenommen. Was halten Sie davon?"

Sörries antwortet folgendermaßen:
"Dies ist ein Thema, das gesellschaftlich und politisch höchst brisant ist. Daß wir überhaupt Bundeswehrsoldaten als Opfer zu beklagen haben, ist etwas relativ Neues und etwas, das wir noch nicht so recht wahrhaben wollen. Von daher glaube ich, daß es politisch gewollt ist, daß diese Soldaten auf normalen Friedhöfen bestattet werden. Ein bundesdeutscher Soldatenfriedhof würde ein besonderes Schlaglicht werfen und sicher den Widerstand gegen deutsche Auslandseinsätze verstärken. Ich habe hier schon den Eindruck, daß die Politik diese Problematik der Bundeswehrsoldaten als Opfer von Auslandseinsätzen gegenwärtig lieber nicht thematisieren möchte und versucht, diesen gesellschaftlichen Diskurs auzuklammern."

Reinhard Führer, der gegenwärtige Präsident des "Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge" hält gegen dieses "Zerstreuen" und "Privatisieren" der deutschen Aufmerksamkeit und Trauer. Im Editorial fordert er ein Denkmal für die in ihrem Dienst ums Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten: "In Ausübung ihres Dienstes für die Bundesrepublik Deutschland sind seit dem Aufbau der Bundeswehr 1955 über 2.600 Menschen gestorben. ... Das Denkmal sollte in Berlin stehen, in der Nähe des Reichstagsgebäudes. Denn der Deutsche Bundestag hat die Soldatinnen und Soldaten entsandt. Unsere Abgeordneten sollten die sichtbare Mahnung, die von diesem besonderen Denkmal ausgehen wird, bei allen ihren künftigen Entscheidungen im Blick haben. ..."

"Darüber hinaus plädiert Führer dafür, die Namen der Opfer zu dokumentieren, damit die Öffentlichkeit ihrer als Individuen gedenken kann."

Weitere aktuelle Berichte zum Thema finden sich: Deutsche Welle, NDR, Radio Bremen. Und hier Phoenix:

"Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan hat seit seinem Beginn Ende 2001 nach amtlichen Angaben 17 deutsche Soldaten das Leben gekostet.

Der tragischste Tag war der 21. Dezember 2002: Beim Absturz eines Transporthubschraubers bei Kabul kamen alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben.

Am 7. Juni 2003 sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Taxi neben einem Bus mit deutschen Soldaten in die Luft. Der Anschlag forderte vier Tote, 29 Soldaten überlebten zum Teil schwer verletzt. Sie waren auf dem Weg zum Flughafen, um nach Deutschland zurückzukehren.

Im März 2002 kamen zwei deutsche und drei dänische ISAF-Soldaten bei der Entschärfung von Raketen in Kabul ums Leben. Im Mai 2003 wurde ein deutscher Soldat von einer Mine getötet. 2004 verloren zwei Bundeswehrsoldaten ihr Leben, als zum Verladen vorgesehene Waffen und Munition explodierten.

Die USA verloren bislang 197 Soldaten in Afghanistan, Italien fünf. Die britischen Streitkräfte zählen vier Todesopfer, die französischen zwei. Auch ein norwegischer Soldat kam in Afghanistan ums Leben."

Der Sarg mit dem Leichnam des bei einem Attentat in Afghanistan ums Leben gekommenen Soldaten der Bundeswehr wird auf dem Flughafen Köln-Wahn empfangen.

Bundeswehr-Soldaten tragen auf dem militärischen Teil des Köln-Bonner Flughafens den Sarg eines Kameraden. Vier deutsche ISAF-Soldaten kamen am 7. Juni 2003 in Afghanistan, bei einem Bombenanschlag ums Leben.


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