Freitag, 30. März 2007

"Für Großdeutschland - gegen den großen Krieg"

Der Zeithistoriker Rainer A. Blasius, der die schätzenswerte Studie "Für Großdeutschland - gegen den großen Krieg" über die Rolle und Politik Ernst von Weizsäckers, des ersten Staatssekretärs im deutschen Auswärtigen Amt um 1939, verfaßt hat, und der zugleich ein Kenner der britischen Deutschlandpolitik während des Zweiten Weltkrieges ist, beklagt in der Rezension einer neuen Doktorarbeit zum Thema Ernst von Weizsäcker die geringe Zugänglichkeit des Nachlasses von Ernst von Weizsäcker und seines Schweizer Freundes Carl Burckhardt für die derzeitige Forschung (FAZ):

... Bemüht hat sich der junge Zeithistoriker - wie sich das gehört - um "Einblick" in den in Basel lagernden Briefwechsel zwischen dem 1974 verstorbenen Burckhardt und dem 1951 verstorbenen Weizsäcker. Dies verwehrte ihm Ulrich Schlie als "Präsident des Kuratoriums" mit der Begründung, dass sich Burckhardts Nachlass "immer noch im Prozess der Klassifizierung" befinde und "das gegenwärtige Stadium noch keine Benutzung in größerem Umfang" erlaube. Eine weitere Absage erhielt Schwarz dann für die zu Lebzeiten der Weizsäcker-Witwe bei ihr in Lindau noch zugänglichen und mittlerweile auch mikroverfilmt im Bundesarchiv in Koblenz verwahrten Papiere des Staatssekretärs - und zwar vom Büro des Diplomaten-Sohnes und Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker: "Das Schriftgut von Ernst von Weizsäcker als deutscher Missionschef in Bern umfasst auch umfangreiche vertrauliche private Familienkorrespondenzen, die sich nicht von dem dienstlichen trennen lassen und auch nicht eingrenzbar sind." ...

Wenn es offenbar der Ehefrau von Ernst von Weizsäcker nicht "zu privat" war - warum dann plötzlich ihrem Sohn? - Am Rande bemerkt: Hochinteressant ist übrigens auch die langjährige Liebe des deutschen Nobelpreisträgers Werner Heisenberg zu der ältesten Tochter der Weizsäckers, Adelheid von Weizsäcker, die erst neuerdings durch die Veröffentlichung seiner Briefe an seine Eltern bekannt wurde. Sie gibt einen ganz neuen Blick auf das Innenleben Heisenbergs frei, einen zum Teil überraschend offenen Blick. Diese langjährige Liebe war wohl auch einer der Gründe für die enge Freundschaft zwischen Heisenberg und ihrem Bruder, dem späteren "Philosophen der Physik" Carl-Friedrich von Weizsäcker. Für Heisenberg war das Verhältnis zu vertrauten, nahestehenden Menschen ein sehr wichtiges in seinem Leben.

Zum Schluß ein weniger bekanntes Foto von Ernst von Weizsäcker von 1947.

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